Chicorée: Milde Bitterstoffe für die gesunde Küche
Der Chicorée (Cichorium intybus var. foliosum) ist ein ganz besonderer Blattsalat. Er zählt zur großen Familie der Korbblütler und ist mit der Gemeinen Wegwarte verwandt – die bekannte leuchtend blau blühende Wildpflanze, die man in Mitteleuropa häufig an Wegrändern sieht. Sie ist sozusagen die Urform des Chicorées. Denn genau wie der Radicchio, die Wurzelzichorie oder der Zuckerhut wurde der Chicorée aus der Wegwarte gezüchtet.
Die Wegwarte ist besonders reich an Bitterstoffen und kommt seit Jahrtausenden als Heilpflanze bei Magen-, Darm- und Leberleiden zum Einsatz. Der Chicorée schmeckt zum Glück deutlich milder als seine Urmutter, auch milder als Radicchio und so manch anderer Bittersalat, enthält aber dennoch gesundheitlich wirksame Bitterstoffe.
Zwar mögen viele Menschen aufgrund des Überangebots an zuckerhaltigen Lebensmitteln bittere Gemüse nicht mehr. Gesundheitsorientierte Verbraucher aber wissen um die Vorteile der Bitterkeit und integrieren herbes Gemüse wie den Chicorée ganz bewusst in ihre Ernährung.
Der Chicorée und seine vielen Namen
Ursprünglich stammt der Chicorée aus Belgien, wo er im 19. Jahrhundert erstmals gezüchtet wurde. Er erhielt den flämischen Namen Witloof (Weißblatt).
Zichorie und Bleichzichorie in Deutschland
Im deutschsprachigen Raum spricht man gelegentlich von den Brüsseler Spitzen, dem Bittersalat oder der Zichorie. Letzteres ist verwirrend, da Zichorie der botanische Oberbegriff für die gesamte Pflanzengattung ( Cichorium) ist. Um den Chicorée sprachlich von seinen Verwandten abzugrenzen, nennt man ihn im professionellen Gemüsebau oder in alten Fachbüchern daher oft Bleichzichorie.
Chicory in UK und Endive in den USA
Im englischsprachigen Ausland wird es noch verwirrender. In UK heißt der Chicorée chicory (oder zur Verdeutlichung Belgian chicory). In den USA heißt er endive oder Belgian endive.
Der Endiviensalat heißt in UK und in den USA dagegen escarole. Beim Friséesalat wird es wieder – aus unserer deutschen Sicht – chaotisch. Dieser heißt in UK endive und in den USA chicory oder curly endive.
Chicorée oder Wurzelzichorie?
Problematisch ist, dass sogar in den meisten bisherigen Forschungsarbeiten nicht genau angegeben wurde, welche Arten nun untersucht wurden. Und auf Präparaten, die Extrakte enthalten, steht nicht selten einfach Chicorée, obwohl in der Regel die Wurzelzichorie (Cichorium intybus var. sativum DC) gemeint und enthalten ist.
Sie wurde ebenfalls aus der Wegwarte gezüchtet – aber nicht ihrer Blätter wegen. Stattdessen nutzt man ihre Wurzel – einerseits für Zichorienkaffee, andererseits für die Gewinnung von Inulin. Inulin ist ein löslicher Ballaststoff mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sowohl in der Lebensmittelindustrie als auch als präbiotisches Nahrungsergänzungsmittel (für Darm und Darmflora).
So wächst und entsteht der Chicorée
Die Anzuchtmethode wurde im Botanischen Garten in Brüssel erfunden. Der Chicorée wächst im Sommer im Freiland auf dem Feld. Er bildet eine große Rübe (Pfahlwurzel) und grüne, sehr bittere Blätter. Im Herbst werden die Rüben ausgegraben und die Blätter abgeschnitten.
Weil alle Wurzeln gleichzeitig im November geerntet werden, kommen alle zusammen in ein dunkles Kühlhaus bei knapp unter 0 °C. Durch die Kälte werden die Wurzeln in den Winterschlaf versetzt. Sie treiben also nicht aus. Bis zu 8 Monate lang kann man sie hier lagern.
