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Estragon - Anwendung und Wirkung

Der Estragon gilt als König der Gewürze und ist außerdem ein wichtiger Bestandteil der traditionellen Medizin. Wir erklären die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten des Estragons. In den letzten Jahren ist die Pflanze allerdings etwas in Verruf geraten, da sie angeblich krebserregende Stoffe wie Estragol enthalten soll.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 25 März 2026
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Estragon – eine aromatische Heilpflanze

Der Estragon (Artemisia dracunculus) ist ein Korbblütler – genau wie z. B. der Beifuß, die Kamille und die Ringelblume. Der ausdauernde Halbstrauch kann eine Wuchshöhe von bis zu 2 m erreichen und stammt ursprünglich aus Asien.

Heute ist die Pflanze weltweit verbreitet. Sie spielt als Küchengewürz, aber auch in der traditionellen Heilkunde eine wichtige Rolle. Verwendung finden die Blätter und die blühenden Zweigspitzen – in frischer und getrockneter Form.

Französischer oder Russischer Estragon?

Es gibt allerdings diverse Varianten. Diese sind zwar sehr nahe miteinander verwandt, unterscheiden sich aber in Hinblick auf die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und den Geschmack.

In unseren Breiten spielt der Französische Estragon (A. dracunculus var. sativus) bei weitem die wichtigste Rolle. Er zeichnet sich durch ein besonders intensives, würziges, leicht bitteres und süßliches Anisaroma aus und wird hauptsächlich als Gewürz verwendet.

Der Russische Estragon (A. dracunculus var. inodora) ist hingegen viel weniger aromatisch, da der Anteil an ätherischem Öl geringer ist. Er weist herbe sowie bittere Noten auf und wird vordergründig als Heilpflanze genutzt.

In der Küche

Der Estragon zählt zu den vier wichtigsten Kräutern der französischen Küche. Er wird darum auch als König der Gewürze bezeichnet (7). Neben Petersilie, Schnittlauch und Kerbel ist er ein Bestandteil der klassischen französischen Kräutermischung Fines herbes.

Sie wird in der Haute Cuisine als frische Aromatik für leichte Gerichte verwendet, etwa für feine Saucen, Marinaden, Essig, Senf oder auch für eingelegte Gurken.

Estragon ist auch die Hauptzutat der Sauce Béarnaise, die wie die Sauce Hollandaise warm aufgeschlagen und z. B. zu Spargel gereicht wird.

Außerdem wertet die Pflanze Salate, Quark, Kräuterbutter, Suppen sowie Eintöpfe geschmacklich auf und passt hervorragend zu Kartoffel-, Geflügel-, Fisch- und Eiergerichten.

Sehr köstlich schmeckt das aromatische Kraut auch zu Karottengerichten aller Art, z. B. zu einem Möhreneintopf oder einer Möhrensuppe.

Kann Estragon roh gegessen werden?

Das Küchenkraut kann wie die meisten Kräuter roh genossen werden. Frisch bietet es den Vorteil, dass sein Aroma viel intensiver ist. Es wird im Handel aber leider kaum angeboten. Doch schmeckt der Estragon auch getrocknet sehr gut, was bei anderen Kräutern oft nicht der Fall ist, z. B. bei Basilikum.

Sie können die Pflanze aber auch leicht selbst anbauen – siehe weiter unten bei den Informationen zum Anbau.

Wie wird das Küchenkraut in der Küche verwendet?

Die Blättchen sollten am besten 5 bis 10 Minuten vor Ende der Garzeit hinzugefügt werden. Würde man ihn von Anfang an dazugeben, verflüchtigt sich sein Aroma. 1 bis 2 Teelöffel frischer oder ½ Teelöffel getrockneter Estragon reichen pro Portion aus, eventuell kann nachgewürzt werden.

Was schmeckt ähnlich wie Estragon?

Wer das Gewürz gerade nicht zu Hause hat, aber für ein bestimmtes Rezept benötigt, kann auf Kräuter wie Kerbel, Anis, Fenchel oder Thai-Basilikum zurückgreifen.

