Zentrum der Gesundheit
  • Zuckersatz wird in den Kaffee gegeben
11 September 2022
13 min

Kann Zuckerersatz das Krebsrisiko erhöhen?

Zucker gilt als Treibstoff für Krebszellen. Auch künstliche Süssstoffe werden mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Wie sieht es mit den als gesund geltenden Süssungsmitteln aus? Kann Zuckerersatz in Form von Xylit, Erythrit, Stevia und Yacon womöglich ebenfalls die Entstehung von Krebs fördern?

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Zuckersatz und Krebs

Wenn Zucker und künstliche Süssstoffe das Krebsrisiko erhöhen, könnten andere süsse Stoffe dies nicht vielleicht ebenfalls tun? Viele Menschen ersetzen Zucker mit Xylit, Erythrit oder Stevia (oder Mischungen daraus) und erhoffen sich dadurch einen gesünderen Genuss von Süssspeisen oder süssen Getränken.

Der Einfluss dieser Zuckeralternativen auf den Blutzuckerspiegel ist meist gut untersucht. Sie lassen diesen gar nicht oder nur wenig steigen und wirken sich schon allein dadurch positiv auf die Gesundheit aus. Wie aber sieht es mit dem Krebsrisiko aus?

Zucker und Krebs: Ein Mythos?

Bevor wir zum möglichen Krebsrisiko durch alternative Süssungsmittel kommen, möchten wir darauf hinweisen, dass herkömmlicher Zucker offiziell nicht als Krebsrisiko betrachtet wird. Beim Deutschen Krebsforschungszentrum heisst es sogar: „Für Krebspatientinnen und Krebspatienten ist eine ausgewogene Ernährung mit allen Nährstoffen – und dazu gehören auch Zucker und Kohlenhydrate allgemein – enorm wichtig.“ ( 7 ).

Die Aussage, Zucker fördert Krebs, wird also offiziell eher als Mythos dargestellt:

  1. Zucker könne allenfalls deshalb das Krebsrisiko erhöhen, weil Zucker (im Übermass verzehrt) Übergewicht fördere – und Übergewicht als Risikofaktor für Krebs gelte ( 2 ).
  2. Zucker sei keine krebserregende Substanz.

1. Erhöht Zucker nur deshalb das Krebsrisiko, weil er zu Übergewicht führt?

Es ist korrekt, dass Zucker das Krebsrisiko erhöht, weil er zu Übergewicht führen kann. Denn Personen mit Übergewicht haben zweifelsohne ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken ( 8 )( 9 ). 480.000 Krebsneuerkrankungen sollen weltweit alljährlich auf das Konto von Übergewicht gehen ( 10 ).

Dennoch heisst es in einer Studie, die schon im November 2020 im The American Journal of Clinical Nutrition erschienen war, dass Zucker eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen könne – und zwar nicht nur über den Umweg des Übergewichts, sondern auch weil er entzündungsfördernd wirke und oxidativen Stress verursache. Dies mache er unabhängig von einer Gewichtszunahme.

In dieser Untersuchung hatte man die Daten von über 100.000 Teilnehmern ausgewertet. Sie waren über 18 und durchschnittlich 40,8 Jahre alt. Das Krebsrisiko war bei jenen mit dem höchsten Zuckerverzehr um 17 Prozent höher. Bei Brustkrebs war ein noch deutlicher Zusammenhang erkennbar. Hier stieg bei hohem Zuckerkonsum das Risiko um 51 Prozent (wie oben gesagt: unabhängig davon, ob die Personen übergewichtig waren oder nicht) ( 11 ).

2. Ist Zucker eine krebserregende Substanz?

Natürlich ist Zucker nicht zwangsläufig eine krebserregende Substanz. Denn Zucker kommt natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vor – und Zellen nutzen den Blutzucker sodann als Brennstoff zur Energiegewinnung. Wenn dieser Brennstoff aus Gemüse, vollwertigem Getreide oder gemässigten Obstmengen gewonnen wird, ist das in Sachen Krebs im Allgemeinen auch kein Problem.

