5-HTP - Die Vorstufe von Serotonin
- 5-HTP ist eine direkte Vorstufe von Serotonin und wird deshalb vor allem eingesetzt, um Stimmung, Schlaf und innere Ausgeglichenheit zu unterstützen.
- Im Vergleich zu L-Tryptophan gilt die Substanz als zielgerichteter, weil sie leichter in die Serotoninbildung einfließen kann und dabei einige Umwandlungshürden umgeht.
- Besonders häufig wird der Stoff (als Nahrungsergänzung) bei Depressionen, Angstzuständen, Schlafproblemen, Migräne, Heißhunger und Fibromyalgie, wobei die Wirkung individuell unterschiedlich ausfallen kann.
- Wichtig sind eine vorsichtige Dosierung und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten.
5-HTP bei Depressionen und Stimmungsschwankungen
5-HTP ist eine Aminosäure und die direkte Vorstufe von Serotonin. Das heißt, aus dem Stoff wird im Körper in nur einem Schritt Serotonin hergestellt. Serotonin gilt als jenes Hormon, das die Stimmung reguliert, Aggressionen hemmt und Ängste vertreibt.
Bei Depressionen, Angstzuständen und Stimmungsschwankungen wird daher gerne ein Serotoninmangel vermutet und infolgedessen empfohlen, Maßnahmen zur Erhöhung des Serotoninspiegels zu ergreifen. 5-HTP ist eine solche Maßnahme.
In unserem Artikel Serotoninspiegel natürlich erhöhen finden Sie zahlreiche Möglichkeiten, Ihren Serotoninspiegel auf natürliche Weise steigen zu lassen. Nachfolgend geht es hingegen ausschließlich um eine dieser Möglichkeiten, nämlich um die Einnahme von 5-HTP.
Früher war der Stoff ein geläufiges Antidepressivum
Die Abkürzung 5-HTP steht für 5-Hydroxytryptophan. Achtung: Serotonin wird manchmal als 5-Hydroxytryptamin bezeichnet und dann mit 5-HT abgekürzt. 5-HT ist also nicht gleich 5-HTP. Eine weitere Bezeichnung für 5-HTP ist hingegen Oxitriptan.
In den 1970er und 1980er Jahren wurde 5-HTP routinemäßig bei Depressionen verordnet. Dann aber erschienen die heute so weit verbreiteten Antidepressiva vom Typ der Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) auf dem Markt und verdrängten die Substanz.
Heute gibt es den Stoff nicht mehr als Arzneimittel, sondern "nur" noch in Form eines Pflanzenextrakts als Nahrungsergänzungsmittel.
Auch die Aminosäure L-Tryptophan wurde und wird immer wieder zur Erhöhung des Serotoninspiegels (20) und damit zur Stimmungsaufhellung oder auch zur Schlafförderung angepriesen. Denn L-Tryptophan ist die Vorstufe von 5-HTP und damit ebenfalls eine Vorstufe von Serotonin.
(Zur Schlafförderung deshalb, weil aus Serotonin abends das Schlafhormon Melatonin gebildet wird.)
Allerdings hat 5-HTP einige Vorteile gegenüber der Einnahme von L-Tryptophan:
Die Vorteile des Stoffes gegenüber L-Tryptophan
Während 5-HTP die direkte Vorstufe des Serotonins ist, handelt es sich bei L-Tryptophan um die Vorstufe von 5-HTP. Man überspringt einen Schritt, was die Serotoninherstellung massiv vereinfacht und beschleunigt, denn gerade der erste Schritt ist mit allerlei Komplikationen verbunden.
1. Umwandlung von L-Tryptophan in 5-HTP unterliegt vielen Einflüssen
Die Umwandlung von L-Tryptophan in 5-HTP kann von vielen Faktoren blockiert werden, z. B. von verschiedenen Vitalstoffmängeln, von einem hohen Stresshormonspiegel oder von starken Blutzuckerschwankungen.
Überspringt man diesen Schritt, umgeht man alle diese möglichen Risikofaktoren, die einer Serotoninbildung aus L-Tryptophan im Wege stehen würden.
