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Pestizide: Giftcocktails in unseren Nahrungsmitteln

Jahr für Jahr kommen auf der Erde rund 4 Millionen Tonnen Pestizide zum Einsatz. Das erhöht zwar die Erträge. Doch was der Umwelt schadet, trifft früher oder später auch uns Menschen. Und so gibt es kaum noch Lebensmittel, die frei von Giftstoffen sind. Lesen Sie, welche Folgen und Auswirkungen der weit verbreitete Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat und wie Sie sich bestmöglich schützen können.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 29 Juni 2023

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Ohne Pestizide keine Monokultur

Nahezu alle Pflanzen, die für den menschlichen Verzehr angebaut werden, werden in Monokulturen gezogen. Unter dem Begriff "Pestizide" nun versteht man Stoffe, die insbesondere deshalb entwickelt wurden, um Monokulturen überhaupt betreiben zu können. Ohne Pestizide wäre es nahezu unmöglich, mit Monokulturen die erwünschten Ernten einzufahren.

Denn wenn auf riesigen Flächen nur eine einzige Pflanzenart wächst – ob Mais, Bananen, Weizen oder was auch immer – finden sich rasch Wildtiere, Pilze, Viren, Bakterien und Co. ein, denen die Wurzeln, die Blätter oder die Früchte besonders gut schmecken. Da das Nahrungsangebot anormal groß ist, vermehren sich die sogenannten Schädlinge übernatürlich stark, breiten sich wie ein Lauffeuer aus und könnten einen großen Teil oder sogar die komplette Ernte vernichten.

Die Natur will den Monokulturen entgegenwirken, um wieder ein gesundes Gleichgewicht zu erreichen. Daher wachsen Wildpflanzen ("Unkräuter") zwischen den Kulturpflanzen. Auch diese würden die Ernte schmälern. Um all das zu unterbinden, werden Pflanzenschutzmittel (Pestizide) unterschiedlichster Couleur eingesetzt.

Welche Pestizide gibt es?

Der chemische Rundumschlag beginnt bereits vorbeugend und wird bis nach der Ernte fortgeführt. Es gibt unterschiedliche Pestizide, je nach Zielobjekt:

  1. Insektizide gegen Insekten
  2. Herbizide gegen Wildpflanzen (im allg. Sprachgebrauch "Unkraut" genannt)
  3. Fungizide gegen Pilze
  4. Avizide gegen Vögel

Was sind Avizide?

Avizide sind Pestizide, mit denen Vögel vergiftet werden, wenn sie Ernten bedrohen, etwa im Reis- oder Weinanbau. In Afrika werden die Gifte teilweise mit Flugzeugen über den Brutkolonien ausgebracht. In den meisten Ländern ist der Einsatz von Aviziden jedoch stark eingeschränkt oder verboten.

In den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Afrika und Neuseeland ist die Verwendung aber nach wie vor üblich – und das, obwohl Avizideinsätze große "Kollateralschäden" mit sich bringen, nämlich Wasser und Böden vergiften und auch jene Tiere töten, die sich von den vergifteten Vögeln ernähren (u. a. Störche, Geier, aber natürlich auch die Säugetiere unter den Aasfressern, wie Füchse, Afrikanische Wildhunde, Hyänen etc.).

Pestizide schaden vielfältig und ziellos

Pestizide wissen nicht, dass sie nur diese oder jene Pflanzen/Tiere töten sollen. Sie töten oder schädigen daher auch andere Wildpflanzen, Wildtiere und/oder Organismen im Boden, in der Luft oder in umliegenden Gewässern. Die Pflanzenschutzmittel machen auch nicht Halt vor den Bauern, Arbeitern und den dort lebenden Menschen. Am Ende landen natürlich auch Nahrungsmittel auf unseren Tellern, die mit Pestiziden belastet sind und der Gesundheit von uns Konsumenten schaden.

