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Ivermectin – Wirkungen und Anwendung

Ivermectin ist ein Medikament gegen Parasiten und wird medizinisch gegen parasitäre Erkrankungen eingesetzt. Seit der Corona-Pandemie wird es auch bei Covid-19, Long Covid, dem Post-Vac-Syndrom und anderen chronischen Beschwerden diskutiert. Offiziell wird Ivermectin für diese Einsatzgebiete jedoch abgelehnt. Wir schauen uns den Stand der Dinge an.

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Ivermectin – Wofür kann man das Mittel gegen Parasiten einsetzen?

  1. Ivermectin ist als Mittel gegen Parasiten bekannt, wird inzwischen aber auch bei zahlreichen anderen Erkrankungen diskutiert.
  2. Die Forschung zu Covid-19, Long Covid, Post-Vac-Beschwerden und Krebs liefert bislang ein uneinheitliches Bild.
  3. Wir besprechen, warum der Wirkstoff seit Jahren so kontrovers bewertet wird und weshalb Studien zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
  4. Auch beleuchten wir Chancen, Grenzen und Risiken des Wirkstoffs auf Grundlage der aktuellen Datenlage.
  5. Ein naturheilkundlich tätiger Arzt schildert zudem seine Erfahrungen mit Ivermectin in der Praxis.

Was ist Ivermectin?

Ivermectin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Avermectine. Diese Stoffe wurden ursprünglich aus Bodenbakterien gewonnen und später zu wirksamen Medikamenten gegen Parasiten weiterentwickelt.

Die Entdeckung der Avermectine gilt als wichtiger Meilenstein in der Behandlung parasitärer Erkrankungen. Für diese Arbeit erhielten Satoshi Ōmura und William C. Campbell gemeinsam mit Youyou Tu 2015 den Nobelpreis für Medizin.

Ivermectin wird sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin eingesetzt – beim Menschen vor allem bei bestimmten Wurmerkrankungen und bei Krätze. In der Tiermedizin wird der Wirkstoff ebenfalls gegen innere und äußere Parasiten verwendet.

Während der Corona-Pandemie wurde das Mittel plötzlich als mögliches Covid-19-Medikament diskutiert. Auslöser dafür war vor allem eine Laborstudie von 2020. Darin hemmte Ivermectin die Vermehrung des Coronavirus in Zellkulturen (1). Das klang zunächst vielversprechend.

Die Diskussion hatte jedoch eine problematische Folge: Manche Menschen griffen nicht zu Humanpräparaten, sondern zu Mitteln aus der Tiermedizin.

Vergiftungsfälle durch Tierpräparate während der Pandemie

Ivermectin wird auch in der Tiermedizin eingesetzt – etwa bei Pferden, Rindern, Schafen, Hunden und Katzen. Die Präparate sind nicht mit Humanarzneimitteln austauschbar. Sie können deutlich höher dosiert sein und für Menschen ungeeignete Hilfsstoffe enthalten.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Ivermectin-Tabletten für Menschen verschreibungspflichtig.

Auch Tierarzneimittel unterliegen je nach Produkt gesetzlichen Abgabe- und Verschreibungsregeln.

Während der Pandemie gab es trotzdem Vergiftungsfälle. Das passierte vor allem in den USA. Dort waren manche Tiermittel ohne Rezept erhältlich. Die Gesundheitsbehörden warnten daher ausdrücklich davor, Tierarzneimittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Covid-19 einzunehmen.

Wie wirkt Ivermectin im Körper?

Die bekannte und zugelassene Wirkung von Ivermectin betrifft Parasiten. Darüber hinaus werden weitere mögliche Wirkungen diskutiert, zum Beispiel gegen Viren. Auch bei Long Covid, dem Post-Vac-Syndrom oder Krebs. Diese zusätzlichen Anwendungen sind jedoch nicht offiziell anerkannt.

Auf Studien und die einzelnen Einsatzgebiete gehen wir weiter unten genauer ein. Hier geht es zunächst um die möglichen bzw. vermuteten) Wirkmechanismen.

