Säureblocker - einst Mittel bei schweren Magenproblemen
Säureblocker vom Typ der Protonenpumpeninhibitoren (PPI) werden sehr häufig verschrieben. Ursprünglich insbesondere bei schwerwiegenden Magen-Darm-Beschwerden, wie z. B. Magenbluten, der Refluxkrankheit oder Speiseröhrenkrebs, inzwischen bei fast jedem Magenproblem.
Wer überdies längerfristig magenschädliche Medikamente, wie z. B. bestimmte Antibiotika oder NSRI (entzündungshemmende Schmerzmittel z. B. bei Rheuma) einnimmt, bekommt – ob Mensch, Hund oder Katze – die Säureblocker ebenfalls verordnet.
Säureblocker sind jedoch auch (für die kurzzeitige Anwendung und niedriger dosiert) frei verkäuflich erhältlich, also nicht in jedem Falle verschreibungspflichtig, was ihre Beliebtheit noch weiter erhöht. Viele Menschen greifen schon dann zu den riskanten Mitteln, wenn sie nur ein wenig an Sodbrennen oder Magendrücken leiden.
PPI können die Magensäurebildung nahzu vollständig stoppen
Bei PPI handelt es sich um Mittel mit den Wirkstoffen Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol o. ä. Wenn auf Ihrem Magenmittel also ein Stoff mit der Endung -prazol steht, dann handelt es sich um PPI.
Der Handelsname kann aber ein anderer sein, z. B. OMEP® 40 mg oder OmepraDex® 20 mg. Lesen Sie daher das Kleingedruckte, also unter "Zusammensetzung", wo der tatsächliche Wirkstoff aufgeführt wird.
Im Gegensatz zu den Antazida (z. B. Rennie), die im Magen die bereits gebildete Magensäure neutralisieren, reduzieren PPI direkt in den Zellen der Magenschleimhaut die Produktion der Magensäure.
Sie wirken daher nicht sofort nach der Einnahme, sondern erst einige Zeit später. Oft reduzieren PPI die Magensäurebildung nicht nur, sie können sie nahezu ganz zum Erliegen bringen.
Wer die Wichtigkeit der Magensäure für die Gesundheit des Menschen kennt, der ahnt spätestens jetzt, welch gravierende Auswirkungen die Säureblocker haben können.
Säureblocker: Erhöhtes Sterberisiko und andere Nebenwirkungen
PPI sind in den Industrienationen unter den Top 5 der am häufigsten verschriebenen und eingenommenen Medikamente. In den USA wird allein Nexium pro Monat(!) 15 Millionen Mal verschrieben.
Bekannt sind jedoch nicht nur die Mittel an sich, sondern auch ihre vielfältigen Nebenwirkungen, besonders dann, wenn sie langfristig eingenommen werden. Ernsthafte Nierenschäden gehören ebenso dazu wie ein erhöhtes Knochenbruchrisiko und möglicherweise auch Demenz. Besonders häufig treten die folgenden Nebenwirkungen auf:
Magen-Darm-Beschwerden
PPI können zu Magen-Darm-Beschwerden führen: Magendrücken, Blähungen, Übelkeit, Durchfall etc.
Nahrungsmittelallergien
PPI begünstigen die Entstehung von Nahrungsmittelallergien.
Vitamin-B12-Mangel
PPI können zu einem Vitamin-B12-Mangel und all seinen schwerwiegenden Folgen führen.
Resorptionsstörungen und Nährstoffmängel
PPI können zu Resorptionsstörungen führen, was bedeutet, dass die Mineralstoffe und Spurenelemente nicht mehr in vollem Umfang aus dem Darm aufgenommen werden können. Es kann daher zu chronischen Vitalstoffmängeln kommen, z. B. zu Calcium-, Magnesium-, Eisen- und Zinkmangel.
Bei einem Calcium-, Magnesium- und Zinkmangel steigt nun wiederum auch das Knochenbruchrisiko im höheren Alter.
