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  • Pestizide werden auf Tomaten gespüht
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Pestizide: Giftcocktails in unseren Nahrungsmitteln

Paprika, Trauben, Äpfel, Tomaten, Salate und auch Johannisbeeren zählen – sofern sie aus konventionellem Anbau stammen – mittlerweile zu den Spitzenreitern in Sachen Pestizidbelastung. Die Pflanzen und ihre Früchte sind bei Insekten begehrt oder werden auch von bestimmten Pilzen befallen, so dass sie teilweise mehrfach mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 13 August 2022

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Pflanzenschutzmittel begünstigen chronische Krankheiten

Pestizide sind sog. Pflanzenschutzmittel. Das klingt erst einmal positiv, weil damit Pflanzen geschützt werden. Man setzt die Mittel gegen Insekten ein, gegen Pilze/Pilzkrankheiten (Fungizide) und gegen Unkraut (Herbizide). Pflanzenschutzmittel sind jedoch in den meisten Fällen Chemikalien, die zum Tod der entsprechenden Insekten, Pilze und Kräuter führen sollen. Rückstände dieser Gifte auf den jeweiligen Lebensmitteln können daher auch beim Menschen schädlich wirken und zu gesundheitlichen Problemen beitragen.

Chronische Krankheiten sind in vielen industrialisierten Staaten wie Deutschland und den USA weit verbreitet. Mehr Studien als je zuvor bringen die Entstehung chronischer Erkrankungen mit der Pestizidbelastung unserer Lebensmittel und Umwelt in Verbindung.

Laut einer Datenbank, die zur Katalogisierung der betreffenden Studien erstellt wurde, stehen Pflanzenschutzmittel im Verdacht, an der Entstehung von Krebs, Fortpflanzungsstörungen, Diabetes, Autismus, Asthma, Geburtsfehlern, Parkinson, Alzheimer und noch weiteren Krankheiten massgeblich beteiligt zu sein.

„Pestizide müssen verboten werden“

„Beyond Pesticides“, eine amerikanische Organisation, die sich für den Schutz der Umwelt und die Gesundheit der Verbraucher einsetzt, erstellte die genannte Datenbank für Krankheiten, die durch Pestizide verursacht werden. „Beyond Pesticides“ will damit die Öffentlichkeit für die Gefahren durch Pflanzenschutzmittel sensibilisieren und fordert gesetzliche Verbote der nachweislich gesundheitsschädigenden Gifte.

„Wer die wissenschaftliche Literatur in Bezug auf Pestizide und deren Wirkung auf den menschlichen Organismus durchforscht, kommt unweigerlich zur Schlussfolgerung, dass vielen der heute weit verbreiteten schweren Erkrankungen schon allein dadurch vorgebeugt werden könnte, wenn man die Nutzung giftiger Pflanzenschutzmittel konsequent beenden würde“,

erklärte Jay Feldmen, der geschäftsführende Direktor von „Beyond Pesticides“.

Die Organisation hat ausserdem ein Handbuch mit dem Titel „Organic Food“ verfasst. Darin werden sämtliche gefährliche Agrargifte, ihr Einsatzgebiet und ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt beschrieben. Bis von offizieller Seite eine deutliche Reduzierung des Gifteinsatzes herbeigeführt wird, ist der Konsum von biologisch erzeugten Lebensmitteln die einzige Möglichkeit, sich vor den Pflanzenschutzmitteln der konventionellen Landwirtschaft bestmöglich zu schützen.

Wirkung von Giftcocktails ungleich gefährlicher als einzelne Gifte

Bio-Produkte enthalten – laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace – praktisch nie oder höchstens unbeabsichtigt Pestizide – und dann auch nur im Spurenbereich, was leider durch die Allgegenwärtigkeit dieser Gifte nicht immer vermeidbar ist und immer seltener der Fall wäre, wenn immer mehr Menschen Bio-Lebensmittel wählen würden.

Bei herkömmlichen Produkten jedoch finden sich in vielen Fällen die reinsten Giftcocktails. Dort ist oft nicht nur ein Gift enthalten, sondern gleich eine ganze Kompanie der unterschiedlichsten Gifte bunt gemischt. Ihre Wechselwirkungen untereinander können die Wirkung eines einzelnen Giftes in seiner Gefährlichkeit für den Menschen bei weitem überschreiten.

Behörden behaupten, Giftmischungen seien sicher

Greenpeace berichtet von einem Trend hin zu mehr Kombinationspräparaten. Das heisst, man setzt neuerdings lieber Pflanzenschutzmittel ein, die mehrere Wirkstoffe gleichzeitig enthalten. Dann nämlich können die Grenzwerte der einzelnen Gifte besser eingehalten werden und ein Lebensmittel gilt immer noch als unbedenklich, auch wenn es mit einer Vielzahl verschiedener Gifte belastet ist – Hauptsache die einzelnen gesetzlich festgelegten Grenzwerte stimmen.

