Zentrum der Gesundheit
  • Chili
30 März 2022
6 min

Chili - die gesunde Schärfe

Länder wie Indien und Mexiko schwören auf den Schärfe-Kick von Chili. Studien zu den gesundheitlichen Wirkungen der scharfen Schote zeigen, warum auch wir Europäer öfter zum Chili greifen sollten. Chili wirkt cholesterinsenkend, kann die Magenschleimhaut schützen und regt noch dazu die Kalorienverbrennung an.

Chili – Schärfe als medizinischer Wirkstoff

Mögen Sie es scharf? Feurige Gewürze wie Chili (bot. Capsicum) peppen nicht nur Speisen auf, sie können auch unsere Stimmung heben, die Pfunde schmelzen lassen und vor Krankheit schützen – wie Sie gleich lesen werden. Das Chili sin Carne (die vegetarische Variante des Chili con Carne) wird Ihnen anschliessend umso besser schmecken!

Sollten Sie sich eher für die unterschiedlichen Chilisorten und die Verwendung von Chili in der Küche interessieren, dann finden Sie dazu alles im vorigen Link.

Die Nährwerte von Chili

In unserer Tabelle finden Sie die Nährwerte von frischem Chili pro 10 g, da im Allgemeinen nur kleine Chilimengen gegessen werden ( 1 , 2 ).

Die Vitamine von Chili

Chili enthält viel Vitamin C und Betacarotin. Alle Vitamine von rotem Chili finden Sie in unserer Tabelle. Bereits eine einzige Chilischote (ca. 10 bis 20 g) deckt ein Fünftel des offiziellen Vitamin-C-Bedarfs und auch des Tagesbedarfs an Betacarotin. Grüner Chili hat einen etwas geringeren Vitamingehalt als roter Chili.

Die Mineralstoffe von Chili

Die Mineralstoffe von rotem Chili finden Sie in dieser Tabelle. Grüner Chili enthält etwas weniger Mineralstoffe.

Chili bei Fructoseintoleranz

Chili wird bei einer Fructoseintoleranz in der Dauerernährung von vielen Personen gut vertragen. (Bei der Fructoseintoleranz unterscheidet man zwischen Karenzphase und Dauerernährung, wozu Sie im vorigen Link alle Informationen finden).

Mit 1.7 g Fructose und 2.1 g Glucose pro 100 g Chili ist das Verhältnis zwischen Fructose und Glucose relativ ausgewogen. Meistens werden auch nur kleine Mengen Chili verwendet: Eine Schote zum Beispiel wiegt je nach Grösse um die 10 g und enthält 0.17 g Fructose und 0.21 g Glucose ( 1 , 2 ).

Von der Gemüsepaprika ist bekannt, dass die grünen, unreifen Früchte weniger Fructose enthalten als die roten – dies ist beim Chili nicht der Fall. 100 g grüner Chili enthält 3 g Fructose und 3.7 g Glucose, also etwas mehr als der rote Chili. Es ist aber davon auszugehen, dass die Gehalte generell je nach Sorte schwanken.

Da die Symptome der Fructoseintoleranz hauptsächlich den Magen-Darm-Trakt betreffen, kann es unter Umständen Sinn machen, die Verdauung nicht zusätzlich mit scharfen Gewürzen wie Chili zu belasten. Tasten Sie sich am besten mit milderen Chilisorten wie Tequila Sunrise oder Anaheim heran, wenn Sie trotz Fructoseintoleranz Chili essen möchten.

Chili bei Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz wird meist von scharfen Gewürzen wie Pfeffer oder Chili abgeraten. Dies nicht etwa aus dem Grund, dass scharfe Gewürze besonders histaminreich sind. Wie bei der Fructoseintoleranz betreffen die Symptome der Histaminintoleranz auch das Verdauungssystem, das man dann nicht zusätzlich mit scharfen Gewürzen belasten möchte.

Wenn Sie selbst kochen, können Sie natürlich dosieren, wie viel Chili Sie verwenden und auf mildere Sorten zurückgreifen oder erst einmal mit geringen Mengen ausprobieren, wie Sie darauf reagieren – schliesslich ist jeder Körper und auch jeder Histaminintolerante anders.

