Was ist Biotin?
Biotin (auch Vitamin B7 oder Vitamin H genannt) ist ein wasserlösliches Vitamin aus dem B-Komplex. Der Name „Vitamin H“ leitet sich von „Haut und Haar“ ab – weil es für beides auch tatsächlich sehr wichtig ist. Biotin hat aber noch viele andere Aufgaben und Funktionen im Körper.
Wofür wird es im Körper gebraucht?
Haare und Nägel bestehen überwiegend aus Keratin, einem speziellen Eiweiß. Biotin ist notwendig, damit Keratin in ausreichender Menge gebildet werden kann.
Die Haut wiederum benötigt das Vitamin, um Fette herzustellen, die ihre Oberfläche geschmeidig und widerstandsfähig halten.
Haut- und Haarzellen teilen sich außerdem sehr schnell und müssen sich ständig erneuern. Das Vitamin sorgt dafür, dass die dafür benötigte Zellteilung reibungslos verläuft. Dadurch kann das Haar schnell wachsen und die Haut kann sich schnell regenerieren.
Wie zeigt sich ein Biotinmangel?
Bei einem Mangel werden die Haare dünner, wachsen langsamer und fallen leichter aus. Typisch ist ein diffuser Haarausfall (gleichmäßig verteilt, nicht nur an einer Stelle).
Die Haut wird trocken und schuppig. Ekzeme können entstehen – besonders um Mund, Nase, Augen und im Genitalbereich können sich entzündliche Hautveränderungen zeigen.
Die Nägel reißen bei einem Biotinmangel schneller ein, splittern oder sind auffällig brüchig.
Bei schwerem Mangel können auch Müdigkeit, Muskelschmerzen oder depressive Verstimmungen auftreten – das liegt daran, dass Vitamin B7 nicht nur für Haut und Haare, sondern auch für den Energiestoffwechsel und das Nervensystem gebraucht wird.
Was bewirkt die Einnahme von Biotin?
Biotin ist ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel. Man kann es pur einnehmen oder als Bestandteil in Präparaten. Nun stellt sich die Frage, ob die Einnahme sinnvoll ist und was sie bewirkt.
Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind für Nahrungsergänzungen mit dem Vitamin folgende Werbeaussagen erlaubt:
Biotin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel, zur normalen Funktion von Nerven und Psyche, zum normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen sowie zur Erhaltung normaler Haare, Haut und Schleimhäute bei.
Aussagen wie „gegen Haarausfall“ oder „lässt die Haare schneller wachsen“ sind also nicht erlaubt. Auch mit Aussagen zur Wirkung auf die Nägel darf nicht geworben werden.
Wir stellen nachfolgend einige Studien zu Biotin vor und beantworten die wichtigsten Fragen rund um das Vitamin:
Bei Haarausfall: Sinnvoll nur bei Mangel
Amerikanische Forscher überprüften in einer Übersichtsarbeit von 2024 alle Studien zur Biotin-Einnahme bei Haarausfall (1). Schlussendlich fanden sie nur drei passende Arbeiten.
In einer der Studien hatten die Probanden 1 mg täglich genommen, in zwei der Studien 10 mg. Zwei Studien ergaben keinen signifikanten Unterschied zwischen der Biotin- und der Placebo-Gruppe. Eine der Studien stellen wir im nächsten Absatz genauer vor.
Die Autoren folgerten, dass die Popularität des Vitamins als Haarwuchsmittel wissenschaftlich nicht gestützt sei. Sinnvoll sei die Einnahme nur bei einem Mangel.
Bei Haarausfall durch Akne-Medikament Isotretinoin
Eine der analysierten Arbeiten war eine türkische Studie von 2021 mit Akne-Patienten. Die Forscher konnten zeigen, dass das Vitamin bei Personen, die an Nebenwirkungen durch Isotretinoin leiden, den Haarzyklus verbessert (2).