* Hier erhalten Sie getrockneten Bio-Estragon zum Würzen.

Köstliche Rezepte - gesund und rein pflanzlich

In unserer Rubrik Gesunde Rezepte finden Sie köstliche Rezepte mit dem aromatischen Würzkraut, z. B. Spargel an Estragon-Sauce und Kartoffelpüree. Geben Sie einfach in unsere Suche „Estragon“ ein.

In der traditionellen Heilkunde

Da Estragon in Europa nicht heimisch ist, wird er hier hauptsächlich in der Küche verwendet. In seinen Heimatländern aber ist er eine uralte Heilpflanze (6). Am häufigsten wird er zur Behandlung von Magen-Darm-Problemen wie Verdauungsstörungen, Blähungen, Geschwüren sowie Appetitlosigkeit und Übelkeit verwendet.

In arabischen Kulturen wird der Estragon auch bei Schlaflosigkeit, Zahnfleischentzündungen, Maul- und Klauenseuche angewandt. In Aserbaidschan wird er als Antiepileptikum angewandt. In Zentralasien werden damit allergische Hautausschläge, Dermatitis, Gastritis und Dyspepsie behandelt.

Im Ayurveda wird die Pflanze als wirksam bei der Behandlung von Wurminfektionen, Darmkrämpfen, Fieber verschiedener Ursachen, als Stärkungsmittel, Immunstimulans und zur Regulierung des Menstruationszyklus beschrieben.

Die indigenen Völker in den Himalaya-Gebieten verwenden eine Paste aus den Blättern zur Behandlung von Wunden an den Beinen von Yaks und Eseln. Darüber hinaus nutzen sie Extrakt gegen Zahnschmerzen, Fieber, Ruhr, Darmparasiten und Magenschmerzen.

Weitere Anwendungsgebiete sind Rheuma, Gicht, Arthritis, Muskelkrämpfe, Ödeme und Nierenträgheit.

Wie wirkt Estragon?

Die Würzpflanze wirkt u. a. antioxidativ, immunmodulierend, entzündungshemmend, antidepressiv, antidiabetisch und blutzuckersenkend (5). Bei In-vitro-Studien zeigte sich auch eine leberschützende, antibakterielle, antimykotische und krebshemmende Wirkung.

Der wichtigste Inhaltsstoff ist das in den Blüten und Blättern enthaltene ätherische Öl (0,15 bis 3,1 %) (1).

Die Hauptkomponenten des ätherischen Öls sind Estragol (bis zu 82 %) und Methyleugenol (bis zu 39 %). Sie sind auch maßgeblich für das Aroma und den Geschmack verantwortlich.

Der Französische Estragon enthält mehr Estragol als die russische Variante. Letztere enthält in ihrem ätherischen Öl nur 20 bis 30 % Estragol). Darum ist ihre Würzkraft geringer als die der französischen Variante.

Der Russische Estragon ist dafür reicher an Bitterstoffen (z. B. Cumarine), weshalb er als Gewürz nicht so gern verwendet wird. Weitere Inhaltsstoffe sind Flavonoide wie Quercetin und Kaempferol sowie Phenolcarbonsäuren.

Im Vergleich dazu enthält das ätherische Öl von Kerbel über 85 Prozent, von Basilikum 20 bis 89 Prozent und von Bitterfenchel bis zu 12 Prozent Estragol (10).

Ist Estragon krebserregend?

Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird im Allgemeinen vor Pflanzen gewarnt, die Estragol und Methyleugenol enthalten. Dazu gehören neben dem Estragon zahlreiche weitere Heil- und Gewürzpflanzen wie z. B. Basilikum und Fenchel.

Wie es zur Warnung vor Estragol kam

Aufgrund von Tierstudien beschloss die heutige Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) – dass Estragol eine lebertoxische, genotoxische sowie karzinogene Wirkung hat. Humanstudien liegen bis heute zwar keine vor, dennoch wurde eine Einschränkung der Verwendung empfohlen (2).