2. Transport von L-Tryptophan ins Gehirn ist oft ein Problem
Außerdem muss L-Tryptophan, um im Gehirn zu Serotonin werden zu können, erst einmal ins Gehirn gelangen – und genau das ist oft ein Problem. Denn L-Tryptophan ist nicht die einzige Aminosäure, die ins Gehirn möchte.
Meist sind die anderen Aminosäuren schneller und besetzen die Transporter durch die Blut-Hirn-Schranke (10), so dass L-Tryptophan keinen Platz mehr bekommt.
3. L-Tryptophan hat noch viele andere Aufgaben
Das nächste Problem ist, dass L-Tryptophan nicht ausschließlich für die Serotoninherstellung zuständig ist. Die Aminosäure hat noch viele andere Einsatzgebiete im Körper.
Es sollen gar nur 3 Prozent des mit der Nahrung aufgenommenen L-Tryptophans in Serotonin umgewandelt werden.
Nun wird Serotonin aber nicht nur im Gehirn benötigt, sondern auch im übrigen Körper, z. B. für die Regulierung der Darmperistaltik, der Gefäße und des Appetits (11). Für alle diese Aufgaben werden 95 Prozent des Gesamtserotonins benötigt. Für die Bildung des Gehirnserotonins bleibt da oft nicht mehr viel übrig.
Leider ist außerdem die Blut-Hirn-Schranke für das Körperserotonin nicht durchgängig (7). Das Gehirn muss also immer selbst das von ihm benötigte Serotonin herstellen (8).
5-HTP wird zu fast 100 Prozent zu Serotonin umgebaut
5-HTP hat nun im Gegensatz zu L-Tryptophan nur eine einzige Aufgabe, nämlich in Serotonin verwandelt zu werden.
Das bedeutet: Fast 100 Prozent des eingenommenen 5-HTP werden auch tatsächlich zu Serotonin umgebaut. Auch hat der Stoff kein Problem, die Blut-Hirn-Schranke zu passieren.
Die Einnahme scheint somit ein verführerisch einfaches Mittel zu sein, den Serotoninspiegel zu heben und Probleme wie Depressionen, Stimmungsschwankungen und Angstzustände zu lösen. Doch auch hier gibt es Faktoren, die berücksichtigt werden müssen:
Lebensmittel enthalten so gut wie kein 5-HTP
Die L-Tryptophan-Versorgung kann leicht über die Ernährung sichergestellt werden. L-Tryptophanreiche Lebensmittel sind z. B. Nüsse, Getreide, Hülsenfrüchte, Erdnüsse, Cashewkerne, Quinoa und Tofu.
Bei 5-HTP ist das nicht der Fall. Denn der Stoff ist so gut wie überhaupt nicht in Lebensmitteln enthalten.
In unreifen Bananen – jedoch nur in bestimmten Bananensorten – sollen gewisse nicht näher definierte Mengen enthalten sein, liest man manchmal. Ob es sich um jene Bananen handelt, die in unseren Supermärkten erhältlich sind und welchen Unreifegrad sie aufweisen müssen, ist uns nicht bekannt. Eine Versorgung mit dem Stoff über Bananen ist daher nicht realistisch.
Nahrungsergänzung: 5-HTP aus Griffonia
In den Samen einer afrikanischen Pflanze, der Afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia), entdeckte man außergewöhnlich hohe 5-HTP-Gehalte und nutzt diese Pflanze seither als Rohstoff für die Herstellung von Präparaten.
* Hier z. B. finden Sie 5-HTP-Kapseln aus Griffonia.
Die Wirkungen des Stoffes
Neben Depressionen, Ängsten, Panik und Stimmungsschwankungen, gibt es noch weitere Einsatzgebiete, etwa Schlafstörungen, Übergewicht, Hitzewallungen in den Wechseljahren (31), Fibromyalgie und Migräne.
Bei Kopfschmerzen und Migräne
Bei Migränepatienten oder Patienten, die häufig an Kopfschmerzen leiden, liegen oft niedrige Serotoninspiegel vor. Gleichzeitig helfen Arzneimittel, die im Gehirn wie Serotonin wirken, indem sie an die Serotoninrezeptoren andocken (Serotoninrezeptor-Agonisten).
