Die Ackerbohne heißt auch Dicke Bohne
Die Ackerbohne (Vicia faba) hat viele Namen: Dicke Bohne, Puffbohne, Favabohne, Saubohne, Feldbohne und Pferdebohne.
Sie gehört – genau wie die Gartenbohne oder die Feuerbohne – zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler. Doch anders als ihr Name vermuten lässt, ist sie aus botanischer Sicht gar keine Bohne, sondern eine Wicke (Vicia) (7).
Die Gattung der „echten“ Bohnen – darunter Grüne Bohne, Rote Kidneybohne und Weiße Bohne – heißt hingegen Phaseolus.
Wie schmecken die Bohnen?
Ackerbohnen haben im Vergleich zu anderen Hülsenfrüchten wie Kidneybohnen einen milden Geschmack. Sie schmecken leicht nussig, aber nicht so süßlich wie etwa Schwarze Bohnen. Je jünger und kleiner die Samen sind, desto feiner und besser schmecken sie.
Aufgrund ihres milden Aromas sind die Dicken Bohnen in der Küche sehr vielseitig einsetzbar. Sie sind geradezu ideal für Bohneneinsteiger und werden weltweit in den unterschiedlichen Rezepturen und Kombinationen serviert.
Ackerbohnen: Weltweit ein Leckerbissen
Auf Sizilien wird Macco serviert, eine Ackerbohnensuppe mit Fenchel und Zwiebeln. In Apulien ist ein Bohnenpüree mit wildem Chicorée ein typisches Gericht.
In Griechenland werden die Bohnen in der Hülse mit Artischocken in einem Eintopf namens Koukiá gegessen. In Ägypten sind sie ein Grundnahrungsmittel und die Hauptzutat für Falafel. Im Norden Irans heißt eines der bekanntesten Gerichte Baghalee Polo, was Reis mit Ackerbohnen bedeutet.
Auf Malta wird Bigilla gegessen, ein Ackerbohnenpüree mit Olivenöl, Zitronensaft, Knoblauch, Petersilie und Minze. In China werden die Bohnen mit Sojabohnen und Chilischoten zu einer würzigen fermentierten Bohnenpaste namens Doubanjiang verarbeitet.
Und in Spanien gibt es die Bohne aus der Pfanne – gemeinsam mit Schinken, Knoblauch und Zwiebeln in Olivenöl angebraten (habas con jamón). Oder geschmort als eine Art Eintopf (habas estofadas) mit Tomaten, Paprika, Zwiebeln und manchmal Chorizo (einer deftigen Wurst).
Revuelto de habas ist Rührei mit Ackerbohnen. Gekochte Bohnen werden mit Eiern und eventuell Schinken zu einem Rührei verarbeitet. Selbst ins Nationalgericht, die Paella (eine Reispfanne), kommen Habas, vor allem in die traditionelle Variante der Paella Valenciana.
Können Dicke Bohnen roh gegessen werden?
In roher Form enthalten die Bohnen im Vergleich zu anderen essbaren Hülsenfrüchten nur sehr wenig von dem toxischen Lektin namens Phytohämagglutinin (PHA), etwa zwischen 1.000 und 7.000 HAE.
HAE ist die Einheit für den Lektingehalt und steht für hämagglutinierende Einheiten.
Im Vergleich dazu sind es bei Roten Kidneybohnen 20.000 bis 70.000 HAE.
Es gibt Menschen, die junge Ackerbohnen roh essen und sehr gut vertragen. Denn der PHA-Gehalt nimmt erst mit der Reife zu.
Doch nicht immer kann man den Lektingehalt einschätzen - und im ungünstigen Fall kann es dann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Schwindelgefühl bis hin zu einer schweren Vergiftung kommen.
Beim Kochen aber wird der PHA-Gehalt zuverlässig reduziert bzw. eliminiert.
Können die Hülsen mitgegessen werden?
In den 10 bis 20 cm langen grünen Hülsen befinden sich abhängig von der Sorte meist 5 weiße, grüne oder braune, nierenförmige Samen, die zwischen 1 und 2,5 cm messen. Sie können sowohl frisch als auch getrocknet verwendet werden.
Es gibt aber auch Rezepte mit den kompletten Hülsen (wie z. B. bei grünen Bohnen oder Zuckerschoten). Allerdings handelt es sich hierbei dann um wirklich sehr junge Hülsen, die noch ganz kleine, flache Samen enthalten.
