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Selen entgiftet Schwermetalle und Umweltgifte

Selen aktiviert die körpereigenen Entgiftungsenzyme und ist direkt an der Entgiftung von Schwermetallen beteiligt. Selenhefe bezeichnet dabei eine Mischung organischer Selenverbindungen, die besonders gut entgiften.

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20 September 2021

Mit Selen entgiften

Selen ist ein essentielles Spurenelement. Wir müssen es also in ausreichender Menge mit der Nahrung zu uns nehmen. In den USA beispielsweise sind die Böden relativ selenreich. Entsprechend gut ist die Bevölkerung mit Selen versorgt. In Europa hingegen sind die Böden und infolgedessen auch die Nahrungsmittel eher selenarm.

Während daher Menschen in den USA Blutwerte von 100 bis 180 µg Selen pro Liter Blut aufweisen können, liegen die Werte in Deutschland meist nur bei 60 bis 80 µg/l. Ein Selenmangel ist also in unseren Gefilden sehr viel wahrscheinlicher.

Selen hat jedoch so wichtige Aufgaben im Körper, dass ein Selenmangel mit weitreichenden Beschwerden einhergehen kann. So kommt es schon bei Werten von unter 50 µg/l zu einer eingeschränkten Aktivität der Glutathionperoxidasen. Dabei handelt es sich um körpereigene Enzyme, die für die Entgiftung des Körpers zuständig sind und oxidativen Stress im Organismus reduzieren.

Je besser daher die Selenversorgung, umso besser ist der Körper vor toxischen Substanzen geschützt und umso besser kann er selbst entgiften – ein Zusammenhang, den man schon sehr lange kennt.

Selen und Vitamin E verringern die Giftigkeit von Schwermetallen

Bereits im Jahr 1992 untersuchte man die Wirkung von Selen und auch von Vitamin E bei Schwermetallvergiftungen. Man wusste schon damals, dass Selen der Giftigkeit von Schwermetallen entgegenwirken kann. Ob Cadmium, anorganisches Quecksilber, Methylquecksilber, Thallium oder teilweise auch Silber – sie alle können mit Hilfe von Selen weniger gefährlich werden.

Auch vom Vitamin E war seinerzeit bekannt, dass es die Giftigkeit von Methylquecksilber reduzieren kann, zwar nicht ganz so gut wie Selen, doch zeigte sich das Vitamin E stattdessen wirksamer gegen die Giftigkeit von Silber. Auch bei Blei zeigt Vitamin E gute Wirkung, Selen ist hier dagegen weniger hilfreich.

Allerdings sollte es sich um eine natürliche Vitamin-E-Quelle handeln. Denn synthetisches Vitamin E – wenn regelmässig und in hohen Dosen eingenommen – kann das Krebsrisiko erhöhen.

Natürliche Vitamin-E-Quellen sind z. B. Weizenkeimöl oder auch Moringa. Pro 10 Gramm liefert Weizenkeimöl etwa 18 mg Vitamin E. Bei Moringa sind es 4 – 8 mg pro 10 Gramm. Der Bedarf eines Erwachsenen liegt bei 12 – 14 mg Vitamin E.

Nüsse, Mandeln und Ölsaaten versorgen ebenfalls mit viel Vitamin E. 30 Gramm Haselnüsse versorgen beispielsweise mit 7,5 mg Vitamin E. Ähnlich hohe Werte finden sich bei Mandeln und Sonnenblumenkernen, während andere Nüsse und Kerne deutlich weniger Vitamin E enthalten.

Selen entgiftet krebserregende Chemikalien

Neben Schwermetallen gibt es natürlich noch viele weitere Gifte, die den Menschen tagtäglich belasten, wie z. B. krebserregende Chemikalien aus Abgasen, Tabakrauch (Passivrauchen), Lebensmitteln (Pestizidrückstände), Schimmelpilzen (Aflatoxine), Verpackungen und Kunststoffen etc.

Auch bei vielen dieser Gifte zeigt Selen entgiftende Wirkung und verschont den Körper daher vor den teilweise schweren Erkrankungen infolge einer chronischen Giftbelastung.

Kein Wunder gilt Selen auch als potentes Mittel für einen wirksamen Krebsschutz. Denn es gilt: Je besser man mit Selen versorgt ist, umso besser ist man auch vor Krebs geschützt. Selenmangel wird hingegen mit einem steigenden Krebsrisiko in Verbindung gebracht.

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So soll das Krebsrisiko für Blasenkrebs, Lungenkrebs, Magenkrebs, Speiseröhrenkrebs und Leberkrebs bei Selenmangel um das Zwei- bis Dreifache steigen. In Sachen Schilddrüsenkrebs soll ein Selenmangel das Risiko einer Erkrankung gar um das fast Achtfache erhöhen.

