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Psychobiotika: Probiotika, die der Seele helfen

Unser Darm und unser Gehirn stehen über die sogenannte Darm-Hirn-Achse in ständigem Austausch. Billionen von Mikroorganismen in unserem Verdauungstrakt steuern insgeheim unsere Gefühle, unsere Stressresistenz und sogar unsere Gedankenmuster. Spezifische Bakterienstämme, die eine nachgewiesene positive Wirkung auf die psychische Gesundheit haben, werden in der Wissenschaft als Psychobiotika bezeichnet. Welche Stämme sind das und wie wirken sie tatsächlich?

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Psychobiotika: Wie probiotische Bakterien auf die Psyche wirken

Klinische Studien der letzten Jahre zeigen faszinierende Ergebnisse: Bestimmte probiotische Bakterien können nachweislich die Ausschüttung von Stresshormonen drosseln, das ständige Grübeln stoppen und sogar die Therapie bei Depressionen unterstützen.

Weil die Bakterien die Psyche beeinflussen, nennt man sie nicht mehr Probiotika, sondern Psychobiotika. Das bedeutet: Auch wenn sich die Bakterien im Darm befinden, stehen sie mit den Abläufen im Gehirn in Verbindung und können sich auf diese Weise auf die Psyche auswirken. Wie genau funktioniert das?

Die Darm-Hirn-Achse – Psychobiotika nutzen drei Wege

Die Kommunikation zwischen Darm und Kopf – die sog. Darm-Hirn-Achse – verläuft über drei Hauptwege: über das Nervensystem (insbesondere den Vagusnerv), über das Immunsystem und über beruhigende Botenstoffe, wobei alle drei auch wiederum miteinander verbunden sind und sich immer wieder kreuzen.

Der Weg über das Nervensystem

Über das Nervensystem besteht eine Art „Standleitung“ zwischen Gehirn und Darm. Der Vagusnerv ist hierbei die längste direkte Verbindung.

Wenn psychobiotische Bakterien beispielsweise beim Abbau von Ballaststoffen spezielle Stoffwechselprodukte (etwa kurzkettige Fettsäuren) bilden, dann können diese an die Nervenenden im Darm andocken und Reize über den Vagusnerv direkt in die Emotionszentren des Gehirns senden.

Der Weg über das Immunsystem

Die kurzkettigen Fettsäuren aktivieren nicht nur den beruhigenden Vagusnerv, sie wandern auch direkt weiter zu den Abwehrzellen – mit dem Ergebnis, dass diese die Produktion von entzündungsfördernden Stoffen stoppen.

Da psychobiotische Bakterien außerdem für das Immunsystem als „unbedenklich“ gelten, beruhigt ihre Anwesenheit die Abwehrzellen, so dass diese nun sogar entzündungshemmende Botenstoffe ausschütten, wie z. B. Interleukin-10 (IL-10).

Diese Botenstoffe bleiben nicht nur im Darm, sondern gelangen über das Blut ins Gehirn, schützen dort die Nervenzellen und stabilisieren die Stimmung.

Der Weg über beruhigende Botenstoffe

Zusätzlich kann nun die Bildung weiterer ganz bestimmter Botenstoffe stattfinden. Denn wenn das Immunsystem entspannt ist, können entweder die psychobiotischen Bakterien selbst oder auch die Zellen der Darmwand beruhigende Stoffe ausschütten.

Dazu gehört die Gamma-Aminobuttersäure (GABA), der wichtigste körpereigene Beruhigungsstoff, der das Nervensystem bei Stress oder Angst wieder herunterfährt. Nur ist es so, dass das im Darm gebildete GABA nicht ins Gehirn gelangen kann. Dennoch kann es zu einer verstärkten GABA-Wirkung im Gehirn führen – und zwar folgendermaßen:

Im Darm kommt GABA mit den Nerven im Bauchraum in Berührung. Die entsprechenden Signale werden über den Vagusnerv an das Gehirn weitergeleitet, wo sich nun langfristig die Dichte der GABA-Rezeptoren erhöht. Wenn dies in angst- und stressrelevanten Gehirnarealen, wie z. B. der Amygdala geschieht, dann kann künftig das GABA, das im Gehirn gebildet wird, besser und schneller wirken.

Klinische Studien: Psychobiotika und ihre Wirkung

So viel zur Theorie. Was aber zeigte sich in Humanstudien? Bringt es wirklich etwas, bestimmte Probiotika – in diesem Fall dann Psychobiotika genannt – einzunehmen? Bessern sich tatsächlich psychische Beschwerden? Wir stellen die interessantesten Studien dazu vor.

Bei einigen wurden Psychobiotika verwendet, die es auch im Handel gibt. Bei manchen Studien aber setzte man Spezialpräparate ein, die nur für die jeweilige Studie entwickelt wurden, die es also nicht im freien Handel gibt.

Psychobiotika bremsen negatives Grübeln

Kennen Sie das auch? Dieses ständige Grübeln um ein Problem herum? Das Problem wird nicht weniger, man kommt zu keiner Lösung und die Stimmung wird immer schlechter.