Meist aber können die Hülsen nicht mehr mitgegessen werden, da sie - selbst wenn sie noch grasgrün sind - sehr zäh und faserreich sind.
Das heißt: Die Samen müssen aus den Hülsen gepult werden. Dies ist aber aufgrund der großen Kerne und leicht zu öffnenden Hülsen keine wirkliche Arbeit.
Wie groß ist eine Portion?
Die Größe einer Portion bzw. die Menge pro Person hängt immer vom jeweiligen Gericht ab. Selten isst man Dicke Bohnen einfach so als Beilage. Meist werden sie mit anderen Zutaten zusammen verarbeitet. Eine konkrete Portionsgröße anzugeben, ist daher eher nicht möglich.
Beim Kochen saugen sich trockene Bohnen jedoch mit Wasser voll, so dass aus z. B. 100 g etwa 200 - 220 g werden. Frische, also weiche Bohnenkerne ändern beim Kochen ihr Gewicht kaum.
Wann ist Saison?
Frisch im Handel erhältlich ist die Dicke Bohne von Juni bis August – jedoch eher auf Bauernmärkten, weniger im Supermarkt.
Die Vorbereitung
Vor der tatsächlichen Zubereitung sollten die aus der Hülse entnommenen Samen eingeweicht und enthäutet werden. Dadurch werden unerwünschte Stoffe (z. B. blähende Zucker (Oligosaccharide) und Gerbstoffe (z. B. Tannine) entfernt oder reduziert.
1. Einweichen
Sowohl ältere/größere frische als auch getrocknete Ackerbohnen werden 12 bis 24 Stunden vor der Zubereitung – am besten über Nacht – in der 3-fachen Menge Wasser eingeweicht.
Das Wasser wird 2- bis 4-mal ausgewechselt und weggeschüttet. Nach der Einweichzeit werden die Bohnen in ein Sieb gegeben, noch einmal abgebraust und gut abgetropft.
2. Enthäuten
Die Samen sind von einer Haut umgeben, die man bei jungen Samen sowie kleinen Sorten mitessen kann. Sind die Bohnen aber größer bzw. reif, sollte die Haut entfernt werden. Dies gilt auch für getrocknete Bohnenkerne.
Blanchieren Sie die eingeweichten Ackerbohnen für 2 bis 5 Minuten in Salzwasser und schrecken sie sie dann in kaltem Wasser ab. Anschließend ritzen Sie die Haut mit einem scharfen kleinen Messer ein und entfernen die Haut. Nun können Sie die Bohnenkerne wie gewünscht zubereiten.
Die Zubereitung
Nach dem Einweichen, Blanchieren und Enthäuten werden die Bohnenkerne zubereitet, z. B. gekocht oder gebraten.
1. Kochen
Ackerbohnen werden in sprudelnd kochendem Salzwasser gegart.
Die Angaben zur Garzeit weichen jedoch sehr voneinander ab.
Diese hängt davon ab, ob es frische oder getrocknete Bohnen sind, ob sie eingeweicht wurden, die Haut entfernt wurde und wie reif und groß sie sind.
Eingeweichte und geschälte Ackerbohnen: 5 bis 10 Minuten kochen. Eingeweichte Bohnen mit Haut: 20 bis 25 Minuten kochen. Eingeweichte Bohnen mit Haut im Schnellkochtopf: 2 Minuten kochen
Eingeweichte Bohnen können auch direkt im jeweiligen Gericht mitgekocht werden, z. B. in einem Eintopf oder in einer Suppe.
Kontrollieren Sie in jedem Fall gegen Ende der jeweiligen Garzeit mit einer Gabel, ob die Bohnen richtig durch sind. Fertig gegart sind sie erst dann, wenn sie sich leicht zerteilen lassen und schön weich sind.
2. Braten
Eingeweichte Ackerbohnen können gebraten werden, wodurch die Schale aufplatzt. Erhitzen Sie hierfür bei mittlerer bis hoher Hitze etwas Olivenöl in einer Pfanne. Geben Sie die Bohnen hinein und braten Sie sie. Während der ersten Hälfte der Bratzeit geben Sie einen Deckel auf die Pfanne und rühren gelegentlich um.
