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  • Frauenmantel als Pflanze und ein Tee
21 min

Frauenmantel - Wirkung und Anwendung

Der Frauenmantel zählt zu den wichtigsten Heilpflanzen für Frauen, doch sind viele seiner Wirkungen geschlechterübergreifend. Was die "kleine Alchemistin" alles kann und was die Forschung dazu sagt, erfahren Sie bei uns – natürlich auch, wie die Pflanze angewandt und angebaut wird.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 27 Mai 2024

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Was ist der Frauenmantel?

Der Frauenmantel (Alchemilla) gehört wie etwa das Mädesüß oder die Erdbeere zur großen Familie der Rosengewächse. Ob in Grönland, New Mexiko, Ostafrika, im Himalaya oder den Alpen: Es gibt weltweit rund 1000 Alchemilla-Arten. Es handelt sich um ausdauernde krautige Pflanzen, um sommergrüne Zwerg- oder Halbsträucher, die besonders in den Gebirgen verbreitet sind ( 1 ).

Schon in der Antike haben diverse Autoren über die Heil- und Zauberkraft der Alchemilla berichtet. So ist bei Dioskurides, dem Pionier der Pharmakologie, zu lesen, dass der Frauenmantel als Liebeszauber wirke und bei der Behandlung von Geschwülsten hilfreich sei.

Bis heute ist die Heilpflanze ein wichtiger Bestandteil der Volksheilkunde in aller Welt. Die Liste der Anwendungsgebiete ist überaus lang und reicht von gynäkologischen Leiden, Diabetes und Entzündungen bis hin zu Wunden, Hautausschlägen und Magen-Darm-Problemen ( 1 ).

Welche Inhaltsstoffe sind enthalten?

Der Frauenmantel enthält eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen, die in ihrer Gemeinsamkeit für seine gesundheitlichen Wirkungen verantwortlich sind. Dazu zählen vordergründig Polyphenole, welche die Pflanzen selbst vor Fraßfeinden wie z. B. Schnecken sowie aufgrund der antioxidativen Wirkung z. B. vor UV-Strahlung schützen. Doch auch wir Menschen können davon profitieren. Zu den wichtigsten Polyphenolen zählen ( 1 ) ( 3 ) ( 4 ):

Phenolsäuren

Phenolsäuren wie etwa die Ellagsäure, Gallussäure und Kaffeesäure haben diversen Studien zufolge krebshemmende Eigenschaften ( 14 ) ( 15 ) ( 16 ).

Tannine

Tannine sind ebenfalls enthalten. Der wichtigste Vertreter heißt Agrimoniin. Dieser Stoff ist ein Bestandteil von diversen Heilpflanzen wie der Alchemilla, die häufig oral in Form von Aufgüssen, Abkochungen oder Extrakten angewandt werden. Agrimoniin steckt auch häufig in Lebensmitteln wie Erdbeeren, Granatäpfeln und Himbeeren. Der Stoff wird von den Darmbakterien in eine Reihe von Urolithinen umgewandelt, die Studien zufolge entzündungshemmende und krebsbekämpfende Eigenschaften haben ( 17 ).

Flavonoide

Flavonoide gibt es unterschiedliche. Im Frauenmantel sind es v. a. Kaempferol, Rutin und Quercetin. In epidemiologischen Studien zeigte sich, dass diese Flavonoide das Risiko für verschiedene Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose senken, wenn sie regelmäßig über die Ernährung bzw. über Heilpflanzen aufgenommen werden ( 18 ).

Welche medizinischen Eigenschaften hat der Frauenmantel?

Die Alchemilla gehört zu jenen Heilpflanzen, die unterschiedlichste medizinische Eigenschaften haben. So wirkt sie Studien zufolge u. a. ( 1 ) ( 3 ) ( 4 ) ( 6 ) ( 9 ):

  1. wundheilend
  2. antibakteriell
  3. antimykotisch
  4. antiviral
  5. neuroprotektiv
  6. gastroprotektiv
  7. krebshemmend
  8. leberschützend
  9. antioxidativ
  10. adstringierend
  11. harntreibend
  12. blutdrucksenkend
  13. entzündungshemmend

Im Jahr 2019 hat eine internationale Studie ergeben, dass phytochemische Untersuchungen und die Bewertung der biologischen Aktivitäten der Alchemilla gezeigt haben, dass die Verwendung der Pflanze in der traditionellen Medizin gerechtfertigt ist ( 6 ).

