Kurzsichtigkeit - Sonnenlicht schützt
Augen

Sonnenlicht schützt vor Kurzsichtigkeit

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 11.07.2018
  • 2 Kommentare
Sonnenlicht schützt vor Kurzsichtigkeit
© Edler von Rabenstein - Fotolia.com

Ohne die Sonne wäre auf der Erde kein Leben möglich. So wird durch das Sonnenlicht z. B. Vitamin D gebildet, der Hormonhaushalt gesteuert, die Abwehrkraft gesteigert und die Stimmung verbessert. Neuesten Forschungserkenntnissen zufolge ist das Licht der Sonne aber auch für unsere Sehkraft sehr wichtig. Ein Mangel des natürlichen Lichts kann nämlich zu Kurzsichtigkeit führen, woran weltweit immer mehr Menschen leiden. Lesen Sie bei uns, wie Sie Ihre Kinder davor schützen können oder zumindest den Verlauf dieser Sehschwäche positiv beeinflussen können.

Kurzsichtigkeit mutiert zur Epidemie

Die Kurzsichtigkeit greift um sich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sie zum globalen Gesundheitsproblem erklärt und Experten sprechen schon von einer Epidemie. In den USA und in Europa finden sich inzwischen doppelt so viele Kurzsichtige wie vor 50 Jahren, und in Deutschland ist bereits mehr als ein Viertel der Bevölkerung betroffen.

Die sogenannte Myopie wird dadurch gekennzeichnet, dass weit entfernte Objekte unscharf bzw. verschwommen gesehen werden, währen das Nahsehen keinerlei Probleme verursacht. Die Kurzsichtigkeit ist in den meisten Fällen keine Krankheit und hängt von zwei Faktoren ab: Entweder der Augapfel ist zu lang oder die Brechkraft des Systems Hornhaut-Glaskörper-Linse ist zu hoch.

In puncto Ursachenforschung haben Zwillingsstudien gezeigt, dass Erbfaktoren die Myopie durchaus begünstigen. Die Gene sind aber nicht schuld daran, dass diese Sehschwäche immer öfter auftritt. Vielmehr zeichnen diverse Umweltfaktoren dafür verantwortlich. Dies wird z. B. durch eine Untersuchung in Alaska untermauert, die ergab, dass bei den noch traditionell lebenden Eskimos im Jahr 1969 lediglich zwei von rund 130 Menschen kurzsichtig waren, während die Hälfte ihrer Kinder und Enkelkinder, die sich von der traditionellen Lebensform entfernt hatten, von der Kurzsichtigkeit betroffen war.

Ein Blick auf China verdeutlicht noch klarer, dass die Kurzsichtigkeit in der Tat schon epidemische Ausmasse angenommen hat: Während vor etwa einem halben Jahrhundert nur 10 bis 20 Prozent der Chinesen kurzsichtig waren, sind es jetzt bis zu 90 Prozent der Kinder und jungen Erwachsenen. Ein chinesisches Forscherteam ist diesem Phänomen nun auf den Grund gegangen.

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Sonnenlicht kann Kurzsichtigkeit bei Kindern verhindern

Dr. Mingguang He von der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou startete mit seinem Team im Jahr 2009 eine dreijährige klinische Studie mit über 900 frisch eingeschulten Schülern im Alter von 6 bis 7 Jahren. Dabei wurden zwölf Grundschulen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Während die Kinder in sechs der Schulen pro Tag eine zusätzliche Schulstunde (40 Minuten) im Freien verbrachten, blieb in den anderen sechs Schulen alles beim Alten.

Nach drei Jahren wurden schliesslich alle Kinder auf Kurzsichtigkeit untersucht. Bei 30 Prozent der Kleinen, die sich auch in der Schule unter freiem Himmel aufhielten, hatte sich in dieser Zeit eine Kurzsichtigkeit entwickelt. Bei den anderen waren es allerdings fast 40 Prozent. Dieser Unterschied mag nun gering erscheinen, er ist laut Dr. He aber dennoch ausschlaggebend. Denn: Je früher die Kurzsichtigkeit einsetzt, desto ausgeprägter verläuft sie und kann in Folge dann auch zu einer Netzhautablösung und weiteren Augenleiden führen.