Wenn die Bohnen weich sind, entfernen Sie den Deckel und braten Sie noch einige Minuten weiter, bis sie leicht gebräunt sind. Nun können Sie die Hülsenfrüchte z. B. mit Salz, Pfeffer und Kräutern würzen und in Form eines knusprigen Snacks oder als Beilage genießen.
3. Konserven und Tiefkühlprodukte
Dicke Bohnen aus der Dose oder dem Glas sind bereits vorgegart und geschält/gehäutet. Sie müssen im Grunde nicht mehr gekocht werden. es genügt, sie aufzuwärmen.
Zuvor jedoch werden sie in einem Sieb gut unter fließendem Wasser abgespült, um die Konservenflüssigkeit zu entfernen.
Tiefkühlbohnen sind meist nur blanchiert, müsen daher noch gekocht werden - etwa 5 bis 10 Minuten. Sie können ohne vorheriges Auftauen ins kochende Salzwasser gegeben werden oder 5 bis 10 Minuten vor Garende in den Eintopf.
Der Nährwerte, Vitamin und Mineralstoffe
Ackerbohnen enthalten fast gar kein Fett und reichlich Ballaststoffe. Mit unserer Liste PDF erhalten Sie die gesamten Werte. Die liste können Sie bei uns kostenlos per Email anfordern.
Zahlreiche Gemüsesorten sind in puncto Vitamingehalt besser aufgestellt als Ackerbohnen. Ihr Gehalt an Vitamin K1 ist allerdings bemerkenswert. Wenn Sie nur 100 g gegarte Bohnen essen, deckt diese Menge Ihren Tagesbedarf bereits mehr als genug (zu 131 Prozent).
Vitamin K1 ist wichtig für eine gesunde Blutgerinnung und ist überdies an der Knochengesundheit beteiligt - wenn auch letzteres nicht so stark wie Vitamin K2.
Außerdem enthalten die Hülsenfrüchte, abgesehen von Vitamin B12, alle B-Vitamine – manche in einem nennenswerten Bereich.
Ackerbohnen enthalten die folgenden Mineralstoffe in relevanten Mengen – immer pro 100 g frisch gegarter Bohnen:
Das Eiweiß
Die Ackerbohne zählt zu den Hülsenfrüchten mit dem höchsten Eiweißgehalt (1). Dieser liegt im Schnitt – abhängig von der Sorte, den Anbaubedingungen und dem Reifegrad – bei 7 bis 26 Prozent.
Die Aminosäuren
Ackerbohnen enthalten alle essentiellen Aminosäuren (Eiweißbausteine), die der Körper nicht selbst herstellen kann – die meisten davon in relevanter Menge.
Besonders gute Werte werden bei Threonin, Isoleucin und Lysin erzielt, so dass sich die Bohnen sehr gut als Ergänzung zum lysinarmen Getreide eignen. Doch sie sind relativ arm an Methionin, Cystein und Tyrosin.
Um das Aminosäuren-Profil zu verbessern, sollten Ackerbohnen also mit Lebensmitteln kombiniert werden, die reich an diesen Aminosäuren sind. Dazu zählen z. B. Erdnüsse, Cashew-Kerne, Hirse, Erbsen, Dinkelmehl und Haferflocken.
Die Eiweißqualität
Die Eiweißqualität ist abhängig von der Biologischen Wertigkeit und der Verdaulichkeit. Die Biologische Wertigkeit wird durch die Zusammensetzung und den Gehalt der Aminosäuren bestimmt. Bei Ackerbohnen liegt die Biologische Wertigkeit bei 72, bei Sojabohnen bei 81.
Die Eiweißverdaulichkeit liegt im guten Bereich, etwa bei 70 Prozent (Sojabohnen rund 90 Prozent). Sie variiert aber bei den verschiedenen Aminosäuren. Bei Valin sind es z. B. rund 70 Prozent, bei Lysin ca. 64 Prozent. Speziell bei Methionin und Cystin ist nicht nur der Gehalt gering, sondern auch die Verdaulichkeit herabgesetzt.
Neben dem Toxin Phytohämagglutinin stecken in Dicken Bohnen weitere Antinährstoffe, welche die Nährstoffaufnahme stören können. Tannine (Gerbstoffe) hemmen die Verdaulichkeit von Eiweiß (2). Durch das Einweichen und Schälen kann der Tanningehalt allerdings deutlich reduziert und die Eiweißverdaulichkeit erhöht werden.