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Wie wirkt die Pflanze laut Volksmedizin?

Die Alchemilla ist eine uralte Heilpflanze, die in der traditionellen Heilkunde weltweit seit Menschengedenken bei extrem vielen Krankheiten zum Einsatz kommt. Sie gilt zwar vordergründig als Frauen-Heilpflanze, doch ist ihr Wirkungsspektrum viel größer und auch Männer können von ihr profitieren.

Zu den Anwendungsgebieten in der Volksmedizin zählen beispielsweise ( 1 ) ( 3 ) ( 4 ) ( 5 ) ( 6 ) ( 20 ):

  1. Frauenleiden wie z. B. Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden
  2. Diabetes
  3. Multiple Sklerose
  4. Anämie
  5. Geschwüre
  6. Hautprobleme wie Wunden, Hautausschläge und Ekzeme
  7. Magen-Darm-Probleme wie Durchfall
  8. Entzündungen, z. B. im Mundraum
  9. Bluthochdruck
  10. Nasenbluten
  11. Atemwegsbeschwerden wie Husten, Bronchitis, Asthma und Halsschmerzen
  12. Krebs (z. B. Eierstocktumoren)

Welche Studien gibt es zum Frauenmantel?

Die Alchemilla zählt zu den anerkannten traditionellen Heilpflanzen. Obgleich sie seit Jahrtausenden weltweit angewandt wird und in der Volksheilkunde auch heute noch sehr populär ist, gehört sie noch immer zu den wenig erforschten Pflanzen. Doch damit ist sie nicht allein!

Forscher vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt haben im Jahr 2023 festgestellt, dass bislang von 374.000 bekannten Pflanzenarten lediglich 6 Prozent pharmakologisch untersucht wurden ( 22 ). Da die Studienlage in puncto Frauenmantel derart schlecht ist, findet man kaum bzw. nur unzulängliche Monographien (= ausführliche Beschreibungen von Heilpflanzen) ( 7 ).

Die Monographie der Kommission E (Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel) stammt z. B. aus dem Jahr 1986 und wurde seitdem nicht aktualisiert. Das einzige angegebene Anwendungsgebiet sind unspezifische leichte Durchfallerkrankungen, vermutlich aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes der Pflanze ( 12 ) ( 21 ).

Nichtsdestotrotz wurden in den vergangenen Jahren einige Studien gemacht, aber fast nur In-vitro-Studien, ein paar Tierstudien und kaum Humanstudien. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy ( ESCOP) hat in einer Monographie u. a. festgestellt, dass die Alchemilla vulgaris wundheilende Eigenschaften gezeigt hat und bei leichten Mundgeschwüren hilfreich sein kann ( 8 ).

Zudem gibt es Hinweise, dass die Heilpflanze eine blutdrucksenkende und antidiabetische Wirkung hat, gegen freie Radikale wirkt und starke krebshemmende Eigenschaften aufweist ( 4 ) ( 6 ) ( 20 ).

Im Jahr 2019 wurde von einem internationalen Forscherteam erstmals festgestellt, dass der Frauenmantel eine Antikrebsaktivität bei manchen hormonabhängigen Krebsformen hat (z. B. bei Brust- und Eierstocktumoren, aber auch bei Prostatakrebs) ( 1 ).

Dass es bislang praktisch keine wissenschaftliche Erklärung für den hohen Stellenwert als traditionelle Arzneipflanze gegen Frauenleiden gibt, erscheint geradezu paradox. Dies unterstreicht aber nur, dass vonseiten der Wissenschaft ein dringender Handlungsbedarf besteht. Das hier bislang fehlende Interesse wird auch von vielen Forschern bemängelt ( 11 ).

Bei welchen Beschwerden hilft der Frauenmantel in der Frauenheilkunde?

Jahrtausende, bevor Frauen mit Hormonen und Schmerzmitteln abgefertigt wurden, wandten Kräuterfrauen und Hebammen die Alchemilla bei Frauenleiden an. Ihr Wissen war eng mit der Erfahrungsheilkunde verknüpft, was bedeutet, dass sie genau über die Anwendungsgebiete Bescheid wussten. Aufgrund der vielseitigen Wirkungen galt der Frauenmantel auch als "Allesheiler".