In den Studien wurde den Tieren allerdings kein Estragon, sondern exorbitante Mengen pures, also isoliertes Estragol verabreicht (9).

Ratten erhielten z. B. 4 Tage lang rund 600 mg Estragol pro kg Körpergewicht – mit dem Ergebnis eines akuten Leberschadens. In einer weiteren Studie starben Mäuse aufgrund derselben Dosierung innerhalb von einer Woche an Lebernekrose.

Auch kleinere Dosierungen (wenn regelmäßig verabreicht) waren in Tierstudien schädlich. Gab man z. B. Ratten über einen längeren Zeitraum täglich 3,3 bis 6,5 mg Estragol pro kg Körpergewicht, stieg die Tumorrate um 10 Prozent.

Sind Lebensmittel mit Estragol gefährlich?

Die in den Tierstudien eingesetzten Dosierungen würden – auf den Menschen umgerechnet – einer unrealistischen Menge von 100 g frischem Estragon pro Tag entsprechen. Das Gewürz stellt daher für den Menschen kein signifikantes oder gar kein Krebsrisiko dar.

Überdies kann die Gabe von reinem Estragol nicht mit dem Verzehr von Estragol-haltigen Pflanzen oder daraus hergestellten Präparaten verglichen werden. Denn diese enthalten unzählige Inhaltsstoffe, die sich wechselseitig beeinflussen.

Die Toxizität bzw. krebserregende Wirkung von Estragol könnte durch die Präsenz anderer Stoffe herabgesetzt oder sogar komplett beseitigt werden. Als isolierter Stoff darf Estragol im Übrigen weder Lebensmitteln noch anderen Produkten zugesetzt werden, sondern nur in Form natürlicher Quellen – maximal in Form von Estragonöl (11).

Estragol-haltige Produkte

Ob Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetika: Aufgrund der beschriebenen Tierstudien gelten nicht nur Lebensmittel, sondern alle Estragol-haltigen Produkte als umstritten. Darum wird vom Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel ( HMPC) generell empfohlen, dass die Anwendung so gering wie möglich sein sollte.

Hersteller von Estragol-haltigen Produkten wurden aufgerufen, den Stoff so weit wie möglich aus ihren Produkten zu verbannen. Im Fokus der HMPC stehen allerdings Estragol-haltige Arzneimittel wie Extrakte, die anerkannte Heilpflanzen (z. B. Fenchel, Anis und Sternanis) enthalten.

In Hinblick auf den Estragon ist vor allem Vorsicht beim ätherischen Öl geboten, da es bis zu 82 Prozent Estragol enthält. Wässrige Extrakte (z. B. Tees) enthalten davon hingegen nur sehr geringe Mengen und wurden in Forschungsarbeiten als sicher beschrieben.

Auch alkoholische Extrakte (allerdings der russischen Variante, die ohnehin weniger Estragol enthält) scheinen unbedenklich. Die Untersuchung eines Ethanol-Extraktes ergab weder mutagene noch toxische Eigenschaften. Bei Ratten zeigte eine tägliche Dosis von 1.000 mg/kg Körpergewicht in 90 Tagen keine schädliche Wirkung (3).

Wie viel Estragol pro Tag?

Laut HMPC sollten Erwachsene pro Tag insgesamt nicht mehr als 0,05 mg Estragol und Kinder unter 12 Jahren nicht mehr als 1 µg pro kg Körpergewicht aufnehmen. Es handelt sich hierbei zwar nur um vorläufige Empfehlungen, die auf einem vorbeugenden Verbraucher- bzw. Anwenderschutz basieren.

Doch wie sinnvoll sind derartige Ratschläge eigentlich? Es ist für Verbraucher schließlich unmöglich zu ermitteln, wie viel Estragol sie tatsächlich aufnehmen.

