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  • Zahnfüllung aus Quecksilber
13 min

Der Kampf gegen das Quecksilber

Quecksilber (Hg) gehört weltweit zu den gefährlichsten Giftstoffen. Wissenschaftler fordern schon lange ein Ende von Verharmlosung und Ignoranz. Doch wird Quecksilber in der Zahnmedizin noch immer eingesetzt. Am 16. August 2017 trat die lange ersehnte Minamata-Konvention in Kraft. Ob es sich hier um einen Meilenstein im Kampf gegen Quecksilber handelt, wird sich wohl erst in Zukunft zeigen.

Aktualisiert: 21 Januar 2024

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Quecksilber – Sondermüll gelangt in den Körper

Noch immer wird Quecksilber (Hg) in der Zahnmedizin verwendet, wenn auch deutlich weniger als noch z. B. in den 1980er oder 1990er Jahren. Dennoch schätzte eine Studie zur Quecksilberreduktion den Quecksilberverbrauch im Jahr 2010 in der EU auf jährlich durchschnittlich 75 Tonnen für neue Amalgam-Füllungen (Amalgam-Füllungen bestehen etwa zur Hälfte aus Quecksilber). ( 10 )

Das Schwermetall kann jedoch aus Amalgam austreten und seinen Weg in den Körper finden. Zum einen können beim Kauen fester Nahrung Amalgambrösel und feiner Abrieb freigesetzt werden. Zum andern können lösliche Hg-Ionen aus Zahnfüllungen in den Speichel gelangen.

Noch belastender sind allerdings Dämpfe, die dem Amalgam entweichen können – besonders natürlich beim Ausbohren der Füllungen. Etwa 80 Prozent der entstehenden Quecksilberdämpfe gelangen dann über die Lunge ins Blut.

Quecksilber wird in der Chemie und Wissenschaft häufig mit Hg abgekürzt - altgriechisch für hydrargyros (= flüssiges Silber) oder lateinisch hydrargyrum). Wir verwenden im Artikel die Abkürzung ebenfalls gelegentlich.

Die Quecksilber-Katastrophe in Minamata

Sobald das Schwermetall in den Körper gelangt, besteht besonders für Kinder und Schwangere äußerste Gefahr. In den 1950er Jahren wurde Ärzten und Wissenschaftlern diese furchtbare Tatsache auf sehr tragische Weise bewusst.

In der japanischen Küstenstadt Minamata fanden sich mit einem Mal schwerwiegende Fälle von Quecksilbervergiftung. Kinder waren besonders stark betroffen, viele von ihnen wurden verkrüppelt, taub, blind oder gelähmt geboren. Was war passiert?

Der nah gelegene Chemiekonzern Chisso nutzte Hg-Sulfat in seinem Produktionsprozess und leitete das hochgiftige Abfallprodukt Methylquecksilber in die benachbarte Bucht. Die Fische in dem Gewässer wurden dadurch kontaminiert und damit alle, die den Fisch im Anschluss verzehrten. Nach Schätzungen wurden aufgrund dieser gigantischen Umweltkatastrophe Tausende bis Zehntausende Menschen zu Quecksilber-Opfern.

Der Beginn der Minamata-Konvention

In Anlehnung an die furchtbaren Ereignisse in Minamata wurde im Jahr 2013 nach vierjährigen Verhandlungen die danach benannte Minamata-Konvention ins Leben gerufen. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat einen völkerrechtlichen Vertrag geschaffen, mit dem Ziel, die Emission von des Schwermetalls weltweit einzudämmen.

Die EU-Generaldirektion Umwelt wollte das Abkommen so schnell wie möglich umgesetzt sehen und forschte zudem nach Maßnahmen, die über die Vorschläge der Minamata-Konvention hinausgehen. Die EU hoffte damit, ein klares Signal an andere Teilnehmerstaaten zu senden, sich den Vorgaben anzuschließen. Am 10. Oktober 2013 unterzeichneten mehr als 90 Staaten sowie die Europäische Union im japanischen Minamata die Konvention. ( 1 )

Ziele der Minamata-Konvention

Inhalt der Minamata-Konvention sind Vereinbarungen, die zu einem verringerten Einsatz von Quecksilber führen sollen. Dies soll durch Ein- bzw. Ausfuhrbeschränkungen und Verbote von quecksilberhaltigen Produkten umgesetzt werden.

