Zentrum der Gesundheit
  • Vibrator auf dem Bett
09 Juli 2022
9 min

Ist Masturbieren mit Vibrator gesund?

Vibratoren gelten im Allgemeinen als Sextoys für erotische Stunden zu zweit oder allein. Das könnte bald anders werden. Denn das regelmässige Masturbieren mit einem Vibrator hat auch gesundheitliche Vorteile. Vibratoren könnte es zum therapeutischen Einsatz daher bald auch als Medizinprodukt auf Rezept geben.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
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Masturbieren mit Vibrator hat gesundheitliche Vorteile

Bekannt ist schon lange, dass regelmässiges Masturbieren zahlreiche positive Auswirkungen hat – sowohl auf die körperliche wie auch auf die mentale Gesundheit, wie wir im vorigen Link erklären. Wird dabei ein Vibrator eingesetzt, kann dieser die gesundheitliche Wirkung der Selbstbefriedigung noch verstärken.

Die medizinischen Vorteile eines Vibrators sind für Frauen offenbar so überzeugend, dass es die vibrierenden Sextoys künftig als Medizinprodukt auf Rezept geben sollte – so ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Dr. Alexandra Dubinskaya, Gynäkologin am Cedar-Sinai Medical Center in Los Angeles.

Vibrator stärkt Beckenboden und schützt vor Inkontinenz

In ihrer Meta-Studie, die im Mai 2022 im The Journal of Urology veröffentlicht wurde, werteten die Forscher 21 von insgesamt 558 Arbeiten aus, die bereits zum Thema Vibrator und sein Einfluss auf die Gesundheit erschienen sind.

Es zeigte sich, dass die regelmässige Verwendung eines Vibrators

  1. den Beckenboden stärkte,
  2. Schmerzen im Genitalbereich linderte,
  3. die Libido und die sexuelle Zufriedenheit steigerte und insgesamt
  4. zu einer besseren sexuellen Gesundheit führte.

Gerade die Stärkung des Beckenbodens führt wiederum zu weitreichenden Verbesserungen vieler Beschwerden im Unterleib, wie z. B. Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz, Gebärmutter-, Blasen-, Enddarm- und Scheidensenkung, Blasenentzündungen sowie die oben genannten sexuellen Störungen, so dass Massnahmen zur Stärkung des Beckenbodens wichtiger Bestandteil der jeweiligen Therapie sein sollten. Dies kann das Training mit dem Vibrator sein, aber auch die traditionelle Beckenbodengymnastik.

Leichtere Orgasmen und weniger Stress

Frauen, die regelmässig mit einem Vibrator „trainierten“, kamen zudem schneller zum Orgasmus und erreichten auch leichter multiple Orgasmen. Da regelmässige Orgasmen ausserdem deutlich zur Stressreduktion beitragen und schon allein dieser Aspekt massgeblich die Gesundheit in vielen Bereichen verbessern kann (Stress gilt als wichtiger Faktor in der Krankheitsentstehung), sollten Vibratoren auch als therapeutische Hilfsmittel im Rahmen eines effizienten Stressmanagements eingesetzt werden.

Alle diese positiven Auswirkungen sollten dazu führen – so die Forscher – dass Ärzte ihren PatientInnen künftig Vibratoren verschreiben sollten, insbesondere in der Beckenbodenmedizin, bei sexuellen Problemen oder auch in der rekonstruktiven Chirurgie (z. B. nach genitaler Verstümmelung).

Die Ergebnisse der Studie werden beim diesjährigen Meeting der American Urological Association vorgestellt werden ( 2 ).

