Lavendel: Was ist das?
Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lavendel und gehört zur Familie der Lippenblütler. Er wird auch als Schmalblättriger Lavendel bezeichnet. Der aromatische Kleinstrauch ist ursprünglich in den Küstenregionen des Mittelmeerraums beheimatet.
Von besonderem Interesse sind die hübschen, violetten Blüten. In ihnen ist ein lieblich duftendes ätherisches Öl enthalten, das häufig in Kosmetika und in der Parfümerie zum Einsatz kommt. Sie sind aber auch ein unverzichtbarer Bestandteil der Pflanzenheilkunde.
Die Blüten selbst, aber auch daraus hergestellte Produkte wie Tee, das ätherische Öl oder Tinkturen haben u. a. eine beruhigende und blähungsmindernde Wirkung. Das Öl wird außerdem in der Aromatherapie oder bei Massagen genutzt. Darüber hinaus wird der Lavendel in der Küche als Gewürz verwendet.
Welche Arten gibt es?
Abgesehen vom Echten Lavendel gibt es über 30 andere Arten wie z. B. den Schopflavendel (Lavandula stoechas L.), den Breitblättrigen Lavendel (Lavandula latifolia) oder den Französischen Lavendel (Lavandula dentata).
Die meisten Arten werden in den Regionen, wo sie wild vorkommen, volksmedizinisch und als Gewürz genutzt. Für den gewerbsmäßigen Anbau eignen sie sich aber kaum, da sie weniger robust und oft frostempfindlich sind.
Wenn Sie die prachtvollen Lavendelfelder in der Provence vor Augen haben, dann handelt es sich hierbei inzwischen fast nur noch um Lavandin, eine Kreuzung (natürliche Hybride) aus Echtem und Breitblättrigem Lavendel (Lavandula × intermedia). Daraus werden besonders preiswerte Lavendelprodukte hergestellt.
Lavendel und Lavandin - der Unterschied
Warum in der Heilkunde gerade der Echte Lavendel bei weitem den größten Stellenwert hat, ist schnell erklärt. Die ätherischen Öle der verschiedenen Arten weisen zwar dieselbe chemische Zusammensetzung auf, doch variiert der Gehalt der einzelnen Komponenten (17).
So enthält das Öl des Echten Lavendels z. B. 25 bis 45 Prozent Linalylacetat und 0,5 bis 1 Prozent Campher. Im Lavandinöl hingegen stecken 28 bis 38 Prozent Linalylacetat und 6 bis 8 Prozent Campher. Das unterschiedliche Wirkstoffprofil sorgt dafür, dass sich die Wirkungsweise der Arten unterscheidet.
Je höher der Linalylacetat-Anteil, desto stärker ist die erwünschte beruhigende und angstlösende Wirkung und somit die Qualitätseinstufung eines Lavendelöls. Ein hoher Kampfergehalt hat hingegen einen anregenden sowie erfrischenden Effekt, sodass die beruhigende Wirkung nicht zum Tragen kommt.
Sie können das ätherische Öl des Echten Lavendels an seiner feinen, blumigen Duftnote erkennen. Lavandinöl riecht im Vergleich dazu scharf und eukalyptusartig.
In der Küche
Die frischen und getrockneten Blüten und auch die jungen Blätter eignen sich wunderbar zum Würzen von Salaten, Suppen, Eintöpfen, Fischgerichten und Soßen. Besonders in der französischen, italienischen und spanischen Küche kommt das Gewürz öfter zum Einsatz.
Darüber hinaus wird Lavendel verwendet, um Desserts wie z. B. Apfelkompott, Schokoladenmousse, Zitronenkuchen, Vanilleeis oder Aprikosensorbet eine besondere Note zu verleihen.
Dabei ist zu beachten, dass die Blüten blumig, parfumartig schmecken. Darum sollte man es mit dem Würzen nicht übertreiben. Eine Prise kann schon ausreichen, bei Bedarf kann nachgewürzt werden. Das Aroma der Blätter ist hingegen dem des Rosmarins ähnlich, ist also herb-würzig und leicht bitter.
In der traditionellen Heilkunde
Die traditionelle therapeutische Anwendung des Echten Lavendels gegen Schmerzen, Infektionen, zur Entspannung und Beruhigung reicht Jahrhunderte zurück (1).