Problematisch hingegen ist der Verzehr von reichlich Haushaltszucker (Saccharose) und anderen Industriezuckerarten (Glucose-Fructosesirup, Glucose etc.), die in grösseren Mengen in zahlreichen Getränken, Süss- und Backwaren und Fertigprodukten enthalten sind.

Nur wird diese wichtige Differenzierung viel zu selten vorgenommen – und wer beim Krebsforschungszentrum nun liest, Zucker sei enorm wichtig, könnte dies als Freifahrschein für gezuckerte Getränke und Süssspeisen aller Art werten. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass genau das keine gute Idee wäre.

Zucker lässt das Krebsrisiko steigen

Im Oktober 2021 erschien im Fachjournal Clinical Nutrition eine Studie mit 7056 Teilnehmern (durchschnittlich 67 Jahre alt). Es zeigte sich, dass das Krebsrisiko pro 5 g Zucker (pro Tag) um 8 Prozent stieg. War es Glucose, stieg das Risiko, Krebs zu bekommen, um 19 Prozent, bei Fructose waren es 14 Prozent. Obstverzehr beeinflusste das Krebsrisiko nicht. Mit zunehmendem Zuckerverzehr stieg nicht nur das Krebsrisiko, sondern auch das Sterberisiko an Krebs sowie das Sterberisiko an anderen Erkrankungen ( 1 ).

Wir berichten ausserdem an anderer Stelle (bitte Links verfolgen), wie Zucker das Risiko für Lungenkrebs steigen lässt oder auch, wie Zucker einen Rückfall bei überstandenem Krebs fördert.

Künstliche Süssstoffe und Krebs

Bei künstlichen Süssstoffen verhält es sich ähnlich wie beim Zucker. Zwar ist die Datenlage uneinheitlich ( 3 ) ( 4 ) ( 5 ), wie wir auch hier erklären: Ist Aspartam harmlos? Dennoch werden Süssstoffe offiziell als unproblematisch und auch in Sachen Krebsrisiko als unbedenklich bewertet.

Bei der EFSA ist zum Thema Aspartam zu lesen: „Die derzeitige zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake – ADI) von 40 mg/kg Körpergewicht/Tag wurde für die allgemeine Bevölkerung als ausreichend schützend angesehen, wobei die Verbraucherexposition weit unter diesem Wert liegt“ ( 13 ).

Im März 2022 erschien in PLoS Med jedoch eine französische epidemiologische Studie von Wissenschaftlern u. a. der International Agency for Research on Cancer (Krebsforschungszentrum der WHO). Anhand von über 100.000 Teilnehmern zeigte sich ein erhöhtes Gesamtkrebsrisiko durch einen hohen Verzehr künstlicher Süssstoffe (Aspartam, Acesulfam-K, Sucralose) sowie ein um 22 Prozent erhöhtes Brustkrebsrisiko (im Vergleich zu Personen, die keine künstlichen Süssstoffe konsumierten) ( 6 ).

Als hohen Verzehr bezeichnete man den täglichen Verzehr von mehr als 19 mg Süssstoff bei Frauen und mehr als 17,4 mg bei Männern, was deutlich unter der o. g. als von den Behörden als sicher bezeichneten Aufnahmemenge liegt (40 mg/kg Körpergewicht und Tag). Details dazu lesen Sie in unserem Artikel Studie: Süssstoffe erhöhen Krebsrisiko.

Da die Sache also mehr als unklar zu sein scheint, ist selbst die EFSA seit 2019 dabei, neue Daten zur Sicherheit von Süssstoffen zu sammeln und will Ende des Jahres (2022) dazu eine Neubewertung veröffentlichen ( 12 ).

