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Antibiotika bei Kindern: Übergewicht, Asthma und Stoffwechselstörungen

Antibiotika bei Kindern: Übergewicht, Asthma und Stoffwechselstörungen

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(Zentrum der Gesundheit) – Nach wie vor ist der Einsatz von Antibiotika auch bei Säuglingen und Kleinkindern weit verbreitet. Besonders bei Atemwegsinfekten werden sie gerne eingesetzt. Antibiotika nun, die noch vor Jahren als bestens verträglich gelobt wurden, haben heute nicht mehr einen ganz so tadellosen Ruf. So weiss man inzwischen dass Antibiotika – wenn in früher Kindheit verabreicht – ernste Nebenwirkungen haben können. Sie führen dazu, dass Kinder übergewichtig werden, häufiger an Asthma leiden und eine Darmflora haben, die für Menschen mit Stoffwechselerkrankungen typisch ist.

Makrolid-Antibiotika bei Kindern: Die Nebenwirkungen

Makrolid-Antibiotika seien bei Infektionen der oberen und unteren Atemwege das Mittel der Wahl, auch bei Kindern. Sie seien bei hoher Erfolgsquote gut verträglich und würden auch nicht zu Resistenzen beitragen – so das Ärzteblatt noch im Jahr 2001. Viele Infos zu den ausschliesslich positiven Eigenschaften der Mittel stammten seinerzeit von einem von Pfizer organisierten Symposium. Pfizer ist einer der Hersteller von Makrolid-Antibiotika.

Auf anderen Seiten – z. B. bei Infektiologe Dr. D. Hassler – liest man noch heute:

Makrolide sind mit ihrem günstigen Wirkspektrum bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit vor allem für Kinder reserviert." Gleichzeitig steht bereits hier, dass vom breiten Einsatz auch im Erwachsenen-Bereich wegen der alarmierend steigenden Zahl Makrolid-resistenter Stämme eher zu warnen sei."

Allerdings ist die Bildung von Resistenzen noch nicht der einzige Nachteil dieser Antibiotika.

Nebenwirkungen für Kinder, auch wenn die stillende Mutter Antibiotika nimmt

Zu den Makrolid-Antibiotika gehören Wirkstoffe wie Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin etc. Problematisch ist nicht nur, wenn Säuglinge diese Mittel selbst einnehmen müssen, sondern auch, wenn die Mutter die Antibiotika nimmt, da sie über die Muttermilch ans Kind weitergegeben werden. Manche dieser Antibiotika – z. B. Erythromycin – dürfen sogar in der Schwangerschaft verordnet werden. Die Folgen könnten dänischen Forschern zufolge katastrophal sein.

Risiko für Pylorusstenose steigt unter Antibiotika

Im Jahr 2014 veröffentlichte das Team rund um Marie Lund aus Kopenhagen eine Studie, die zeigte, dass Säuglinge, die mit den genannten Antibiotika in Kontakt kamen, danach häufig unter sog. Pylorusstenosen leiden. Wenn Babys – so Lund – mit den genannten Antibiotika behandelt würden (in den ersten 13 Tagen ihres Lebens), dann erkrankten sie 30-mal häufiger an Polyrusstenosen. Ältere Säuglinge erkrankten nach einer Antibiotika-Therapie immerhin noch dreimal häufiger.

Bei einer Pylorusstenose besteht eine Verengung zwischen Magen und Zwölffingerdarm. Die Nahrung kann daher vom Magen nicht ordnungsgemäss in den Darm weitergeleitet werden. Betroffene Kinder erbrechen viel, sind ständig hungrig und unterernährt. Das Problem muss schliesslich operativ behoben werden.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen durch Antibiotika im Säuglingsalter

Auch ist längst bekannt, dass die frühe Gabe von Antibiotika im Säuglingsalter mit einem erhöhten Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen im Zusammenhang steht, genauso mit Asthma und Übergewicht. Man geht davon aus, dass der Grund für dieses erhöhte Risiko die schädliche Wirkung der Antibiotika auf die Darmflora ist. Antibiotika reduzieren die Darmbakterien nicht nur zahlenmässig, sie sorgen auch für eine verminderte Vielfalt der probiotischen Stämme.

