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Chrom: Wie wichtig ist das Spurenelement?

Chrom soll den Blutzucker regulieren, beim Abnehmen helfen und Heißhunger bremsen. Auch bei Depressionen wurde das Spurenelement schon untersucht. Doch was kann Chrom wirklich und wann ist eine Einnahme als Nahrungsergänzung sinnvoll?

Stand: 22 Juni 2026
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Chrom - Das Spurenelement gegen Diabetes und Heißhungerattacken?

  1. Chrom gilt traditionell als Spurenelement für den Zuckerstoffwechsel, seine genaue biologische Rolle ist jedoch bis heute nicht vollständig geklärt.
  2. Ein echter Chrommangel scheint bei gesunden Menschen äußerst selten zu sein und lässt sich bislang nicht zuverlässig diagnostizieren.
  3. Studien zeigen Hinweise auf Vorteile bei Typ-2-Diabetes, Heißhungerattacken und möglicherweise auch beim PCOS.
  4. Die Wirkung auf das Körpergewicht fällt nach aktuellem Forschungsstand eher gering aus.
  5. Wer Chrom ergänzend einnehmen möchte, sollte auf die richtige Dosierung, mögliche Wechselwirkungen und eine geeignete Präparateform achten.

Was ist Chrom?

Chrom ist ein chemisches Element. Es kommt in sehr kleinen Mengen in der Erde, im Wasser, in Pflanzen und auch in tierischen Lebensmitteln vor. Der Gehalt in Lebensmitteln schwankt jedoch stark.

Wenn im Zusammenhang mit der Ernährung oder mit Nahrungsergänzungen die Rede davon ist, geht es in der Regel um die dreiwertige Form, auch Chrom(III) genannt.

Sie sollte nicht mit der sechswertigen Form, auch Chrom(VI) genannt, verwechselt werden. Diese chemische Form kann in industriellen Prozessen wie etwa der Metallverarbeitung entstehen und ist gesundheitsschädlich. Sie kann die Atemwege reizen und gilt bei entsprechender Belastung als krebserregend.

Gibt es einen Chrommangel?

Ein Chrommangel wurde bislang nur selten beobachtet. Es gibt lediglich ältere Fallberichte (aus den 1960er/1980er Jahren) von Menschen, die über lange Zeit künstlich (intravenös) ernährt wurden und Beschwerden entwickelten, die man als Chrommangel-Symptome deutete. Bei ihnen traten unter anderem Störungen des Zuckerstoffwechsels, Gewichtsverlust, Nervensymptome oder Verwirrtheit auf.

Diese Beschwerden besserten sich dann nach der Einnahme von Chrom (5) und führten dazu, dass man das Spurenelement als essenziell einstufte.

Bei künstlicher Ernährung jedoch kam es früher immer wieder vor, dass manche Spurenelemente fehlten. Denn die Infusionslösungen waren einst noch längst nicht so ausgereift wie heute. Auch Zink, Kupfer, Selen, Eisen, Jod und manche Vitamine fehlten darin häufig. Es handelte sich dann also meist nicht nur um einen Chrommangel, den Betroffene entwickelten.

Für die Allgemeinbevölkerung gibt es jedoch keine verlässliche Liste typischer Mangelsymptome. Chrom kommt auch in zahlreichen Lebensmitteln vor und die benötigten Mengen sind sehr gering, sodass ein Mangel unter normalen Ernährungsbedingungen offenbar äußerst selten ist.

Welche Symptome soll ein Chrommangel haben?

Dennoch liest man immer wieder von einem Chrommangel und von Beschwerden, die dann auftreten sollen.

Meist handelt es sich um sehr unspezifische Symptome, z. B. Müdigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen, Muskelschwäche, Heißhunger, Haarausfall, Zyklusstörungen, Gewichtszunahme oder sogar Gewichtsverlust.

Gerade diese Beschwerden können aber alle möglichen Ursachen haben. Wir würden also nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass ausgerechnet eine Chromeinnahme den genannten Beschwerden ein Ende setzen wird.

Besser ist es, auch an andere Ursachen zu denken, etwa Schlafmangel, Stress, Bewegungsmangel, Schilddrüsenstörungen, Eisenmangel, Vitamin-D-Mangel oder eine insgesamt ungünstige Ernährung.

