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Fisch mit Antibiotika verseucht

Fisch mit Antibiotika verseucht

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(Zentrum der Gesundheit) – Der schier unersättliche Hunger der Weltbevölkerung nach Fisch will befriedigt sein. Dazu gibt es heute Aquakulturen. Im Grunde eine gute Lösung in Bezug auf Überfischung und Artensterben. Wie eine Studie der Arizona State University nun jedoch zeigt, liegen Fluch und Segen manchmal nah beieinander. Um die Fischmassen in den Unterwasserfarmen gesund halten zu können, werden häufig Antibiotika eingesetzt, die dann mit dem Fisch zusammen auf unseren Tellern landen.

Die Welt will Fisch – Doch Fisch wird knapp

Die Weiten unserer Weltmeere scheinen unerschöpflich – die Fischbestände darin sind es leider nicht.

Seit 1960 hat sich die Weltbevölkerung fast verdoppelt und mit ihr wächst auch der Appetit auf Fisch. Täglich gehen deshalb Millionen Boote auf Fang. Vor allem die gigantischen Fangquoten der industriellen Fischereiflotten sind dabei ein grosses Problem.

XXL-Trawler mit integrierter Fischfabrik gehen ausgerüstet mit Echolot, Radar und Hubschraubern auf Fang und lokalisieren die gewinnbringenden Fischschwärme.

Mit kilometerlangen Leinen und gewaltigen Netzen fangen sie in kürzester Zeit enorme Mengen. So kann der weltgrösste spanische Thunfischfänger "Albatun Tres" auf nur einer Ausfahrt bis zu 3.000 Tonnen Fisch erbeuten.

Fischbestände brechen zusammen

Fisch ist einer der wichtigsten Eiweisslieferanten für rund die Hälfte der Weltbevölkerung und zählt mit einem Wert von fast 130 Milliarden Dollar zu einem der meist gehandelten Güter der Welt. Darüber hinaus bilden Fischerei und Fischzucht die Existenzgrundlage für zehn bis zwölf Prozent der Menschheit.

Die Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) bemüht sich, aus verschiedenen Quellen die Entwicklung der Fischbestände weltweit möglichst realistisch abzuschätzen.

Die aktuellen Ergebnisse werden alle 2 Jahre in einem Statusbericht veröffentlicht, dem sogenannten SOFIA-Report (The State of World Fisheries and Aquaculture).

Der letzte Bericht ist im Jahr 2014 erschienen und stellt die Entwicklung der Weltfischerei bis 2012 dar. Da Fisch eine Lebensgrundlage für Milliarden Menschen ist, bildet der Report eine wichtige Grundlage für die Entscheidungen der UNO sowie für internationale Abkommen und Verträge.

Nach diesem Modell, das 1500 kommerziell genutzte Bestände und darüber hinaus etwa 500 weitere Bestände berücksichtigt, sind die Bestände der genutzten Bereiche in grosser Gefahr: Dreiviertel der marinen Fischbestände weltweit gelten heute als überfischt oder bis zur Tragfähigkeitsgrenze genutzt.

Diverse Fischbestände sind aufgrund zu hoher Fangmengen sogar bereits zusammengebrochen.

Der rücksichtslose Umgang mit den Fischbeständen hat damit nicht nur dramatische Auswirkungen auf das Ökosystem Meer, sondern auch auf die Lebensgrundlage grosser Bevölkerungsteile.

Daher entstehen seit vielen Jahren immer mehr sog. Aquakulturen: kommerzielle Unterwasserfarmen zur Fischzucht.

Leider handelt es sich dabei um Massentierhaltungen der Extraklasse.

Genau wie es zu Lande Kuh, Schwein und Huhn ergeht, so wird auch der Fisch in den Aquakulturen auf engstem Raum gehalten, mit artfremdem Kraftfutter gemästet und mit Antibiotika versorgt, damit er noch einigermassen lebend die Schlachtreife erreicht.

Lesen Sie dazu auch: Fische - belastet und giftig

Aquakulturen – Eine Alternative?

Aquakulturen haben jedoch auch Vorteile: Mit der Massentierhaltung unter Wasser kann ein Grossteil des weltweiten Bedarfs an Fisch und Meeresfrüchten gedeckt werden, während sich die überfischten Meere nach und nach erholen können.

Auch schaffen die Fischfarmen in sozialschwachen Gegenden neue Arbeitsplätze, die über das ganze Jahr recht stabile Einkommen erwirtschaften können. Die Fangmethoden sind deutlich umweltfreundlicher und auf den Einsatz umweltverpestender Hochseetrawler kann verzichtet werden – so weit, so gut.