In einer niederländischen Studie – doppelblind und placebokontrolliert – untersuchte man schon im Jahr 2015, ob ein Psychobiotikum aus 9 probiotischen Bakterienstämmen dem negativen Gedankenkarussell ein Ende bereiten könnte (1).

Zum Einsatz kam das Psychobiotikum Ecologic® BARRIER. Die 40 Teilnehmer nahmen es 1-mal täglich über 4 Wochen hinweg (oder ein Placebo). Anschließend zeigte sich, dass die Gruppe, die das Präparat genommen hatte, deutlich seltener in aggressives Verhalten oder negative Gedankenkarusselle fiel.

Im Handel gibt es nur in Österreich die Original-Rezeptur, die in der Studie eingesetzt wurde – und zwar unter dem Markennamen OMNi-BiOTiC® STRESS Repair 9. In Deutschland ist nur noch eine leicht veränderte Rezeptur erhältlich (* OMNi-BiOTiC® SR-9).

Bei letzterer sind von den 9 ursprünglich enthaltenen Stämmen noch 7 enthalten (und 2 weitere). Zusätzlich sind B-Vitamine enthalten, die im Gehirn für die Bildung beruhigender Botenstoffe nötig sind.

Psychobiotika unterstützen die Therapie bei Depressionen

Bei einer Depression werden meist Antidepressiva eingesetzt. Doch nicht jeder Patient spricht sofort darauf an. In einer klinischen Studie von 2019 untersuchte man, ob Psychobiotika die herkömmliche Therapie unterstützen und ihre Wirkung vielleicht sogar beschleunigen könnten (2).

Die 79 Patienten hatten alle eine diagnostizierte Depression, befanden sich gerade in einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode und erhielten auch entsprechende Medikamente. Zusätzlich nahmen sie nun 8 Wochen lang ein Placebo oder ein Psychobiotikum mit dem Stamm Lactobacillus plantarum 299v.

L. plantarum 299v ist eigentlich als Probiotikum bei Reizdarm-Beschwerden bekannt, bewährte sich hier aber auch als Psychobiotikum. Denn die Gruppe mit der probiotischen Unterstützung zeigte eine signifikant schnellere und stärkere Reduktion ihrer depressiven Symptome als die Placebo-Gruppe.

Laboranalysen ergaben außerdem eine verringerte Entzündungsaktivität im Blut, eine Stabilisierung der Zellmembranen, verminderter oxidativer Stress und eine erhöhte Mitochondrienfunktion in der Psychobiotika-Gruppe (3).

* Hier erhalten Sie das Psychobiotikum mit dem Stamm Lactobacillus plantarum 299v.

Psychobiotika – mehr Tryptophan im Blut

Ebenfalls im Jahr 2019 erschien eine Studie, in der man andere probiotische Stämme bei Depressionen untersuchte – und zwar die Kombination aus Lactobacillus helveticus R0052 und Bifidobacterium longum R0175 (4).

Die 110 depressiven Patienten (zwischen 28 und 44 Jahren) wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  1. Eine Gruppe nahm Probiotika (Lactobacillus helveticus und Bifidobacterium longum – 10 Milliarden KBE pro Tag)
  2. Eine zweite Gruppe nahm Präbiotika (Galactooligosaccharide)
  3. Eine dritte Gruppe erhielt ein Placebo-Präparat

Nach 8 Wochen wurde in allen drei Gruppen der BDI-Wert erfasst. Der BDI (Beck-Depressions-Inventar) ist ein Fragebogen, mit dem die Schwere einer Depression gemessen wird. Je höher die Punktzahl, desto schwerer die Depression. Der Wert geht bis maximal 63.

In der Probiotika-Gruppe war der BDI-Wert am stärksten gesunken, nämlich von 17 auf 9 Punkte, in der Placebo-Gruppe von 18 auf 15,5 und in der Präbiotika-Gruppe von knapp 20 auf 14.

Außerdem wurde in der Probiotika-Gruppe weniger des schädlichen Kynurenins im Blut gemessen und gleichzeitig mehr Tryptophan. Tryptophan ist eine Aminosäure, die benötigt wird, um Serotonin zu bilden (ein Botenstoff, dessen Spiegel bei Depressionen häufig sinkt).

Bei Stress oder Entzündungen wird Tryptophan fälschlicherweise zu Kynurenin abgebaut und steht dann nicht mehr für die Serotoninbildung zur Verfügung. Kynurenin schadet zudem noch den Nerven und fördert Depressionen. Ein sinkender Kynurenin-Spiegel ist bei Depressionen also ein gutes Zeichen.

* Hier z. B. gibt es ein Präparat mit genau den probiotischen Stämmen (Lactobacillus helveticus R0052 und Bifidobacterium longum R0175), die auch in der Studie zum Einsatz kamen.