Schlechtere Leberwerte
Nach mehrwöchiger Einnahme von PPI können sich die Leberwerte verschlechtern.
Chronische Nierenerkrankungen
Die Gefahr chronischer Nierenerkrankungen steigt, wenn PPI langfristig genommen werden. Beide Säureblockerkategorien (sowohl Protonenpumpeninhibitoren als auch Histaminrezeptorantagonisten) können verstärkt zu Nierensteinen oder anderen chronischen Nierenkrankheiten führen.
Dies ergaben z. B. die beiden Studien, die bei der Kidney Week der American Society of Nephrology in Chicago im November 2016 vorgestellt wurden und die wir in unserem Artikel Säureblocker: Schädlich für die Nieren beschreiben.
Steigende Infektionsgefahr
Die Infektionsgefahr steigt in Gegenwart der PPI, d. h. die Gefahr von Lungenentzündungen, Salmonelleninfektionen o. ä., die bei gesundem Immunsystem abgewehrt werden würden, wird bei PPI-Einnahme größer.
Zunehmendes Risiko für Helicobacter
PPI begünstigen die Vermehrung von Helicobacter pylori, dem Magenkeim, der für Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre verantwortlich gemacht wird. Natürliche Maßnahmen gegen Helicobacter pylori: Probiotika gegen das Magenbakterium finden Sie auf unserer Seite.
PPI in der Schwangerschaft
Nimmt eine werdende Mutter in der Schwangerschaft Säureblocker, kann dies das Allergierisiko des Kindes steigern, sein Immunsystem negativ beeinflussen und überdies sein Risiko erhöhen, später zum Asthmatiker zu werden, wie Forscher der University of Edinburgh im Januar 2017 erklären.
Sie hatten festgestellt, dass Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Säureblocker verordnet bekamen, viel häufiger an Asthma litten als Kinder, deren Mütter diese Medikamente nicht genommen hatten.
Allerdings hatte es sich in dieser Studie nicht um PPI gehandelt, sondern um Histaminrezeptorantagonisten. Es ist also in jedem Falle am allerbesten, wenn man überhaupt keine Säureblocker nehmen muss und das Problem auf andere Weise lösen kann, zumal beide Medikamente – PPI als auch Histaminrezeptorantagonisten – bislang als sichere Arzneimittel in der Schwangerschaft gelten, also von Ärzten auch in dieser heiklen Lebensphase verschrieben werden.
Studie: Sterberisiko steigt
Eine Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis/Missouri zeigte zudem, dass der langfristige Einsatz von PPI auch noch mit einem erhöhten Sterberisiko einhergeht (1). Am 3. Juli 2017 wurden die Ergebnisse im Fachmagazin BMJ Open veröffentlicht.
Säureblocker: Risiko für vorzeitigen Tod steigt um 50 Prozent
Die beteiligten Forscher untersuchten die Daten von 275.000 PPI-Anwendern sowie von 75.000 Menschen, die zur Reduzierung ihrer Magensäure Histaminrezeptorantagonisten einnahmen (die als verträglicher gelten).
Histaminrezeptorantagonisten gehören zur Gruppe der Antihistaminika und wirken je nach Subtyp auf unterschiedliche Histaminrezeptoren im Körper.
Während sogenannte H1-Antihistaminika typischerweise bei allergischen Beschwerden wie Heuschnupfen oder Nesselsucht eingesetzt werden, blockieren H2-Antihistaminika gezielt die H2-Rezeptoren in den Belegzellen der Magenschleimhaut.
Die H2-Rezeptoren sind direkt an der Regulation der Magensäureproduktion beteiligt. Durch die Hemmung dieser H2-Rezeptoren senken H2-Antihistaminika – wie z. B. Ranitidin oder Famotidin – die Bildung von Magensäure.
