Wieso Probiotika bei Depressionen im Alter?
Probiotika haben sich bereits bei vielen Beschwerden als vielversprechend erwiesen. Meist werden sie eingesetzt, um die Darmflora aufzubauen, etwa nach einer Antibiotikatherapie.
Da man inzwischen aber auch weiß, dass sich die Darmflora auf die Gesamtgesundheit auswirkt und sogar auf die Psyche – über die sog. Darm-Hirn-Achse – gibt es immer mehr Studien aus diesem Bereich.
Über die Darm-Hirn-Achse stehen Darm und Gehirn in engem Austausch. Bei Depressionen ist diese Verbindung besonders interessant. Denn Studien deuten darauf hin, dass eine gestörte Darmflora auch die Stimmung beeinflussen kann.
Forscher untersuchten nun in einer Studie von 2026, ob Probiotika älteren Personen mit Depressionen helfen können (1).
Die Studie: Probanden nahmen zwei Bakterienarten ein
An der Pilotstudie nahmen 58 Teilnehmer ab 60 Jahren teil. Alle litten an einer unipolaren Depression. Dabei erleben die Betroffenen depressive Tiefphasen – im Gegensatz zur bipolaren Störung, bei der sowohl Hoch- als auch Tiefphasen vorkommen.
Die Hälfte der Teilnehmer nahm 12 Wochen lang täglich eine Kapsel mit zwei Bakterienarten nach dem Abendessen ein: Lactobacillus helveticus und Bifidobacterium longum. Die Tagesdosis lag bei etwa 3 Milliarden koloniebildenden Einheiten pro Art. Die andere Hälfte erhielt ein Placebo.
Beide Gruppen wurden zusätzlich mit Antidepressiva behandelt – die Dosierung und Wahl des Mittels wurde individuell festgelegt. Zum Einsatz kamen Sertralin, Escitalopram oder Mirtazapin. Nach den 12 Wochen wurden sie für weitere 12 Wochen beobachtet – also insgesamt 6 Monate.
Beschwerden verbesserten sich stärker
Die Schwere der depressiven Symptome und auch die Angstwerte der Probanden verbesserten sich in beiden Gruppen deutlich – etwas stärker jedoch in der Präparat-Gruppe. Auf die Lebensqualität und die geistige Leistungsfähigkeit hatten die Bakterien dagegen keinen eindeutigen Zusatznutzen.
* Hier finden Sie ein Präparat mit Bifidobacterium longum und hier eines mit Lactobacillus helveticus. Von beiden müssten Sie jeweils 3 Kapseln pro Tag nehmen, um auf die Dosierung in der Studie zu kommen. Die Packungen reichen dann genau für eine 12-Wochen-Kur.
Interessant waren auch die Auswirkungen auf einen weiteren Messwert: In der Präparat-Gruppe stieg der BDNF-Wert im Blut stärker an. BDNF ist ein Eiweiß, das Nervenzellen unterstützt und mit der Anpassungsfähigkeit des Gehirns in Verbindung gebracht wird. Niedrige Werte werden häufig bei Depressionen beobachtet.
Im Stuhl der Präparat-Gruppe nahmen die beiden eingenommenen Bakterienarten deutlich zu – etwa um das Acht- bis Zehnfache in der untersuchten Untergruppe. Die Bakterien erreichten den Darm also tatsächlich und schienen sich dort auch aufzuhalten, werden also nicht gleich wieder ausgeleitet.
Fazit: Probiotika als sinnvolle Ergänzung bei Depressionen
Probiotika können bei älteren Menschen mit Depressionen eine sinnvolle Ergänzung zur üblichen Behandlung sein. Besonders die beiden Bakterienarten Lactobacillus helveticus und Bifidobacterium longum scheinen in diesem Zusammenhang vielversprechend.
Entscheidend ist jedoch auch eine darmfreundliche Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Zwiebeln, Ballaststoffen und fermentierten Lebensmitteln. Denn die Darmflora reagiert unmittelbar auf die Ernährung und passt sich dieser permanent an.
Weitere Informationen darüber, wie der Darm und das Gehirn miteinander kommunizieren, finden Sie in unserem Artikel Darm-Hirn-Achse beeinflusst die Gesundheit.