Ballaststoffe für die Herzgesundheit

In einer Harvard-Studie zum Thema Herzgesundheit und Ballaststoffe werteten Professor Shanshan Li und Kollegen Daten von insgesamt 4.098 Personen aus. Alle Studienkandidaten waren zu Beginn der Erhebungen gesund, erlitten aber im Laufe des untersuchten Zeitraums (über 20 Jahre) einen Herzinfarkt.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass eine ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen Herzerkrankungen nicht nur vorbeugt, sondern selbst nach einem Herzinfarkt noch äusserst positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten haben kann.

Assen Sie nämlich ausreichend hochwertige Ballaststoffe, dann war ihr Sterberisiko deutlich geringer (um durchschnittlich 30 Prozent) als das der anderen Studienteilnehmer, die sich lieber ballaststoffarm ernährten.

Interessanterweise hatte die Einnahme von Aspirin oder von Medikamenten, die den Blutfettspiegel senken, nur einen geringen bis gar keinen Einfluss auf die (Herz-)Gesundheit der untersuchten Infarktpatienten.

Wie wirken Ballaststoffe auf das Herz?

Die gesundheitsfördernde Wirkung von Ballaststoffen ist sehr vielseitig. Für das Ergebnis der Studie und damit auch für die Herzgesundheit entscheidend sind die folgenden Faktoren:

Ballaststoffe helfen dem Körper, den Blutzuckerspiegel zu regulieren und auf einem konstanten Niveau zu halten, was natürlich in erster Linie das Diabetesrisiko senkt, gleichzeitig jedoch auch Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugt.

Ballaststoffe senken zudem die Entzündungswerte im Blut und pflegen die Darmflora, die über eine Stärkung des Immunsystems einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit hat.

Ballaststoffe senken Sterberisiko

Besondere Aufmerksamkeit schenkten die Forscher rund um Shanshan Li denjenigen Teilnehmern, die vor dem Herzinfarkt zu wenige Ballaststoffe aufgenommen hatten und ihre Ernährung nach dem Infarkt auf eine ballaststoffreiche Ernährung umstellten. Zwar sank deren Sterberisiko ebenfalls. Doch wiesen diejenigen das geringste Sterberisiko auf, die sich sowohl vor als auch nach dem Infarkt am ballaststoffreichsten ernährt haben.

Das bedeutet, dass eine ballaststoffreiche Ernährung die grösstmögliche vorbeugende Wirkung hat, wenn man sich bereits vor einer Erkrankung auf diese Weise ernährt, dass aber auch noch eine Ernährungsumstellung nach einem Infarkt äusserst hilfreich sein kann, will man das Lebensende noch ein bisschen hinauszögern.

Die ballaststoffreiche Ernährung senkte laut vorliegender Studie überdies nicht nur das Risiko, an einem Herzproblem zu sterben. Auch die Wahrscheinlichkeit, an einer anderen Erkrankung zu sterben, sank mit einer ballaststoffreichen Ernährung – und zwar um 31 Prozent.

Für eine Ernährungsumstellung ist es daher nie zu spät!

Welche Ballaststoffe schützen das Herz besonders?

Bei der Auswertung der Studie stellte sich überdies heraus, dass Ballaststoffe aus Getreide besonders wirkungsvoll in Sachen Herzgesundheit zu sein scheinen.

Ballaststoffe aus Früchten und Hülsenfrüchten hatten zwar auch positive Effekte, aber nicht in jenem Mass, wie das bei den Getreideballaststoffen der Fall war.

Wählen Sie beim Kauf von Back- und Teigwaren also in jedem Falle hochwertige BIO-Vollkornprodukte.

Frauen sollten nach offiziellen Vorgaben mindestens 25 g Ballaststoffe pro Tag aufnehmen, Männer 38 g.

Vollkornhaferflocken liefern pro 50 g beispielsweise 5 g Ballaststoffe und 100 g Vollkornnudeln (ungekocht) versorgen mit 10 g Ballaststoffen.

Ballaststoffquelle Nr. 1: Konjac-Nudeln

Eine hervorragende und dazu noch glutenfreie Ballaststoffquelle stellen ferner die sog. Konjac-Nudeln dar. Sie sind basisch und liefern pro Portion (125 g) nicht nur 6 g hochwertigster Ballaststoffe, sondern gleichzeitig auch so gut wie keine Kalorien.

Eine andere empfehlenswerte Ballaststoffquelle ist das Kokosmehl. Bereits 10 g davon (z. B. ins Müsli, Joghurt oder in Shakes) enthalten 4 g Ballaststoffe.

Ernährungsumstellung schenkt Lebenszeit

Erfahrungsgemäss ist die Bereitschaft, die eigene Ernährung umzustellen, nach einer schlimmen Diagnose besonders gross. Präventionsmassnahmen ergreifen dagegen leider nur wenige Menschen.

Woran mag das liegen? Eine vorbeugende Wirkung macht sich nicht immer sofort bemerkbar. Eine Steigerung des Wohlbefindens stellt sich in der Regel erst nach einigen Wochen oder Monaten ein, die tatsächliche Prävention von Erkrankungen läuft sogar völlig unbemerkt ab.

Denn wer ist sich schon jeden Tag bewusst, dass er wieder keinen Herzinfarkt und wieder keinen Schlaganfall erlitten hat?

Quellen

  • Shanshan Li et al., “Dietary fiber intake and mortality among survivors of myocardial infarction: prospective cohort study”, BMJ 2014;348:g2659, August 2014, (Aufnahme von Ballaststoffen mit der Nahrung und Sterblichkeit von überlebenden Herzinfarktpatienten: prospektive Kohortenstudie)

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