Warum ist nicht sicher, ob Chrom essenziell ist oder nicht?

Essenziell bedeutet, dass ein Nährstoff zwingend mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Fehlt der Nährstoff oder wird er in zu geringer Menge aufgenommen, entwickelt sich ein eindeutiger Mangel mit bestimmten Symptomen. Bei Chrom ist man sich diesbezüglich nicht sicher.

Lange Zeit galt Chrom - genau wie Zink, Selen, Eisen etc. - als essenzielles Spurenelement, weil man annahm, es spiele eine wichtige Rolle bei der Wirkung des Hormons Insulin und damit bei der Regulation des Blutzuckers. Tatsächlich wurden verschiedene Mechanismen vorgeschlagen, über die Chrom diese Wirkung entfalten könnte.

Hypothese 1: Der Glukose-Toleranz-Faktor

Einer der ältesten Ansätze ist der sogenannte Glukose-Toleranz-Faktor (GTF). Dabei handelt es sich um einen hypothetischen Komplex, der aus Chrom und weiteren Bestandteilen bestehen und die Wirkung von Insulin verstärken sollte.

Obwohl dieses Konzept jahrzehntelang in Lehrbüchern zu finden war, konnte der GTF nie eindeutig charakterisiert oder als natürlich vorkommendes Molekül im menschlichen Körper nachgewiesen werden.

Hypothese 2: Chromodulin

Später rückte das sogenannte Chromodulin in den Mittelpunkt der Forschung. Dabei handelt es sich um ein kleines chrombindendes Peptid, das die Aktivität des Insulinrezeptors verstärken könnte.

Die Hypothese lautet, dass Chrom nach der Aufnahme in die Zellen an Chromodulin bindet und dadurch die Insulinwirkung verbessert. Zwar gibt es experimentelle Befunde, die diese Idee unterstützen, doch auch sind die Details bis heute nicht vollständig geklärt.

Biologische Funktion von Chrom nicht wirklich bekannt

Bei den meisten anerkannten essenziellen Spurenelementen kennt man die zugrunde liegenden biologischen Funktionen sehr genau.

Eisen ist beispielsweise Bestandteil des Hämoglobins und ermöglicht den Sauerstofftransport im Blut. Selen wird in Form von Selenocystein in zahlreiche Selenoproteine eingebaut, darunter antioxidative Enzyme wie die Glutathionperoxidase sowie Enzyme, die Schilddrüsenhormone aktivieren.

Für Chrom konnte dagegen bislang weder ein eindeutig identifiziertes Enzym noch ein allgemein anerkanntes Protein oder ein anderer unverzichtbarer Cofaktor nachgewiesen werden, dessen Funktion ohne Chrom ausfallen würde.

Zwar sprechen einige Beobachtungen – insbesondere die oben beschriebenen Beobachtungen bei Patienten mit langfristiger künstlicher Ernährung – für eine physiologische Bedeutung von Chrom, doch fehlt bislang der eindeutige molekulare Nachweis einer unverzichtbaren Funktion.

Der Körper nimmt nur wenig Chrom auf

Interessant ist auch, dass der Organismus nur wenig Chrom aufnimmt und es auch kaum speichert. Ob aus der Nahrung oder aus Nahrungsergänzungsmitteln - der größte Teil (bis zu 99 %) wird gar nicht erst aus dem Darm aufgenommen, sondern gleich wieder mit dem Stuhl ausgeschieden.

Bei anderen Spurenelementen, wie z. B. Eisen, kann man beobachten, dass der Körper umso mehr aufnimmt, je mehr er gerade benötigt oder dass weniger ausgeschieden und mehr gespeichert wird. Ein solcher Regulationsmechanismus ist bei Chrom nicht bekannt.

All diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Essenzialität von Chrom heute kontrovers diskutiert wird.

Die Wirkung des Spurenelements

Welche Aufgaben das Spurenelement genau im Körper erfüllt, ist - wie im vorigen Abschnitt beschrieben - noch nicht umfassend geklärt. Nachfolgend stellen wir die Studienlage im Zusammenhang mit dem Blutzucker, mit Diabetes, mit dem Abnehmen und mit Heißhunger vor.