Wissenswert ist, dass weißblühende Ackerbohnen-Sorten aufgrund ihres sehr niedrigen Tanningehaltes eine erheblich höhere Verdaulichkeit aufweisen als buntblühende Sorten.
Low carb oder high carb?
Ackerbohnen sind bekannt für ihren hohen Eiweißgehalt, enthalten aber auch ähnlich viele Kohlenhydrate. Low carb sind sie daher nicht, aber auch nicht high carb. Denn die Hälfte der Kohlenhydrate besteht aus Ballaststoffen (4).
1. Ballaststoffe
Ballaststoffe sind bekannt für ihre darmfreundliche und verdauungsfördernde Wirkung und haben überdies – gerade in Form der Ackerbohne – lipidsenkende, präbiotische, antidiabetische, gewichtsreduzierende, entzündungshemmende und immunmodulierende Eigenschaften.
2. Stärke
Die andere Hälfte der Kohlenhydrate setzt sich aus Stärke zusammen. Diese gehört zu den Mehrfachzuckern, die vom Körper langsamer verdaut werden als Einfachzucker und zu einer gleichmäßigeren Energiefreisetzung führen. Das Sättigungsgefühl hält länger an und der Blutzucker wird weniger stark beeinflusst.
Ein kleiner Teil der Stärke ist überdies resistente Stärke.
3.Resistente Stärke
Von den 10,3 g Stärke können in den frisch gekochten, noch warmen Dicken Bohnen bis zu 3,5 g in Form von resistenter Stärke vorliegen, also Stärke, die nicht verdaulich ist, aber der Darmflora nützt.
Wenn Sie die Bohnen dann gut abkühlen lassen, bildet sich weitere resistente Stärke, so dass maximal 6 g resistente Stärke enthalten sein können.
Während herkömmliche Stärke pro Gramm 4 kcal liefert. sind es bei resistenter Stärke nur 2 kcal.
Resistente Stärke wird nicht im Dünndarm verdaut, sondern erst im Dickdarm von Bakterien abgebaut und wirkt sich darum – gleich wie ein Ballaststoff – sehr positiv auf die Darmgesundheit aus. Entzündungen werden verringert und Dickdarmkrebs vorgebeugt.
Da resistente Stärke den Blutzucker nur langsam ansteigen lässt und nach dem Essen weniger Insulin ausgeschüttet wird, können Menschen mit Prädiabetes, Diabetes Typ 2 sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen davon profitieren.
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Ackerbohnen gegen chronische Leiden
In der traditionellen Medizin werden die Blätter, Wurzeln, Sprossen, Hülsen und Samen als Lebensmittel oder Aufguss zur Behandlung diverser chronischer Krankheiten verwendet (4). Dazu zählen Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Anämie, Malaria, Depressionen, Parkinson, Allergien, Durchfall und Magengeschwüre.
Studien zufolge werden Ackerbohnen mit einer positiven Wirkung auf die Darmgesundheit in Verbindung gebracht. Zudem mehren sich die Hinweise, dass der Verzehr der Bohnen das Risiko für chronische Erkrankungen senkt (5) und bei der Behandlung helfen kann. Dazu gehören Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Autoimmunerkrankungen.
Viele der medizinischen Eigenschaften werden mit sekundären Pflanzenstoffen in Verbindung gebracht. Zu diesen zählen die kritisch beäugten Antinährstoffe (z. B. Tannine) ebenso wie Phenole – an vorderster Front entzündungshemmende, antioxidative und antidiabetische Flavonoide (6). Durch die Keimung kann deren Gehalt erhöht werden.
Außerdem enthalten Ackerbohnen Phytosterine, die den Cholesterinspiegel senken sowie die Entzündungsaktivität von Immunzellen reduzieren und so immunologischen Erkrankungen vorbeugen können. Studien zufolge spielen Phytosterine eine wichtige Rolle bei der Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
L-Dopa gegen Parkinson
Die Ackerbohne enthält außerdem eine erhebliche Menge an Levodopa (auch L-Dopa genannt). L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin (9).
Synthetische L-Dopa-Versionen werden häufig verwendet, um die motorischen Funktionen bei Parkinson-Patienten zu verbessern. Diese verursachen allerdings zahlreiche Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und niedrigen Blutdruck, was das wachsende Interesse an natürlichen Quellen erklärt.