Gesunder Zuckerersatz und Krebs

Wie sieht es nun mit den als gesund geltenden Süssungsmitteln aus, die viele Menschen längst als Zuckerersatz verwenden? Wie wirken sich die Zuckeraustauschstoffe Xylit und Erythrit, wie die Süssstoffe aus Stevia und wie wirkt sich Yacon, der Sirup aus der südamerikanischen Wurzel auf das Krebsrisiko aus?

Xylit und Krebs

Xylit ist ein Zuckeraustauschstoff (Zuckeralkohol), der ein Drittel weniger Kalorien hat als Zucker, aber genauso süss schmeckt und in Rezepten daher 1 : 1 gegen Zucker ausgetauscht werden kann. Xylit hat zwei Nachteile:

1. Isst man zu viel Xylit (oder auch am Anfang, wenn man Xylit noch nicht gewöhnt ist), kann der Zuckeraustauschstoff zu Blähungen, Bauchweh oder Durchfall führen, weshalb man bestimmte Verzehrmengen nicht überschreiten sollte. Details dazu lesen Sie in unserem Artikel Zuckerersatz: Die gesündesten Süssungsmittel.

2. Xylit ist für Hunde giftig, so dass Sie mit Xylit gesüsste Lebensmittel keinesfalls Hunden geben dürfen!

Krebserregend wirkt Xylit jedoch nicht, sondern im Gegenteil, der Zuckeraustauschstoff wirkt krebshemmend. (Exkurs: Xylit wirkt sogar hemmend auf Viren. Gemeinsam mit Grapefruitkernextrakt und einer Salzlösung wurde der Zuckeraustauschstoff in Form eines Nasensprays erfolgreich bei Patienten mit mildem Covid-19-Verlauf eingesetzt. Ihr Befinden verbesserte sich zügig, und die Zeit, bis der PCR-Test wieder negativ war, konnte verkürzt werden. *Es handelte sich um das Xlear Nasenspray ( 17 ).)

Xylit wirkt krebshemmend, ohne gesunden Zellen zu schaden

Im Jahr 2017 entdeckten japanische Wissenschaftler zufällig bei der Untersuchung eines Cordyceps-Extrakts (Cordyceps militaris), dass dieser natürlicherweise auch eine grössere Menge Xylit enthielt ( 16 ). Cordyceps ist ein bekannter Heilpilz, dessen Hauptwirkstoff Cordycepin zahlreiche gesundheitlich wertvolle Eigenschaften aufweist und z. B. Gelenkschmerzen lindert, das Immunsystem stärkt, die Libido und Potenz erhöht und eben auch das Krebswachstum hemmt.

In genannter Studie zeigte sich, dass nicht nur Cordycepin für die krebsfeindliche Wirkung des Pilzes verantwortlich war, sondern auch Xylit zur krebshemmenden Wirkung des Extraktes beitrug. Der Zuckeraustauschstoff führte im Zellversuch zum Tod von Hautkrebszellen, aber schadete gesunden Bindegewebszellen nicht (16).

Dasselbe Forscherteam veröffentlichte 2020 weitere Ergebnisse, nämlich zum konkreten Anti-Krebs-Wirkmechanismus von Xylit. Es zeigte sich, dass Xylit nicht nur im Zellversuch, sondern auch im Organismus (Maus) krebshemmend wirkte. Allerdings wurde der Stoff dazu injiziert. Xylit konnte dabei die Krebszellen sogar sensibilisieren, was bedeutet, dass sie von Krebsmedikamenten nun leichter ausgeschaltet werden konnten ( 14 ).

Xylit statt Zucker verlängert Lebenszeit bei Krebs

Im Mai 2022 stand in Nutrients, dass bei vielen Krebsarten ein beschleunigter Zuckerstoffwechsel beobachtet werden könne, so dass die Suche nach gesunden Alternativen, die dem Krebs keinen Treibstoff liefern, ein wichtiger Ansatz in der Krebsforschung darstelle.

