Was ist Palmitoylethanolamid (PEA)?
Palmitoylethanolamid (PEA) ist ein Botenstoff aus der Gruppe der Fettsäureamide. Er wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend.
PEA gilt als eine Art körpereigenes Regulativ. Der Körper stellt den Botenstoff bei Bedarf her – immer dann, wenn er «beruhigen» muss: etwa bei Reizungen, emotionalen oder körperlichen Belastungen oder wenn Nerven überempfindlich reagieren.
Kleine Mengen (nur wenige Mikrogramm pro Portion) finden sich auch in Lebensmitteln (z. B. in Eigelb, Erdnüssen, Soja, Erbsen und Kuhmilch). Als Nahrungsergänzung eingenommen, kann Palmitoylethanolamid bei Schmerzen und Entzündungen aller Art helfen.
Wie wird PEA hergestellt?
PEA wird für Nahrungsergänzungsmittel im Labor synthetisch hergestellt. Es entsteht aus einer gesättigten Fettsäure (Palmitinsäure aus Palm- oder Kokosöl) und Ethanolamin (einem kleinen Aminoalkohol-Molekül).
Der Stoff wird also nicht aus Lebensmitteln gewonnen. Die Konzentration ist dort so gering, dass eine Extraktion zu teuer und ineffizient wäre.
Auch wenn PEA im Labor hergestellt wird, ist der Stoff chemisch identisch zum körpereigenen Molekül. Man sagt, der Stoff ist bioidentisch.
Die vielfältigen Wirkungen von Palmitoylethanolamid
Die Forschung zu Palmitoylethanolamid reicht bis etwa Mitte des letzten Jahrhunderts zurück. Zunächst wurde der Stoff als Prophylaxe für Grippe und Erkältungen erforscht (1). In Zell- und Tierstudien hatte sich gezeigt, dass PEA das Immunsystem beeinflussen kann.
Man fand eine antiallergische, entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung, konnte sich diese aber zunächst nicht erklären.
Erst später wurden die Wirkmechanismen beschrieben. Heute deuten erste Studien auch auf einen neuroprotektiven (nervenschützenden) Effekt hin. Am besten erforscht ist jedoch die schmerzlindernde Wirkung von Palmitoylethanolamid.
Wie wirkt Palmitoylethanolamid?
Palmitoylethanolamid wirkt, indem der körpereigene Stoff überaktive Zellen beruhigt und Entzündungen bremst.
Ein zentraler Hebel ist dabei der Rezeptor PPAR-α – ein Schaltknopf in unseren Zellen, der entzündungsfördernde Signale herunterreguliert.
Gleichzeitig stabilisiert Palmitoylethanolamid Mastzellen. Diese setzen sonst u. a. Histamin frei, was zu allergischen Reaktionen führen kann. Ausserdem besänftigt der Stoff die sogenannten Gliazellen im Nervensystem, die Schmerzen anfeuern können.
Über Schnittstellen zum Endocannabinoid-System beeinflusst Palmitoylethanolamid zudem, wie empfindlich Schmerzreize weitergeleitet werden.
PEA hilft dem Körper also, überaktive Entzündungs- und Nervensignale wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Deshalb ist der Stoff für die Schmerz- und Entzündungsforschung sehr interessant.
Vielversprechend bei chronischen Schmerzen
Eine Forschergruppe aus Österreich und Kanada untersuchte in einer Übersichtsarbeit von 2023, wie PEA bei chronischen Schmerzen hilft (2).
Es flossen 11 Studien mit rund 770 Teilnehmern ein, bei denen die Wirkung von Palmitoylethanolamid auf die Schmerzintensität untersucht wurde.
Die Schmerzen der Probanden hatten je nach Studie unterschiedliche Ursachen – einige hatten Kniearthrose, andere diabetische Neuropathie, Multiple Sklerose, Reizdarm oder auch das Karpaltunnelsyndrom.
Über alle Studien hinweg senkte PEA die Schmerzwerte signifikant. Mehrere Studien berichteten zusätzlich Verbesserungen bei der Lebensqualität und der Funktionsfähigkeit.
Die Autoren schlossen, dass PEA bei chronischen Schmerzen vielversprechend und gut verträglich ist. Relevante Nebenwirkungen gab es keine.
Hilft bei den verschiedensten Schmerztypen
Zum selben Schluss kommt eine spanische Übersichtsarbeit von 2025. Die schmerzlindernde Wirkung trat nach 4 bis 6 Wochen ein.