Chili als Heilpflanze

Als Heilpflanze steht die Schote aus der Familie der Nachtschattengewächse seit einigen Jahren auf dem Prüfstand der Wissenschaft. Vor allem dem scharfen Wirkstoff im Chili – er heisst Capsaicin – werden aufgrund seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen zahlreiche positive Gesundheitseffekte zugeschrieben.

Capsaicin – ein viel untersuchter Stoff

Capsaicin ist ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Gruppe der Alkaloide und dort wiederum aus der Gruppe der Capsaicinoide. Capsaicin zählt zu den schärfsten bekannten Substanzen. Über die Nahrung aufgenommen oder auch lokal (topisch) in Form von Salben und Pflastern angewendet, wird der Wirkstoff der Chilischote traditionell bei Verdauungsproblemen, Kreislaufbeschwerden, Durchblutungsstörungen, Hautkrankheiten, Muskelschmerzen sowie als Aphrodisiakum empfohlen ( 3 ).

Untersuchungen zu Capsaicin zeigen Erstaunliches, etwa wie der Stoff Krebszellen absterben lässt, den Blutzucker reguliert und die Leber schützt. Über diese und viele weitere Wirkungen von Capsaicin haben wir unter vorigem Link einen ausführlichen Artikel geschrieben. Nachfolgend stellen wir Ihnen Studien vor, die sich der Wirkung der gesamten Chili-Schote widmen, also nicht nur dem enthaltenen Capsaicin.

Chili kann Cholesterin senken

Im Jahr 2006 wurde im British Journal of Nutrition eine australische Studie veröffentlicht, in der ein möglicher Einfluss von Chili auf das oxidierte Cholesterin untersucht wurde. Oxidiertes Cholesterin entsteht, wenn das „schlechte“ LDL-Cholesterin durch freie Radikale oxidiert wird. Es wird vermutet, dass oxidiertes Cholesterin einer der Hauptrisikofaktoren für Arteriosklerose ist.

Die Teilnehmer der randomisierten Studie assen täglich 30 Gramm Chilipaste bestehend aus 55 Prozent Cayenne (eine Chili-Sorte). Die Kontrollgruppe hingegen durfte keinesfalls Chili essen. Nach vier Wochen war der Wert des oxidierten Cholesterins in der Chili-Gruppe um 10.4 Prozent niedriger als in der chilifreien Gruppe ( 4 ).

Die Forscher gehen davon aus, dass die antioxidative Wirkung von Capsaicin, aber auch vom enthaltenen Betacarotin, Vitamin C und möglicherweise weiteren Stoffen dafür verantwortlich sein könnte.

Chili schützt den Magen

Dass Chili die Verdauung fördert, wissen Sie bestimmt – das Capsaicin im Chili regt nämlich die Aktivität der Verdauungsenzyme an, wie Studien gezeigt haben ( 4 ). Dass Chili aber sogar die Magenschleimhaut schützen kann, wird Ihnen vielleicht neu sein:

In einer Studie von Forschern des National University Hospital in Singapur nahmen neun Personen der Testgruppe einmalig 20 Gramm Chilipulver mit 200 ml Wasser zu sich. Die Kontrollgruppe trank nur das Wasser. Eine halbe Stunde später schluckten beide Gruppen 600 mg Aspirin, was eine eindeutig magenirritierende Dosis darstellt ( 5 ).

Sechs Stunden später wurden die Teilnehmer einer Magenspiegelung unterzogen. Mit Hilfe eines Punktesystems bewertete man den Zustand der Magenschleimhaut. Dabei galt: Je höher die Punktezahl, umso schwerer die Schäden der Magenschleimhaut.

Während jene Personen, die nur Aspirin eingenommen hatten, vier Punkte für ihre geschädigte Magenschleimhaut erhielten, fand man in der Chili-Gruppe kaum Magenschleimhautschäden und konnte den glücklichen Teilnehmern in dieser Kategorie daher durchschnittlich nur 1,5 Punkte geben.

Chilis scheinen folglich die Magenschleimhaut vor Schäden durch z. B. Aspirin oder andere irritierende Stoffe schützen zu können.

