Maulbeerblätter – Die Blätter der Weißen Maulbeere
Maulbeerblätter sind die Blätter des Maulbeerbaums. Dieser gehört zur Familie der Maulbeergewächse (Moraceae). Es gibt schätzungsweise 16 verschiedene Maulbeerarten. Davon sind die Weiße, die Rote und die Schwarze Maulbeere die drei mit Abstand bekanntesten.
Von den dreien wiederum ist die Weiße Maulbeere (Morus alba) am weitesten verbreitet und am besten untersucht. Ihre Blätter werden in der Naturheilkunde genutzt, unter anderem, weil sie den Blutzucker senken.
Morus alba stammt ursprünglich aus Ostasien (vor allem China). Sie wurde in Europa seit dem Mittelalter vor allem im Zusammenhang mit der Seidenraupenzucht eingeführt. In Deutschland gilt sie daher nicht als heimische Art. Sie ist aber auch nicht invasiv, verdrängt also heimische Arten nicht und kann daher auch im Garten an geeigneter Stelle gepflanzt werden.
DNJ – Der Wirkstoff in Maulbeerblättern
Maulbeerblätter enthalten verschiedene Pflanzenstoffe, darunter Flavonoide wie Quercetin, Kaempferol und Apigenin. Flavonoide sind Antioxidantien, die oxidativem Stress und daraus resultierenden Entzündungen entgegenwirken können.
Der Hauptwirkstoff in den Blättern ist hingegen DNJ (die Abkürzung für 1-Deoxynojirimycin). Es handelt sich um einen sog. Iminozucker. Besonders viel DNJ enthalten die Blätter von Morus alba, der Weißen Maulbeere.
Die Blätter der Roten Maulbeere (Morus rubra) und der Schwarzen Maulbeere (Morus nigra) enthalten zwar auch DNJ, sie sind aber deutlich schlechter untersucht und wurden bisher nur in wenigen Studien verwendet.
Wie wirkt DNJ?
1-Deoxynojirimycin ist ein sekundärer Pflanzenstoff. Sein Gehalt schwankt in den Blättern stark – je nach Blattalter, Standort des Baums, Sorte etc. In getrockneten Blättern liegt der DNJ-Anteil bei etwa 0,1 %, also bei 1 mg pro Gramm.
DNJ kann die Alpha-Glucosidase hemmen – ein Enzym, das im Dünndarm Kohlenhydrate abbaut und so den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Wird das Enzym gebremst, gelangt Zucker langsamer ins Blut und der Blutzucker steigt nach dem Essen weniger stark an.
Es ist aber nicht so, dass DNJ nun die Kohlenhydratverdauung komplett verhindern würde. Die Kohlenhydratverdauung wird nur verlangsamt. Das heißt, die Kohlenhydrate werden nicht alle sofort zu Glucose verdaut, sondern über einen längeren Zeitraum. Sie werden nicht gleich im oberen Dünndarm verdaut, sondern ein Teil erst im hinteren Dünndarm.
Es gibt auch Diabetesmedikamente, die über die Hemmung der Alpha-Glucosidase wirken, z. B. Acarbose und Miglitol. DNJ wurde daher bereits in klinischen Studien als mögliches Mittel zur Diabetestherapie untersucht.
Was bewirken Maulbeerblätter?
Die Verwendung von Maulbeerblättern ist insbesondere in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) weit verbreitet. Dort kommt ein Tee aus den Blättern bei Erkältungen, Fieber, Husten und Entzündungen im Mund- und Rachenraum zum Einsatz - nicht wegen des DNJ-Gehalts, sondern wegen der ebenfalls enthaltenen Gerbstoffe und ihrer zusammenziehenden Wirkung.
Blattextrakte mit hohem DNJ-Gehalt werden hingegen bei zu hohem Blutzucker und schlechten Cholesterinwerten eingesetzt. Genau diese Wirkungen wurden auch bereits in zahlreichen klinischen Studien untersucht.
Bei Diabetes
Aufgrund der hemmenden Eigenschaft auf die Alpha-Glucosidase steht bei Studien zu Maulbeerblättern insbesondere eine mögliche anti-diabetische und blutzuckersenkende Wirkung im Mittelpunkt.