Hilft Chrom bei Diabetes?

Bei Diabetes Typ 2 ist die Studienlage gemischt. Eine Übersichtsarbeit von 2020 untersuchte anhand von 28 Studien, ob entsprechende Präparate bei Personen mit Diabetes Typ 2 die Blutzuckerkontrolle verbessern (2).

Zum Einsatz kamen Dosierungen von etwa 200 bis 400 µg täglich, teilweise auch bis 1000 µg täglich, über Zeiträume von 8 bis 17 Wochen. Verwendet wurden unterschiedliche Chromverbindungen, darunter Chromchlorid, Chrompicolinat, Chromhefe und Chrompidolat.

Im Vergleich zu den Kontrollgruppen verbesserten sich nicht in allen, aber in einigen Studien mehrere Werte: Der Nüchternblutzucker verringerte sich im Durchschnitt um 19 mg/dl und der Langzeitblutzucker HbA1c um 0,71 Prozentpunkte. Auch Insulin und HOMA-IR – ein Marker für die Insulinresistenz – verbesserten sich.

Wenn Sie es probieren möchten, sprechen Sie es mit Ihrem Arzt ab. Sollte das Spurenelement bei Ihnen wirken, könnte es sein, dass es die Wirkung blutzuckersenkender Medikamente verstärken könnte.

* Hier finden Sie ein Präparat mit 200 µg pro Kapsel.

Eine weitere Übersichtsarbeit von 2024 fasste den aktuellen Forschungsstand bei Diabetes anhand von 15 Studien mit insgesamt 1200 Typ-2-Diabetikern zusammen (3).

Auch hier zeigten sich in manchen Studien Besserungen bei den typischen Blutzuckermarkern – besonders in Studien mit längerer Interventionsdauer.

Auch bei den Blutfetten fanden die Autoren Hinweise auf Verbesserungen: Das HDL (gute Cholesterin) stieg teilweise, Triglyceride und Gesamtcholesterin sanken, während das LDL (schlechte Cholesterin) kaum beeinflusst wurde.

Beim PCOS (Polyzyklisches Ovarialsyndrom) wird das Spurenelement ebenfalls manchmal eingesetzt, weil viele Betroffene eine Insulinresistenz haben. Die Studienlage ist jedoch nicht eindeutig genug, um es hier klar zu empfehlen, einen Versuch wert wäre es aber möglicherweise.

Kann Chrom beim Abnehmen helfen?

Der Stoff wird auch häufig beim Abnehmen beworben, weil er den Zuckerstoffwechsel beeinflussen könnte. Manche Hersteller versprechen weniger Heißhunger, eine bessere Insulinwirkung oder eine leichtere Gewichtsabnahme.

Untersuchungen zeigen, dass das Spurenelement die Gewichtsabnahme tatsächlich unterstützen kann. Die Wirkung ist jedoch gering.

Übersichtsarbeiten fanden zwar teilweise kleine Veränderungen beim Körpergewicht oder beim Körperfett – die Unterschiede gegenüber Placebo waren aber meist so klein, dass sie im Alltag kaum Bedeutung haben.

In einer Übersichtsarbeit von 2013 zum Beispiel nahmen die Probanden, die Chrom einnahmen, verglichen mit den Kontrollgruppen ein halbes Kilo mehr ab (4). In die Arbeit flossen 11 Studien ein – auch diese waren sehr unterschiedlich und widersprachen sich teilweise.

Die Dosierungen lagen zwischen 137 und 1.000 Mikrogramm pro Tag – meist in Form von Chrompicolinat. Die Einnahmedauer lag bei etwa 8 bis 24 Wochen. Die Forscher empfahlen, dass künftige Studien mind. 4 Monate dauern sollten – die Wirkung tritt also, wenn überhaupt, erst nach einiger Zeit ein.

Wie wirkt Chrom bei Heißhunger?

In einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten die 113 Teilnehmer (die an Depressionen litten) 8 Wochen lang täglich 600 µg Chrom in Form von Chrompicolinat oder ein Placebo. Die Depressionssymptomatik zeigte nach Ablauf der Studie keine Unterschiede in den beiden Gruppen. In Bezug auf den Appetit aber gab es deutliche Unterschiede (10).