Isotretinoin ist ein Akne-Mittel, das zu sprödem Haar und Haarausfall führen kann. Vereinfacht gesagt, steht dem Körper durch das Mittel weniger frei verfügbares Biotin zur Verfügung. Die Forscher vermuteten, dass eine Nahrungsergänzung dieses Defizit überbrücken kann.
Die Hälfte der insgesamt 60 Probanden nahm zusätzlich zu Isotretinoin 4 Monate lang täglich 10 mg Biotin pro Tag. Die andere Hälfte nahm nur Isotretinoin.
In der Biotin-Gruppe stieg daraufhin der Anagen-Anteil der Haare signifikant – das sind die Haare, die sich in der Wachstumsphase befinden. Der Telogen-Anteil – die Haare, die bereit zum Ausfallen sind – sank signifikant.
Zudem nahm in der Kontroll-Gruppe die Hautfeuchtigkeit deutlich ab, in der Biotin-Gruppe hingegen nicht.
Hilft es gegen graue Haare?
Auch bei grauen Haaren gibt es keine Studien, die zeigen, dass das Vitamin einen Nutzen hat. Nur bei seltenen genetisch bedingten Sonderfällen – dem Biotinidasemangel – scheint es zu helfen – dies jedoch vor allem bei Kindern (3).
Hilft es nach einer Chemotherapie?
Biotin kann auch nicht verhindern, dass die Haare bei einer Chemotherapie ausfallen. Der Haarausfall entsteht durch eine Schädigung der Haarfollikel. Nach der Therapie wachsen die Haare in der Regel von allein nach.
Nach einer Chemotherapie hilft das Vitamin nur dann, wenn ein Mangel vorliegt – was bei einer schlechten Ernährung während der Therapie und im Krankenhaus durchaus der Fall sein kann.
Allerdings ist bei einer Einnahme bei Krebserkrankungen Vorsicht geboten, da Biotin Laborwerte beeinflussen kann. Dazu weiter unten mehr. Für Personen, die regelmäßig Tumormarker untersuchen lassen müssen, ist das sehr relevant.
Ist es im Shampoo oder Conditioner sinnvoll?
Es gibt keine Studien, die zeigen, dass äußerlich angewandtes Biotin einen Nutzen auf den Haarwuchs hat. In Shampoos und Conditionern dürfte es daher eher zu Marketingzwecken enthalten sein.
Hilft es bei brüchigen Nägeln?
Zwar sind Werbeaussagen zu einer Wirkung auf die Nägel nicht erlaubt, da es bisher nur kleine und methodisch schwache Studien dazu gibt.
Jedoch gibt es Hinweise, dass das Vitamin bei verschiedenen Nagelkrankheiten hilfreich sein könnte. Eine Übersichtarbeit aus den USA von 2017 hat gezeigt, dass die tägliche Einnahme die Nägel härter und dicker machen kann (4).
Die optimale Dosis ist noch unklar, in Studien wurden häufig 2,5 mg pro Tag über mehrere Monate verwendet.
Hilft es bei Hautkrankheiten?
Obwohl es wie eingangs beschrieben wichtig für die Haut ist und als Vitamin für schöne Haut gilt, ist die Studienlage bei Hautkrankheiten ernüchternd.
Weder für Schuppenflechte, Neurodermitis, Akne, Rosazea noch für unreine Haut gibt es belastbare wissenschaftliche Belege für einen Effekt.
Da ein Biotinmangel trockene Haut begünstigen kann, ist es wohl primär eine präventive Wirkung. Ist die Haut gut mit Feuchtigkeit versorgt, ist sie weniger anfällig für Hautkrankheiten.
Auch durch Biotinmangel verursachte Hautveränderungen verschwinden natürlich durch die Einnahme.
Verbessert es den Stoffwechsel bei Diabetes?