Pestizide und ihre Folgen

Pestizide habe auf nahezu jeden Umwelt- und Lebensbereich markante Auswirkungen und Folgen:

Krankheiten durch Pestizide

Analysen zeigen immer wieder aufs Neue, dass konventionell angebautes Obst und Gemüse fast ausnahmslos Pestizidrückstände enthalten. Im Jahr 2022 wurden vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart beispielsweise 885 Proben Frischobst analysiert, wovon 94 Prozent mit Rückständen belastet waren. ( 31 )

Die Auswirkungen einer chronischen Aufnahme von Chemikalien mit Lebensmitteln sind Gegenstand vieler Studien. Zu den möglichen Folgen zählen Fortpflanzungsstörungen, Krebs, Herz- und Atemwegserkrankungen, Adipositas, Diabetes und vordergründig neurologische Leiden. ( 32 ) Laut einer internationalen Studie aus dem Jahr 2023 stehen Pestizide im Zusammenhang mit dem Auftreten eines Tremors (Muskelzittern), wie etwa Parkinson. ( 33 ) Näheres dazu lesen Sie hier: Parkinson durch Pestizide oder auch hier: Pestizide: Eine mögliche Ursache von Autismus.

Laut einer Analyse der Europäischen Umweltagentur (EEA) stellen Pestizide ganz klar eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen dar. Dennoch vertraut der Agrarsektor in Europa noch immer auf den Gebrauch großer Mengen dieser Stoffe, um die Ernteerträge aufrechterhalten zu können. ( 22 )

Pestizidhersteller wie das deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen Bayer erzielen bereits über ein Drittel ihrer Umsätze mit Wirkstoffen, die u. a. von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als hochgefährlich eingestuft wurden. Es handelt sich hier um Pestizide, die krebserregend, fortpflanzungsschädigend oder erbgutverändernd wirken.

Landwirte, welche diese Chemikalien anwenden, erleiden häufig Haut-, Augen- und Atemreizungen. Leiden wie Krebs oder Stoffwechselerkrankungen treten bei Anwendern gehäuft auf. Dass weltweit rund 385 Millionen Menschen jährlich an Pestizidvergiftungen schwer erkranken oder sterben, wird von den Konzernen hingenommen. ( 34 )

Belastung von Böden, Seen und Flüssen

Außerdem belastet der Einsatz von Pestiziden die Umwelt - auch in der EU. In mehr als einem Fünftel der Seen und Flüsse finden sich bereits Pestizide in einer bedenklichen Konzentration und 83 Prozent der Ackerböden sind belastet. Pflanzenschutzmittel gelten weltweit als eine der Hauptquellen für die Umweltverschmutzung (Wasser, Boden und Luft), treiben den Verlust der Artenvielfalt voran und führen außerdem zu Schädlingsresistenzen, so dass letztendlich immer mehr Gifte gesprüht oder wieder neue Gifte entwickelt werden müssen.

Wildtiere werden vergiftet oder finden zu wenig Nahrung

Oft werden Tiere (Bienen, Vögel und andere Wildtiere) durch das Naschen an gespritzten Pflanzen vergiftet. ( 27 ) In den USA wird beispielsweise allein das Insektizid Carbofuran für den Tod von bis zu 90 Millionen Vögeln jährlich verantwortlich gemacht. ( 36 ) Andererseits wird das Nahrungsangebot von Tieren reduziert. So hat sich die Anzahl der Fluginsekten um bis zu 90 Prozent verringert, was sich wiederum negativ auf Vögel oder auch Fledermäuse auswirkt. ( 35 )

Gefahr durch Mehrfachbelastungen

Oft ist zu lesen, dass Obst und Gemüse aus konventionellem Anbau inzwischen deutlich weniger mit Pestiziden belastet sei als früher. Und es stimmt, dass Wirkstoffe meist nur noch in minimalen Mengen festgestellt werden. Doch werden Mehrfachbelastungen (Rückstände von mehreren verschiedenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen in einem Lebensmittel) dabei nicht berücksichtigt.

Finden sich in einem Produkt z. B. 10 verschiedene Wirkstoffe, wird lediglich geschaut, dass der Grenzwert der einzelnen Substanzen nicht überschritten wird. Völlig außer Acht gelassen wird dabei, dass einerseits die Menge der Mischung je nach Anzahl der Einzelstoffe recht hoch werden kann und dass andererseits kombinierte Giftstoffe häufig ganz anders und u. U. viel gefährlicher wirken können als die Einzelstoffe für sich allein.