In einer Studie von 1986, die im Fachmagazin European Neurology veröffentlicht wurde, hatte man 124 Migränepatienten entweder 5-HTP oder Methysergid gegeben (18)
Methysergid ist ein Medikament, das zur Migräneprophylaxe eingesetzt wurde, das heute aber – wegen starker Nebenwirkungen – nicht mehr auf dem Markt ist.
In der Methysergid-Gruppe berichteten 75 Prozent der Patienten von einer signifikanten Verbesserung ihrer Beschwerden. In der 5-HTP-Gruppe waren es 71 Prozent, die nun weniger intensive und gleichzeitig viel kürzere Migräneattacken hatten (3).
Nebenwirkungen waren in der Methysergid-Gruppe häufiger als in der anderen Gruppe.
Bei Übergewicht
Eine wichtige Aufgabe des Serotonins ist u. a. die Regulierung des Appetits. Ein Serotoninmangel könnte daher auch dazu führen, dass man viel zu viel isst und ständig Appetit hat, obwohl man längst ausreichend Kalorien verspeist hat.
In verschiedenen Studien zeigte sich, dass 5-HTP in etlichen Fällen den Appetit zügeln und erfolgreich beim Abnehmen helfen konnte (27).
Geringere Kalorienaufnahme
Die University of Rome beispielsweise führte 1989 eine Doppelblind-Studie durch, in der übergewichtige Frauen fünf Wochen lang täglich 8 mg 5-HTP pro Kilogramm Körpergewicht und Tag oder ein Placebo zu sich nahmen.
Die Frauen aßen währenddessen normal, führten also keine Diät durch. Zwar änderte sich an der Stimmungslage dieser Frauen nichts, doch nahmen sie weniger Kalorien zu sich (38 Prozent weniger, in der Placebogruppe nur 20 Prozent weniger) und verloren entsprechend an Gewicht (30).
Weniger Appetit
In zwei weiteren Doppelblind-Studien dieser Universität von 2012 ergaben sich ähnliche Ergebnisse.
Die Einnahme von 750 bzw. 900 mg 5-HTP pro Tag (was heute als eine zu hohe Dosis gilt, die mit Nebenwirkungen einhergehen könnte) führte bei übergewichtigen Männern und Frauen im Laufe von zwei bzw. sechs Wochen zu einem verminderten Appetit (48).
Sie nahmen weniger Kohlenhydrate auf, waren früher satt und verloren mehr Gewicht (51), als dies in der jeweiligen Placebogruppe der Fall war.
Weniger Fettmasse
In einer 8-wöchigen doppelblinden Studie von 2022 nahmen sportlich aktive Erwachsene täglich 100 mg 5-HTP oder ein Placebo ein. Sie sollten ihr Training und ihre Ernährung nicht verändern.
Am Ende der Studie war die Fettmasse in der Wirkstoff-Gruppe signifikant gesunken (55), in der Placebogruppe nicht. Die Verträglichkeit war insgesamt gut.
Bei Schlafstörungen
Je gesünder der Serotoninspiegel, umso gesünder ist zumeist auch der Melatoninspiegel, der eine Voraussetzung für gesunden Schlaf darstellt. Wenn es daher gelingt, den Serotoninspiegel mit 5-HTP zu optimieren, dann reguliert sich u. U. auch der Melatoninspiegel, was nun wiederum dazu beiträgt, Schlafprobleme zu beheben.
Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es zunächst zu einer gegenteiligen Wirkung kommen kann und die Substanz erst einmal wach macht, dann aber "eine Kaskade physiologischer Prozesse auslöst, die den anschließenden Schlaf fördern" – so eine Untersuchung der University of Texas im Jahr 2000.
Dabei ist die Wirkung des Stoffes auf die Schlafqualität, die Schlafdauer und die Einschlafphase auch abhängig von der Dosis und vom einzelnen Menschen und seinem Stoffwechsel, seinem Neurotransmitterspiegel, seiner L-Tryptophanversorgung, seinem Vitalstoffstatus und vielem mehr.
Daher ist es oft am besten, mit viel Fingerspitzengefühl und kleinen Anfangsdosen die individuell richtige Vorgehensweise vorsichtig auszutesten.