In der Chromgruppe nahm der zuvor erhöhte Appetit ab. Auch neigte diese Gruppe nun nicht mehr so stark zu übermäßigem Essen als vor der Studie - und der Heißhunger auf Kohlenhydrate war weniger geworden.

Als man sich die Daten nur jener Teilnehmer ansah, die zuvor an Heißhunger auf Kohlenhydrate litten, zeigten sich etwas andere Ergebnisse. In dieser Gruppe besserten sich bei den Chrom-Leuten nicht nur Appetit, Essverhalten und Heißhunger deutlicher, auch erlebten 65 % von ihnen eine Besserung der Depressionssymptome, aber nur 33 % von jenen, die ein Placebo bekommen hatten.

Die Behandlung wurde außerdem gut vertragen. Die Autoren schlussfolgerten, dass Chrompicolinat weniger die depressive Stimmung selbst als vielmehr den Appetit und insbesondere das Verlangen nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln beeinflussen könnte.

Warum sollte Chrom bei Depressionen helfen?

Vielleicht fragen Sie sich, warum Chrom in der zuvor beschriebenen Studie ausgerechnet bei depressiven Teilnehmern eingesetzt wurde.

Die entsprechende Vermutung lautet folgendermaßen: Chrom könnte die Insulinwirkung verbessern (11). Eine verbesserte Insulinwirkung fördert daraufhin den Eintritt von Tryptophan ins Gehirn. Tryptophan ist eine Aminosäure, aus der im Gehirn Serotonin hergestellt werden kann.

Mehr Tryptophan könnte daher auch zu einer erhöhten Serotoninbildung im Gehirn führen - und Serotonin wiederum gilt als Botenstoff, der die Stimmung heben kann.

In älteren Studien schien Chrom außerdem die Empfindlichkeit der 5-HT2A-Rezeptoren zu erhöhen. Diese Rezeptoren befinden sich auf Nervenzellen. Es handelt sich um Andockstellen für Serotonin. Erst wenn Serotonin hier andockt, kann es seine Wirkung auf die Zelle ausüben.

Dies wiederum wirkt sich dann positiv auf die Stimmung und Emotionen aus, auch auf die Appetitregulation, den Schlaf-Wach-Rhythmus etc. Je empfindlicher nun die Rezeptoren sind, umso besser kann Serotonin wirken oder anders gesagt: Selbst geringere Serotoninmengen können dann eine stärkere Wirkung entfalten.

Ist das Spurenelement bei Binge Eating hilfreich?

In einer kleinen placebokontrollierten Doppelblind-Studie von 2013 wurden 24 übergewichtige Erwachsene mit diagnostizierter Binge-Eating-Störung (BED) über sechs Monate entweder mit 1000 µg Chrom pro Tag, mit 600 µg Chrom pro Tag oder mit einem Placebo behandelt. Chrom wurde in Form von Picolinat gegeben.

Die Häufigkeit von Essanfällen, die depressiven Symptome und das Körpergewicht nahmen in den Gruppen, die das Spurenelement nahmen, stärker ab als in der Placebogruppe. Die Unterschiede erreichten aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl jedoch meist keine statistische Signifikanz.

Dagegen sank der Nüchternblutzucker in beiden Chromgruppen signifikant stärker als unter Placebo, wobei die höhere Dosierung tendenziell die stärkeren Effekte zeigte. Auch führte das Spurenelement zu sinkenden Langzeitzuckerwerten sowie dazu, dass die jeweiligen Teilnehmer an Gewicht verloren, während die Placebogruppe an Gewicht zunahm (12).

Die Health Claims für Chrom

Auch wenn das Spurenelement nicht zu 100 Prozent als essenziell gilt, sind in der EU zwei allgemeine Health Claims zugelassen, mit denen für chromhaltige Nahrungsergänzungen oder auch für entsprechende Lebensmittel geworben werden darf:

1. „Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei.“

2. „Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei (1)“. (Makronährstoffe sind Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß.)