Aus dem Kühlhaus holt der Landwirt nun allwöchentlich einen kleinen Teil der Wurzeln und bringt sie ins ebenfalls dunkle, aber warme Treibhaus. Dort werden die Wurzeln aufrecht in Kisten mit Wasser gestellt. Die Wurzel „wacht auf“ und beginnt auszutreiben. Da kein Licht vorhanden ist, wird kein Blattgrün (Chlorophyll) gebildet. Es entsteht eine kompakte, knackige und bleiche Blattknospe – der Chicorée.
Nach knapp einem Monat im Treibhaus ist er erntebereit, wird von der Wurzel abgeschnitten und gelangt in die Läden. Die Wurzeln haben nach der Ernte ausgedient und werden als Abfall entsorgt, kompostiert oder an Tiere verfüttert.
Wann hat der Chicorée Saison?
Aufgrund des oben beschriebenen Zyklus zwischen Kühlhaus und Treibhaus gibt es den Chicorée fast das ganze Jahr über aus heimischem Anbau frisch zu kaufen.
Am besten schmeckt er im Herbst und Winter. Denn dann lagerten die Wurzeln noch nicht so lange im Kühlhaus, kamen relativ frisch vom Feld und die daraus getriebenen Blattknospen haben ein optimales Verhältnis von milder Süße zu herber Note.
Was Sie beim Kauf beachten sollten
Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Köpfe feste, geschlossene Spitzen haben und sich kompakt anfühlen. Sie sollten weiß bis hellgelb und unter keinen Umständen grün gefärbt sein.
Wenn die Blattränder bereits braun werden (verderben/faulen), lassen Sie das Gemüse liegen. Auch der Strunk an der Unterseite sollte nicht braun oder rissig, sondern hell und saftig aussehen.
So lagert man den Chicorée richtig
Wickeln Sie Chicorée in leicht angefeuchtetes Küchenpapier und legen ihn ins Gemüsefach des Kühlschranks. Dort bleibt er mindestens 2 Wochen frisch und knackig. Außerhalb des Kühlschranks würde er rasch welk und außerdem – wenn er Tageslicht abbekommt – grün werden.
Kann man den Chicorée einfrieren?
Man könnte ihn einfrieren, aber wenn, dann nur blanchiert. Empfehlenswert ist es aber nicht, da Aroma und Konsistenz stark leiden. Lagern Sie ihn lieber fachmännisch (siehe oben), dann hält er etliche Wochen.
Der rote Chicorée sorgt für Abwechslung
Vielleicht ist Ihnen im Handel schon einmal die rote Variante des Chicorées aufgefallen. Es handelt sich hierbei keinesfalls um eine alte Sorte, sondern um eine relativ junge Kreuzung aus dem klassischen weißen Chicorée und dem Radicchio.
Die farbenfrohe Variante entwickelt trotz des Lichtmangels in der Dunkelkammer eine tiefrote Farbe. Das liegt daran, dass die roten Pflanzenfarbstoffe (Anthocyane) – anders als das grüne Chlorophyll – unabhängig vom Licht gebildet werden.
Geschmacklich unterscheidet sich der rote vom weißen Chicorée dadurch, dass er weniger Bitterstoffe enthält und eine leicht nussige Note aufweist.
Chicorée kann roh gegessen werden
Im Netz kursieren immer wieder Fragen, ob bitter schmeckende Pflanzen wie der Chicorée unter bestimmten Umständen giftig sein können. So etwa, wenn sie roh gegessen werden, in der Blütezeit oder wenn bestimmte Pflanzenteile wie die Wurzel verzehrt werden.
Es gibt in der Tat bitter schmeckende Lebensmittel wie Holunderbeeren und Bittermandeln, die vor dem Essen erhitzt werden müssen. Dadurch werden bestimmte Giftstoffe – wie in diesen Fällen Blausäureverbindungen – unschädlich gemacht.
Beim Chicorée ist das allerdings nicht notwendig. Zwar haben die Bitterstoffe auf Insekten eine toxische Wirkung, auf uns Menschen aber sogar einen gesundheitlichen Effekt. Das Gemüse kann darum wunderbar sowohl roh als auch gegart genossen werden.
