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Weidenrinde gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen

Weidenrinde gegen Schmerzen, Fieber und Entzündungen

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(Zentrum der Gesundheit) – Die Weidenrinde zählt zu den ältesten Heilmitteln der Menschheit und wird bereits seit Jahrtausenden gegen die unterschiedlichsten Leiden eingesetzt. Moderne wissenschaftliche Studien haben inzwischen bestätigt, dass die Weidenrinde schmerzlindernd wirkt, z. B. bei chronischen Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Auch bei Arthrose sowie entzündlichen rheumatischen Erkrankungen verschafft die Weidenrinde Erleichterung. Weidenrinde ist zwar die Mutter von Aspirin, aber eindeutig die bessere Alternative, da sie nicht mit gefährlichen Nebenwirkungen einhergeht.

Die Weide: Magischer Baum mit Heilkraft

Bäume üben auf uns Menschen seit jeher eine besondere Anziehungskraft aus – sei es aufgrund ihrer leckeren Früchte, ihrer oft so imposanten Erscheinung oder ihrer heilenden Eigenschaften. Die Weide (Salix) galt schon vor Jahrtausenden als magischer Baum und als Symbol für die Ewigkeit, denn sie hat die Fähigkeit, sich ständig zu erneuern. Selbst aus einem abgerissenen Ast kann wieder ein Baum entstehen, wenn man ihn einfach nur in feuchte Erde steckt. Auf diese enorme Anpassungsfähigkeit deutet auch ihr Name hin: Das althochdeutsche Wort "wîda" bedeutet nämlich so viel wie "die Biegsame".

Ob in der gemässigten Zone Mitteleuropas, in den Tropen Lateinamerikas oder im hohen Norden der Arktis: Die Anpassungsfähigkeit der Weide zeigt sich auch darin, dass sie überall auf der Welt anzutreffen ist. Es gibt weltweit rund 450 Weiden-Arten. Die einen sind drei Zentimeter kleine Zwergsträucher, die anderen bis zu 30 Meter hohe Baumriesen – sie alle haben es geschafft, sich in den jeweiligen Lebensraum perfekt einzugliedern.

In Europa haben sich insbesondere drei Weiden-Arten als Heilpflanzen einen Namen gemacht: die Reif-Weide (Salix daphnoides), die Silber-Weide (Salix alba) und die Purpur-Weide (Salix purpurea). Dabei kommen die Blätter und Blüten, vordergründig aber die getrocknete Rinde 2- bis 3-jähriger Zweige in Form von Tees und Extrakten zum Einsatz.

Die Weidenrinde (Salicis cortex) zählt zu den seltenen Heilmitteln, die gleich drei heilende Eigenschaften in sich vereinen: Sie wirkt nachweislich fiebersenkend, entzündungshemmend sowie schmerzlindernd.

Weidenrinde: Ein uraltes Heilmittel

Die Heilwirkung der Weidenrinde wurde bereits in der Steinzeit entdeckt – ein wertvolles Wissen, das sodann über die Generationen hinweg bis zum heutigen Tag überliefert wurde. Die ältesten Quellen stammen aus dem alten Ägypten. Hieroglyphen auf Tontafeln künden von Weidenrinden-Rezepturen gegen Entzündungen, schmerzhafte Wunden und Schwellungen.

Hippokrates von Kos, der populärste Arzt des Altertums, verordnete Weidenrinden-Aufgüsse gegen Gelenkentzündungen oder Fieber, während der Heiler Pedanios Dioskurides Weidenrinden-Tinktur gegen Ohren- und Augenleiden empfahl. Die Germanen und Kelten kochten Weidenzweige aus und fertigten Umschläge, um schmerzende Glieder oder schlecht heilende Wunden zu behandeln.

Im Mittelalter waren es die Wanderärzte, Hebammen, Schäfer, Korbflechter und Kräuterfrauen, die bestens mit der Anwendung der Weidenrinde vertraut waren. Die Äbtissin Hildegard von Bingen setzte sie z. B. bei Blutungen, Fieber, Gicht, Rheuma und Harnleiden ein.