Je höher der Selenspiegel, umso weniger gefährlich wirkt Quecksilber

Aktuelle Erkenntnisse bestätigen die entgiftende Wirkung von Selen. 2010 beispielsweise schrieben Ralston et al. von der University of North Dakota in der Fachzeitschrift Toxicology: Je höher der Selenspiegel, umso weniger gefährlich ist es, wenn man Gifte wie z. B. Methylquecksilber zu sich nimmt.

Aus der Viehhaltung ist diese Tatsache ebenfalls bekannt (und zwar schon seit den 1960er Jahren): Wenn Viehfutter wenig Selen enthält, dann führen Quecksilberbelastungen zu gravierenden Gesundheitsschäden. Sind die Tiere dagegen gut mit Selen versorgt, wirkt sich das Schwermetall nicht annähernd so schlimm aus.

Eine selenreiche Ernährung kann aber nicht nur Giftschäden durch Methylquecksilber – eine besonders giftige organische Quecksilberform – vorbeugen, sondern sogar einige der schwerwiegendsten Symptome beheben, die infolge einer Quecksilberbelastung in Erscheinung treten können.

Warum wirkt sich Quecksilber so schädlich aus? Auch das erklären die Forscher aus North Dakota in ihrem Artikel:

Quecksilber macht Entgiftungsenzyme unwirksam

Methylquecksilber hemmt irreversibel selenabhängige Enzyme, die Selenoenzyme. Zu diesen Enzymen gehört u. a. die weiter oben bereits erwähnte Glutathionperoxidase.

Selenoenzyme beugen im gesamten Körper oxidativen Angriffen vor, ja sie können oxidative Schäden bis zu einem gewissen Grad auch wieder reparieren. Besonders aktiv sind sie im Gehirn und in neuroendokrinem Gewebe.

Letzteres ist eine Art hormonproduzierendes Nervengewebe. Es kommt besonders im Magen-Darm-Trakt vor, aber auch in den Lungen, den Nieren, den Eierstöcken und der Haut.

Werden die Selenoenzyme in diesen empfindlichen Geweben und Organen behindert oder gar inaktiviert, kommt es verständlicherweise zu vielerlei Gesundheitsbeschwerden.

Quecksilber inaktiviert die Enzyme, indem es das Selen an sich bindet. Der zweitliebste Bindungspartner des Quecksilbers ist der Schwefel. Aber an Selen bindet sich das Quecksilber eine Million mal lieber als an Schwefel.

Auf diese Weise werden die Selenoenzyme massiv beschädigt, ihre Neubildung wird verhindert und die körpereigene Entgiftung wird blockiert.

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Das erklärt, warum man in Bevölkerungen, wo viel quecksilberbelasteter Fisch gegessen wird, die Ernährung aber insgesamt selenarm ist, immer wieder beobachten kann, dass sich dies negativ auf den IQ der Kinder auswirkt.

Ist die Ernährung hingegen selenreich, scheint auch der häufige Verzehr von quecksilberbelastetem Fisch nicht zu schaden. Das Selen kann hier den IQ der Kinder sogar verbessern.

Selen sorgt für die Ausleitung von Quecksilber

Im Jahr 2012 testete man die entgiftende Wirkung von Selen in Wanshan, China, einer Region, in der die Menschen an erhöhter Quecksilberbelastung litten. 103 Freiwillige meldeten sich für die Studie. 53 von ihnen erhielten drei Monate lang täglich Selenhefe (100 µg), die übrigen 50 erhielten ein Placebopräparat (Hefe ohne Selen).

Man konnte nun beobachten, dass die Quecksilberausscheidung über den Urin in der Selengruppe stieg, während die Malondialdehydwerte im Urin sanken. Malondialdehyd ist ein wichtiger Marker für oxidativen Stress. Und da eine Quecksilberbelastung immer mit starkem oxidativen Stress einhergeht, deuten sinkende Malondialdehydwerte auf eine sinkende Quecksilberbelastung hin.

Alle diese Fakten legen nahe, dringend die eigene Selenversorgung zu optimieren, um auf diese Weise künftig viel besser vor möglichen Umweltgift- und Schwermetallbelastungen geschützt zu sein.

Kaum aber hat man sich nun dazu entschlossen, Selen einzunehmen oder selenreicher zu essen, stösst man nicht selten auf Informationen, denen zufolge Selen krebserregend sein soll sowie das Diabetes-Risiko erhöhen soll.

Selen und das Krebsrisiko

Wie kommt es dazu, dass Selen mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht wird, zumal es doch auch zahlreiche Studien gibt, die das Gegenteil feststellten?