Welche Bitterstoffe in den Blattknospen enthalten sind und wie sie sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken, erfahren Sie weiter unten im Text.
Wie viel ist eine Portion Chicorée?
Für eine normale Portion Chicorée als Beilage können Sie etwa 120 bis 150 g rechnen. Das entspricht ungefähr einem mittleren bis großen Kopf. Möchten Sie einen reichhaltigen Salat oder Hauptgang zubereiten, benötigen Sie pro Person ca. 2 Köpfe (200 bis 250 g).
Die richtige Vorbereitung in der Küche
Der Chicorée ist in der Handhabung unkompliziert. Waschen müssen Sie ihn meist nicht, es genügt, wenn Sie die beiden äußeren Blätter entfernen.
Schneiden Sie dann den harten, holzigen Strunk am unteren Ende der Blattknospe etwa 1 cm breit ab. Dadurch lösen sich die einzelnen Blätter fast von alleine.
Wenn Sie den Chicorée im Ganzen oder halbiert garen möchten, schneiden Sie den inneren Strunk einfach keilförmig von unten heraus. So fallen die Blätter nicht auseinander.
Je nach Rezept können Sie die Blätter nun im Ganzen als dekorative Schiffchen belassen, sie der Länge nach halbieren, vierteln oder in feine Streifen schneiden.
So können die Bitterstoffe reduziert werden
Es kann sein, dass Sie sehr empfindlich auf Bitterstoffe reagieren oder sich langsam daran gewöhnen möchten. Gehen Sie dann wie folgt vor:
Der Strunk ist der bitterste Teil
Das allererste Gebot beim Entbittern ist, den Strunk großzügig zu entfernen. Denn die höchste Konzentration der Bitterstoffe findet sich genau hier.
Ein Wasserbad hat Vor- und Nachteile
Ein 2-minütiges, lauwarmes Wasserbad kann sinnvoll sein. Bedenken Sie aber, dass dabei nicht nur die Bitterstoffe teilweise ausgeschwemmt werden, sondern auch Mineralstoffe und wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C.
Hitze baut Bitterstoffe ab
Sie können den herben Geschmack auch durch das Garen merklich reduzieren. Denn bei hohen Temperaturen bricht ein Teil der Bitterstoff-Moleküle auf und zerfällt in geschmacksneutrale Bestandteile.
Die Hitze schafft es während der normalen Kochzeit aber nicht, alle Moleküle zu zerstören. Ein beachtlicher Rest der Bitterstoff-Menge bleibt chemisch völlig intakt im Gemüse. Das ist der Grund, warum ein leichtes Bitteraroma auch nach dem Garen erhalten bleibt.
Süße Zutaten maskieren die Bitternote
Sie können den Chicorée wunderbar mit süß schmeckenden Zutaten wie Orangen, Äpfeln, Datteln oder Ahornsirup kombinieren. Die Süße maskiert die Bitterstoffe.
So kann die bittere Note verstärkt werden
Es kann natürlich auch sein, dass Sie aus gesundheitlicher Sicht noch stärker von den Bitterstoffen profitieren wollen oder auch einfach den bitteren Geschmack mögen und ihn daher intensivieren möchten. Gehen Sie dabei folgendermaßen vor:
Die Blattknospen dem Licht aussetzen
Wenn Sie den Blattsalat vor der Zubereitung 1 bis 2 Tage an einem hellen Ort (z. B. auf der Fensterbank) im Tageslicht liegen lassen, verfärben sich die Blätter grün und bilden mehr Bitterstoffe.
Den Strunk mitverwenden
Schneiden Sie den kegelförmigen Strunk am unteren Ende auf keinen Fall heraus. Denn wie Sie bereits wissen, konzentrieren sich dort die meisten Bitterstoffe.
Wenn Sie die Blattknospen im Ganzen oder halbiert garen möchten, schneiden Sie den Strunk unten kreuzweise ein. So gart er genauso schnell wie die zarten Blätter. Für Pfannengerichte oder Suppen können Sie den Strunk in hauchdünne Scheiben schneiden.
