Die Lebensmittel mit dem höchsten Suchtpotenzial

Bis zu 20 Prozent der Übergewichtigen leiden an einer Esssucht oder zeigen zumindest ein suchtähnliches Essverhalten – so eine Analyse von 25 Studien mit insgesamt fast 200.000 Teilnehmern aus dem Jahr 2014. Bei Übergewichtigen ist der Anteil der Esssüchtigen noch höher, so die Studie. (1)

Eine Abhängigkeit von gewissen Lebensmitteln äussert sich mit ähnlichen Symptomen wie die Abhängigkeit von anderen Substanzen. Betroffene sind daher nicht mehr in der Lage, ihren Verzehr der jeweiligen Lebensmittel zu kontrollieren. Sie sind nicht mehr dazu fähig, sich gegen den Verzehr zu entscheiden oder nur eine bestimmte Menge des Lebensmittels zu verzehren. (2, 3)

Natürlich wird man in den seltensten Fällen einfach nach allen Lebensmitteln süchtig. Die meisten Esssüchtigen verschlingen nur ganz bestimmte Lebensmittel – und von diesen sodann unkontrolliert viel. Es gibt also Lebensmittel mit einem ganz besonders hohen Suchtpotenzial.

Welche Lebensmittel süchtig machen und welche nicht

Forscher der University of Michigan untersuchten 518 Personen, die ein suchtähnliches Essverhalten aufwiesen (4Trusted Source). Sie nutzten dazu die sog. Yale Food Addiction Scale (YFAS), das am meisten genutzte Tool, um eine Esssucht zu bewerten und einzuschätzen. Es handelt sich dabei um einen Fragebogen mit 25 Fragen, die rund um das Essverhalten beantwortet werden müssen.

Die Teilnehmer erhielten ausserdem eine Liste mit 35 Lebensmitteln. Es waren jene Lebensmittel, die Sie auch in den beiden untenstehenden Listen finden – also sowohl stark verarbeitete Fertiglebensmittel als auch unverarbeitete Lebensmittel.

Jedes Lebensmittel sollte anhand einer Skala mit einer Zahl zwischen 1 und 7 bewertet werden. Dabei steht 7 für extrem süchtig machend und 1 für überhaupt nicht suchterzeugend.

Letztendlich konnte in dieser Studie bei 7 bis 10 Prozent der Teilnehmer eine voll ausgebildete Esssucht festgestellt werden, bei der es den Betroffenen nicht so wichtig war, was sie essen. Zusätzlich konnte man bei 92 Prozent ein suchtähnliches Essverhalten gegenüber ausgewählten Lebensmitteln feststellen. Die Teilnehmer berichteten, sie wollten immer wieder damit aufhören, diese Lebensmittel zu essen, schafften es aber nicht. (4)

Diese Lebensmittel machen am meisten süchtig

Die am häufigsten und am schlimmsten süchtig machenden Lebensmittel sind somit grösstenteils stark verarbeitete Produkte mit hohem Salz-, Zucker- und/oder Fettgehalt. Das Suchtpotenzial wird – wie oben erklärt – in Zahlen angegeben. 7 steht für extrem süchtig machend und 1 für überhaupt nicht suchterzeugend.

  1. Pizza (4.01)
  2. Schokolade (3.73)
  3. Chips (3.73)
  4. Kekse (3.71)
  5. Eiscreme (3.68)
  6. Pommes frites (3.60)
  7. Cheeseburger (3.51)
  8. Softdrinks (mit Zucker, also keine Diätgetränke) (3.29)
  9. Kuchen (3.26)
  10. Käse (3.22)
  11. Schinken (3.03)
  12. Brathuhn (2.97)
  13. Brötchen (ohne Belag) (2.73)
  14. Popcorn mit Buttergeschmack (2.64)
  15. Frühstückscerealien (z. B. Cornflakes) (2.59)
  16. Fruchtgummis (2.57)
  17. Steak (2.54)
  18. Muffins (2.50)

Diese Lebensmittel machen am wenigsten süchtig

Die folgenden Lebensmittel führten in obiger Studie am seltensten zu einem Suchtverhalten. Es handelt sich um Lebensmittel, die so gut wie gar nicht verarbeitet sind und häufig auch weder gesalzen noch gezuckert sind sowie meist auch einen niedrigen Fettgehalt haben.

