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Omega-Fettsäuren: Günstiger Verlauf bei ALS

Wenn ALS-Patienten einen höheren Spiegel an bestimmten Fettsäuren im Blut haben, ist das Sterberisiko geringer. Auch ist der Verlauf der Krankheit langsamer. ALS steht für Amyotrophe Lateralsklerose – eine neurologische Erkrankung, die zu Lähmungen und vorzeitigem Tod führen kann.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 17 August 2023

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ALS: Nicht nur Omega-3-Fettsäuren sind vorteilhaft

Bei der ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) sind die Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark betroffen. Die Krankheit schreitet kontinuierlich fort. Betroffene verlieren im Laufe der Jahre die Fähigkeit, ihre Bewegungen zu kontrollieren, was langfristig zu Lähmungen führen kann.

Dass eine gesunde pflanzenbasierte Ernährung den Verlauf der Erkrankung bremsen kann, haben wir schon in unserem Artikel ALS: Richtige Ernährung verlangsamt Verlauf erklärt, wo Sie auch eine Liste mit Lebensmitteln finden, die bei ALS in die Ernährung integriert werden sollten. Dabei handelt es sich insbesondere um Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Antioxidantien, wie Carotinoiden, Catechinen, Lignanen, Anthocyanen etc.

Doch auch Omega-Fettsäuren sind bei ALS wichtig, wie eine Studie zeigte, die am 21. Juni 2023 im Fachjournal der American Academy of Neurology (Neurology®) erschienen war. Dabei hatte man bei 449 ALS-Betroffenen (zwischen 47 und 68 Jahre alt) den Blutspiegel bestimmter Omega-Fettsäuren überprüft und ihren Krankheitsverlauf über 18 Monate hinweg dokumentiert ( 1 ).

Bei ALS ist besonders Alpha-Linolensäure vorteilhaft

In oben genannter Studie zeigten sich die folgenden Ergebnisse:

  1. Alpha-Linolensäure (eine kurzkettige Omega-3-Fettsäure) hatte den besten Einfluss auf ALS. Die Fettsäure findet sich vor allem in Leinsaat, Walnüssen, Hanfsamen und Chiasamen.
  2. Die Teilnehmer mit dem höchsten Alpha-Linolensäure-Spiegel hatten einen milderen Verlauf.
  3. Auch starben während des Studienzeitraums in dieser Gruppe weniger Menschen (nur 19 Prozent) als in der Gruppe, die am wenigsten Alpha-Linolensäure im Blut hatten (33 Prozent Todesfälle).
  4. Das Sterberisiko war in der Gruppe mit dem hohen Alpha-Linolensäure-Spiegel um 50 Prozent niedriger als in der Gruppe, die am wenigsten von der Fettsäure im Blut hatte (nach Berücksichtigung des Alters, Geschlechts, Krankheitsbeginns, BMI, der Medikation etc.).
  5. Auch die langkettige Omega-3-Fettsäure EPA zeigte sich in der Studie als vorteilhaft. Ein steigender EPA-Spiegel stand ebenfalls mit einem niedrigeren Sterberisiko in Zusammenhang. EPA findet sich im Algenöl (aber natürlich auch in Fischöl und fettem Fisch). Warum Fisch bei ALS nicht ideal ist, erklären wir in unserem Artikel Quecksilber im Fisch: Risiko für ALS.
  6. Selbst die Omega-6-Fettsäure Linolsäure, die häufig als entzündungsfördernd bezeichnet wird, zeigte sich in vorliegender Untersuchung als hilfreich bei ALS und senkte ebenfalls das Sterberisiko. Da viele Nüsse und Ölsaaten nicht nur die Alpha-Linolensäure enthalten, sondern auch Linolsäure, kann man mit dem Verzehr dieser Lebensmittel keinen Fehler machen.

Bei ALS: Mehr Omega-3-Fettsäuren in die Ernährung integrieren

“Menschen mit ALS können offenbar davon profitieren, wenn sie mehr Omega-3-Fettsäuren in ihre Ernährung integrieren“, sagte Kjetil Bjornevik, Arzt an der Harvard University in Boston, Massachusetts und Mitglied bei der American Academy of Neurology. Bewiesen sei es allerdings noch nicht, erklärte der Forscher, denn in der Studie wurde ja „nur“ der Fettsäurespiegel gemessen und dann geschaut, wie die Krankheit verläuft. Man hatte den Patienten also nicht etwa die Fettsäuren konkret verabreicht und so deren Wirkung überprüft.