Als man nun bei Mäusen mit Zungenkrebs einen Teil des Glucoseanteils im Futter gegen Xylit austauschte, nahm die Tumorgrösse ab bzw. hemmte das Tumorwachstum und die Tiere in der Xylitgruppe lebten 30,5 Tage, während die Kontrollgruppe, die kein Xylit bekommen hatte, schon nach 19 Tagen verstarb. Zahlreiche Krebsmarker besserten sich unter dem Einfluss von Xylit.

Welche Xylitmenge ist die richtige?

Die den Mäusen verabreichte Xylitmenge würde beim Menschen 10 g pro Tag entsprechen ( 15 ). Nun sind weitere Studien geplant, um möglicherweise xylithaltige Produkte für Krebspatienten zu entwickeln.

Lediglich bei sehr grossen Xylitmengen, wenn das Futter der Tiere zu 10 bis 20 Prozent aus Xylit bestand, wirkte dies krebsfördernd bei Mäusen – so eine Studie von 1977. Doch auch damals zeigte sich bei einer kleineren Dosis von 2 Prozent keine schädliche Wirkung mehr.

Wollten Sie 10 Prozent Xylit in Ihre Ernährung nehmen, müssten Sie (als Frau) bei einem Energiebedarf von z. B. 1900 kcal täglich 80 g Xylit essen, 20 Prozent wären entsprechend 160 g. Männer müssten bei einem Energiebedarf von z. B. 2400 kcal täglich 100 bis 200 g Xylit essen – was unrealistisch hohen Mengen entspricht, nämlich der 8- bis 20-fachen Menge der krebshemmenden Dosis ( 17 ).

Erythrit und Krebs

Erythrit gehört – wie Xylit – ebenfalls zu den Zuckeraustauschstoffen und damit zu den Zuckeralkoholen. Im Gegensatz zu Xylit ist Erythrit nahezu kalorienfrei, weist dabei aber eine geringere Süsskraft als jene von Zucker auf (nur 75 Prozent der Zuckersüsskraft). 

Erythrit wird grösstenteils unverändert über den Urin ausgeschieden. Ein kleiner Teil wird im Darm zu kurzkettigen Fettsäuren umgebaut (was die Darmgesundheit fördert) oder mit dem Stuhl ausgeschieden.

Erythrit auch in grossen Mengen nicht krebsfördernd

Zum Thema Erythrit und Krebs liegt eine ältere Rattenstudie aus den 1990er Jahren vor, in der sich keine krebsartigen Veränderungen durch Erythrit gezeigt hatten – auch nicht bei hohen Verzehrmengen von bis zu 10 Prozent Erythrit an der Gesamtnahrung, was zwischen 4,6 und 5,4 g pro Kilogramm Körpergewicht entsprach und mehr als 100 Wochen lang gefüttert wurde.

Selbst diese völlig unrealistisch hohen Dosen zeigten keine Auswirkung auf das Sterberisiko der Tiere und veränderten auch die Blutwerte nicht. Man konnte lediglich erhöhte Mineralstoffwerte im Urin beobachten und Kalkablagerungen in den Nieren – aber nur, wenn die genannten hohen Mengen gefüttert wurden, nicht bei geringeren Erythritmengen ( 19 ).

Erythrit verursacht keine Mutationen

Wenn sich Mutationen und Chromosomenschäden (DNA-Schäden) häufen, kann diese Entwicklung zur Entartung der Zelle und auf diese Weise zu Krebs führen, so die derzeitige Annahme zur Krebsentstehung. In Zell- und Mäusestudien von 2013 zeigte sich in Bezug auf Erythrit, dass der Zuckeraustauschstoff nicht mutagen ist (also keine Mutationen hervorruft) und auch keine Chromosomenschäden verursacht ( 20 ).

Erythrit wirkt antioxidativ

Da oxidativer Stress zur Krebsentstehung beitragen kann und Erythrit antioxidative Eigenschaften hat, könnte der Zuckeraustauschstoff über diesen Mechanismus sogar krebshemmend wirken ( 21 ).