Der Stoff steckt ja schließlich nicht nur im Estragon, sondern in unzähligen Pflanzen bzw. Früchten. Neben den bereits erwähnten zählen dazu z. B. Majoran, Wacholder, Muskatnuss, Äpfel und Avocados. Im Obst und Gemüse ist der Gehalt aber sehr gering.

Laut HMPC kann es nicht ausgeschlossen werden, dass sich das aufgenommene Estragol im Laufe der Jahre im Körper sozusagen summiert. Zudem schwanken die Werte in Estragol-haltigen Produkten stark.

Hersteller, aber auch Phytotherapeuten und Verbraucher fordern, endlich sinnvolle toxikologische Untersuchungen zu Estragol durchzuführen, um das Gefährdungspotential überhaupt realitätsgerecht beurteilen zu können.

FDA stuft Öle und Extrakte als sicher ein

Die Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten ( FDA) bewertet den Estragon übrigens ganz anders als europäische Behörden. Denn sie hat die Heilpflanze und auch daraus gewonnene Produkte wie ätherische Öle und Extrakte als sicher eingestuft.

Zwar wurden die EU-Empfehlungen zur Kenntnis genommen. Dennoch hat die FDA bislang an ihrer Bewertung festgehalten.

Bei welchen Beschwerden hilft die Pflanze?

Wie bereits beschrieben, wird der Estragon in der Volksmedizin zwar als Heilpflanze genutzt. Er ist aber wissenschaftlich noch nicht als solche anerkannt, da es kaum Humanstudien in Bezug auf die medizinische Anwendung gibt.

Es liegen aber schon einige In-vitro- und Tierstudien vor, die so manche der traditionellen Anwendungen (z. B. Magen-Darm-Probleme) stützen. Neuere Untersuchungen heben das Potenzial bei der Behandlung von Diabetes und der Förderung der Herz-Kreislauf-Gesundheit hervor.

Gegen Magen-Darm-Beschwerden

Der Haupteinsatzbereich sind Magen-Darm-Beschwerden. Die magenschützende Wirkung konnte bereits nachgewiesen werden.

In diversen Tiermodellen reduzierte die kurzfristige Gabe von 250 mg Estragol pro kg Körpergewicht die Fläche von akuten Magengeschwüren im Vergleich zu den Kontrollgruppen signifikant (maximal um 65 Prozent) (8). Meist entsteht ein Magengeschwür durch ein Zuviel an Magensäure. Genau diese wurde deutlich reduziert.

Dazu gesellten sich antioxidative, zellschützende und immunmodulatorische Mechanismen. Es zeigte sich eine Verbesserung aller untersuchten Entzündungsparameter und eine Steigerung der Schleimproduktion, wodurch der Magen geschützt wird.

Allerdings fehlen noch Studien in Hinblick auf eine dauerhafte Anwendung und mögliche Nebenwirkungen.

Wirkt antidiabetisch und blutzuckersenkend

In vielen Ländern werden diverse Artemisia-Arten wie z. B. der Estragon, der Salzsteppen-Wermut und der Fahlblättrige Beifuß bei zu hohem Blutzucker und Diabetes eingesetzt (17). Diese Wirkungen konnten nun bereits mehrfach bestätigt werden.

In den beiden folgenden Studien wurde bewusst der Russische Estragon eingesetzt, da dieser weniger Estragol enthält. Die von den Forschern hergestellten Extrakte waren sogar frei von Estragol.

24 Patienten mit gestörter Glukosetoleranz erhielten über 90 Tage vor dem Frühstück und Abendessen entweder 1000 mg Estragonextrakt (Kapseln) oder ein Placebo (16). Der systolische Blutdruck, der HbA1c-Wert (Langzeitzuckerwert) und der Insulinspiegel wurden bedeutsam gesenkt und der HDL-Cholesterinspiegel stieg signifikant an.

In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 12 nicht-diabetischen Männern setzen Forscher auf einen wässrigen Estragonextrakt (14). Er wirkte sich positiv auf den Blutzucker- und Insulinspiegel sowie auf kardiovaskuläre Parameter aus. Der Extrakt wurde als sicher eingestuft.