Biotin ist auch am Glukose- und am Fettsäurestoffwechsel beteiligt. Daher untersuchten chinesische Forscher in einer Übersichtsarbeit von 2022, ob das Vitamin den Blutzucker und die Blutfette bei Diabetikern beeinflussen kann (5).
Die Forscher analysierten 5 Studien mit insgesamt 445 Personen mit Diabetes Typ 2. Die Dosis variierte je nach Studie – meist waren es hohe Dosen zwischen 2 und 9 mg pro Tag (teilweise in Kombination mit Chrom).
Die Biotin-Einnahme während 4 bis 13 Wochen konnte den Nüchtern-Blutzucker senken – durchschnittlich um 1,2 mmol/L (was einer Verbesserung um ca. 20 % entspricht). Zudem sanken das Gesamtcholesterin signifikant sowie (sehr deutlich) die Triglyceride.
Auf den Insulinspiegel zeigte sich kein Einfluss. Zum LDL- und HDL-Cholesterin gab es zu wenige Daten für eine Aussage.
Die Autoren folgerten, dass Vitamin B7 moderate stoffwechselverbessernde Effekte bei Diabetes Typ 2 hat. Es könnte hier eine unterstützende Maßnahme sein.
Chrom wird jedoch ebenfalls eine blutzuckersenkende Wirkung nachgesagt, weshalb die Ergebnisse nicht allein auf Biotin zurückgeführt werden können.
Hilft Biotin bei Multipler Sklerose?
Eine vielversprechende Studie französischer Forscher hatte 2016 ergeben, dass eine hohe Dosis bei Multipler Sklerose zu Verbesserungen führt (6).
2020 wurde die Studie nochmal mit mehr Teilnehmern wiederholt. Leider konnten die Forscher die Ergebnisse nicht bestätigen (7).
Insgesamt 154 MS-Patienten nahmen entweder 1 Jahr lang täglich 300 mg Biotin (verteilt auf drei Dosen) oder ein Placebo. Bei 12,6 Prozent der Biotin-Gruppe kam es nach einem Jahr zu einer messbaren Verbesserung – verglichen mit 0 Prozent in der Kontrollgruppe.
Zudem schritt die Erkrankung in der Biotin-Gruppe weniger fort. Das ist sehr ungewöhnlich. Die Nebenwirkungen in der Biotin- und in der Placebo-Gruppe unterschieden sich nicht – trotz sehr hoher Biotin-Dosis.
Bei der zweiten Studie nahmen 642 Patienten teil und es kamen wieder 300 mg pro Tag zum Einsatz. Nur dieses Mal zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen.
Dies dämpfte die Hoffnungen, dass das Vitamin bei MS helfen könnte. Es bleibt also abzuwarten, ob weitere Studien Klarheit bringen können. Ausprobieren können Sie dies natürlich (in Absprache mit Ihrem Arzt), da kaum Nebenwirkungen zu erwarten sind.
Wie hoch ist der Tagesbedarf?
Für Erwachsene (auch Schwangere) und Jugendliche ab 15 gilt ein Tagesbedarf von 40 µg. Manchmal werden auch 30-60 µg angegeben. Für Stillende liegt er bei 45 µg.
Bei Kindern ist der Bedarf je nach Alter geringer. Säuglinge bis zu einem Jahr haben einen Bedarf von 4-6 µg, Kinder zwischen 1 und 4 Jahren haben einen Bedarf von 20 µg, Kinder zwischen 4 und 10 Jahren benötigen 25 µg pro Tag und 10- bis 15-Jährige brauchen 35 µg.
Der Körper kann das Vitamin in geringen Mengen durch die Darmflora selbst bilden, jedoch reicht dies eher nicht aus, um den Bedarf zu decken.
Wie häufig ist ein Biotinmangel?
Die Verbraucherzentrale schreibt: „Die beste Methode einem Biotinmangel vorzubeugen, ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung.“ Dies ist der Lieblingssatz der Verbraucherschützer – und das, wo bekannt ist, dass es den wenigsten Menschen im Stress des Alltags gelingen dürfte, sich durchgehend gesund und ausgewogen zu ernähren.
