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Süssholz: Natürliches Heilmittel so süss wie Lakritz

Süssholz: Natürliches Heilmittel so süss wie Lakritz

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(Zentrum der Gesundheit) – Die Süssholzwurzel – der Rohstoff für Lakritz – zählt zu den ältesten Heilmitteln der Menschheit und ist aus der traditionellen Heilkunde nicht wegzudenken. Mehr als 400 Inhaltsstoffe sorgen für eine überaus umfassende Heilkraft. Bei Erkältungskrankheiten, Magenproblemen und Geschwüren im Magen-Darm-Bereich wird die Süssholzwurzel in Europa sogar von Schulmedizinern empfohlen. Der Grund dafür ist, dass die Süssholzwurzel nicht nur Bakterien, wie z. B. den Magenkeim Helicobacter pylori, sondern auch Grippe- und Bronchitis-Viren bekämpfen kann.

Süssholz raspeln

In längst vergangenen Zeiten, als Zucker noch ein seltener Luxus der Reichen war, wurde die Wurzel des Süssholzes gern als Süssungsmittel verwendet. Wenn nun ein nicht ganz so reicher Mann seiner Angebeteten eine Freude machen wollte, raspelte er etwas Süssholz und schenkte es ihr – als Zeichen seiner Liebe. Heute raspeln im übertragenen Sinne jene Menschen Süssholz, die in übertriebener Weise Komplimente machen, die Schmeichler also und die Schönredner.

Wer nicht schmeicheln, sondern wahrhaftes Süssholz raspeln will, beispielsweise um einen Tee zuzubereiten, der nimmt dazu nicht etwa das Holz eines Baumstammes, wie man vielleicht denken könnte, sondern die Wurzel eines mehrjährigen Strauches, der sich Echtes Süssholz nennt oder Glycyrrhiza glabra.

Das Echte Süssholz – Ein Strauch mit aromatischer Wurzel

Das Echte Süssholz stammt ursprünglich aus Zentral- und Südwestasien sowie dem Mittelmeergebiet. Es zählt wie die Bohne, die Erbse und die Erdnuss zu den Schmetterlingsblütlern und Hülsenfrüchtlern. Im Gegensatz zu diesen aber nutzt man nicht die Samen des mehrjährigen Süssholz-Strauches. Stattdessen steht seine Wurzel im Fokus der Naturheilkunde.

Es gibt etwa 20 bis 30 Glycyrrhiza-Arten. In Europa gelten neben dem Echten Süssholz seit dem Jahr 2005 auch die beiden Süssholzarten Glycyrrhiza uralensis und Glycyrrhiza inflata als anerkannte Heilpflanzen. Sie werden im Volksmund beide als Chinesisches Süssholz bezeichnet.

Lakritze aus Süssholz, Geliermittel und Zucker

Die Süssholzwurzel (Liquiritiae radix) ist den meisten Menschen ein Begriff, da aus ihr Lakritze gewonnen wird. Für die beliebte Süssigkeit stellt man zunächst aus der Süssholzwurzel einen Extrakt her. Dazu kocht man die Süssholzwurzeln mit Wasser aus, presst sie ab und dampft sie nach dem Filtrieren ein. Diesen Extrakt vermischt man dann mit Mehl, einem Geliermittel, Aromen und Zucker – fertig ist die süsse Lakritz.

Darüber hinaus dient die Süssholzwurzel bereits seit Jahrtausenden als Heilmittel, das sowohl in der traditionellen europäischen als auch in der traditionellen asiatischen Medizin eine herausragende Rolle einnimmt.

Ein uraltes Heilmittel

In der traditionellen chinesischen Medizin wurde die Süssholzwurzel bereits im Shennong ben cao jing, dem ältesten bekannten Buch über Heilpflanzen, beschrieben. Sie wurde etwa als Stärkungsmittel für die Muskeln und Knochen, zur Glättung der Haut sowie als Gegenmittel bei Vergiftungen eingesetzt und zählt im heutigen China zu den zehn wichtigsten Naturheilmitteln.