Der Sektor Aquakultur wächst wie kein anderer im Lebensmittelbereich.

Etwa 64 Millionen Tonnen Fisch, Krebs- und Weichtiere werden inzwischen in Meeres- und Süsswasserzuchten gemästet. Das entspricht fast der Hälfte des Gewichts der weltweit verzehrten Wasserlebewesen.

89 % davon werden in Asien gezüchtet, insbesondere in China, auf das 60 % der globalen Aquakulturproduktion zurückgeht. In Europa werden 4,2 % der weltweiten Menge produziert. Der Trend geht derzeit in Richtung Ausbau intensiver Monoaquakulturen, die nur eine Spezies züchten.

Je enger die Tiere jedoch leben und je weniger Artenvielfalt herrscht, umso höher die Gefahr von Krankheiten.

Antibiotika in der Aquakultur

Im Oktober 2014 veröffentlichte das Journal of Hazardous Materials eine Studie des Biodesign Instituts der Arizona State University. Die Wissenschaftler Hansa Done und Dr. Rolf Halden überprüften in ihrer Arbeit den Einsatz von Antibiotika in weltweit etablierten Aquakultur-Betrieben.

Die Forscher untersuchten Proben von Shrimps, Lachs, Wels, Forellen, Tilapia (Buntbarsch) und Pangasius, die aus elf verschiedenen Ländern stammten.

Im Ergebnis konnten fünf verschiedene Antibiotika nachgewiesen werden:

  • Oxytetracyclin bei wilden Garnelen, Zuchttilapia, Zuchtlachs und Zuchtforellen
  • 4-Epi-Oxytetracyclin bei Zuchtlachs
  • Sulfadimethoxin bei Zuchtgarnelen
  • Ormetoprim  bei Zuchtlachs
  • Virginiamycin bei Zuchtlachs, der sogar speziell als antibiotikafrei deklariert war

Oxytetracyclin wurde mit Abstand am häufigsten in den Aquakulturen verwendet.

Auch in Garnelen aus freier Wildbahn wurde das Antibiotikum bereits nachgewiesen. Wie es dorthin kommen kann, ist nicht geklärt.

Absichtliche oder unabsichtliche Falschetikettierung kommt genauso in Frage wie eine mögliche Kontamination der Fanggründe durch Abwässer.

Auch geringe Antibiotikarückstände sind bedenklich

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat verfügt, dass in Deutschland für Medikamentenrückstände in tierischen Lebensmitteln strenge Grenzwerte gelten.

In der Schweiz werden ähnliche Vorschriften vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) festgelegt.

Im Kern achten beide Länder auf die Durchsetzung ähnlicher Standards:

Erst wenn die Medikamente vom Körper des Tieres vollständig abgebaut worden sind, darf sein Fleisch zu einem Lebensmittel verarbeitet werden. Für Tierarzneimittel gibt es deshalb festgelegte Wartezeiten, die zwischen der Behandlung eines Tieres und seiner Schlachtung eingehalten werden müssen.

Allerdings dürfen bestimmte Rückstandshöchstmengen in einem Lebensmittel enthalten sein, solange von dieser Menge kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher ausgeht.

In Deutschland überprüfen die Behörden der Lebensmittelüberwachung in den Bundesländern die Einhaltung der Rückstandshöchstmengen. Werden Rückstandshöchstmengen überschritten, darf das Lebensmittel nicht verkauft werden.

In der Schweiz übernimmt die öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes Swissmedic die Funktion der Überwachungsbehörde.

Massstab für diese gesundheitliche Bewertung sind so genannte ADI-Werte, die aus umfangreichen pharmakologischen, toxikologischen und mikrobiologischen Untersuchungsreihen abgeleitet werden.

ADI steht für "Acceptable Daily Intake" und bezeichnet die Menge eines Stoffes, die der Verbraucher täglich und lebenslang über Lebensmittel ohne erkennbaren Schaden für die Gesundheit aufnehmen kann.

Die Grundregeln dieses Konzepts werden in der EU und auch von den meisten internationalen Gremien (z. B. FAO/WHO Codex Alimentarius, JECFA , JMPR) bei der Bewertung von Tierarzneimittelrückständen sowie Pestiziden und anderen chemischen Fremdstoffen in der Nahrung angewendet.

Die Autoren der amerikanischen Studie mussten so auch anerkennen, dass die analysierten Proben ausschliesslich Antibiotikamengen enthielten, die innerhalb der zulässigen Grenzwerte lagen.