Auch wurde festgelegt, dass es ab 2020 verboten sein soll, quecksilberhaltige Produkte wie bestimmte Leuchtmittel oder Thermometer zu produzieren oder zu verkaufen. Zudem dürfen diese Abfälle nur unter strengen Auflagen gelagert und entsorgt werden.

Den einzelnen Teilnehmerstaaten wurde bei der Ausgestaltung der zu ergreifenden Maßnahmen jedoch ein erheblicher Spielraum gewährt. Aus diesem Grund wurde die Konvention von Experten lediglich als Etappensieg auf dem Weg zur Quecksilberreduktion bewertet. (17)

Doch es wurden auch schon Fortschritte erzielt: In Deutschland zugelassene Impfstoffe sind inzwischen in der Regel frei von von diesem Schwermetall. Eine Ausnahme stellen gewisse Influenza-Impfstoffe in Mehrdosenbehältnissen dar. Auch dürfen schwangere und stillende Frauen sowie Kinder bis zum 15. Lebensjahr laut einer neuen EU-Verordnung seit Mitte 2018 keine Amalgamfüllungen mehr erhalten. Ein vollständiges Amalgam-Verbot scheint allerdings noch in weiter Ferne.

Länder wie Schweden oder Norwegen haben den Weg bereits aufgezeigt, wie es problemlos aus der Umwelt entfernt werden kann. In Norwegen wurde der Gebrauch des Schwermetalls im Jahr 2008 verboten und Schweden führte 2009 ein generelles Verbot ein. Infolgedessen wurde auch der Gebrauch von Amalgam in Zahnfüllungen eingestellt.

Das Inkrafttreten der Konvention

Seitdem wurde es, zumindest was die Öffentlichkeit anbelangt, ziemlich ruhig um die Minamata-Konvention. Mehr als 90 Staaten – darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz – hatten diese zwar schon im Januar 2013 unterzeichnet. In Kraft treten konnte sie aber erst, nachdem zumindest 50 Staaten sie auch ratifiziert, also für rechtsgültig erklärt hatten, was erst im Mai 2017 erfüllt wurde. Unter einer Ratifikation wird die Bestätigung eines zuvor unterzeichneten völkerrechtlichen Vertrages durch die Vertragsparteien verstanden.

Die Schweiz ging mit gutem Beispiel voran, hier fand die Ratifikation schon im Mai 2016 statt. In Österreich dauerte es bis zum Juni 2017. Am 16. August 2017, also 90 Tage nach der Ratifizierung durch den 50. Unterzeichnerstaat, trat das Minamata-Übereinkommen endlich in Kraft.

In Deutschland hingegen wurde im Juni 2017 erst das hierfür erforderliche Gesetz verabschiedet. Die Ratifikation erfolgte schließlich am 15. September 2017 und bildete somit eines der Schlusslichter.

Inzwischen wurde das Abkommen laut dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (bmub) weltweit von 128 Staaten gezeichnet und von 125 ratifiziert (Stand 2021). ( 3 )

Die erste Vertragsstaatenkonferenz (COP 1)

Die erste Vertragsstaatenkonferenz fand vom 24. bis 29. September 2017 in Genf statt. Es nahmen daran mehr als 1.200 Vertreter von Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen und zwischenstaatlichen Organisationen teil. Das Leitmotiv lautete: Make Mercury History (Mach aus Quecksilber Geschichte).

Ziel dieser Konferenz war es vordergründig, die praktische Umsetzung des Übereinkommens anzustoßen und diesbezügliche Richtlinien zu verabschieden. Die Kernfragen drehten sich mitunter um den Standort und die Organisation des Konventions-Sekretariats, den Haushalt, die Berichterstattung und die Finanzierung. In Hinblick auf technische Fragen (z. B. die Überprüfung der Wirksamkeit des Übereinkommens) waren Fortschritte zu verzeichnen. Viele Themen wurden allerdings auf die COP 2 vertagt.