Weidenrinde: Die Signaturenlehre

Da der Mensch von Natur aus ein sehr wissbegieriges Wesen ist, hat er schon früh herauszufinden versucht, worauf die heilende Wirkung von Pflanzen beruht. Schon in der antiken Welt gaben sich die Gelehrten nicht mehr allein mit mystischen und religiösen Erklärungsversuchen zufrieden. Die Signaturenlehre entstand.

Dabei galt das Motto "Ubi morbus ibi remedium" (Wo die Krankheit entsteht, ist auch das passende Heilmittel zu finden). Da nun das Fieber mit sumpfigen, nassen Standorten in Verbindung gebracht wurde und sich die Weide besonders wohlfühlt, wenn sie "knietief" im Wasser steht, galt sie bei fiebrigen Erkrankungen als die ideale Heilpflanze. Ausserdem wurde die Wirksamkeit bei steifen Gelenken und Gliedern (z. B. Rheuma) analog auf die Biegsamkeit ihrer Äste zurückgeführt.

Mittlerweile werden Theorien wie diese längst nicht mehr ernstgenommen. Umso erstaunlicher ist es, dass nicht wenige Anwendungsbereiche der Signaturenlehre immer wieder durch moderne wissenschaftliche Studien bestätigt werden.

Weidenrinde: Die Mutter von Aspirin

In der traditionellen Volksmedizin kam die Weidenrinde bis ins 18. Jahrhundert sehr häufig zum Einsatz. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelang es Chemikern schliesslich den Hauptwirkstoff der Weidenrinde – das Phenolglucosid Salicin – zu entdecken und zu isolieren.

Schnell wurde aber klar, dass der mühsam aus Weidenrinden extrahierte Stoff als Heilmittel nicht besonders erfolgversprechend war. Denn er führte einerseits zu starkem Brechreiz und Magenbeschwerden. Andererseits zeichnete sich bald eine Rohstoff-Knappheit ab. Denn Weidenzweige wurden seinerzeit dringend benötigt, um Flechtwaren (z. B. Körbe) herzustellen.

Daraufhin wurden diverse Versuche gestartet, um einen entsprechenden Wirkstoff kostengünstig auf synthetischem Wege zu gewinnen. Schliesslich gelang es, die Salicylsäure aus Kohlenstoffdioxid und Natriumphenolat herzustellen. Hierbei handelt es sich um das allererste industriell produzierte und abgepackte Medikament der Welt. Doch anders als jene Salicylsäure, die im Körper auf natürliche Weise aus Salicin umgesetzt wird, führte die synthetische Variante zu untragbaren Nebenwirkungen wie Magenschäden und Blutungen.

Im Jahr 1897 synthetisierte der Chemiker Felix Hoffmann in einem Labor der Firma Bayer aus der Salicylsäure die heute wohlbekannte Acetylsalicylsäure (ASS). Diese hatte scheinbar weniger Nebenwirkungen, entsprach in Bezug auf die Wirkung in etwa der Weidenrinde und eroberte bald unter dem Markennamen Aspirin die Welt.

ASS fordert weltweit viele Opfer

Zwar ist ASS nicht ganz so problematisch wie die Salicylsäure. Doch haben im Laufe der Zeit immer mehr Studien gezeigt, dass ASS nicht ganz so harmlos ist, wie nach der Herstellung angenommen wurde. So weist etwa die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft darauf hin, dass ASS – wenn regelmässig eingenommen – zu Schleimhautreizungen, Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Magengeschwüren führen kann.

Besonders fatal erscheint dabei, dass viele gesunde Menschen täglich vorbeugend Aspirin einnehmen, um sich gegen Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen. Durch die Einnahme steigt das Risiko, innere Blutungen zu erleiden um 30 Prozent. Zahlreiche Mediziner kritisieren inzwischen, dass ASS-Produkte rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.

