Was sind Nachtschattengewächse?

Die Nachtschattengewächse (Solanaceae) sind eine Pflanzenfamilie aus vielen hundert Pflanzenarten. Dazu zählen grösstenteils Zierpflanzen (wie die Petunie oder die Engelstrompete) und Wildpflanzen, wovon einige als deutlich giftig gelten, etwa der Schwarze Nachtschatten, die Tollkirsche oder das Bilsenkraut. Ein paar wenige Nachtschattenarten gehören jedoch auch zu den Nahrungspflanzen des Menschen - siehe die folgende Liste.

Liste der essbaren Nachtschattengewächse

Die nachfolgende Liste zeigt die wichtigsten Lebensmittel aus der Gruppe der Nachtschattengewächse:

  • Tomaten
  • Paprika
  • Auberginen
  • Chili
  • Kartoffeln (Süsskartoffeln gehören nicht zu den Nachtschattengewächsen)
  • Physalis (auch Andenbeere oder Kapstachelbeere genannt)
  • Gojibeere
  • Baumtomate (auch als Tamarillo bekannt)

Warum heissen Nachtschattengewächse eigentlich Nachtschattengewächse?

Die genaue Herkunft des Namens "Nachtschatten" ist nicht bekannt. Es wird lediglich spekuliert. Ursprünglich wurde damit jedoch lediglich der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum) bezeichnet - und nicht eine ganze Pflanzenfamilie, wie es heute der Fall ist.

Der Begriff soll aus dem Althochdeutschen stammen, so dass Schatten u. U. auch Schaden bedeuten könnte und Nacht auf eine Art geistige Umnachtung hinweist, die einen ereilt, wenn man die unreifen Beeren des Schwarzen Nachtschattens isst.

Eine andere Erklärung ist, dass man aus manchen wild wachsenden Nachtschattengewächsen (z. B. Tollkirsche, Bilsenkraut und Schwarzer Nachtschatten) im Mittelalter Heiltränke gekocht hat, um Alpträume (nächtliche Schatten) zu vertreiben.

Interessant ist hier, dass selbst der als Giftpflanze bekannte Schwarze Nachtschatten in manchen Ländern eine Gemüse- und Obstpflanze ist. Seine Blätter werden wie Spinat zubereitet (das Kochwasser muss mehrmals ausgetauscht und weggeschüttet werden) und seine reifen(!) Beeren als Obst gegessen. Da der Schwarze Nachtschatten extrem trockentolerant ist, verwundert es nicht, dass man ihn insbesondere in afrikanischen Ländern als Nahrungsmittel nutzt.

Wie kommt es, dass Nachtschattengemüse von manchen Autoren als schädlich bezeichnet werden?

Eigentlich gibt es schon lange Stimmen, die den Nachtschattengewächsen nicht so wohlgesonnen sind. Rudolf Steiner etwa (1861 – 1925), der Begründer der Anthroposophie, riet von einem übermässigen Verzehr von Nachtschattengemüsearten ab. Besonders die Kartoffel hielt er für ungünstig. Denn während die Wurzel einer Pflanze (z. B. Rettiche oder Möhren) die geistige Entwicklung fördere, sei eine Knolle etwas, das nie ganz zur Wurzel geworden sei und daher eine eher materialistische Denkweise fördere. Der Geist hingegen bekomme keine Nahrung mehr. Auch die anderen Nachtschattengemüse betrachtete er als für die geistige Entwicklung grösstenteils schädlich.

Steiner begründete seine Lehre auf Erkenntnissen, die er auf übersinnlichem Wege erlangte. Der ehemalige Kardiologe Dr. Steven Gundry (*1944) jedoch bezeichnet konkrete Inhaltsstoffe in den Nachtschattengewächsen als problematisch, wenn nicht gar als schädlich.

Er ist es auch, der mit seinem Buch „The Plant Paradox“ den derzeitigen Anti-Nachtschatten- bzw. Anti-Lektin-Hype auslöste. Der Titel der deutschen Ausgabe von Gundrys Buch lautet vielsagend: „Böses Gemüse: Wie gesunde Nahrungsmittel uns krank machen“. Das Buch erschien im Februar 2018.

Was sind Lektine?

Nach Dr. Gundrys Ansicht sind Lektine DIE Ursache für chronische Erkrankungen wie Arthritis, Diabetes, Autoimmunerkrankungen (z. B. Hashimoto) und Herz-Kreislauf-Beschwerden, aber auch für Übergewicht. Meide man lektinhaltige Lebensmittel, dann werde man ruckzuck schlank und gesunde auch noch auf fast wundersame Weise.

