Zentrum der Gesundheit
  • Vitamin C Krebs
14 Juni 2022
6 min

Vitamin C im Kampf gegen Krebs

Dass Vitamin C vor Krebs schützen kann, ist bekannt. Über den Mechanismus dieser Schutzwirkung jedoch herrschte noch Unklarheit. Jetzt entdeckten neuseeländische Forscher, wie Vitamin C im menschlichen Körper das Wachstum von Tumorzellen hemmen kann.

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Vitamin-C-Papst Linus Pauling hatte Recht

Vor einem halben Jahrhundert begann der berühmte Wissenschaftler und zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling seine letztendlich bahnbrechenden Forschungen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Vitamin C. Insbesondere für die Krebsprophylaxe und Krebsbekämpfung waren seiner Meinung nach ungewöhnlich hohe Vitamin-C-Dosen höchst hilfreich und unumgänglich.

In den letzten Jahren nun entdecken Wissenschaftler immer wieder neue hochinteressante Wirkmechanismen des Vitamin C und bestätigen damit Paulings einst äusserst umstrittene These, dass Vitamin C heilende und schützende Eigenschaften besitze. Jetzt, viele Jahre nach seinem Tod fanden Forscher heraus, inwiefern Vitamin C das Wachstum von Krebszellen tatsächlich stoppen könnte.

„Unsere Forschungsergebnisse ermöglichen eine vielversprechende und einfache Behandlungsmethode für unseren Kampf gegen den Krebs – sowohl in der Prävention als auch bei der Heilung,“

sagte Dr. Margreet Vissers in einer Presserklärung. Dr. Vissers ist ausserordentliche Professorin der Free Radical Research Group an der University of Otago in Neuseeland und leitete eine erkenntnisreiche Vitamin-C-Studie, deren Ergebnisse kürzlich im Fachmagazin Cancer Research ( 1 ) veröffentlicht wurden.

Dr. Vissers wies darauf hin, dass die Rolle von Vitamin C in der Behandlung von Krebs seit Jahren diskutiert werde. Natürlich gäbe es viele Erfahrungsberichte, denen zufolge Vitamin C sowohl bei der Vorbeugung als auch bei der Heilung von Krebs wirksam gewesen sei. Beweise für einen Wirkmechanismus des Vitamin C seien bislang jedoch Mangelware gewesen.

Dr. Vissers hatte in früheren Studien bereits nachgewiesen, dass Körperzellen in Anwesenheit von ausreichend Vitamin C viel leichter gesund und leistungsfähig bleiben konnten. Das verleitete zur Annahme, dass Vitamin C auch in der Lage sein könnte, Erkrankungen einzudämmen, die ein abnormales Zellverhalten zur Ursache hätten, wie das beispielsweise auch bei Krebs der Fall ist.

Die Vitamin-C-Studie

In ihrer aktuellen Studie wollten Dr. Vissers und ihr Team daher herausfinden, ob der Vitamin-C-Spiegel bei Patienten mit endometrialen Tumoren (Krebs der Gebärmutterschleimhaut) im Vergleich zu jenem bei gesunden Menschen niedriger sei oder nicht. Ausserdem suchten die Forscher nach einem möglichen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-C-Spiegel und der Aggressivität des bösartigen Tumors sowie dessen Widerstandsfähigkeit gegen medizinische Therapien.

Vielversprechende Ergebnisse

Dr. Vissers entdeckte, dass Tumorgewebe im Vergleich zu gesundem Gewebe deutlich weniger Vitamin C aufnehme. Je weniger Vitamin C in den Tumoren vorhanden sei, umso besser scheine es dem entarteten Gewebe zu gehen, umso leichter wachse es und umso besser seien seine Überlebenschancen – während die des betreffenden Menschen schlechter würden. Es schien so, als lehnten Krebszellen Vitamin C konsequent ab. Die beiden mochten sich offenbar nicht sehr.

Auffallend war dabei, dass Tumoren, die wenig Vitamin C enthielten, gleichzeitig eine grössere Menge HIF-1 aufwiesen. HIF-1 (Hypoxie-induzierter Faktor) ist ein Protein, das die Sauerstoffversorgung der Zelle reguliert. (Hypoxie bedeutet Sauerstoffmangel).

Bisher hatte man immer geglaubt, Vitamin C schütze den Körper insofern vor Krebs, als dass es die freien Radikale davon abhalte, dem Erbgut der Zellen Schaden zuzufügen. Man war der Meinung, eine Zelle, deren Erbgut unangetastet bliebe, könne auch nicht entarten und zu einer Krebszelle werden. Doch offenbar schützt Vitamin C die Zelle auf eine ganz andere Weise vor Krebs.

Vom Helfersyndrom des HIF-1-Proteins

Freie Radikale verursachten in Vitamin-C-armem Tumorgewebe offenbar keine weiteren Erbgutschäden. Stattdessen aktivierten sie dort das HIF-1-Protein. HIF-1 hat eine Art Helfersyndrom. Es ist der Meinung, es müsse jeder Zelle, die an Sauerstoffmangel leidet, helfen zu überleben – und achtet in seiner sozialen Begeisterung gar nicht darauf, ob diese Zelle womöglich eine Krebszelle ist, die dem Körper Schaden zufügen könnte. HIF-1 hilft also Zellen dabei, Zucker ohne Sauerstoffzufuhr in Energie umzuwandeln.