Die alten Araber, Griechen und Römer nutzen die Heilpflanze als Antiseptikum zum Desinfizieren der Haut und Wunden und zur Abtötung von Keimen auf Oberflächen wie Tischen, Böden oder medizinischen Utensilien.
Lästige Insekten wie Kleidermotten, Fliegen oder Mücken wurden durch den Blütenduft abgewehrt. So wurden Lavendelbüschel in Stallungen und Wohnräumen aufgehängt, um das lästige Getier fernzuhalten.
Im mittelalterlichen Europa diente die Pflanze paradoxerweise sowohl als Bewahrer der Keuschheit als auch als Aphrodisiakum. Im 16. Jahrhundert glaubte man, dass sie die Intelligenz steigern könne. Heute weiß man, dass die Heilpflanze tatsächlich bestimmte Rezeptoren im Gehirn aktiviert (15).
In der Volksmedizin werden Abkochungen aus den Blüten für Gesichtswaschungen bei Akne verwendet. Der Tee kommt gegen Krämpfe zum Einsatz und die Tinktur äußerlich bei rheumatischen Beschwerden.
Welche Wirkungen hat der Lavendel?
Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Bestandteile des ätherischen Öls. In den Blüten sind davon 1 bis 3 Prozent enthalten. Das ätherische Öl besteht vor allem aus Monoterpenen, insbesondere Linalylacetat (25 bis 47 Prozent) und Linalool (20 bis 45 Prozent) (16).
Der Lavendel wirkt u. a. antibakteriell, antimykotisch, wundheilend, schmerzstillend, blähungstreibend, krampflösend, schlaffördernd, beruhigend, antidepressiv, angstlösend, antioxidativ, antirheumatisch und durchblutungsfördernd (2).
Wie wirkt die Aromatherapie?
Die Aromatherapie ist eine Methode der Naturheilkunde, bei der ätherische Öle zur Linderung von Beschwerden und zur Förderung des Wohlbefindens eingesetzt werden. Die Öle wirken durch das Einatmen.
Forschern zufolge sind die Wirkungen einer Lavendel-Aromatherapie vordergründig auf den Stoff Linalool zurückzuführen (13). Die Substanz gelangt beim Einatmen über die Atemwege in den Blutkreislauf und von dort ins Gehirn.
Es wird vermutet, dass Linalool mit Rezeptoren wie GABA-A interagiert. Über diese wirken auch beruhigende, angstlösende Medikamente aus der Klasse der Benzodiazepine (z. B. Diazepam, der Wirkstoff aus Valium). So entsteht oft die Annahme, Lavendel wirke wie Benzodiazepine. Dies aber ist falsch.
Denn die Art der Interaktion von Linalool mit dem GABA-A-Rezeptor ist NICHT dieselbe wie die von Benzodiazepinen. Linalool bindet nicht an die Benzodiazepin-Stelle des Rezeptors (sondern an anderer Stelle und wirkt daher anders).
Der Duftstoff aus Lavendel erzeugt daher keine Abhängigkeit und verstärkt weder die Wirkung noch den Entzug von Benzodiazepinen - wie in manchen Foren behauptet oder diskutiert wird.
Bei welchen Beschwerden hilft Lavendel?
Das Herbal Medicinal Products Committee (HMPC) hat dem Echten Lavendel den Status eines traditionellen pflanzlichen Arzneimittels zuerkannt. Die Blüten und das ätherische Öl werden bei Unruhezuständen, Stress, Erschöpfungssymptomen und Schlafstörungen empfohlen (7).
Laut der European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) gibt es zudem positive Erfahrungsberichte zur innerlichen Anwendung bei nervösem Reizmagen, dem Roemheld-Syndrom, Blähungen und nervösen Darmbeschwerden.
Das Roemheld-Syndrom beschreibt Beschwerden wie Herzrasen, Brustschmerzen oder Atemnot, die durch Gasansammlungen im Magen und Darm verursacht werden und das Zwerchfell nach oben drücken. Mit dem Herzen ist hier also meist alles in Ordnung.
Zur äußerlichen Anwendung werden von der ESCOP Lavendelbäder bei Kreislaufbeschwerden empfohlen.