L-Dopa wird in der Dicken Bohne auf natürliche Weise aus Tyrosin gebildet und reichert sich in verschiedenen Organen der Pflanze an. Der höchste Gehalt wurde in 15 Tage alten Pflanzen gemessen (13,3 mg/g), der zweithöchste in jungen Schoten. Doch selbst reife, getrocknete Samen enthalten noch eine bedeutende Menge (7,2 mg/g) (10).
Einer Studie zufolge stieg der Plasmaspiegel von L-DOPA nach dem Verzehr von 250 g gekochten Ackerbohnen – und zwar sowohl bei gesunden Probanden als auch bei Parkinson-Patienten. Die motorischen Funktionen von Parkinson-Patienten verbesserten sich bis zu 4 Stunden nach dem Verzehr. Dieser Effekt war mit einer Behandlung mit 125 mg L-DOPA und 12,5 mg Carbidopa vergleichbar.
Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass eine realistische Portion Ackerbohnen eine ausreichende Menge L-DOPA enthält, um eine klinische Wirkung erzielen zu können.
Ackerbohnen bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Leidet man an einer Fructoseintoleranz, beeinträchtigen fructosereiche Lebensmittel die Verdauung negativ. In 100 g gegarten Ackerbohnen sind aber nur 0,35 g Zucker enthalten. Fructose fehlt ganz. Wenn es daher bei vorliegender Fructoseintoleranz dennoch zu Symptomen kommt, liegt dies an den hülsenfruchttypischen Ballaststoffen, aber nicht an der Fructose.
Ackerbohnen sind frei von Histamin. Allerdings enthalten sie weitere biogene Amine wie Tyramin, die bei manchen Menschen mit Histaminintoleranz Probleme verursachen können.
Was tun gegen Blähungen?
Durch das Schälen und Einweichen kann die blähungsfördernde Wirkung von Hülsenfrüchten reduziert werden. Um die Verträglichkeit noch weiter zu erhöhen, kann man die Ackerbohne auch keimen lassen, bis der Keimtrieb 1 bis 2 mm lang ist.
Zusätzlich helfen Gewürze und Kräuter, wie z. B. Kümmel, Fenchel, Anis, Majoran und Bohnenkraut vorbeugend gegen Blähungen und fördern die Verdauung.
Bei G6PD-Mangel unverträglich
Bei Menschen, die an der Erbkrankheit G6PD-Mangel leiden, kann der Verzehr von Ackerbohnen zu einem verstärkten Zerfall der roten Blutkörperchen führen. Man spricht dann von Favismus.
Von diesem Gen-Defekt ist vor allem die Bevölkerung in Malaria-Gebieten (Mittelmeerraum, Afrika und Asien) betroffen. In Mitteleuropa tritt Favismus nur sehr selten auf, etwa 1 Prozent der Bevölkerung weist den G6PD-Mangel auf.
Favismus kann durch das Einatmen des Blütenstaubes und den Verzehr der rohen, seltener auch der gekochten Bohnen ausgelöst werden. 5 bis 48 Stunden nach dem Essen treten Symptome wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Schwindelgefühl auf.
Meist verschwinden diese Symptome nach ein paar Tagen. In schweren Fällen kann eine akute hämolytische Anämie (Blutarmut) entstehen, die zum Tod führen kann.
Ackerbohne vs. Sojabohne
Die Sojabohne ist auf dem Weltmarkt die meistgehandelte Nutzpflanze und der absolute Spitzenreiter unter den pflanzlichen Eiweißlieferanten. Einer Studie zufolge war der Eiweißgehalt der Ackerbohne (28,7 bis 32,5 %) zwar niedriger als von Soja (56,6 Prozent) (3), jedoch höher als der von Erbsen (24,2 Prozent) und den meisten anderen Hülsenfrüchten.
In puncto Ökobilanz schneidet Soja aber nicht so gut ab. Rund 50 Prozent der globalen Ernte stammen aus Südamerika, vor allem aus Brasilien. Regenwälder und Savannen werden infolge des exzessiven Anbaus zerstört. Durch Brandrodung wird CO² freigesetzt, Pestizide gefährden die Artenvielfalt.
Allerdings wird nur ein Bruchteil der Sojabohnen zu Lebensmitteln verarbeitet (2 bis 5 Prozent). Vielmehr dient der Hauptanteil der Weltsojaernte als Viehfutter.