Psychobiotika reduzieren Angst und verbessern den Schlaf

In einer Meta-Analyse von 2025, für die man 72 Studien mit über 6000 TeilnehmerInnen auswertete, kamen die Wissenschaftler zum Schluss, dass Probiotika, Präbiotika und/oder Synbiotika Depressions- und Angstsymptome reduzierten, die Schlafqualität besserten und daher als begleitende Therapie eingesetzt werden können (5).

(Synbiotika sind Kombinationspräparate aus Pro- und Präbiotika. Probiotika enthalten lebende Bakterien, und Präbiotika enthalten Ballaststoffe, die den Bakterien als Nahrung dienen).

Psychobiotika gegen Depressionen im Alter

Auch bei Depressionen im Alter (60 plus) können Psychobiotika helfen. Wir haben in unserem Artikel Probiotika gegen Depressionen im Alter eine entsprechende Studie aus 2026 vorgestellt.

Die Teilnehmer hatten 12 Wochen lang 1-mal täglich 3 Milliarden KBE Lactobacillus helveticus und Bifidobacterium longum oder ein Placebo-Präparat eingenommen – zusätzlich zu ihren Antidepressiva. Nicht nur die depressiven Symptome besserten sich, auch die Angstwerte nahmen ab.

Psychobiotika reduzieren den Stresslevel

In langanhaltenden Stressphasen schüttet die Nebennierenrinde permanent das Stresshormon Cortisol aus. Ein chronisch erhöhter Cortisolspiegel schädigt das Nervensystem und mindert die psychische Belastbarkeit.

Der schon oben genannte probiotische Bakterienstamm L. plantarum 299v kann hier als hormonelle Bremse fungieren.

An einer Studie nahmen 41 Studierende teil, die gerade unter akutem Prüfungsstress litten. Sie nahmen zwei Wochen lang 1-mal täglich entweder ein Placebo oder L. plantarum 299v ein (6).

Der Cortisolspiegel stieg daraufhin in der Placebo-Gruppe erwartungsgemäß an. In der Psychobiotikum-Gruppe wurde der hormonelle Stress-Anstieg hingegen signifikant unterdrückt. Die Probanden berichteten auch, dass sie sich weniger gestresst fühlten.

Viele weitere Studien zur Wirkung von Probiotika auf Stress stellen wir in unserem Artikel Probiotika gegen Stress: Wie Darmbakterien helfen können vor.

Psychobiotika erhöhen Lebensqualität während Chemotherapie

Dass Psychobiotika selbst unter extremen körperlichen und seelischen Belastungen die Lebensqualität stabilisieren können, zeigte eine weitere klinische Studie. Sie ist vom Oktober 2026, also ganz aktuell.

Allerdings kam hier ein hochdosiertes Präparat mit 176 Milliarden koloniebildenden Einheiten pro Tag zum Einsatz und 4 Stämmen (L. rhamnosus GG, B. lactis BS01, B. breve BR03, B. longum BL04). Ein vergleichbares konnten wir im Handel nicht finden.

266 Krebs-Patienten nahmen nach einer Magen-Darm-Krebs-Operation und während ihrer Chemotherapie vier Wochen lang das hochdosierte Präparat oder ein Placebo ein (7). Interessant war, dass es zwar nach diesen vier Wochen keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen gab.

Zwei Monate nach Abschluss der Einnahme jedoch konnte man signifikante Vorteile in der Psychobiotika-Gruppe beobachten, was zeigt, dass die Mittel nicht von heute auf morgen wirken, sondern einige Wochen brauchen, bis sich die Darmflora verändert hat und diese Veränderung sich wiederum auf das Befinden auswirkt.

In der Psychobiotika-Gruppe konnten die Leute Alltagsaktivitäten viel besser ausführen (Haushalt, Spaziergänge, Erledigungen), Schmerzen wurden als weniger einschränkend wahrgenommen, sie waren weniger müde und erschöpft und auch psychisch waren sie optimistischer und stabiler.

Fazit: Psychobiotika unterstützen und beruhigen

Psychobiotika sind also keine Wundermittel, die eine psychische Erkrankung im Alleingang heilen könnten, aber sie können Alltagsstress lindern, so manches negative Gedankenkarussell durchbrechen und insgesamt zu einer besseren Stimmung beitragen.

Da jeder Mensch eine andere Darmflora hat, wirken psychobiotische Präparate nicht bei jedem Menschen gleich gut. Zudem ist Geduld erforderlich, da die Mittel meist erst nach 2 bis 4 Wochen Wirkung zeigen. Schließlich braucht das Mikrobiom (die Darmflora) Zeit zum nachhaltigen Umstrukturieren.

Auch ist es wichtig, nicht irgendein Psycho- oder Probiotikum zu nehmen, sondern zu schauen, dass jene Stämme enthalten sind, die sich in Studien als wirksam erwiesen haben.

Zu guter Letzt ist auch die persönliche Ernährung ein entscheidendes Puzzleteilchen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel Psychobiotische Ernährung für weniger Stress im Alltag.

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Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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