Schlafstörungen bei Kindern
Im Jahr 2004 wurden im European Journal of Pediatrics die Ergebnisse einer Studie mit Kindern veröffentlicht, die an Schlafstörungen (Nachtangst) gelitten hatten. Obwohl im Allgemeinen davon abgeraten wird, Kindern die Substanz zu geben, wurde in dieser Untersuchung genau das getan.
Die Studienteilnehmer waren 45 Kinder zwischen 3 und 10 Jahren. 31 erhielten 20 Tage lang jeweils vor dem Schlafengehen 2 mg 5-HTP pro Kilogramm Körpergewicht. 29 Kinder reagierten äußerst positiv auf das Mittel und konnten viel besser schlafen (1).
In der Placebogruppe war dies nur bei einem knappen Drittel der Kinder der Fall. Auch noch nach sechs Monaten waren die meisten Kinder der Wirkstoff-Gruppe beschwerdefrei, in der Placebogruppe litten hingegen über 70 Prozent weiterhin an ihrer Nachtangst.
Besserer Schlaf, höherer Serotoninspiegel
Forscher aus Singapur testeten 2024, wie sich die Einnahme von 5-HTP bei älteren Erwachsenen mit Schlafstörungen auswirkt (54).
Nach 12-wöchiger Einnahme verbesserte sich die Schlafqualität und der Serotoninspiegel im Blut stieg. In der Kontrollgruppe war dies nicht der Fall.
Außerdem war interessant: Bei den Personen, die zu Beginn schlecht schliefen, nahm die Diversität der Darmflora im Laufe der Studie zu. Dies könnte darauf hinweisen, dass der Stoff auch über die Darm-Hirn-Achse den Schlaf verbessern könnte.
Bei Fibromyalgie
Die Fibromyalgie ist nach wie vor eine recht rätselhafte Erkrankung. Sie zählt zu den rheumatischen Erkrankungen und geht mit chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen (46), Schlafstörungen, Reizdarm und Müdigkeit einher.
Details zur Fibromyalgie, mögliche Ursachen sowie ganzheitliche Maßnahmen haben wir u. a. im Artikel Fibromyalgie – Ursachen und Maßnahmen beschrieben.
Bei der Fibromyalgie wird vermutet, dass häufig ein zu niedriger Serotoninspiegel vorliegt, denn Maßnahmen, die den Serotoninspiegel erhöhen, führen nicht selten zu einer Besserung der Beschwerden (12).
Zur Fibromyalgie wurden bereits Anfang der 1990er Jahre klinische Studien mit 5-HTP durchgeführt. Eine doppelblinde und placebokontrollierte Untersuchung von 1990 zeigte, dass sich alle klinischen Parameter der Fibromyalgie durch die Einnahme des Stoffes bessern ließen (28).
Im April 1992 schrieben Forscher von der Universitätsklinik in Mailand, dass die Hälfte der Fibromyalgie-Patienten, die mit der Substanz behandelt wurden, innerhalb von 90 Tagen eine Besserung ihrer Beschwerden erlebten (41) – nur 30 Prozent berichteten von Nebenwirkungen.
Bei Depressionen, Panikattacken und Angstzuständen
Nach wie vor ist nicht eindeutig geklärt, wie und warum Depressionen entstehen. Häufig wird bezweifelt, ob tatsächlich in jedem Fall ein Absinken des Serotoninspiegels beteiligt ist. Depressionen, Panikattacken und Angstzustände werden daher vermutlich mehrere Ursachen gleichzeitig haben (42).
Diese Ursachen können außerdem bei jedem Menschen wieder ganz anders geartet sein. So ist es kein Wunder, dass Antidepressiva bei manchen Patienten gut wirken, bei anderen aber gar nicht (37).
Genauso verhält es sich bei 5-HTP. Manche Betroffene reagieren darauf mittelmäßig, andere verspüren nichts und wieder andere sind dank des Stoffes plötzlich beschwerdefrei.