Ausserdem fand das Süssholz in der vorchristlichen Zeit in babylonischen und altägyptischen Quellen als Heilpflanze Erwähnung. Den alten Ägyptern diente die Süssholzwurzel als Grabbeigabe, was auf die hohe Wertschätzung hindeutet. Da die Süssholzwurzel hilft, Hunger und Durst zu überwinden, glaubte man, dass die Wurzel den toten Pharaonen den Weg ins Jenseits erleichtern könnte.

Diesen Effekt sollen sich auch die Skythen, ein nomadisches Reitervolk, zunutze gemacht haben, um Wüsten und Steppen leichter durchqueren zu können. Sie kauten dazu einfach auf einem Stück Süssholzwurzel. Heute weiss man, dass die appetitzügelnde Wirkung daher kommt, dass die Süssholzwurzel das Sättigungshormon Leptin aktiviert.

In Mittel- und Nordeuropa etablierte sich die Süssholzwurzel erst im Mittelalter zu einem festen Bestandteil der Hausapotheke. Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen beschrieb das Heilmittel als wirksam bei Lungenleiden und Verdauungsbeschwerden.

Die Anwendungsgebiete heute

Heute gelten die folgenden Anwendungsbereiche der Süssholzwurzel als wissenschaftlich belegt:
 

  • Erkältungskrankheiten der oberen Luftwege (Husten, Bronchialkatarrh)
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie Gastritis
     

Laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), welche für die Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln zuständig ist, kann die Süssholzwurzel begleitend zudem bei diesen Beschwerden eingesetzt werden:
 

  • Entzündungen
  • Allergien
  • Oxidativer Stress
  • Viren und Bakterien
  • Krebs
  • Thrombosen
  • Diabetes
  • Lebererkrankungen
  • Absterben von Nervenzellen und Nervenfasern
     

Die Wirkstoffe

Die Süssholzwurzel zählt zu den am besten untersuchten pflanzlichen Heilmitteln. Sie enthält zahlreiche Wirkstoffe, von denen bislang rund 400 identifiziert wurden. Zu den wichtigsten zählen – laut einer Studie an der Beijing University of Chinese Medicine – mehr als 20 Triterpensaponine.

Eines dieser Saponine ist das sog. Glycyrrhizin, das auch für den süssen Geschmack der Süssholzwurzel zuständig ist. Es ist gar 50-mal süsser als Haushaltszucker. Beim Glycyrrhizin handelt es sich genau genommen um das Salz der Glycyrrhizinsäure. Die beiden Begriffe werden jedoch oft synonym verwendet.

Neben dem Glycyrrhizin stecken in der Süssholzwurzel rund 300 Flavonoide. Sie sind u. a. für die gelbe Färbung der Wurzel verantwortlich, haben jedoch auch heilende Wirkungen. Laut einer Übersichtsarbeit iranischer Forscher von der University of Medical Science, weisen die Flavonoide der Süssholzwurzel die folgenden Eigenschaften auf:
 

  • Sie wirken gegen Bakterien, Parasiten, Viren und Krebs.
  • Sie können eine östrogenähnliche Wirkung haben (auf die Knochen, die Brust etc.) und gelten daher als Phytoöstrogene.
  • Sie regen die Gallenfunktion an.
  • Sie haben eine antioxidative Wirkung.
  • Sie helfen bei der Prävention von Übergewicht, Alzheimer, Diabetes und weiteren altersbedingten degenerativen Erkrankungen.
     

Besonders spannend ist, dass das Süssholz eine antivirale Wirkung zeigt. Denn während viele Heilpflanzen oder auch Lebensmittel (Kresse, Zwiebeln, Knoblauch etc.) antibakterielle Eigenschaften mit sich bringen, ist eine Wirkung gegen Viren eher selten.