Blutzuckersenkende Wirkung bei Gesunden nach Zuckerverzehr
Eine Studie untersuchte die blutzuckersenkende Wirkung weißer Maulbeerblätter zunächst an gesunden Probanden:
85 gesunde Studienteilnehmer tranken eine Lösung mit 50 g Haushaltszucker, der verschiedene Mengen Maulbeerblattpulver zugesetzt waren (oder zur Kontrolle ein Pulver ohne DNJ). Es handelte sich entweder um 2,3 g Pulver (mit 6 mg DNJ), 4,6 g Pulver (mit 12 mg DNJ) oder um 6,9 g Pulver (mit 18 mg DNJ).
Die DNJ-Dosis von 6 mg zeigte noch keine merkliche Wirkung. 12 mg DNJ aber konnten den Blutzuckeranstieg im Vergleich zur Kontrolle ohne DNJ deutlich verringern.
18 mg DNJ hatten einen noch stärken Effekt, verursachten aber auch deutlich mehr Verdauungsprobleme als die niedrigeren Dosen. Aus diesem Grund sahen die Autoren der Studie 12 mg als die optimale Dosis an.
Bei Diabetes sinken Nüchternblutzucker und Langzeitzucker
Als Nächstes untersuchte man in der Studie, wie sich die 12-mg-Dosis bei 29 Probanden auswirkte, die bereits Diabetes Typ 2 hatten. Die übergewichtigen Diabetiker nahmen 3-mal täglich vor den Mahlzeiten jeweils 4,6 g Maulbeerblattpulver (12 mg DNJ) – und zwar in 150 ml warmes Wasser gerührt.
Es gab auch eine Kontrollgruppe mit 30 Probanden, die keinen Extrakt nahmen.
Innerhalb von 12 Wochen sank der Nüchternblutzucker in der Maulbeergruppe von 107 mg/dl (5,9 mmol/l) auf 103 mg/dl (5,7 mmol/l) und der HbA1C (Langzeitzucker) von 5,83 % auf 5,71 %. In der Kontrollgruppe hingegen stiegen beide Werte leicht an (1).
In einer weiteren kleinen Studie erhielten Typ-2-Diabetiker mit jeder Hauptmahlzeit jeweils 1 g Maulbeerblattextrakt oder ein Placebopräparat (also täglich 3 g des Extrakts). Der DNJ-Gehalt des Extrakts wurde in der Studie nicht angegeben.
Innerhalb von 12 Wochen sank der postprandiale Blutzucker in der Maulbeergruppe um 16,1 % gegenüber dem Ausgangswert und um 18,2 % im Vergleich zur Placebogruppe. Der HbA1c (Langzeitzucker) verringerte sich von 7,3 % auf 6,94 % (2).
Bei Prädiabetes geringerer Blutzuckeranstieg
Auch bei Menschen mit Prädiabetes (Diabetes-Vorstufe) können Zubereitungen aus Maulbeerblättern hilfreich sein, z. B. erhielten in einer Studie 38 Probanden 4 Wochen lang täglich 5 g Maulbeerblattextrakt (mit 18 mg DNJ) zu einer Mahlzeit.
Zu Beginn und am Ende der Studie aßen die Probanden eine Testmahlzeit: Weißbrot mit Erdbeermarmelade (insgesamt 80 g Kohlenhydrate).
Nach der Testmahlzeit wurde jeweils der Blutzucker über einen Zeitraum von 2 Stunden gemessen. Nach den 4 Wochen, war der Blutzuckeranstieg um ca. 7 % verringert (3).
Fazit: Maulbeerblätter bei Diabetes
Maulbeerblattzubereitungen können folglich sowohl bei Diabetes als auch bei Diabetesvorstufen eingesetzt werden. Beachten Sie dabei jedoch:
DNJ wirkt nicht im ganzen Körper (nicht systemisch), sondern nur lokal im Verdauungstrakt, und kann daher weder die Insulinresistenz noch die Glukoseproduktion der Leber beeinflussen.
Maulbeerblattzubereitungen sind deshalb nicht als Ersatz für antidiabetische Medikamente zu verstehen, können aber als Ergänzung sinnvoll sein – insbesondere zur Unterstützung der Blutzuckerkontrolle nach dem Essen.