Professor Willem de Vos von der University of Helsinki führte zu diesem Thema eine Studie mit 142 Kindern zwischen 2 und 7 Jahren durch. Sein Team untersuchte, wie häufig die Kinder in ihrem Leben Antibiotika bekommen hatten und wie sich dies auf ihre Darmflora auswirkte. Auch überprüften die Forscher mögliche Zusammenhänge zwischen der Antibiotikaeinnahme und Asthma sowie dem BMI (ob die Kinder also übergewichtig waren). Veröffentlicht wurde die Studie im wissenschaftlichen Fachmagazin Nature Communications.

An der Darmflora sieht man, wie oft ein Kind Antibiotika bekam

Es zeigte sich, dass man schon an der Darmflora eines Kindes ablesen konnte, wie oft es in der Vergangenheit Antibiotika bekommen hatte. Antibiotika reduzierten die Zahl der probiotischen Bakterienstämme (die Diversität) und verlangsamten die – während des Wachstums des Kindes – normalerweise einsetzende Entwicklung der Darmflora.

Besonders die Darmflora jener Kinder, die innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre Makrolid-Antibiotika erhalten hatten (z. B. Azithromycin oder Clarithromycin), unterschied sich stark von einer Darmflora antibiotikafreier Kinder. Je weniger Zeit seit der letzten Antibiotikaeinnahme verstrichen war, umso grösser waren ausserdem die Anomalien der Darmflora.

Die Darmflora benötigt mehr als ein Jahr, um sich von Antibiotika zu erholen

Es scheint, als brauche die Darmflora nach einer Antibiotikagabe mehr als ein Jahr, um sich wieder zu erholen. Erhält ein Kind jedoch in seinen ersten Lebensjahren mehrere Antibiotikagaben, dann hat die Darmflora gar nicht die Zeit, sich zwischendurch vollständig zu erholen", so Wissenschaftlerin Katri Korpela, die die vorliegende Arbeit für ihre Doktorarbeit nutzte.

Dank Antibiotika: Mehr Asthma, häufiger Übergewicht

Der Einsatz von Makrolid-Antibiotika führte zu Veränderungen der kindlichen Darmflora, die man bislang von Menschen mit Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen kannte. Kein Wunder entdeckte man auch bei den Kindern insbesondere in jener Gruppe viele Übergewichtige, die in den ersten beiden Lebensjahren Antibiotika erhalten hatte. Auch litten die Kinder häufiger an Asthma, wenn sie mehrmals in ihren ersten beiden Lebensjahren Makrolid-Antibiotika erhalten hatten.

Genauso konnte das finnische Forscherteam zeigen, dass Makrolid-Antibiotika die Entwicklung von Resistenzen fördern können. Denn gerade bei jenen Kindern, die diese Antibiotika erhalten hatte, konnte man die entsprechenden Resistenzen nachweisen.

Penicilline schienen einen schwächeren Einfluss auf die Darmflora – sowohl auf ihre Zusammensetzung als auch auf ihre Funktionstüchtigkeit – zu haben als Makrolid-Antibiotika", erklärte Korpela. Am besten wäre es jedoch, Antibiotika generell zu meiden und ihren Einsatz nur auf wirkliche Notfälle zu beschränken.

Weitere bekannte Nebenwirkungen von Antibiotika auf die Darmflora von Kindern hatten wir bereits hier beschrieben:
 

Besser für Kinder: Probiotika nehmen!

Wenn ein Kind Antibiotika nehmen muss, empfiehlt sich in jedem Fall, vorbeugend parallel zur Antibiotikaeinnahme und auch einige Zeit darüber hinaus ein Probiotikum zu geben. Sprechen Sie Ihren Kinderarzt darauf an oder fragen Sie Ihren Apotheker.

Informationen zu Kinderprobiotika bzw. wie man die Darmflora von Kindern aufbauen kann, finden Sie hier: Darmflora bei Kindern aufbauen

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde

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