Zusätzlich zeigt diese Analyse, dass Palmitoylethanolamid bei den unterschiedlichsten Schmerzarten hilft (3): bei nozizeptiven, neuropathischen sowie noziplastischen Schmerzen.
Nozizeptive Schmerzen – dumpf und pochend
Bei nozizeptiven Schmerzen ist Gewebe gereizt oder verletzt. Der Schmerz fühlt sich dumpf und pochend an und tritt oft bei bestimmten Bewegungen auf. Das ist z. B. bei Zerrungen, Prellungen, Schnitten oder auch Arthrose der Fall.
Neuropathische Schmerzen – brennend und kribbelnd
Bei neuropathischen Schmerzen sind die Nerven selbst geschädigt oder gereizt. Die Schmerzen fühlen sich brennend, stechend oder einschiessend an und gehen vielfach mit Taubheit und Kribbeln einher.
Beispiele sind das Karpaltunnelsyndrom, Bandscheiben- und Ischias-Schmerzen, Neuropathie bei Diabetes sowie die Folgen von Gürtelrose. Klassische Schmerzmittel wirken hier oft weniger gut.
Noziplastische Schmerzen – diffus und wechselhaft
Bei noziplastischen Schmerzen liegt eine Schädigung des Gewebes oder der Nerven vor. Daher reagiert das Nervensystem überempfindlich. Die Schmerzverarbeitung ist gestört.
Die Schmerzen können diffus über weite Teile des Körpers verteilt sein und gehen häufig mit Erschöpfung, Schlafproblemen und Stressempfindlichkeit einher.
Beispiele sind Spannungskopfschmerzen, Fibromyalgie sowie chronische Rückenschmerzen ohne klaren Befund.
Mischformen der drei Schmerztypen
Häufig gehen Krankheiten nicht nur mit einem Schmerztyp einher. Es gibt Mischformen und die Schmerzen können sich auch im Laufe der Krankheit verändern.
So sind die Schmerzen zum Beispiel bei Arthrose zu Beginn häufig nozizeptiv und werden später neuropathisch.
Verbessert Gelenksfunktion bei Arthrose
In einer Studie von 2019 untersuchten australische Forscher, wie sich PEA bei Kniearthrose auswirkt (4).
Insgesamt 111 Teilnehmer mit milder bis moderater Kniearthrose nahmen 8 Wochen lang entweder täglich 300 mg Palmitoylethanolamid, 600 mg oder ein Placebo ein – jeweils auf zwei Kapseln pro Tag verteilt.
In den beiden PEA-Gruppen zeigte sich eine signifikante Verbesserung bei den Schmerzen und der Gelenksteifheit. In der 600-mg-Gruppe verbesserte sich zusätzlich die Gelenksfunktion signifikant. Palmitoylethanolamid wurde gut vertragen.
Unterstützt die Therapie bei Fibromyalgie
Fibromyalgie zeichnet sich durch einen diffusen, dauerhaften Schmerz im ganzen Körper aus und geht mit einer ausgeprägten Müdigkeit und Erschöpfung einher.
Weitere Informationen finden Sie im Artikel Fibromyalgie – Die Schmerzkrankheit.
Italienische Forscher untersuchten 2023, wie sich Palmitoylethanolamid bei Fibromyalgie auswirkt (5).
Insgesamt 142 Frauen erhielten zunächst 12 Wochen lang eine Standardtherapie mit 60 mg Duloxetin und 150 mg Pregabalin pro Tag. Nach 12 Wochen erhielt die Hälfte zusätzlich 2-mal täglich 600 mg PEA und 2-mal täglich 500 mg Acetyl-L-Carnitin.
Die Kontrollgruppe führte nur die Standardtherapie fort. Die PEA-Gruppe erzielte nach den 12 Wochen zusätzlich signifikante Verbesserungen bei den Schmerzen und der Gesamtbelastung.
Palmitoylethanolamid wird häufig mit weiteren Schmerzmitteln oder Nahrungsergänzungen kombiniert, wie Sie weiter unten nachlesen können. Acetyl-L-Carnitin soll Entzündungen lindern und die Energieproduktion in betroffenen Geweben verbessern.
* Hier erhalten Sie Acetyl-L-Carnitin (zur Kombination mit PEA).
Lindert Schmerzen bei Migräne
Australische Forscher konnten in einer Studie von 2024 zeigen, dass Palmitoylethanolamid auch bei akuter Migräne hilft (6).