Mit Süssholz gegen Viren

Viren gelten als Ursache für Grippe, SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom), Herpes, Hepatitis C, HIV und viele Krankheiten mehr. Bei einigen dieser Erkrankungen weiss man längst, wie gut das Süssholz die Therapie unterstützen kann:

1. Infekte der Atemwege – Erkältung und Grippe

Da die Süssholzwurzel sowohl gegen Viren als auch gegen Bakterien wirkt und entzündungshemmende, schleimlösende, antioxidative sowie immunmodulierende Eigenschaften hat, ist sie das ideale Heilmittel bei einem grippalen Infekt oder auch einer Grippe.

Eine doppelblinde Studie am National Defense Medical College in Japan hat gezeigt, dass Glycyrrhizin die natürliche Immunreaktion erhöht, Viren in ihrem Wachstum hemmt und diese sogar inaktiviert. Koreanische Forscher von der Chosun University haben überdies in einer Studie herausgefunden, dass die Wirkstoffe der Süssholzwurzel gegen diverse Grippeviren aktiv sein können. Das Besondere daran ist, dass damit auch resistente Viren unschädlich gemacht werden können, wogegen die üblichen Anti-Viren-Medikamente – z. B. mit dem Wirkstoff Oseltamivir – oft nicht mehr helfen.

Oseltamivir ist ein bei Grippe verschriebenes, aber umstrittenes Virustatikum, da es u. a. im Verdacht steht, bei Kindern und Jugendlichen Entzündungen im Gehirn zu verursachen. Naturheilmittel wie die Süssholzwurzel weisen im Vergleich dazu selten Nebenwirkungen auf und sind auch in Bezug auf die Wirksamkeit zuverlässiger.

Anwendung bei Erkältung und Grippe

Insbesondere bei Husten bzw. einem Bronchialkatarrh hat sich die Süssholzwurzel bewährt. Aus diesem Grunde ist die Süssholzwurzel ein fester Bestandteil vieler pflanzlicher Hustensäfte. Während etwa codeinhaltige Hustensäfte einfach nur den Hustenreiz ausschalten, regen die Saponine der Süssholzwurzel die Schleimproduktion an und erleichtern das Abhusten, was den natürlichen Heilprozess fördert.

Da es üblich ist, stark wirkende Heilmittel wie die Süssholzwurzel mit anderen Heilpflanzen zu kombinieren, wodurch auch die Bandbreite der Wirkung gesteigert werden kann, könnten Sie bei Bedarf z. B. auf diese Teemischung zurückgreifen (nach Apotheker Peter Theiss), die im fortgeschrittenen Stadium der Bronchitis empfohlen wird:
 

  • 30 g Thymian
  • 20 g Königskerzenblüten
  • 20 g Anis
  • 20 g Schlüsselblumenwurzel
  • 10 g Süssholzwurzel
     

Pro Tasse (150 ml) nimmt man 1 TL der Kräutermischung, übergiesst sie mit kochendem Wasser und lässt sie 10 Minuten ziehen. Natürlich kann immer auch ein reiner Süssholzwurzeltee getrunken werden. Bei Grippe wird ein Extrakt jedoch zuverlässiger wirken, da dieser höher konzentriert ist als ein Tee.

2. SARS

Die Infektionskrankheit SARS wurde im Jahr 2003 von der WHO als weltweite Bedrohung eingestuft. 2002/2003 kam es zu einer Pandemie, wobei innerhalb eines halben Jahres rund 1.000 Menschen gestorben sein sollen. Eine spezielle schulmedizinische Therapie gibt es noch nicht und es ist auch keine in Sichtweite. Wissenschaftler von der Frankfurt University Medical School entdeckten, dass Glycyrrhizin SARS-Viren hemmen kann. Sie schlugen vor, die Süssholzwurzel für die Behandlung von SARS zukünftig in Erwägung zu ziehen.