Lektine gehören zu den Proteinen, wobei jede Pflanze ihr arttypisches Lektin enthält. Es gibt also sehr viele unterschiedliche Lektine mit teilweise völlig anderen Eigenschaften.

Lektine seien zum Schutz der Pflanze vor Fressfeinden da, heisst es immer wieder. Der Mensch nun gehöre aus Sicht der Pflanze ebenfalls zu den Feinden – so Gundry – und müsse vertrieben bzw. geschädigt werden, was die Pflanze mit Hilfe der Lektine versuche umzusetzen.

Nur was nützt der Pflanze eine Strategie, die vom Menschen gar nicht wahrgenommen wird. Schliesslich wird kaum jemand unmittelbar nach dem Verzehr von Tomate, Paprika & Co. krank – Allergiker ausgenommen. Die Schäden entwickeln sich ja – wenn überhaupt – schleichend über viele Jahre hinweg. Also meidet auch kaum jemand diese Lebensmittel. Die These mit den Schutzstoffen vor Fressfeinden muss also in Bezug auf den Menschen stark in Frage gestellt werden.

Warum können Lektine schädlich sein?

Es heisst nun, Lektine binden sich an die Schleimhautzellen des Darms und schränken deren Funktion ein. Die Darmbarriere werde dadurch gelockert und das Leaky Gut Syndrom gefördert. Daraufhin könnten die Lektine auch in die Blutbahn gelangen, sich dort an Blutzellen binden und zu deren Verklumpung führen.

Aufgrund dieser Eigenschaft entstand übrigens auch die Blutgruppendiät nach Peter J. D’Adamo, der glaubte, dass es von der Blutgruppe abhänge, welche Lebensmittel man vertrage bzw. auf welche Lektine man empfindlich reagiere. Wissenschaftlich belegt ist diese These jedoch noch nicht.

Lektine könnten sich auch an andere Zellen binden und auf diese Weise zu Organschäden oder auch einer Insulinresistenz (Diabetesvorstufe) führen. Insgesamt sollen Lektine entzündungsfördernde, nerven- und zelltoxische Eigenschaften aufweisen sowie das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen können.

Welche Lektine sind tatsächlich gefährlich?

Tatsächlich gefährliche Lektine (das sog. Phasin) befinden sich in rohen Bohnen (Kernbohnen und grünen Bohnen). Daher ist wohl jedem bekannt, dass man Bohnen nur gekocht essen sollte, da sie andernfalls – je nach verspeister Menge – zu Durchfall und extremer Übelkeit, aber auch zum Tode führen können.

In welchen Lebensmitteln sind Lektine enthalten?

Gundry jedoch sagt, dass nicht nur Hülsenfrüchte, sondern viele andere Lebensmittel ebenfalls reichlich Lektine enthalten würden und aus diesem Grunde künftig besser gemieden oder ganz speziell zubereitet werden sollten (siehe weiter unten):

  • Hülsenfrüchte (inkl. Erdnüsse und Sojaprodukte (ausser fermentierte Sojaprodukte wie Tempeh))
  • Nachtschattengewächse
  • sämtliche Getreide (ausser Hirse), besonders Vollkornprodukte, während Weissmehl super sei, auch könne man laut Gundry getrost dann und wann polierten Basmati-Reis essen
  • Pseudogetreide (Quinoa, Amaranth, Buchweizen)
  • viele Nussarten (z. B. Walnüsse, Cashewkerne u. a.)
  • Ölsaaten (Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Chiasamen etc.)
  • Kürbisse (inkl. Zucchini)
  • Gurken
  • Melonen und
  • jegliches Obst inkl. Beeren (ausser Avocados)

Manche dieser Lebensmittel könnten weiterhin gegessen werden, wenn man auf eine bestimmte Zubereitungsart achtet. Siehe weiter unten unter: Wie kann man Lektine aus Lebensmitteln entfernen?

Welche Studien belegen die Schädlichkeit von Nachtschattengewächsen?

Wissenschaftliche Belege dazu, dass essbare Nachtschattengewächse bzw. die Lektine, die mit diesen Gemüsen aufgenommen werden, grundsätzlich für jeden schädlich sind, wie Dr. Gundry behauptet, gibt es nicht. Er hat lediglich an sich selbst entsprechende Beobachtungen machen können und später auch an seinen Patienten, denen er eine lektinfreie Ernährung (LFE) empfahl und denen es angeblich schnell wieder besser ging – ganz gleich, woran sie zuvor gelitten hatten.