Wirkung gegen Parasiten

Bei Würmern und anderen Parasiten greift Ivermectin in das Nervensystem ein. Der Wirkstoff bindet an bestimmte Chloridkanäle in Nerven- und Muskelzellen. Dadurch werden die Parasiten gelähmt und sterben ab (2).

Mögliche Wirkung gegen Viren

Die mögliche antivirale Wirkung wurde vor allem durch Laborversuche bekannt. In der oben angesprochenen Studie von 2020 konnte der Wirkstoff in Zellkulturen die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen (1). Die Forscher vermuteten, dass Ivermectin den Transport bestimmter Virusbestandteile in den Zellkern beeinflussen könnte.

Für eine ähnliche antivirale Wirkung im menschlichen Körper wären aber sehr hohe Dosen nötig. Diese könnten Nebenwirkungen und Vergiftungen verursachen (3, 4). Schon früh warnten Wissenschaftler deshalb davor, aus den Zellversuchen eine Therapieempfehlung abzuleiten (5).

Mögliche Wirkung bei Long Covid und beim Post-Vac-Syndrom

Bei Long Covid und beim sogenannten Post-Vac-Syndrom wird der Wirkstoff ebenfalls von manchen Therapeuten diskutiert. Beim Post-Vac-Syndrom geht es um Beschwerden, die nach einer Covid-19-Impfung auftreten. Diese Beschwerden werden mit der Impfung in Verbindung gebracht.

Die Idee ist, dass eine entzündungshemmende oder antivirale Wirkung helfen könnte. Das gilt, wenn Entzündungen lange anhalten. Es gilt auch bei Virusresten, Immunstörungen oder unerkannter Infektion.

Für Long Covid gibt es bisher keine großen, hochwertigen Studien.

Diese Studien zeigen keine klare Wirksamkeit von Ivermectin bei bestehenden Beschwerden. Beim Post-Vac-Syndrom ist die Forschungslage noch dünner. Hier stützen sich die Berichte vor allem auf Einzelfälle, ärztliche Erfahrungen und Behandlungsprotokolle.

Mögliche Wirkung gegen Krebs

Auch in der Krebsforschung wird der Wirkstoff untersucht. Laborstudien zeigen, dass Ivermectin verschiedene Signalwege beeinflussen kann. Diese Signalwege spielen beim Tumorwachstum, bei der Zellteilung und bei Entzündungen eine Rolle (6).

Andere Studien beschreiben mögliche Effekte.

Sie könnten den programmierten Zelltod beeinflussen.

Sie könnten die Bildung neuer Blutgefäße fördern.

Sie könnten auch die Immunantwort gegen Tumoren verändern (7). Auch hier fehlen aber noch Humanstudien.

Offiziell anerkannte Anwendungen

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff als verschreibungspflichtige Tablette zugelassen. Er wird vor allem bei bestimmten Parasitenkrankheiten eingesetzt.

Bei welchen Krankheiten wird der Wirkstoff eingesetzt?

Zu den Krankheiten, gegen die Ivermectin eingesetzt wird, gehört die gastrointestinale Strongyloidiasis. Das ist eine Darminfektion mit dem Fadenwurm Strongyloides stercoralis.

Die Wurmlarven gelangen meist durch die Haut in den Körper. Dann wandern sie in den Darm. Dort können sie Bauchschmerzen, Durchfall oder Hautreaktionen auslösen.

Ebenfalls anerkannt ist die Anwendung bei Mikrofilarämie im Rahmen einer lymphatischen Filariose durch Wuchereria bancrofti. Dabei handelt es sich um eine Wurmerkrankung, die durch Mücken übertragen wird. Winzige Wurmlarven zirkulieren im Blut. Langfristig können sie das Lymphsystem schädigen.

Beide Krankheiten sind bei uns nicht heimisch.

Sie treten vor allem in feuchtwarmen tropischen und subtropischen Regionen auf.

Das gilt besonders dort, wo die hygienischen Bedingungen schlecht sind.Aber auch bei Krätze wird der Wirkstoff eingesetzt. Die Krätze, medizinisch „Skabies“ genannt, wird durch Milben verursacht und kommt auch in Mitteleuropa vor. Weitere Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel Krätze – Natürliche Mittel gegen Skabies.