Inzwischen haben zahlreiche Studien gezeigt, dass die Wirkung der duftenden Heilpflanze noch vielschichtiger ist, als angenommen wurde. Die meisten nachfolgend vorgestellten Untersuchungen wurden dabei mit dem ätherischen Öl durchgeführt.
Gegen Depressionen
Im Orient wird der Lavendel nicht grundlos als "Besen des Gehirns" bezeichnet (5). In der traditionellen Heilkunde Indiens und Tibets wird die Heilpflanze schon lange zur Behandlung psychiatrischer Störungen verwendet. Moderne Studien bestätigen die antidepressive Wirkung.
In einer Übersichtsarbeit von 2021 etwa zeigte sich nach einer Analyse von 342 Studien, dass der Lavendel bei Patienten mit depressiven Symptomen wirksam ist (4). Die stärkste Wirkung wurde bei jenen Patienten festgestellt, deren Stimmungstief auf anderen körperlichen oder psychischen Erkrankungen beruhte.
So zeigte sich etwa bei 17 Hospizpatienten ein positiver Effekt bei Depressionen, Angstzuständen, Blutdruckhochdruck, Schmerzen und bezüglich des allgemeinen Wohlbefindens.
Über andere Heilpflanzen mit antidepressiver Wirkung haben wir in unserem Artikel Pflanzliche Mittel bei Depressionen berichtet.
Gegen Angststörungen und innere Unruhe
Auch bei Angststörungen und innerer Unruhe könnte der Lavendel hilfreich sein. Das hat u. a. eine Studie im Jahr 2014 mit 539 Patienten gezeigt, die für 10 Wochen täglich entweder 160 oder 80 mg des ätherischen Öls in Kapselform (Lasea®) oder 20 mg Paroxetin (Antidepressivum) bzw. ein Placebo einnahmen (12).
Den stärksten Effekt zeigte die höhere Lasea-Dosis. Sie wirkte sogar besser als das Antidepressivum.
* Hier erhalten Sie die in der Studie verwendeten Weichkapseln (sie haben eine Gelatinehülle, sind also nicht vegan).
Gegen Ängste vor und nach einer OP
Der Lavendelduft kann auch im Vorfeld von Operationen eingesetzt werden, um damit verbundene Ängste zu reduzieren. Zudem können Menschen von einer Aromatherapie profitieren, die an postoperativen Schmerzen leiden.
50 Patientinnen erhielten nach einer Brustbiopsie Sauerstoff über eine Gesichtsmaske, die Hälfte von ihnen mit 2 Tropfen 2-prozentigem Lavendelöl (10). Dadurch verbesserte sich die Schmerzkontrolle. Das bedeutet, dass der Schmerzreiz geschwächt wurde und die Schmerzempfindung abnahm.
Bei Schlafstörungen
Die mediterrane Heilpflanze gehört zu den am häufigsten verwendeten Heilpflanzen bei Schlafstörungen. Laut einer Metaanalyse (34 Studien) von 2021 ist die Aromatherapie mit ätherischem Lavendelöl hochwirksam (13).
Weitere Symptome wie Stress, Depressionen, Angst und Müdigkeit wurden ebenfalls signifikant verringert. Außerdem wurde ein Trend zur Verbesserung der Wachheit am Tag und des Schlafs in der Nacht festgestellt.
Im Vergleich zur Aromatherapie mit anderen ätherischen Ölen (z. B. Rosmarin) zeigte das Lavendelöl bei Schlafstörungen die stärkste Wirkung. Im Alleingang wirkte es besser als in Kombination mit anderen ätherischen Ölen.
Interessante Informationen über eine andere bekannte Heilpflanze mit beruhigender und schlaffördernder Wirkung finden Sie in unserem Artikel Baldrian – Wirkung, Nebenwirkungen und Anwendung.
Nach der Geburt
Nach der Geburt kann Lavendeltee hilfreich sein, wie eine Studie mit 80 an Schlafstörungen leidenden Frauen gezeigt hat (3).
40 von ihnen tranken für 2 Wochen täglich 1 Tasse des Tees. Bevor Sie den Tee tranken, wurde ihnen gesagt, den Duft bewusst zu genießen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe nahmen Müdigkeit und Depressionen ab und die Mütter konnten eine stärkere Bindung zu ihrem Säugling entwickeln.