Offenbar ist ein Biotinmangel zumindest bei Haarausfall keine Seltenheit. Eine Beobachtungsstudie von 2016 hat ergeben, dass von rund 540 Frauen mit Haarausfall, 38 Prozent einen zu niedrigen Biotin-Wert im Blut hatten (8).
Interessanterweise hatten 89 Prozent dieser Frauen mit Biotinmangel keine identifizierbaren Risikofaktoren für einen Mangel (siehe nächster Absatz über die Ursachen eines Mangels).
Ein Biotinmangel könnte daher häufiger sein, als allgemein vermutet wird, zumal ein Mangel noch weitere Ursachen haben kann – nicht nur eine suboptimale Ernährung:
Welche Ursachen hat ein Biotinmangel?
Alkoholmissbrauch, Rauchen, chronische Darmerkrankungen und eine gestörte Darmflora zählen zu den möglichen Ursachen eines Biotinmangels. Genauso die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Antiepileptika, Antibiotika, Retinoide wie Isotretinoin).
Auch der Verzehr großer Mengen roher Eier wie es etwa in manchen Bodybuilder-Kreisen üblich ist, kann zu einem Biotinmangel führen. Warum, erfahren Sie weiter unten im Artikel.
Bei einer vererbbaren Stoffwechselstörung, dem so genannten multiplen Carboxylasemangel, kann der Körper das Vitamin nicht richtig verarbeiten, wodurch es ebenfalls zu einem Mangel kommt.
Diese Störung ist jedoch sehr selten und betrifft nur etwa jeden 100.000sten Menschen. In vielen Ländern (auch Deutschland, Schweiz, Österreich) wird der Mangel im Neugeborenenscreening getestet – weil er einfach behandelbar ist, wenn man ihn früh erkennt (mit hochdosiertem Biotin (meist 5–20 mg/Tag oral).
Warum ist Biotin in der Schwangerschaft wichtig?
Ein leichter Biotinmangel ist in der Schwangerschaft relativ häufig (9). Der Tagesbedarf ist offiziell zwar nicht höher als bei Nicht-Schwangeren, jedoch deutet dies darauf hin, dass in dieser Lebensphase vielleicht doch mehr davon benötigt wird, als man glaubt.
Biotin ist für die Zellteilung, den Gewebeaufbau und die Entwicklung des Embryos zentral. Es wird in der Schwangerschaft schneller abgebaut. In Tiermodellen führte bereits ein leichter Mangel zu Fehlbildungen (10).
Man sollte in der Schwangerschaft also auf jeden Fall auf eine ausreichende Zufuhr achten. In vielen Multivitaminpräparaten für Schwangere ist es enthalten.
Wo ist das Vitamin enthalten?
Besonders reich an Biotin sind die folgenden Lebensmittel (zur Erinnerung: der Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt bei durchschnittlich 40 µg):
100 g Tempeh liefern 53 µg Biotin. Das ist eine Portionsgröße, die Sie z. B. gut in einem Pfannengericht verwenden können.
In 35 g Sonnenblumenkernen – also etwa einer Handvoll – sind 40 µg enthalten.
Wenn Sie sich 30 g Erdnussbutter (ca. 2 EL) aufs Brot schmieren oder in eine Sauce geben, erhalten Sie 20 µg. Dieselbe Menge ist in einer Handvoll Haselnüssen enthalten.
Auch 140 g gegarte Austernpilze oder Kräuterseitlinge liefern 20 µg. Von gegarten Champignons müssten Sie etwas mehr essen, um auf diese Menge zu kommen: 165 g liefern 20 µg.
Sind Eier eine gute Quelle?
Oft werden gekochte Eier als Quelle angegeben. Sie liefern pro Ei etwa 10 µg, sind also keine bessere Quelle als Pilze, Sojaprodukte oder Sonnenblumenkerne.