Denn dies vermittelt unweigerlich das Gefühl, dass die Einnahme – sogar auf Dauer – völlig ungefährlich ist. Ob gegen Kopfweh, Zahnschmerzen oder einen grippalen Effekt: Allein in Deutschland gehen pro Jahr 40 Millionen Packungen Aspirin über den Ladentisch – Tendenz steigend. Für das Pharmaunternehmen bedeutet dies einen Jahresumsatz von rund 800 Millionen Euro, für viele Patienten aber den Tod.

Schon im Jahr 1999 hat eine Studie an der Boston University School of Medicine ergeben, dass in den USA die Anzahl von Todesfällen im Zusammenhang mit Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln bei 16.500 liegt. Zehn Jahre später haben schwedische Forscher vom Lidköping Hospital unter Mitwirkung von mehr als 58.000 Probanden aufgezeigt, dass Aspirin bei Diabetikern ohne kardiovaskuläre Krankheitsanzeichen das Risiko für schwere Blutungen um fast 50 Prozent steigert und in Folge auch das Sterblichkeitsrisiko drastisch erhöht.

Weitere interessante Informationen zu dieser Thematik finden Sie hier: Aspirin kann Krebs verursachen.

Weidenrinde: Kaum Nebenwirkungen und besser verträglich als ASS

Im Gegensatz zu ASS weist die Weidenrinde eine sehr geringe Nebenwirkungsrate auf. So beeinflussen Weidenrinden-Extrakte die Funktion der Blutplättchen im Unterschied zu ASS nicht und können somit auch zur Behandlung von Schmerzen vor und nach Operationen angewandt werden.

Gegenüber der ASS hat das natürliche Salicin der Weidenrinde den grossen Vorteil, dass es keine aggregationshemmenden und damit die Blutgerinnung hemmenden Eigenschaften hat. Eine Studie am Rambam Medical Center in Israel hat gezeigt, dass selbst die tägliche Anwendung von Weidenrindenextrakt (240 Milligramm Salicin) keine erhöhte Blutungsneigung zur Folge hat.

In Studien angewandte Weidenrinden-Präparate waren in der Regel gut verträglich, nur in 5 bis 10 Prozent der Fälle kam es zu leichten Nebenwirkungen, die allerdings in der Placebo-Gruppe ebenfalls beobachtet wurden. Liegt eine Überempfindlichkeit gegenüber Salicylate vor, kann es zu Nesselausschlägen, Asthma, Schnupfen und Bronchospasmen (Verkrampfen der die Atemwege umspannenden Muskeln) kommen – davon sind jedoch nur zwei von 1.000 Europäern betroffen.

Zudem wurde gelegentlich ein Zusammenhang zwischen Weidenrinden-Extrakten und Magendarm-Beschwerden festgestellt. Dafür ist aber nicht das Salicin verantwortlich, sondern die in der Rinde enthaltenen Gerbstoffe. Doch anders als bei ASS wird durch Weidenrinden-Anwendungen die Magen-Darm-Schleimhaut nicht angegriffen, wie eine Untersuchung an der University of Freiburg gezeigt hat.

Salicin: Ein Wirkstoff allein reicht nicht

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen ASS und der Weidenrinde ist natürlich, dass in der Weidenrinde eben nicht ein einziger, sondern zahlreiche Wirkstoffe stecken, die sich gegenseitig beeinflussen und erst in ihrer Gesamtheit das besondere Potential des Heilmittels ausmachen.

Neben Salicin enthält die Weidenrinde Derivate des Salicins wie Salicortin, Tremulacin und Populin, deren Zusammensetzung abhängig von der jeweiligen Stammpflanze variiert. Damit die gewünschte Wirkkraft der Weidenrinde erreicht wird, muss der Salicingehalt mindestens bei 1,5 Prozent liegen. Hohe Gehalte weisen z. B. die Purpurweide (6 bis 8,5 Prozent) und die Reifweide (5 bis 5,6 Prozent) auf.