In den Wechseljahren
Zahlreiche Frauen erleben in der Postmenopause Sexualstörungen, z. B. aufgrund von Libidoverlust oder geringem Selbstwertgefühl. Bei 72 postmenopausalen Frauen im Alter von 50 bis 65 Jahren zeigte die tägliche Einnahme von 80 mg Lavendelöl (als Kapsel) eine signifikante Verbesserung (11).
Gegen Durchblutungsstörungen
Wenn Sie immer wieder an Durchblutungsstörungen, also kalten Händen und Füßen leiden, die vielleicht sogar bläulich und blass werden, könnte Ihnen ein Lavendelbad helfen. Für ein Fußbad nehmen Sie 10 bis 50 g Blüten pro 10 l Wasser (6).
Detailliertere Infos zur Dosierung finden Sie auch weiter unten im Abschnitt Wie wird ätherisches Lavendelöl dosiert?
Welche Produkte gibt es?
Arzneilich verwendet werden ausschließlich die vom Stängel abgestreiften, getrockneten Blüten des Echten Lavendels (Lavandulae flos). Daraus werden unterschiedlichste Produkte hergestellt.
Lavendeltee
Der Tee besteht ausschließlich aus den Blüten. Er lindert leichte psychische Belastungs- und Erschöpfungssymptome und fördert den Schlaf.
Ätherisches Lavendelöl
Das ätherische Öl wird durch Dampf gewonnen, der durch die Blüten der Pflanze geleitet und anschließend kondensiert wird (Wasserdampfdestillation). Es kann innerlich und äußerlich angewandt werden.
Öl in Kapseln
Die innerliche Einnahme von ätherischen Ölen ist grundsätzlich heikel, da die Gefahr einer Überdosierung gegeben ist. Aus diesem Grunde werden Weichkapseln angeboten, die ätherisches Lavendelöl beinhalten und eine einfache und sichere Dosierung ermöglichen.
Öl zum Einatmen
Für eine Aromatherapie benötigt man ätherische Öle, die entweder standardisiert oder zumindest zu 100 Prozent naturrein sind, also keinerlei Zusatzstoffe enthalten. Mehr über den Unterschied erfahren Sie weiter unten im Abschnitt Was ist beim Kauf zu beachten?
Tinktur oder Tropfen
Bei einer Tinktur handelt es sich um einen alkoholischen Auszug aus Blüten. Tinkturen werden vergleichsweise selten angeboten, da kaum Studien damit durchgeführt wurden.
In der Monographie der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ist eine Tinktur aufgeführt. Das Verhältnis von Pflanzensubstanz und Extraktionsmittel beträgt hier 1:5, das Extraktionsmittel ist Ethanol 50 bis 60 Prozent. Die angegebene Dosierung liegt bei 2-4 ml, 3-mal täglich.
Die Tinktur wird vor allem bei Magen-Darm-Beschwerden wie Reizmagen, Sodbrennen, Blähungen und nervösen Darmbeschwerden empfohlen.
Schlafkissen aus den Blüten
Die Blüten können auch verwendet werden, um ein kleines Kissen zu befüllen. Der Duft entfaltet eine entspannende Wirkung und trägt zu innerer Ruhe bei.
Wie wird Lavendeltee angewandt?
Der aromatische Tee wird am besten nach dem Essen, also ca. 30 bis 60 Minuten nach einer Mahlzeit getrunken.
Die Dosierung
Für Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen wird eine Tagesdosis von 3 bis 6 g der Blüten empfohlen. In 3 g der Blüten sind etwa 1 bis 1,5 Tropfen ätherisches Öl enthalten.
Die Zubereitung
1 bis 2 g der Blüten werden mit 150 ml kochendem Wasser übergossen. Der Tee zieht zugedeckt 4 Minuten. Man trinkt diese Menge maximal 3-mal täglich.
*Hier erhalten Sie Lavendelblüten in Bio-Qualität.
Wie wird ätherisches Lavendelöl dosiert?
Ob das ätherische Öl nun innerlich oder äußerlich zum Einsatz kommt: Bei einem derart konzentrierten Produkt ist eine korrekte Dosierung extrem wichtig.