Im Zusammenhang mit Arthritis liegt jedoch eine Studie aus dem Jahr 1993 vor. Darin heisst es, dass die Ernährung ein wichtiger ursächlicher Faktor bei der Entstehung einer Arthritis darstelle, was natürlich nicht bezweifelt wird, wie wir schon hier erklärten.

Anhand von Umfragen unter 1400 Freiwilligen über einen Zeitraum von 20 Jahren zeigte sich, dass der regelmässige Konsum von Nachtschattengewächsen bei entsprechend sensitiven Menschen (!) eine Arthritis mitverursachen kann. Allerdings zählte auch das Rauchen dazu (da Tabak ebenfalls ein Nachtschattengewächs ist?). Wurden Nachtschattengewächse aus der Ernährung gestrichen (und noch andere Änderungen im Speiseplan durchgeführt), konnte man eine deutliche Verbesserung der Arthritis und auch der allgemeinen Gesundheit feststellen.

Wer sollte sich lektinfrei ernähren?

Da bei der LFE jedoch eine Entschlackungskur vorausgeht, überdies Getreide und damit Gluten gemieden wird, weniger Fleisch gegessen wird und nur Milchprodukte von ausgewählter Qualität auf den Tisch kommen, viel Gemüse und reichlich Salate auf dem Speiseplan stehen, sämtliche Fertiggerichte inkl. Zucker tabu sind und Gundry überdies das Intervallfasten empfiehlt, kann es durchaus sein, dass bereits diese äusserst gesundheitsfördernden Massnahmen zur entsprechenden Genesung führen - und dies auch dann tun würden, wenn man zusätzlich Nachtschattengemüse essen würde.

Ob daher die von Gundry als problematisch betrachteten Lebensmittel gemieden werden müssen, sollte jeder für sich selbst ausprobieren, der nach einer mehrwöchigen Umstellung auf eine „normale“ gesunde Ernährung noch keine Besserung feststellen kann.

Wer natürlich beim Lesen dieses Artikels sofort sagt, oh ja, ich habe Tomaten, Paprika und Auberginen noch nie gut vertragen, kann natürlich gleich mit der LFE loslegen oder zumindest die Nachtschattengemüse einmal meiden und schauen, ob dies tatsächlich das für ihn/sie passende Genesungskonzept sein könnte.

Wie kann man Lektine aus Lebensmitteln entfernen?

Lektine befinden sich insbesondere in der Haut und den Kernen der Gemüse, gerade dort also, wo auch sehr viele wertvolle Vitalstoffe enthalten sind, so dass sich die Frage stellt, ob man das Lebensmittel nicht viel eher entwertet, wenn man diese Teile entfernt. Denn genau das soll man tun, wenn man sich lektinarm ernähren und dennoch Nachtschattengewächse essen möchte.

Tomaten werden also vor dem Verzehr eine halbe Minute in kochend heisses Wasser gelegt, dann in Eiswasser abgeschreckt, gehäutet, halbiert und mit einem Löffel entkernt. Auch Paprika solle man häuten, entkernen wird man sie natürlich sowieso.

Kartoffeln sollten zunächst gekocht und geschält werden. Das Kochwasser giesst man weg (was man aber für gewöhnlich sowieso tut), da darin Lektine und Solanin gelöst vorliegen.

Lektine im Getreide lassen sich offenbar nicht reduzieren/entfernen. Pseudogetreide wie Buchweizen und Quinoa aber müsse man laut Gundry einfach nur im Schnellkochtopf zubereiten, wo die Lektine dieser Samen zerstört würden. Hirse sei von Natur aus lektinfrei, da sie sowieso nur geschält im Handel sei und die meisten Lektine in der Schale sitzen. Für Braunhirse, die ungeschält ist, dürfte Gundrys Freifahrtschein nicht gelten.

Kernbohnen wie z. B. Rote Kidneybohnen sollten eine Stunde gekocht werden (wenn sie zuvor nicht eingeweicht wurden; Einweichen über Nacht würde die Kochzeit auf etwa 15 Minuten verkürzen). Dann sind keine Lektine mehr enthalten. Im Schnellkochtopf sollen 30 Minuten bei uneingeweichten Bohnen ausreichend sein. Bohnen aus der Dose oder dem Glas müssen nicht mehr gekocht werden. Sie sind bereits lektinfrei.