Darüber hinaus stecken in der Weidenrinde jede Menge sekundäre Pflanzenstoffe. Dazu zählen insbesondere Polyphenole, darunter Flavonoide wie Isoquercitrin, Kaempferol und Quercetin, die u. a. antioxidativ, entzündungshemmend und krebsvorbeugend wirken. Die Gerbstoffe (Procyanidine) sorgen nicht nur für den bitteren Geschmack der Weidenrinde, sondern haben ausserdem eine antimikrobielle Wirkung, da sie Bakterien (z. B. auf der Schleimhaut) den Nährboden entziehen.

Lange Zeit wurde angenommen, dass die heilenden Eigenschaften der Weidenrinde ausschliesslich auf dem Wirkstoff Salicin beruhen. Dann konnte jedoch anhand von einigen Studien – z. B. an der Universität Tübingen – aufgezeigt werden, dass Salicin allein nicht für die Wirkungen der Weidenrinde verantwortlich ist und nur im Zusammenspiel mit den anderen Inhaltsstoffen "funktioniert".

Weidenrinde wirkt schmerzlindernd bei Arthrose

Arthrose ist weltweit die häufigste Gelenkerkrankung – allein in Deutschland sind davon etwa fünf Millionen Menschen betroffen. Die Gelenkabnutzung geht mit der zunehmenden Schwierigkeit einher, das betroffene Gelenk zu bewegen. Die immer wieder auftretenden Entzündungen führen zu Schmerzen, Überwärmung, Rötungen und Schwellungen.

Deutsche Forscher haben untersucht, ob Weidenrinden-Extrakt bei der Behandlung von Arthrose hilfreich sein könnte. An der 2-wöchigen, doppelblinden Studie nahmen 78 Probanden teil, die in zwei Gruppen unterteilt wurden. 39 Patienten bekamen einen Weidenrinden-Extrakt (240 mg Salicin pro Tag), 39 ein Placebo.

In der Weidenrinden-Gruppe konnte die Bewegungseinschränkung verbessert und die Schmerzen konnten um 14 Prozent gesenkt werden. In der Placebo-Gruppe stiegen die Schmerzen hingegen um 2 Prozent an. Die Wissenschaftler und die Studienteilnehmer kamen gleichermassen zum Schluss, dass Weidenrinden-Extrakt bei Arthrose schmerzlindernd wirkt.

Weidenrinde hilft bei Knie- und Hüftarthrose besser als Medikamente

Bei einer weiteren deutschen Studie an der Ruhr Universität wurden die Verträglichkeit und die Wirkung von Weidenrinden-Extrakt in Bezug auf Knie- und Hüftarthrose im Vergleich zu konventionellen Medikamenten (z. B. synthetischen Schmerzmitteln) genau unter die Lupe genommen.

Dabei wurden 90 Patienten mit Weidenrinden-Extrakt behandelt und 41 Patienten erhielten die vom jeweiligen Arzt verschriebene Standardtherapie. 8 Probanden wurden einer kombinierten Behandlung unterzogen. Nach 3 und 6 Wochen wurden die Wirkung und die Verträglichkeit von den behandelnden Ärzten überprüft. Die Patienten gaben an, wie sie sich in puncto Schmerzen, Steifheit und den generellen Gesundheitszustand fühlten.

Sowohl die Patienten als auch die Ärzte beurteilten die Effektivität der Weidenrinden- und der Standardbehandlung zunächst als vergleichbar. Doch nach 6 Wochen wurde die Weidenrinden-Therapie im Vergleich zur konventionellen Behandlung als besser eingestuft. Zwar wirkte der Weidenrinden-Extrakt weniger schnell, dafür wurde er von den Patienten bestens vertragen, denn es traten keinerlei Nebenwirkungen auf.

Die Forscher kamen zum Schluss, dass Weidenrinden-Extrakt bei leichter und auch bei schwerer Knie- und Hüftarthrose geeignet ist und gleich gut wirkt wie schulmedizinische Therapien.

