Was ist Drachenblut?
Drachenblut ist ein weinroter Pflanzensaft, der aus verschiedenen Pflanzen gewonnen werden kann. Nach dem Austreten aus der Rinde durch Anritzen dickt er ein und wird harzartig.
Am bekanntesten ist der Drachenblutbaum Croton lechleri, der im immerfeuchten Amazonas-Gebiet heimisch ist. Indigene Völker wie die Quechua-Indianer aus Peru sollen die heilenden Wirkungen des Harzes genutzt haben. Es wird je nach Region auch als Sangre de Drago oder Sangre de Grado (Spanisch) bezeichnet.
Neben Croton lechleri kann das Harz auch aus Dracaena draco, dem kanarischen Drachenblutbaum oder Daemonorops draco, der südostasiatischen Rotangpalme gewonnen werden. Die Harze unterscheiden sich in ihren Wirkungen und werden auch zum Räuchern verwendet.
Da Drachenblut aus Croton lechleri am besten erforscht ist und auch in Nahrungsergänzungen verwendet wird, beziehen sich die Informationen in diesem Artikel auf dieses Harz.
Was ist der Unterschied: Drachenblutbaum oder Drachenbaum?
Verwechseln Sie den Drachenblutbaum nicht mit den Drachenbäumen, die bei uns als Zimmerpflanzen bekannt sind und zur Gattung Dracaena gehören. Sie stammen aus den Tropen und Subtropen Afrikas und Asiens und liefern kein Drachenblut.
Croton lechleri hingegen lässt sich schon allein wegen seiner Größe (10-20 Meter) nicht gut als Zimmerpflanze halten. Auch braucht er ein bestimmtes Klima - konstant hohe Luftfeuchtigkeit von 80 %, gleichmäßig warme Temperaturen und sehr viel Licht. Dies könnte man ihm ohne beheizbares Gewächshaus kaum bieten.
Die Inhaltsstoffe des roten Harzes
Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen gehören die Proanthocyanidine (Gerbstoffe). Relativ bekannt sind die oligomeren Proanthocyanidine (OPC), die wegen ihrer antioxidativen Wirkung eine beliebte Nahrungsergänzung darstellen. Viele dürften OPC als Wirkstoff aus Traubenkernen oder Kiefernrinde kennen.
OPC aus verschiedenen Quellen sind nicht identisch, da es sich nicht um einen einzelnen Stoff, sondern um eine Gruppe verschiedener Polyphenole handelt. Je nach Pflanze unterscheidet sich ihre genaue Zusammensetzung.
Aus den Proanthocyanidinen des Drachenbluts wurde der standardisierte Extrakt Crofelemer entwickelt. Der Wirkstoff ist in den USA unter dem Markennamen Mytesi als Durchfallmedikament für HIV-Patienten zugelassen.
Daneben ist in dem Harz Taspin enthalten – ein Alkaloid, das entzündungshemmend wirkt und die Wundheilung beschleunigt.
Wie wirkt Drachenblut?
Traditionell kam das rote Harz vor allem bei Durchfall und Magen-Darm-Beschwerden zum Einsatz – hierfür wurden ein paar Tropfen davon in Wasser gelöst und getrunken.
Äußerlich wurde es genutzt, um Blutungen zu stillen, Wunden zu desinfizieren und Insektenstiche zu behandeln. Wegen seiner antimikrobiellen Wirkungen verwendete man es u. a. auch bei Aphthen im Mund, Zahnfleischentzündungen und bei Hautpilz.
Während die traditionelle Anwendung breit ist, ist die Studienlage deutlich schmaler. Durch Humanstudien belegt, sind die Wirkung bei Durchfall sowie die schnellere Wundheilung.
Bei Durchfall durch HIV
Durchfall ist ein häufiges Symptom bei einer HIV-Erkrankung. Forscher untersuchten, ob Crofelemer helfen kann (1).
Rund 380 HIV-positive Personen mit chronischem Durchfall nahmen entweder 4 Wochen lang zweimal täglich 125 mg Crofelemer als Tablette oder ein Placebo ein.
In der Crofelemer-Gruppe verbesserte sich daraufhin die Stuhlkonsistenz. Auch hatte diese Gruppe weniger häufig Durchfall. Andere Symptome wie Bauchschmerzen unterschieden sich nicht signifikant.
Diese Studie führte zur Zulassung von Crofelemer durch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA gegen nicht-infektiösen Durchfall bei HIV.
Bei Reisedurchfall
Eine ältere Studie befasste sich mit der Wirkung eines Crofelemer-ähnlichen Extrakts bei Personen, die auf Reisen an Durchfall erkrankten (2).
Die rund 180 Probanden nahmen zwei Tage lang entweder viermal täglich 125 mg, 250 mg oder 500 mg des Extrakts als Tablette oder ein Placebo ein. Die häufigste Ursache für den Durchfall war Escherichia coli – bei 19 Prozent der Personen.
Bei den täglichen Untersuchungen zeigte sich, dass die Extrakt-Gruppen früher wieder festen Stuhl hatten. Die beiden geringeren Dosen waren wirksamer. Bei ihnen verkürzte sich die Krankheitsdauer um rund 8 Stunden, bei der höchsten Dosis um 6 Stunden.
