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  • Gebratener Tofu mit Nudeln und Gemüse in einer weissen Schüssel serviert
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Soja schützt vor Brustkrebs

Frauen, die eine Brustkrebsdiagnose erhalten, werden oft vor Sojaprodukten gewarnt. Soja würde die Erfolge einer Anti-Östrogen-Therapie mindern, so heisst es. Neue Forschungsergebnisse brachten jetzt Überraschendes zutage: Das Immunsystem von langjährigen Sojakonsumenten kann bei Brustkrebs sehr viel besser wirken. Und selbst wenn es doch zu Brustkrebs kommen sollte, sind Sojaliebhaberinnen – was niemand geglaubt hatte – sehr viel besser vor Rückfällen geschützt als Frauen, die nie Soja assen.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 06 Mai 2026
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Soja – Von der Wunderbohne zum Sondermüll

Soja ist in letzter Zeit ein echter Fussabtreter geworden. Kein gutes Haar lässt man mehr an der einstigen Wunderbohne. Gewarnt wird vor ihr, als sei die Hülsenfrucht tatsächlich nichts als hochgiftiger Sondermüll.

Zwar ist die Gen-Sojabohne nun wirklich nicht das Gelbe vom Ei und von einer Monoernährung mit ihr sollte man auch tatsächlich absehen. Doch schadet es keineswegs, ein bisschen zu differenzieren.

Denn es gibt auch gute Nachrichten. Und wer Bio-Qualität, womöglich aus regionaler (z. B. deutscher) Erzeugung wählt, kann das gerne ab und zu tun. Es muss ja nicht in riesigen Mengen sein.

Der regelmässige Verzehr – z. B. mehrmals wöchentlich eine kleine Portion – kann nämlich äusserst interessante gesundheitliche Vorteile haben, besonders dann, wenn man Soja schon seit seiner Jugend liebt.

Für Brustkrebs-Patientinnen

Beim alljährlichen Meeting der American Association for Cancer Research (AACR) wurde eine Studie vorgestellt – sie wurde nicht von der Soja-Industrie gesponsert.

Durchgeführt hatte die Untersuchung das Forscherteam rund um Dr. Leena Hilakivi-Clarke, Professorin für Onkologie vom Georgetown Lombardi Comprehensive Cancer Center.

Professor Hilakivi-Clarke verkündete, sie habe Neuigkeiten für all jene Frauen, die seit vielen Jahren regelmässig Sojaprodukte in ihren Speiseplan einbauen.

Es sei nämlich nicht nur vollkommen unnötig – so die Professorin – bei einer Brustkrebsdiagnose mit dem Verzehr davon aufzuhören. Sie rate sogar dringend davon ab, Sojaprodukte in diesem Fall zu meiden. Denn gerade Brustkrebspatientinnen könnten enorm davon profitieren.

Hysterie beruht teilweise auf wissenschaftlichen Fehlinterpretationen

Bisher glaubte man, dass die Bohne und speziell das enthaltene Genistein (ein Isoflavon), das Wachstum von Brustkrebszellen fördern und stimulieren könne. Man glaubte ferner, dass Soja die bei Brustkrebs übliche Anti-Östrogen-Therapie unterbreche.

Infolgedessen rieten Onkologen ihren Brustkrebspatientinnen eindringlich dazu, nur ja keine Sojaprodukte mehr zu essen.

Diese Sichtweise basierte jedoch auf Experimenten mit Mäusen, und Mäuse besitzen im Gegensatz zu Menschen (und auch Ratten) keine sog. cytotoxischen T-Zellen, eine Zellart, die zu den Immunzellen gehört.

Cytotoxische T-Zellen jedoch sind genau jene Zellgruppe, die Brustkrebs bekämpfen kann (1)

Genistein hilft im Kampf gegen Krebs

In einer früheren Studie zeigte Prof. Hilakivi-Clarkes Forscherteam, dass Ratten, die ihr Leben lang Genistein zu sich nahmen, sehr viel besser auf eine Anti-Östrogen-Therapie ansprachen, als dies die Kontrolltiere taten, die kein Genistein bekommen hatten.

Auch hatte die Genistein-Truppe ein geringeres Risiko, einen Krebsrückfall zu erleiden.

Genistein findet sich übrigens nicht nur in den Bohnen (doch hier in der höchsten Dosis), sondern auch in anderen Hülsenfrüchten, und in geringeren Konzentrationen auch in Obst und Gemüse.

Man kennt etliche Mechanismen, wie Genistein das Krebsrisiko reduzieren kann. Doch kann Genistein auch menschliche Östrogenrezeptoren aktivieren, also so tun, als sei es ein Östrogenmolekül und auf diese Weise wiederum vorhandene Krebszellen wachsen lassen (3).