Weidenrinde stellt vor allem für jene Patienten eine bessere Alternative dar, die aufgrund ihrer schweren Leiden ständig auf Schmerzmittel angewiesen sind. Denn diese schädigen auf Dauer die Organe, z. B. die Leber, den Magen, die Nieren und das Herz, und können bei Überdosierungen sogar zum Tode führen, worüber wir hier bereits für Sie berichtet haben: Schmerzmittel schaden dem Herz.

Weidenrinde lindert rheumatische Schmerzen

Am Institut für Naturheilkunde, UniversitätsSpital Zürich, wurde überprüft, wie gut ein Weidenrinden-Extrakt (Assalix) wirkt und ob dieser mit Nebenwirkungen in Verbindung gebracht werden kann.

An der sechs- bis achtwöchigen Studie nahmen insgesamt 204 behandelnde Ärzte und 877 Patienten mit unterschiedlichen rheumatisch bedingten Schmerzen teil. Nach 3 bis 4 Wochen erfolgte eine Nachkontrolle. Man beobachtete im Verlauf der Untersuchung die Schmerzintensität, die Schwere der Symptome, wie stark diese den Alltag beeinträchtigten, die Wirksamkeit des Extraktes sowie seine Verträglichkeit.

In 68 Prozent der Fälle litten die Probanden schon mehr als 6 Monate an den jeweiligen Beschwerden und mehr als 80 Prozent waren vorab bereits mit herkömmlichen Medikamenten behandelt worden. Rund 40 Prozent der Patienten erhielten zeitgleich mit dem Weidenrinden-Extrakt entzündungshemmende Medikamente.

Die Schmerzintensität konnte nun mit Hilfe des Weidenrindenextraktes mehr als halbiert werden, und bei 14 Prozent der Studienteilnehmer stellte sich sogar eine völlige Schmerzfreiheit ein. Bei 38 Patienten (4,3 Prozent) – besonders bei jenen, die zusätzlich entzündungshemmende Medikamente einnahmen – traten Nebenwirkungen auf, die in erster Linie das Verdauungssystem und die Haut betrafen.

Die Forscher kamen zum Schluss, dass der untersuchte Weidenrinden-Extrakt gut vertragen wurde und bei Dorsopathie, Weichteilrheuma, entzündlichen Polyarthropathien (Gelenkerkrankung mehrerer Gelenke) und bei Arthrose eine gute Wirksamkeit aufweist. Der Begriff Dorsopathie definiert eine Gruppe von sehr verschiedenartigen Krankheiten, welche die Knochen und Gelenke, das Bindegewebe sowie die Muskeln und Nerven des Rückens betreffen können.

Die Weidenrinde in der Volksheilkunde

In der traditionellen Volksheilkunde wird die Weidenrinde bereits seit Jahrtausenden erfolgreich eingesetzt. Die wichtigsten Anwendungsgebiete im Überblick:
 

Dabei gibt es unterschiedliche Wege, um die getrocknete oder pulverisierte Weidenrinde zuzubereiten bzw. einzunehmen. Die mittlere Tagesdosis liegt bei rund 5 Gramm Weidenrinde, was in etwa 45 Milligramm Gesamtsalicin entspricht. In vielen Fällen ist natürlich eine höhere Dosierung vonnöten.

Die folgenden Angaben entsprechen gängigen Empfehlungen und stellen nur eine Richtlinie dar. Lassen Sie sich in Bezug auf die in Ihrem individuellen Fall ideale Dosierung und Behandlungsdauer von Ihrem Heilpraktiker beraten.

Weidenrinden-Kaltwasserauszug:

Die Weidenrinde kann als Kaltwasserauszug bei Fieber, Entzündungen und Kopfschmerzen angewandt werden. Übergiessen Sie dazu 2 Teelöffel (etwa 7 Gramm) Weidenrinde mit 2 Tassen (300 Milliliter) kaltem Wasser und lassen Sie die Mischung am besten über Nacht (8 bis 9 Stunden) ziehen. Am nächsten Morgen können Sie die Rinde abfiltern und den Auszug 2-mal täglich über den Tag verteilt trinken.