  1. Gurken (1.53) (Keine Essig- oder Gewürzgurken!)
  2. Karotten (1.60)
  3. Bohnen (1.63) (ohne Sauce)
  4. Äpfel (1.66)
  5. Naturreis (1.74)
  6. Brokkoli (1.74)
  7. Bananen (1.77)
  8. Lachs (1.84)
  9. Mais (1.87) (ohne Butter und ohne Salz)
  10. Erdbeeren (1.88)
  11. Müsliriegel (1.93)
  12. Wasser (1.94)
  13. Cracker (2.07) (trocken, also ohne Dips, Aufstriche o. ä.)
  14. Brezeln (2.13)
  15. Hühnerbrust (2.16)
  16. Eier (2.18)
  17. Nüsse (2.47)

Warum manche Lebensmittel Süchte auslösen und andere nicht

Suchtähnliches Essverhalten umfasst natürlich viel mehr als einfach nur eine schwache Willenskraft, wie Betroffenen von Aussenstehenden häufig unterstellt wird. Wie bei jeder anderen Sucht spielen auch hier bestimmte biochemische Prozesse im Organismus eine wichtige Rolle und führen schliesslich dazu, dass Menschen die Kontrolle über ihr Essverhalten verlieren.

Eine Esssucht wurde bislang nur im Zusammenhang mit stark verarbeiteten Lebensmitteln beobachtet, die stark gewürzt/aromatisiert, stark gesalzen oder gezuckert sind und meist zusätzlich noch sehr fettreich sind. (4, 5, 6, 7)

Auch wird bei der industriellen Verarbeitung von derartigen Fertigprodukten darauf geachtet, dass sie überaus schmackhaft sind, was meist bedeutet, überaus herzhaft oder besonders süss in Kombination mit (je nach Lebensmittel) einer bestimmten knusprigen, cremigen oder schmelzenden Konsistenz. Das Ergebnis soll unwiderstehlich werden – und genau das wird vielen Menschen zum Verhängnis.

Bleiben Sie Ihrem Belohnungszentrum gegenüber skeptisch!

Gerade zuckerreiche Produkte liefern nicht nur viele Kalorien, sondern führen ausserdem zu Blutzuckerschwankungen, die wiederum Heisshungerattacken versuchen können.

Besonders problematisch ist zudem das menschliche Gehirn, das für ein suchtähnliches Verhalten offenbar besonders anfällig ist. Denn sein Belohnungszentrum schüttet Wohlfühlhormone aus, wenn wir etwas essen, etwa Dopamin. Schliesslich soll der Mensch Spass am Überleben haben, weshalb das Gehirn den Menschen für’s Essen belohnt.

Früher war das sehr sinnvoll, da die Nahrungsbeschaffung ziemlich aufwändig sein konnte. Man musste entweder kilometerweit durch die Landschaft wandern und Beeren pflücken, essbares Grün sammeln und mit Grabestöcken Wurzeln ausgraben oder aber – im tiefsten Winter – stundenlang Wild auflauern, es durch Tiefschnee verfolgen und zuguterletzt noch mit Raubtieren um das endlich erlegte Tier kämpfen.

Damit sich also der Mensch zu all diesem Mühsal überhaupt aufrafft und nicht einfach bei einem gemütlichen Feuerchen in seiner Höhle sitzen bleibt, wurde das Belohnungszentrum „erfunden“. Sobald es der Mensch geschafft hat, etwas Essbares zu erbeuten, wird er belohnt. Also geht er regelmässig raus zum Sammeln oder Jagen. Denn das Gefühl beim anschliessenden Essen ist einfach zu schön.

Besonders problematisch sind Zucker, Salz, Fett, Aromen und Geschmacksverstärker

Heute aber wäre das Belohnungszentrum im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme nicht mehr nötig. Wir wissen auch so, dass wir regelmässig arbeiten gehen sollten, um genug Geld für den Lebensmitteleinkauf zu haben. Und wir wissen, dass wir regelmässig essen sollten, um zu überleben.

Früher war es ausserdem so, dass es natürlich gut war, wenn man Kalorienreiches, z. B. fettreiches Fleisch erbeutet hat, da dies die Überlebenschancen erhöhte. Auch Kohlenhydrate und Zucker gab es einst nur selten. Beides aber liefert schnelle Energie und war daher in der Urzeit sehr hilfreich. Also belohnt das Gehirn besonders überschwänglich, wenn wir Fett- und Zuckerreiches essen.

Die Wohlfühlhormone fühlen sich so grossartig an, dass der Körper dieses Gefühl immer und immer wieder erleben will. Also kommt es zu Gelüsten bis hin zu Heisshungeranfällen und Fressattacken. Das Übel nimmt seinen Lauf.