Ganz einfach: Es kommt darauf an, wie hoch der eigene Selenspiegel ist, und es kommt darauf an, ob man Selen allein zu sich nimmt oder womöglich gemeinsam mit minderwertigen (synthetischen) und viel zu hoch dosierten anderen Nahrungsergänzungen – wie die folgende klinische Studie aus 2013 zeigt:

Bei 35.000 männlichenTeilnehmern über 55 Jahre hatte sich gezeigt, dass jene Männer, die bereits einen überhöhten Selenstatus hatten (in den Zehennägeln gemessen) und Selen zusätzlich einnahmen (200 µg pro Tag), ein um 62 Prozent erhöhtes Risiko hatten, einen Prostatakrebs zu entwickeln. Nahmen sie zusätzlich Vitamin E (400 IE, was allerdings mehr als dem Dreissigfachen des Bedarfs entspricht), dann stieg das Prostatakrebsrisiko um gar 224 Prozent.

Männer aber, die einen normalen oder niedrigen Selenstatus hatten und Selen supplementierten, hatten kein erhöhtes Krebsrisiko.

Selen schadet also nur, wenn es zugeführt wird, man aber bereits viel zu hohe Selenwerte hat. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Mineralien. Mit Eisen beispielsweise sollte man auf keinen Fall überdurchschnittlich gut versorgt sein, da dies nicht nur dem Herz-Kreislauf-System schadet, sondern ebenfalls als ein enormes Krebsrisiko gilt.

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Selen und das Diabetesrisiko

Einige Studien wollen in den letzten Jahren überdies einen Zusammenhang zwischen dem Selenspiegel und einem erhöhten Diabetesrisiko gefunden haben. Je mehr Selen eine Person pro Tag einnehme, umso höher sei ihr Diabetesrisiko – so heisst es dort.

Im Jahr 2010 waren es Stranges et al., die feststellten, dass von 7.180 Studienteilnehmern nach 16 Jahren 250 einen Diabetes entwickelten. Jene, die Diabetes bekamen, hätten über die Jahre mit der Ernährung 60,9 µg Selen pro Tag zu sich genommen, die anderen "nur" 56,8 µg.

Fünf Jahre später verhielt es sich in der Studie von Wei et al. ähnlich. Die Teilnehmer, die Diabetes bekamen (525 von 5.400 Personen), hatten durchschnittlich 46,7 µg Selen pro Tag zu sich genommen, die anderen 43,1 µg.

Der Unterschied ist minimal und unserer Meinung nach nicht entscheidend für die Diabetesentwicklung, vor allem, wenn man sich die übrigen Risikofaktoren der Teilnehmer betrachtet.

So waren jene Frauen, die Diabetes bekamen, älter, schwerer und weniger gebildet. Letzteres weist häufig auf einen ungesünderen Lebensstil hin – und dass Menschen mit Übergewicht sowie ältere Menschen eher zu Diabetes neigen als Schlanke und Jüngere, dürfte bekannt sein.

Im Jahr 2007 untersuchten Stranges et al. an 1.202 Teilnehmern, wie sich eine dauerhafte (fast 8 Jahre praktizierte) Nahrungsergänzung mit 200 µg Selen auf das Diabetesrisiko auswirke. Die Hälfte der Probanden bekam Selen, die andere Hälfte ein Placebo.

Es zeigte sich, dass Selen Diabetes nicht verhindern konnte. In der Selengruppe gab es sogar mehr Diabetiker (58) als in der Placebogruppe (39).

Die Probanden waren zu Beginn der Studie bereits 63 Jahre alt. In dieser Altersklasse ist es "normal", dass 9 - 10 Prozent der Bevölkerung an Diabetes erkranken. In vorliegender Studie erkrankten 97 von 1.202.

Würde Selen das Diabetesrisiko erhöhen, hätten in der Selengruppe sehr viel mehr Menschen an Diabetes erkranken müssen. So aber befand sich die Zahl der Erkrankten in einem ganz normalen Rahmen.

Darüber hinaus wurde die Studie in den USA durchgeführt, wo die Menschen bekanntlich meist sehr gut mit Selen versorgt sind. Bei Studienstart hatten alle Teilnehmer daher auch Werte von um die 120 µg/l. Es waren also Menschen, die niemals eine Selennahrungsergänzung benötigt hätten.

Im Verlauf der Studie stiegen die Werte in der Selengruppe nun aber auf 180 bis 200 µg/l, Werte, die fast schon eine Überdosierung anzeigen, Werte, bei denen man die Studienteilnehmer – unserer Meinung nach – keinesfalls über Jahre hätte belassen dürfen.

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Wann also ist eine Nahrungsergänzung mit Selen sinnvoll? Oder genügt es, selenreiche Lebensmittel zu essen? Wie viel Selen braucht man täglich? Was ist der Unterschied zwischen organischen und anorganischen Selenverbindungen? Und wie lässt man den Selenspiegel messen? Alle diese Informationen lesen Sie in unserem Artikel über Selenmangel.

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Quellen
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