Wie Mikroplastik einen Schlaganfall begünstigen könnte
Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend durchblutet – meist, weil ein Blutgerinnsel ein Gefäß verschließt. Dadurch erhalten die betroffenen Nervenzellen zu wenig Sauerstoff und können innerhalb kurzer Zeit geschädigt werden.
Neben bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes rücken zunehmend auch Umweltbelastungen in den Fokus. Dazu gehört Mikroplastik. Die winzigen Kunststoffpartikel gelangen über Nahrung, Wasser und Luft in den Körper. Noch kleinere Teilchen werden als Nanoplastik bezeichnet.
Forscher wollten deshalb wissen, ob sich Mikro- und Nanoplastik in Gefäßen nachweisen lässt und ob die Partikel möglicherweise mit dem Risiko oder Verlauf eines Schlaganfalls zusammenhängen (1).
Dringender Forschungsbedarf: Bisher nur 5 Studien dazu
Für ihre Übersichtsarbeit von 2026 suchten die Forscher nach Studien zu diesem Thema. Sie fanden lediglich fünf – zwei Beobachtungsstudien mit insgesamt rund 290 Teilnehmern und drei Tierstudien.
Die geringe Zahl zeigt, wie jung das Forschungsgebiet ist und wie dringend weitere Studien nötig sind. Doch bereits diese Studien lieferten auffällige Hinweise.
Plastikpartikel in Halsschlagadern und Blutgerinnseln
In einer der beiden Humanstudien wurden Patienten untersucht, denen wegen einer Verengung der Halsschlagader Gefäßablagerungen entfernt wurden (2). Bei rund 58 Prozent der Personen wurde Polyethylen in den Ablagerungen nachgewiesen, bei rund 12 Prozent zusätzlich Polyvinylchlorid (PVC).
Beide Kunststoffe sind weit verbreitet. Polyethylen steckt beispielsweise in Verpackungen, Folien und Flaschen – PVC unter anderem in Rohren (auch in älteren Trinkwasserleitungen, z. B. Friatherm), Bodenbelägen und Kabeln.
Gerade wenn PVC-Trinkwasserleitungen nach 20, 30 oder mehr Jahren langsam porös werden, löst sich darauf Mikroplastik und gelangt ins Leitungswasser.
Die Teilnehmer wurden anschließend im Durchschnitt knapp drei Jahre beobachtet. Von den Patienten mit Kunststoffpartikeln in den Ablagerungen erlitten 20 Prozent einen Herzinfarkt oder Schlaganfall oder starben. Bei den Patienten ohne nachweisbare Kunststoffpartikel waren es lediglich 7,5 Prozent.
Auch die zweite Humanstudie lieferte auffällige Ergebnisse (3). Sie untersuchte Blutgerinnsel von Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Venenthrombose. In 80 Prozent der Blutgerinnsel wurden Kunststoffpartikel nachgewiesen.
Bei den Patienten, deren Blutgerinnsel Mikroplastik enthielten, waren außerdem die D-Dimer-Werte höher als bei den Patienten ohne nachweisbares Mikroplastik. Dieser Blutwert kann erhöht sein, wenn im Körper vermehrt Blutgerinnsel vorhanden sind.
Wie genau schädigt Mikroplastik dem Gehirn?
Tierstudien liefern mögliche Erklärungen dafür, wie die Partikel Gefäße und Gehirn schädigen könnten:
In einem Mausversuch nahmen Immunzellen Mikroplastik aus der Blutbahn auf. Diese Zellen blieben in winzigen Blutgefäßen des Gehirns stecken und beeinträchtigten dadurch die Durchblutung (4).
In einer weiteren Mäusestudie reicherten sich Nanoplastikpartikel bei einem chronischen Verschluss der inneren Halsschlagader verstärkt im Gehirn an. Sie waren unter anderem mit Entzündungsreaktionen, Veränderungen der Blut-Hirn-Schranke und Verhaltensauffälligkeiten verbunden (5).
Bei Ratten verstärkte Mikroplastik die Schäden nach einer künstlich ausgelösten Mangeldurchblutung des Gehirns. Es kam zu stärkeren Entzündungen und zum vermehrten Tod von Nervenzellen (6).
In den Tierstudien wurden teils unrealistisch hohe Dosen verwendet oder Mikroplastik intravenös verabreicht. Es waren also nicht unbedingt Mengen, denen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind.
Fazit: Mikroplastik wegen möglichem Schlaganfallrisiko meiden
Noch ist nicht bewiesen, dass Mikroplastik Schlaganfälle verursacht. Die bisherigen Ergebnisse zeigen aber, dass die Kunststoffpartikel in Gefäßablagerungen und Blutgerinnseln vorkommen können und daher unbedingt weiter untersucht werden sollten.
Vollständig vermeiden lässt sich die Belastung kaum. Sie können die Aufnahme aber reduzieren, indem Sie Speisen und Getränke nicht in Plastikbehältern erhitzen. Für heiße Lebensmittel eignen sich Glas, Keramik oder Edelstahl besser.
Nicht nur Leitungswasser aus Kunststoffrohren, auch Getränke aus Plastikflaschen können Mikro- und Nanoplastik enthalten.
Ausführliche Empfehlungen und Tipps zur Vermeidung von Mikroplastik finden Sie in unserem Hauptartikel Mikroplastik – Eine Gefahr für die Gesundheit. Wie sich Kunststoffpartikel aus Trinkwasser entfernen lassen, lesen Sie im Artikel Mikroplastik aus Trinkwasser entfernen.