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart überprüft alljährlich Rückstände und Kontaminanten in Frischobst sowie Frischgemüse aus konventionellem Anbau. Mehrfachbelastungen sind alles andere als eine Rarität.

Im Jahr 2022 wurden insgesamt 885 Proben Frischobst analysiert. 94 Prozent wiesen Rückstände von insgesamt 196 verschiedenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen auf. Bei 4,9 Prozent wurden Überschreitungen der Höchstgehalte festgestellt. Bei einer Probe Tafeltrauben aus der Türkei wurden 24 (!) verschiedene Pestizide gefunden. ( 1 )

Von 994 Proben Frischgemüse wiesen 88 Prozent Rückstände von insgesamt 232 verschiedenen Pestiziden auf. Es wurden 4.420 Rückstände gemessen, bei 5 Prozent der Proben wurden Rückstände über dem gesetzlich festgelegten Höchstgehalt ermittelt. In Hinblick auf Mehrfachbelastungen war eine Probe frischer Koriander aus Italien der Spitzenreiter: Es wurden 20 verschiedene Pestizide entdeckt. ( 3 )

Mehrfachrückstände - Gefährlich wie die Pest

In puncto Lebensmittelüberwachung wird schon seit der Jahrtausendwende gefordert – z. B. vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – dass beurteilt werden muss, ob Lebensmittel mit den Rückständen mehrerer Pestizidwirkstoffe für Verbraucher ein gesundheitliches Problem darstellen.

Vom BfR wurde im Jahr 2010 eine Studie mit dem Titel "Pestizide – Gefährlich wie die Pest?" veröffentlicht. Darin steht u. a., dass sich die Wirkung von Substanzen mit ähnlicher Wirkung (z. B. Fungizide) vervielfachen kann, wenn sie kombiniert vorkommen ( 28 ). In Folge wurde ein Modell für ein einheitliches, auf europäischer Ebene koordiniertes Bewertungskonzept für Mehrfachrückstände vorgelegt.

Im Jahr 2017 gab das BfR an, dass die Bewertung des sich summierenden Verbraucherrisikos nach wie vor im Unklaren sei. Daran hat sich bis heute (Stand: Juli 2023) nichts geändert. Die Weiterentwicklung des Bewertungskonzepts für Mehrfachrückstände auf EU-Ebene lässt weiterhin auf sich warten, da noch immer an der Methodik gefeilt wird. ( 24 , 25 , 26 )

Auswirkungen von Mehrfachrückständen auf die Gesundheit

Ob und welche Gesundheitsrisiken mit Mehrfachrückständen verbunden sein können, ist wissenschaftlich bis heute noch nicht umfassend geklärt. Gesundheitsschädliche Wechselwirkungen können jedenfalls nicht ausgeschlossen werden, wenn der Organismus gleichzeitig mehreren chemischen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen ausgesetzt ist.

Welche Wirkung ein Gemisch verschiedener Wirkstoffe auf den Menschen aber haben kann, ist sehr schwer zu definieren, da Mehrfachrückstände aufgrund der Vielzahl an eingesetzten Substanzen unterschiedlichste Zusammensetzungen haben. ( 29 )

Auswirkungen von Mehrfachrückständen auf Bienen

Es gibt nun aber schon einige Hinweise, dass sich Mehrfachrückstände von Pflanzenschutzmitteln auf Bienen tödlich auswirken. In einer im Jahr 2017 durchgeführten polnischen Studie wurden in 343 lebenden und 74 vergifteten Honigbienen die Rückstände von 200 Pestiziden gefunden:

  1. 56 Prozent der lebenden Bienen waren frei von Pestiziden
  2. Bei 20 Prozent wurde ein Wirkstoff gefunden
  3. Bei 25 Prozent wurden Mehrfachbelastungen festgestellt
  4. Bei den vergifteten Bienen war 1 Prozent frei von Pestiziden
  5. In 14 Prozent der vergifteten Bienen fand sich ein einziger Wirkstoff
  6. 85 Prozent der toten Tiere wiesen Mehrfachrückstände auf ( 27 )

Wie sicher sind zugelassene Pestizide?