3. HIV

Es steht mittlerweile ausser Frage, dass die Süssholzwurzel gegen das HI-Virus wirkt. So haben japanische Forscher bereits im Jahr 1989 eine Studie veröffentlicht, die gezeigt hat, dass eine tägliche Gabe von 150 bis 225 Milligramm Glycyrrhizin den Ausbruch der Krankheit AIDS verhindern bzw. zumindest hinauszögern kann. Während nach zwei Jahren 3 von 10 Patienten der Kontrollgruppe an AIDS erkrankten bzw. daran starben, blieben alle 10 Patienten der Glycyrrhizin-Gruppe verschont.

Inzwischen steht fest, dass Glycyrrhizin die T-Suppressorzellen im Blut senkt und HI-Viren hemmt. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Süssholzwurzel AIDS heilen kann. Da aber Studien zufolge eine hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) in Kombination mit Glycyrrhizin besser wirkt, kann es bei einer HI-Infektion durchaus sinnvoll sein, unterstützend Süssholzwurzeltee zu trinken oder einen Süssholzwurzelextrakt einzunehmen.

4. Hepatitis C

In der traditionellen japanischen Medizin wird die Süssholzwurzel nun bereits seit langem zur Behandlung von chronischen Lebererkrankungen eingesetzt. Seit einigen Jahrzehnten werden in Japan Patienten mit Hepatitis B und C klinisch mit dem Süssholzwurzelextrakt Stronger Neo-Minophagen C (SNMC) behandelt. Der Extrakt wird jedoch mittels Injektionen verabreicht, so dass wir an dieser Stelle nicht näher auf dieses Anwendungsgebiet eingehen, da wir bevorzugt Massnahmen vorstellen, die jeder bei sich zu Hause umsetzen kann.

Wirkungen auf Magen und Darm

Ob Völlegefühl, Blähungen, Reizdarm, Gastritis oder Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre: Die Süssholzwurzel ist auch hier ein probates Mittel und daher wichtiger Bestandteil so mancher Magenmittel, wie z. B. von Iberogast, den bekannten Magentropfen.

Schon Napoleon soll stets Süssholzwurzelpulver mit sich geführt haben, um seine Gastritis in Schach zu halten. Inzwischen konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, warum der kleine Diktator mit dem grossen Hut – zumindest in diesem Fall – absolut richtig lag.

Denn die Süssholzwurzel wirkt entzündungshemmend, regt die Schleimproduktion im Magen an, wirkt daher magenschützend und ist ausserdem in der Lage, das Bakterium Helicobacter pylori zu bekämpfen. Dieses Bakterium gilt als Ursache für Magenschleimhautentzündungen, Magenkrebs sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

An einer koreanischen placebokontrollierten Studie nahmen 100 Probanden teil, die alle mit dem Magenkeim infiziert waren. 50 von ihnen nahmen für 60 Tage einen Süssholzwurzelextrakt ein und wurden daraufhin erneut getestet. Und siehe da: Bei 48 von ihnen fiel der Helicobacter-Test negativ aus.

Dies ist umso interessanter, da die übliche Therapie bei Helicobacter-Infektionen (2 Antibiotika und 1 Säureblocker) aufgrund der Resistenzbildung der Bakterien zunehmend unwirksam wird. Das Antibiotikum Metronidazol wirkt z. B. laut einer französischen Studie in Europa und in den USA bei 20 bis 40 Prozent der Infizierten gar nicht mehr und in den Entwicklungsländern liegen diese Raten schon bei bis zu 80 Prozent. Dennoch werden immer mehr Menschen mit Antibiotika gegen den Magenkeim behandelt, auch dann, wenn sich bei ihnen noch gar keine Symptome zeigen, was angesichts der typischen Nebenwirkungen dieser Therapie sicher nicht immer sinnvoll ist.