Vibrator als Therapie bei sexuellen Störungen

Schon im Jahr 2018 erschien die Studie eines multidisziplinären Teams der Mayo Clinic/USA, in der es hiess, dass Vibratoren eine evidenzbasierte Therapie für etliche sexuelle Störungen darstellten ( 1 ) – und zwar nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer z. B. bei:

  1. Erektionsstörungen
  2. Ejakulationsschwierigkeiten, z. B. vorzeitige Ejakulation
  3. Orgasmusproblemen (wenn man/frau nie oder selten einen Orgasmus erlebt)
  4. Vulvodynie – Schmerzen im äusseren Genitalbereich der Frau

Vibrator-Therapie allein oder gemeinsam mit dem Partner

Wenn Sie einen Partner haben und bisher noch nie einen Vibrator benutzt haben (also auch nicht gemeinsam mit dem Partner), informieren Sie ihn über Ihren geplanten Vibrator-Einsatz und über die Gründe dafür. Da die Verwendung eines Vibrators nie nur eine rein medizinische Therapie darstellen kann, sondern in den meisten Fällen auch mit sexuellem Genuss verbunden ist, können Sie den Vibrator natürlich auch in ihr partnerschaftliches Liebesspiel integrieren. Sie müssen sich also nicht (nur) selbst therapieren, das kann auch sehr gut Ihr Partner tun.

Vibrator immer mit Gleitgel nutzen

Ob Sie den Vibrator allein nutzen oder Ihr Partner Sie damit stimuliert, ein Gleitmittel ist dabei stets äusserst empfehlenswert – ganz besonders, wenn der Vibrator innerlich, also vaginal oder anal eingesetzt werden soll. In fortgeschrittenem Alter, bei Libidoverlust oder bei bestimmten Erkrankungen kann die vaginale Lubrikation (Scheidenbefeuchtung) deutlich vermindert sein. In solchen Fällen kann der Einsatz eines Vibrators ohne ein passendes Gleitgel unangenehm oder sogar schmerzhaft sein. Nehmen Sie daher besser zu viel als zu wenig Gleitgel. Da es auch bei Gleitmitteln sehr viele unterschiedliche Qualitäten gibt, empfehlen wir das folgende Gleitgel:

*Das Gleitgel Greentea ist wasserlöslich und glycerinfrei sowie vegan. Es kann mit Vibratoren und Sextoys aller Art kombiniert werden und verändert den pH-Wert der Scheidenflora nicht, was sehr wichtig ist, um Scheidenpilz oder bakterielle Infekte (bakterielle Vaginose) zu vermeiden.

Gibt es Risiken beim Einsatz von Vibratoren?

Vibratoren können zwar sehr gut zu therapeutischen Zwecken genutzt werden, bergen aber auch Risiken, was ganz einfach damit zusammenhängt, dass man sie auch in den Körper einführt und die entsprechende „Therapie“ auch zu zweit durchgeführt werden kann, wobei es dann zu Verletzungen kommen könnte (insbesondere bei Männern im Analbereich).

Natürlich sollten Vibratoren – ob zur Therapie oder als Sextoy eingesetzt – nicht mit anderen Menschen geteilt werden, um mögliche Infektionsrisiken auszuschliessen. Jeder sollte also seinen eigenen Vibrator haben oder diesen zumindest desinfizieren, wenn er mit anderen Personen geteilt wird.

Beim regelmässigen Einsatz eines zu starken Vibrators kann es zu einer Überstimulation mit Desensibilisierung oder sogar einer Art Taubheit der Genitalnerven kommen, was dazu führt, dass man auf andere Stimulationsformen (z. B. durch den Partner) vielleicht nicht mehr so gut reagiert. Allerdings sind diese Auswirkungen vorübergehend, sobald man den Vibrator gegen einen anderen mit anderer Stimulationsform tauscht oder gleich ein Modell wählt, bei dem man nicht nur die Intensität der Vibration, sondern auch verschiedenen Stimulationsarten einstellen kann.

Da auch eine Art psychologische Abhängigkeit von der unkomplizierten Form der Stimulation (und den leicht zu erreichenden Orgasmen) durch einen Vibrator eintreten kann, sollte man sich hier gut beobachten und immer wieder pausieren, um eine Abhängigkeit zu vermeiden.

Problematisch ist oft auch, dass der therapeutische Einsatz von Vibratoren nicht sehr bekannt ist. Ärzte und medizinisches Personal sind bei diesem Thema häufig überfragt und können kaum konkrete Empfehlungen zur Wahl des richtigen Vibrators geben und auch keine Anleitung, wie genau der Vibrator nun eingesetzt werden sollte, was dann natürlich die Hemmschwelle der Patientin/des Patienten u. U. noch erhöht, überhaupt einen Vibrator zu nutzen.