Weidenrinden-Tee:

Weidenrinden-Tee hat sich bei der Behandlung von fieberhaften Erkältungskrankheiten, Kopfschmerzen, Gelenkerkrankungen sowie rheumatischen Beschwerden bewährt. Die Zubereitung erfolgt immer auf dieselbe Weise. Dosiert wird folgendermassen (bei der Anwendung bei Kindern erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Heilpraktiker oder Kinderarzt):
 

  • Erkältungskrankheiten und Gelenksbeschwerden: 12 Gramm Weidenrinde
  • Kopfschmerzen: 8 bis 15 Gramm Weidenrinde
     

Geben Sie 1 Teelöffel (etwa 3,5 Gramm) fein geschnittene Weidenrinde auf 250 Milliliter kaltes Wasser. Erhitzen Sie die Mischung langsam bis zum Siedepunkt und seihen Sie sie dann durch ein feines Sieb ab. Eine weitere Zubereitungsmöglichkeit ist es, 1 Teelöffel Weidenrinde mit einer Tasse kochendem Wasser aufzugiessen, den Tee 20 Minuten ziehen zu lassen und dann die Rinde zu entfernen.

Trinken Sie über den Tag verteilt 2 bis 3 Tassen Weidenrindentee.

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, die Weidenrinde mit anderen Heilpflanzen zu kombinieren, um den Wirkungsumfang zu erhöhen – z. B. bei einer Erkältung mit Linden- und Holunderblüten oder bei rheumatischen Beschwerden mit Teufelskrallenwurzel und Birkenblättern.

Weidenrinden-Pulver:

Weidenrinden-Pulver findet insbesondere bei Fieber und bei rheumatischen Erkrankungen Verwendung. Die Zubereitung ist dieselbe wie beim Teeaufguss, doch auch hier entscheidet das Anwendungsgebiet die Dosis:
 

  • Fieber: 1 bis 2 Gramm pro Tag
  • Rheumatische Beschwerden: 8 bis 10 Gramm pro Tag
     

Weidenrinden-Extrakte/Fertigarzneimittel:

So wie die getrocknete und pulverisierte Weidenrinde sind auch Weidenrinden-Extrakte in Apotheken und Drogerien erhältlich und können in Form von Tropfen, Tabletten, Kapseln oder Dragees eingenommen werden. Da bei der Teezubereitung die Wirkstoffe nicht komplett in den Tee übergehen und da dieser ziemlich bitter schmeckt, werden oft standardisierte Fertigpräparate empfohlen. Die richtige Anwendung können Sie dem jeweiligen Beipackzettel entnehmen.

Was sollte bei der inneren Anwendung der Weidenrinde beachtet werden?

Viele Menschen wenden die Weidenrinde bei akuten Schmerzen für einige Tage an, stufen sie daraufhin als wirkungslos ein und verzichten deshalb auf weitere Anwendungen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Umwandlung von Salicin im Körper langsam verläuft und die Wirkung deshalb nicht so schnell einsetzt wie bei synthetischen Schmerzmitteln.

Da es nun etwa 14 Tage dauern kann, bis die Weidenrinde ihre volle Wirkkraft entfaltet, ist sie nicht zur Behandlung akuter Schmerzen geeignet, dafür aber bei chronischen Schmerzen ein empfehlenswertes Mittel. Dazu kommt, dass die Wirkung länger anhält als bei herkömmlichen Schmerztabletten und – wie bereits erläutert – dem Körper im Vergleich dazu keinen Schaden zufügt.

Wenn Sie überempfindlich auf ASS reagieren, an Asthma, Magen-Darm-Geschwüren oder eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion leiden, sollten Sie Weidenrindenzubereitungen nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt bzw. Heilpraktiker einnehmen. Dasselbe gilt, wie im Übrigen bei vielen anderen pflanzlichen Heilmitteln, auch für Schwangere, stillende Mütter und Kinder unter 12 Jahren.

Weidenrinde tut Haut und Haaren gut

Darüber hinaus wird die Weidenrinde in der traditionellen Volksheilkunde auch äusserlich angewandt, um der Haut und den Haaren etwas Gutes zu tun. Zu den Anwendungsbereichen zählen z. B.
 