Orale Einnahme
Wird das ätherische Öl oral eingenommen, liegt die empfohlene Tagesdosis zwischen 20 und 80 mg (8). Dies entspricht 1 bis 4 Tropfen. Die Anwendung erfolgt 2- bis 3-mal täglich.
Das Öl darf allerdings niemals unverdünnt eingenommen werden. Man gibt die Tropfen auf 1 TL eines Öls, das man gut einnehmen kann, das man also geschmacklich mag, z. B. ein Mandelöl, ein mildes Rapsöl, ein high-oleic Sonnenblumenöl o. ä.
Man kann die Tropfen auch in etwas Joghurt geben. Aber nicht in Wasser rühren, denn das ätherische Öl würde oben schwimmen und dann beim Trinken die Mundschleimhaut reizen.
Die Dosierung von Fertigarzneimitteln wie z. B. Weichkapseln erfolgt laut Packungsbeilage. Im Falle der oben erwähnten Weichkapseln (Lasea®) nimmt man täglich 1 Kapsel, die 80 mg Lavendelöl enthält.
Aromatherapie
Bei einer Aromatherapie liegt die Dosierung bei 2 bis 4 Tropfen des ätherischen Öls pro 2 bis 3 Tassen Wasser. Es kann auch eine Aromadiffusor verwendet werden.
* Hier finden Sie einen Ultraschall-Diffusor.
Massage
Eine Massage mit Lavendelöl führt zur Entspannung und allgemeinem Wohlbefinden. Das Öl dringt dabei über die Haut in den Blutkreislauf und wirkt außerdem durch das Einatmen des Dufts.
Bei einer Massagetherapie werden 1 bis 4 Tropfen des Öls pro Esslöffel Basis-/Trägeröl (z. B. Mandel, Jojoba- oder Kokosöl) verwendet.
Badezusatz
Bei einem Badezusatz liegt die Dosierung bei 1 bis 3 ml ätherischem Öl pro Vollbad, das nur einmal täglich für 10 bis 20 Minuten durchgeführt werden sollte. Wichtig ist, einen Emulgator (z. B. Mandelmilch oder Meersalz) hinzuzufügen, da sich Öl und Wasser sonst nicht mischen. Die empfohlene Badetemperatur liegt zwischen 35 und 38 °C.
Einen ausführlichen Bericht über diese Thematik finden Sie in unserem Artikel Ätherische Öle – die Anwendung.
Besser Tee oder ätherisches Öl?
Lavendeltee und das ätherische Öl werden bei denselben Beschwerden empfohlen. Doch inwiefern unterscheiden sie sich? Der Hauptunterschied liegt in der Gewinnung und Konzentration der Wirkstoffe.
Das ätherische Öl – kann auch Nebenwirkungen haben
Ätherisches Lavendelöl wird durch Destillation gewonnen. Es handelt sich also um ein hochkonzentriertes, intensives Produkt, das vor allem äußerlich, in der Aromatherapie oder für kosmetische Zwecke verwendet wird.
Das ätherische Öl hat eine stärkere Wirkung als der Tee. Es hat aber den Nachteil, dass es bei falscher Anwendung bzw. zu hoher Dosierung Nebenwirkungen wie z. B. Hautreizungen verursachen und eine toxische Wirkung haben kann.
Daher ist es sehr wichtig, dass die empfohlene Dosierung nicht überschritten wird. Bei einer Überdosierung können Erbrechen, Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Benommenheit und Krampfanfälle auftreten (14). Fertigpräparate bieten hier den Vorteil einer einfachen und sicheren Nutzung.
Beachten Sie bei äußerlichen Anwendungen die vorgeschriebene Verdünnungsweise und tragen Sie das Öl nicht direkt auf die Haut auf. Keinesfalls darf es mit den Augen oder Schleimhäuten in Berührung kommen.
Der Tee – sicherer, aber weniger Wirkstoff
Lavendeltee wird hingegen durch Aufguss der Blüten mit heißem Wasser hergestellt. Die Inhaltsstoffe sind darum nicht in derart konzentrierter Form enthalten wie im Öl. Dafür enthält der Tee weitere Wirkstoffe wie Gerbstoffe und Flavonoide, die ebenfalls beruhigende, entkrampfende und antibakterielle Eigenschaften haben.
Der Tee wirkt am besten innerlich und die Anwendung ist sicherer. Er bietet den Vorteil einer milderen Behandlung, Nebenwirkungen treten kaum auf.