In Bezug auf Obst und Gemüse zählt Boscalid zu den Top 5 der meisteingesetzten Pestizide. ( 1 ) Dieses langlebige Pflanzenschutzmittel (Fungizid) kommt heutzutage in vielen EU-Staaten – auch im deutschsprachigen Raum – sehr häufig zum Einsatz. Von der EPA (US-Umweltschutzbehörde) wurde der Wirkstoff als nur gering riskant für Mensch und Umwelt eingestuft.

Neueren Studien zufolge verursacht Boscalid allerdings Entwicklungsstörungen bei Fischen, die mit oxidativem Stress verbunden sind. Wissenschaftler forderten darum eine umfassende Bewertung seiner Toxizität und eine Warnung vor seinen Rückständen in der Umwelt und in Lebensmitteln. ( 21 )

Bis aber ein einmal als ungefährlich eingestuftes Pestizid verboten wird, kann sehr viel Zeit vergehen. Laut dem gemeinnützigen Verein Foodwatch sind die Zulassungen bei 30 Prozent aller in der EU verwendeten Pestizide eigentlich schon abgelaufen. Dabei handelt es sich um 135 der insgesamt 455 in der EU zugelassenen Pestizide. Die EU verlängert die Genehmigungen jedoch regelmäßig – und zwar auch ohne die vorgeschriebene Sicherheitsprüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). ( 20 )

So wurde beispielsweise die Verwendung von Glyphosat, einem Unkrautvernichter und dem weltweit am meisten eingesetzten Pestizid, bis Dezember 2023 verlängert, obwohl das endgültige EFSA-Gutachten noch gar nicht vorlag. Im Juli 2023 wurde dann kundgetan, dass es in Bezug auf mögliche Auswirkungen von Glyphosat auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt keinen Anlass zur Sorge gebe.

Solange das Ausmaß der Auswirkungen von Glyphosat aber nicht eindeutig geklärt ist, müsste die EU-Kommission eigentlich dem Vorsorgeprinzip Rechnung tragen und dem Wirkstoff die Zulassung entziehen. ( 17 )

Was passiert mit verbotenen Pflanzenschutzmitteln?

Bei der Überprüfung von Lebensmitteln fällt immer wieder auf, dass Höchstüberschreitungen der Grenzwerte von Pflanzenschutzmitteln gehäuft bei Obst und Gemüse aus Drittländern auftreten, also aus Ländern, die nicht zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gehören. Doch damit nicht genug!

Denn sieht man sich die Analysen genauer an, muss festgestellt werden, dass es sich oft um Pestizide handelt, denen in der EU sowie in der Schweiz längst die Zulassung entzogen wurde. Zu den Gründen zählen einerseits fatale Folgen für die Umwelt, andererseits z. B. die Verursachung von genetischen Defekten, Auslösung von Krebs, Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit, hormonelle Wirksamkeit sowie Schädigung von Kindern im Mutterleib. ( 1, 3, 15 )

Nun fragt man sich unwillkürlich, was eigentlich mit jenen Pestiziden passiert, die in der EU verboten wurden. Werden die Pflanzenschutzmittel vernichtet, aus dem Verkehr gezogen, nicht länger produziert? Leider dreimal nein! Denn nur, weil der Einsatz in der EU verboten wird, bedeutet dies noch lange nicht, dass die Chemikalien nicht weiter hergestellt, in andere Länder exportiert und dort dann angewandt werden.

So wurde etwa allein im Jahr 2018 in den EU-Staaten der Export von 81.615 Tonnen dieser hochgefährlichen Pestizide genehmigt. Die Schweiz exportierte von 2012 bis 2019 mehr als 180 Tonnen Pflanzenschutzmittel, die im eigenen Land verboten sind. ( 2 , 14 )

Verbotene Pestizide in importiertem Obst und Gemüse

Es folgt eine kleine Auswahl von den gefährlichen, in der EU und der Schweiz verbotenen Pestizidwirkstoffen, die in Drittstaaten exportiert werden. Werden dann dort angebaute Lebensmittel nach Europa exportiert, landen die Gifte wieder auf unseren Tellern:

Insektizid Chlorpyrifos

Das Insektizid Chlorpyrifos ist in der EU seit 2020 und in der Schweiz seit 2021 aufgrund seiner Toxizität verboten. In den USA ist das Pflanzenschutzmittel aber weiterhin erlaubt. Und das, obwohl festgestellt wurde, dass selbst subtoxische Dosen dem Kind im Mutterleib schaden können.