Daneben gibt es Ivermectin auch als Creme zur äußerlichen Anwendung bei der chronisch entzündlichen Hauterkrankung papulopustulöse Rosazea. Obwohl Rosazea nicht als typische parasitäre Erkrankung gilt, vermutet man weitere Ursachen. Eine erhöhte Besiedlung der Haut mit Demodex-Milben kann beteiligt sein. Entzündliche Prozesse können ebenfalls zur Entstehung beitragen.

Ivermectin kann sowohl die Milbenzahl reduzieren als auch entzündungshemmend wirken (11).

Dosierung bei zugelassenen Anwendungen

Bei Strongyloidiasis wird in den Fachinformationen eine einmalige Einnahme von 200 Mikrogramm Ivermectin pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen (8).

  1. Bei Mikrofilarämie liegt die empfohlene Dosis meist bei 150 bis 200 µg/kg.
  2. In endemischen Gebieten kann sie je nach Schema höher sein.
  3. Oder sie wird in längeren Abständen gegeben (8, 9).
  4. Bei Krätze beträgt die übliche Dosis 200 µg/kg. Da Ivermectin gegen Milben wirkt, aber nicht gegen ihre Eier, kann eine zweite Dosis nötig sein.
  5. Je nach Situation erfolgt sie nach etwa 8 bis 15 Tagen (8, 9, 10).

Ivermectin bei Covid-19

Während der Pandemie wurde der Wirkstoff weltweit sehr kontrovers diskutiert. Befürworter verwiesen auf Laborversuche, frühe Studien und ärztliche Erfahrungen – Kritiker auf schwache Studiendesigns, unklare Dosierungen und zurückgezogene Arbeiten.

Frühe Studien weckten Hoffnungen

Die Hoffnung auf eine Wirkung bei Covid-19 begann mit der Zellstudie von 2020 (1). Hinzu kamen erste kleinere klinische Studien und Übersichtsarbeiten, die zum Teil positive Ergebnisse berichteten.

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2021 kam zuerst zu dem Schluss: Der Wirkstoff könnte schwere Krankheitsverläufe verringern. Der Wirkstoff könnte auch Todesfälle verringern (13). Darin flossen 24 Studien mit rund 3.400 Probanden ein.

Diese Übersichtsarbeit wurde später mit einem Warnhinweis versehen, weil Zweifel an der Zuverlässigkeit einzelner eingeschlossener Studien aufgekommen waren.

Eine weitere Übersichtsarbeit aus 2022 umfasste 19 Studien.

Sie schloss insgesamt rund 2.800 Covid-19-Patienten ein.

Sie fand Hinweise auf bessere Verläufe bei Covid-19-Pneumonie (12).

Dabei handelt es sich um eine durch das Virus verursachte Lungenentzündung.

In den frühen Studien wurden sehr unterschiedliche Dosierungen verwendet. Häufig lagen sie bei 200 bis 400 µg/kg oder bei festen Dosen von 12 bis 24 mg. In manchen Studien wurde Ivermectin nur einmal verabreicht, in anderen über mehrere Tage.

Die Dosierung war also ähnlich oder auch höher als bei parasitären Erkrankungen.

Spätere Studien eher ernüchternd

Spätere Studien fielen deutlich ernüchternder aus. In einer kolumbianischen Studie aus dem Jahr 2021 nahmen rund 480 Erwachsene mit mildem Covid-19 teil.

Sie erhielten fünf Tage lang entweder 300 µg/kg Ivermectin oder ein Placebo. Die Zeit bis zum Abklingen der Symptome verbesserte sich nicht signifikant (14).

Auch eine große brasilianische Studie von 2022 mit rund 3.500 Personen fand keinen klaren Vorteil. Dort erhielten Patienten mit früher Covid-19-Diagnose drei Tage lang 400 µg/kg Ivermectin. Sie erhielten auch ein Placebo oder eine von vielen anderen Behandlungen (z. B. Hydroxychloroquin, Metformin oder Fluvoxamin) (15).

Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung oder einen längeren Aufenthalt in der Notaufnahme sank durch die Ivermectin-Einnahme nicht.

Auch die beiden ACTIV-6-Studien mit höheren Ivermectin-Dosierungen von 400 bzw. 600 µg/kg Körpergewicht lieferten keine überzeugenden Hinweise auf einen klinischen Nutzen bei Covid-19 (16, 17). Die Dauer der Beschwerden verbesserte sich nicht relevant. Die Ergebnisse sprechen daher gegen die Annahme. Frühere negative Studien lagen nicht nur an einer zu niedrigen Dosierung.

Kritik an Studiendesigns

Ein großes Problem ist, dass die vorliegenden Studien sehr unterschiedlich waren. Manche untersuchten frühe Krankheitsstadien, andere schwere Verläufe. Die Dosierungen, Behandlungsdauer, Begleitmedikamente und Zielsetzungen unterschieden sich zudem stark. Dadurch lassen sich die Ergebnisse nur schwer vergleichen.

Hinzu kommt, dass einzelne Studien später stark kritisiert oder zurückgezogen wurden. Ein bekanntes Beispiel ist eine ägyptische Studie von 2020 (18). Sie hatte zuerst sehr positive Ergebnisse berichtet. Später wurde sie zurückgezogen. Es gab Zweifel an den Daten. Auch die Studiendurchführung wurde infrage gestellt.

Dies beeinflusste natürlich auch bereits erschienene Übersichtsarbeiten, in denen man solche Studien verarbeitet und ausgewertet hatte. Die Ergebnisse dieser Arbeiten können dadurch deutlich verzerrt werden.

Schließlich kam eine Übersichtsarbeit des renommierten Forschernetzwerks Cochrane aus dem Jahr 2022 zu dem Schluss.

Die bisherige Forschung zeigt keinen verlässlichen Nutzen von Ivermectin.

Das gilt für die Vorbeugung und die Behandlung von Covid-19 (19).

Kann Ivermectin bei Long Covid helfen?

Long Covid sind Beschwerden, die nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 lange anhalten oder neu auftreten. Meist beginnen sie innerhalb von drei Monaten nach der Infektion. Sie dauern dann mindestens zwei Monate an.

Dazu gehören etwa Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Belastungsintoleranz, Atembeschwerden, Schmerzen, Schlafstörungen oder Herzrasen.

Manche Ärzte vermuten, dass bei einigen Betroffenen anhaltende Entzündungen, Virusreste oder Störungen des Immunsystems beteiligt sind. Daher könnten antivirale oder immunmodulierende Wirkstoffe helfen.

Bisher gibt es dafür jedoch keinen überzeugenden Beleg. In der COVID-OUT-Studie aus dem Jahr 2023 wurde zum Beispiel untersucht.

Dabei ging es darum, ob Medikamente während der akuten Infektion spätere Beschwerden verhindern können. Das Diabetes-Medikament Metformin senkte das Risiko für spätere Long-Covid-Beschwerden – Ivermectin hingegen nicht (20).

Die Anwendung des Wirkstoffs bei Long Covid wird also diskutiert, ist bisher aber nicht ausreichend belegt.

Weitere Informationen und Maßnahmen haben wir im Artikel Long Covid – Natürliche Mittel beschrieben.

Kann Ivermectin bei Krebs helfen?

Neben den oben genannten Zellstudien gibt es inzwischen erste Daten aus Studien am Menschen.

Sie betreffen den Einsatz von Ivermectin bei Krebs.

Es gibt aber noch keine klaren Belege.

Eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2026 untersuchte 197 Krebspatienten. Ihnen wurde eine Kombination aus Ivermectin und dem Wurmmittel Mebendazol verordnet (25). Die Patienten hatten alle möglichen Krebsarten – am häufigsten Prostata,- Brust,- Lungen- oder Darmkrebs.

Sie erhielten Kombi-Kapseln mit 25 mg Ivermectin und 250 mg Mebendazol. Die Dosierung wurde individuell festgelegt – am häufigsten nahmen sie 1 bis 2 Kapseln pro Tag ein.