Weitere Studien sind uns zu diesem Thema derzeit nicht bekannt. Sicher werden in Zukunft auch epidemiologische Studien durchgeführt und veröffentlicht, die wir hier sodann ergänzen werden.

Yacon und Krebs

Aus der Yaconwurzel (kurz Yacon) kann ein süsser Sirup hergestellt werden, der im Vergleich zu anderen Sirupen eine aussergewöhnliche Zusammensetzung aufweist. Er besteht zu 30 bis 50 Prozent aus sog. FOS (Fructooligosacchariden). Dabei handelt es sich um süss schmeckende Ballaststoffe, die präbiotisch wirken, also der Darmflora als Nahrung dienen und auf diese Weise die Darmgesundheit verbessern.

Yacon reduziert Krebsrisiko über eine verbesserte Darmgesundheit

Denn wenn die Bakterien der Darmflora die FOS verstoffwechseln, entstehen sog. kurzkettige Fettsäuren (die wir schon oben bei Erythrit erwähnt haben). In Tierstudien verbessern diese im Darm die Leistungsfähigkeit des Immunsystems, optimieren den Dickdarm-pH-Wert und hemmen Entzündungsprozesse im Darm. Alle diese Eigenschaften reduzieren das Darmkrebs- und auch das Brustkrebsrisiko, so eine Studie, die im November 2019 in Nutrients veröffentlicht wurde ( 23 ).

Yacon unterstützt das Abnehmen – und senkt so das Krebsrisiko

Da Yaconsirup auch beim Abnehmen helfen kann, reduziert er auch über diesen Weg das Krebsrisiko (denn Sie erinnern sich: Übergewicht erhöht das Krebsrisiko). In einer Studie erhielten übergewichtige Frauen 120 Tage lang täglich 0,14 g Yaconsirup pro Kilogramm Körpergewicht. Ihr Bauchfettanteil nahm ab und auch ihr LDL-Cholesterinspiegel sank ( 22 ).

Gleichzeitig können FOS den Nüchterninsulinspiegel senken, was ebenfalls einen Schutzeffekt hat, denn ein chronisch erhöhter Insulinspiegel begünstigt die Krebsentstehung – zumindest im Darm und in der Gebärmutter ( 24 ).

Konkrete Studien, in denen das Krebsrisiko beim regelmässigen Yaconsirupverzehr überprüft worden wäre, liegen noch nicht vor. Doch weisen die obigen Informationen darauf hin, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass der Sirup die Krebsbildung fördern könnte, er hingegen vielmehr eine Schutzwirkung hat.

Stevia und Krebs

Stevia ist eine süss schmeckende Pflanze aus Südamerika, die zur Herstellung von Süssstoffen verwendet wird. Dazu werden die süssen Stoffe (Steviolglycoside) aus der Pflanze extrahiert. Sie sind bis zu 450-mal süsser als Haushaltszucker.

Es wird also nicht etwa die Pflanze getrocknet und pulverisiert. Ein solches Pulver gibt es zwar. Da es aber nicht sehr praktikabel ist (löst sich nicht auf, färbt grün und eignet sich eigentlich nur für Tee), sind im Handel vorwiegend die isolierten Steviolglycoside als weisses Pulver oder in Tab-Form erhältlich.

Verschiedene Studien und Analysen zeigten, dass Stevia keinerlei krebserregendes Potenzial besitzt, was z. B. in einer Arbeit vom April 2021 in Food and Chemical Toxicology nachgelesen werden kann ( 26 ).