Das ist leider noch nicht alles: HIF-1 fördert ausserdem das Wachstum von neuen Blutgefässen um den entstehenden Tumor herum, damit das offenbar erstickende Gewebe bald wieder mit mehr Sauerstoff versorgt werden kann. HIF-1 erkennt also nicht, dass es sich hier um Gewebe handelt, das keinesfalls unterstützt, sondern vielmehr bekämpft werden müsste. Da Tumoren (in der Leber oder in den Lymphknoten) selbst freie Radikale produzieren, um sich mit möglichst viel HIF-1 zu umgeben, können sie immer schneller wachsen.

Vitamin C jedoch (und auch andere Antioxidantien) können diesen Mechanismus bereits im Keime ersticken, da sie die freien Radikale abfangen und exekutieren, noch ehe diese das HIF-1-Protein aktiviert haben. Der Krebs gerät dadurch in einen Energieversorgungsengpass, kann nicht weiter wachsen und erstickt schliesslich.

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Vitamin C verhindert Therapieresistenz

Da die HIF-1-Menge mit zunehmender Vitamin-C-Konzentration im Gewebe immer weiter schwindet, müsste die Vitamin-C-Behandlung von Krebspatienten zu einer deutlichen Verschlechterung der Lebensbedingungen des Tumors führen. Je weniger HIF-1 vorhanden ist, um so eher kann das Krebswachstum eingegrenzt werden und umso grösser werden die Chancen, dass der Krebs schwächer wird und dann auch auf eine Therapie anspricht. Vitamin C könnte – laut Dr. Vissers – sogar die Entstehung solider Tumoren verhindern.

Vitamin-C-Infusionen in der Krebstherapie

In der Krebstherapie wird Vitamin C normalerweise in Form von hochdosierten Infusionen (7,5 bis 45 Gramm und mehr Vitamin C pro Infusion) verabreicht. Details dazu lesen Sie in unserem Artikel über den Einsatz von Vitamin C in der Hausarztpraxis. Vorbeugend kann Vitamin C auch oral eingenommen werden. Die Fachwelt ist sich bezüglich der idealen Dosierung bekanntlich mehr als uneinig.

Der Vitamin-C-Bedarf

Fast alle Tiere können in der Leber aus Glucose selbständig Vitamin C bilden. Der Mensch stellt gemeinsam mit Meerschweinchen, Fledermäusen, einigen Vogelarten und noch anderen wenigen Tierarten hier eine Ausnahme dar. Hunde und Ziegen sollen beispielsweise täglich 20.000 mg Vitamin C produzieren können, wobei diese Menge natürlich immer je nach dem aktuellen und individuellen Bedarf und Gesundheitszustand des einzelnen Tieres schwankt.

Im Vergleich dazu klingen die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen 100 mg (für erwachsene Menschen und 200 mg für Erwachsene in Stresssituationen) ein wenig kümmerlich. Aus diesem Grunde empfahl Linus Pauling ein Vielfaches dieser Dosis. Er selbst soll jahrelang um die 18 g (18000 mg) Vitamin C eingenommen haben – und wurde immerhin trotz seiner Prostatakrebserkrankung 93 Jahre alt.

Wer seine Ernährung in der Hauptsache aus frischen BIO-Früchten, Salaten, Kräutern, Nüssen, Gemüse, Algen und anderen naturbelassenen Lebensmitteln zusammenstellt, gleichzeitig verarbeitete Fertigprodukte (Vitaminräuber) meidet, kann für einen dauerhaft ungleich höheren Vitamin-C-Spiegel sorgen als Menschen, die sich auf die Lebensmittelindustrie verlassen.

Besonders in Härtezeiten aber – bei Stress, Infektionsgefahr oder im Krankheitsfalle – kann eine zusätzliche Vitamin-C-Versorgung mit Vitamin-C-Präparaten äusserst hilfreich sein.

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Das Risiko für Vitamin-C-bedingten Durchfall reduzieren

Die tatsächlich benötigte Vitamin-C-Menge ist individuell von Mensch zu Mensch verschieden. Eine Überdosierung ist fast nicht möglich, da der Körper eine solche ganz schnell mit Durchfall signalisiert und daher vom betreffenden Menschen die Dosis rasch wieder reduziert werden kann. Die Gefahr von Durchfall kann ausserdem reduziert werden, indem man die Tagesdosis auf mehrere kleinere Einzeldosen aufteilt.

Welche Vitamin-C-Präparate sind empfehlenswert?

In Vitamin-C-reichen Früchten sind neben Vitamin C noch viele andere Vitalstoffe, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Nährstoffe enthalten. Wenn alle diese Inhaltsstoffe einer Frucht gemeinsam im Körper eintreffen, können diese gemeinsam wirken und so auch eine verbesserte Vitamin-C-Wirkung erzielen.

Dennoch können zu therapeutischen Zwecken isolierte Vitamin-C-Präparate erforderlich sein, da man die benötigten Vitamin-C-Dosen in diesem Fall in Form natürlichen Vitamin Cs nicht aufnehmen kann (mehrere 1000 mg). Man müsste dazu viele Kilogramm Früchte essen oder 50 bis 100 g Acerolapulver zu sich nehmen, was schon allein aus geschmacklichen und finanziellen Gründen kaum durchführbar sein wird.

Wie sich die verschiedenen Vitamin-C-Präparate unterscheiden, lesen Sie in unserem Vitamin-C-Hauptartikel, den Sie im allerersten Link dieses Artikels (ganz oben unter Vitamin C) finden.

Wenn Vitamin-C-Infusionen nötig sind, ist es Aufgabe Ihres Arztes, Ihnen das richtige Vitamin-C-Präparat zu besorgen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. (1) Caroline Kuiper et al: Low ascorbate levels are associated with increased hypoxia-inducible factor-1 activity and an aggressive tumor phenotype in endometrial cancer