Was ist beim Kauf zu beachten?
Vergewissern Sie sich beim Kauf unbedingt, dass es sich um ein zu 100 % naturreines ätherisches Öl handelt – in Bio-Qualität – das zudem einen Hinweis auf dem Etikett trägt, dass man es auch innerlich einnehmen kann.
Es sollte sich nicht um ein Duftöl handeln, das synthetische Aromen enthält. Dieses ist zwar preisgünstiger, eignet sich aber nicht für medizinische Zwecke.
Achten Sie auch darauf, dass es ein ätherisches Öl aus Lavandula angustifolia ist – und nicht aus anderen Lavendelarten gewonnen wurde.
* Hier erhalten Sie ein Lavendelöl in Lebensmittelqualität.
Was sind standardisierte Präparate?
In Apotheken gibt es manchmal standardisierte ätherische Öle. Sie gelten als Arzneimittel und weisen einen garantierten Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen auf und wurden nach den Vorgaben der landesspezifischen Arzneibücher hergestellt.
Laut Europäischem Arzneibuch müssen standardisierte Lavendelblüten mindestens 1,3 Prozent ätherisches Öl enthalten. Im standardisierten ätherischen Öl muss der Mindestanteil von Linalylacetat bei ca. 30 Prozent liegen.
Der Vorteil solcher Produkte ist, dass eine konstante Menge spezifischer Wirkstoffe garantiert ist, was bei anderen (nicht-standardisierten) Präparaten nicht der Fall ist – schon allein aufgrund der natürlichen Schwankungen aufgrund von klimatischen und anderen Einflüssen.
Wie lange nimmt man Lavendel ein?
Die Anwendungsdauer ist zwar nicht begrenzt. Wenn sich die Symptome aber nicht verbessern oder gar verschlimmern, sollten Sie unbedingt einen Arzt oder Heilpraktiker konsultieren.
Wie lange dauert es, bis eine Wirkung eintritt?
Bei der Aromatherapie oder äußerlichen Anwendungen wie einem Bad können Sie eine sofortige beruhigende Wirkung erfahren. Bei Tee oder Kapseln mit dem ätherischen Öl kann es einige Tage bis Wochen dauern, bis die volle Wirkung eintritt.
In Hinblick auf Weichkapseln (Lasea®) treten spürbare Effekte z. B. in der Regel innerhalb von einer Woche ein, mit einer kontinuierlichen Verbesserung in den folgenden Wochen.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Lavendeltee gilt in der Regel als sehr gut verträglich.
In Studien mit dem ätherischen Öl wurde nur über wenige und leichte Nebenwirkungen berichtet, darunter sehr seltene Fälle von allergischen Reaktionen.
Bei der innerlichen Einnahme kann es in seltenen Fällen zu Beschwerden wie Aufstoßen und Übelkeit kommen. Bei äußerlicher Anwendung können eine leichte Dermatitis und einer Erhöhung der Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung) auftreten. Zu den Folgen zählen Sonnenbrand-ähnliche Symptome wie Rötungen, Juckreiz und Blasenbildung, wenn man in die Sonne geht.
Wer sollte Lavendel nicht nehmen?
Obwohl die Pflanze meist gut vertragen wird, gibt es in manchen Fällen Einschränkungen.
Unverträglichkeiten
Bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber einem enthaltenen Inhaltsstoff sollte man auf die Pflanze und Zubereitungen daraus verzichten. Fertigpräparate enthalten des Öfteren Sorbitol (Zuckeralkohol) und können darum bei vorliegender Fruktoseintoleranz schlecht vertragen werden.
Kinder
Die Anwendung wird bei Kindern unter 12 Jahren aufgrund unzulänglicher Datenlage nicht empfohlen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Da die Sicherheit während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht erwiesen ist, wird die Verwendung der Heilpflanze nicht empfohlen. Hinsichtlich Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit liegen keine Daten vor.
Krankheiten
Gegen Bäder sprechen schwere Hautverletzungen, akute Hauterkrankungen, schwere fieberhafte und infektiöse Erkrankungen, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck.
Einnahme von Medikamenten
Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nach heutigem Erkenntnisstand keine bekannt oder nachgewiesen worden.