Health Claims sind gesundheitsbezogene Angaben, die nach wissenschaftlicher Prüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) schließlich von der Europäischen Kommission zugelassen wurden. Hersteller dürfen diese Sätze dann auf die Etiketten ihrer Produkte drucken.

Wie hoch ist der Tagesbedarf?

Der Bedarf wird je nach Fachgesellschaft unterschiedlich angegeben – das zeigt, wie unsicher die Datenlage ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt etwa für Jugendliche und Erwachsene einen Schätzwert von 30 bis 100 Mikrogramm pro Tag zur groben Orientierung.

In den USA werden wiederum für Erwachsene zwischen 19 und 50 Jahren 35 Mikrogramm pro Tag für Männer und 25 Mikrogramm pro Tag für Frauen empfohlen – für Schwangere außerdem 30 Mikrogramm und für Stillende 45 Mikrogramm (5).

Wie misst man den Chromstatus?

Anders als bei vielen anderen Vitaminen und Spurenelementen gibt es für Chrom bislang keinen allgemein anerkannten Laborwert, mit dem sich ein Mangel zuverlässig nachweisen oder ausschließen lassen würde. Zwar können Chromkonzentrationen im Blut, Urin, Haaren oder anderen Geweben bestimmt werden, doch gelten diese Werte nicht so sehr aussagekräftig.

Denn die Blutwerte zeigen vor allem das, was man in der letzten Mahlzeit oder den letzten Mahlzeiten zu sich genommen hat. Und weil Chrom generell nur in so winzigen Mengen im Blut vorkommt, ist die Messung anfällig für Verunreinigungen. Das bedeutet, dass bereits kleinste Chrommengen aus Kanülen, Probengefäßen, Laborgeräten oder Reagenzien die Ergebnisse beeinflussen können.

Am ehesten könnte man noch eine Haar- oder Nagelanalyse durchführen lassen - aber nur bei wirklich unbehandeltem Haar und auch unbehandelten Nägeln. Doch besteht auch hier die Gefahr, dass äußere Einflüsse die Ergebnisse beeinflussen könnten.

Aus diesem Grund ist es schwierig zu beurteilen, ob eine Person tatsächlich unter einem Chrommangel leidet. Das Fehlen eines verlässlichen Biomarkers ist einer der Gründe, weshalb sich bis heute nicht eindeutig sagen lässt, ob und unter welchen Bedingungen beim Menschen überhaupt ein relevanter Chrommangel auftritt.

Wenn Sie sich nicht nur für Ihren Chromstatus, sondern auch für andere Mineralstoffwerte interessieren, wäre diese * Haar- oder Fingernagel-Analyse möglich. Dabei werden insgesamt 13 Mineralstoffe und Spurenelemente bestimmt.

In welchen Lebensmitteln ist Chrom enthalten?

Das Spurenelement kommt in vielen Lebensmitteln vor, meist jedoch nur in kleinen Mengen. Häufig genannte Quellen sind Vollkorngetreide, Haferflocken, Gemüse (Brokkoli, grüne Bohnen, Tomaten), Pilze, Obst (Äpfel, Trauben, Bananen), Nüsse/Nussmus, Hülsenfrüchte und Bierhefe.

Auch Fleisch, Eier und manche Getränke können geringe Mengen liefern.

Konkrete Zahlen zu nennen, ist nicht einfach. Vor allem frühere Daten (vor 1980) gelten als nicht verlässlich – u. a. aufgrund der damaligen Analysemethoden (8).

Zudem hängt der Chromgehalt sehr von der Sorte (bei Pflanzen), der Art des Anbaus und der Verarbeitung der Lebensmittel ab. Auch ist eine Kontamination mit Chrom durch Laborgeräte und/oder Maschinen aus der Lebensmittelindustrie möglich.

Dies erklärt vermutlich auch die teilweise sehr hohen Chromgehalte, wie sie früher angegeben wurden, z. B. 10 oder 20 oder sogar bis zu 50 µg Chrom pro 100 g bei Gemüse.

Modernere Analysen (z. B. eine Untersuchung aus 2005/Polen) zeigen, dass viele pflanzliche Lebensmittel deutlich weniger Chrom enthalten als häufig angenommen (9).