Stevia zeigte mittlerweile in zahlreichen Untersuchungen sogar einen Schutzeffekt in Sachen Krebs. In einer umfassenden Studie vom Februar 2022 heisst es beispielsweise ( 25 ), dass gerade wegen der krebsfördernden Wirkung des Zuckers eine der wichtigsten Regeln einer krebshemmenden Ernährung die Reduzierung des Zuckerkonsums darstelle, weshalb Stevia als Zuckeralternative in die Ernährung integriert werden könnte – und zwar aus den folgenden Gründen ( 27 ):

  1. Stevia ist kalorienfrei, trägt also nicht zu Übergewicht bei und senkt somit das übergewichtsbedingte Krebsrisiko.
  2. Stevia lässt den Blutzucker- und Insulinspiegel nicht steigen, wirkt entzündungshemmend und antioxidativ und senkt so das Krebsrisiko, das mit einem erhöhten Insulinspiegel, mit oxidativem Stress und chronischen Entzündungsprozessen in Zusammenhang steht.
  3. Stevia zeigt im Zellversuch eine stark hemmende Wirkung auf das Krebszellwachstum. Manche Forscher berichten gar von einer so stark zytotoxischen Wirkung, die mit jener von herkömmlichen Krebsmedikamenten vergleichbar sei. Im Gegensatz zu diesen wirke Stevia auf gesunde Zellen weniger toxisch.

Nichtsdestotrotz seien natürlich noch weitere Studien erforderlich, insbesondere um die für einen krebsschützenden Effekt konkrete Steviadosis herauszufinden. In jedem Fall sei Stevia aber mehr als einfach nur ein Süssstoff, nämlich eher ein Lebensmittelzusatzstoff mit zahlreichen Vorteilen für die Gesundheit und könne – kombiniert mit herkömmlichen Krebstherapien – als Teil einer pflanzenbasierten Ernährung zur Prävention und Therapie von Krebs beitragen.

Fazit: Zuckeralternativen erhöhen das Krebsrisiko nicht

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die vorgestellten vier Zuckeralternativen das Krebsrisiko nicht erhöhen und daher sehr gut statt Zucker eingesetzt werden können. Bedenken Sie jedoch, dass es oft nicht allein der Zucker ist, der ein Gericht oder Produkt ungesund werden lässt. Meist sind auch die übrigen Zutaten nicht besonders gesund, z. B. in Backwaren, Süssigkeiten, Fertigprodukten etc., so dass Sie – wenn Sie sich gesund ernähren möchten und Ihre Ernährung umstellen, entdecken werden, dass Sie gar nicht mehr so oft einen Zuckerersatz benötigen.

Schauen Sie sich gerne in unserem ZDG-Kochstudio um, wo Sie inzwischen über 2000 köstlich-gesunde, vollwertige und vitalstoffreiche rein pflanzliche Rezepte aus allen Rubriken und auch aus allen Herren Ländern finden. In unserem Youtube-Kochkanal können Sie ausserdem unseren Profi-Köchen bei der Zubereitung direkt über die Schulter schauen. Hier z. B. beim Backen gesunder Kuchen und Torten, die natürlich frei von Haushaltszucker sind. Guten Appetit!

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
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  2. (2) Cancer Council, Does Sugar cause Cancer?, abgerufen am 14.8.2022
  3. (3) Belpoggi F, Soffritti M, Padovani M, Degli Esposti D, Lauriola M, Minardi F. Results of long-term carcinogenicity bioassay on Sprague-Dawley rats exposed to aspartame administered in feed. Ann N Y Acad Sci. 2006 Sep;1076:559-77.
  4. (4) Shibui Y, Fujitani S, Iwata H, Lynch B, Roberts A. Histological analyses of the Ishii (1981) rat carcinogenicity study of aspartame and comparison with the Ramazzini Institute studies. Regul Toxicol Pharmacol. 2019 Mar;102:23-29.
  5. (5) Landrigan PJ, Straif K. Aspartame and cancer - new evidence for causation. Environ Health. 2021 Apr 12;20(1):42.
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  7. (7) Deutsches Krebsforschungszentrum, Zucker und Kohlenhydrate bei Krebs: Schädlich oder unverzichtbar? 15.11.2020, abgerufen am 15.8.2022
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  13. (13) EFSA, Aspartam, abgerufen am 17.8.2022, efsa.europa.eu/de/topics/topic/aspartame
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