Können Lektine auch nützlich sein?

Wie überall, so verhält es sich auch bei den Lektinen so, dass sie zwar gefährlich werden können, wenn man sie im Übermass verzehrt – mit z. B. einem Salat aus rohen Kernbohnen (der generell als giftig und daher auch in Kleinstmengen als nicht empfehlenswert gilt).

In jenen Mengen aber, wie Lektine in einer gesunden Vollwertkost enthalten sind, weisen diese Stoffe sogar eher gesundheitliche Vor- denn Nachteile auf. Studien haben gezeigt, dass manche Lektine die Darmfunktionen bessern, das Krebswachstum eindämmen, ganz konkret vor Darmkrebs schützen und Übergewicht abbauen helfen.

Wie sinnvoll und glaubwürdig sind Lektin-Studien?

Sowohl Studien, die zeigen, dass Lektine gefährlich sein können, als auch Studien, die den Lektinen positive Auswirkungen bescheinigen, wurden stets mit isolierten und konzentrierten Lektinpräparaten noch dazu meist im Reagenzglas mit Zellkulturen durchgeführt, aber nicht mit lektinhaltigen Lebensmitteln bei Mensch oder Tier.

Auch werden in Lektin-Studien häufig Lektine verwendet, die gar nicht aus unseren Nahrungspflanzen stammen, sondern aus anderen sehr lektinreichen Pflanzen (z. B. aus dem Bleistiftstrauch), da man überprüfen möchte, ob man aus diesen stark wirksamen Lektinen Arzneimittel herstellen kann.

Interessant ist, dass Galactose, ein Kohlenhydrat, das in vielen Gemüsen und Früchten enthalten ist (auch in Nachtschattengemüsen, Hülsenfrüchten etc.), manche krebserregenden Lektine binden kann und auf diese Weise vor Krebs schützt – ein möglicher Hinweis darauf, dass die Natur vorgesorgt hat und eben nicht das Schadpotential eines einzelnen Stoffes betrachtet werden sollte, sondern das Lebensmittel in seiner Gesamtheit.

Ist Solanin in Nachtschattengewächsen schädlich?

Neben den Lektinen wird an den essbaren Nachtschattengewächsen auch ein möglicher Solaningehalt bemängelt. Solanin ist ein Pflanzenstoff aus der Gruppe der Alkaloide. Vergiftungen mit Solanin kommen heute so gut wie nicht mehr vor, da moderne Tomaten- und Kartoffelsorten extrem solaninarm sind.

Achtet man dann noch darauf, bei Kartoffeln keine grünen Knollen zu verspeisen und mögliche Austriebe zu entfernen und auch darauf, nur reife Tomaten zu verwenden, ist Solanin heute kein Thema mehr – es sei denn, man reagiert überempfindlich auf Solanin und damit auf solaninhaltige Lebensmittel.

Genau wie Lektine wird das Solanin für entzündliche Erkrankungen verantwortlich gemacht – von Fibromyalgie über Migräne bis hin zu Gelenkschmerzen und Depressionen gibt es fast nichts, das von einschlägigen Portalen nicht dem Solanin in die Schuhe geschoben wird.

Da nicht nur Nachtschattengewächse, sondern auch andere Nahrungsmittel Solanin enthalten können, wie etwa Blau- und Heidelbeeren, Äpfel, Kirschen und Okra, wird natürlich auch von diesen Lebensmitteln abgeraten, obwohl es keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg gäbe, dass diese Früchte in irgendeiner Form schaden könnten. Im Gegenteil, auch hier überwiegen die Vorteile eindeutig – jedoch natürlich wiederum nicht für jene Menschen, die hier eine individuelle Unverträglichkeit entwickelt haben könnten.

Enthalten Nachtschattengewächse Calcitriol?

Ein weiterer Nachteil von Nachtschattengewächsen sei, dass diese Calcitriol enthielten, so die Kritiker (u. a. die Weston A. Price Foundation, die bereits durch ihr Soja-Bashing bekannt wurde und zu einer Ernährung rät, die reichlich Fleisch, Innereien, Knochenmarkbrühen und Milchprodukte enthält).

Calcitriol ist das aktive Vitamin D (1,25-Dihydroxycholecalciferol). Es handelt sich also nicht um Vitamin D3 (aus z. B. Nahrungsergänzungen), das erst in der Leber und dann in den Nieren über mehrere Schritte in das aktive Vitamin umgewandelt werden muss, sondern um die bereits aktivierte Endform dieses Vitamins. Calcitriol ist es dann auch, dem all die positiven Vitamin-D-Eigenschaften zugeschrieben werden, etwa die verbesserte Calciumresorption aus dem Darm.