Beim Reizdarmsyndrom
Forscher prüften in einer klinischen Studie von 2019, wie sich der Extrakt Crofelemer bei Frauen mit Reizdarm auswirkt (3). Die Ergebnisse sind gemischt.
Die 240 Frauen mit Durchfall nahmen entweder 12 Wochen lang zweimal täglich 125 mg Crofelemer als Tablette oder ein Placebo ein.
Crofelemer führte zwar nicht zu mehr schmerzfreien Tagen und auch nicht zu einer besseren Stuhlkonsistenz als das Placebo. Bei den Bauchschmerzen zeigte sich jedoch ein kleiner Vorteil:
Während der Studiendauer verspürten 54 Prozent eine deutliche Schmerzverbesserung gegenüber 43 Prozent unter Placebo.
Für die Haut
Das Harz wird überdies wegen seiner antioxidativen, entzündungshemmenden und wundheilungsfördernden Wirkungen in kosmetischen Hautcremes und medizinischen Salben verwendet.
Eine kleine Studie mit 60 Probanden, die sich insgesamt 100 harmlose Hautwucherungen entfernen ließen, zeigt die schnellere Wundheilung (4).
Auf rund die Hälfte der Wunden trugen die Probanden nach dem Eingriff jeweils zweimal täglich eine Creme mit 15-prozentigem ethanolischem Drachenblut-Extrakt auf – auf die übrigen Wunden eine Placebo-Creme.
Bereits ab dem dritten Tag war die Wundheilung in der Extrakt-Gruppe deutlich weiter fortgeschritten als unter Placebo. Dieser Vorsprung blieb über die folgenden Tage bestehen.
Die Autoren berichten außerdem, dass die durchschnittliche Heilungsdauer insgesamt signifikant kürzer war (die Anzahl der Tage wird nicht angegeben).
Eine entsprechende hochwertige Creme konnten wir leider nicht finden.
Drachenblut kaufen: Worauf achten?
Drachenblut ist als Nahrungsergänzung als flüssiges Harz in der Tropfflasche erhältlich. Beim Kauf ist darauf zu achten, dass es sich tatsächlich um Croton lechleri handelt. Es sollte zudem reines Harz sein, ohne Zusätze von Alkohol oder Lösungsmittel.
Daneben gibt es Drachenblut auch getrocknet als Pulver – teilweise gemischt mit anderen Harzen wie Weihrauch. Dieses wird zum Räuchern verwendet.
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Wie wird Drachenblut eingenommen?
Einheitliche Dosierungsempfehlungen gibt es nicht, da die Studienlage begrenzt ist und die meisten Studien mit dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Crofelemer durchgeführt wurden, der als Tablette eingenommen wird. Er ist nur in den USA zugelassen.
Manche Hersteller geben auf ihren Produkten daher gar keine Einnahmeempfehlung an und vermarkten es nur zur äußerlichen Wundheilung. Oft werden etwa 2 bis 5 Tropfen bis zu dreimal täglich eingenommen, das beruht aber auf Erfahrungen und nicht auf Studien. Wem das pure Harz zu bitter schmeckt, kann es in etwas Wasser verdünnen.
Durchfälle werden nur akut für einige Tage behandelt. Bei wiederkehrenden Darmproblemen könnte man eine kurweise Einnahme für zwei bis vier Wochen ausprobieren.
Drachenblut äußerlich anwenden
Für die äußerliche Anwendung – etwa auf Schürfwunden oder Stichen – gibt man ein bis zwei Tropfen unverdünnt auf die betroffene Stelle und lässt das Harz zu einem schützenden Film trocknen. Achtung: Das Harz färbt stark und macht Flecken auf der Kleidung.
Wer es großflächiger anwenden möchte, z. B. in eine Creme gemischt im Gesicht oder zur Behandlung von Hautkrankheiten, sollte vorher einen Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle machen und 24 Stunden abwarten, um Allergien auszuschließen.
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Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Bisher sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt. Drachenblut wirkt vor allem lokal im Darm und war in den bisherigen Studien gut verträglich.
Das Harz kann lediglich bei empfindlichen Personen zu allergischen Reaktionen führen, wenn es äusserlich angewandt wird.
Fazit: Drachenblut ist vielversprechend, aber nur begrenzt untersucht
Drachenblut ist eines der wenigen Pflanzenprodukte, aus dem ein klinisch untersuchter Arzneistoff zur Behandlung von Durchfall hervorging. Auch eine schnellere Wundheilung ist belegt. Das macht es zu einem vielversprechenden, wenn auch bisher noch wenig untersuchten Pflanzenheilmittel.
Wer nach einem Mittel mit eindeutig antioxidativer und entzündungshemmender Wirkung sucht, ist jedoch wegen der unklaren Dosierung und fehlenden Humanstudien mit anderen Nahrungsergänzungen besser bedient.
In Frage kämen z. B. Polyphenole wie OPC (aus Traubenkernen oder Kiefernrinde) oder auch Curcumin, Resveratrol und Quercetin. Zu diesen Stoffen gibt es wesentlich mehr Studien sowie meist auch konkrete Einnahmeempfehlungen.
Wenn Sie die jeweiligen Begriffe in unsere Suche eingeben, finden Sie jeweils ausführliche Informationen zu den Pflanzenstoffen, zu ihrer Wirkung und Anwendung.