Verschiedene Studien liefern jedoch bereits entscheidende Hinweise für die Kombinationswirkung der erwähnten bedenklichen Giftmixturen. Man hat beobachtet, dass sich offenbar auch solche Chemikalien gegenseitig beeinflussen können, die völlig unterschiedliche Wirkungsweisen haben, was dann im menschlichen Körper zu ganz neuen, völlig unerwarteten Wirkungen führen kann.

Vor dieser gefährlichen Tatsache aber verschliessen die Behörden die Augen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vertritt sogar die Ansicht, dass Mischungen von verschiedenartig wirkenden Stoffen sicher seien.

Neun verschiedene Pestizide in konventionellen Johannisbeeren

Bei einem kürzlich durchgeführten Test durch Greenpeace entpuppten sich deutsche Johannisbeeren und Himbeeren als gesundheitsgefährdend. In jeder Johannisbeere steckten bis zu neun unterschiedliche Pestizide. Es handelt sich um Pflanzenschutzmittel, die nach Greenpeace-Meinung wegen ihrer karzinogenen, mutagenen, reproduktionstoxischen oder hormonellen Wirkungen keine Anwendung im Anbau von Obst und Gemüse finden sollten.

Lesen Sie dazu auch: Krebserreger Glyphosat

Nicht nur Johannisbeeren sind mit Pflanzenschutzmitteln belastet

Sowohl das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatten im August 2010 herbe Kritik an den genannten Greenpeace-Untersuchungen geäussert. Ein Kritikpunkt war, dass Greenpeace in seiner Bewertung unrealistische Verzehrmengen zugrunde lege. Die Umweltschutzorganisation gehe davon aus, dass ein Kind sein Leben lang täglich 500 Gramm Johannisbeeren verzehre, was natürlich zu viel sei.

Ein Kind aber, das sich gesund ernährt, isst vielleicht nicht gerade 500 Gramm Johannisbeeren pro Tag, aber doch sehr wohl verschiedene Früchte und Gemüse, die insgesamt durchaus 500 Gramm wiegen, z. B. eine Mandarine, eine Birne und ein halber Apfel, mittags ein Gemüsegericht und zum Abendbrot Gemüsesticks.

Sollen sich Kinder auf diese Weise nun nicht ihr Leben lang ernähren dürfen? Schliesslich sind nicht nur Johannisbeeren mit Pflanzenschutzmitteln belastet, sondern auch Äpfel, Weintrauben, Himbeeren, Erdbeeren etc., so dass die Verzehrmenge von 500 Gramm und die damit verbundene regelmässige und tägliche Giftbelastung unserer Kinder sogar mehr als realistisch ist.

Greenpeace äusserte sich zu diesen Vorwürfen u. a. wie folgt:

"Auch wenn das (Giftcocktails im Essen – Anm. der Redaktion) gesetzlich erlaubt ist, kann dies im Sinne des vorsorgenden Verbraucherschutzes nicht erwünscht sein. Greenpeace hält es daher für mehr als legitim, die Kombinationswirkungen solcher Cocktails in die gesundheitliche Bewertung einfliessen zu lassen.“

Pestizide und Pflanzenschutzmittel entfernen

Früchte und Gemüse aus konventioneller Landwirtschaft sollten gut gewaschen werden. Allerdings erst kurz vor Gebrauch, sonst verderben sie schneller, weil nicht nur Schmutz, chemische Rückstände und Bakterien entfernt werden, sondern auch die natürliche Schutzschicht der Frucht. Hier finden Sie eine Anleitung zum Entfernen von Fungiziden und Pestiziden. Nur muss bedacht werden, dass manche Pflanzenschutzmittel auch in das jeweilige Lebensmittel hineinwandern und daher nicht entfernt werden können.

Nur Bio-Produkte schützen zuverlässig vor Pestiziden

Knapp 450 Stichproben zeigten: In rund 81 Prozent der konventionell produzierten Frischware waren Pestizide nachweisbar. Bei Bio-Obst und -Gemüse war es genau umgekehrt: 87 Prozent der Proben enthielten keine Pflanzenschutzmittel. Die übrigen 13 Prozent lediglich Spuren davon.

Verbraucher, die Bio-Obst und Bio-Gemüse kaufen, handeln jedoch nicht nur im Sinne ihrer Gesundheit und der ihrer Kinder, sondern fördern gleichzeitig Artenvielfalt und Umweltschutz. Jay Feldman von „Beyond Pesticides“ schliesst mit den Worten:

„Für viele der derzeit benutzten giftigen Pestizide gibt es längst wirksame umweltfreundliche Alternativen, die wirken und gleichzeitig für die Verbraucher sicher sind.“

Es gibt also keinen Grund für den jährlich bei etwa 30.000 Tonnen liegenden Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmitteln allein in Deutschland.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen
  1. Zentrum der Gesundheit