Blutdrucksenker und Lungenkrebs - Gibt es einen Zusammenhang?
Ein Viertel der Weltbevölkerung leidet an zu hohem Blutdruck. In Deutschland sind es allein 20 bis 30 Millionen Betroffene. Viele lassen sich deshalb behandeln und nehmen Blutdrucksenker ein.
Denn Bluthochdruck gilt als Risikofaktor Nr. 1 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und diese wiederum zählen zu den häufigsten Todesursachen.
Zur Auswahl stehen die folgenden Kategorien an Blutdruckmedikamenten: ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten (auch Sartane genannt), Betablocker, Calcium-Antagonisten und Diuretika.
ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer) gelten in der kurzfristigen Anwendung als sicher. Bedenken bestehen jedoch, dass eine Langzeitanwendung mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen könnte, darunter auch einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs.
Blutdrucksenker können das Krebsrisiko erhöhen
Sartane (AT1-Rezeptorblocker) waren einst mit krebserregenden Substanzen verunreinigt (siehe Medikamentenskandal vom Sommer 2018). Auch im März 2019 kam es wegen einer Verunreinigung mit krebserregenden Stoffen erneut zu einem Rückruf mehrerer Chargen dieser Medikamente (2) (Losartan von Heumann Pharma).
Ganz ohne Verunreinigung sollen ACE-Hemmer das Krebsrisiko erhöhen können, nämlich das von Lungenkrebs (1) – so eine Studie, die im Oktober 2018 im Fachjournal The BMJ veröffentlicht wurde.
ACE-Hemmer erkennt man an der Endung -pril. Die Wirkstoffe heißen z. B. Ramipril, Captopril, Enalapril oder Lisinopril.
Wie erhöhen die Blutdrucksenker das Lungenkrebsrisiko?
ACE-Hemmer verhindern den Abbau des entzündungsfördernden Bradykinin und der sog. Substanz P in der Lunge. Beide Stoffe lassen sich regelmäßig auch im Gewebe von Lungentumoren nachweisen. Von Bradykinin weiß man sogar, dass es das Wachstum von Lungenkrebs stimuliert.
Nach 6 Jahren steigt das Risiko für Lungenkrebs
Besonders hoch sei das Lungenkrebsrisiko bei Patienten, die ACE-Hemmer länger als 5 Jahre lang einnehmen, berichten die kanadischen Forscher.
Da Blutdrucksenker sehr oft langfristig oder sogar dauerhaft verordnet werden, ist eine fünfjährige Einnahme keinesfalls selten und die neu entdeckte Nebenwirkung führt so zu einer großen Zahl an Patienten mit nun erhöhtem Lungenkrebsrisiko.
Vielleicht könnte dies auch eine Erklärung dafür sein, warum viele Menschen an Lungenkrebs erkranken, aber nie geraucht haben.
Dr. Laurent Azoulay, Professor an der McGill University in Kanada analysierte für seine Studie die Daten von annähernd einer Million Patienten, die zwischen 1995 und 2015 mit der Einnahme von Blutdrucksenkern begonnen hatten.
Alle Patienten waren zu diesem Zeitpunkt krebsfrei. Nach Ablauf von etwa 6 Jahren zeigte sich, dass ACE-Hemmer zu einem um 14 Prozent erhöhten Risiko für Lungenkrebs führten.
Man verglich das Lungenkrebsrisiko dabei mit jenem von Patienten, die Sartane nahmen, also nicht etwa mit dem Risiko von Personen, die gar keine Medikamente nahmen.
In der Auswertung wurden andere mögliche Risikofaktoren wie das Alter, Geschlecht, Gewicht, Alkohol- und Nikotinkonsum, bestehende Lungenerkrankungen etc. berücksichtigt, nicht jedoch die Ernährung.
Nach 10 Jahren steigt das Lungenkrebsrisiko um 31 Prozent
Nach einer Einnahme von mehr als 10 Jahren war das Risiko für Lungenkrebs sogar um 31 Prozent höher als unter Sartan-Einnahme.
Natürlich gilt es nun auch abzuwägen, ob die Vorteile der ACE-Hemmer im Einzelfall nicht überwiegen.
Denn wenn die Blutdruckmedikamente den Patienten vor lebensverkürzenden Herz-Kreislauf-Geschehnissen bewahren und stattdessen das Lungenkrebsrisiko ein wenig steigen lassen, das ja nicht umgehend zur Krankheit führen muss, ist das natürlich als positiv zu werten.
Fazit: Wenn möglich Blutdrucksenker meiden
Eine Änderung der Ernährung und des Lebensstils kann den Blutdruck in vielen Fällen sehr gut auf ein gesundes Niveau senken. Auf diese Weise werden Blutdrucksenker überflüssig - und man umgeht ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.
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