Die mittleren Chromgehalte lagen hier beispielsweise (immer pro 100 g) bei rund 3,9 µg für Weizenkörner, bei 3,2 µg für Erdbeeren, bei 1,9 µg für Gurken, bei 0,6 µg für Kohl und Tomaten, bei 0,3 µg für Kartoffeln und bei 1,1 µg für Äpfel.

Nahrungsergänzung kaufen – worauf achten?

Wenn Sie eine Nahrungsergänzung mit Chrom probieren möchten, stehen verschiedene Verbindungen zur Auswahl, darunter Chrompicolinat, Chromchlorid, Chromnicotinat, Chrompolynicotinat und Chromhefe.

Chrompicolinat ist die am besten untersuchte Form und wurde in vielen klinischen Studien eingesetzt. Chromhefe enthält Chrom in einer natürlichen Hefematrix und wird häufig als besonders naturnahe Variante vermarktet. Diese beiden sollen auch die beste Bioverfügbarkeit aufweisen.

Chromchlorid gilt als einfachere und kostengünstigere Verbindung, scheint aber teilweise etwas schlechter aufgenommen zu werden. Für Chromnicotinat und Chrompolynicotinat liegen deutlich weniger Studien vor.

Die Menge des elementaren Chroms ist entscheidend

Entscheidend ist die Angabe des elementaren Chroms. So enthalten beispielsweise 1000 µg Chrompicolinat nicht 1000 µg Chrom, sondern nur 120-130 µg. Der Rest entfällt auf die Picolinsäure, an die das Chrom gebunden ist. Daher sollte auf dem Etikett stets die Menge an elementarem Chrom angegeben sein, was aber meist der Fall ist.

Einen eindeutigen Nachweis, dass eine Chromverbindung den anderen grundsätzlich überlegen ist, gibt es bislang nicht. Da aber für Chrompicolinat und Chromhefe die meisten Untersuchungen vorliegen, würden wir auch diese vorziehen.

Kapseln sind meist besser als Tabletten

Präparate sind meist als Kapsel oder Tablette erhältlich. Achten Sie darauf, dass möglichst wenige Zusatzstoffe enthalten sind. Meist sind Kapseln diesbezüglich besser, da Tabletten mehr Zusätze benötigen (z. B. Tablettierhilfsstoffe, damit die Tablette ihre Form behält, gut zu schlucken ist, schön aussieht).

Welche Dosis nimmt man ein?

Viele Chrompräparate enthalten 200, 400 oder 500 Mikrogramm pro Tagesdosis. Diese Mengen liegen deutlich über der üblichen Aufnahme über die Ernährung und auch über der vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Nahrungsergänzungsmittel empfohlenen Höchstmenge von 60 Mikrogramm pro Tag.

Die Empfehlung beruht jedoch nicht darauf, dass höhere Dosen riskant oder gefährlich wären, sondern auf einer vorsorglichen Bewertung der bisher noch begrenzten Datenlage.

In Studien mit Menschen mit Typ-2-Diabetes, in denen teilweise Verbesserungen der Blutzuckerkontrolle beobachtet wurden, kamen hingegen meist Dosierungen von 200 bis 1000 Mikrogramm täglich zum Einsatz – allerdings nicht dauerhaft, sondern über einen Zeitraum von einigen Wochen bis zu maximal 6 Monaten.

* Hier finden Sie ein Chrompräparat mit 60 µg pro Kapsel, wenn Sie bei der vom BfR empfohlenen Dosierung bleiben möchten.

Wann sollte man Chrom einnehmen?

Um die Verträglichkeit zu verbessern, sollte das Spurenelement zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Ob morgens, mittags oder abends ist weniger entscheidend – man sollte jedoch einen Abstand zu einigen Medikamenten einhalten.

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Besonders wichtig ist der zeitliche Abstand bei Schilddrüsenhormonen wie Levothyroxin (L-Thyroxin). Für Chrompicolinat wurde gezeigt, dass es die Aufnahme von L-Thyroxin vermindern kann (7). Die Einnahme sollte also mit einem zeitlichen Abstand von ein paar Stunden erfolgen.