Analysen japanischer Wissenschaftler von der Toho University haben ergeben, dass Süssholzwurzelextrakt sogar dann gegen Helicobacter pylori wirkt, wenn dieser bereits gegen die gängigen Antibiotika – wie Clarithromycin und Amoxicillin – eine Resistenz entwickelt hat. Weiterführende Infos zu dieser Thematik finden Sie unter: Helicobacter pylori: Probiotika gegen Magenbeschwerden.

Anwendung bei Magen-Darm-Beschwerden

Leichtere Magen-Darm-Beschwerden können durchaus mit Süssholzwurzeltee behandelt werden. In Teemischungen für den Magen, die oft sehr bitter schmecken, sorgt die Süssholzwurzel zudem für eine deutliche Verbesserung des Geschmacks.

Bei chronischen Leiden wird jedoch meist ein Extrakt empfohlen, der auch in die Therapie einer Gastritis oder eines Geschwürs integriert werden kann. Sprechen Sie jedoch vor der Anwendung des Süssholzwurzelextraktes mit Ihrem Gastroenterologen.

Wenn Sie Säureblocker vom Typ der Protonenpumpenhemmer nehmen (z. B. Omeprazol, Pantoprazol o. ä.), könnte Süssholzwurzeltee Ihnen dabei helfen, langsam aber sicher die nebenwirkungsreichen Medikamente abzusetzen. Weitere Tipps zum Absetzen von PPI finden Sie hier: PPI – Der Teufelskreis der Säureblocker

Wirkungen auf Zahn- und Mundgesundheit

Dort, wo das Süssholz zu Hause ist, verwenden die Einwohner die Wurzeln traditionell als Zahnbürste. Kein Wunder steckt in vielen gängigen Mundpflegeprodukten wie Zahnpasten und Mundspülungen Glycyrrhizin.

Inzwischen konnte durch einige Studien bestätigt werden, dass die Süssholzwurzel nicht nur eine präventive Wirkung hat, sondern auch zur Therapie von Karies, Parodontitis, Candidose (Pilzinfektion) und wiederkehrenden Geschwüren der Mundschleimhaut (Aphthen) herangezogen werden kann.

Deutsche Forscher vom Institute for Pharmaceutical Biology and Phytochemistry in Münster haben etwa offenbart, dass Süssholzwurzelextrakt nicht nur der Einnistung des Helicobacter pylori in der Magenschleimhaut entgegenwirkt, sondern auch das Bakterium Porphyromonas gingivalis effektiv daran hindert, sich in der Mundhöhle anzuhaften. Dieser Keim ist für die Entstehung der Parodontitis und damit auch für die entsprechenden Zahnverluste verantwortlich.

Anwendung im Mundbereich

Für die Herstellung einer Mundspülung können Sie entweder aus Süssholzwurzeln einen starken Tee brühen oder eine Süssholzwurzeltinktur mit Wasser verdünnen. Wichtig ist, dass die Spülung nicht hinuntergeschluckt, sondern ausgespuckt wird. Die Mundspülung kann morgens und abends nach dem Zähneputzen und auch zwischendurch angewandt werden.

Süssholzwurzeltinktur selber machen

Eine Süssholzwurzeltinktur können Sie leicht selbst zubereiten: Geben Sie einfach 50 Gramm zerkleinerte Süssholzwurzeln in ein verschliessbares Glasgefäss, übergiessen Sie den Inhalt mit 200 Millilitern 40-prozentigem Alkohol und lassen Sie die Tinktur an einem warmem Ort für drei Wochen ausziehen. Schütteln Sie die Mischung einmal täglich. Wichtig ist, dass alle Pflanzenteile mit dem Alkohol bedeckt sind.

Anschliessend werden die Wurzelteile abgefiltert und die Tinktur wird in dunkle Fläschchen gefüllt, die Sie unbedingt beschriften sollten (Datum und was darin ist). Einen Link zur detaillierten Anleitung für Kräutertinkturen finden Sie am Endes des Textes.