Zudem sollte bedacht werden, dass die Schüler dem Sonnenlicht nur 40 Minuten länger ausgesetzt waren. Die Forscher sind der Auffassung, dass beispielsweise ein zweistündiger Aufenthalt im Freien mit einer deutlich besseren Bilanz verknüpft sein könnte.

Dies war nun nicht die erste Studie, die gezeigt hat, dass der Mangel an Tageslicht Kinder verstärkt kurzsichtig werden lässt. So haben z. B. Lisa A. Jones und ihre Kollegen von der The Ohio State University in Columbus im Jahr 2007 die Daten amerikanischer Ophthalmologen, die 514 Kinder ohne Sehstörung ab einem Alter von 8 bis 9 Jahren beobachtet hatten, genau unter die Lupe genommen. Jedes Fünfte dieser Kinder entwickelte eine Kurzsichtigkeit. Die Wissenschaftler stellten fest, dass nur ein einziger Umweltfaktor damit in Zusammenhang gebracht werden konnte, nämlich die Zeit, welche die nicht kurzsichtigen Kinder im Freien verbracht hatten.

Nun stellt sich die Frage, weshalb das Licht der Sonne die Augen vor Myopie schützt.

Warum führt Lichtmangel zu Kurzsichtigkeit?

Früher herrschte die weitläufige Meinung vor, dass das Lesen bei schlechten Lichtverhältnissen zu Kurzsichtigkeit führe. Heute sieht die Wissenschaft das Problem aber vor allem in der ungenügenden Exposition gegenüber dem Tageslicht. Denn während man in Innenräumen maximal 500 Lux ausgesetzt ist, handelt es sich im Freien um satte 10.000 bis 100.000 Lux. Des Weiteren reicht der Blick hier über viel weitere Distanzen als in Innenräumen.

Warum der Mangel an Tageslicht zu Kurzsichtigkeit führen kann, wird derzeit noch heiss diskutiert. Eine an der Universität Tübingen durchgeführte Studie hat hierbei ergeben, dass die Netzhaut des Auges bei einem geringeren Lichtkontakt weniger von dem Wirkstoff Dopamin produziert, der bei Kindern im Normalfall das Längenwachstum des Augapfels hemmt und somit die Kurzsichtigkeit verhindert.

Dass zu wenig Tageslicht zu Kurzsichtigkeit führen kann, erklärt auch, warum gerade in Südostasien derart viele Kinder darunter leiden.

Smartphone, Tablet & Co. schaden Kinderaugen

In China und Südkorea werden oft schon die ganz Kleinen dazu motiviert Tag für Tag stundenlang zu lernen. Dazu kommt, dass sie generell viel weniger Zeit im Freien verbringen dürfen als z. B. die europäischen Kinder. In Singapur gönnen die Eltern ihrem Nachwuchs im Schnitt nicht einmal drei Stunden, um draussen zu spielen – allerdings pro Woche! Dass sich die Kids hier so selten unter freiem Himmel austoben dürfen, ist zudem auf die besorgniserregende Luftverschmutzung in den Ballungsräumen zurückzuführen.

Ausserdem ist in Südostasien der Gebrauch von Unterhaltungselektronik noch viel intensiver als bei uns – schon im Kleinkindalter wird über Stunden mit Handys und Tablets hantiert. Dabei sollte bedacht werden, dass auch in Deutschland bereits 10 Prozent der Dreijährigen und ganze 50 Prozent der Achtjährigen regelmässig im Internet unterwegs sind und online spielen.

Neben häufigen Aufenthalten im Freien kann also eine reduzierte Nutzung von Smartphone, Tablet & Co. das Sehvermögen der jungen Menschen ebenso schonen. Dr. Wolf Lagrèze, von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg rät somit:

"Eltern sollten die Online-Nutzung ihrer Kinder deshalb kontrollieren und gegebenenfalls genau dosieren."

Dazu kommt natürlich, dass Kinder, die sich regelmässig an der frischen Luft austoben können, eine bessere Stimmung haben, Übergewicht vorbeugen und besser schlafen können – worüber wir hier bereits für Sie berichtet haben.

Um Kurzsichtigkeit zu verhindern oder zumindest aufzuhalten, ist die Prävention der einzige Weg, da sich das fehlgeleitete Augenwachstum nicht wieder umkehren lässt. Solange der Augenkörper aber noch wächst, besteht sehr wohl die Möglichkeit, auf den Verlauf der Fehlsichtigkeit Einfluss zu nehmen.

