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Die richtige Kita finden

Die richtige Kita finden

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(Zentrum der Gesundheit) – Wenn man sein Kind in eine Kita geben muss oder will, dann sollte es eine wirklich gute Kita sein. Denn das Kind verbringt dort sehr viel Zeit – oft täglich viele Stunden und das mehrere Jahre lang. Die Kita beeinflusst das Kind folglich sehr stark, ganz gleich, ob es um die Ernährung geht, den Tagesablauf, die Freizeitbeschäftigungen, das soziale Verhalten etc. Dieser Einfluss beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Kindheit, sondern auf das gesamte spätere Leben. Wir stellen Ihnen einige Kriterien vor, die Ihnen dabei helfen können, die für Ihr Kind richtige Kita zu finden.

Finden Sie die richtige Kita für Ihr Kind – Die Kriterien einer guten Kita

"Wem gehören unsere Kinder?" fragt der bekannte dänische Familientherapeut Jesper Juul (u. a. Autor von "Dein kompetentes Kind") in einer viel beachteten Streitschrift von 2012. Darin heisst es: "Die Kinderbetreuung ist zu wichtig, um sie allein den Politikern zu überlassen". Juul hinterfragt kritisch die Motive der Politik, für jedes Kind einen Krippenplatz anzubieten. Schliesslich muss gerade in Deutschland die Qualität vieler Betreuungseinrichtungen immer noch hinter der reinen Quantität zurückstehen.

Dennoch gibt es jenseits jeglicher Ideologien viele gute Gründe, die für eine frühe Betreuung von Kleinkindern in einer Kindertagesstätte sprechen – die erwünschte Berufstätigkeit von Frauen ist nur einer davon. Allerdings muss die Fremdbetreuung in einer Kita oder bei einer Tagesmutter strengen Kriterien genügen, damit das betreute Kind einen Nutzen daraus ziehen kann und sich in der Einrichtung wohl fühlt. Wie Sie die richtige Kita für Ihr Kind finden und welche Kriterien für eine gute, kindgerechte Betreuung wichtig sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Frühe Betreuung positiv für die psychische Gesundheit?

Im August 2015 veröffentlichte der Kinder- und Jugendpsychiater Veit Rössner, Professor am Universitätsklinikum Dresden, die aufschlussreichen Ergebnisse seiner in der Fachzeitschrift "Kinder- und Jugendarzt" erschienenen Studie "Determinanten der psychischen Gesundheit im Einschulungsalter – Ergebnisse einer populationsbezogenen Untersuchung aus Dresden".

In der überregionalen Presse fand diese Studie keinen Widerhall. Rössner stellte fest, dass es um die psychische Gesundheit von Vorschulkindern umso besser steht, je früher sie in einer Kita betreut wurden. Mit dieser Ansicht steht die Dresdner Koryphäe in Deutschland ziemlich allein auf weiter Flur, da es natürlich auch die gegensätzliche Meinung gibt, nämlich dass Kinder in der familiären Betreuung der Mutter am besten aufgehoben sind. Manche Studien bescheinigen einer frühen Fremdbetreuung gar, dass sie Kinder schädige und ihre Bindungsfähigkeit nachhaltig störe.

Leider stellt sich für viele Familien gar nicht mehr die Frage, ob sie ihr Kind in die Kita geben oder lieber zu Hause betreuen möchten, da beide Eltern nun einmal arbeiten gehen müssen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Auch leben nicht immer die Grosselten in der Nähe, die einspringen könnten – oder aber sie sind selbst noch jung und berufstätig. Es lohnt sich in diesem Fall daher, die Vorteile der frühen Fremdbetreuung in der Kita zu betrachten:

Kita ersetzt die Grossfamilie

Während Kinder früher in der Grossfamilie gross wurden und daher neben den Eltern und Grosseltern auch noch viele Tanten, Onkel, Schwestern, Brüder, Cousins und Cousinen in ihrer unmittelbaren Nähe hatten, ist das heute in den meisten Familien nicht mehr der Fall. Werden Kinder zu Hause betreut, ist dort nicht selten nur die Mutter oder der Vater und vielleicht noch das eine oder andere Geschwisterchen.