Muss ein Vibrator vaginal eingeführt werden?

Wichtig ist - gerade für AnfängerInnen - dass der Vibrator erst einmal auch nur äusserlich eingesetzt und durch äusserliche Vibrationen zum Orgasmus und zu einer Wirkung führen kann. Wenn Sie Ihren Vibrator also erst einmal nicht vaginal oder anal einführen möchten, dann können Sie ihn auch einfach nur äusserlich einsetzen, was bedeutet, dass er z. B. nur die Vulva massiert (Schamlippen, Scheideneingang, Klitoris, aber gerne auch die Innenschenkel, Venushügel, Bauch, wo immer es gut tut und gefällt, wobei der Beckenboden natürlich insbesondere dann gestärkt wird, wenn es zum Orgasmus kommt und früher oder später (nach der Gewöhnungs- und Kennenlernzeit) der Vibrator auch innerlich eingesetzt werden kann).

Welcher Vibrator ist der richtige?

Die Wissenschaftler der Mayo Clinic gaben Hinweise, welche Aspekte man bei der Wahl des richtigen Vibrators berücksichtigen sollte, um Risiken auszuschliessen und in den vollen Genuss der gesundheitlichen Vorteile zu gelangen:

  1. Soll der Vibrator nur äusserlich oder zur Penetration verwendet werden? Je nach Zweck und Anwendung gibt es unterschiedliche Grössen und Formen.
  2. Wird der Vibrator anal oder vaginal verwendet? Es gibt konkrete Modelle für den analen und auch für den vaginalen Einsatz. Achten Sie darauf, dass Vibratoren, die Sie anal verwenden möchten, eine breite Basis oder ein Rückholband besitzen, da sie andernfalls im Darm verschwinden könnten. Je nach Grösse können Sie dann zwar beim nächsten Stuhlgang wieder zum Vorschein kommen. Doch besteht auch die Gefahr, dass dies nicht der Fall ist, was daher vorsichtshalber den Gang ins Krankenhaus erfordert. Denn je nach Modell kann es auch zu einem Verkeilen im Darm kommen.
  3. Wenn Sie bisher beim Geschlechtsverkehr Schmerzen bei der Penetration hatten, wählen Sie ein besonders schmales sowie absolut glattes und nahtloses Modell. Oder Sie wählen einen Vibrator, der nur äusserlich eingesetzt wird.
  4. Wenn Sie eher unempfindlich sind und erst bei intensiver Vibration etwas spüren, dann wählen Sie einen Vibrator mit mehreren Intensitätsstufen.
  5. Wenn Sie nicht möchten, dass andere Mitbewohner/Familienmitglieder etwas von Ihrer Vibrator-Therapie bemerken, wählen Sie ein besonders leises Modell oder einen kabellosen wasserdichten Vibrator, den sie auch unter der Dusche verwenden können.
  6. Vibratoren gibt es aus den unterschiedlichsten Materialien (Silikon, Hartplastik, Glas, Edelstahl, Holz, Gummi etc.). Insbesondere Kunststoffe können Weichmacher und andere Chemikalien enthalten (z. B. Phthalate), die krebserregend sein können und im Körper nichts verloren haben und somit auch nichts in einem Vibrator. Wählen Sie also einen Vibrator aus ungiftigem Material, z. B. Edelstahl oder medizinischem Silikon. Wird nur „Silikon“ angegeben, könnten andere Materialien untergemischt sein.
  7. Zur Stärkung des Beckenbodens sind zudem Vibratoren aus hartem Material, wie z. B. Holz besser geeignet als weiche Modelle. Inzwischen gibt es sehr hochwertige Vibratoren aus einheimischen Hölzern ohne schädliche Weichmacher, Härter oder UV-Schutzmittel. Die Holz-Vibratoren sind ganz glatt, gleitfähig und hygienisch. Googeln Sie einfach nach "Vibrator aus Holz".

Wie oft sollte man den Vibrator einsetzen?

Damit eine stärkende Wirkung auf den Beckenboden erzielt werden kann und auch andere therapeutische Wirkungen einsetzen können, sollten Sie den Vibrator mindestens 2- bis 3-mal wöchentlich für jeweils eine halbe Stunde nutzen.