Schützt vor Herzkrankheiten

In Ländern des Nahen Ostens wird das Würzkraut traditionell verwendet, um das Herz zu stärken. Laut einer In-vitro-Studie mit menschlichem Blut kann ein Methanol-Extrakt aus den Blättern geeignet sein, um die Häufigkeit von koronaren Herzkrankheiten beim Menschen zu senken (4).

Hauptsächlich wurden dafür die Cumarine verantwortlich gemacht, denn sie zeigten eine gerinnungshemmende Wirkung.

Antiepileptische Wirkung

In der iranischen traditionellen Medizin werden die getrockneten oberirdischen Pflanzenteile des Estragons als Mittel gegen Epilepsie eingesetzt (15).

In einem Rattenmodell konnte die krampflösende Wirkung des ätherischen Öls bei Epilepsie bereits nachgewiesen werden. Eine noch stärkere antiepileptische Wirkung zeigte ein alkoholischer Extrakt.

Welche Produkte gibt es?

Zu den wichtigsten Darreichungsformen zählen die folgenden:

Ätherisches Estragonöl

Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation aus dem blühenden Kraut gewonnen. Es wird in der Volksmedizin z. B. zur Linderung von Rheuma- und Gichtschmerzen sowie bei Muskelkrämpfen angewandt.

Anwendung als Creme, Salbe oder Öl zum Einreiben

Äußerlich aufgetragen, wirkt das Öl durchblutungsfördernd sowie erwärmend. Es wird traditionell bei rheumatischen Beschwerden sowie Hautproblemen verwendet. Zahlreiche konventionelle Kosmetika wie etwa Hautpflegeprodukte und Parfums enthalten Estragonöl.

Auf der Haut angewandt ist das Öl auch nur bei sehr geringer Verdünnung verträglich, maximal 0,1 Prozent. Das entspricht 0,5 Tropfen pro 30 g Trägeröl (z. B. Mandel, Jojoba- oder Kokosöl).

Zur Resorption von Estragol über die Haut – etwa in Form von Salben – liegen keine Daten vor. Um sicherzustellen, dass die Tagesdosis so gering wie möglich ist, sollte die Anwendung auf maximal 2 Wochen und auf unversehrte Haut beschränkt werden.

Anwendung in der Aromatherapie

In der Aromatherapie kommt das ätherische Öl bei Hyperventilation bei Angst und Panik zum Einsatz. Es wirkt zudem stärkend bei Stress und emotionaler Erschöpfung.

Anwendung innerlich

Die langfristige oder hochdosierte innerliche Anwendung kann allerdings toxische Wirkungen haben (13). Zu den Hauptbestandteilen des Öls zählt der Stoff β-Ocimen, der Haut- und Augenreizungen hervorrufen und auf die Atemwege toxisch wirken kann.

Darum empfehlen Hersteller nicht mehr als 1 bis 2 Tropfen Estragonöl pro Tag. Es darf aber nie unverdünnt eingenommen werden. Man gibt den Tropfen also auf 1 TL eines pflanzlichen Öls nach Wahl, z. B. Mandelöl.

Lassen Sie sich unbedingt von einem Arzt oder Heilpraktiker beraten, bevor Sie das ätherische Öl innerlich, äußerlich oder in Form von einer Aromatherapie anwenden

* Hier erhalten Sie ein 100 Prozent reines und zertifiziertes ätherisches Estragonöl aus kontrolliert biologischem Anbau.

Estragonextrakt

Im Handel sind zwar Extrakte wie z. B. wässrige und alkoholische Auszüge sowie Salben mit dem Extrakt erhältlich, doch das Angebot ist sehr bescheiden. Diese Präparate gelten als Nahrungsergänzungsmittel, da der Estragon keine wissenschaftlich anerkannte Heilpflanze ist.