Heiß anbraten oder rösten
Durch scharfes Anbraten in der Pfanne oder Rösten im Ofen verdunstet Wasser, wodurch die Bitterstoffe konzentriert werden. Zudem entstehen Röstaromen, welche die herbe Note unterstützen.
Das Kochwasser nutzen
Wenn Sie das Gemüse kochen, gießen Sie das Wasser nicht weg. Nutzen Sie es stattdessen als Basis für Dressings, Saucen oder Suppen, da die wasserlöslichen Bitterstoffe darin übergehen.
Säure statt Süße
Verzichten Sie beim Kochen auf süße Gegenspieler wie Zucker oder Ahornsirup. Setzen Sie stattdessen auf saure Komponenten wie Zitrone oder Essig. Säure verleiht dem Gemüse ein intensiv-herbes Profil.
Bitteres mit Bitterem kombinieren
Verstärken Sie den herben Effekt, indem Sie den Chicorée mit Lebensmitteln wie Rucola, Radicchio, Walnüssen, rohem Kohlgemüse oder Grapefruit servieren.
So wird der Chicorée zubereitet
In der Küche ist der Chicorée ein echter Verwandlungskünstler. Je nach Zubereitungsart verändert er seinen Charakter von knackig-herb bis edel-süßlich.
Roher Chicorée als Salat oder Fingerfood mit Dip
Die Blattknospen eignen sich perfekt als Rohkost. Ungegart behalten sie ihre intensive Bitternote und ihren verführerischen Knack. Das rohe Gemüse harmoniert perfekt mit süßen Komponenten wie Weintrauben, Apfel- oder Orangenstücken. Auch Walnüsse und geraspelte Karotten passen zu einem herzhaften Salat.
Die schiffchenförmigen Blätter eignen sich zudem hervorragend als essbare Löffel für feine Dips, wie z. B. eine Avocado-Creme oder Hummus.
So wird das Gemüse gedünstet
Erhitzen Sie etwas Olivenöl in einer Pfanne. Geben Sie den Chicorée dazu und braten Sie ihn bei mittlerer Hitze ca. 2 Minuten leicht an. Fügen Sie nun 1 kleinen Schuss Flüssigkeit dazu (ca. 4 bis 5 EL). Hierfür eignen sich Gemüsebrühe, Zitronensaft oder ein trockener Weißwein.
Legen Sie den Pfannendeckel auf und lassen Sie das Gemüse bei geringer bis mittlerer Hitze ca. 8 bis 10 Minuten garen. Es ist fertig, wenn es weich ist, aber im Kern noch einen leichten Biss hat. Schmecken Sie mit Salz, Pfeffer und einer Prise frisch geriebener Muskatnuss ab.
So wird der Chicorée geschmort
Braten Sie den Chicorée in einer tiefen Pfanne oder einem Topf rundherum scharf an. Geben Sie dann etwas Flüssigkeit dazu. Der Boden sollte gut bedeckt sein. Geben Sie einen Deckel auf das Kochgefäß und lassen Sie das Gemüse bei niedriger Hitze 10 bis 15 Minuten sanft köcheln, bis es butterweich ist.
Das sollten Sie beim Braten beachten
In Streifen geschnitten oder halbiert lässt sich der Chicorée wunderbar in der Pfanne anbraten. Erhitzen Sie 1 bis 2 EL Olivenöl in einer großen Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze. Legen Sie die Hälften mit der Schnittfläche nach unten in die Pfanne.
Braten Sie sie für ca. 3 bis 4 Minuten scharf an, bis sie eine goldbraune Kruste bekommen. Wenden Sie dann den Chicorée auf die Rückseite. Träufeln Sie 1 TL Ahornsirup über die gebratenen Schnittflächen und reduzieren Sie die Hitze. Braten Sie das Gemüse nochmals ca. 3 bis 4 Minuten.
Schmecken Sie das Gemüse direkt in der Pfanne mit Salz, Pfeffer und einem kleinen Spritzer Zitronensaft oder Balsamico-Essig ab.