Deshalb ist die Studienlage bei Depressionen gemischt
In Sachen Depressionen gibt es zu der Substanz enorm viele Studien, die meisten stammen aus den 1970er und 1980er Jahren, eben aus jener Zeit, als 5-HTP und auch L-Tryptophan noch gegen Depressionen verordnet wurden.
Die Ergebnisse waren nie einheitlich, mal zeigte der Stoff Wirkung, ein andermal war die Wirkung nicht überzeugend (38). Doch was bedeutet "nicht überzeugend"?
Interessant ist dabei folgendes: Wenn ein Mittel gegen Depressionen bei z. B. 40 Prozent der Patienten die Symptome lindert oder beheben kann, wird dies nicht als Wirkung anerkannt.
Denn offenbar verhält es sich bei depressiven Patienten so, dass diese ganz besonders empfänglich für Placeboeffekte sind – was heißt, dass meist auch in den entsprechenden Placebogruppen bei 30 bis 40 Prozent der Patienten eine Besserung eintritt (17).
Also wird ein Mittel erst dann als wirksam anerkannt, wenn wirklich die überwältigende Mehrheit der Patienten darauf anspricht. Das aber ist gerade bei Depressionen nicht möglich, da – wie oben erklärt – diese Krankheit viele unterschiedliche Ursachen haben kann.
Aus diesem Grund wird nicht jedes Mittel bei jedem Patienten die gleiche Wirkung haben, weshalb ein Ergebnis von 40 Prozent durchaus als sehr gut einzustufen ist (22).
Bei Depressionen ähnliche Wirkung wie Antidepressiva
Aus dem Jahr 2013 liegt jedoch eine randomisierte und doppelblinde Studie mit optimalen Ergebnissen vor. 60 depressive Patienten nahmen acht Wochen lang 5-HTP oder Fluoxetin (ein Antidepressivum). Beide Mittel waren ähnlich wirksam.
In der 5-HTP-Gruppe konnte die Depression bei 73,3 Prozent der Teilnehmer, in der Fluoxetin-Gruppe bei 80 Prozent der Teilnehmer merklich gebessert werden (38).
Die Besserung der Depressionen konnte schon nach zwei Wochen der Einnahme beobachtet werden – und zwar in allen Schweregraden.
In einer jüngeren Übersichtsarbeit von 2020 zeigte sich bei Depressionen ein deutlicher Rückgang der Symptome durch 5-HTP (53). Die Probanden nahmen 5 Tage bis 8 Wochen lang Dosen zwischen 150 bis 3.250 mg pro Tag ein – teilweise wurden die Dosen schrittweise gesteigert.
Die Remissionsrate (komplette Symptomfreiheit) lag bei 65 % - und zwar umso eher, je länger die Einnahme erfolgte.
Bei Panikattacken
Im Juni 2004 las man im Journal of Psychopharmacology, dass der Stoff (täglich 200 mg) zumindest bei Frauen eine mindernde Wirkung bei Panikattacken zeigte (21), bei Männern aber nicht.
Bei Zwangsstörungen
In einer 12-wöchigen Doppelblindstudie von 2020 erhielten 60 Erwachsene mit mittlerer bis schwerer Zwangsstörung zusätzlich zu Fluoxetin entweder 2-mal 100 mg 5-HTP pro Tag oder ein Placebo.
Unter der Serotonin-Vorstufe sanken die Symptome stärker und Remissionen waren häufiger (25). Die Verträglichkeit war insgesamt gut. Bauchschmerzen und Verstopfung traten unter 5-HTP etwas häufiger auf, schwere Nebenwirkungen wurden aber nicht beobachtet.
Die Einnahme des Stoffes
Wie nimmt man die Substanz nun am besten ein?
Vitalstoffe, die begleitend nötig sind
Wenn Sie sich für die Einnahme des Stoffes entscheiden sollten, dann achten Sie darauf, mit ausreichend Vitamin B6 (9) und Zink versorgt zu sein, denn diese beiden Vitalstoffe sind direkt an der enzymatisch gesteuerten Umwandlung von 5-HTP zu Serotonin beteiligt.
