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  • 2 Vitamine gegen eine Fettleber
3 min

Studie: Zwei Vitamine könnten bei der Fettleber helfen

Forscher der Duke-NUS Medical School in Singapur entdeckten, wie zwei Vitamine eine fortschreitende nicht-alkoholische Fettleber stoppen könnten. Mit den beiden Vitalstoffen könnte der Krankheitsprozess sogar wieder rückgängig gemacht werden, schreiben die Wissenschaftler.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
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Zwei Vitamine im Einsatz gegen die Fettleber

Bei der nicht-alkoholischen Fettleber (häufig mit NAFLD abgekürzt) wird immer mehr Fett in der Leber eingelagert, so dass diese letztendlich ihr Gewicht sogar verdoppeln kann. Da die Fettleber inzwischen bis zu einem Viertel der erwachsenen Weltbevölkerung betrifft und es bislang keine Medikamente dagegen gibt (ausser einer Lebertransplantation im Endstadium der Erkrankung), sind Vorschläge für wirksame Therapien äusserst willkommen.

Möglicherweise könnte bereits die Gabe von zwei bestimmten Vitaminen helfen – zumindest könnten die Vitalstoffe verhindern, dass sich die Fettleber zu ernsthaften Lebererkrankungen weiterentwickelt.

Symptome, wenn aus der Fettleber eine Steatohepatitis wird

Eine Fettleber kommt gerne gemeinsam mit dem metabolischen Syndrom vor, das durch die folgenden Problematiken gekennzeichnet ist: Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes(vorstufe), erhöhter Harnsäurespiegel, erhöhte Cholesterin- und Blutfettwerte.

Wenn Sie also diese Beschwerden haben (oder einige davon), können Sie fast davon ausgehen, auch eine Fettleber zu haben. Wenn sich in der Fettleber entzündliche Prozesse einstellen und es langsam zu Vernarbungen des Lebergewebes kommt, spricht man von einer sog. Steatohepatitis oder Fettleberhepatitis, die oft mit NASH abgekürzt wird.

Während die reine Fettleber meist recht symptomlos bleibt, äussert sich eine Steatohepatitis bei der Hälfte der Patienten mit Beschwerden, z. B. Übelkeit, Völlegefühl, Druck im rechten Oberbauch oder auch Appetitlosigkeit mit Gewichtsabnahme.

Aus der Steatohepatitis können schwere Krankheiten entstehen

Jetzt besteht auch die Gefahr, dass sich die entzündete Fettleber zu schweren Lebererkrankungen weiterentwickeln kann – etwa zu einer Leberzirrhose oder zu Leberkrebs, weshalb die NASH als die häufigste Ursache für Lebertransplantationen gilt.

Während die reine Fettleber in ihrem frühen Stadium komplett reversibel ist (wenn die Lebens- und Ernährungsweise umgestellt wird), verhält es sich anders, sobald sich eine Steatohepatitis entwickelt hat, in deren Verlauf die Leber immer weiter geschädigt wird.

Der Homocysteinspiegel steigt und die Leber wird immer kränker

Bekannt ist, dass bei der Steatohepatitis der Homocysteinspiegel im Blut steigt. Homocystein ist eine Aminosäure, die bei der Verstoffwechslung von Proteinen entsteht und im gesunden Organismus schnell abgebaut wird, weil sie ein entzündungsförderndes und oxidatives Potenzial hat und daher auch mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Welche Bedeutung der steigende Homocysteinspiegel bei der fortschreitenden Steatohepatitis haben könnte, war bislang nicht geklärt.

Im Juli 2022 erschien nun im Journal of Hepatology eine Studie von Forschern der Duke-NUS Medical School (Medizinische Hochschule in Singapur). Darin hiess es, dass bei der Fettleber der Homocysteinspiegel direkt in der Leber steige. Das Homocystein binde sich nun an verschiedene Leberproteine, was deren Struktur ändere und zu deren Funktionsuntüchtigkeit beitrage ( 1 ).

Wie Homocystein der Leber schadet

Wenn sich das Homocystein beispielsweise an das Protein Syntaxin 17 bindet, dann kann dieses Protein seine Aufgabe nicht mehr erfüllen, die darin bestehen würde, Fett aus den Leberzellen zu entfernen, Entzündungen vorzubeugen und die Mitochondrienleistung zu unterstützen. Wenn all das nicht mehr funktioniert, kann sich aus einer Fettleber schneller eine Steatohepatitis entwickeln und aus dieser auch schneller schwere Lebererkrankungen.

Vitamin B12 und Folsäure helfen bei entzündeter Fettleber

Gab man Mäusen, die eine Steatohepatitis hatten, Vitamin B12 und Folsäure, dann stieg der Spiegel des Syntaxin 17 in der Leber und das Protein konnte wieder seine Aufgaben erfüllen. Das Fortschreiten der NASH wurde verlangsamt und die Entzündung der Leber sowie die Leberfibrose (Verhärtung des Lebergewebes) bildeten sich zurück.

„Unsere Ergebnisse sind äusserst wichtig, da sie darauf hinweisen, dass eine recht preiswerte Massnahme (die Gabe von Vitamin B12 und Folsäure) zur Vorbeugung und Therapie der Steatohepatitis eingesetzt werden könnte“, erklärten die Wissenschaftler. „Auch könnte man die Serum- und Leberwerte des Homocysteins als Biomarker zur Beurteilung des Schweregrads der NASH heranziehen.“

Hier lesen Sie weitere ganzheitliche Massnahmen bei der Fettleber.

Vitamintherapie als Entlastung der Gesundheitssysteme

Professor Paul M. Yen, Leiter des Laboratory of Hormonal Regulation an der Duke-NUS und Autor der Studie sagte: „Der Einsatz von Vitamin B12 und Folsäure zur Behandlung der Steatohepatitis würde zu einer enormen Kostenersparnis und Entlastung der Gesundheitssysteme in den Industrie- und Entwicklungsländern beitragen – zumal beide Vitamine ein gutes Sicherheitsprofil aufweisen und als Nahrungsergänzungsmittel von der FDA zugelassen sind.

Natürlich handelt es sich um eine vorläufige Studie mit Mäusen, deren Ergebnisse zunächst beim Menschen überprüft werden müssen. Sicher spricht jedoch nichts dagegen, wenn Sie an einer Fettleber oder Steatohepatitis leiden und mit Ihrem Arzt gemeinsam überlegen, die beiden Vitamine in Ihre Therapie miteinzubeziehen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. Tripathi M, Yen PM et al. Vitamin B12 and folate decrease inflammation and fibrosis in NASH by preventing Syntaxin 17 homocysteinylation. J Hepatol. 2022 Jul 9:S0168-8278(22)02932-4.