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Fasten - Keine Angst vor Muskelabbau

Beim Fasten wird immer wieder vor einem Muskelabbau gewarnt. Werde nichts gegessen, würde körpereigenes Protein, also Muskulatur, abgebaut. Das aber stimmt nicht. In einer Studie konnten Forscher zeigen, dass es beim Fasten keineswegs zum gefürchteten Muskelabbau kommt.

Stand: 06 Mai 2026
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Fasten: Keine Gefahr von Muskelabbau

Das Heilfasten ist eine wichtige naturheilkundliche Massnahme, die seit Menschengedenken zur Förderung von Heilprozessen, aber auch zur Prävention eingesetzt wird. Selbst Tiere nehmen bei Krankheit instinktiv oft keine Nahrung zu sich, damit sich der Organismus ganz auf die Heilung konzentrieren kann.

Immer wieder aber wird vor einem angeblichen Muskelabbau gewarnt, der eine unerwünschte Folge sein soll. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass diese Sorge unbegründet ist.

Auch zur Prävention und Therapie von Krebs sinnvoll

Studien bestätigen, dass Fasten – besonders wenn man es regelmässig macht – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt und sogar die Lebenserwartung erhöht (2). In ganzheitlichen Kliniken gehört es ausserdem zum Therapiekonzept zahlreicher Stoffwechsel- und Krebserkrankungen.

Aus Sicht der Schulmedizin galt das Fasten bei Krebs lange Zeit als echtes No-Go. Man sollte als Krebskranker alles vermeiden, was mit Kalorienreduktion zu tun hatte. Schliesslich wusste man, dass Patienten, die Gewicht verloren, eine schlechtere Prognose hatten.

Man befürchtete wohl, dass eine Kalorienreduktion den krankheitsbedingten Muskelabbau verstärken oder sogar auslösen könnte. Mit Kachexie ist die krebsbedingte Abmagerung und Auszehrung gemeint – ein kataboler Zustand, bei dem es zu mehr Muskelabbau und mehr Abbau der Fettmasse kommt, als gleichzeitig neu gebildet werden kann.

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Leiter der Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus (Spezialklinik für Rheumatologie, Orthopädie und Naturheilkunde) in Berlin erklärt im Jahr 2015 in einem Artikel im Fachjournal Forschende Komplementärmedizin:

„Umfangreiche experimentelle Forschung zur kalorischen Restriktion in den letzten zwei Jahrzehnten zeigt, dass diese Massnahme sowohl mit einer Reduktion der Krebsinzidenz als auch der Tumorprogression bei den meisten Tumoren verbunden ist.“

Wobei er sich insbesondere auf das Kurzzeitfasten bezieht (3), wie es beim Intervallfasten praktiziert wird (z. B. 2 Tage pro Woche fasten).

Studie: Führt eine 10-tägige Kur zu Muskelabbau?

Wie sieht es aber nun aus, wenn gesunde Menschen längere Zeit fasten – ganz so wie man es regelmässig im Frühjahr tut, um seinem Organismus etwas Gutes zu tun, um zu entschlacken und körpereigene Reinigungsprozesse anzuregen?

Im Jahr 2021 führten Wissenschaftler u. a. der Université de Strasbourg und der Charité-Universitätsmedizin in Berlin sowie verschiedenen anderen Universitäten in Frankreich, Monaco und den USA eine Studie zum Protein- und Muskelabbau während des Langzeitfastens durch. Die Ergebnisse erschienen im Oktober 2021 im Journal of Cachexia, Sarcopenia and Muscle.

Die Buchinger-Methode

Die Teilnehmer der Studie waren gesunde Männer zwischen 30 und 58 Jahren (teilweise übergewichtig; mit durchschnittlichem BMI von 26), die 10 Tage lang gemäss dem Buchinger-Wilhelmi-Protokoll lebten und täglich ein gemässigtes 3-Stunden-Sportprogramm absolvierten. Die Männer erhielten täglich einen proteinfreien Fastenzusatz (200 bis 250 kcal) pro Tag in Form von Säften und Gemüsebrühe.

Das Programm sah im Detail folgendermassen aus:

  1. Am letzten Tag davor erhielten die Teilnehmer drei leichte vegetarische Mahlzeiten à 200 kcal.
  2. Zur Einleitung wurde der Darm entleert (mit 20 – 40 g Glaubersalz (Natriumsulfat) in 500 ml Wasser).
  3. Jeden Morgen erhielten die Teilnehmer eine 20-g-Portion Honig und tranken 2 bis 3 Liter Wasser oder kalorienfreien Kräutertee.
  4. Mittags gab es 250 ml frisch gepressten Obstsaft, abends 250 ml Gemüsebrühe.
  5. Insgesamt wurden täglich 200 bis 250 kcal aufgenommen.
  6. Jeden zweiten Tag wurde ein Einlauf vorgenommen.
  7. Danach gab es drei Aufbautage, in denen langsam die tägliche Kalorienmenge auf erst 800, dann auf 1600 kcal erhöht wurde.
  8. Das Sportprogramm bestand aus täglich 1 Stunde Ganzkörpertraining (Dehnen und Yoga), einer halben Stunde Spazierengehen am Morgen und 1,5 Stunden Spazierengehen am Abend.