Natürlich sollten Sie mit allen Vitalstoffen gut versorgt sein, denn viele beeinflussen den Serotoninspiegel auf die eine oder andere Weise (z. B. Vitamin B12, Magnesium, Vitamin C usw.). Bestehen daher Vitalstoffmängel, können diese den Serotoninhaushalt beeinträchtigen, was verhindert werden sollte.
Schließlich ist es nicht besonders sinnvoll, auf der einen Seite etwas einzunehmen, um den Serotoninspiegel zu heben und auf der anderen Seite Faktoren zu vergessen, die den Spiegel wieder senken.
Welche Produkte sind in Deutschland verboten?
Die Substanz wird meist aus der Afrikanischen Schwarzbohne (Griffonia simplicifolia) hergestellt. Produkte enthalten daher entsprechende Extrakte.
5‑HTP-Extrakte über 30 % – also hochkonzentriert – gelten seit Anfang der 2020er Jahre als neuartig („novel food“) und dürfen grundsätzlich nicht in der EU verwendet oder verkauft werden.
Nur standardisierte Extrakte bis 30 % sind zulässig. Reine 5-HTP-Kapseln gibt es also nicht. Diese sind aber auch nicht nötig, da es inzwischen 30-prozentige Extraktpräparate mit ausreichend hohen Gehalten gibt.
Das * Produkt von effective nature zum Beispiel liefert pro 225 mg Extrakt 45 mg 5-HTP, also 20 %.
Die Dosierung und Einnahme
Ein bis zwei Stunden nach der Einnahme ist der Stoff vollständig im Blutkreislauf angelangt. 4,3 Stunden nach der Einnahme ist bereits die Hälfte des eingenommenen Stoffes wieder aufgebraucht.
Daher – und auch zur Reduzierung möglicher Nebenwirkungen – sind mehrere kleine Dosen pro Tag sinnvoller als eine Einzeldosis.
Das University of Maryland Medical Center rät zu nicht mehr als 150 bis 300 mg 5-HTP (aufgeteilt in täglich drei Dosen, also dreimal täglich 50 bis 100 mg).
In der Praxis könnte das so aussehen: Man startet – bei Depressionen, Gewichtsabnahme, Kopfschmerzen und Fibromyalgie – mit je 50 mg dreimal täglich.
(Allerdings sind uns derzeit keine 50-mg-Kapseln bekannt, man müsste die 100-mg-Kapseln teilen).
Wenn man nach zwei Wochen keine Wirkung verspürt, erhöht man die Dosis auf je 100 mg dreimal täglich. Mit dieser vorsichtigen Dosierung reduziert man das Risiko möglicher Nebenwirkungen beträchtlich (32).
Bei Schlaflosigkeit nimmt man 100 bis 300 mg 30 bis 45 Minuten vor dem Schlafengehen.
Auch hier beginnt man mit der niedrigen Dosis (100 mg) und steigert diese erst nach frühestens drei Tagen auf z. B. 150 mg, nach einigen weiteren Tagen auf 200 mg und so weiter.
600 mg pro Tag stellen das absolute Maximum dar – eine Dosis, die an mancher Stelle bei Depressionen und Angstzuständen empfohlen wird (auf zwei Dosen pro Tag verteilt – je eine morgens und abends).
Eine solche Dosis dürfte dann auch nicht mit z. B. L-Tryptophan kombiniert werden.
5-HTP kann – im Gegensatz zu L-Tryptophan – mit den Mahlzeiten eingenommen werden. Lediglich wenn man den Stoff zur Gewichtsabnahme einsetzen möchte, nimmt man ihn 20 Minuten vor den Mahlzeiten.
* Hier erhalten Sie ein Präparat mit 100 mg pro Kapsel und hier ein höher dosiertes mit 200 mg pro Kapsel.
Kombinationen mit anderen Präparaten
Oft ist es sinnvoll, verschiedene (sich gegenseitig verstärkende) Maßnahmen miteinander zu kombinieren, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Beginnen Sie – ganz gleich, welche Kombination Sie probieren möchten – mit einem der Mittel.
Erst nach einigen Tagen nehmen Sie das zweite hinzu, nach weiteren 3 bis 4 Tagen das dritte (falls ein drittes bei der gewählten Kombination dabei ist).