Die Frau gilt in der Naturheilkunde aufgrund des weiblichen Zyklus als rhythmisches Wesen. Das bedeutet, dass sie mit den natürlichen Rhythmen enger verbunden ist als der Mann. Gerät nun der Rhythmus aus dem Takt, stellen sich unterschiedlichste Leiden ein. Ziel ist es dann, nicht einfach irgendwelche Symptome zu bekämpfen, sondern den natürlichen Lebensrhythmus wiederzuerlangen.

Dabei können Heilpflanzen wie der Frauenmantel eine wichtige Rolle spielen, da sie auf den gesamten weiblichen Organismus rhythmisierend, ausgleichend, regulierend und schützend wirken. Zu den wichtigsten Indikationen in der Frauenheilkunde zählen beispielsweise ( 13 ) ( 6 ):

1. Menstruationsbeschwerden

Eine Umfrage hat im Jahr 2023 gezeigt, dass 70 Prozent der befragten österreichischen Frauen zwischen 15 und 45 Jahren an Menstruationsbeschwerden wie Unterleibsschmerzen und Krämpfen leiden ( 28 ). Lange Zeit wurde den Betroffenen einfach zu Schmerzmitteln oder Hormonen ( Pille) geraten.

Aufgrund der zum Teil gravierenden Nebenwirkungen von Medikamenten besinnen sich jüngst aber immer mehr Frauenärzte und-ärztinnen auf alte Heilmittel wie den Frauenmantel. Dieser hat sich insbesondere in Bezug auf die vorbeugende Anwendung bewährt. Es wird davon ausgegangen, dass die krampflösende Wirkung auf eine gestagenartige Wirkung der Heilpflanze zurückzuführen ist.

2. Gelbkörperschwäche

Als Gestagene (Gelbkörperhormone) werden Substanzen bezeichnet, die für die Entstehung und Erhaltung einer Schwangerschaft vonnöten sind. Liegt eine Gelbkörperschwäche vor, führt dies zu einem Progesteronmangel und in Folge zur Unfruchtbarkeit der Frau. Der Frauenmantel wirkt der Gelbkörperschwäche vermutlich aufgrund einer gestagenartigen Wirkung entgegen.

3. Hormonregulation

Laut Volksheilkunde regt die Alchemilla in der 1. Zyklushälfte den Eisprung an, fördert die Hingabefähigkeit und verbessert die Empfängnis. In der 2. Zyklushälfte werden die Gelbkörperhormone reguliert, prämenstruelle Stimmungsschwankungen harmonisiert und Menstruationsbeschwerden abgeschwächt.

4. Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Das PMS umfasst ein Bündel aus psychischen und körperlichen Beschwerden wie z. B. Rücken-, Kopf-, Gelenks- und Muskelschmerzen sowie Reizbarkeit und Müdigkeit, die an den Tagen vor der Periode auftreten können. Es wird vermutet, dass das PMS durch hormonelle Schwankungen während des weiblichen Zyklus verursacht wird. Heilpflanzen wie der Mönchspfeffer, die Schafgarbe und der Frauenmantel können – auch kombiniert angewandt – Linderung verschaffen.

5. Geburtsheilkunde

In der traditionellen Medizin kommt die Alchemilla auch in und nach der Schwangerschaft zum Einsatz, da sie die Gebärmutter vor und nach der Geburt kräftigen, das Bindegewebe stärken, Geburtsblutungen vorbeugen, die Rückbildung der Gebärmutter beschleunigen sowie die Wundheilung nach der Geburt unterstützen soll. In der Erfahrungsheilkunde wird Frauenmantel bei Neigung zu Fehlgeburten eingesetzt. Möglicherweise geht dieser Effekt auf die natürlich in der Pflanze enthaltene Salicylsäure zurück, die in kleinen Dosen die Durchblutung der Plazenta verbessert.

6. Wechseljahresbeschwerden

Auch während der Wechseljahre kann der Frauenmantel hilfreich sein. Wird der Tee regelmäßig angewandt, können Hitzewallungen, innere Unruhe oder Stimmungsschwankungen gelindert werden. Ausschlaggebend dafür ist wieder die hormonregulierende Wirkung. Im Rahmen der Menopause geht das Progesteron im Körper zurück. Die Alchemilla kann diesem Prozess entgegenwirken, da sie den Progesteronspiegel auf natürliche Weise erhöht.

