Alkoholschäden: Nicht nur Frauen – auch Männer vor der Zeugung
Längst ist bekannt, dass sich der Alkoholkonsum von werdenden Müttern auf die Gesundheit ihrer Babys auswirkt. Dennoch werden allein in Deutschland pro Jahr rund 10.000 Neugeborene mit Alkoholschäden zur Welt gebracht. Könnte es sein, dass werdende Väter daran nicht ganz unschuldig sind?
Das ungeborene Kind erleidet über die Nabelschnur den gleichen Pegel wie seine Mutter. Laut chinesischen Forschern kann dies allerdings nicht die einzige Ursache für die Schäden bei Neugeborenen sein.
Daten von rund 340.000 Babys auf dem Prüfstand
Bisher haben sich werdende Väter nicht in der Pflicht gesehen, auf das Suchtgetränk zu verzichten. Warum auch? Schliesslich kann es ja nicht sein, dass sich der Konsum von Männern auf das ungeborene Kind auswirkt, oder?
Weit gefehlt, wie die im Jahr 2019 an der Central South University durchgeführte Meta-Studie gezeigt hat. Hierbei wurden 55 Studien aus dem Zeitraum von 1991 bis 2019 ausgewertet und die Daten von 41.747 Babys mit angeborenem Herzfehler und 297.587 Babys mit gesundem Herz analysiert.
Konsum der Väter steigert das Herzfehler-Risiko
Die Forscher kamen zum Schluss, dass das Risiko eines Herzfehlers beim Baby um satte 44 Prozent anstieg, wenn der Vater in den drei Monaten vor der Zeugung regelmässig getrunken hat (1).
In Hinblick auf das Binge Drinking – mindestens 5 Gläser pro Trinkgelegenheit – wurde das Risiko sogar um 52 Prozent erhöht. Je mehr die Väter also vor der Zeugung ihrer Babys getrunken haben, desto grösser war das Risiko für angeborene Herzfehler bei ihren Kindern. (5 Gläser entsprechen dabei mindestens 0,6 Liter Wein, 1,8 Liter Bier oder 0,2 Liter Spirituosen.)
Hatte die Mutter in den Monaten vor der Schwangerschaft getrunken, war das Herzfehler-Risiko des Kindes vergleichsweise niedriger, es war um 16 Prozent erhöht.
Der Studienautor Dr Jiabi Qin liess verlauten, dass der Konsum – und vor allem das Rauschtrinken – ein hochgefährliches Verhalten sei, das nicht nur die Gesundheit der werdenden Eltern gefährde, sondern auch die Wahrscheinlichkeit eines Herzfehlers beim Baby steigere (2).
Warum kann Alkohol vor der Zeugung angeborene Herzfehler provozieren?
Angeborene Herzerkrankungen gehören zu den häufigsten Geburtsfehlern, jährlich sind davon mehr als 1 Million Babys betroffen. 90 Prozent der betroffenen Kinder erreichen zum Glück dank guter Behandlungsmöglichkeiten das Erwachsenenalter. Doch die Wahrscheinlichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt an einem Herzleiden zu erkranken, bleibt erhöht.
Gleich wie z. B. Tabakrauch und Röntgenstrahlen ist auch Alkohol ein Teratogen, also eine äussere Einwirkung, die beim ungeborenen Kind Fehlbildungen hervorrufen kann. Jedes vierte Kind, das mit dem fetalen Alkoholsyndrom zur Welt kommt, leidet an einer angeborenen Herzerkrankung. Dies deutet den Forschern zufolge darauf hin, dass dadurch Herzfehler verursacht werden können.
Aber wie kann es sein, dass er dem Baby schadet, wenn seine Eltern ihn Monate vor der Zeugung trinken? Laut den Wissenschaftlern (2) sind die zugrunde liegenden Mechanismen noch ungewiss und erfordern weitere Forschungsarbeit. Sie gehen jedoch davon aus, dass die DNA des ungeborenen Kindes geschädigt werden kann (3).
Eltern in spe sollten vor der Zeugung auf Alkohol verzichten
Obwohl die Metaanalyse laut Angaben der Forscher Einschränkungen aufweist – etwa, weil die Art des Getränks nicht erfasst wurde – zeigt die Studie klar, dass Babys von Eltern mit Exposition häufiger von einem angeborenen Herzfehler betroffen sind als die Nachkommen von Eltern ohne Konsum.
Noch stehe auch nicht fest, welche Menge Alkohol noch sicher ist, also beim Kind keinen Schaden anrichten kann. In diesem Sinne sollten Männer und Frauen am besten schon Monate vor der Familiengründung und der Zeugung ganz auf Alkohol verzichten. Denn selbst das tägliche Glas Rotwein ist nicht zu empfehlen.