Rohe Eier enthalten Avidin. Dieses Protein kann Biotin so gut binden, dass man davon aus dem jeweiligen Ei nichts aufnimmt.
Mixt man rohe Eier mit anderen biotinhaltigen Lebensmitteln, z. B. mit Haferflocken für einen Shake, dann kann das Ei-Avidin sogar noch einen guten Teil des Biotins in den Haferflocken binden.
Wie kann man den Biotinspiegel messen lassen?
Der Biotinspiegel kann im Blut gemessen werden. Als grobe Referenzwerte gelten etwa 200 bis 1200 Nanogramm pro Liter (ng/l). Niedrige Werte deuten auf einen Mangel hin, hohe Werte entstehen meist durch Nahrungsergänzungen.
Die Werte können jedoch stark schwanken – abhängig von der letzten Mahlzeit oder einer Supplementeinnahme.
Welche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Biotin?
Zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel enthalten Vitamin B7 – häufig in Kombination mit weiteren Stoffen. Welche davon sind sinnvoll?
Haut-Haar-Nagel-Präparate
Biotin wird oft in Haut-Haar-Nagel-Präparaten eingesetzt. Diese enthalten neben dem Vitamin meist Zink und Selen. Solche Präparate dürfen mit der Aussage „für normale Nägel“ werben, da diese für Zink und Selen zugelassen ist.
* Dies ist ein Biotin-Zink-Selen-Kombipräparat mit 10 mg Biotin pro Tag.
Auch die Kombination mit Bambusextrakt (wegen des enthaltenen Siliziums) ist in solchen Präparaten nicht unüblich.
* Dies ist ein solches Haut-Haar-Nägel-Präparat mit 5 mg Biotin, Zink, Selen, Silizium und weiteren Spurenelementen und Vitaminen.
Manchmal ist auch Keratin oder Kollagen enthalten. Die Haare und die Nägel bestehen aus Keratin, wie eingangs beschrieben. Biotin und Keratin ergänzen sich, da das Vitamin die Keratinproduktion unterstützt. Biotin wirkt aber auch ohne zusätzliches Keratin.
Kollagen ist ebenfalls Bestandteil von Haaren, Nägeln sowie der Haut. Es ist wichtig für die Hautelastizität. Biotin und Kollagen verstärken sich nicht gegenseitig – auch hier ist es eher eine Ergänzung und nicht unbedingt nötig.
Biotin wird durch die Kombination mit all diesen Stoffen nicht besser aufgenommen und umgekehrt. Sie sind unabhängig voneinander.
Oft dient die Kombination eher dazu, gleich mehrere Mängel auszuschließen (z. B. bei Zink und Selen) oder auch um werbewirksame Aussagen machen zu dürfen.
Das Vitamin ist in Haut-Haar-Nagel-Präparaten häufig in hohen Dosen (über 2,5 mg) enthalten.
B-Komplexe
Daneben kommt Vitamin B7 in Vitamin-B-Komplexen vor – meist in normalen Dosen von 30 bis 200 µg. Sie decken den Tagesbedarf ab, wodurch man einem Mangel vorbeugen kann.
* Hier erhalten Sie einen B-Komplex mit 150 µg Biotin pro Tag.
Wer bereits Mangelsymptome hat, greift besser zu einem höher dosierten Biotin-Präparat.
Reines Biotin
In Nahrungsergänzungen wird ausschließlich D-Biotin verwendet. Das ist die biologisch aktive Form. Ein reines Biotin-Präparat ist sinnvoll, wenn ein Mangel vorliegt, den man gezielt beheben möchte (z. B. mit 5 bis 10 mg täglich).
Achten Sie darauf, dass keine überflüssigen Zusatzstoffe enthalten sind. Weitere Informationen rund um die Einnahme und Dosierung folgen weiter unten.