Insgesamt 64 Probanden mit 155 Migräneattacken im Studienzeitraum nahmen bei den ersten Symptomen entweder 600 mg PEA oder ein Placebo ein. War die Attacke nach 2 Stunden nicht vorbei, durften sie eine zweite Dosis nehmen.
Gegenüber Placebo löste Palmitoylethanolamid nach 2 und 8 Stunden mehr Migräneattacken auf. Der Schmerz sank in beiden Gruppen – nach 1,5 und 4 Stunden jedoch signifikant stärker in der Palmitoylethanolamid-Gruppe.
Die Probanden der Palmitoylethanolamid-Gruppe griffen darüber hinaus weniger auf zusätzliche Schmerzmittel zurück.
Allerdings: Die Studie wurde vom Hersteller des PEA-Präparats Levagen+ finanziert.
Hilft bei Unterleibsschmerzen
Auch bei Unterleibs- bzw. Beckenschmerzen unterschiedlicher Ursache erweist sich Palmitoylethanolamid als vielversprechend – die Studienlage ist jedoch noch recht überschaubar.
Zu den Beckenschmerzsyndromen zählen z. B. Menstruationsschmerzen, Endometriose oder auch Vaginal- und Prostataschmerzen.
PEA bei Endometriose
Italienische Forscher analysierten in einer Übersichtsarbeit von 2017 vier kleine Studien zu PEA bei Endometriose (7).
In den Studien nahmen die Probandinnen meistens 3 Monate lang 2-mal täglich 400 mg Palmitoylethanolamid gemeinsam mit 40 mg Polydatin. Chronische Beckenschmerzen und Menstruationsschmerzen verbesserten sich daraufhin.
Polydatin (auch Piceid genannt) ist ein natürlicher Pflanzenstoff und gilt als starkes Antioxidans. Es ist ein Vorläufer von Resveratrol, dem antioxidativen Pflanzenstoff aus z. B. Trauben, Kakao und Rotwein. Beide können aus dem Japanischen Staudenknöterich gewonnen werden.
Polydatin wird im Körper zu Resveratrol umgewandelt. Es ist stabiler, bioverfügbarer und verträglicher als Resveratrol. Nur ist Polydatin in Deutschland noch nicht als Nahrungsergänzung zugelassen.
PEA bei Menstruationsschmerzen
Australische Forscher prüften in einer Studie von 2025 die Wirkung von PEA bei Menstruationsschmerzen (8).
Insgesamt 80 Frauen nahmen bei Menstruationsschmerzen entweder eine 300-mg-Kapsel PEA oder ein Placebo ein. Liessen die Schmerzen nach 2 Stunden nicht nach, durften sie eine weitere Dosis nehmen. Die Studie begleitete die Frauen 16 Wochen.
Palmitoylethanolamid senkte die Schmerzwerte der Teilnehmerinnen signifikant – nach 2,5 Stunden waren die Schmerzen verglichen mit dem Placebo um 25 Prozent gesunken.
Diese Studie wurde ebenfalls vom Hersteller des Präparats Levagen+ finanziert.
PEA für Hunde
Auch Hunde, Katzen oder Pferde können von PEA profitieren. Die Substanz wird ergänzend eingesetzt bei chronischen Schmerzen (z. B. Arthrose), Entzündungen, Nervenproblemen (z. B. neuropathischen Schmerzen) oder auch bei Allergien und Hautproblemen.
Es wirkt vor allem entzündungshemmend und schmerzlindernd - meist aber erst nach ein paar Wochen (3-4). Die volle Wirkung kann sogar erst nach 6-8 Wochen eintreten.
Das Produkt sollte - wie auch das für Menschen - ultramikronisiert sein, damit es gut aufgenommen werden kann. Man gibt es mit dem Futter. Da PEA fettlöslich ist, kann man es auch mit einem Omega-3-Präparat kombinieren (also beides ins Futter geben).
Wenn es sich einrichten lässt, gibt man die Tagesdosis verteilt auf zwei Dosen. Am besten beginnt man mit niedriger Dosis /10-20 mg pro kg Körpergewicht und kann dann auf 30-40 mg pro kg Körpergewicht steigern (bei Hunden). Katzen erhalten oft pro kg sogar bis zu 60 mg.
PEA kann dauerhaft gegeben werden.
Nebenwirkungen können in Form von Verdauungsbeschwerden auftreten, sind aber selten, da PEA meist sehr gut vertragen wird. Dennoch schadet es nicht, nur langsam die Dosis anzuheben.
PEA kann auch mit herkömmlichen Entzündungshemmern oder mit Librela kombiniert werden. Wechselwirkungen gibt es hier keine.