Die Kita kann dagegen die früher übliche Grossfamilie ersetzen, was für Kinder äusserst vorteilhaft sein kann. Wurden Kinder in vergangenen Zeiten durch ganze Dorfgemeinschaften erzogen, so würden heute die Mütter und Väter – so Rössner – buchstäblich um ihre Einzelkinder kreisen bzw. "helikoptern", wie dieses Verhalten gern genannt wird. Während sich in einer Klein(st)familie alles um die Prinzessinnen und Prinzen dreht, sind die Kinder in einer Kita Teil einer Gemeinschaft – und lernen dort, Regeln einzuhalten und auf andere Rücksicht zu nehmen.

Kita-Kinder sind selbstständiger

Die Richtigkeit dieser Annahme zeigt sich auch in den Erkenntnissen der so genannten Wiener Kinderkrippenstudie: Kleinkinder mit mehreren älteren Geschwistern erleben die Kita-Eingewöhnung als deutlich weniger stressig als Einzelkinder. Ausserdem erfahren Kinder in einem Kindergarten die notwendige Freiheit, selbst tätig werden zu können und so selbstständig zu werden – eine Chance, die viele Kinder überfürsorglicher Eltern heute nicht mehr erhalten.

Demzufolge trägt eine frühe Fremdbetreuung dazu bei, dass Kinder ein Selbstbewusstsein und somit Resilenz entwickeln können (Resilenz: psychische Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit, Krisen bewältigen zu können). Nur wer erfährt, dass er selbst wirksam agieren kann und ein Scheitern nicht das Ende aller Bemühungen sein muss, kann mit den Herausforderungen des späteren Lebens umgehen.

Kita-Kinder haben grösseren Wortschatz

In der aufwändig durchgeführten NUBBEK-Studie (NUBBEK = Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit) zeigte sich zwar, dass die frühkindliche Bildung in Kitas im Allgemeinen mittelmässig bis schlecht sei. Dennoch konnte man im Vergleich zu innerfamiliär betreuten Gleichaltrigen erkennen, dass bereits als Zweijährige fremdbetreute Kita-Kinder sowohl einen höheren Wortschatz als auch über bessere Kommunikations- bzw. soziale Fähigkeiten verfügten.

Krippenkinder sind also kommunikativ als auch sozial kompetenter, weil sie eben in der Kita mehr und vielfältiger sprechen müssen als zu Hause. Im Kindergarten gilt es nämlich, zusammen mit anderen Kindern Regeln auszudiskutieren sowie eigene Wünsche zu äussern und durchzusetzen. Gemäss der NUBBEK-Studie ist dieser Vorsprung bei Zweijährigen noch nicht erkennbar, wird aber im Alter von vier bis fünf Jahren deutlich sichtbar.

Kriterium 1 für eine gute Kita: Die Ausbildung und Kompetenz der Erzieher

Damit die positiven Folgen eines frühen Kitabesuchs zum Vorschein kommen, muss das Kind allerdings eine entsprechend hochwertige Kita mit gut ausgebildeten und empathischen Erziehern besuchen. Heutige ErzieherInnen müssen deutlich mehr können als die Kindergärtnerinnen von einst. Aufgrund der Erfordernisse der modernen Zeit und infolge der wissenschaftlichen Erkenntnisse im Hinblick auf die Bedürfnisse von Klein(st)- und Kindergartenkindern sind die Anforderungen an diesen Beruf erheblich gestiegen. Kein Wunder, dass seit einigen Jahren eine akademische Ausbildung gefordert wird.

Meist nur mittelmässige bis schlechte Betreuung in deutschen Kitas

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat für die bestmögliche Fremdbetreuung von Kindern bestimmte Mindeststandards erstellt. Diese sollen Aufschluss über die Qualität der ausserfamiliären Betreuung in Deutschland geben. Anhand dieser Standards hat sich gezeigt, dass es gerade um die Qualität in deutschen Kitas mehrheitlich nicht gerade gut bestellt ist.