In der aktuellen Studie nun suchten die Forscher nach Erklärungen, wie es zu ihren früheren Ergebnissen hatte kommen können, wonach Genistein eindeutig krebshemmend wirkte und das Krebswachstum eben nicht weiter anfachte.

Hilakivis Team stellte sodann Folgendes fest:

Zellen gestärkt, die den Krebs attackieren

Besagte T-Zellen attackieren Tumorzellen. Andere Immunzellen jedoch können diese Fähigkeit der T-Zellen wieder deaktivieren. Geschieht dies, kann der Tumor – völlig unkontrolliert – weiter wachsen.

Isst man nun aber Sojaprodukte seit seiner Jugendzeit (also auch schon vor der Pubertät), dann scheint das Genistein dafür zu sorgen, dass die T-Zellen Tumore höchst effektiv erkennen und bekämpfen. Sämtliche Versuche des Krebses, sich vor den Attacken des Immunsystems zu verbergen, schlagen in diesem Fall fehl.

Genistein kann folglich das Immunsystem dahingehend programmieren, dass es – wenn es darauf ankommt – in der Lage ist, gegen Krebs effektiv zu wirken (4).

Der Stoff aus der Bohne aktiviert die tumorbekämpfenden T-Zellen und unterdrückt gleichzeitig jene Zellen, die zu einer Hemmung der T-Zellen führen würden – was laut Professor Hilakivi erklären würde, warum ein langjähriger Konsum (also schon seit der Kindheit und Jugend) das Brustkrebsrisiko senken kann.

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Am besten schon in der Jugend essen

Es ist allerdings entscheidend, dass das Genistein regelmässig und lange vor der Entwicklung eines Tumors verzehrt wird, fügt Hilakivis Kollege und Doktorand Xiyuan Zhang hinzu.

Die Resultate dieser Studien bestätigen Beobachtungsstudien, die zeigten, dass Frauen, die seit langer Zeit täglich mehr als 10 mg Isoflavone zu sich nehmen, ein reduziertes Brustkrebsrisiko aufweisen (7) - verglichen mit Frauen, die täglich weniger als 4 mg Isoflavone zu sich nehmen.

In einer Tasse Sojamilch (240 ml) sind bereits etwa 30 mg Isoflavone enthalten. Der grösste Teil davon besteht aus Genistein. Es würde also schon eine Drittel Tasse pro Tag genügen oder ein kleines Stück Tofu oder eine kleine Menge Soja-Joghurt.

Wer also bereits seit Jahren Sojaprodukte mag, muss deren Verzehr weder infolge der allgemeinen Hysterie noch nach einer Brustkrebsdiagnose aufgeben. Im Gegenteil: Möglicherweise kann das Immunsystem erst mit Hilfe davon Krebs verhindern oder vorhandenem Krebs den Todesstoss versetzen.

Soja schützt das Brustkrebsgen BRCA1

Soja soll ausserdem das sog. Brustkrebsgen BRCA1 schützen können (5), damit es weiterhin als Brustkrebshemmer agieren kann. BRCA1 wird zwar Brustkrebsgen genannt, aber nicht weil es in jedem Fall das Brustkrebsrisiko erhöht. Stattdessen ist es so, dass jede Frau und jeder Mann das BRCA1-Gen besitzen. Nur wenn das Gen eine spezielle Veränderung aufweist, kann dies zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko führen, da dann die körpereigene Brustkrebsabwehr deutlich geschwächt ist.

Ein gesundes BRCA1-Gen hingegen unterdrückt die Entstehung von Brustkrebs – und Genistein, das östrogenähnlich wirkende Isoflavon aus der Bohne, scheint genau diese gesunde Funktion des BRCA1-Gens zu beschützen (6) und zu bewahren, wie im Juni 2017 Forscher des Krebszentrums der University of Arizona in Tucson in ersten In-vitro-Versuchen zeigten. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Journal Current Developments in Nutrition.

Sojaverzehr könnte unwirksame Krebstherapien wirksam machen

In manchen Fällen ist es so, dass ein bestehender Krebs nicht mehr auf die übliche Krebstherapie mit Tamoxifen reagiert. Wird ein ausser Gefecht gesetztes BRCA1-Gen jedoch wieder mit Hilfe von Genistein aus der Bohne reaktiviert, kann Tamoxifen erst wieder so wirken, wie man sich das erhofft.

Ein regelmässiger Verzehr könnte also die Krebstherapie äusserst positiv beeinflussen. Die Forscher aus Tucson bereiten nun weitere Versuche und klinische Studien vor, um den entdeckten Wirkmechanismus auch am Menschen zu überprüfen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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