Wirkungen in den Wechseljahren

Die Süssholzwurzel enthält überdies östrogenähnlich wirkende Stoffe, sog. Phytoöstrogene. Diese können sowohl die Auswirkungen eines Östrogenmangels als auch jene eines Östrogenüberschusses lindern. Ernsthafte Nebenwirkungen sind dabei nicht zu befürchten, da Phytoöstrogene den Organismus nicht hormonell überschwemmen.

Wenn längerfristig ein Mangel an Östrogenen besteht, wird nur noch der Estrogenrezeptor-α (ERα) ausreichend aktiviert, nicht aber der Estrogenrezeptor-β (ERβ). Die Süssholzwurzel nun kann den ERβ aktivieren und somit das Gleichgewicht der beiden Estrogenrezeptoren wiederherstellen.

Dadurch wirkt die Süssholzwurzel auch präventiv gegen hormonabhängige Tumoren wie Brust- und Prostatakrebs, denn über den ERβ werden sowohl wachstumshemmende als auch antientzündliche Effekte vermittelt. Wird hingegen nur der ERα aktiviert, wird die Entwicklung von hormonabhängigen Tumoren gefördert.

In China und Japan wird die Süssholzwurzel traditionell erfolgreich bei hormonellen Problemen angewandt. Man glaubt, dass aufgrund der Verabreichung von Phytoöstrogenen die Frauen in Asien nicht so häufig an Wechseljahresbeschwerden leiden und im Alter auch seltener Opfer von Krebs oder anderen chronischen Erkrankungen werden.

Anwendung bei Wechseljahresbeschwerden

Sollten Sie also an Wechseljahresbeschwerden oder aber auch an Krämpfen und Schmerzen während der Menstruation leiden, können Sie Süssholzwurzeltee im Rahmen eines ganzheitlichen Konzeptes – z. B. in Kombination mit einer Aromatherapie und Entspannungstechniken – wunderbar zum Zug kommen lassen.

Dabei sollten Sie allerdings auf das Chinesische Süssholz setzen. Denn amerikanische Forscher haben den östrogenähnlichen Effekt bei menopausalen Beschwerden von verschiedenen Süssholzwurzelarten verglichen und dabei festgestellt, dass dieser bei der Glycyrrhiza uralensis am stärksten ausgeprägt ist. Im besten Fall lassen Sie sich von einem TCM-Heilpraktiker beraten (TCM = Traditionelle Chinesische Medizin).

Wirkungen auf das Gehirn

Hildegard von Bingen war bereits der Meinung, man könne Geistekrankheiten mit der Süssholzwurzel behandeln. Und tatsächlich, die Süssholzwurzel hat eine positive Wirkung auf die kognitiven Fähigkeiten und kann sogar das Risiko für Demenzerkrankungen senken, zumindest bei Frauen. Denn sie leiden häufiger an Alzheimer als Männer, was u. a. auf den Östrogenmangel in und nach den Wechseljahren zurückgeführt wird – so eine Studie der University of Southern California im Jahr 2017.

Fallen die Östrogene weg, verändert sich der Energiehaushalt der Gehirnzellen – und genau hier kann die Süssholzwurzel mit ihren regulierenden Phytoöstrogenen ansetzen. Des Weiteren aktivieren manche Stoffe in der Süssholzwurzel bestimmte Enzyme (Sirtuine) im Gehirn, die sich wiederum schützend um die Nervenzellen kümmern und den Alterungsprozess regulieren.

Wirkungen auf den Blutdruck

Wenn Sie an einem zu niedrigen Blutdruck leiden, kann die Süssholzwurzel hilfreich sein, worüber wir hier schon für Sie berichtet haben: Niedriger Blutdruck – Ursachen und Lösungen. Sollten Sie hingegen ein Bluthochdruckpatient sein, dann lesen Sie bitte vor der Anwendung von Süssholzwurzelextrakten zunächst den nächsten Absatz zum Thema Nebenwirkungen.