Bei schlechten Cholesterinwerten
Die in den Blättern enthaltenen Flavonoide können die körpereigene Cholesterinsynthese hemmen. Außerdem können sie als Antioxidantien der Oxidation von LDL-Cholesterin entgegenwirken. Oxidiertes LDL-Cholesterin setzt sich leicht in den Gefäßinnenwänden fest und gilt daher als Risikofaktor für Arteriosklerose.
Eine Studie untersuchte 23 Probanden mit leicht erhöhten Cholesterin- und Triglyceridwerten. Triglyceride sind, ähnlich wie Cholesterinwerte, wichtige Blutfettwerte, die helfen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzuschätzen.
Die Teilnehmer der Studie nahmen über einen Zeitraum von 12 Wochen 3-mal täglich vor dem Essen jeweils 3 Kapseln mit insgesamt 765 mg Maulbeerblattpulver (mit 1,1 mg DNJ) ein.
Nach den 12 Wochen waren das Gesamtcholesterin um 4,9 %, die Triglyceride um 14,1 % und das LDL-Cholesterin um 5,6 % gesunken. Das „gute“ HDL-Cholesterin war hingegen um 19,7 % gestiegen (4).
Bei Arteriosklerose
Auch bei bereits bestehender Arteriosklerose könnte das Blattpulver eingesetzt werden, wie eine placebokontrollierte Studie mit 160 Teilnehmern zeigte. Allerdings kam hier ein Jahr lang eine hohe DNJ-Dosis von 3-mal täglich jeweils 50 mg (also insgesamt 150 mg pro Tag) zum Einsatz (oder ein Placebo).
In den 12 Monaten der Studiendauer erlitten in der Placebogruppe 10 Probanden Herz‑Kreislauf‑Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall, in der DNJ-Gruppe waren es nur 3 Probanden.
Nach einem Jahr war zudem die Dicke der inneren Gefäßwand der Halsschlagader (Intima Media) in der DNJ-Gruppe deutlich verringert (5). Dies bedeutet, dass die Arteriosklerose zurückgegangen war.
Bei Herzbeschwerden (Angina pectoris)
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten Maulbeerblattzubereitungen ebenfalls eine begleitende Option zur herkömmlichen Behandlung sein.
In einer Studie von 2019 erhielten 72 Probanden mit stabiler Angina pectoris (Herzschmerzen bei koronarer Herzkrankheit ) 4 Wochen lang täglich 10 mg isoliertes DNJ (zusätzlich zur Standardbehandlung). Die Kontrollgruppe erhielt nur die Standardbehandlung.
Nach dieser Zeit ging es den Patientinnen und Patienten in der DNJ-Gruppe in vielerlei Hinsicht besser:
Das Herz arbeitete effizienter, die Belastbarkeit nahm zu und die Betroffenen konnten länger schmerzfrei gehen, bevor Herzbeschwerden auftraten. Außerdem traten Herzschmerzen seltener auf, es wurde weniger Nitroglycerin benötigt, und Symptome wie Brustenge, Atemnot und innere Unruhe gingen zurück.
Auch im Blut zeigten sich positive Veränderungen: Entzündungs- und Stressmarker, die mit Gefäßschäden und Herzproblemen zusammenhängen, nahmen deutlich ab. Gleichzeitig stieg der Spiegel der SOD, einem antioxidativ wirksamen Enzym, das den Körper vor oxidativem Stress schützt.
Zusätzlich besserten sich Angst- und Depressionssymptome, was die Lebensqualität der Teilnehmenden erhöhte. Insgesamt wirkte die Behandlung mit DNJ deutlich besser als die Standardtherapie allein.
Können die Blätter beim Abnehmen helfen?
Wenn DNJ die Kohlenhydratverdauung verlangsamt, verhindert dies Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten, was sich wiederum positiv auf das Gewicht auswirken könnte. Denn fehlende Blutzuckerspitzen reduzieren das Risiko für Heißhungerattacken. Daher wird häufig gefragt, ob Maulbeerblätter beim Abnehmen helfen könnten. Studien dazu gibt es jedoch kaum.
Lediglich in einer Studie von 2023 zeigten sich Hinweise für einen positiven Effekt auf das Gewicht, allerdings kam hier ein Kombipräparat zum Einsatz und nicht nur ein Maulbeerblattpräparat.