Nach etwa 6 Monaten füllten 122 der Probanden einen Fragebogen aus. Zwei Drittel von ihnen nahmen die Kapseln zu diesem Zeitpunkt noch ein. 84,4 Prozent berichteten einen Nutzen der Behandlung – zum Beispiel eine stabile Erkrankung, einen Tumorrückgang oder keinen weiteren Krebsnachweis.

Jedoch gab es keine Kontrollgruppe, die Krebsarten waren sehr unterschiedlich und viele nutzten gleichzeitig andere Behandlungen wie Chemotherapie, Bestrahlung, Operationen, Nahrungsergänzungen oder Ernährungsumstellungen.

Die Studie liefert somit keinen Wirksamkeitsnachweis. Da weder eine Kontrollgruppe vorhanden war noch objektive Tumordaten systematisch ausgewertet wurden und viele Patienten gleichzeitig etablierte Krebstherapien erhielten, lässt sich nicht beurteilen, welchen Anteil die beiden Parasitenmittel tatsächlich am Krankheitsverlauf hatten.

Die Parasiten-Hypothese chronischer Krankheiten

In der Naturheilkunde gibt es die Vorstellung, dass Parasiten an vielen chronischen Krankheiten beteiligt sein könnten. Bekannt wurde diese Sichtweise unter anderem durch Hulda Clark. Sie vertrat die Sicht, Krebs und zahlreiche andere Krankheiten würden durch Parasiten und Umweltgifte verursacht.

Daraus leiten manche Therapeuten ab, dass eine Entwurmung oder Parasitenbehandlung chronische Beschwerden bessern könne. Wissenschaftlich ist dies nicht belegt. Parasiten können den Körper jedoch belasten, Entzündungen auslösen und das Immunsystem beeinflussen.

Einige Parasiten gelten sogar als krebsfördernd – etwa bestimmte Saugwürmer, die mit Blasen- und Gallengangkrebs in Verbindung stehen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass chronische Krankheiten oder allgemein Krebs durch Parasiten entstehen.

Liegt tatsächlich ein Parasitenbefall vor, dann ist eine gezielte Behandlung sinnvoll. Müdigkeit, Darmprobleme, Hautbeschwerden und Entzündungen können jedoch viele Ursachen haben. Wer einen Befall vermutet, sollte ihn ärztlich abklären lassen – etwa über Stuhluntersuchungen, Blutwerte oder spezielle Tests.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel Darmparasiten loswerden – Natürliche Mittel.

Von welchen Erfahrungen berichten Ärzte und Patienten?

Es gibt internationale Ärzte-Netzwerke, die Ivermectin in umfassende Behandlungskonzepte einbauen. Solche Behandlungsprotokolle ersetzen natürlich keine Studien. Sie beruhen auf Erfahrungsberichten und beweisen deshalb keine Wirkung. Sie können jedoch Hinweise liefern und für Betroffene sehr wichtig sein.

Ein bekanntes Beispiel ist die Independent Medical Alliance (IMA). Dieses Netzwerk veröffentlichte während der Pandemie eigene Behandlungsprotokolle – darunter I-CARE für die frühe Covid-19-Behandlung und I-RECOVER für Long Covid und Beschwerden nach einer Covid-Impfung.

Im I-CARE-Protokoll wird Ivermectin zum Beispiel in einer Dosierung von 400 bis 600 µg/kg täglich für mindestens fünf Tage genannt (21). Kombiniert wird es dort unter anderem mit Hydroxychloroquin, Quercetin, Schwarzkümmel, Melatonin, Curcumin, Zink, Aspirin, Vitamin C, Metformin und weiteren Maßnahmen.

Dies steht im Widerspruch zu den Empfehlungen großer Gesundheitsbehörden wie der WHO oder der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die den Wirkstoff nicht zur Behandlung von Covid-19 empfehlen.

Die Protokolle inklusive genauer Dosierungen der genannten Stoffe findet man auf der Website der Independent Medical Alliance (jedoch auf Englisch).

Was ein naturheilkundlicher Arzt von Ivermectin hält

Gert Dorschner ist u. a. Arzt für Naturheilkunde und hat Ivermectin seit der Pandemie auch bei nicht parasitären Erkrankungen eingesetzt. Er ist inzwischen überzeugt von dem Medikament.