Gegriller Chicorée ist ein Highlight
Auf dem Grill oder in der Grillpfanne sind die halbierten Blattknospen ein echtes Highlight. Bepinseln Sie das Gemüse großzügig von allen Seiten mit einer Marinade aus Olivenöl, Salz, Pfeffer und Ahornsirup. Das sorgt für eine fantastische Kruste.
Legen Sie die Chicorée-Hälften bei mittlerer bis hoher direkter Hitze mit der Schnittfläche nach unten auf den Rost. Nach 3 bis 4 Minuten bilden sich deutliche Grillstreifen. Wenden Sie das Gemüse und grillen Sie es auf der Rückseite für weitere 3 Minuten. Es sollte weich sein, aber noch Biss haben.
Ein wenig grobes Salz und frisch geriebener veganer Parmesan runden das Gericht perfekt ab.
So wird Chicorée im Ofen zubereitet
Halbiert oder geviertelt lässt sich der Chicorée hervorragend auf einem Backblech zubereiten. Heizen Sie den Ofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze (oder 180 °C Umluft) vor. Mit Olivenöl beträufelt, etwas braunem Zucker garniert und mit Thymian im Ofen geröstet, entfaltet er ein intensives süß-herbes Aroma.
Frittierter Chicorée als Fingerfood
Die einzelnen Blätter oder Viertel lassen sich wunderbar durch einen leichten Teigmantel (z. B. Bierteig oder asiatischen Tempura-Teig) ziehen und knusprig ausbacken. Erhitzen Sie das Frittieröl in einem Topf, einer tiefen Pfanne oder einer Fritteuse auf 170 bis 180 °C.
Ziehen Sie nun den Chicorée durch den eiskalten Teig und geben Sie ihn vorsichtig in das heiße Öl. Frittieren Sie ihn portionsweise für ca. 2 bis 3 Minuten, bis der Teig fest, knusprig und goldfarben ist. Nehmen Sie das knusprige Gemüse mit einer Schaumkelle heraus, lassen Sie es auf Küchenpapier abtropfen und bestreuen Sie es mit Meersalzflocken.
Frittierter Chicorée ist ein raffiniertes Fingerfood. Als Saucen eignen sich z. B. Tentsuyu-Sauce (aus Sojasauce, Mirin und etwas Brühe) oder Ponzu-Sauce (Sojasauce mit Zitrusnote) zum Dippen.
Chicorée belebt salzarme Gerichte
Menschen mit gewissen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzschwäche sollten salzarm essen. Durch diese Maßnahme können Wassereinlagerungen reduziert und der Blutdruck gesenkt werden. Doch schmeckt das Essen dann ziemlich langweilig
Versuchen Sie einmal anstelle von Salz kräftige, herbe Aromen (wie Chicorée, Rucola oder Ingwer) und frische Kräuter zu nutzen. Dadurch bieten Sie Ihrer Zunge ein so spannendes und komplexes Geschmackserlebnis, dass die fehlende Salznote gar nicht mehr so negativ auffällt.
Leckere Rezepte – gesund und rein pflanzlich
In unserer Rubrik Gesunde Rezepte finden Sie viele leckere Rezepte mit dem herben Blattgemüse, z. B. Chicoréesalat mit Ingwer-Kurkuma-Dressing – ölfrei oder Geschmorter Chicorée mit lauwarmem Kartoffel-Gurken-Salat. Geben Sie einfach in unsere Suche den Begriff "Chicorée" ein.
Die Nährwerte, Vitamine und Mineralstoffe
Der Chicorée besteht zu 92 % aus Wasser und hat pro 100 g nur 17 kcal sowie 71,1 kJ.
Er hat nur 0,1 % Fett, 4 % Kohlenhydrate und 0,9 % Protein sowie 3,1 % Ballaststoffe.
Der Chicoree liefert nicht sehr viele Vitamine oder Mineralstoffe. Allenfalls Folsäure ist mit 37 µg pro 100 g enthalten, was etwa 9 % des Tagesbedarfs entspricht. Alle anderen Vitalstoffe sind in geringeren Anteilen enthalten.
