Zentrum der Gesundheit
  • Kakao wird verarbeitet
24 Juni 2022
3 min

Kakao bringt mehr Sauerstoff ins Gehirn

Kakao hilft dem Gehirn auf die Sprünge. In einer Studie konnten die kakaotypischen Pflanzenstoffe den Blutfluss ins Gehirn beschleunigen und so für mehr Sauerstoff im Gehirn sorgen. Die jeweiligen Testpersonen schnitten auch besser bei einem darauf folgenden kognitiven Test ab.

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Kakao fürs Gehirn: Gesündere Blutgefässe sorgen für kognitive Fitness

Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass flavonoidreiche Lebensmittel und insbesondere Kakao entzündungshemmend wirken sowie die Gesundheit der Blutgefässe verbessern und auf diese Weise Herz-Kreislauf-Problemen vorbeugen können ( 1 ). In einer ersten Studie zum Einfluss von Flavonoiden auf die Gefässe des Gehirns konnte jetzt festgestellt werden, dass die Pflanzenstoffe selbst in diesem Bereich Wirkung zeigen und die kognitive Leistungsfähigkeit steigern können. Die Studie erschien im November 2020 im Fachmagazin Scientific Reports ( 2 ).

Wirksame Pflanzenstoffe im Kakao: Flavanole

Catarina Rendeiro – Wissenschaftlerin an der University of Birmingham – leitete die Doppelblind-Studie gemeinsam mit den beiden Psychologie-Professoren Monica Fabiani und Gabriele Gratton von der University of Illinois at Urbana-Champaign. Rendeiro erklärte: „Flavanole sind winzige Moleküle, die in vielen Früchten und Gemüsen enthalten sind, aber auch im Kakao. Sie wirken sich äusserst vorteilhaft auf die Blutgefässe aus. Nun wollten wir untersuchen, ob sich die Flavanole auch auf das Gehirn und die kognitiven Funktionen auswirken können.“

Flavanole sind eine Untergruppe aus der grossen Pflanzenstofffamilie der Flavonoide. Zu den Flavanolen gehören z. B. auch das berühmte Epigallocatechingallat (EGCG) aus Grüntee oder die Oligomeren Proanthocyanidine, die Ihnen vielleicht besser als OPC bekannt sind und z. B. in Traubenkernen oder den braunen Häutchen von Erdnusskernen enthalten sind.

Kakao: Die Speise der Götter

Studie: Kann Kakao die Gehirnreaktionen verbessern?

Als Studienteilnehmer wählte man 18 gesunde Nichtraucher. Die Studie bestand aus zwei Durchgängen. Im einen erhielten die Teilnehmer flavanolreichen Kakao, im anderen erhielten sie stark verarbeiteten Kakao mit einem sehr niedrigen Flavanolgehalt. Um das Ergebnis der Studie nicht durch eine bestimmte Erwartungshaltung vonseiten der Teilnehmer oder der Wissenschaftler zu beeinflussen, wussten in beiden Durchgängen weder die Teilnehmer noch die Wissenschaftler, welcher Kakao gerade zum Einsatz kam.

Zwei Stunden nach dem Verzehr des Kakaos atmeten die Probanden Luft mit einem 5-prozentigen Kohlendioxidanteil ein. Normale Luft hat nur einen 0,04-prozentigen Kohlendioxidanteil, so dass in der Untersuchung Luft eingeatmet wurde, die mehr als das 100-Fache an Kohlendioxid enthielt. Derart kohlendioxidreiche Luft wird in Studien immer dann verabreicht, wenn man den Zustand und die Funktionsfähigkeit der Blutgefässe im Gehirn überprüfen möchte. Wird viel Kohlendioxid eingeatmet, dann reagiert der Körper normalerweise mit einem verstärkten Blutfluss in Richtung Gehirn, damit die grauen Zellen nach wie vor ausreichend mit Sauerstoff versorgt sind und gleichzeitig das Übermass an Kohlendioxid wieder schnell abtransportiert werden kann.

