Zentrum der Gesundheit
Ärzte plaudern aus dem Nähkästchen

Ärzte plaudern aus dem Nähkästchen

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(Zentrum der Gesundheit) - Jeder kennt haarsträubende Geschichten über die bisweilen seltsam anmutenden Verhaltensweisen oder Entscheidungen von Krankenkassen - entweder aus eigener Erfahrung oder aus den Erzählungen betroffener Mitmenschen. Doch nicht nur Patienten leiden unter bürokratischen Merkwürdigkeiten, sondern auch so mancher Arzt...

Häusliche Pflege für bein- und armlosen Patienten nötig?

Ein Hausarzt erzählt:

Einem Patienten waren innerhalb von 2 Jahren alle vier Extremitäten amputiert worden. Selbstverständlich erfuhr das auch die Krankenkasse des Patienten. Nichtsdestotrotz bekam ich in jedem Quartal eine Anfrage von der Krankenkasse, ob noch weiter eine häusliche Pflege erforderlich sei. Ich habe dann ein Foto von dem Patienten gemacht, wie er alle Stümpfe von sich streckt. Dieses habe ich der kranken Kasse geschickt mit dem Kommentar, mir sei nicht bekannt, dass beim Menschen jemals Extremitäten nachgewachsen wären. Erst ab diesem Zeitpunkt kamen keine Anfragen mehr zu diesem Patienten.

"Antragsbeantragung" will gelernt sein

Genauso unglaublich: Um einen Patienten in die Reha-Klinik zu schicken, müssen Ärzte einen Antrag ausfüllen. So weit so gut. Doch handelt es sich zunächst um einen Antrag, mit dem sie das eigentliche Antragsformular beantragen. Ist dieses dann eingetroffen, dann darf es nur von jenem Arzt ausgefüllt werden, der einen 20stündigen Weiterbildungskurs absolviert hat.

Sprachtherapie nur bedingt möglich

Ein ähnliches Kreuz haben Hals-Nasen-Ohren-Ärzte zu tragen. Wenn sie einem Patienten eine Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie verschreiben möchten, müssen sie dazu die 84seitige Heilmittel-Richtlinien vom 01.07.2004 mit allen Ergänzungen im besten Behördendeutsch kennen, verstehen und berücksichtigen.

Ein HNO-Arzt schlug daher vor, dem Verantwortlichen für dieses Meisterwerk den Titel "König der Bürokraten" zu verleihen. Sollten Sie also eine solche Therapie benötigen, dann erkundigen Sie sich vorab bei Ihrem Arzt, wie weit er mit dem Studium des 84seitigen Werkes gekommen ist.

Ein Satz Blankoformulare für jede Leiche

In Bayern müssen Ärzte nach der Leichenschau einen Formularsatz in einem verschlossenen Umschlag in den Sarg einlegen. Das klingt soweit vernünftig - aber: Das Formular muss nicht ausgefüllt werden, sondern wird in jeden Sarg blanko ohne den Namen des Verstorbenen eingelegt - für den Fall, dass eine Obduktion erfolgt.

Ausführliche Begründung für 2-Euro-Klistier

Ein Hausarzt klagt:

Es ist nicht möglich, bei der häuslichen Krankenpflege eines schwerstbetroffenen Patienten auf dem üblichen Formular den Schwestern zu erlauben, bei Bedarf ein Abführ-Klistier zu verabreichen. Bevor ein Abführ-Klistier verabreicht werden darf, muss die Krankenkassen-Anfrage beantwortet werden: "Welche Massnahmen haben Sie bisher ergriffen, um den Klistier-Einsatz zu vermeiden?"

Kevin allein zu Hause

Ein weiteres hochinteressantes Beispiel für bürokratische Absurditäten ist die Bescheinigung, die Kinder von kurenden Müttern brauchen. Wenn also die Mutter von Säugling Kevin eine Kur genehmigt bekommt, dann benötigt Kevin - dessen Alter der Krankenkasse bekannt ist - vom Hausarzt eine Bescheinigung, damit er mit in die Kur fahren darf. Ohne Bescheinigung müsste er allein zu Hause bleiben.