Im Vergleich mit 25 anderen Mitgliedsstaaten (darunter auch Frankreich und die skandinavischen Länder) landet Deutschland lediglich im Mittelfeld. Dafür verantwortlich sind verschiedene Gründe, die allerdings auf das Wohlbefinden der Kinder grossen Einfluss haben:
 

  • mangelhafte Ausbildung der ErzieherInnen
  • schlechter Betreuungsschlüssel (zu wenige betreuende Personen auf zu viele Kinder) – siehe Kriterium 2
  • niedrige Qualität des Angebotes
     

Betreuer in Kitas sind häufig unqualifiziert und ohne entsprechende Ausbildung

Aufgrund des herrschenden Fachkräftemangels in diesem Bereich arbeiten in vielen Kindertagesstätten zahlreiche unqualifizierte Kräfte; von einer hochwertigen akademischen Ausbildung keine Spur. Statt gut ausgebildeter, kompetenter Fachkräfte übernehmen un- oder angelernte Hilfskräfte die wichtige und psychologisch höchst schwierige Aufgabe, kleine Kinder adäquat in der Kita zu betreuen.

Sicherlich mag es dabei das eine oder andere empathische Naturtalent geben, doch Intuition reicht für eine gute Fremdbetreuung häufig nicht aus. Neben Empathie brauchen ErzieherInnen eine fundierte psychologische und pädagogische Ausbildung, um die Verhaltensweisen und Äusserungen ihrer Schützlinge richtig deuten zu können.

Wie wichtig dieser Punkt ist, zeigt sich in den Ergebnissen einer Studie des Wiener Bildungswissenschaftlers Wilfried Datler. Hierbei stellte sich heraus, dass schlecht ausgebildete bzw. wenig sensible ErzieherInnen Kinder in der Eingewöhnungsphase oft falsch einschätzen: Die still leidenden Kinder erfahren nicht genug Zuwendung durch die Betreuer, da diese sie fälschlich als gut angepasst interpretieren.

Sprechen Sie also ausführlich mit den Erziehern und entscheiden Sie sich erst für eine Kita, wenn die Fachkräfte einen sympathischen und einen dem Kind zugewandten Eindruck hinterlassen. Dies zeigt sich u. a. darin, dass die Kinder herzlich begrüsst und wieder verabschiedet werden. Sie als Eltern sollten das Gefühl haben, respektiert zu werden.

Erkundigen Sie sich unbedingt nach dem Ausbildungsstand der Erzieher, etwa ob diese sich regelmässigen Weiterbildungen unterziehen und welche Themen dabei behandelt werden. Auch sollten Sie in Erfahrung bringen, ob ausreichend Personal vorhanden ist, damit der gesetzlich vorgeschriebene Betreuungsschlüssel auch in Krankheitsfällen eingehalten werden kann. Natürlich besprechen Sie auch, wie die Eingewöhnung vonstatten gehen wird, siehe Kriterium 4.

Kriterium 2 für eine gute Kita: Wie viele Betreuer stehen für wie viele Kinder zur Verfügung?

Ein weiterer wichtiger Punkt im Hinblick auf die Qualität der Kinderbetreuung ist der Betreuungsschlüssel, d. h. das Verhältnis zwischen der Anzahl der Kinder und der ErzieherInnen. Auch hierbei besteht in Deutschland immer noch ein erheblicher Nachholbedarf, der sich allerdings aufgrund hoher Kosten in naher Zukunft nicht realisieren lassen wird. Gemäss den Mindeststandards der Europäischen Union sollte sich ein/e ErzieherIn um
 

  • maximal drei Kinder im Alter von bis zu 1,5 Jahren
  • maximal vier Kinder im Alter von bis zu 3 Jahren
  • maximal acht Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren
     

kümmern. Dieser auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Betreuungsschlüssel soll sicherstellen, dass jedes Kind die erforderliche Zuwendung erhält, wird aber in Deutschland drastisch unterlaufen. Je nach Bundesland ist im Bereich der unter Dreijährigen eine Erzieherin für mindestens fünf bis sechs Kinder verantwortlich, im Kindergartenalter sogar für bis zu 18.

Dass bei einem Gruppenverhältnis von 18 (womöglich noch altersgemischten) Kindern und einer Erzieherin keine adäquate Betreuung, sondern vielerorts nur noch Verwahrung möglich ist, überrascht nicht. Dabei handelt es sich sogar nur um die offiziellen Regelungen, in der täglichen Realität ist das tatsächliche Verhältnis aufgrund von Krankenstand, unbesetzten Erzieherstellen etc. meist sogar noch schlechter.