Im folgenden Link stellen wir weitere natürliche Mittel bei Wechseljahresbeschwerden vor.

Welche Pflanzenteile verwendet man?

Laut dem Europäischen Arzneibuch (Pharmacopoea Europaea 10) kommen die oberirdischen Teile der Alchemilla zum Einsatz, und zwar in frischer, blühender, getrockneter, ganzer, geschnittener und pulverisierter Form (Alchemillae herba) ( 7 ).

Es kommen in der Volksheilkunde zwar auch die Wurzeln zum Einsatz, doch wissenschaftliche Erkenntnisse sind diesbezüglich noch Mangelware. Einer In-vitro-Studie aus dem Jahr 2022 zufolge hat der Wurzelextrakt eine starke antibakterielle, antimykotische und krebshemmende Wirkung, was auf den hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen (Polyphenole) zurückgeführt wurde ( 24 ).

Von allen Frauenmänteln hat die Alchemilla vulgaris in der Pflanzenheilkunde den größten Stellenwert.

Wie wird der Frauenmantel innerlich angewandt?

So wie bei Heilpflanzen üblich, kann auch der Frauenmantel auf unterschiedliche Weise eingenommen werden:

1. Tee

Am häufigsten wird die Heilpflanze in Form von Tee verwendet. Die angebotenen Tees stammen überwiegend aus dem Anbau in ost- und südosteuropäischen Ländern. In der British Herbal Pharmacopoeia werden 3-mal täglich 2 bis 4 g der getrockneten oberirdischen Teile empfohlen ( 25 ).

Gehen Sie bei der Zubereitung des Tees einfach wie folgt vor:

  1. Übergießen Sie 2 Teelöffel getrocknetes Kraut (ca. 2 g) mit 150 ml kochendem Wasser.
  2. Lassen Sie den Tee abgedeckt für 10 bis 15 Minuten ziehen und gießen Sie ihn dann durch ein Sieb.
  3. Der Tee kann 3- bis maximal 5-mal täglich getrunken werden.
  4. Außerdem können mit dem Tee Spülungen im Mundraum durchgeführt werden.
  5. Frauenmantel-Tee schmeckt leicht bitter und adstringierend.

* Hier erhalten Sie getrocknetes Frauenmantelkraut für Tee, Kaltauszüge, Bäder und Öl.

2. Extrakte

Im Handel – etwa in Apotheken und Biogeschäften – werden diverse Flüssig- und Trockenextrakte angeboten, z. B. Urtinkturen oder die getrocknete und pulverisierte Pflanze in Kapseln abgefüllt. Achten Sie in Bezug auf die Dosierung stets auf die Angaben des Herstellers und lassen Sie sich im besten Fall von Ihrem Heilpraktiker oder Apotheker beraten.

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Was ist besser: Tee oder Extrakt?

Studien zufolge bieten alkoholische gegenüber wässrigen Extrakten bzw. dem Tee den möglichen Vorteil, dass der Flavonoid-Gehalt (v. a. Quercetin) viel höher ausfällt. Im wässrigen Extrakt bzw. Tee stecken dafür viel mehr Tannine (v. a. Gallussäure). Abhängig von den zu behandelnden Leiden kann also die eine oder andere Anwendung besser sein ( 4 ).

So hat eine Tierstudie z. B. gezeigt, dass ein nicht benannter Methanol-Extrakt eine signifikante blutdrucksenkende Wirkung hatte, während ein Wasser-Extrakt nur geringfügig wirkte. Dies wurde auf den höheren Flavonoidgehalt im alkoholischen Extrakt zurückgeführt ( 4 ) ( 19 ).

Der Tee oder ein wässriger Extrakt ist hingegen aufgrund des höheren Gerbstoffgehalts beispielsweise bei Durchfall eher zu empfehlen, da Gerbstoffe eine stopfende Wirkung haben ( 10 ).

Mono- oder Kombi-Präparate?

In der traditionellen Volksheilkunde werden einerseits Tees oder Extrakte angeboten, die ausschließlich die Alchemilla bzw. deren Wirkstoffe enthalten. Andererseits gibt es Teemischungen sowie Extrakt-Mischungen, wobei der Frauenmantel mit anderen Heilpflanzen bzw. anderen Wirkstoffen kombiniert wird.