Ein Arzt meint genervt, er müsse auf die Bescheinigung folgendes schreiben:

Kevin muss die Mutter begleiten, da er sich als Säugling zu Hause nicht alleine versorgen kann.

Wenn es der Arzt schreibt, wird es vielleicht auch der Sachbearbeiter bei der Krankenkasse früher oder später verstehen…

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Behandlungsbeginn bei akuter Krankheit nach 8 bis 10 Wochen

Wenn nach einer bestimmten schweren Schulterverletzung eine spezielle Schiene sofort nach der Behandlung erforderlich wäre, so stellt sich die Kassenbürokratie schon auch mal quer: Ein Arzt berichtet, dass der Medizinische Dienst der Kassen in diesem Falle regelmässig umfangreiche Unterlagen verlange, deren Bearbeitung etwa 4 bis 6 Wochen Zeit erfordere. Nach diesen 4 bis 6 Wochen erfolge dann aber nicht die Genehmigung der Therapie, sondern eine weitere Anfrage.

Letztendlich könne die Behandlung, die SOFORT nach der Verletzung nötig gewesen wäre, nach gut 8 bis 10 Wochen beginnen. Leider ist sie zu diesem Zeitpunkt dann bereits völlig sinnlos geworden. Der Arzt:

Ich empfehle den betreffenden Patienten dann den Wechsel der Krankenkasse.

Falsches Satzzeichen kann Pflegemassnahme vereiteln

In einem Rundschreiben der kassenärztlichen Vereinigung an ihre Ärzte wurde im letzten Jahr unter anderem auf folgende Wichtigkeit hingewiesen:

Das An- und Ausziehen der Kompressionstrümpfe im Rahmen der häuslichen Krankenpflege darf ab 01.07.2011 in der Verordnung nicht mehr mit Bindestrich, sondern muss mit einem Spiegelstrich getrennt verordnet werden.

Steht also im Rezept ein Bindestrich statt eines Spiegelstrichs, so ist es nicht mehr gültig und der Patient muss seine Kompressionsstrümpfe selbst an- und ausziehen.

Erst Kostenvoranschlag, dann Blasenkatheter

Für einen dringend benötigten Blasenkatheter bei einem 91jährigen Mann, der nicht mehr richtig Wasser lassen konnte und mit dem Krankentransport vom Altenheim in die Praxis eines Urologen gekommen war, musste ein Urologe erst einen Kostenvoranschlag einreichen und auf eine schriftliche Genehmigung warten:

Auch nach meiner telefonischen Rücksprache mit dem zuständigen Sachbearbeiter der BKK XYZ wurde nicht von diesem Vorgehen abgewichen, obwohl ich darauf hingewiesen hatte, dass der Patient sich bereits in der Praxis befand,

schildert der Arzt den Vorgang.

Daraufhin entwickelte sich die Angelegenheit folgendermassen weiter: Eine Hilfsmittelverordnung wurde ausgestellt, der Kostenvoranschlag der Apotheke wurde beigelegt und den Sanitätern mitgegeben. Der Patient wurde unverrichteter Dinge zurück ins Altenheim gebracht (der Krankentransport kostet ja nichts). Das Altenheim schickte die Verordnung und den Kostenvoranschlag an die BKK.

Der Blasenkatheter wurde schliesslich genehmigt, woraufhin die BKK die Verordnung zurück ans Altenheim schickte. Das Altenheim wiederum schickte die Verordnung an die Apotheke, welche den Verweilkatheter an das Altenheim schickte. Das Altenheim vereinbarte nun einen neuen Termin in der urologischen Praxis und der Patient wurde wiederum liegend mit erneutem Krankentransport in die Praxis gebracht.

Gesamtdauer der Aktion: zehn Tage. Kosten des Verweilkatheters ca. 20 Euro. Die Angehörigen des Patienten versicherten ihn anschliessend bei einer anderen Kasse und die ursprünglich zuständige Kasse hatte einen teuren Patienten weniger:

Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

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Quelle:

Ärztenachrichtendienst Verlags-AG ÄND



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