Wichtige Regeln im Umgang mit einem Vibrator

Beim Umgang mit dem Vibrator sollten einige Regeln beachtet werden:

Teilen Sie Ihren Vibrator nicht mit anderen!

Die wichtigste Regel ist die bereits oben angesprochene: Teilen Sie Ihren Vibrator nicht mit Ihren Sexpartnern, um das Risiko sexuell übertragbarer Infektionen zu verringern. So weiss man beispielsweise, dass das Teilen von Vibratoren oder anderen Sextoys das Risiko einer bakteriellen Vaginose bei Frauen erhöht, die Sex mit Frauen haben. Auch das HPV (Humanes Papillomavirus) könnte mit einem Vibrator übertragen werden. Das HPV gilt als Ursache für Gebärmutterhalskrebs.

Reinigen Sie Ihren Vibrator regelmässig!

Verwenden Sie Ihren Vibrator ausserdem nicht erst anal und anschliessend vaginal, da Sie andernfalls Bakterien aus dem Darm in die Vagina einbringen können, was Blasenentzündungen fördern kann.

Wenn Sie Ihren Vibrator nach analem Gebrauch vaginal verwenden möchten, reinigen Sie ihn vorab (mit warmem Wasser und Seife). Auch sollten Sie ihn stets nach jedem Gebrauch reinigen. Vielleicht halten Sie diesen Hinweis für übertrieben, weil dies für Sie selbstverständlich ist. Allerdings gaben in einer Untersuchung etwa 20 % der Männer und 14 % der Frauen an, einen Vibrator vor oder nach dem Gebrauch noch nie gereinigt zu haben.

Das HP-Virus ist ausserdem so hartnäckig, dass es auch die Reinigung übersteht und in Spuren noch 24 Stunden nach der Reinigung auf dem Vibrator nachweisbar war. Nutzen Sie daher Ihren Vibrator nur für sich, teilen Sie ihn nicht mit anderen.

Verwenden Sie Vibratoren nur dann anal, wenn sie dafür geeignet sind

Wenn Sie einen Vibrator anal verwenden möchten, tun Sie es nur, wenn er auch für den analen Gebrauch gedacht ist (siehe oben – sonst verschwindet er möglicherweise im Darm und muss operativ entfernt werden). Verwenden Sie ausserdem immer ein Gleitgel.

*Das Gleitgel Greentea ist wasserlöslich, glycerinfrei und ist auch für den vaginalen Einsatz geeignet, denn es stört den pH-Wert der Scheidenflora nicht.

Wenn Sie noch nie einen Vibrator verwendet haben…

Wenn Sie noch nie einen Vibrator verwendet haben und sich damit auf Anhieb auch nicht anfreunden können – z. B. aufgrund Ihrer eher konservativen Einstellung zu Sextoys – dann ist Ihr Vibrator in Ihrem Fall kein Sextoy, sondern ein therapeutisches Medizinprodukt zur Verbesserung Ihrer Gesundheit.

Sie müssen Ihre Therapie auch nicht an den Genitalien beginnen, wenn Sie sich damit noch unsicher oder unwohl fühlen. Lernen Sie das medizinische Gerät erst einmal kennen und spüren Sie die Vibrationen am Arm, Bein, Bauch oder wo immer Sie möchten. Mit der Zeit tasten Sie sich immer weiter vor – ganz so, wie Sie sich wohl damit fühlen.

Update 9.7.2022

Wir haben den Artikel mit dem Abschnitt "Muss ein Vibrator vaginal eingeführt werden?" ergänzt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Lieben Dank, Ihre Redaktion vom Zentrum der Gesundheit

Quellen
  1. (1) Rullo JE, Lorenz T, Ziegelmann MJ, Meihofer L, Herbenick D, Faubion SS. Genital vibration for sexual function and enhancement: best practice recommendations for choosing and safely using a vibrator. Sex Relation Ther. 2018;33(3):275-285. 
  2. (2) Dubinskava A et al., IS IT TIME FOR FPMRS TO PRESCRIBE VIBRATORS?, Mai 2022, Journal of Urology