Eine Tasse Süssholztee pro Tag können Sie jedoch in den meisten Fällen problemlos trinken. Sprechen Sie dennoch vorsichtshalber mit Ihrem pflanzenheilkundlich bewanderten Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker.

Die möglichen Nebenwirkungen

In 2,5 g getrockneter Süssholzwurzel sollen 100 mg Glycyrrhizin enthalten sein. Für eine grosse Tasse (250 ml) kommt man meist mit der Hälfte dieser Dosierung zurecht. Vor Nebenwirkungen wird hingegen erst bei Dosen von über 600 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag gesprochen. Auch sollte man den Tee nicht dauerhaft trinken, aber das ist bei jedem Heilpflanzentee so. Nach spätestens 6 Wochen sollte man stets eine Pause von einigen Wochen einlegen, bevor man den jeweiligen Kräutertee erneut trinkt.

Bei hohen Dosierungen oder dem Dauergebrauch erhöht das Glycyrrhizin den körpereigenen Cortisolspiegel, da es jenes Enzym hemmt, dass zum Abbau des Cortisols führen würde. Das überschüssige Cortisol imitiert nun ein anderes Hormon (Aldosteron) und es kommt zu einer übermässigen Aldosteronwirkung. Aldosteron regelt normalerweise den Natrium- und Kaliumhaushalt. Zu viel Aldosteron lässt den Natriumpegel steigen, während der Kaliumspiegel sinkt.

Zu den möglichen Folgen zählen u. a. Wassereinlagerungen, Muskelschwäche, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Die Beschwerden verschwinden zwar nach dem Absetzen der hohen Süssholzdosen schnell, doch oft werden diese eben nicht mit der Süssholzwurzel in Verbindung gebracht. Sollten Sie unter der Anwendung von Süssholzwurzelpräparaten entsprechende Beschwerden entwickeln, informieren Sie in jedem Fall Ihren Arzt davon.

Um dem Absinken des Kaliumspiegels während der Anwendung präventiv entgegenzuwirken, ist es sinnvoll, auf eine kaliumreiche Nahrung (z. B. Bananen, getrocknete Aprikosen, Kartoffeln, Kohl- und Blattgemüse) zu achten. Bei der Anwendung von Süssholz in Teemischungen sind im Übrigen keine Überdosierungen zu befürchten.

Wann ist bei der Anwendung der Süssholzwurzel Vorsicht geboten?

Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hypokaliämie (Kaliummangel), schweren Leberkrankungen und ausgeprägter Niereninsuffizienz sollten die Anwendung von Süssholzwurzelpräparaten mit dem Arzt besprechen.

Auch wenn Sie Medikamente nehmen, wie etwa Schleifendiuretika, Herzmedikamente, Kortisonpräparate und/oder Abführmittel, sollten Sie erst mit Ihrem Arzt sprechen, bevor Sie Süssholzwurzelpräparate einnehmen.

Schwangeren und stillenden Frauen wird geraten, vorsichtshalber auf die Süssholzwurzel zu verzichten.

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist die Sicherheit der Süssholzwurzel in Bezug auf Kinder noch nicht wissenschaftlich geklärt, was jedoch bei Heilpflanzen nicht ungewöhnlich ist. Greifen Sie also am besten auf speziell für kleine Patienten konzipierte Arzneimittel wie Teemischungen oder Hustensäfte mit Süssholz zurück, die in Apotheken erhältlich sind.