Kitas haben oft ein gravierendes Personalproblem

Besonders dramatisch wird es, wenn – wie es etwa in Nordrhein-Westfalen nicht ungewöhnlich ist – sich eine Erzieherin um bis zu 20 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren kümmern muss. Deshalb sollten Sie sich bei der Suche nach einer geeigneten Kita genau erkundigen, wie viele Betreuer pro Gruppe fest eingeplant sind – und ob im Falle einer Erkrankung routinemässig eine Kollegin einspringen kann.

Um ihr Personalproblem zu lösen, beschäftigen engagierte Kitas häufig so genannte "Bufdis" – Bundesfreiwilligendienstleistende, die sich zwischen Schulabschluss und Berufsausbildung oder Studienbeginn sozial engagieren. Erfahrungsgemäss werden diese jungen Leute, oft sind es junge Männer, von den Kindern sehr geliebt.

Kriterium 3 für eine gute Kita: Offenes oder geschlossenes Kita-Konzept

Gemäss der eingangs erwähnten Dresdner Studie sind die wenigsten Auffälligkeiten bei Kindern zu finden, die in festen Gruppen und mit einer oder mehreren Bezugsperson/en mindestens drei bis vier Stunden gemeinsame Aktivitäten mit anschliessendem gemeinsamen Mittagessen erleben. Damit bestätigt sich, was mittlerweile eigentlich schon bekannt sein dürfte: Nämlich, dass Kinder feste Bezugspersonen und Kontinuität brauchen. Dieses feste Gerüst vermittelt Kindern Sicherheit und Geborgenheit – und das ist absolut notwendig, damit das Kind zufrieden ist und lernen kann.

Leider zeigt sich mittlerweile im Kita-Bereich eine Entwicklung weg von festen Gruppen (dem so genannten "geschlossenen System") und hin zu einem offenen Konzept. Kitas, die nach diesem Prinzip arbeiten, erlauben ihren Kindern eine grösstmögliche Freiheit: Die Kleinen dürfen selbst entscheiden, was sie zu welchem Zeitpunkt machen wollen.

Dieses System soll das Selbstbewusstsein sowie die Selbstständigkeit der Kinder fördern, überfordert jedoch die meisten Kinder. Die Überforderung resultiert aus fehlenden, allgemeingültigen Regeln, anhand derer sich die Kinder orientieren und Sicherheit gewinnen können. Das jedoch ist für die Entwicklung von Selbstständigkeit und eine gesunde Ich-Entwicklung wesentlich.

Kriterium 4 für eine gute Kita: Wie verläuft die Eingewöhnung

Noch vor 30 Jahren war es üblich, dass Kinder einfach im Kindergarten abgegeben wurden – ohne irgendeine Eingewöhnung und ohne die Erzieherinnen bzw. die anderen Kinder überhaupt zu kennen. Derartig brachial geht heutzutage kaum noch jemand vor.

Stattdessen wird eine Form der sanften Ablösung und Gewöhnung praktiziert. Dabei begleiten die Eltern das Kind noch für einige Tage bis Wochen, bis das Kleine eine Bindung zur hauptsächlich betreuenden Erzieherin aufgebaut hat und sich in schwierigen Situationen auch von dieser trösten lässt.

Natürlich ist eine weinende und unsichere Mutter, die selbst nicht viel Zutrauen in die Erzieher bzw. Kita hat und sich nur schwer trennen kann, für ihr Kind keine Stütze in der Eingewöhnungsphase. Die Eltern sollten den Abschied daher nicht schwerer machen, als er es ohnehin schon ist.

Weiterhin erfordert diese psychologisch kritische Phase eine sensible und geduldige Erzieherin, die die Zeichen des Kindes richtig deuten kann und die Zeit hat, auf seine Bedürfnisse einzugehen. Eine perfekte Kita haben Sie gefunden, wenn die Erzieher auf die Frage nach der Dauer der Eingewöhnung sagen: "Es dauert so lange es dauert." Dies weist auf verständnisvolle, ungestresste und flexible Betreuer hin. Wie die Wiener Kinderkrippenstudie zeigte, ist ein solches empathisches Verhalten in heutigen Kitas leider keine Selbstverständlichkeit.