In vielen Tabellen wird ein sehr hoher Betacarotin-Gehalt von über 3400 µg genannt. Dies dürfte ein Fehler sein, der seit vielen Jahren so übernommen wird. Das wäre mehr Betacarotin als bei manchen Kürbissen angegeben ist. Betacarotin ist jedoch orangefarben. Kürbisse sind orange, der Chicorée hingegen nicht. In aktualisierten Tabellen werden maximal 120 µg Betacarotin angegeben oder gar kein Wert mehr.
Chicorée bei Unverträglichkeiten?
Der Chicorée ist für Menschen mit Unverträglichkeiten meist sehr gut geeignet. Er enthält pro 100 g nur 2-2,5 g Zucker, davon etwa 0,7 g Fructose und kann bei Fructoseintoleranz daher gut den Speiseplan bereichern. Zudem ist der Blattsalat ideal für die histaminarme Ernährung. Es hilft sogar oft bei histamin-bedingtem Völlegefühl.
Wer also an einem empfindlichen Magen-Darm-System leidet, muss keine Blähungen befürchten. Die Bitterstoffe schützen vor Beschwerden im oberen und unteren Verdauungstrakt.
Wie viel Inulin enthält Chicorée?
Chicorée wird immer wieder als gute Inulinquelle bezeichnet. Der präbiotische Ballaststoff, der gerne für die Darmflora als Nahrungsergänzung eingenommen wird, befindet sich jedoch fast ausnahmslos in der Wurzel (sie besteht in der Trockenmasse gar zu 50 % aus Inulin), aber nur in Spuren in den Blättern.
Nach der Chicorée-Ernte ist von den 50 % aber nicht mehr viel übrig, weil ja das Wachstum des Chicorées ein Großteil davon verbraucht hat.
Für die Herstellung von Inulin wird daher die Wurzel der Wurzelzichorie verwendet. Diese besteht in der Trockenmasse ebenfalls zu 50 oder sogar zu über 60 % aus Inulin, ist aber deutlich größer.
Weitere Informationen rund um Inulin lesen Sie in unserem Artikel Inulin – Wirkung, Anwendung und Vorteile für den Darm. Ebenfalls interessant ist unser Artikel Inulin kann bei Kniearthrose Schmerzen lindern.
Welche gesunden Stoffe enthält Chicorée?
Im Chicorée sind etliche gesunde Pflanzenstoffe enthalten - einmal Bitterstoffe, zum anderen sekundäre Pflanzenstoffe, wie Polyphenole:
Gesunde Bitterstoffe für Verdauung, Darm und Leber
Bei den Bitterstoffen im Chicorée handelt es sich um Sesquiterpenlactone (6) – und zwar unter anderem um die folgenden drei: Lactucopicrin, Lactucin und Dihydrolactucin.
Charakteristisch für Bitterstoffe ist, dass sie die Gallensekretion und Magensäurebildung anregen, die Fettverdauung verbessern und die Verdauung daher erleichtern.
Die genannten drei Stoffe zeigten überdies in Tier- und Zellstudien antioxidative und entzündungshemmende Wirkung. Direkt im Darm können sie daher beruhigend auf die Darmschleimhaut wirken.
Da die Bitterstoffe in Zellversuchen die Ansammlung von Fett in Leberzellen verringern konnten, geht man davon aus, dass Bitterstoffe auch beim Abbau einer Fettleber behilflich sein können.
Gesunde Polyphenole gegen freie Radikale
Abgesehen von den Bitterstoffen enthalten die Blätter des Chicorées viele weitere gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu gehören vor allem Polyphenole wie Phenolsäuren (Chlorogensäuren) und Flavonoide (z. B. Quercetin und Kaempferol).
Der Gesamtgehalt an Polyphenolen in 100 g frischen Blättern kann bis zu rund 400 mg betragen (2). Bei den meisten Gemüsearten liegt der Gehalt weit unter dieser Marke.
Polyphenole wirken stark antioxidativ, entzündungshemmend und zellschützend. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass durch eine entsprechend polyphenolreiche Ernährung freie Radikale im Körper abgefangen und das Immunsystem sowie das Herz-Kreislauf-System unterstützt wird (3).