Wie er auf das Mittel aufmerksam wurde

Nach der Lektüre eines Artikels über die Wirkungen des Mittels bei der Corona-Infektion und der Post-Vac-Symptomatik stieß Dorschner auf einen Artikel in der Deutschen Zeitschrift für Akupunktur.

Es handelte sich um einen Erfahrungsbericht aus dem Krankenhaus Havelhöhe Berlin (24) – mit den Empfehlungen der Expertenkommission von Prof. Harald Matthes, der unter anderem an der Charité, Universitätsmedizin Berlin tätig ist.

Später las Dorschner auch über verschiedene Therapieprotokolle, in denen Ivermectin in Kombination mit dem Wurmmittel Fenbendazol zunehmend in der ganzheitlichen Krebstherapie verwendet wird – und begann das Mittel daraufhin verstärkt in der Praxis einzusetzen.

Ivermectin in der antiparasitären Therapie

Zwar verordnet auch er Ivermectin insbesondere in der antiparasitären Therapie (einmalig 12 mg und dann eine wiederholte Gabe nach 3 Wochen). Er sagt: „Jeder Hunde- und Katzenbesitzer gönnt seinem Haustier ab und zu eine ‚Wurmkur‘. Nur der Haustierbesitzer selbst vergisst dabei, dass auch ihm eine solche Kur ab und zu guttun würde!“

In der Ganzheitsmedizin spiele die Therapie von latenten chronischen Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten eine große Rolle, da solche Erreger bei einem geschwächten Immunsystem die verschiedensten Symptome und chronischen Krankheiten triggern können, so Dorschner.

Ivermectin bei Long Covid und dem Post-Vac-Syndrom

Ivermectin gehört seiner Meinung nach außerdem zur Basistherapie bei Long Covid und dem Post-Vac-Syndrom. In der oben genannten Therapieempfehlung der Expertenkommission um Prof. Matthes steht geschrieben (24):

„Das derzeit effektivste Therapieschema zur Spikeproteinelimination bei Nachweis von Spikeprotein im Serum/Plasma, meist auch verknüpft mit geringen Konzentrationen in den PBMC(peripheren mononukleären Zellen = B- und T-Lymphozyten, natürliche Killerzellen und Monozyten) , ist eine 4-fach Therapie bestehend aus:

  1. a. Ivermectin (0,2 mg/kg Körpergewicht über 4 Wochen)
  2. b. Nattokinase (2 x 2000 FU über 4 Wochen)
  3. c. Bromelain (2 x 4 Kapseln pro Tag für 4 Wochen)
  4. d. Acetylcystein (600 mg täglich für 4 Wochen)“

Ob es immer hilft – so Dorschner – kann schwer beantwortet werden, da sowohl Symptomatiken als auch Therapieschemata je nach Vorerkrankungen, vererbten Organschwächen und Zustand des jeweiligen Immunsystems multikausal, hochvariabel und individuell sind.

Wichtig ist, dass Ivermectin beim Post-Vac-Syndrom zum richtigen Zeitpunkt der Erkrankung eingesetzt wird.

Kritik an Fachgesellschaften und Behörden

Leider seien Fachgesellschaften, Fachmedien und teilweise auch die Behörden (u. a. die WHO) von der Industrie unterwandert und würden von dieser zum großen Teil mitfinanziert, so Dorschner.

„Hier wird mit dem ewigen Totschlag-Argument, es gäbe noch zu wenig Studien, gegen vielversprechende, ganzheitliche Therapieverfahren vorgegangen, die aus Sicht der Pharmaindustrie zu billig sind und noch dazu einen auf lange Sicht unlukrativen, weil ursächlich-heilenden Ansatz haben“, sagt er.

Die Datenlage sei zugegebenermaßen noch dünn. „Aber wir Naturheiltherapeuten an der vordersten Front verlassen uns zuallererst auf unsere eigenen Erfahrungen und die direkten Rückmeldungen unserer Patienten“, sagt der Naturheilarzt.