* Hier finden Sie ein reines Biotin-Präparat mit 10 mg pro Tag. (Die Packung reicht für 1 Jahr).
Enthält Priorin auch Biotin?
Das klassische Priorin® - ein Nahrungsergänzungsmittel vom Pharmariesen Bayer, das gegen Haarausfall beworben wird - enthält kein Biotin.
Seine Zusammensetzung besteht hauptsächlich aus Hirseextrakt, Weizenkeimöl, L-Cystin (eine schwefelhaltige Aminosäure, die ein Bestandteil des Haarproteins Keratin ist) und Vitamin B5.
Das Produkt enthält jedoch eine zahlreiche überflüssige Hilfsstoffe wie Gelatine, Sorbit, Glycerin, Bienenwachs, Sojalecithin, Magnesiumoxid und Farbstoffe.
Nur Priorin® Extra enthält zusätzlich Biotin – und zwar 200 µg pro Tagesdosis, aber ebenfalls die genannten Zusatzstoffe.
Kann man Minoxidil mit Biotin kombinieren?
Minoxidil – ein Haarwachstumsmittel, das äußerlich angewandt wird – enthält kein Biotin. Indem es die Kopfhaut und die Haarfollikel stimuliert, hat es einen anderen Wirkmechanismus. Man kann es bei einem Mangel gut mit Biotin kombinieren.
Ist in Bierhefe Biotin enthalten?
Bierhefe enthält mehrere B-Vitamine, darunter auch Biotin. Die Mengen sind jedoch sehr gering, so dass man auch bei hohen Dosen nur wenig davon aufnimmt.
Wie und in welcher Dosis nimmt man Biotin?
Biotin-Präparate enthalten üblicherweise hohe Dosen von 2,5 mg bis zu 12 mg. Sie machen nur bei einem Mangel Sinn. Reine Präparate mit niedrigen Dosen im µg-Bereich sind eher die Ausnahme.
Wer seinen Haaren und Nägeln lediglich etwas Gutes tun oder einem Mangel vorbeugen möchte, kann aber ruhig ein Präparat in niedriger Dosierung nehmen – z. B. den oben genannten Vitamin-B-Komplex mit 150 µg pro Tag.
Man kann das Vitamin unabhängig von den Mahlzeiten nehmen. Es wird im Dünndarm aufgenommen und von der Nahrung kaum beeinflusst. Eine Aufteilung auf mehrere Kapseln pro Tag ist nicht nötig. Auch die Tageszeit ist nicht relevant.
Um eine Wirkung zu erzielen, sollte man es über einen längeren Zeitraum nehmen – nicht nur sporadisch oder als Kur.
Wie oben beschrieben hemmt rohes Ei die Aufnahme, also das Präparat nicht mit original Tiramisu oder ähnlichen Rezepten einnehmen, die rohe Eier enthalten.
Was passiert, wenn man zu viel Biotin nimmt?
Biotin gilt als sehr sicher, da überschüssige Mengen über den Urin ausgeschieden werden. Bisher ist es zu keinen schädlichen Wirkungen durch eine Überdosierung gekommen – selbst bei hohen Dosen von bis zu 20 mg pro Tag.
Auch für Schäden auf die Leber oder die Schilddrüse gibt es keinerlei Hinweise. Die EFSA und das Bundesamt für Risikobewertung haben entsprechend keinen oberen Grenzwert festgelegt.
Bei Niereninsuffizienz können die Biotinspiegel im Blut bei hohen Dosen viel stärker steigen als bei Gesunden. Biotin wird vorwiegend über die Nieren ausgeschieden und verbleibt dann länger im Körper.
Das ist nicht direkt schädlich, könnte aber zu verfälschten Labortests führen, wie wir im nächsten Absatz beschreiben.
Kann Biotin den Urin verfärben?
Nein, das Vitamin verfärbt den Urin nicht. Nimmt man einen Vitamin-B-Komplex ein, der auch Biotin enthält, kann der Urin eine leuchtend gelbe Farbe annehmen. Dies kommt aber nicht vom Biotin, sondern vom Vitamin B2.