Polyphenole bieten u. a. einen Schutz vor verschiedenen Leiden wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, dem metabolischen Syndrom und der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung.
So gesund ist der Chicorée
Lange konzentrierte sich die Forschung auf die therapeutische Wirkung der Wegwarte. Unserem Chicorée-Salat wird in Studien hingegen erst in jüngster Zeit mehr Beachtung geschenkt.
Chicorée und seine Wirkung auf Cholesterinspiegel und Gefäße
Eine klinische Humanstudie aus dem Jahr 2026 zeigte einen direkten gesundheitlichen Effekt der Chicorée-Blätter auf den Fettstoffwechsel und die Gefäße. Die 32 Teilnehmer (gesunde, aber übergewichtige Männer) tranken 1 Woche lang täglich einen Milchsmoothie, der entweder 100 g Chicorée-Blätter oder rund 27 g Chicorée-Wurzel enthielt oder - in der Kontrollgruppe - keines von beiden (3).
In den Chicorée-Gruppen besserte sich die Funktion des "guten" HDL-Cholesterins nach dem Essen nachweislich. Auch wurde die eNOS aktiviert, ein Enzym (die endotheliale Stickstoffmonoxid-Synthase), das in der innersten Schicht der Blutgefäße das gefäßerweiternde Stickstoffmonoxid produziert.
Beides hilft letztendlich dabei, die Gefäße elastisch zu halten und Entzündungen sowie Verkalkungen entgegenzuwirken. Die Wirkung wurde vornehmlich auf die in den Blättern enthaltenen Polyphenole zurückgeführt.
Chicorée verbessert die Leistungsfähigkeit
32 Probanden (Frauen und Männer) erhielten in einer im Jahr 2025 veröffentlichten Studie über einen Zeitraum von 1 Woche täglich entweder 100 g frische Chicorée-Blätter (mit ca. 130 mg Phenolsäuren) oder ein Placebo (4). Danach absolvierten sie ein hochintensives Ausdauertraining bis zur Erschöpfung.
Der Verzehr des Blattgemüses verlängerte die Zeit bis zur Erschöpfung um rund 8 % bei den Männern und um etwa 12 % bei den Frauen. Zudem wurde die Erholung nach dem Training gefördert. Dies zeigte sich an einer Verringerung des Blutlaktatspiegels (um 14,5 % bei Männern und 10,6 % bei Frauen).
Das bedeutet, dass die Muskeln weniger stark übersäuern und der Körper das gebildete Laktat nach dem Training viel effizienter abbaut. Dadurch setzt die Regeneration schneller ein.
Wie Chicorée gemeinsam mit Sport das gute Cholesterin stärkt
Im Jahr 2026 nahmen an einer Studie 97 junge und übergewichtige Probanden teil (5). Gruppe 1 trank täglich einen Smoothie mit 50 g frischen Chicorée-Blättern. Gruppe 2 trank denselben Smoothie und machte ein Fitness- und Krafttraining. Die Kontrollgruppe trank einen Smoothie ohne Chicorée.
Nach 8 Wochen verbesserte sich die Schutzfunktion des guten HDL-Cholesterins in den Chicorée-Gruppen im Blut messbar. Doch nur in Kombination mit Sport konnten das Körpergewicht und der Körperfettanteil gesenkt sowie die Ausdauer und Fitness signifikant verbessert werden.
Eine Kombination aus Sport und Chicorée kann bei Übergewicht also ein vielversprechender Ansatz sein, um das Herz-Kreislauf-System zu unterstützen.
Fazit: Warum der Chicorée auf den Teller gehört
Der Chicorée liegt voll im Trend – er verbindet alte Tradition mit moderner Ernährung und ist vielseitig kulinarisch einsetzbar. Seine Bitterstoffe unterstützen zudem die Verdauung und wirken sich auch auf die Darmschleimhaut und die Leber positiv aus. Die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe wiederum scheinen für die Gefäße vorteilhaft zu sein und können sogar die Leistungsfähigkeit im Sport unterstützen. Der Chicorée verdient also definitiv einen festen Platz in unserer Küche.