Sollte bereits das erste Mittel ausreichen, werden die anderen nicht benötigt. Diese Vorgehensweise hilft auch dabei, sofort zu erkennen, wenn gegen eines der Mittel oder gegen die Kombination eine Unverträglichkeit vorliegt.
Kombination mit Rhodiola rosea
200 bis 600 mg Rhodiola Rosea auf zwei Dosen aufgeteilt, wobei die erste Dosis morgens vor dem Frühstück eingenommen werden sollte, die andere vor dem Mittagessen.
Kombination mit L-Tryptophan und/oder Melatonin
Beachten Sie, dass im Allgemeinen von einer gemeinsamen Einnahme des Stoffes mit L-Tryptophan abgeraten wird, weil man einen Serotonin-Überschuss befürchtet, weshalb die Dosierung wohl durchdacht sein sollte.
Alle drei Mittel werden kurz vor dem Schlafengehen genommen: 500 bis 1.500 mg L-Tryptophan, 50 bis 100 mg 5-HTP und 0,5 bis 1 mg Melatonin.
Kombination mit Johanniskraut
Man nimmt 3-mal täglich je 300 bis 350 mg Johanniskrautextrakt (standardisiert auf 0,3 Prozent Hypericin und 2 bis 3 Prozent Hyperforin) und 3-mal täglich 50 – 100 mg 5-HTP.
Kombination mit Passiflora (Passionsblume)
Bei dieser Kombi könnte man 1- bis 2-mal täglich 5-HTP nehmen (morgens und mittags) – wenn 2-mal täglich, dann je 100 - 200 mg, wenn 1-mal täglich, dann 200 - 400 mg – und 1-mal täglich Passionsblumenextrakt (abends vor dem Zubettgehen) 500 - 1000 mg.
Wechselwirkungen mit Medikamenten
Insbesondere wenn Sie Medikamente nehmen, müssen Sie eine Einnahme mit Ihrem Therapeuten abklären, da der Stoff mit etlichen Medikamenten in Wechselwirkung gehen kann (36), insbesondere natürlich mit Antidepressiva, aber auch mit Triptanen (Migränemitteln), Parkinsonmedikamenten, manchen Schmerzmitteln und vielen anderen mehr.
Wenn Sie an Bluthochdruck, Diabetes, Leber- oder Nierenkrankheiten oder anderen chronischen Erkrankungen leiden, ist ebenfalls Rücksprache mit dem Arzt angezeigt (26).
In Schwangerschaft und Stillzeit und für Kinder?
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, sollten Sie den Stoff nicht verwenden.
Kinder sollten den Stoff nicht bekommen – und wenn doch, so nur in Absprache mit dem Kinderarzt.
Mögliche Nebenwirkungen
Aufgrund seines Wirkmechanismus kann der Stoff zu Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Bauchweh, Blähungen, Völlegefühl oder auch Sodbrennen führen.
Dies kann jedoch zumeist verhindert werden, wenn man mit niedrigen Dosen beginnt, diese auf mehrere Einzeldosen pro Tag aufteilt, sie langsam steigert, zu hohe Dosen vermeidet und das Präparat mit dem Essen einnimmt.
Eine Überdosierung könnte auch das Serotoninsyndrom auslösen, was eine Folge von zu viel Serotonin darstellt (35). Die Symptome wären Ruhelosigkeit, plötzliche Muskelzuckungen, Schüttelfrost, Schwitzen und Zittern und sollten den Betroffenen zum Arzt führen (49).
Bei einer Überempfindlichkeit oder auch Allergie auf die Substanz kann es zu Juckreiz kommen. In diesem Fall ist der Wirkstoff nicht geeignet.
Auch könnte es sein, dass der Stoff bei langfristiger Anwendung in hohen Dosierungen das Gleichgewicht im Neurotransmitterstoffwechsel verschiebt, z. B. zu einem Dopaminmangel führt.
Denn die 5-HTP braucht dasselbe Enzym (AADC) wie die Vorläufer von Dopamin. Das Enzym macht aus 5-HTP Serotonin und aus den Dopamin-Vorstufen Dopamin. Wird sehr viel 5-HTP zugeführt, könnte die Dopaminbildung dadurch beeinträchtigt werden, weil zu viel AADC für die Serotoninbildung benötigt wird und nur noch wenig davon für die Dopaminbildung übrig ist. Der Stoff ist also nicht zur Daueranwendung geeignet (52).