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Zuletzt kommentiert

Stefanie Knoll schrieb am 12.08.2018

Im Jahre 2011 ist unser erster Sohn F. auf die Welt gekommen. Da in meiner Familie väterlicherseits seit mehreren Generationen Kurzsichtigkeit weitervererbt wird, habe ich mich informiert, ob es Möglichkeiten gibt, bei unserem Sohn einer Kurzsichtigkeit vorzubeugen. Und ich habe mich sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass man das Risiko eines Kindes, kurzsichtig zu werden, deutlich senken kann, indem man es möglichst oft ins Freie schickt. Ich habe von diesem Moment an immer darauf geachtet, dass sich unser Sohn jeden Tag mindestens zwei Stunden im Freien aufhält, bei Schönwetter waren es oft vier Stunden und länger. Ich habe ihn bereits als Baby und Kleinkind stundenlang im Kinderwagen ausgefahren, später sind wir gemeinsam von Spielplatz zu Spielplatz gepilgert oder waren nach dem Kindergarten oft stundenlang mit Kinder-Traktor oder Laufrad unterwegs. Gleichzeitig waren digitale Medien wie Handy oder PC tabu für unseren Sohn und auch das Fernsehen habe ich sehr stark eingeschränkt. Ich war guter Dinge, das Beste für meinen Sohn zu tun und ihn so gut es geht vor einer Kurzsichtigkeit zu schützen. Als er fünf Jahre alt war, aber leider der Schock: Es wurde bei ihm bereits eine leichte Kurzsichtigkeit festgestellt. Um zu verhindern, dass die Kurzsichtigkeit recht schnell ansteigt bei ihm, bin ich mit ihm weiterhin so viel wie möglich ins Freie gegangen, im Sommer wie im Winter, bei Regen, Sonnenschein und Eiseskälte – Hauptsache raus ins Freie. Im ersten Jahr blieb die Kurzsichtigkeit unseres Sohnes stabil, aber nun neuerlich der Schock: Die Kurzsichtigkeit verschlechtert sich plötzlich rapide und hat nun innerhalb eines Jahres um über eine Dioptrie zugenommen. Da aufgrund des frühen Beginns und der familiären Vorgeschichte eine hohe Kurzsichtigkeit bei ihm zu erwarten ist, haben mein Mann und ich nun beschlossen, Maßnahmen zur Myopiekontrolle (Speziallinsen, Atropin) zu versuchen, da wir selbst offenbar nichts mehr tun können, um ihn vor einer hohen Kurzsichtigkeit zu bewahren. Viel rausgehen werde ich natürlich weiterhin mit unseren mittlerweile zwei Söhnen, als zusätzliche unterstützende Maßnahme.

Ich glaube mittlerweile nicht mehr daran, dass das Tageslicht alleine so entscheidend ist. Wäre das Tageslicht so wichtig, müssten in den Nordländern (Skandinavien, Island) viel mehr Menschen kurzsichtig sein als bei uns, da es dort im Winter über Monate nicht richtig hell wird, dem ist aber nicht so. Und unser Sohn hätte auch nicht kurzsichtig werden dürfen - schon gar nicht so extrem früh - , wenn ausreichend Aufenthalt im Freien eine Kurzsichtigkeit verhindern kann. Ich denke, wenn eine (hohe) Myopie in einem Kind drinnen steckt, wird sie zutage treten, Tageslicht hin oder her. Vielmehr vermute ich, dass es weitere Faktoren gibt, die zur Entwicklung einer Kurzsichtigkeit beitragen, die wir aber bislang noch nicht kennen.

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Hallo Stefanie

Es tut uns sehr leid, dass Sie Ihren Sohn nicht vor seiner vererbten Kurzsichtigkeit bewahren konnten. In unserem Artikel werden jedoch lediglich die Erkenntnisse der beschriebenen chinesischen Studie vorgestellt. Und auch in dieser Studie erkrankten - trotz Sonnenlicht - 30 Prozent der Kinder an Kurzsichtigkeit. Es waren also zwar weniger als in der anderen Gruppe (40 Prozent), doch konnte die Kurzsichtigkeit nicht völlig verhindert werden. Sonnenlichtmangel ist daher EIN Faktor (von sicherlich vielen), der das Risiko für Kurzsichtigkeit erhöhen kann.

Alles Gute und viele Grüsse

Ihr Team vom

Zentrum der Gesundheit

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