Äusserlich wirkt Salicin keratolytisch (hornlösend bzw. abschuppend), hilft also dabei, die abgestorbenen Zellen aus der Hornschicht zu entfernen und die Hornhaut aufzulösen. Diese Eigenschaft der Weidenrinde können sich Menschen mit unterschiedlichen Hautproblemen zunutze machen.

Salicin hemmt ausserdem die Produktion von Fett und wirkt Entzündungen der Haut entgegen, beeinflusst also positiv jene Mechanismen, die Pickel und Akne entstehen lassen. Hier nämlich kommt es zu einer gesteigerten Talgproduktion und Entzündungen der Haarfollikel.

Amerikanische Forscher haben ferner aufgezeigt, dass Salicin genau jene Gene aktiviert, die mit dem jugendlichen Erscheinungsbild der Haut in Verbindung gebracht werden, während jene Gene unterdrückt werden, welche die Haut altern lassen. Die Studie ergab, dass Salicin in der Lage ist, die Struktur, Feuchtigkeit, Pigmentierung und Differenzierung der Haut positiv zu beeinflussen.

Wird für die äusserliche Behandlung ein Tee verwendet, benötigen Sie pro 100 Milliliter Wasser etwa 3 Gramm Weidenrinde. Meist kommt dabei jedoch eine Weidenrinden-Tinktur (alkoholischer Flüssigextrakt) zum Einsatz.

Weidenrinden-Tinktur selbst herstellen

Tinkturen haben den grossen Vorteil, dass sie sowohl die wasser- als auch die fettlöslichen Inhaltsstoffe enthalten. Denn Alkohol entzieht beides, während in Tee nur die wasserlöslichen und in Öl nur die fettlöslichen Stoffe übergehen.

Sie können Ihre Weidenrinden-Tinktur käuflich erwerben, aber auch wunderbar selbst herstellen:

Zutaten:

  • 1 Teil getrocknete und zerkleinerte Weidenrinde
  • 4 Teile trinkbarer, hochprozentiger Alkohol (etwa 60 Prozent)

Zubereitung:

  • Geben Sie die Weidenrinde in ein Schraubglas der entsprechenden Grösse.
  • Füllen Sie das Glas mit dem Alkohol ganz auf.
  • Lassen Sie das Gemisch gut verschlossen für 3 Wochen an einem dunklen Ort bei Zimmertemperatur ziehen.
  • Schütteln Sie das Glas 1-mal pro Tag, damit sich die Wirkstoffe besser lösen.
  • Filtern Sie die Weidenrinden-Tinktur durch einen Kaffeefilter ab und füllen Sie sie in dunkle Fläschchen.
  • Vergessen Sie nicht, die Fläschchen zu beschriften (Inhalt und Datum) und lagern Sie sie an einem dunklen Ort.
  • Tinkturen sind jahrelang haltbar.

Weidenrinden-Tinktur anwenden

Weidenrinden-Tinktur sollte äusserlich mehrmals täglich angewandt werden. Wird sie zum Einreiben (z. B. bei Gelenkbeschwerden) oder als Auflage verwendet, sollte sie nicht mehr als 25 Prozent Alkohol enthalten und vor der Anwendung mit Wasser verdünnt werden. Wird die betroffene Hautstelle nur mit einem Wattebausch abgetupft, kann die pure Tinktur verwendet werden.

Ist Ihre Haut sehr empfindlich, empfiehlt es sich, die benachbarten Hautareale gut mit einer Fettsalbe abzudecken. Da Alkohol die Haut austrocknet, sollte diese nach der Anwendung in jedem Fall – z. B. mit Ringelblumencreme – gepflegt werden.

Darüber hinaus kann Weidenrinden-Tinktur pur oder verdünnt mit etwas Wasser auch oral eingenommen werden. Bei der Behandlung von Schmerzen werden 3-mal täglich 20-30 Tropfen empfohlen.

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Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde

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