Die zweite Vertragsstaatenkonferenz (COP 2)

Die zweite Vertragsstaatenkonferenz fand vom 19. bis 23. November 2018 ebenfalls in Genf statt, wo das Konventionssekretariat etabliert wurde. Diskutiert wurden u. a. praktische Fragen in Hinblick auf die Umsetzung des Quecksilberausstiegs. Es wurde entschieden, bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz an Schwellenwerten für Abfälle zu arbeiten. Was kann getan werden, um Hg-Emissionen in die Umwelt zu vermindern bzw. zu vermeiden und wie soll mit kontaminierten Standorten umgegangen werden?

Außerdem wurde erörtert, wie in Zukunft festgestellt werden soll, ob die Regelungen des Minamata-Übereinkommens greifen. Es wurde entschieden, dass Entwicklungsländer in Bezug auf den Schutz von Mensch und Umwelt vor dem Schwermetallfinanziell und technisch unterstützt werden müssen, damit sie den Verpflichtungen des Minamata-Übereinkommens nachkommen können.

Die dritte Vertragsstaatenkonferenz (COP 3)

Vom 25. bis 29. November 2019 fand die dritte Vertragsstaatenkonferenz statt. Es wurden mitunter die ersten Ergebnisse und Herausforderungen diskutiert, die bei der Durchführung von Projekten zur Beseitigung des Quecksilberverbrauchs beim Goldabbau festgestellt wurden.

In einigen Ländern mit vielen Hg-Emissionen konnten zwar große Fortschritte bei der Reduzierung erzielt werden. Im Großen und Ganzen seien jedoch keine signifikanten Ergebnisse erbracht worden. Dies wurde dadurch erklärt, dass es sich um das erste Jahr der Umsetzung gehandelt habe. Darüber hinaus wurde ein Umsetzungs- und Compliance-Ausschuss eingerichtet, welcher zukünftig die Umsetzung aller Bestimmungen des Übereinkommens fördern und deren Einhaltung überprüfen soll. ( 14 )

Ziel der vierten Vertragsstaatenkonferenz sollte es sein, zum ersten Mal umfassend zu evaluieren, was das Minamata-Abkommen bislang gebracht hat.

Die vierte Vertragsstaatenkonferenz (COP 4.1)

Die COP 4 sollte nach üblicher Manier vom 1. bis 4. November 2021 auf Bali (Indonesien) stattfinden. Doch machte die Corona-Pandemie dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Und so beschloss das Präsidium, die COP 4 in zwei Abschnitten zu organisieren. Der erste Abschnitt (COP 4.1) erfolgte vom 1. bis 5. zum November 2021 online. ( 19 )

Hierbei wurden im Wesentlichen zwei Beschlüsse angenommen: das Arbeitsprogramm und der Haushalt 2022. Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmer drei weitere zeitkritische Themen: die Wirksamkeitsbewertung des Übereinkommens, die nationale Berichterstattung und die achte Wiederauffüllungsperiode der GEF (Globale Umweltfazilität), welche Maßnahmen zum Schutz der globalen Umwelt finanziert. Darüber hinaus wurden die Termine für den zweiten Teil der COP 4 festgelegt. ( 20 )( 21)( 22)

Die vierte Vertragsstaatenkonferenz (COP 4.2)

Die COP 4.2 fand wieder unter persönlicher Beteiligung vom 21. bis 25. März 2022 auf Bali statt. Erstmals stand der Kleinbergbau auf der Tagesordnung. Dabei muss bedacht werden, dass dieser die größte Quelle von Hg-Emissionen in die Umwelt darstellt. Davon sind zahlreiche Menschen auf der ganzen Welt betroffen. Auch die Zeugenaussagen von Indigenen wurden gehört. In Folge entschieden die Parteien, sich bei der Entwicklung diesbezüglicher Pläne im Rahmen der Konvention zukünftig mit indigenen Völkern zu beraten.