Besonders problematisch sind Zucker, Salz, Fett, Aromen und Geschmacksverstärker

Heute gibt es gefüllte Vorratskammern und an jeder Ecke Supermärkte. Kaum jemand muss sich noch anstrengen, um an Essbares zu gelangen, auch nicht um Fettreiches und Zuckerhaltiges aufzuspüren. Leider enthalten industriell hergestellte Fertigprodukte nicht nur Fett und Zucker, sondern auch Aromen und Geschmacksverstärker, die das grenzenlose Essen noch weiter anheizen. (8, 9, 10)

Die Esssucht ist da – und mit ihr das Übergewicht und sämtliche chronische Erkrankungen, die auf Übergewicht und Fettleibigkeit zurückgeführt werden können. (11, 12)

Bei Esssucht: Suchen Sie sich Hilfe!

Esssucht und ein suchtähnliches Essverhalten können – wie jede Sucht und jedes zwanghafte Verhalten – ernsthafte Probleme verursachen. Neben dem Übergewicht und den entsprechenden Folgeerkrankungen können sich noch weitere Probleme ergeben, etwa Schuldgefühle, Rückzug aus dem sozialen Leben, Flucht in die Isolation, Einsamkeit, Depressionen, Antriebslosigkeit etc.

Sie sind dann von einer Esssucht betroffen, wenn Sie Ihre Nahrungsaufnahme und die Wahl und Menge der verzehrten Lebensmittel nicht mehr kontrollieren können. Wenn Sie also selbst nicht mehr entscheiden können, ab heute dies oder jenes nicht mehr zu essen, sondern stattdessen etwas anderes, etwas Gesundes.

Testen Sie, ob Sie unsere Tipps zur Überwindung der Zuckersucht umsetzen können: So überwinden Sie die Zuckersucht

Wenn Sie es allein nicht schaffen, wenden Sie sich an entsprechende Beratungsstellen und holen Sie sich Hilfe von aussen.

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Quellen

  1. Pursey KM, Burrows TL et al., The prevalence of food addiction as assessed by the Yale Food Addiction Scale: a systematic review, Nutrients. 2014 Oct 21;6(10):4552-90. doi: 10.3390/nu6104552
  2. Gearhardt AN et al., Binge eating disorder and food addiction, Curr Drug Abuse Rev. 2011 Sep;4(3):201-7
  3. Davis C et al., Evidence that 'food addiction' is a valid phenotype of obesity, Appetite. 2011 Dec;57(3):711-7. doi: 10.1016/j.appet.2011.08.017. Epub 2011 Sep 3
  4. Gearhardt AN, Schulte EM et al., Which foods may be addictive? The roles of processing, fat content, and glycemic load, PLoS One. 2015 Feb 18;10(2):e0117959. doi: 10.1371/journal.pone.0117959. eCollection 2015
  5. Gearhardt AN et al., The addiction potential of hyperpalatable foods, Curr Drug Abuse Rev. 2011 Sep;4(3):140-5
  6. Gearhardt AN et al., The association of food characteristics and individual differences with ratings of craving and liking, Appetite. 2014 Aug;79:166-73
  7. Gearhardt AN et al., The relationship between eating-related individual differences and visual attention to foods high in added fat and sugar, Eat Behav. 2012 Dec;13(4):371-4. doi: 10.1016/j.eatbeh.2012.07.004. Epub 2012 Jul 16
  8. Baik JH, Dopamine signaling in food addiction: role of dopamine D2 receptors, BMB Rep. 2013 Nov;46(11):519-26
  9. Volkow ND et al., Reward, dopamine and the control of food intake: implications for obesity, Trends Cogn Sci. 2011 Jan;15(1):37-46. doi: 10.1016/j.tics.2010.11.001. Epub 2010 Nov 24
  10. Blum K et al., Dopamine and glucose, obesity, and reward deficiency syndrome, Front Psychol. 2014 Sep 17;5:919. doi: 10.3389/fpsyg.2014.00919. eCollection 2014
  11. Hebebrand J et al., "Eating addiction", rather than "food addiction", better captures addictive-like eating behavior, Neurosci Biobehav Rev. 2014 Nov;47:295-306. doi: 10.1016/j.neubiorev.2014.08.016. Epub 2014 Sep 6
  12. Laurent JS, Sibold J., Addictive-Like Eating, Body Mass Index, and Psychological Correlates in a Community Sample of Preadolescents, J Pediatr Health Care. 2016 May-Jun;30(3):216-23. doi: 10.1016/j.pedhc.2015.06.010. Epub 2015 Aug 7
  13. AB, The 18 Most Addictive Foods (and the 17 Least Addictive), Dezember 2019, Healthline