Denn eine gute und vor allen Dingen für das Kind stressfreie Eingewöhnung braucht Zeit, manchmal sehr viel Zeit. Im Durchschnitt müssen Sie etwa mindestens vier bis sechs Wochen einplanen, bis sich Ihr Kind an die Kita gewöhnt hat – plus noch einige Wochen bis Monate, die es braucht, bis sich das Kind dort heimisch fühlt und sich leicht von Ihnen trennt.

Kriterium 5 für eine gute Kita: Die Räumlichkeiten, die Ausstattung und der Garten

Die Räumlichkeiten der Kita sollten natürlich einen fröhlichen und sauberen Eindruck hinterlassen, das Aussengelände sollte im Idealfall aus einer grossen Wiese oder einem Sandplatz mit verschiedenen Spielgeräten und Versteckmöglichkeiten bestehen – und die Kinder sollten sich dort auch mehrmals täglich austoben können. Betonwüsten sind eher wenig geeignet, denn Kinder brauchen vielmehr natürliches Grün um sich herum.

In der Einrichtung selbst sollte es nicht nur Spiel- und Gemeinschaftsflächen geben, sondern auch Möglichkeiten für einen Rückzug. Das kann eine Kuschelecke sein oder auch ein separater, mit vielen Kissen o. ä. ausgestatteter Raum. Hier können sich die Kinder zurückziehen, wenn ihnen gerade alles zu viel wird und sie ein Bedürfnis nach Ruhe verspüren.

Wenn Sie auf eine schadstofffreie Umgebung Wert legen, erkundigen Sie sich, ob bei der Ausstattung der Räume (Wandfarben, Bodenbeläge, Möbel, Wohntextilien) und beim Kauf der Spielsachen, Malfarben, Knetmaterialien etc. auf Schadstofffreiheit geachtet wird. 

Kriterium 6 für eine gute Kita: Gesunde Ernährung

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahre 2014 werden Kinder in der Kita alles andere als gesund ernährt. Das angebotene Essen ist meist zu fett, zu süss und zu fleischlastig. Gleichzeitig gibt es zu wenig Obst und Gemüse. Das ist auch kein Wunder, denn aus Kostengründen wird in den wenigsten Kindertagesstätten selbst gekocht. Die meisten Einrichtungen lassen sich die Mahlzeiten durch Caterer oder von nahe gelegenen Schulen oder Altersheimen liefern.

Lassen Sie sich daher beim ersten Kennenlernen der in Frage kommenden Kitas die Speisepläne zeigen und fragen Sie sich nach dem Caterer, so dass Sie sich wiederum dort nach der Qualität der Lebensmittel erkundigen können, falls sich diese nicht bereits am Speiseplan erkennen lässt.

Falls Ihr Kind Unverträglichkeiten haben sollte oder Sie möchten, dass Ihr Kind bestimmte Ernährungsregeln einhält, dann sprechen Sie dies so früh wie möglich an. Denn eine Kita, in der gilt: "Alle essen dasselbe, keiner spielt Extrawurst", kommt für Sie nicht in Frage. Wenn auch noch auf ärztliche Bescheinigungen bestanden wird, nur weil Sie möchten, dass Ihr Kind z. B. keine Süssigkeiten oder keine Milchprodukte bekommt, dann können Sie einer solchen Kita ebenfalls beruhigt den Rücken zuwenden.

Sie als Eltern haben jedoch in jedem Fall die Möglichkeit, auf die Qualität der Kita-Ernährung Einfluss zu nehmen. Da das Frühstück in vielen Fällen zu Hause zubereitet und in die Kita mitgegeben wird, kann man dies so gestalten, wie man möchte.

In der Kita selbst hängt es überdies von den Eltern ab, ob hier etwas verändert werden kann oder nicht. Wenn die Mehrheit der Eltern Wert auf gesundes Essen legt, dann kommen verschiedene Lösungsansätze in Frage. In manchen Kitas kochen die Eltern beispielsweise inzwischen das Mittagessen selbst und haben deshalb Arbeitsgruppen gebildet, die diese Aufgabe reihum übernehmen. Andere Kitas haben ihre eigene Köchin eingestellt oder wählen gezielt einen Caterer aus, der auch hochwertige Kost im Programm hat.