Zu den Auswirkungen zählen Veränderungen des Großhirnes und in Folge Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit. ( 4 ) Außerdem ist Chlorpyrifos für Tiere wie Amphibien, Fische und Bienen außerordentlich toxisch. ( 5 )

Fungizid Chlorthalonil

Das Fungizid ist in der EU und in der Schweiz seit Anfang 2020 verboten. Dafür ausschlaggebend war die Feststellung, dass der offizielle Höchstwert von Chlorthalonil-Metaboliten im Trink- und Grundwasser weltweit vielerorts überschritten war. Im schweizerischen Kanton Thurgau war der Höchstwert etwa bei mehr als einem Viertel der gemessenen Proben überschritten. ( 9 )

Zudem zeigte sich, dass das Pflanzenschutzmittel ein entscheidender Faktor für den Rückgang der Honigbienenpopulation ist. Der Grund dafür ist, dass es die Bienen anfälliger für den Darmparasiten Nosema ceranae macht. ( 10 ) Der Stoff ist zudem extrem giftig für Fische und wirbellose Wassertiere. ( 11 ) Der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge steht Chlorthalonil sogar im Verdacht, für den Menschen krebserregend zu sein. ( 12 )

Insektizid Profenofos

Das Insektizid Profenofos ist in der EU sowie in der Schweiz nicht für die Verwendung in Pflanzenschutzmitteln zugelassen. Laut der US-Umweltschutzbehörde (EPA) ist der Wirkstoff giftig für Vögel, kleine Säugetiere, Bienen, Fische und wirbellose Wassertiere. ( 13 )

Verbotene Pestizide weiter im Einsatz

Die Top 3 unter den größten Herstellern bzw. Exporteuren von Pestiziden sind ( 7 ):

  1. Der weltweit größte Chemiekonzern BASF (Deutschland) erzielte 2022 einen Umsatz von 87,3 Milliarden Euro.
  2. Das deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen Bayer schrieb 2022 einen Gewinn von 50,7 Milliarden Euro.
  3. Der Konzern Syngenta mit Verwaltungssitz und Zentrale in Basel (Schweiz) erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 28,2 Milliarden US-Dollar.

Sie alle erzielen bereits über ein Drittel ihrer Pestizidumsätze mit Wirkstoffen, welche z. B. das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als hochgefährlich einstufen. Die meisten dieser Pflanzenschutzmittel haben genau darum in der EU ihre Zulassung verloren.

Damit das dicke Geschäft nicht flöten geht, exportieren diese Konzerne ihre Giftstoffe trotzdem gewissenlos nach Brasilien, Südafrika oder Kenia. Dass weltweit 385 Millionen Menschen jährlich an Pestizidvergiftungen schwer erkranken, wird hingenommen. ( 6 )

Daran ändert auch nichts, dass zahlreiche Organisationen wie etwa der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen die Industrieländer immer wieder ermahnen, nicht weiterhin verbotene Pflanzenschutzmittel in ärmere Länder zu exportieren. Ein Umdenken hat bislang nur in wenigen Industriestaaten stattgefunden, aber immerhin:

In Frankreich ist 2022 ein Gesetz in Kraft getreten, welches die Herstellung, Lagerung und den Export von in der EU verbotenen Pestiziden untersagt. In der Schweiz ist seit 2021 der Export von fünf besonders giftigen Pestiziden verboten. ( 8 )

Kontrollen von Pestiziden in Lebensmitteln

In der EU gelten in Hinblick auf Pestizide in Lebensmitteln Rückstandshöchstgehalte. Es handelt sich hierbei um Maximalwerte, die für jeden Wirkstoff und abhängig vom jeweiligen Lebensmittel festgelegt werden. Das Credo lautet, dass die Rückstandshöchstmenge maximal so hoch sein darf, dass sie keine gesundheitlichen Schäden verursacht (Vorsorgeprinzip),