* Hier erhalten Sie ein individuell dosierbares PEA-Pulver für Hunde und Katzen (Messlöffel liegt bei).
Die Einnahme von Palmitoylethanolamid
Nachfolgend finden Sie Informationen rund um die Einnahme, Dosierung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Palmitoylethanolamid mit anderen Arzneistoffen.
Wie dosiert man?
In den meisten Studien nahmen die Probanden über mehrere Wochen 300 bis 600 mg Palmitoylethanolamid pro Tag ein – manchmal auf zwei Dosen pro Tag verteilt (morgens und abends).
Häufig enthalten Nahrungsergänzungen 300, 400 oder 600 mg PEA pro Kapsel. Es ist auch in Kombination mit Luteolin oder Acetyl-L-Carnitin erhältlich.
Zudem gibt es so genannte mikronisierte bzw. ultramikronisierte Kapseln zu kaufen. Die Mikronisierung bzw. Ultramikronisierung kann die Aufnahme verbessern, da Palmitoylethanolamid fettlöslich ist. So schrumpfen die Partikel und werden besser resorbiert.
Wie lange kann man PEA einnehmen?
Eine langfristige Einnahme von PEA (Palmitoylethanolamid) gilt nach aktuellem Kenntnisstand als wahrscheinlich sicher, auch über die in den meisten Studien praktizierte Dauer von 8 bis 16 Wochen hinaus.
Zwar gibt es keine Studien, die mehrere Jahrzehnte dauerten, doch gilt der Stoff also insgesamt gut verträglich. Er führt kaum zu Nebenwirkungen, verursacht keine Organschäden, hat keine hormonelle Wirkung, macht nicht abhängig, führt nicht zu einer Toleranzentwicklung und ist außerdem ein körpereigener Stoff.
Wenn man PEA dauerhaft einsetzen möchte (z. B. bei chronischen Schmerzen, Neuropathie, Entzündungen), würden wir im Laufe der Zeit auf die niedrigste noch wirksame Dosis reduzieren.
Man kann also mit z. B. 2-mal täglich à 600 mg starten, könnte dann aber alle 3-6 Monate testen, ob man mit weniger zurecht kommt, z. B. mit 1-mal 600 mg und 1-mal 300 mg oder auch mit 2-mal täglich 300 mg.
Wenn Sie - wie oben erklärt - zu ultramikronisierten Kapseln greifen, ist deren Wirkung stärker, so dass Sie mit geringeren Dosen auskommen könnten.
Wie und wann nimmt man PEA ein?
PEA wird am besten 2-mal täglich genommen (morgens und abends) mit etwas Wasser - und zwar immer zu einer Mahlzeit oder kurz danach.
* Hier erhalten Sie vegane Palmitoylethanolamid-Kapseln ohne Zusatzstoffe.
Gibt es Nebenwirkungen?
Palmitoylethanolamid war in den Studien sehr gut verträglich. Gelegentlich berichteten Patienten über leichte Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen oder Müdigkeit.
Schwere Nebenwirkungen wie etwa Leber- oder Nierenprobleme sind nicht aufgetreten.
Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?
Ebenfalls sind keine relevanten Wechselwirkungen von Palmitoylethanolamid mit Arzneimitteln bekannt – die Studienlage ist jedoch noch begrenzt. Wechselwirkungen können also nicht ganz ausgeschlossen werden.
Der Stoff wird mittlerweile häufig zusätzlich mit anderen Schmerzmitteln oder als Ergänzung zur Standardtherapie eingenommen, ohne dass sich dabei negative Effekte gezeigt hätten.
Besprechen Sie die Einnahme dennoch am besten immer erst mit Ihrem Arzt oder Therapeuten.
Fazit: Palmitoylethanolamid bei Schmerzen aller Art
Palmitoylethanolamid kann bei unterschiedlichen Schmerztypen eine spürbare Entlastung bringen. Die Studienlage ist ermutigend und die Verträglichkeit gut. Das macht PEA zu einer vielversprechenden Ergänzung von Schmerztherapien.
Wenn Sie sich für weitere Nahrungsergänzungen gegen Schmerzen interessieren, dann lesen Sie auch unseren Artikel Natürliche Schmerzmittel ohne Nebenwirkungen.
Update 8.2.2026
Wir haben den Abschnitt "Wie lange kann man PEA einnehmen" eingefügt.
Update 8.4.2026
Wir haben den Abschnitt "PEA für Hunde" eingefügt.