Auch bei blutzuckersenkenden Medikamenten ist Vorsicht geboten, weil sich die Wirkung theoretisch verstärken könnte. Wer Diabetesmedikamente nimmt, sollte Chrom nur in Rücksprache mit dem Arzt verwenden.

Gibt es Nebenwirkungen?

Über die Ernährung aufgenommenes Chrom ist unproblematisch. Auch chromhaltige Nahrungsergänzungen wurden in Studien meist gut vertragen.

Selbst Dosierungen von 200 bis 400 oder sogar bis 1000 µg pro Tag über mehrere Wochen oder Monate führten meist nicht zu auffälligen Nebenwirkungen. Deshalb gilt Chrom(III) heute als vergleichsweise sicher.

Bei empfindlichen Menschen kann es in seltenen Fällen zu Hautreaktionen und Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Was ist eine Überdosierung?

Gelegentlich ist von Leber- und Nierenschäden nach Chromeinnahme die Rede. Diese stammen jedoch fast ausschließlich aus einzelnen Fallberichten nach hochdosierten Chrompicolinat-Präparaten (600-2400 µg pro Tag).

Diese Fälle sind extrem selten – vor allem wenn man bedenkt, dass Chrompräparate seit Jahrzehnten millionenfach verwendet werden. Auch weiß man bei Fallberichten oft nicht sicher, ob tatsächlich das Chrom verantwortlich war, ob andere Präparate mit eingenommen wurden, ob Vorerkrankungen bestanden oder irgendwo Verunreinigungen vorlagen.

Doch sind Dosen von über 500 bis über 1000 µg natürlich tatsächlich sehr hoch und sollten langfristig vermieden werden (man weiß nie, wie empfindlich man reagiert - jeder Mensch ist anders!) - zumal ja meist auch Dosen von unter 500 µg vollkommen ausreichen.

Bedenken Sie immer, dass Lebensmittel nur wenige Mikrogramm enthalten und daher die üblichen Dosen in Nahrungsergänzungen von 200 µg und mehr bereits therapeutische Wirkung haben können.

Wie lange sollte man Chrom nehmen?

Nehmen Sie Chrom nicht dauerhaft als Nahrungsergänzung in Dosen von mehr als 60 µg ein. Wenn Sie eine Nahrungsergänzung mit z. B. 200 bis 500 µg pro Tag nehmen, dann pausieren Sie nach 2 bis 4 Monaten für einige Wochen, bis Sie evtl. eine erneute Kur anschließen.

Das Ziel sollte jedoch sein, die jeweiligen Beschwerden auch ohne hochdosiertes Chrom in den Griff zu bekommen. Denn gerade bei Diabetes, Heißhungerattacken oder dem PCOS ist eine ganzheitliche Vorgehensweise aus vielen verschiedenen Maßnahmen stets sinnvoller als einzelne Mittel.

Über unser Suchfeld finden Sie zum jeweiligen Thema viele Informationen, die genau erklären, wie Sie vorgehen könnten, z. B. in unseren Artikeln Diabetes Typ 2 – Symptome und Ursachen sowie Ausstieg aus der Zuckersucht (wenn Ihr Heißhunger besonders Süßes im Visier hat) und PCOS – Das polyzystische Ovarialsyndrom.

Besonders die richtige Ernährung ist bei all diesen Beschwerdebildern oft entscheidend. In Sachen Diabetes erklären wir die passende Ernährung in unserem * 7-tägigen Ernährungsplan. Alle Gerichte – Sie erhalten täglich bis zu 6 Rezepte – sind rein pflanzlich, ballaststoffreich, niedrigglykämisch und (dennoch) sehr köstlich!

Fazit: Chrom kann in manchen Fällen einen Versuch wert sein

Chrom ist ein interessantes Spurenelement, über das bisher noch vergleichsweise wenig bekannt ist. Für die meisten Menschen ist eine vollwertige Ernährung die beste Art, um gut mit Chrom versorgt zu sein.

Bei bestimmten Beschwerden jedoch kann die Einnahme einer Nahrungsergänzung einen Versuch wert sein, etwa bei Problemen mit dem Blutzuckerspiegel, bei störenden Heißhungerattacken oder beim PCOS.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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