So sind etwa Extrakt-Mischungen auf dem Markt, bei denen der Frauenmantel mit EGCG, dem Hauptwirkstoff in Grüntee, Vitamin B6 und Vitamin D kombiniert wird. Dies wird deshalb so gehandhabt, weil Studien gezeigt haben, dass eine Kombi aus EGCG, Vitamin B6 und Vitamin D bei Frauenleiden wie PMS, Endometriose und Myomen hilfreich sein kann ( 29 ).

Bei einer im Jahr 2021 durchgeführten italienischen Studie wurden beispielsweise 95 Probandinnen in 2 Gruppen eingeteilt: 54 wurden nicht behandelt und 41 erhielten für 4 Monate täglich 2 Tabletten mit 25 μg Vitamin D, 150 mg EGCG und 5 mg Vitamin B6 ( 29 ).

Durch die Supplementierung konnte die Größe der Myome signifikant reduziert und die Lebensqualität ohne Nebenwirkungen verbessert werden. Bei den Frauen in der Kontrollgruppe blieb alles beim Alten, bei über 10 Prozent von ihnen verschlechterte sich die Situation.

Studien mit den gerade erwähnten Inhaltsstoffen in Kombination mit dem Frauenmantel gibt es zwar keine. Da aber die Heilpflanze traditionell auch bei besagten Frauenleiden angewandt wird ( 6 ), ist es möglich ihre Wirkung u. U. zu verbessern, wenn sie mit in Studien bereits erprobten Stoffen kombiniert wird.

Bei schmerzhafter oder starker Menstruationsblutung wird die Alchemilla gern mit dem Hirtentäschel, der Schafgarbe oder auch der Melisse gepaart. Und im Jahr 2018 hat eine Studie gezeigt, dass ein Extrakt, der neben der Alchemilla auch Blätter der Heilpflanze Mimosa tenuiflora enthielt, besser bei der Wundheilung wirkte als jede Pflanze für sich genommen ( 23 ).

Die jeweilige Mischung sollte im Idealfall exakt auf die speziellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten werden.

Hat die Alchemilla Nebenwirkungen?

So wie bei jeder Heilpflanze oder jedem Lebensmittel gibt es auch beim Frauenmantel Menschen, die bestimmte Inhaltsstoffe nicht vertragen oder auch allergisch reagieren. Im Allgemeinen ist die Heilpflanze aber sehr gut verträglich ( 21 ) ( 25 ):

1. Gibt es Gegenanzeigen?

Kein Pflanzenteil der Alchemilla ist toxisch, Gegenanzeigen sind keine bekannt. Als besondere Vorsichtsmaßnahme darf die Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern allerdings nur nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Dasselbe wird schwangeren und stillenden Frauen empfohlen. Dies gilt im Übrigen für jedes Arzneimittel, ob pflanzlich oder synthetisch.

2. Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten?

Nebenwirkungen sind in der Regel bei korrekter Dosierung nicht zu erwarten.

3. Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln?

Wechselwirkungen sind keine bekannt.

4. Wie lange kann die Alchemilla angewandt werden?

Selbst bei einer langfristigen Einnahme wurden in der Regel keine Nebenwirkungen festgestellt. So etwa in Studien, wobei jugendlichen Patientinnen in regelmäßigen Abständen über einen Zeitraum von 6 Jahren ein Extrakt (Alchemilla vulgaris) verabreicht wurde ( 11 ).

Nichtsdestotrotz sollte grundsätzlich ärztlicher Rat eingeholt werden, wenn der gleiche Tee oder Extrakt länger als einen Monat täglich angewandt wird.

Bei welchen Beschwerden wird die Alchemilla äußerlich angewendet?

Nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich kann die Alchemilla angewandt werden. Zu den Anwendungsgebieten in der traditionelle Volksheilkunde zählen u. a.:

  1. Wundheilung
  2. Geschwüre
  3. Ekzeme
  4. Akne (bei hormonellen Ursachen nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich)
  5. Brustentzündungen
  6. Ausfluss (Scheidenspülungen)
  7. mikrobielle Verschiebungen der Vaginalflora
  8. Vaginalmykose
  9. Scheidenjucken
  10. Mundschleimhautentzündungen (Gurgelmittel)
  11. Angina
  12. Neurodermitis

Im Jahr 2019 haben In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen ergeben, dass es pharmakologische Belege für die traditionelle Verwendung des Frauenmantels bei der Wundbehandlung gibt. Am besten schnitten Ethanol-Extrakte ab, die in Hydrogel eingearbeitet wurden ( 9 ). Uns ist jedoch kein entsprechendes Präparat bekannt. Fragen Sie in einer Apotheke danach.