Vorsicht ist bei einer gleichzeitigen Anwendung von Lavendel und Antiepileptika sowie Medikamenten geboten, die auf das zentrale Nervensystem (ZNS-Depressiva) wirken. Denn dies kann u. U. zu synergistischen narkotischen und sedierenden Wirkungen führen.
Auswirkungen auf Verkehr und Arbeit
Da Lavendel schlaffördernd und beruhigend wirkt, kann durch die Einnahme die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden.
Wie wird Lavendel angebaut?
Bei frischen Pflanzen ist das Aroma besonders stark. Im Lebensmittelhandel wird frischer Lavendel als Gewürz so gut wie nie angeboten, in der Saison aber sehr oft als Topfpflanze. Diese können Sie ganz einfach in Ihrem Garten oder im Kübel/Topf kultivieren.
An welchen Platz pflanzen?
Ob im Garten oder im Topf: Die mediterrane Pflanze liebt sehr sonnige und warme Standorte. Ansonsten ist der Kleinstrauch anspruchslos. Der Boden sollte mager, sandig-lehmig und leicht kalkhaltig sein. Gedüngt werden muss nicht.
Wie häufig gießen?
Gegossen werden muss nur wenig, denn die Pflanze ist trockenheitstolerant. Wichtig ist es, Staunässe zu vermeiden, da sonst die Wurzeln verfaulen.
Welche Schädlinge fressen Lavendel?
Schädlinge, wie Blattläuse oder Schnecken, sind für den Lavendel dank seiner ätherischen Öle keine Gefahr.
Bei schlechten Bedingungen wie schattigem Standort oder zu viel Nässe werden die Abwehrkräfte allerdings geschwächt und die Pflanze wird anfällig für Fraßfeinde. Dazu zählen z. B. Schaumzikaden und die Raupen von Blattkäfern und Wicklern.
Welche Nachbarn sind geeignet?
Von den ätherischen Ölen können auch andere Pflanzen wie z. B. Rosen profitieren, die in der Nähe wachsen. Besonders gute Nachbarn sind aber auch andere mediterrane Pflanzen wie Rosmarin, Salbei oder Oregano, da sie ähnliche Ansprüche haben.
Wann werden die Sträucher geschnitten?
Es ist wichtig, den Lavendel regelmäßig zu schneiden, da er sonst vergreist und blühfaul wird. Wenn Sie die Pflanze im zeitigen Frühjahr zurückschneiden, verzweigt sie sich an den Schnittstellen und bleibt kompakt und buschig. Entfernt werden allerdings nur die grünen Triebe, idealerweise um ca. ein Drittel oder die Hälfte.
Nach der Blüte können erst die verblühten Blütenstiele entfernt werden. Anschließend verjüngt man die Büsche, in dem man die Triebe um ein Drittel zurückschneidet. Mit „Trieben“ sind die Teile gemeint, die Blättchen tragen.
Wann wird geerntet?
Die Ernte erfolgt am besten zwischen Mitte Juli und Anfang August, wenn die Blüten beginnen aufzubrechen. Ideal ist ein trockener, sonniger Tag. Schneiden Sie die Stiele ca. 10 cm unterhalb der Blüten ab.
Da die Blüten aber auch wichtige Nahrungsquelle für Insekten aller Art sind und sich um Ihre Lavendelsträucher zahlreiche Schmetterlinge tummeln werden, schneiden Sie immer nur wenige Blüten ab.
Wie trocknet man die Pflanze?
Bündeln Sie nach der Ernte die Zweige und hängen Sie sie zum Trocknen kopfüber an einem luftigen, dunklen Ort auf.
Ist die Pflanze winterhart?
Der Echte Lavendel ist winterhart. Andere Arten sind frostempfindlicher und benötigen Winterschutz. Für eine gute Winterhärte sind ein sonniger Standort und ein gut durchlässiger Boden wichtig.
Fazit: Lavendel – Eine vielseitige Heilpflanze
Der Echte Lavendel ist eine beeindruckende Pflanze. Er wird sowohl als Aroma- und Gewürzpflanze in der Küche, als Blickfang im Garten als auch in der Heilkunde zur Beruhigung, bei Stress, Ängsten und Schlafproblemen seit Jahrtausenden hochgeschätzt.