In der Untersuchung erhielten 40 übergewichtige Probanden entweder eine Kombination aus Maulbeerblattextrakt (mind. 2 mg DNJ pro Tag) und Salbei-Extrakt (mind. 5 mg Hydroxyzimtsäuren pro Tag) als Ergänzung zu einer Standarddiät oder nur die Diät.
Nach 8 Wochen zeigte die Supplement-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe ein leicht vermindertes Körpergewicht und einen reduzierten Körperfettanteil. Die Teilnehmer gaben an, ihre Heißhungergefühle hätten abgenommen (8).
In der schon weiter oben beim Thema Diabetes beschriebenen Studie mit der Nummer (2) stellte man nach 12-wöchiger Einnahme keine Veränderung des Körpergewichts fest.
Zubereitungen aus Maulbeerblättern sind daher sehr wahrscheinlich keine sinnvolle Ergänzung, wenn man abnehmen möchte.
Welche Präparate gibt es aus Maulbeerblättern?
Die Blätter kann man entweder getrocknet für Tee, in Pulverform oder in Form eines Extrakts kaufen.
Geschnittene Blätter als Tee
Für Tee verwendet man ca. 2 TL getrocknete Blätter pro Tasse. Diese übergießt man mit kochend heißem Wasser und lässt sie für ca. 6-7 Minuten ziehen. Der Tee ist angenehm im Geschmack. Er schmeckt süßlich-mild, erinnert etwas an grünen Tee, ist aber weniger bitter.
Da DNJ wasserlöslich ist, ist die Herstellung von Tee eine sehr gute Möglichkeit, diesen Wirkstoff aus den Blättern zu extrahieren. In einer Studie konnten auf diese Weise 90 % des in den Blättern enthaltenen DNJ extrahiert werden (7) – und zwar mit handelsüblichem Tee, der mit 98 Grad Celsius heißem Wasser übergossen wurde und 6 Minuten lang zog.
Ein handelsüblicher Tee enthält ca. 1 mg DNJ pro g. Mit 2 TL (ca. 3-4 g) kann also eine Dosis von ca. 3-4 mg DNJ erreicht werden.
Auch die in den Blättern enthaltenen Flavonoide sind wasserlöslich und lassen sich mit heißem Wasser gut extrahieren.
Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Tee wirklich aus weißen Maulbeerblättern besteht. Diese sind am besten untersucht. Oft sind Mischungen im Handel, die auch Morus nigra enthalten, also Blätter der Schwarzen Maulbeere, die aber u. U. weniger DNJ enthalten.
* Hier erhalten Sie Tee aus Blättern der Weißen Maulbeere.
Blattpulver
Die getrockneten Blätter können auch gemahlen als Pulver gekauft werden. Durch das feine Pulverisieren werden Zellwände aufgebrochen, so dass sich daraus bei der Zubereitung noch mehr Wirkstoffe lösen könnten als bei Tee.
Am besten weicht man das Pulver in heißem Wasser ein. Man nimmt gerade so viel Wasser, dass das Pulver quellen kann und ein Brei entsteht. Nach 30-60 Minuten etwas Zitronensaft untermischen und mit einer kleinen Menge Apfelmus, Joghurt oder Skyr nehmen.
Das Pulver kann natürlich auch in Smoothies oder Shakes gemischt werden.
* Hier finden Sie ein Blattpulver (40 g – eine kleine Menge zum Probieren; es gibt vom selben Anbieter aber auch größere Gebinde).
Matcha-Alternative aus Maulbeerblättern
Eine Variante des Blattpulvers ist ein nach Matcha-Art hergestelltes Blattpulver, das als koffeinfreier „Matcha“ bezeichnet wird. Es ist besonders fein gemahlen und kann wie Matcha-Tee zubereitet, also cremig aufgeschlagen werden.
Koffeinfrei ist das Getränk dann natürlich, auch die Konsistenz ist ähnlich, aber einen original Matcha-Geschmack sollte man nicht erwarten.
* Hier gibt es die Matcha-Alternative aus Maulbeerblättern.
Extrakt
Maulbeerblattextrakt hat gegenüber Tee und Blattpulver den Vorteil, dass er sich etwas höher und genauer dosieren lässt.