Der Einkauf: Qualität und Herkunft

Süssholzwurzeln sind in Apotheken, Bioläden, Teeläden etc. erhältlich. Bioqualität zeigt hier an, dass die Droge zwar nach den Bio-Richtlinien erzeugt wurde. Man kennt jedoch nicht den Wirkstoffgehalt. In Apotheken hingegen verfügen Süssholzwurzeln über Arzneibuchqualität. Es heisst, dass dies Qualitätsbezeichnung Schadstoffbelastungen ausschliesse. Gleichzeitig fordert das Arzneibuch für die pharmazeutisch relevanten Inhaltsstoffe einen Mindestgehalt, wodurch die Wirksamkeit garantiert werden könne.

Heilpflanzen in Arzneibuchqualität dürfen überdies kein Bio-Siegel tragen, auch dann nicht, wenn sie tatsächlich aus biologischer Erzeugung stammen. Denn sie gelten nicht mehr als Lebensmittel, sondern als Arzneipflanzen.

Süssholzwurzeln werden – v. a. in Asien – in grossen Mengen an ihren natürlichen Wuchsorten geerntet. Um zu garantieren, dass Wildpflanzen langfristig erhalten bleiben, wurden bereits einige Projekte ins Leben gerufen. Sie können hierbei etwa auf die FairWild-Zertifizierung achten, die ausserdem einen fairen Handel garantiert. Meist stammt das Heilmittel aber vordergründig aus Kulturen in China, Russland, der Türkei, Bulgarien, Italien, Frankreich und Spanien.

Die verschiedenen Süssholzwurzelpräparate

Es werden diverse Süssholzwurzelprodukte angeboten, es folgt ein kleiner Überblick:

1. Süssholzwurzel (Liquiritiae radix)

Süssholzwurzeln sind getrocknet, ungeschält oder geschält, im Ganzen, geschnitten oder als Pulver erhältlich und werden traditionell in erster Linie verwendet, um Süssholzwurzeltee zuzubereiten. Die Dosierungsempfehlungen variieren – natürlich auch abhängig von den zu behandelnden Leiden.

Die European Medicines Agency (EMA) empfiehlt 1 bis 5 Gramm Droge pro 150 Milliliter Wasser. Der Tee kann als Aufguss oder Dekokt (Süssholzwurzel in Wasser geben und kurz aufkochen lassen) zubereitet werden. Die Ziehdauer beträgt in beiden Fällen 10 bis 15 Minuten. Es können täglich 3 bis 4 Tassen Süssholzwurzeltee getrunken werden, am besten nach dem Essen. Bewahren Sie das Süssholz in einem gut schliessenden Behälter auf, geschützt vor Licht und Feuchtigkeit.

2. Süssholzwurzelextrakt

Trockenextrakte aus dem Süssholz werden in Tabletten, Dragees und Kapseln eingearbeitet. Meist sind jedoch Flüssigextrakte erhältlich (mit oder ohne Alkohol). Bei Extrakten hängt die Dosierung vom Glycyrrhizingehalt ab bzw. von der Konzentration des Extraktes. Orientieren Sie sich an der jeweiligen Einnahmeempfehlung oder fragen Sie Ihren Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker. Mehr als 3- bis 4-mal täglich jeweils 1,5 g Extrakt sollte man laut der EMA jedoch nicht nehmen.

3. Starklakritze

So wie die Süssholzwurzel wird auch die daraus gewonnene Lakritze als Heilmittel angewandt, z. B. in Form von Hustenpastillen. Dabei muss aber zwischen den mit Zucker und Co. versetzten Süssigkeiten aus dem Supermarkt (enthalten maximal 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm) und der sogenannten Starklakritze unterschieden werden, die nur in Apotheken verkauft werden darf. Starklakritze muss gekennzeichnet sein, in ihr stecken nämlich mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm. Bei regelmässigem Verzehr sollten maximal 50 Gramm Lakritze pro Tag konsumiert werden (was maximal 100 Milligramm Glycyrrhizin entspricht).

Wenn Sie sich eine Süssholzwurzeltinktur selbst herstellen möchten, können Sie sich an dieser Anleitung orientieren: Kräutertinkturen selbst gemacht.

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde


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