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Antibiotika erhöhen Allergierisiko bei Kindern

Antibiotika erhöhen Allergierisiko bei Kindern

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(Zentrum der Gesundheit) – Wenn schon Säuglingen ein Antibiotikum verordnet wird, kann dies ihre Anfälligkeit für Nahrungsmittelallergien deutlich erhöhen. Denn Antibiotika räumen nicht nur mit schädlichen Bakterien auf. Sie irritieren auch das Immunsystem derart, dass der Entstehung von Allergien Tür und Tor geöffnet wird – wie Forscher der University of South Carolina im September 2016 verkündeten. Daher ist es äusserst sinnvoll, Antibiotikagaben gerade bei Kindern im Alter von unter einem Jahr sorgfältig abzuwägen.

Antibiotika-Nebenwirkung: Nahrungsmittelallergie

Antibiotika können – wie jedes Medikament – Nebenwirkungen haben. Besonders bekannt sind die Nebenwirkungen, die das Verdauungssystem betreffen. Wissenschaftler von der University of South Carolina konnten nun ganz konkret belegen, dass Antibiotika auch die Gefahr für Allergien erhöhen.

Die Forscher rund um Dr. Bryan Love untersuchten Daten vom Gesundheitsdienst für Bedürftige aus den Jahren 2007 bis 2009. Sie fanden darin 1.504 Kinder mit Nahrungsmittelallergien und 5.995 Kinder ohne derartige Allergien.

Bei der Auswertung wurden selbstverständlich andere mögliche Ursachen und Faktoren berücksichtigt, wie z. B. die Art der Ernährung, das Vorhandensein von Asthma und Neurodermitis, das Alter der Mutter, der Wohnort (Stadt oder Land), die ethnische Zugehörigkeit, der Geburtsmonat etc.

Je öfter Antibiotika, umso wahrscheinlicher entwickelt sich eine Allergie

Es zeigte sich, dass jene Kinder, die im Laufe ihres ersten Lebensjahres Antibiotika erhalten hatten, häufiger eine Nahrungsmittelallergie entwickelten als Kinder, die keine Antibiotika einnehmen mussten. Je häufiger ein Kind Antibiotika einnahm, umso wahrscheinlicher war es, dass es eine derartige Allergie bekam. Das Allergierisiko stieg also kontinuierlich mit jeder zusätzlichen Antibiotika-Einnahme.

Das von Dr. Love geleitete Forscherteam stellte fest, dass besonders stark die beiden Breitband-Antibiotika Cephalosporine und Sulfonamide die Allergieentstehung zu forcieren schienen. Die Allergiegefahr bestand hingegen nicht so auffällig bei Penicillin und Macroliden.

Antibiotika schädigen Darmflora – Geschädigte Darmflora führt zur Allergie

Die Studie wurde im Fachjournal Allergy, Asthma & Clinical Immunology veröffentlicht. Im entsprechenden Artikel erklärte das Team um Dr. Love, dass die Studie eine Erweiterung früherer Untersuchungen sei, die gezeigt hatten, dass es auf die Darmflora ankäme, ob ein Kind eine Nahrungsmittelallergie entwickle oder nicht.

Denn nur eine gesunde Darmflora könne dem Organismus dabei helfen, Toleranzen in Bezug auf Nahrungsproteine auszubilden, was vor Allergien schütze. Antibiotika hingegen sind bekannt dafür, die Darmflora zu schädigen.

Da Kindern aber im Alter zwischen drei Monaten und drei Jahren im Durchschnitt bereits mehr als zweimal pro Jahr Antibiotika verschrieben werden, ist die Gefahr natürlich gross, dass sich immer häufiger Nahrungsmittelallergien entwickeln. Ja, man vermutet, dass der Anstieg der Antibiotikaverordnungen in den letzte Jahren einer der Hauptgründe für die steigenden Nahrungsmittelallergikerzahlen bei Kindern darstellt.

Antibiotika werden oft falsch verordnet

Besonders tragisch ist in diesem Zusammenhang, dass Antibiotika regelmässig und völlig überflüssigerweise bei viralen Infektionen gegeben werden. Hier aber wirken Antibiotika nicht, da diese bekanntlich auf bakterielle Infekte spezialisiert sind.

Natürlich sei es nicht immer einfach, so Dr. Love, eine virale von einer bakteriellen Infektion zu unterscheiden. Doch sollten Ärzte in jedem Fall, sehr sorgfältig abwägen, ob Antibiotika wirklich erforderlich sind oder nicht.

Am 1. September 2016 veröffentlichte das Fachmagazin The Lancet sieben Merkmale, die Ärzten dabei helfen sollen, sich bei Atemwegserkrankungen der kleinen Patienten leichter für oder gegen eine Antibiotikagabe zu entscheiden. Man könne sich die sieben leicht mit der Eselsbrücke STARWAVe merken:
 

  1. Kurze Krankheitsdauer von weniger als 3 Tagen (S für short)
  2. Hohe Temperatur von über 37,8 Grad (T für temperature)
  3. Alter unter 2 Jahren (A für age)
  4. Atemnot (R für respiratory)
  5. Keuchen (W für wheeze)
  6. Asthma (A)
  7. Mittelschweres bis schweres Erbrechen in den letzten 24 Stunden (V für vomiting)
     

Wenn bei einem Kind vier oder mehr dieser Punkte zutreffen, dann sollte der Arzt den Krankheitsverlauf in den nächsten 24 Stunden beobachten/abwarten und je nach Entwicklung der Beschwerden dann Antibiotika verordnen.

Bei allen anderen Kindern könne man zunächst auf Antibiotika verzichten.

Der heute geläufige übermässige Gebrauch von Antibiotika aber führt nicht nur zu Nebenwirkungen wie Nahrungsmittelallergien, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Bakterien Antibiotikaresistenzen entwickeln, so dass es irgendwann einmal schwierig werden könnte, ernsthafte Infektionen zu bekämpfen. Dann nämlich wirken Antibiotika plötzlich nicht mehr – und das nur, weil jahrzehntelang gedankenlos bei jedem Pickel und Kratzer Antibiotika gegeben wurden.

Antibiotika nie ohne Probiotika

Ist eine Antibiotika-Gabe unumgänglich, dann sollten parallel zur Antibiotikaeinnahme auch Probiotika eingenommen werden. Diese werden insgesamt mindestens zwei bis vier Wochen eingesetzt, also noch weit über die Dauer einer üblichen Antibiotikatherapie hinaus.

Wie Sie dabei vorgehen können, haben wir hier beschrieben: Probiotika für Kinder und hier: Darmflora aufbauen

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Quellen:



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