Nahrungsergänzungsmittel wie das nachfolgend angegebene enthalten z. B. 500 mg Extrakt und 10 mg DNJ. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der DNJ-Gehalt angegeben ist und das Präparat keine unnötigen Zusatzstoffe enthält.
Die Auswahl ist nicht sehr groß und die nachfolgend angegebenen Extrakt-Kapseln haben eine Gelatine-Hülle, sind also nicht vegan.
* Kapseln mit Maulbeerblattextrakt.
Wann nimmt man Maulbeerblatt-Zubereitungen ein?
Ob Tee, Extrakt, Pulver oder frische Blätter – Maulbeerblatt-Zubereitungen nimmt man immer kurz vor dem Essen (bis 5 Minuten vorher) oder zum Essen ein.
Denn DNJ soll ja relativ zeitgleich mit den Kohlenhydraten im Dünndarm landen, um dort dann die Kohlenhydrat-Verdauung zu verlangsamen und um auf diese Weise Blutzuckerspitzen zu verhindern.
Gibt es Nebenwirkungen?
Der Blattextrakt ist in der Regel gut verträglich, aber gelegentlich kann es bei höherdosierten Extrakten zu Nebenwirkungen kommen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Verdauungsprobleme, Übelkeit und Schwindel.
Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?
Aufgrund der hemmenden Wirkung auf den Blutzuckeranstieg nach einer Mahlzeit kann bei der gleichzeitigen Einnahme blutzuckersenkender Medikamente das Risiko für eine Unterzuckerung erhöht sein (wenn pro Blattextraktdosis 10 mg DNJ und mehr enthalten sind).
Personen, die entsprechende Medikamente nehmen, sollten daher die Einnahme von Maulbeerblattpräparaten mit dem Arzt absprechen.
Weitere Wechselwirkungen sind nicht gut erforscht, was aber nicht bedeutet, dass es keine gibt. Wenn Sie Medikamente nehmen, sollten Sie Maulbeerblätter nur vorsichtig dosieren und die Einnahme konzentrierter Extrakte mit Ihrem Arzt besprechen.
Wer sollte keine Maulbeerblattpräparate nehmen?
Schwangere und stillende Frauen sollten von Tee aus Maulbeerblättern und Maulbeerblattextrakt Abstand nehmen, da es nicht genügend Daten zur Sicherheit gibt.
Ähnliches gilt für Kinder. Gelegentlicher Teekonsum ist wahrscheinlich unbedenklich, aber von größeren Mengen ist abzuraten.
Wann und wie pflückt man Maulbeerblätter?
Wenn Sie einen Weiße Maulbeere im Garten haben, können Sie im Mai und Juni die Blätter auch selbst pflücken. Der Baum sollte jedoch schon älter sein. Denn junge Bäume mit wenig Blattmasse leiden natürlich entsprechend, wenn Sie Blätter entnehmen.
Der Baum sollte nicht an einer stark befahrenen Straße stehen und natürlich auch nicht mit Pestiziden behandelt sein.
Es sollte in jedem Fall Morus alba sein. Da die Schwarze Maulbeere oder andere Arten weniger DNJ enthalten.
Die beste Pflückzeit ist der Vormittag, nachdem der Tau abgetrocknet ist und bevor starke Mittagshitze einsetzt. Bei Regenwetter oder direkt nach Starkregen wird nicht gepflückt.
Welche Blätter sind ideal?
Sehr junge, noch weiche Blätter sind ideal und haben den höchsten DNJ-Gehalt und gleichzeitig am wenigsten Gerbstoffe (die für Bitterkeit und Adstringenz sorgen). Die Blätter sollten jedoch voll entfaltet sein.
Nehmen Sie Blätter, die viel Sonnenlicht erhielten, also nicht aus dem schattigen Innenbereich der Krone.
Pflücken Sie nur so viel, wie Sie benötigen und – wenn Sie auf Vorrat pflücken sollten – nicht mehr als 10 bis maximal 20 Prozent der Blattmasse eines Baums und natürlich verteilt am Baum pflücken und nicht einzelne Äste völlig abernten.
Wie schmeckt Tee aus selbst gepflückten Blättern?
Selbst geerntete und getrocknete Blätter bzw. der Tee daraus kann deutlich bitterer und herber schmecken als gekaufte Ware. Maulbeerblättertee aus dem Handel kann auf milden Geschmack optimiert sein. Milder Geschmack kann aber auch auf einen geringeren DNJ-Gehalt hinweisen.