Ivermectin könne – wie alle Mittel – zu Unverträglichkeiten oder Allergien führen (aber nur selten) und z. B. Darmprobleme bzw. Bauchschmerzen verursachen. Allerdings sei es aus seiner Erfahrung meist gut verträglich und könne auch als Wurmkur prophylaktisch eingenommen werden.

Wie wird Ivermectin dosiert?

Bei zugelassenen Anwendungen liegen die Dosierungen meist im Bereich von 150 bis 200 µg/kg – je nach Erkrankung und Behandlungsschema.

In Covid-Studien wurden teilweise höhere oder wiederholte Dosierungen geprüft – etwa 400 µg/kg über 3 Tage oder 600 µg/kg über 6 Tage.

Ivermectin-Tabletten sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig. Auch außerhalb der zugelassenen Anwendungen können sie daher nicht einfach frei gekauft werden, sondern müssen ärztlich verordnet werden. Eine solche Anwendung nennt man Off-Label-Gebrauch.

Bei parasitären Erkrankungen übernehmen die Krankenkassen die Kosten in der Regel. Bei anderen Einsatzgebieten, etwa Covid-19, Long Covid oder Post-Vac-Beschwerden, kann die Kostenübernahme dagegen abgelehnt werden.

Gerade bei höheren Dosen, wie sie in den Covid-Studien zum Einsatz kamen, steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Es ist daher umso wichtiger, sich bei einer solchen Einnahme ärztlich begleiten zu lassen. Der Arzt muss den Nutzen und die Risiken sorgfältig abwägen.

Treten Nebenwirkungen auf, ist die rechtliche Verantwortung komplizierter. Der Hersteller haftet in der Regel nur für die zugelassene Anwendung.

Risiken und Nebenwirkungen

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Hautausschlag und Müdigkeit (2).

Bei Parasiteninfektionen können zusätzliche Reaktionen auftreten, weil absterbende Parasiten Entzündungsreaktionen hervorrufen – etwa Fieber, Juckreiz, Lymphknotenschwellungen oder Blutdruckabfall.

Bei Überdosierungen wurden Verwirrtheit, Koordinationsstörungen, Krampfanfälle, starke Schläfrigkeit, niedriger Blutdruck, Atemprobleme und in schweren Fällen Koma berichtet (2, 8).

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Ein Risiko besteht auch durch mögliche Wechselwirkungen. Die Fachinformation weist darauf hin, dass keine speziellen Wechselwirkungsstudien durchgeführt wurden. Bekannt ist aber, dass das Mittel in der Leber vor allem über das Enzym CYP3A4 abgebaut wird.

Bei Medikamenten, die dieses Enzym oder das Transporteiweiß P-Glykoprotein hemmen, könnte es daher zu Wechselwirkungen kommen. Dazu gehören bestimmte Pilzmittel, Antibiotika, HIV-Medikamente sowie einzelne Herzmittel (22).

Auch bei Gerinnungshemmern wie Warfarin ist Vorsicht geboten, da es in einem Fallbericht zu einer stärkeren Blutverdünnung kam (23).

Falls Sie bereits Medikamente nehmen, sollten Sie die Einnahme also auf jeden Fall mit Ihrem Arzt abklären.

Warum die Bewertung des Medikaments so schwierig ist

Wie bereits im Abschnitt „Kritik an Studiendesigns“ erklärt, ist die Studienlage zu Ivermectin nicht ganz einfach zu beurteilen.

Hinzu kommt die politische und gesellschaftliche Aufladung. Für die einen wurde das Mittel zum Symbol für unterdrückte günstige Medikamente während der Pandemie. Für andere wurde es zum Paradebeispiel für gefährliche Selbstmedikation. Beides erschwert eine nüchterne Bewertung.

Fazit: Ivermectin zwischen Medizin und Kontroverse

Ivermectin ist ein etabliertes Medikament gegen parasitäre Erkrankungen, dessen mögliche weitere Anwendungen seit Jahren kontrovers diskutiert werden. Während Erfahrungsberichte und einzelne Studien Anlass für weitere Forschung geben, fehlt bislang für viele nicht zugelassene Anwendungen ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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