Der Peak-X-Skandal
Im Jahr 1989 kam der Verdacht auf, Präparate mit L-Tryptophan könnten bei etwa 1.500 Personen in den USA (und 500 in Deutschland) der Auslöser des sog. Eosinophilie-Myalgie-Syndroms (EMS) gewesen sein.
Die Erkrankung war bis dahin nahezu unbekannt. Sie hat sich in starken Muskelschmerzen, Hautveränderungen und teilweise irreversiblen Organschäden geäußert und soll in zwölf Fällen zum Tode geführt haben.
Der tatsächlich Schuldige war jedoch nicht das L-Tryptophan an sich, sondern möglicherweise eine Verunreinigung desselben mit einem nervengiftigen Nebenprodukt namens Tryptophan-4,5-dion, das manchmal auch als Peak X bezeichnet wird.
Grund für diese Verunreinigung soll ein bestimmtes mikrobiologisches Herstellungsverfahren bei einem japanischen Hersteller (Showa Denko) gewesen sein. Allerdings wurde nie geklärt, ob es tatsächlich besagte Verunreinigungen waren, die zu den EMS-Fällen geführt hatten.
5-HTP-Präparate scheinen diesbezüglich sicherer zu sein, da sie nicht im Labor mit Hilfe von Mikroorganismen, sondern aus der Afrikanischen Schwarzbohne hergestellt werden.
Dennoch hieß es einst, dass auch manche 5-HTP-Präparate Peak X enthalten hätten. Die enthaltenen Peak-X-Mengen waren jedoch – falls überhaupt vorhanden – so klein, dass nur enorm hohe Überdosen zu einem Gesundheitsproblem hätten führen können.
Im Jahr 2004 las man dann auch in Toxicology Letters:
Trotz eines weltweiten Einsatzes von 5-HTP ergaben sich [in den letzten 20 Jahren] keine Ereignisse, die auf eine Giftigkeit von 5-HTP hätten hinweisen können. Ausgiebige Analysen ganz unterschiedlicher 5-HTP-Quellen ergaben keine toxischen Verunreinigungen, die mit jenen vergleichbar wären, die sich seinerzeit in L-Tryptophan finden ließen, und auch keine anderen bedeutsamen Verunreinigungen.
Da in den Jahren 1988 bis 2003 die ersten Serotoninwiederaufnahmehemmer SSRI auf den Markt kamen (z. B. Fluoxetin 1988 in den USA und 1990 in Deutschland), wird an manchen Stellen spekuliert, dass die Pharmaindustrie beim Peak-X-Skandal ihre Finger im Spiel hatte. Dass beides zeitgleich geschah, kann aber natürlich auch Zufall gewesen sein.
Fazit: 5-HTP in ein ganzheitliches Konzept einbauen
5-HTP ist in jedem Fall ein Stoff, der in den entsprechenden Dosierungen auch pharmakologische Wirkung zeigt. Dies ist auch der Grund dafür, dass als Nahrungsergänzungsmittel nur noch Griffonia-Präparate mit maximal 30-prozentigem Gehalt geduldet werden. Reine Präparate sind nicht mehr erhältlich.
Je nach Extraktmenge findet man aber nach wie vor Produkte, die wirksame Mengen enthalten (zwischen 100 und 200 mg).
Setzen Sie aber dennoch bei Beschwerden lieber ein ganzheitliches Therapiekonzept um, statt allein auf die Substanz zu hoffen. In unserem Artikel Depressionen - Natürliche Maßnahmen als Begleittherapie stellen wir das ganzheitliche Konzept bei Depressionen vor.
Daher sollte auch weniger eine langfristige Einnahme von 5-HTP oder anderer Mittel geplant werden. Diese stellen vielmehr Übergangslösungen dar, bis das ganzheitliche Konzept greift.
Update 29.5.2025
Wir haben den Artikel aktualisiert.
Update 26.9.2025
Dieser Artikel wurde komplett ersetzt.