Zwar ist es nicht DNJ, das herb oder bitter schmeckt, aber Bedingungen (viel Sonne/UV), die zu mehr DNJ führen, erhöhen auch den Gehalt an bitter und herb schmeckenden Begleitstoffen.
Wie trocknet man Maulbeerblätter?
Die Blätter werden grob zerkleinert und luftig und schattig getrocknet. Ideal ist ein Dörrgerät bei max. 40–45 °C. Zwar ist DNJ hitzestabil, aber Begleitstoffe, wie Polyphenole (Flavonoide) und Chlorophyll leiden unter Hitze.
Nach vollständiger Trocknung – wenn die Blätter knistern – luftdicht, dunkel und trocken lagern. Die Haltbarkeit beträgt bis zu 12 Monate. DNJ baut sich nur langsam ab.
Wenn Pulver daraus hergestellt werden soll, mahlt man die Blätter erst kurz vor der Verwendung.
Kann man die Blätter auch roh essen?
Die Blätter sind sehr weich und sehen im frischen Zustand appetitlich aus. Dennoch schmecken sie leider nicht so gut, dass man daraus z. B. einen Salat zubereiten könnte. Kleine Mengen könnten jedoch in einen grünen Smoothie gemischt werden.
Welche Menge genau, hängt vom Geschmack der jeweiligen Blätter ab, der je nach Standort und Baum variieren kann. Probieren Sie also erst ein kleines Stück pur und entscheiden dann, wie viel Sie davon nehmen können.
Ist die Maulbeere ökologisch wertvoll?
Vielleicht überlegen Sie, einen Maulbeerbaum in Ihren Garten zu pflanzen. Optisch sind die Bäume aufgrund Ihrer großen Blätter und dichten Blattmasse etwas Besonderes. Auch sind es schöne Schattenbäume.
An vielen Orten, wo früher noch gut Apfel und Birne gediehen, z. B. Südhänge, ist das heute aufgrund zunehmender Trockenheit und Hitze oft nicht mehr der Fall. Hier bietet sich die Maulbeere als sog. klimaresiliente Ergänzungsart an.
Das bedeutet, der Baum ist hitze- und trockenheitstolerant, robust und wenig schädlingsanfällig. In Kulturlandschaften, Streuobstwiesen oder Gärten kann er daher an für andere Obstarten ungünstig gewordenen Standorten gepflanzt werden.
Dort, wo mehr Bodenfeuchte vorhanden ist, sollten dann aber die tatsächlich heimischen Arten ihren Platz bekommen.
Die Blüten von Morus alba werden zwar von Insekten genutzt, sind aber nicht direkt ein Insektenmagnet. Auch sind die Blätter – außer bei der Seidenraupe – bei Insekten nicht sonderlich beliebt, zumal gerade DNJ ein natürlicher Fraßschutzstoff ist, der Insekten eher abhält. Der Baum ist daher kein klassisches Insektengehölz.
Ökologisch relevanter sind die Früchte, die von zahlreichen Vogelarten gern gefressen werden. Darüber hinaus bieten Maulbeerbäume – sie wachsen recht schnell – durch ihre Größe und ausladende Krone vielen Vögeln, Insekten und anderen Kleintieren Ruheplätze oder einfach einen angenehm schattigen Aufenthaltsraum.
Fazit: Maulbeerblätter könnten Diabetes vorbeugen
Maulbeerblätter sind aufgrund des enthaltenen DNJ natürliche Alpha-Glucosidase-Hemmer. Aus diesem Grund sind sie für die Diabetestherapie interessant und auch präventiv bei Diabetes-Vorstufen.
Auch können sich Zubereitungen aus den Blättern positiv auf den Cholesterinspiegel und andere Blutfettwerte auswirken und so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen potenziell senken. Bei Angina pectoris zeigte sich sogar, dass Entzündungsmarker und auch die bei der Erkrankung oft entstehenden Ängste deutlich reduziert werden konnten.
Maulbeerblätter sind somit ein Naturheilmittel, das nicht unterschätzt werden sollte und gezielt bei bestimmten Beschwerden eingesetzt werden kann.