In unserem Artikel Die wichtigsten Fastenmethoden mit Anleitung stellen wir weitere Methoden vor.

Die Teilnehmer nahmen 5 Kilogramm ab

Im Laufe der Fastenzeit kam es zu einem Gewichtsverlust von durchschnittlich 5 kg. Dieser Gewichtsverlust setzte sich folgendermassen zusammen:

  1. 40 Prozent Fett
  2. 35 Prozent Wasser
  3. 25 Prozent Protein (aus stoffwechselaktiven Geweben wie Leber, Nieren, Milz, Darmschleimhaut, Herz und Skelettmuskulatur).

Entscheidend war dabei: Der Anteil des tatsächlichen Muskelabbaus blieb gering. Zwar wurde auch Protein abgebaut, doch dieses stammte nicht überwiegend aus der Muskulatur.

Bereits nach wenigen Stunden waren die Kohlenhydratreserven (Glykogen aus Leber und Muskulatur) aufgebraucht. Jetzt dienten Fett aus den körpereigenen Depots sowie Ketonkörper (die in der Leber aus Fett hergestellt werden) als Hauptbrennstoffe des Stoffwechsels. Ketonkörper können auch vom Gehirn als Brennstoff genutzt werden (statt Glucose).

Kaum Muskelabbau trotz Nahrungspause

Ein relevanter Muskelabbau fand offenbar kaum statt. Proteine wurden vom Organismus nur wenig zur Energiegewinnung genutzt – und das, obwohl kein Protein zugeführt wurde.

Der geringe Proteinabbau, der noch stattfand, scheint eher die Vorstufe einer beschleunigten Zell- und Zellstrukturregeneration darzustellen.

Damit ist gemeint, dass der Körper nicht wahllos Proteine abbaut, um daraus Energie zu gewinnen. Er baut also nicht funktionsfähige Muskeln ab, sondern eher solche Eiweissstrukturen, die er sowieso nicht mehr benötigt (z. B. alte und kranke Zellen) und lässt deren Bausteine (ganz im Sinne des Recyclings) dann natürlich auch in den Energiestoffwechsel einfliessen.

Kein Muskelabbau – Muskulatur bleibt leistungsfähig

Schon nach wenigen Tagen konnte man ausserdem beobachten, dass der Organismus Proteinsparmechanismen aktivierte, was bedeutete, dass noch weniger Protein zur Energiegewinnung herangezogen wurde und stattdessen verstärkt Fett.

In ihrer Schlussfolgerung schreiben die Wissenschaftler, dass „die Muskelbeteiligung wahrscheinlich geringer ist, als lange befürchtet wurde, und dass Muskeln nach dem Fasten ebenso wiederaufgebaut werden wie andere Organgewebe.

Nicht nur blieb ein relevanter Muskelabbau aus. Die Leistungsfähigkeit der Muskulatur (1) der unteren Extremitäten verbesserte sich nach der Kur sogar signifikant, während die übrige Muskulatur erhalten blieb.

Das Wohlbefinden steigt

Das körperliche und auch das emotionale Wohlbefinden steigerten sich während der Kur signifikant, das Hungergefühl nahm ab. Die Leptinwerte sanken (Leptin ist ein Hormon, das den Appetit anregt).

Die Glucose-, Insulin- und Cortisolwerte sanken ebenfalls. Zeitgleich stieg der Spiegel der freien Fettsäuren (und zwar schon in den ersten Stunden des Fastens), was auf Fettabbau hinweist.

Drei Monate nach Fastenende erfolgte eine erneute Untersuchung, die zeigte, dass das Körpergewicht niedriger war als zu Beginn, dass das verlorene Gewicht also nicht wieder zugenommen wurde.

Bewährte Programme schützen vor Muskelabbau

Ideal ist es natürlich, ein bewährtes Programm umzusetzen und ärztlichen Rat einzuholen – besonders dann, wenn Unsicherheit wegen möglichem Muskelabbau besteht.

Auch eine Begleitung durch erfahrene Fachpersonen kann sinnvoll sein. Spezielle Kliniken bieten hier professionelle Anleitung und helfen, die Kur so zu gestalten, dass der Körper entlastet wird, ohne unnötigen Muskelabbau zu riskieren.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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