In der Schweiz werden die meisten Höchstgehalte für Pestizide in Lebensmitteln aus den EU-Verordnungen übernommen. Problematisch ist, dass die Schweizer Fremd- und Inhaltsstoffverordnung nur einmal pro Jahr aktualisiert wird. Wird beispielsweise die Rückstandshöchstmenge von einem Pflanzenschutzmittel in der EU aus gesundheitlichen Gründen reduziert, kann in der Schweiz der alte Wert noch bis zu einem Jahr lang Gültigkeit haben. ( 16 )

In erster Linie sind die Produzenten dafür verantwortlich, einwandfreie Lebensmittel auf den Markt zu bringen. Um den Pestizidgehalt in Lebensmitteln zu überwachen, finden stichprobenartig Kontrollen statt – regionale und nationale Kontrollen sowie Kontrollen auf EU-Ebene. ( 23 )

In Österreich wird beispielsweise vom Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz jährlich ein Kontroll- und Revisionsplan erstellt, in dem festgelegt ist, welche und wie viele Lebensmittel und lebensmittelproduzierende Unternehmen auf u. a. Pflanzenschutzmittel kontrolliert werden. Außerdem nehmen die Kontrolleure der Lebensmittelaufsicht Produkte unter die Lupe, die im Einzelhandel oder in der Gastronomie angeboten werden. Zudem finden Schwerpunktaktionen statt, wobei Lebensmittel auf spezielle Risiken wie z. B. Pestizide untersucht werden.

In der EU gibt es ein Kontrollprogramm (EU MACP), das durch Verordnungen der Europäischen Kommission für alle Mitgliedsstaaten verbindlich ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erstellt aus den in allen EU-Staaten gesammelten Daten regelmäßig Berichte. ( 18 )

Dem jüngsten Bericht der EFSA zufolge waren von 13.845 Proben 8.043 (58,1 Prozent) frei von messbaren Pestizidrückständen. 5.507 Proben (39,8 Prozent) enthielten einen oder mehrere Pflanzenschutzmittel-Rückstände in Konzentrationen, die unter oder gleich den zulässigen Werten lagen. In 295 Proben (2,1 Prozent) steckten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, welche die zulässigen Werte überstiegen. ( 19 , 20 )

Dies mag auf den ersten Blick nicht besonders besorgniserregend wirken. In Wahrheit ist es jedoch russisches Roulette. Denn wer weiß beim Kauf schon, ob das gekaufte Produkt nun sicher oder gar gesundheitsschädlich ist? Relativ sicher kann man sich jedoch sein, wenn man Bio-Lebensmittel kauft.

Bio ist meist frei von Pestiziden

Die Pestizidbelastung in Bio-Lebensmitteln ist – falls überhaupt vorhanden – äußerst gering. Beim Bio-Anbau sind synthetische Pflanzenschutzmittel verboten. Dennoch heißt es häufig, Bio-Lebensmittel seien auch nicht viel besser. Überprüfungen von biologisch angebautem Obst und Gemüse zeigen aber immer wieder aufs Neue, dass Bio-Produkte im Vergleich zu Lebensmitteln aus konventionellem Anbau deutlich weniger belastet sind.

Laut dem Ökomonitoring 2021 des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Baden-Württemberg

  1. ist konventionelles Obst und Gemüse 200-fach höher mit Pestiziden belastet als die Bio-Varianten
  2. wurden bei 76 Prozent der Bio-Proben überhaupt keine Pestizidwirkstoffe nachgewiesen
  3. waren bei konventionellem Gemüse nur 9 Prozent und bei konventionellem Obst nur 5 Prozent der Proben rückstandsfrei
  4. enthielt keine einzige Bio-Probe Rückstande von Pflanzenschutzmitteln über dem gesetzlich gültigen Höchstgehalt ( 30 )

Weitere interessante Infos zu diesem Thema finden Sie hier: Besser Bio-Lebensmittel als Pestizide!

Abgesehen von den Pestizidrückständen im Essen gibt es aber noch viele weitere Gründe, um die biologische Landwirtschaft zu unterstützen. Denn wer auf Bio setzt, trägt zum Schutz der Umwelt bei und beteiligt sich nicht an den Machenschaften rücksichtsloser Pestizidkonzerne.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.