Da man leider auch nicht die jeweilige Ernährung der Teilnehmer dokumentiert hatte, lässt sich auch nicht sagen, welche Omega-3- oder Omega-6-haltigen Lebensmittel nun besonders günstig wären. Auch weiß man nicht, ob manche Teilnehmer vielleicht Nahrungsergänzungsmittel eingenommen hatten, wie z. B. Leinölkapseln, Algenöl- oder Fischölkapseln.

Dennoch bestätigt die Studie, dass es bei der Prävention und Therapie von ALS wichtig ist, auf eine gute Versorgung mit hochwertigen Fettsäuren – insbesondere aus einer pflanzenbasierten Ernährung – zu achten. Wenn Sie sich an der Lebensmittelliste orientieren, die Sie im oben verlinkten Artikel zur richtigen ALS-Ernährung finden, können Sie nichts falsch machen, da wir auch dort schon Nüsse, Samen und Kerne aufgeführt hatten, die nicht nur Antioxidantien, sondern auch Omega-Fettsäuren enthalten.

Wenn nur noch Flüssignahrung geht

Wenn ALS-Patienten nur noch Flüssignahrung zu sich nehmen können, dann können die jeweiligen Kerne, Nüsse und Samen im Hochleistungsmixer sehr fein gemixt werden und gemeinsam mit etwas Algenöl zu Smoothies oder Suppen hinzugegeben werden.

Warum manchmal bei ALS vor Omega-3-Fettsäuren gewarnt wird

Nun wird an mancher Stelle aber vor Omega-3-Fettsäuren bei ALS gewarnt, wobei man sich meist auf eine Mäusestudie von 2017 beruft ( 2 ) Dabei kamen Mäuse zum Einsatz, die genetisch so verändert waren, dass sie Nervenschäden entwickelten, die denen einer ALS ähneln. Man spricht dann von sog. „Modellen“, in diesem Fall von ALS-Modellen.

Die Tiere hatten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren erhalten, entweder gleiche Mengen beider Fettsäuren (Gruppe 1) oder 10-mal mehr Omega-6-Fettsäuren als Omega-3-Fettsäuren (Gruppe 2). Welche Omega-3- und welche Omega-6-Fettsäuren sie erhalten hatten, wird nicht erwähnt. Interessanterweise entwickelte sich die Krankheit in Gruppe 1 schneller, während in Gruppe 2 der Omega-6-Überschuss den Verlauf verlangsamte.

Da Omega-6-Fettsäuren häufig pauschal als entzündungsfördernd und ungesund bezeichnet werden, mag dieses Ergebnis überraschen. Doch rät man ja auch in einer gesunden Ernährung zu einem Omega-3-Omega-6-Verhältnis von etwa 1 : 3 bis 1 : 5, während man Verhältnisse ab etwa 1 : 20 als deutlich schädlich einstuft. Es könnte daher auch in der Mäusestudie eher so gewesen sein, dass nicht die Omega-3-Fettsäuren an sich das Problem waren, sondern das ungünstige Omega-3-Omega-6-Verhältnis, weshalb es dann auch jenen Mäusen besser ging, die das „bessere“ Verhältnis bekommen hatten.

Bei ALS auf gute Omega-3-Versorgung achten

Dass eine gute Omega-3-Versorgung bei ALS wichtig ist, zeigte auch bereits eine Studie, die im September 2014 erschienen war. Dazu hatte man die Daten von über 1 Million Teilnehmern ausgewertet und festgestellt, dass Menschen, die mehr Omega-3-Fettsäuren zu sich nahmen (sowohl Alpha-Linolensäure als auch marine Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA aus Fisch/Fischöl/Algenöl)), ein geringeres Risiko hatten, an ALS zu erkranken, als Personen, die nur wenig Omega-3-reiche Lebensmittel zu sich nahmen. Bei Omega-6-Fettsäuren konnte man hier keinen Einfluss auf das ALS-Risiko feststellen ( 3 ).

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.