Die Ackerbohne könnte hier eine Alternative sein. Denn sie kann nicht nur in warmen Regionen wie die Sojabohne, sondern in ganz Europa angebaut werden. Der kostenintensive und langwierige Import entfällt. Weder müssen Wälder gerodet noch ein Artenverlust in Kauf genommen werden. Die Ackerbohne ist dementsprechend umwelt- und klimafreundlicher als die Sojabohne.
Weitere Wettbewerbsvorteile gegenüber der Sojabohne sind, dass die Dicke Bohnen nicht gentechnisch verändert und in der Regel kein Allergen sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie mehr Stickstoff im Boden zurücklassen als Sojabohnen oder Erbsen.
Dadurch kann der Düngerbedarf für nachfolgende Feldfrüchte gesenkt werden. Durch den Anbau können die Bodenfruchtbarkeit sowie die Kohlenstoff- und Energiebilanz verbessert werden. Insekten wie Bienen und Hummeln profitieren von den Blüten.
Aus diesen Gründen sind Ackerbohnen auf dem besten Weg, eine wichtige regionale Alternative zu Import-Soja zu werden – sowohl in der Tierfütterung als auch in der menschlichen Ernährung.
Alternative für tierische Produkte
Der Trend zu regionalen, nachhaltigen, gentechnikfreien und eiweißangereicherten Lebensmitteln schreitet voran. Immer mehr Menschen wollen auf tierische Nahrungsmittel aus ethischen und ökologischen Gründen verzichten.
Noch hat Soja in Bezug auf vegane und vegetarische Produkte eindeutig die Nase vorn.
Doch wird bereits experimentiert, wie sich aus Dicken Bohnen hochwertige Fleischalternativen herstellen lassen.
Vereinzelt werden bereits Fertigprodukte mit Ackerbohneneiweiß angeboten, etwa in Form von Hack, Nuggets, Geschnetzeltem, Falafel, veganem Aufschnitt oder Proteindrinks.
Produkttest: Falafel und Proteindrink
Geschmacklich passen die Bohnen sehr gut in Falafel-Bällchen. Wir probierten jene von Rewe (Bio), die unserer Ansicht nach geschmacklich sehr gut sind und keine überflüssigen oder bedenklichen Zusätze enthalten.
Sie bestehen zu 23 % aus Kichererbsen und 21 % aus Ackerbohnen. Dazu kommen je 7 % Kichererbsen- und Ackerbohnenprotein sowie 30 % Gemüse plus Sonnenblumenöl und Kräuter und Gewürze.
Von vly gibt es auf Ackerbohnenbasis einen veganen High Protein Drink, der pro 100 ml 5 g Protein liefert (bei 0 % Kohlenhydrate). Er besteht zu 3,7 % aus Ackerbohnenprotein und 2,2 % aus Erbsenprotein.
Angereichert ist er mit Selen, Jod, Calcium und den Vitaminen B12 und D3. Pflanzliche Ballaststoffe aus Zichorie (möglicherweise ist Inulin gemeint) sowie Zitrusfasern sorgen für eine cremige Konsistenz, die jedoch nicht jedem zusagt. Auch geschmacklich überzeugte er uns nicht - trotz Aromenzugabe.
Gut als Bindemittel
Hervorzuheben ist, dass das Eiweiß-Isolat gute Bindemitteleigenschaften besitzt. Die Bohnen können daher in der Lebensmittelindustrie Eier oder Sojalecithin ersetzen. Das Ackerbohnenmehl kommt bereits zum Einsatz. Es wird als Backzutat für Brot und Nudeln verwendet.
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Was bei der Lagerung zu beachten ist
Frische Ackerbohnen reifen nicht nach und sind nicht kälteempfindlich. In den Hülsen können sie bei einer Lagertemperatur zwischen 1 bis 5 °C etwa 1 Woche im Kühlschrank aufbewahrt werden. Sind die Bohnen bereits gepult und geschält, halten sie sich maximal 2 Tage.
Getrocknete Bohnen sollten dunkel, kühl und trocken in luftdichten Behältern oder Gläsern gelagert werden. Sie sind mindestens 1 Jahr haltbar, ohne an Qualität einzubüßen. Eine verblasste Farbe oder runzeliges Aussehen deuten auf eine längere Lagerung hin, die oft mit einer längeren Kochzeit verbunden ist.