Außerdem wurde die große Bandbreite an Produkten hervorgehoben, wodurch Quecksilber die Umwelt belastet. Das Ausmaß der damit zusammenhängenden menschlichen Not wurde als schwerwiegend definiert. Bei detaillierten Verhandlungen über Produkte – von Lampen bis hin zu Zahnamalgam - lag der Fokus darauf, wie und wann von den Ländern die Verwendung von mit Quecksilber versetzten Produkten und damit zusammenhängende Herstellungsprozesse abgeschafft werden können.

Auch wurden Themen angesprochen, wie etwa die Berichterstattung über Quellen, Export und beabsichtigte Verwendungen und wann mit Quecksilber kontaminierte Abfälle einer besonderen Behandlung bedürfen. Überdies wurde beschlossen, die erste „Wirksamkeitsbewertung“ des Übereinkommens einzurichten, wobei zukünftig die tatsächlichen Auswirkungen der Bemühungen der Vertragsparteien bewertet werden. Die Delegierten betonten auch die menschenrechtliche Dimension der Umweltverschmutzung und die jüngste Anerkennung des Rechts auf eine gesunde Umwelt durch den Menschenrechtsrat. Wenn es den Vertragsparteien gelingt, die Minamata-Konvention erfolgreich umzusetzen, werden die Maßnahmen einen großen Beitrag zur Eindämmung der durch Quecksilber verursachten menschlichen und ökologischen Probleme leisten. ( 15 )( 21 )

Die derzeitige Gesetzgebung in Europa

Seit dem Jahr 2018 gilt die neue EU-Quecksilberverordnung. ( 5 ) Dadurch soll das Minamata-Übereinkommen von 2013 umgesetzt und der Einsatz nach und nach reduziert werden. Es gelten nun Regeln und Verbote für die Ein- und/oder Ausfuhr von Quecksilber und auch zu dessen Lagerung. Als gesetzeswidrig gelten ebenfalls weitgehend die Herstellung und das Inverkehrbringen neuer quecksilberhaltiger Produkte wie z. B. Leuchtstofflampen, Thermometer und elektrische Schalter. (12 - Link wurde gelöscht)

Fisch stärker kontaminiert trotz sinkender Hg-Emissionen

Wir Europäer werden in puncto Quecksilber zurzeit am stärksten durch den Genuss von stark belastetem Fisch (z. B. Thunfisch) und Meeresfrüchten gefährdet. ( 7 ) Hierbei handelt es sich um Methylquecksilber, das überaus toxisch ist.

Österreichische Daten zur Aufnahme des Schwermetalls mit der Nahrung haben im Jahr 2015 gezeigt, dass Erwachsene mit einer einzigen Portion Fisch pro Woche 7 bis 35 Prozent der tolerierbaren wöchentlichen Quecksilbermenge zu sich nehmen. Bei Kindern handelt es sich sogar um 17 bis 84 Prozent. ( 6 )

Überdies haben Forscher von der Harvard University in Cambridge im Jahr 2019 herausgefunden, dass das Ausmaß der Belastung nicht ausschließlich von der Hg-Konzentration im Wasser abhängt. Der Studie zufolge spielen dabei auch die Überfischung und der Klimawandel eine entscheidende Rolle. Denn trotz sinkender Hg-Emissionen stieg die Kontamination von Fisch an. Ausschlaggebend dafür waren die höheren Wassertemperaturen.