Halsschmerzen, Heiserkeit und Wundheilung

Im Jahr 2022 hat eine Humanstudie mit 94 Patienten gezeigt, dass der Frauenmantel bei Halsschmerzen und Heiserkeit gute Dienste leistet. Die Studienteilnehmer mussten sich einer Thoraxoperation mit Atemwegsintubation unterziehen, was nach der OP sehr häufig zu den genannten Symptomen führt ( 2 ).

Aus diesem Grund wird meist vorbeugend Dexamethason verabreicht. Doch gehören zu den Nebenwirkungen dieses Steroidhormons u. a. eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels, erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, Magengeschwüre, eine verzögerte Wundheilung und Unterdrückung der Nebennierenfunktion, was sich etwa auf Immunsupprimierte oder Diabetiker negativ auswirken kann.

Die Forscher kamen zum Schluss, dass das in der Mundhöhle aufgesprühte Präparat Neo Mucosal Activator® (Alchemilla-Extrakt in Glycerin; in der Apotheke erhältlich) gleich gut wirkte wie das intravenös verabreichte Dexamethason, allerdings ohne die Gefahr schlimmer Nebenwirkungen. Der Extrakt zeigte zudem eine entzündungshemmende, antibakterielle und wundheilende Wirkung.

Natürlich wird über das Vorgehen vor schweren Operationen von den behandelnden Ärzten entschieden. Doch stützt diese Humanstudie die traditionelle Anwendung des Frauenmantels bei Beschwerden wie Halsschmerzen, Angina bzw. Beschwerden im Mundraum.

Frauenmantel-Öl für die Haut vom Kräuterpfarrer

Der Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger empfiehlt in seinem Buch "Sprich mit Deiner Haut" Frauenmantel-Öl aufgrund der entzündungshemmenden, zusammenziehenden und wundheilenden Eigenschaften, um der Haut etwas Gutes zu tun. Das Öl wird beispielsweise verwendet, um die Haut zu pflegen, zur Nachbehandlung von Operationswunden und zur besseren Vernarbung ( 26 ).

Das Öl wird hergestellt, indem 4 Teile Olivenöl und 1 Teil Frauenmantel-Kraut 14 Tage in einem warmen Raum angesetzt werden. Anschließend wird das Öl abgeseiht, ausgepresst und in Glasgefäße mit Deckel gefüllt. Wichtig ist, dass alle verwendeten Gegenstände wie die Gläser steril sind, das Öl während des Ansetzens hin und wieder geschüttelt wird und die Pflanzenteile vom Öl bedeckt sind.

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Wie wird der Frauenmantel äußerlich angewandt?

Hat man sich einen Insektenstich zugezogen oder verletzt, kann das frische Kraut zerrieben oder mit einem Nudelholz gewalkt werden, über die Wunde gelegt und mit einem Tuch oder einer Mullbinde fixiert werden ( 27 ).

In der Frauenheilkunde verwendet man den Frauenmantel äußerlich z. B. bei Regelkrämpfen und Vaginalinfektionen. Die ideale Anwendung im Intimbereich ist das Sitzbad. Sitzbäder kann man leicht mit speziellen * Sitzbadewannen durchführen.

Man benötigt für ein Sitzbad mit 80 Litern Wasser 2 Handvoll getrocknetes Frauenmantelkraut, das mit 1 l kochendem Wasser überbrüht wird und dann mit Deckel für eine halbe Stunde ziehen lässt. Füllen Sie nur so viel warmes Wasser in die Badewanne, bis der Unterleib (sitzend) bedeckt ist (was die genannten 80 Liter sein könnten, was aber auch von der Größe Ihrer Badewanne abhängt). Gießen Sie dann den Tee durch ein Sieb und gießen Sie ihn in die Badewanne ( 30 ).

Wenn Sie eine kleine Sitzbadewanne mit dem Inhalt von ca. 2 l Wasser verwenden (die man auf die Toilette setzen kann), reduziert sich natürlich die Menge des Tees: 30 ml reichen dann aus. Die Anwendung wird so 10 bis 15 Minuten durchgeführt, bei akuten Beschwerden täglich etwa eine Woche lang.