"Wie auch immer wir die Daten drehten und wendeten, wir sahen immer dasselbe, nämlich ein erhöhtes Sterberisiko bei Menschen, die PPI einnahmen",
so Studienautor Dr. Ziyad Al-Aly, Nierenfacharzt und Assistenzprofessor für Medizin.
"Wenn wir Patienten, die ein bis zwei Jahre Histaminrezeptorantagonisten nutzten, mit jenen verglichen, die ebenso lange PPI schluckten, zeigte sich bei den PPI-Anwendern ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko, in den nächsten fünf Jahren zu sterben. Dieser Nachteil der PPI blieb auch dann noch bestehen, wenn wir berücksichtigten, dass PPI-Anwender in unserer Studie meist älter waren und bereits an chronischen Erkrankungen litten."
Je länger man PPI einnimmt, umso stärker die Nebenwirkungen
Professor Al-Aly vermutet, dass all die vielen unterschiedlichen Nebenwirkungen von PPI in ihrer Gesamtheit dazu führen, dass die Anwender geschwächt werden und daher früher sterben.
Das Forscherteam stellte überdies fest, dass jene Patienten, die PPI nahmen, aber gar keine Magenbeschwerden hatten (Einsatz als "Magenschutz"), das Sterberisiko um immer noch 24 Prozent im Vergleich zu den Histaminrezeptorantagonisten erhöht war.
Das Risiko, vorzeitig an den PPI-Folgen zu versterben, stieg außerdem, je länger man die Medikamente einnahm.
Ärzte verschreiben PPI immer wieder – obwohl der Patient sie längst absetzen müsste
Viele Menschen glauben, dass PPI außerordentlich harmlos seien, einfach deshalb, weil es sie überall rezeptfrei zu kaufen gibt und auch Ärzte mit diesen Mitteln sehr schnell bei der Hand sind.
Normalerweise sollte man PPI nicht länger als zwei bis acht Wochen lang einnehmen. Viele Menschen aber nehmen sie jahrelang – und zwar nicht zuletzt deshalb, weil ihr Arzt sie nicht darüber aufklärt, dass sie die Mittel rechtzeitig wieder absetzen müssen (3). Ja, oft verschreiben Ärzte PPI auf Wunsch immer wieder und wieder.
Bei einer langfristigen Einnahme jedoch sind PPI äußerst riskant. Professor Al-Aly betont daher, dass wirklich sehr sorgfältig entschieden werden sollte, bei welchem Patienten und ob überhaupt PPI erforderlich sind.
"PPI können Leben retten",
so Al-Aly.
"Würde ich PPI benötigen, würde ich sie natürlich nehmen. Doch ich würde sie nie einfach nur so nehmen. Müsste ich die Mittel schlucken, würde ich von meinem Arzt erwarten, dass er mich und meine Werte gut überwacht und mir sofort Bescheid gibt, wenn ich die Medikamente nicht mehr länger benötige."
PPI – Wie man Säureblocker absetzt
Problematisch ist nun, dass man PPI – wenn man sich einmal an sie gewöhnt hat, was schon nach wenigen Wochen der Fall sein kann – nicht mehr so leicht absetzen kann. Sobald man die PPI-Einnahme stoppt, kehrt das Sodbrennen oft stärker zurück als je zuvor.
Hatte man noch nie Sodbrennen (etwa weil man das Mittel als "Magenschutz" begleitend zu magenreizenden Medikamenten nahm), dann bekommt man es nicht selten dank PPI, sobald man diese absetzt. Oft merkt man es schon, wenn man das Mittel einmal zu nehmen vergisst.
Details zu den weiter oben aufgeführten Nebenwirkungen der PPI lesen Sie in unserem Artikel Der Teufelskreis der Säureblocker, den Sie auf unserer Seite finden (nutzen Sie die Suchfunktion).
Dort finden Sie auch unseren Artikel Alternativen für Säureblocker, wo wir u. a. erklären, wie man Säureblocker Schritt für Schritt wieder absetzen kann und welche verträglichen Alternativen es gibt.