Estragontee

Ein Tee wird in der Pflanzenheilkunde am häufigsten verwendet. Zum Einsatz kommt das frische oder getrocknete Kraut. Die frische Variante ist am intensivsten, da der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten ist.

Wie wird der Tee dosiert und angewandt?

Der Tee ist in der traditionellen Heilkunde vor allem aufgrund seiner appetitanregenden und verdauungsfördernden Eigenschaften beliebt. Er wirkt wohltuend auf Magen und Darm. Von wissenschaftlicher Seite gibt es keine Dosierungsempfehlungen.

Demzufolge gilt es, sich an traditionelle Rezepte zu halten. Die Europäische Arzneimittel-Agentur ( EMA) empfiehlt, stets die niedrigste angegebene Dosis zu wählen, um dem bereits erwähnten empfohlenen Richtwert von 0,05 mg Estragol pro Tag so nahe wie möglich zu kommen.

Die Dosierung

Laut traditionellen Rezepten reicht vom getrockneten und zerkleinerten Estragon 1 Teelöffel pro Tag (12). Verwendet man das frische Kraut, entspricht diese Dosis 2 TL.

Die Zubereitung

1 TL Estragon wird mit ¼ Liter kochendem Wasser übergossen. Der Tee zieht zugedeckt für 15 Minuten und wird dann abgeseiht. Pro Tag kann man 2 Tassen (je 250 ml) ungesüßt trinken.

Was ist beim Kauf zu beachten?

Ob Sie Estragon als Gewürz in der Küche oder in der Heilkunde verwenden möchten: Entscheiden Sie sich am besten immer für Bio-Produkte. Bei einem Tee, Extrakt oder ätherischem Öl spricht es für den Hersteller, wenn er den vollständigen lateinischen Pflanzennamen offenlegt.

Achten Sie auch darauf, dass es sich um ein zu 100 Prozent naturreines ätherisches Öl und nicht um ein Duftöl handelt, das synthetische Aromen enthält. Dieses ist zwar preisgünstiger, eignet sich aber nicht für medizinische Zwecke.

Wie lange wendet man den Tee an?

Aufgrund der Estragol-Problematik wird bei Estragontee eine relativ kurze Anwendungsdauer von maximal 14 Tagen empfohlen.

Wann setzt die Wirkung ein?

Die Wirkung von Estragon tritt schnell ein, weshalb sich die Heilpflanze für die Behandlung von akuten Beschwerden besonders gut eignet. Bei Verdauungsproblemen wie Blähungen, Völlegefühl oder Appetitlosigkeit verspürt man meist kurz nach der Einnahme eine Linderung der Beschwerden..

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es liegen nicht genügend verlässliche Informationen vor, um zu wissen, ob Estragon als Heilmittel sicher ist und welche Nebenwirkungen auftreten können. In den wenigen verfügbaren Humanstudien wurden nur leichte Nebenwirkungen (z. B. Verstopfung) beobachtet.

Wer sollte das Küchenkraut nicht essen?

Die folgenden Personengruppen sollten die Würz- und Heilpflanze besser nicht verwenden:

Unverträglichkeiten

Bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber einem enthaltenen Inhaltsstoff sollen Sie auf das Küchenkraut verzichten. Von einer Allergie sind vor allem Menschen betroffen, die auf Korbblütler allergisch reagieren.

Kinder, Schwangerschaft und Stillzeit

Die Anwendung von Estragol-haltigen Arzneimitteln bei Kindern bis zu 11 Jahren wird nicht empfohlen, wenn die tägliche Aufnahme den Richtwert von 0,001 mg/kg Körpergewicht übersteigt. Bei Schwangeren und Stillenden liegt dieser Wert bei 0,05 mg/Person und Tag.

Einnahme von Medikamenten

Wechselwirkungen mit Medikamenten wurden bislang keine nachgewiesen. Es kann allerdings sein, dass die im Estragon enthaltenen Cumarine mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten interagieren. Dadurch könnte die blutverdünnende Wirkung verstärkt und das Blutungsrisiko erhöht werden.