Für andere Anwendungen eignen sich Kompressen. Tauchen Sie ein Stofftuch in warmen Tee oder Öl, wringen Sie es gut aus, legen es auf die betroffene Körperstelle und wickeln ein Handtuch darum. Wenn die Kompresse ausgekühlt ist, wird sie entfernt oder erneuert.

Welche Arten gibt es?

In Europa sind ungefähr 300 Frauenmantel-Arten heimisch. Praktisch alle haben eine lange Tradition als Heilpflanzen und wurden früher außerdem als Kultpflanzen sowie Zauberpflanzen verwendet. Daran erinnert noch ein deutschböhmischer Brauch, die Blüten am Fronleichnamstag zu Kränzen zu flechten und zur Prozession mitzutragen, um sich vor Blitzeinschlägen zu schützen (Gewittergras) ( 21 ).

Der Spitzlappige Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) – auch bekannt als Gemeiner oder Gewöhnlicher Frauenmantel – und ferner der Gelbgrüne Frauenmantel (Alchemilla xanthochlora) zählen in der traditionellen europäischen Medizin zu den bekanntesten Arten. Dazu gesellen sich u. a. die A. diademata, A. rizeensis und A. mollis.

Kann man die Alchemilla selbst anbauen?

Es stellt überhaupt kein Problem dar, den Frauenmantel im Garten, im Hochbeet oder auch auf dem Balkon in einem Topf anzubauen:

1. Welche Arten werden in Gärten bevorzugt angebaut?

  1. Die beliebtesten Arten in unseren Gärten sind:
  2. Der Weiche Frauenmantel (Alchemilla mollis) wird 40 bis 60 cm hoch und ist ein idealer Bodendecker.
  3. Der Zierliche Frauenmantel (Alchemilla epipsila) wird nur 20 bis 30 cm hoch und breitet sich weniger aus als andere Arten.
  4. Der Zwerg-Frauenmantel (Alchemilla erythropoda) wird maximal 25 cm hoch und hat einen kissenartigen Wuchs.
  5. Der Filzige Frauenmantel (Alchemilla glaucescens) zeichnet sich durch seine filzartige Behaarung aus.
  6. Der Silber-Frauenmantel (Alchemilla hoppeana) hat relativ kleine dunkelgrüne Blätter, die von einem attraktiven silbrigen Rand umgeben sind.
  7. Der Spitzlappige Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) wird bis zu 60 cm hoch und in Hinblick auf Heilzwecke bevorzugt.

2. Was ist der beste Standort?

Die meisten Arten haben nur geringe Ansprüche an ihren Standort. Manche fühlen sich sowohl in der Sonne als auch im Halbschatten wohl, andere gedeihen selbst in schattigen Lagen wunderbar. Während beispielsweise der Filzige Frauenmantel trockene, magere Standorte bevorzugt, fühlt sich der Silber-Frauenmantel im Steingarten wohl.

3. Welche Boden wird bevorzugt?

Der Lieblingsboden des Alchemilla ist nährstoffreich und durchlässig, doch es werden auch schwere Lehmböden akzeptiert.

4. Wann ist die beste Pflanzzeit?

Die Alchemilla kann die ganze Saison über im Garten eingepflanzt werden. Die optimalen Pflanzzeiten sind wie bei den meisten Stauden der Frühling und der Herbst.

5. Wieviel Wasser benötigen die Pflanzen?

Wichtig ist es, die Pflanzen in den ersten Wochen nach der Pflanzung ausreichend mit Wasser zu versorgen. Doch auch wenn im Sommer längere Trockenperioden anstehen, sollte regelmäßig gewässert werden. Bedenken Sie aber stets, dass ein zu nasser Boden zu Wurzelfäule führen kann.

6. Wie wird der Frauenmantel gepflegt?

Die Alchemilla neigt mit den Jahren dazu, sich im Garten auszubreiten. Sorten wie der Weiche Frauenmantel tendieren zu starker Selbstaussaat. Wer die Ausbreitung eindämmen möchte, kann nach der Blütezeit einen bodennahen Rückschnitt vornehmen. Dadurch werden die Pflanzen außerdem zu einem kräftigen Neuaustrieb angeregt.

