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Phthalate: Gefährliche Weichmacher

Phthalate sind Weichmacher, die zunächst überwiegend in Kunststoffen wie PVC Verwendung fanden. Nach und nach hielten die durchaus gefährlichen Substanzen jedoch auch in vielen Bedarfsartikeln wie Kosmetik, Medikamenten oder Spielzeug Einzug. Phthalate können nicht nur eingeatmet oder oral aufgenommen werden, sondern auch über die Haut direkt ins Blut gelangen und negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Aktualisiert: 24 Oktober 2023

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Wo sind Phthalate enthalten?

Phthalate werden in vielerlei Weise von der Industrie verwendet. In Europa wurden zwar manche dieser Stoffe in kosmetischen Produkten verboten, doch längst nicht alle. Daher findet man auch heute noch verschiedene Weichmacher beispielsweise in Feuchtigkeitslotionen, Sonnencremes, Haarsprays, Parfums oder Nagellack.

Auch bei der Herstellung von Medikamenten, Bodenbelägen, Textilien, Kinderspielzeug und Lebensmittelverpackungen aus Plastik werden Phthalate eingesetzt. Der Geruch des neuen Autos, der viele Besitzer mit grossem Stolz erfüllt, ist in der Regel ebenfalls Phthalaten zu verdanken.

Auch später noch - wenn der Duft nach neuem Auto längst verschwunden ist - können die Chemikalien aus den Plastikarmaturen austreten, wenn das Gefährt von der Sonne beschienen wird.

Viele Menschen haben Phthalate bereits im Blut

Eine im Jahr 2000 veröffentlichte Studie (2) im Fachmagazin Environmental Health Perspectives hatte ergeben, dass weite Teile der US-Bevölkerung mit Phthalaten belastet sind. Die höchsten Werte konnten bei Frauen im gebärfähigen Alter festgestellt werden. Da es sich bei den Weichmachern um bekannte Hormonhemmer handelt, könnten sie am immer häufiger unerfüllten Kinderwunsch vieler Paare beteiligt sein.

Erhöhtes Risiko für Diabetes

Bei einer im Jahr 2012 von Forschern des Brigham and Women’s Hospital durchgeführten Studie (1) wurden Urinproben von 2350 Frauen aus allen Teilen der USA auf deren Phthalat-Konzentration untersucht.

Die Resultate der Wissenschaftler zeigten einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Phthalat-Wert und Diabeteserkrankungen. Frauen, die am meisten mit den zwei am häufigsten verwendeten Weichmacher belastet waren, wiesen ein doppelt so hohes Risiko auf, an Diabetes zu erkranken, wie jene Frauen mit den geringsten Konzentrationen. Es scheint also, dass Phthalate Diabetes wahrscheinlicher machen könnten.

Frühere Menopause

Aus dem gleichen Jahr stammt auch eine ähnliche Studie (7) von Forschern der medizinischen Fakultät der Universität in Washington. Bei dieser Studie wurden der Urin und das Blut von 5700 Frauen auf ihre Phthalat-Werte untersucht.

Die Ergebnisse erbrachten, dass die Frauen mit dem höchsten Wert ihre Menopause durchschnittlich um 2,3 Jahre früher erreichten, und die betroffenen Frauen somit auch früher den Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, die mit der Menopause einhergehen – wie beispielsweise Herz-Kreislauferkrankungen und Osteoporose.

Viel zu frühe Pubertät

Untersuchungen in Puerto Rico (4) haben eine unüblich frühe Brustentwicklung bei jungen Mädchen nachweisen können – in vielen Fällen war diese bereits im Alter von zwei Jahren festzustellen.

Die Studie, die im Jahr 2000 veröffentlicht wurde, verglich 41 Mädchen, die an unnatürlich früher Brustentwicklung litten, mit 31 normal entwickelten Mädchen. Dabei konnten die Forscher im Blut der betroffenen Mädchen eine bis zu siebenfach höhere Menge an Phthalaten feststellen als bei den normal entwickelten Mädchen. Lesen Sie hier weitere Informationen zum chemikalienbedingten erhöhten Risiko einer vorzeitigen Pubertät bei Kindern.

Phthalate in der Schwangerschaft

Erst kürzlich wurde in weiteren Studien (5) an männlichen Föten untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der Phthalat-Belastung der werdenden Mütter und dem späteren Spielverhalten der Kinder gibt. Hierzu wurde der Urin von Frauen, die sich in der 28. Woche ihrer Schwangerschaft befanden, auf den Phthalat-Gehalt untersucht.

Später sollten die Mütter Fragebögen über das Spielverhalten ihrer Kinder ausfüllen. Demnach sei bei Jungen, deren Mutter während der Schwangerschaft eine grössere Belastung mit der Chemikalie aufwies, ein weniger maskulines Spielverhalten zu beobachten gewesen. Die Forscher schlossen daraus, dass Phthalate während einer für die Entwicklung des männlichen Gehirns wichtigen Phase die Testosteron-Produktion senken könnten (8).

Phthalate und ADHS

Phthalate sind möglicherweise auch mitverantwortlich für die zunehmende Zahl von ADHS-Kindern. Forscher in Südkorea verglichen die Phthalat-Werte im Urin von 261 Kindern im Alter von acht bis elf Jahren, die ADHS-Symptome zeigten. Je höher die Weichmacher-Belastung der Kinder war, umso stärker waren ihre ADHS-Symptome ausgeprägt (6).

Wenn auch die hier erwähnten Studien in diesem Zusammenhang Ursache und Wirkung nicht wissenschaftlich nachweisen können, so machen die Ergebnisse dennoch deutlich, dass einerseits eingehender zu diesem Thema geforscht werden muss, und dass man andererseits Weichmacher so gut es geht vermeiden sollte.

Wie kann man Weichmacher meiden?

Produkte, die Phthalate enthalten, sind leider nicht unbedingt eindeutig erkennbar. Denn die Stoffgruppe umfasst verschiedene chemische Substanzen, die zwar alle einen Namen mit der Silbe "-phthalat" am Ende tragen (wie z. B. Dimethylphthalat), aber oft abgekürzt werden (wie z. B. DMP).

Wer beim Studieren des Beipackzettels von Medikamenten oder Kosmetika unbekannte Abkürzungen entdeckt, kann sich im Internet erkundigen, ob diese Abkürzung für einen gefährlichen Weichmacher steht. Naturkosmetik und natürliche Heilmittel werden in der Regel ohne die Verwendung von Weichmachern hergestellt.

Wer die Phthalate meiden möchte, sollte in jedem Fall auch keine Lebensmittel aus Plastikverpackungen oder Getränke aus Plastikflaschen zu sich nehmen. Auch sind selbst Bio-Lebensmittel in Plastik verpackt.

Plastik kann durch Zersetzung und Abrieb zu winzigen Partikeln, dem sogenannten Mikroplastik, werden, das schwer abbaubar und schädlich für die Umwelt und die Gesundheit von Lebewesen sein kann.

Eine Alternative stellt der Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen dar, wo es unverpacktes Gemüse gibt. Hochwertiges Quellwasser aus Glasflaschen und Lebensmittel direkt vom Biobauern oder vom Markt haben neben der fehlenden Phthalatbelastung natürlich auch noch viele weitere positive Auswirkungen auf die Gesundheit.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.