Wie Biotin Labortests verfälschen kann
Hochdosiertes Biotin kann Labortests erheblich verfälschen (z. B. bei Schilddrüsenwerten, Sexualhormonen, Vitamin B12 und Folsäure, Tumor- sowie Herzmarkern und Schwangerschaftstests).
Die Laborwerte können durch überschüssiges Biotin im Blut zu hoch oder zu niedrig angezeigt werden.
Wird z. B. täglich 5 mg Biotin eingenommen, kann der Troponin-Test bei Verdacht auf Herzinfarkt falsch negativ ausfallen. Ein Patient hat also einen Herzinfarkt, aber der Laborwert zeigt, alles ist bestens, weil Biotin den Testmechanismus blockiert.
Auch kann Biotin den TSH-Wert sehr niedrig und gleichzeitig die beiden Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 zu hoch ausfallen lassen, so dass man glaubt, der Patient hätte eine Schilddrüsenüberfunktion, was aber gar nicht der Fall ist.
Genauso werden Cortisolwerte zu niedrig angezeigt, was auf eine Nebenniereninsuffizienz hinweisen würde (wäre es nicht das Biotin, das den Wert verfälscht).
Biotin aus der Nahrung soll die Tests offenbar nicht beeinflussen. Wenn Dosen über dem Tagesbedarf eingenommen werden, sollte man vorsichtshalber mind. zwei bis drei Tage vor Blutabnahmen darauf verzichten.
Wenn Sie aufgrund eines Notfalls in die Klinik kommen, sollten Sie (oder Ihre Angehörigen) unbedingt auf die Biotin-Einnahme hinweisen.
Wie schnell ist ein Mangel behoben?
Bei einem Mangel können Symptome wie Hautausschläge und Müdigkeit relativ schnell besser werden – innerhalb von Tagen bis Wochen.
Wer also glaubt, einen Mangel zu haben, aber den Spiegel nicht messen lassen möchte, kann es gut eine Zeit lang ausprobieren.
Wenn es um die Haare und die Nägel geht, dauert es länger. Um die Wirkung beurteilen zu können, sollte man Biotin mind. 2 bis 3 Monate einnehmen, besser noch länger.
Biotin kann nur an der Wurzel zur Bildung neuer, gesunder Haarzellen beitragen und Haare wachsen nur rund 1 cm pro Monat. Es dauert also, bis man einen Unterschied feststellen kann.
Die aktuellen Haare können sich durch die Einnahme also nicht verändern. Man braucht somit nicht erwarten, dass sich z. B. Spliss bessert.
Auch die Nägel müssen herauswachsen, um sich einmal komplett zu erneuern – das dauert bei den Fingern 4 bis 6 und bei den Füßen 9 bis 12 Monate. Verbesserungen sieht man aber schon vorher an der nachwachsenden Nagelbasis (dem sogenannten Nagelmond).
Parallel zur Biotin-Einnahme versucht man bei einem Mangel die Ursache herauszufinden und zu beheben, damit man nicht langfristig auf die Einnahme angewiesen ist.
Kann man das Vitamin bei Histaminintoleranz nehmen?
Biotin hat keine bekannte schädliche Wirkung bei Histaminintoleranz. Es ist kein histaminhaltiger Stoff und kein Histaminliberator. Es ist auch nicht direkt am Histamin-Stoffwechsel beteiligt.
Fazit: Biotin ist ein essentielles Vitamin für Stoffwechsel, Energie und Schönheit
Mit einer abwechslungsreichen Ernährung lässt sich der Bedarf meist gut decken. In bestimmten Situationen können Nahrungsergänzungen sinnvoll sein – besonders wenn man zu den Risikogruppen für einen Mangel gehört oder bereits Symptome hat, die auf einen Mangel hinweisen.