7. Sind die Pflanzen anfällig für Krankheiten und Insektenfraß?

Es handelt sich um robuste Pflanzen, die sehr selten krank werden. Selbst Schnecken stellen kein Problem dar. Besondere Anfälligkeiten gibt es keine.

8. Wie wird die Alchemilla vermehrt?

Es besteht die Möglichkeit, den Frauenmantel auszusäen. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, dürfen die Samen nur leicht mit Erde bedeckt werden. Die einfachste Art der Vermehrung ist allerdings die Teilung. Man nimmt dafür einfach einen Spaten. Die Teilung dient auch der Verjüngung, wenn ältere Exemplare von innen verkahlen. Der ideale Zeitraum ist das zeitige Frühjahr, also bevor die Pflanzen neu austreiben.

9. Wann blühen die Pflanzen?

Die Blütezeit reicht – abhängig von der Art bzw. Sorte – von Mai bis August. Die Blüten sind sehr nektarreich und darum äußerst beliebt bei Bienen und anderen nützlichen Insekten.

10. Wann ist die ideale Erntezeit?

Für einen Tee sollten Sie die Blätter vor der Blütezeit ernten. Denn da ist der Wirkstoffgehalt am höchsten.

11. Ist die Pflanze winterhart?

In unseren Gefilden ist die Alchemilla winterhart. Es wird darum kein Winterschutz benötigt.

12. Welche Nachbarn mag der Frauenmantel?

Die besten Nachbarn hängen immer von den Standortansprüchen der jeweiligen Art bzw. Sorte ab. Da die gelb-grünen Blüten der Alchemilla eher unscheinbar sind, passen auffällige Blüten wie die der Rose wunderbar dazu. Violett blühende Pflanzen wie der Storchschnabel (Geranium) oder Zierlauch (Allium) harmonieren farblich besonders gut.

13. Ist die Aufzucht im Topf möglich?

Es stellt gar kein Problem dar, die Pflanze in einem Topf zu ziehen. Weite Pflanzgefäße sind deshalb ideal, da der Frauenmantel eine kriechende Wuchsart hat. So hat die Pflanze genügend Raum, um sich nicht eingeengt zu fühlen.

Kann man den Frauenmantel essen?

Ob Blätter, Triebe, Blüten oder Wurzeln: Der Frauenmantel gehört zu jenen Heilpflanzen, die auch in der Wildkräuterküche eine tolle Figur machen. Während man die Blätter zu Heilzwecken im Sommer ernten sollte, ist die beste Sammelzeit in puncto Kulinarik im Frühling. Die jungen Blätter schmecken frisch am allerbesten, etwas ältere Blätter kann man wie Spinat kurz dünsten.

Die Blätter schmecken leicht bitter und etwas säuerlich. Sie eignen sich wunderbar, um Salate und Suppen aufzupeppen und passen sehr gut zu Gemüsegerichten wie Eintöpfen oder Currys. Die grüngelben Blüten können hingegen als wohlschmeckendes Deko-Element auf dem Teller verwendet werden. Alle Pflanzenteile sind ideal, um sie in grüne Smoothies zu mixen.

Welche Bedeutung haben die Namen des Frauenmantels?

Der lateinische Gattungsname "Alchemilla" bedeutet so viel wie "kleine Alchemistin". Die Alchemie war ein Vorläufer der modernen Chemie und Pharmakologie. In Bezug auf den Frauenmantel interessierten sich die Alchemisten vordergründig für die Guttationstropfen auf den Blättern.

Bei der Guttation handelt es sich um die Abgabe von Wasser, das über spezielle Drüsen an den Blättern abgegeben wird. Die Flüssigkeit stammt also – anders als Tautropfen – aus der Pflanze selbst. Der Guttationstropfen wurde in der Heilkunde einst als "Elfenbad" bezeichnet und als Schönheitsmittel verwendet ( 13 ).

Der deutsche Begriff "Frauenmantel" wird oft damit in Verbindung gebracht, dass die Alchemilla in der Frauenheilkunde einen großen Stellenwert hatte bzw. noch immer hat. So legt sie sich im übertragenen Sinn wie ein Mantel um die Frau, hat also einen schützenden Effekt. Darüber hinaus erinnert die Blattform an einen Mantel, wie ihn Frauen im Mittelalter trugen.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.