Wie wird Estragon angebaut?

Es ist ganz einfach, die Würz- und Heilpflanze anzubauen.

Welche Sorte wählen?

Wählen Sie den Thüringer Estragon, wenn Sie ihn finden. Er wächst starkwüchsiger und höher als die französische Variante. Beide werden vegetativ vermehrt – entweder durch Teilung des Wurzelstocks im Frühjahr oder etwa 5 cm lange Blattstecklinge im Sommer.

Der Russische Estragon ist hingegen deutlich kleiner und wird durch Samen vermehrt. Er ist viel weniger aromatisch und wird vor allem als Heilpflanze genutzt.

Was ist der beste Standort?

Der Estragon kann sowohl im Garten als auch in einem Topf kultiviert werden. Die Pflanzen benötigen einen vollsonnigen Standort, im Halbschatten wachsen sie nur langsam. Der Boden sollte durchlässig und humusreich sein. Staunässe ist zu vermeiden.

Wie oft gießen?

Regelmäßiges Gießen ist sehr wichtig. Achten Sie darauf, dass der Boden nicht austrocknet und der Wurzelballen immer feucht ist.

Welche Schädlinge und Krankheiten treten auf?

Der Estragon ist sehr robust gegenüber Schädlingen und Krankheiten. Bei falsch gewähltem Standort – z. B. zu wenig Sonne – können Rostpilze auftreten. Befallene Pflanzen müssen entsorgt werden.

Welche Nachbarn sind gut oder schlecht?

Zu den guten Nachbarn des Estragons zählen z. B. Salbei, Schnittlauch, Zitronenmelisse und Minze. Mit Dill, Petersilie und Majoran verträgt er sich hingegen weniger gut.

Wann wird geerntet?

Frische Blätter sowie Triebspitzen können Sie den ganzen Sommer über ernten. Im Juni und Juli, also zu Beginn der Blattknospenbildung und der Blüte, ist der Gehalt des ätherischen Öls am höchsten.

Wenn Sie den Estragon konservieren bzw. trocknen möchten, sollte die Ernte kurz vor der Blüte erfolgen. Als Erntezeitpunkt eignen sich die Morgenstunden an einem trockenen Tag am besten.

Wie trocknet man die Pflanzen?

Sie können die Blätter von den Stängeln zupfen und an einem gut belüfteten, schattigen Ort ausbreiten. Eine weitere Möglichkeit ist, die Zweige kopfüber in kleinen Bündeln aufzuhängen.

Lagern Sie den getrockneten Estragon am besten dunkel und trocken in einem Glasbehälter mit Schraubverschluss. Dann bleibt das Aroma ungefähr 2 Jahre erhalten.

Wann erfolgt der Schnitt?

Zum Überwintern schneiden Sie die Pflanzen im Spätherbst knapp eine Handbreit über dem Boden ab. Im nächsten Frühjahr treibt das Würzkraut aus dem Wurzelstock neu aus.

Ist die Pflanze winterhart?

Der Thüringer und der Russische Estragon sind frostbeständig, sodass meist kein Winterschutz notwendig ist. Die französische Variante ist empfindlicher und sollte mit einer dicken Schicht Laub oder einem Vlies geschützt werden. Achten Sie darauf, dass der Boden auch im Winter nicht komplett austrocknet.

Wie werden die Pflanzen verjüngt?

Alle 3 bis 4 Jahre sollten Sie die Pflanzen verjüngen. Dazu gräbt man sie vorsichtig aus, teilt sie und pflanzt sie an neuer Stelle wieder ein.

Fazit: Estragon – aromatisch und heilkräftig

Der Estragon kann als Gewürz und auch als Heilpflanze punkten. Sein unverwechselbares, anisartiges Aroma verleiht allerlei Gerichten einen besonderen Charakter. Nach dem Essen bringt das Kraut die Verdauung in Schwung. Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass die Pflanze endlich offiziell als Heilpflanze anerkannt werden sollte.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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