Und genau dieses Calcitriol soll in Tomaten und den übrigen Nachtschattengemüsen enthalten sein. Das klingt erst einmal sehr gut. Denn warum nicht gleich das aktive Vitamin aufnehmen, so dass es der Körper nicht erst mühevoll selbst umwandeln muss? Die Umwandlung hat jedoch einen sehr wichtigen Sinn. Sie verhindert eine Überdosis an aktivem Vitamin D und sorgt dafür, dass immer nur jene Vitamin-D-Mengen aktiviert werden, die der Organismus gerade benötigt.

Daher gibt es auch keine Nahrungsergänzungen, die direkt Calcitriol enthalten, sondern nur Präparate mit der Vorstufe Vitamin D3. Andernfalls könnte es bei einer falschen Dosierung rasch zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen, etwa einer zu hohen Calciumaufnahme aus dem Darm, was sodann zu einer sog. Kalzinose führen kann, einer krankhaften Ablagerung von Calciumsalzen in den Blutgefässen (Arteriosklerose, koronare Herzkrankheit), der Haut (Sklerodermie), den Nieren (Nephrokalzinose) und auch in den Gelenken (Rheuma).

Esse man nun also Nachtschattengemüse, so heisst es, käme es im Verlauf der Jahre zu genau dieser Kalzinose mit all ihren krankhaften Erscheinungen.

Auf der Suche nach Belegen für einen relevanten Calcitriolgehalt in Nachtschattengemüsen findet man jedoch lediglich Studien, die zeigen, dass die Blätter und Stängel von Nachtschattengewächsen Calcitriol enthalten, nicht aber die Früchte. Und da kein Mensch Tomatenpflanzen oder Auberginenblätter isst, liegen Studien zu dieser Thematik auch nur im Zusammenhang mit der Ernährung von Nutztieren vor. Hier untersuchte man die kalzinogene Wirkung verschiedener Nachtschattenpflanzen, die für die menschliche Ernährung nicht relevant sind, wie etwa Solanum glaucophyllum u. a.

In einer ausführlichen Studie zum Thema Vitamin D in Pflanzen (von 2017) wird von einer Untersuchung berichtet, in der man Ratten (mit Vitamin-D-Mangel) einen Extrakt aus Tomatenblättern gab. Der Calciumspiegel im Blut stieg deutlich an, was darauf hinweist, dass in den Tomatenblättern tatsächlich Calcitriol, also aktives Vitamin D enthalten sein könnte. Die Gabe von Tomatenfrüchten aber zeigte keine derartige Wirkung!

Es ist also davon auszugehen, dass Nachtschattenkritiker sich auf den Calcitriolgehalt der Pflanzen/Blätter beziehen (die jedoch stark giftig sind und daher nicht verzehrt werden). Die Früchte aber der typischen Nachtschattengemüse aus der menschlichen Ernährung (Tomaten, Auberginen etc.), sind höchstwahrscheinlich frei von Calcitriol und bergen daher vermutlich auch nicht die Gefahr einer schleichenden Kalzinose.

Soll man Nachtschattengewächse und Lektine in jedem Fall meiden?

Wie oben mehrfach erwähnt, kann es natürlich auch individuelle Unverträglichkeiten auf die Gruppe der Nachtschattengemüse oder generell auf lektinhaltige Lebensmittel geben. Im Allgemeinen aber gelten sowohl die essbaren Nachtschattengewächse als auch lektinhaltige Lebensmittel als sehr gesund.

Tomaten beispielsweise sind bekannt für ihre krebshemmende Wirkung, auch werden sie für eine herzgesunde Ernährung empfohlen. Ihr hoher Lycopingehalt wird ausserdem für eine positive Wirkung auf die Prostata verantwortlich gemacht.

Auch liegen zahlreiche Studien vor, die zeigen, dass eine gemüsereiche Ernährung und auch eine ballaststoffreiche Ernährung, die u. a. auch Nachtschattengewächse und lektinreiche Vollkornprodukte enthält, mit einer besseren Gesundheit einhergeht, so dass auch aus diesem Grund nicht von einer grundsätzlichen Schädlichkeit dieser Lebensmittel ausgegangen werden kann.

Sehen Sie dazu auch unseren Film, in dem das Thema Lektine besprochen wurde.

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