Zeigt sich bei der ersten Besichtigung schon, dass die Ernährung in der Kita nicht gut ist und diesbezüglich auch keine Chancen auf eine baldige Besserung bestehen, dann investieren Sie lieber keine unnötige Kraft in Versuche, dort etwas ändern zu wollen und suchen Sie lieber eine Kita, in der es bereits gesundes Essen gibt.

Auch sollten Sie darauf achten, dass in der Kita täglich Obstpausen angeboten werden, in denen es nicht einmal nur Obst geben muss, sondern gerne auch Gemüserohkost, z. B. in Form von Sticks mit leckerem Dip. Ideal ist natürlich, wenn die Kinder an der Essenszubereitung mithelfen dürfen und auf diese Weise eine gesunde Ernährung für die Kinder von klein auf zu etwas Selbstverständlichem wird. 

Die Kinder sollten ausserdem – wann immer sie mögen – Wasser trinken können. Es sollte sich um ein hochwertiges Wasser handeln (aus einem hochwertigen Wasserfilter oder um Quellwasser aus der Flasche). Leitungswasser ist nicht akzeptabel. Wenn es in der Kita gesüsste Getränke gibt oder nur Tee, Limo und Säfte oder die Getränke nur zu bestimmten Uhrzeiten angeboten werden, dann ist diese Kita nichts für Kinder, die gesund essen und trinken möchten.

Kriterium 7 für eine gute Kita: Regelmässige Aktivitäten

Kinder lieben Abwechslung. Selbst sehr kleine Kinder wollen schon lernen und brauchen vielfältige Anregungen. Eine gute Kita betreut die Kinder daher nicht nur, sondern erfüllt auch einen Bildungsauftrag.

In diesem Zusammenhang bietet die Kita Ausflüge an, führt mit den Kindern Experimente durch oder ermöglicht Erfahrungen, die für viele Kinder im Elternhaus nicht möglich wären. Das kann beispielsweise das Arbeiten mit verschiedenen Werkzeugen in einer Holzwerkstatt sein, aber auch das kreative Gestalten mit Farben und grossen Leinwänden oder das Bepflanzen eines kitaeigenen Gartens. Interessant ist auch das Angebot der zweisprachigen Betreuung, so dass Kinder in diesen Kitas schon früh Bekanntschaft mit einer zweiten Sprache machen können.

Die richtige Kita finden ist gar nicht so leicht

All die genannten Kriterien zeigen, dass es gar nicht so leicht ist, eine wirklich gute Kita zu finden, die alle Voraussetzungen erfüllt, damit man sein Kind mit einem guten Gefühl dort hinbringen kann. Schauen Sie sich daher frühzeitig nach einer geeigneten Kita für Ihr Kind um, wenn möglich schon während der Schwangerschaft, denn für manche wirklich guten Kitas gibt es lange Wartezeiten.

Die grössten Chancen, dass eine Kita alle genannten Kriterien erfüllt, bestehen bei den Waldorf- oder Montessori-Kindergärten. Wir würden daher empfehlen, zunächst nach einer solchen Kita Ausschau zu halten. Finden Sie keine Kita in Ihrer Nähe, die alle Ihre Kriterien erfüllt, dann kommen u. U. auch Tagesmütter in Frage. Wenn Ihr Budget entsprechend hoch ist, stehen natürlich auch private Kitas zur Verfügung, die extrem flexibel sind und nahezu alles bieten, was das Kinder- und auch Eltern-Herz begehrt.

Auch die Gründung einer eigenen Kita – gemeinsam mit anderen Eltern – wäre eine Option. Sie finden im Netz bereits zahlreiche Informationen zu diesem Thema, etwa, mit welchen Kosten gerechnet werden muss, welche Behördengänge und Genehmigungen erforderlich sind uvm.

Informationen und Tipps zu einem gesunden Essen, das Sie Ihrem Kind in die Kita mitgeben können, finden Sie hier: Gesunde Ernährung in der Kita

Und wenn Ihr Kind bereits in die Kita geht, Sie aber dort noch nicht mit dem Essen zufrieden sind, dann machen Sie die anderen Eltern und natürlich auch die Kitaleitung doch auf unseren ZDG-Preis für die gesündesten Kitas aufmerksam. Vielleicht lässt sich damit der Speiseplan gesünder gestalten. Wir würden uns jedenfalls sehr darüber freuen!

Ihr Team vom Zentrum der Gesundheit


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde

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