Jedoch wiesen die Forscher vehement darauf hin, dass auch diese Mengen genügen, um bei den Tieren zu unerwünschten Nebenwirkungen zu führen

So können Gene unkontrolliert aktiviert oder deaktiviert werden, was zu vielfältigen krankhaften Veränderungen führen kann. Unter der Antibiotikagabe von Oxytetracyclin wurden beispielsweise Deformationen der Wirbelsäule bei Lachsen beobachtet.

Der reichliche Einsatz von Antibiotika kann ferner die Entwicklung von antibiotikaresistenten Bakterien fördern.

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Tausende Tote wegen Antibiotikaresistenz

Die Erfolgsgeschichte der Antibiotika ist weltweit bekannt. Dank ihnen sind Mediziner häufig in der Lage schwerwiegende, bakterielle Infektionskrankheiten schnell und berechenbar unter Kontrolle zu bringen.

Die Kehrseite dieses sensationellen Erfolges wird uns Menschen dann bewusst, wenn die Krankheitserreger sich dem übermässigen Gebrauch dieser Medikamente anpassen und sie gegen Antiobiotika resistent werden, was bedeutet, dass die Antiobiotika dann nicht mehr wirken.

Die genetisch mutierten und nun angepassten Bakterienstämme sind jetzt für das Leben von Mensch und Tieren gleichermassen bedrohlich sowie gefürchteter Alptraum von Medizinern.

Allein in den Ländern der Europäischen Union sterben jährlich 25.000 Menschen an schweren Infektionen, die mit Antibiotika nicht mehr zu behandeln sind.

Auch in der Schweiz sind die Infektionen mit multiresistenten Keimen auf dem Vormarsch.

Als multiresistent gelten Keime, die gegen mehr als drei Klassen von Antibiotika resistent sind.

Die Bakterien wehren sich gegen die "Superwaffe Antibiotikum" und mutieren zu immer raffinierteren Varianten, denen die Medikamente schliesslich nichts mehr anhaben können.

Dr. Halden stellt fest, dass das Problem der Antibiotikaresistenzen nur in den Griff zu bekommen ist, wenn die üblichen Verfahrensweisen in Viehwirtschaft und Aquakultur neu überdacht werden.

Welcher Fisch kommt noch in Frage?

Um die Fischbestände für heutige und nachfolgende Generationen zu schützen, brauchen wir ein weltweites Netzwerk grossflächiger Meeresschutzgebiete und ein nachhaltiges Fischereimanagement, dessen oberste Prämisse das Wohlergehen von Menschen und Tieren ist.

Doch nicht nur auf Hersteller-, sondern auch auf Verbraucherseite muss sich etwas tun.

Die verantwortungsbewussten Konsumenten sollten verstärkt darauf achten, Fische aus kontrollierter Herkunft zu kaufen.

Der Lebensmitteleinzelhandel und die Fischindustrie sind dabei ebenso gefragt wie die Politik, um eine ökologisch nachhaltige Fischerei und Aquakultur umzusetzen und ausreichend Transparenz für den Verbraucher zu schaffen.

Sehr lohnenswert ist hierbei der Blick auf zertifizierte Siegel wie zum Beispiel BIO-Suisse, Bioland und Naturland. Sie bürgen für die Arbeit der biologisch, nachhaltig orientierten Zuchtbetriebe, die auf den Einsatz von Antibiotika und Massenzüchtungen verzichten.

Im Jahr 2012 ist zudem ein europaweit gültiges Siegel für schonende Aquakultur auf den Markt gekommen: das Aquaculture Stewardship Council, kurz ASC. Händler und Hersteller, die das Zertifikat erhalten möchten, müssen sich nicht nur zum Arten-, Umwelt- und Wasserschutz in den Anbaugebieten verpflichten, sondern auch hohe Sozialstandards erfüllen.

Das blaue MSC-Siegel vom Marine Stewardship Council weist auf nachhaltiggefangenen Wildfisch hin. Nach deren Umweltstandards darf nur so viel Fisch gefangen werden, dass sich die Bestände erholen können und das betroffene Ökosystem nicht geschädigt wird.

Genaue Informationen für einen nachhaltigen Fischeinkauf enthält der aktuelle Fischratgeber von Greenpeace. Das oberste Gebot des Ratgebers lautet: Weniger Fisch ist mehr.

Verbraucher sollten seltener und bewusster Fisch essen, weil jeder so seinen eigenen Beitrag zum Schutz der Ökosysteme leisten kann.

Mit dem gesunden Fisch aus ökologisch nachhaltigen Fischereien und Aquakulturen auf unseren Tellern, geht es nicht nur uns Menschen besser, sondern auch den Lebewesen, für die wir Verantwortung tragen.

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Quellen:



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