Kann man Ackerbohnen einfrieren?
Einfrieren ist problemlos möglich. Dazu werden die Samen gewaschen und etwa 3 Minuten blanchiert. Anschließend werden sie in Tiefkühlbeutel gegeben und eingefroren. Sie halten bis zu 12 Monate.
Der Anbau im Garten
Frische Ackerbohnen werden im Handel selten angeboten. Doch kann man sie recht einfach im eigenen Garten oder sogar in einem Topf auf dem Balkon kultivieren.
Standort
Die Hülsenfrüchte brauchen Sonne oder Halbschatten sowie ein windgeschütztes Plätzchen.
Tiefgründiger, gut durchlüfteter Lehmboden mit guter Wasserspeicherfähigkeit sowie ein pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5 ist optimal. Da die Pflanze über Knöllchenbakterien Stickstoff fixieren kann, benötigt sie wenig zusätzliche Düngung.
Für den Anbau im Topf bietet sich eine Mischung aus 2 Teilen guter Bio-Pflanzenerde, 1 Teil reifem Kompost und 1 Teil Sand oder Perlite für eine gute Drainage an, denn Staunässe wäre ungünstig.
Aufgrund des aufrechten Wuchses wird im Allgemeinen keine Rank- oder Stützhilfe benötigt. In windigen Lagen oder bei sehr hohen Sorten kann jedoch eine einfache Stütze sinnvoll sein.
Aussaat
Gesät wird ab Mitte März direkt im Freiland oder in einem Topf im Freien. Die Saattiefe beträgt etwa 5 cm, der Abstand zwischen den Samen im Gartenbeet 10 bis 15 cm. Pro 30-cm-Topf können Sie 3 bis 4 Pflanzen ziehen.
Drücken Sie die Erde nach dem Säen leicht an und gießen Sie vorsichtig. Die Erde sollte gleichmäßig feucht bleiben.
Temperaturen bis etwa –7 °C werden von Jungpflanzen überstanden. In der Blütephase können hingegen schon leichte Nachtfröste um –1 °C die Blüten schädigen und so den Ertrag beeinträchtigen.
Fruchtfolge und Mischkultur
Die Ackerbohne ist mit sich selbst unverträglich und hat nur eine geringe Verträglichkeit mit anderen Hülsenfrüchtlern. Warten Sie darum mindestens 3 bis 4 Jahre, bevor Sie erneut Hülsenfrüchte am selben Standort im Garten anbauen.
Karotten, Spinat, Kohl, Gurken, Kürbis und Salate sind gute Nachbarn, während Zwiebeln, Knoblauch und andere Hülsenfrüchtler nicht ideal sind.
Erntezeit
Wenn die Hülsen beginnen, gelb zu werden, kann geerntet werden. Sie sollten prall gefüllt, aber noch nicht aufgeplatzt sein. Wenn Sie leicht auf eine Hülse drücken, spüren Sie die einzelnen Bohnen. Die ersten Hülsen sind meist nach 3 bis 4 Monaten erntereif. Besonders zart sind die Bohnen, wenn die Hülsen noch relativ flach sind.
Geerntet wird am besten morgens. Sie können die Hülsen mit einer scharfen Schere oder einem Messer abschneiden. Die unteren Hülsen sind zuerst reif. Wenn Sie regelmäßig ernten, wird die Pflanze zu neuem Wachstum angeregt. Beschädigte Hülsen werden entfernt.
Zum Trocknen eignen sich nur vollreife Bohnen. Die Pflanzen sind dann schon am Absterben, die Samen sind hart und fest, die Hülsen dünn und lederartig. Lassen Sie die Samen an einem luftigen Ort trocknen. In einem Dörrgerät dauert das Trocknen bei ca. 52 °C etwa 8 bis 10 Stunden.
Fazit: Ackerbohne – altes Lebensmittel neu entdeckt
Die Ackerbohne ist nicht nur reich an Eiweiß. Sie enthält praktisch alle Nährstoffe, die der Mensch benötigt. Sie kann - nach verschiedenen Verarbeitungsprozessen – problemlos tierisches Eiweiß ersetzen. Dies entspricht den sich wandelnden Verbrauchertrends und den bestehenden ökologischen Bedürfnissen.
Update 9.8.2025
Wir ergänzten mit dem Abschnitt "Produkttests".