Chili – scharf macht schlank

Als würzige Geschmacksnote im Essen feuert Chili nicht nur die Gesundheit an, die kleine Schote kann auch zu einer schlanken Linie beitragen.

In einer Studie von Forschern der amerikanischen Purdue University von 2011 erhielten 25 normalgewichtige Studienteilnehmer sechs Wochen lang täglich 0,3 g bis 1,8 g Cayennepfeffer entsprechend der persönlichen Verträglichkeit. Als Cayennepfeffer bezeichnet man die getrockneten, gemahlenen Früchte der Chilisorte Cayenne, die zu den meistverwendeten Gewürzen der Welt zählt.

Bei allen Testpersonen führte der Chiligenuss zur erhöhten Körperkerntemperatur und zur verstärkten Kalorienverbrennung durch einen erhöhten Kalorienverbrauch. „Als diätische Massnahme, die nicht viel Aufwand und Überwindung erfordert, könnte Chili ein wertvoller Helfer beim Gewichtsmanagement sein“, sagte Prof. Richard Mattes, der an der Studie beteiligt war ( 6 , 7 ).

Chili wirkt besser, wenn man nur ab und zu davon isst

Erstaunlicherweise stellte sich insbesondere bei denjenigen, die Chili nicht regelmässig konsumierten, ein gemindertes Hungergefühl ein und weniger Verlangen nach fettigen, salzigen und süssen Nahrungsmitteln.

Grund dafür ist – so vermuten die Forscher – dass man sich an die Schärfe, die im Mund den Reiz auslöst, gewöhnen kann, so dass der Effekt womöglich grösser ist, wenn man nicht regelmässig Chili konsumiert.

Chili ist ein Nachtschattengewächs

Paprika und damit auch der Chili gehören zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) – genau wie beispielsweise Tomaten und Kartoffeln. Wie Sie unserem Artikel über Nachtschattengewächse entnehmen können, enthalten diese Lebensmittel Lektine, die von manchen Menschen nicht vertragen werden.

Lektine befinden sich vor allem in den Kernen und in der Haut verschiedener Gemüsearten. Sollten Sie sich lektinarm ernähren, aber nicht auf Chili verzichten wollen, sollten Sie die Schoten schälen und die Kerne entfernen.

Dass Lektine wirklich schädlich sind, ist ausserdem nicht zweifelsfrei bewiesen – es sieht eher so aus, als würden die gesundheitlichen Vorteile von Tomate, Paprika und Co. die potenziell schädliche Wirkung der Lektine überwiegen, wie Sie unter den beiden Links (Nachtschattengewächse; Lektine) nachlesen können. Von Chili werden aufgrund der Schärfe in der Regel sowieso nur geringe Mengen gegessen, so dass sie auch von lektinempfindlichen Menschen im Allgemeinen vertragen werden.

Chili-Kerne sind essbar

Grundsätzlich sind die Kerne der Chilis aber nicht giftig und können problemlos mitgegessen werden.

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Quellen
  1. (1) Nährwertrechner, Chilischote rot, frisch, abgerufen am: 24.11.21.
  2. (2) Nährwertrechner, Chilischote grün, frisch, abgerufen am: 24.11.21.
  3. (3) Maji AK, Banerji P. Phytochemistry and gastrointestinal benefits of the medicinal spice, Capsicum annuum L. (Chilli): a review. J Complement Integr Med. 2016 Jun 1;13(2):97-122.
  4. (4) Ahuja KD et al., "Effects of daily ingestion of chilli on serum lipoprotein oxidation in adult men and women" Br J Nutr. 2006 Aug;96(2):239-42.
  5. (5) Yeoh KG et al., "Chili protects against aspirin-induced gastroduodenal mucosal injury in humans" Dig Dis Sci. 1995 Mar;40(3):580-3.
  6. (6) Mary-Jon Ludy, Richard D. Mattes. The effects of hedonically acceptable red pepper doses on thermogenesis and appetite. Physiology & Behavior, 2011; 102 (3-4): 251.
  7. (7) Purdue University. "Reasonable quantities of red pepper may help curb appetite, study suggests." ScienceDaily. ScienceDaily, 26 April 2011.