Kakao wirkt nur mit hohem Flavanolgehalt

Mit Hilfe der Nahinfrarotspektroskopie können entsprechende Änderungen des Blutflusses und auch der Sauerstoffversorgung im Gehirn gemessen werden, so dass man sehen kann, wie gut sich das Gehirn gegen das Übermass von Kohlendioxid verteidigen kann. Besonders interessant waren für die Forscher die Änderungen im frontalen Cortex, also in jener Region des Gehirns, die besonders wichtig ist für das Planen, die Kontrolle des eigenen Verhaltens und das Treffen von Entscheidungen.

Gleichzeitig wurden die Teilnehmer mit Aufgaben konfrontiert, mit denen sich ihre kognitiven Fähigkeiten einschätzen liessen. Fast alle Teilnehmer (14 von 18) hatten nach dem Verzehr des flavanolreichen Kakaos eine bessere und schnellere Sauerstoffversorgung im Gehirn als nach dem Verzehr des flavanolarmen Kakaos.

Kakao verdreifacht Sauerstoffversorgung im Gehirn

Ja, die Sauerstoffversorgung im Gehirn war bei diesen Teilnehmern nach dem flavanolreichen Kakao um dreimal höher als nach dem flavanolarmen Kakao und der Blutfluss war um eine Minute schneller. Auch schnitten die Teilnehmer mit dem flavanolreichen Kakao beim kognitiven Test besser ab. Sie lösten die komplizierten Aufgaben in einer um 11 Prozent kürzeren Zeitspanne. Bei den einfachen Aufgaben gab es keine zeitlichen Unterschiede.

Bei 4 von 18 Probanden schienen die Flavanole keine besondere Wirkung zu zeigen – weder verbesserte sich bei ihnen die Sauerstoffversorgung des Gehirns noch konnten sie die Aufgaben schneller erledigen als ohne Flavanole. Es zeigte sich aber, dass es sich bei diesen 4 Probanden um Personen handelte, deren Gehirn bereits ohne Kakao über eine sehr gute Reaktionsfähigkeit und Sauerstoffversorgung verfügte, so dass man davon ausgehen kann, dass Flavanole bei Personen, die bereits recht fit sind, keine besondere Wirkung mehr haben.

Nur flavanolreicher Kakao verbessert geistige Fitness

Mit flavanolreichem Kakao lassen sich also zunächst die Funktionen der Blutgefässe im Gehirn verbessern und daraufhin dann auch die geistige Fitness. Wenn Sie also künftig Kakao oder Schokolade für die Gesundheit Ihrer Blutgefässe, Ihres Herz-Kreislauf-Systems und Ihres Gehirns einsetzen möchten, achten Sie auf hochwertigen Kakao bzw. hochwertige Schokolade.

Die bekannten Instant-Kakaogetränke und Schokoladen sind meist stark verarbeitet und daher eher flavanolarm. Schon allein das übliche Rösten, das jeder Kakaobohne vor der Weiterverarbeitung zu herkömmlichen Schokoladen- und Kakaoprodukten widerfährt, reduziert den Flavanolgehalt deutlich ( 3 ). Greifen Sie daher zu Kakao in Rohkostqualität, z. B. zu den Roh-Schokoladen von Ombar, den Roh-Schokoladen-Riegeln von Roo‘bar oder zu Kakaonibs, die gut ins Müsli passen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  • (1) Katz DL, Doughty K, Ali A. Cocoa and chocolate in human health and disease. Antioxid Redox Signal. 2011;15(10):2779-2811. doi:10.1089/ars.2010.3697
  • (2) Gratton, G., Weaver, S.R., Burley, C.V. et al. Dietary flavanols improve cerebral cortical oxygenation and cognition in healthy adults. Sci Rep 10, 19409 (2020). https://doi.org/10.1038/s41598-020-76160-9
  • (3) Di Matti C et al., Flavanols, proanthocyanidins and antioxidant activity changes during cocoa (Theobroma cacao L.) roasting as affected by temperature and time of processing, November 2014, Food Chemistry 174, DOI: 10.1016/j.foodchem.2014.11.019