Dies wird mitunter so erklärt, dass Fische in wärmerem Wasser beim Schwimmen mehr Energie verbrauchen. Die höhere Kalorienaufnahme führt letztendlich zu einer stärkeren Kontamination mit dem Schwermetall. ( 11 )

Quecksilberfreisetzung in der EU: Deutschland zählt zu Spitzenreitern

Peter Meiwald (Sprecher für Umweltpolitik) vom Bündnis 90/Die Grünen stellte im Mai 2017 im Rahmen einer Bundesrede mit Recht die Frage, warum sich gerade Deutschland, das sich seit Verhandlungsbeginn stark für die Minamata-Konvention eingesetzt hat, bei einem umweltpolitischen Thema wieder einmal als Nachzügler zeigt. Und warum fehlt noch immer ein Fahrplan zur konkreten Umsetzung der Konvention, obwohl die Regierung nun etwa vier Jahre Zeit dafür hatte? ( 9 )

In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden, dass Deutschland – gemeinsam mit Polen und Griechenland – in puncto Quecksilberfreisetzung in ganz Europa zu den absoluten Spitzenreitern zählt. Laut einem Bericht der Europäischen Umweltagentur ist die Verbrennung von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen weltweit der Hauptverursacher von Hg-Emissionen.

Verschärfung der Grenzwerte für Hg-Emissionen

Im Jahr 2018 ging in Deutschland im Vergleich zum vorangegangenen Jahr die Anzahl der Wärmekraftwerke und anderen Verbrennungsanlagen um 19 Prozent zurück. Der Anteil der rückläufigen Gesamtemissionen betrug rund 7 Prozent.

Ausschlaggebend dafür war die Verringerung des Stein- und Braunkohleeinsatzes. Inzwischen (Stand 2021) beruht die Energieerzeugung zu 35 Prozent auf erneuerbaren Energien, zu 23 Prozent auf Braunkohle und zu 12 Prozent auf Kernenergie. ( 13 ).

Im Dezember 2020 wurde auf Vorschlag von Bundesumweltministerin Schulze eine Neuregelung auf den Weg gebracht, wobei die Grenzwerte für Hg-Emissionen und andere Schadstoffe für Großfeuerungsanlagen verschärft werden sollen. Künftig soll der Tagesmittelwert für Hg-Emissionen von 30 auf 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Abgasluft gesenkt werden. ( 16 ) ( 18 )

Quecksilberausstoß könnte um rund 85 Prozent gemindert werden

Michael Bender von der Organisation Zero Mercury Working Group ließ bereits 2013 verlauten, dass die Wirksamkeit der Minamata-Konvention eingeschränkt sei, da die Kontrolle der Hg-Emissionen aus Kohlekraftwerken zu wünschen übriglasse. Dass diesbezüglich seitdem noch immer keine Fortschritte zu verzeichnen sind, könne nur als Armutszeugnis bezeichnet werden.

Mit der sogenannten Bref-Richtlinie hat die EU den Schadstoffausstoß von Industrieanlagen – auch in Bezug auf den Quecksilberausstoß – eigentlich bereits neu geregelt. Fakt ist, dass es schon entsprechende Technologien wie z. B. Aktivkohlesysteme gibt, wodurch die Hg-Emissionen problemlos um sagenhafte 85 Prozent gemindert werden könnten. ( 8 )

Das Bundesumweltministerium vertritt aber weiterhin die Ansicht, dass die vorhandenen Regeln zur Eindämmung von Hg-Emissionen in Deutschland als streng einzustufen seien. Noch immer wird untermauert, dass die Konvention deshalb nur zu wenigen zusätzlichen Maßnahmen führen wird. Gerne wird dabei darauf verwiesen, dass z. B. Länder in Afrika und Lateinamerika – im Vergleich zu Deutschland – viel höhere Emissionen an Quecksilber zu verzeichnen haben. ( 2 )

Anstatt Zahnamalgam in der EU aus Gründen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes endlich zu verbieten, wie von Schweden gefordert, wurde ein schrittweiser Verzicht (phase down) beschlossen.

Bis zum 1. Juli 2019 musste jeder Mitgliedstaat einen Nationalen Aktionsplan vorlegen, um die Verwendung von Zahnamalgam weiter zu reduzieren und auslaufen zu lassen. Im Januar 2020 wurde von der EU-Kommission schließlich der Entwurf einer Machbarkeitsstudie für ein generelles Amalgam-Verbot in Europa präsentiert. Die Empfehlung lautete, Amalgam so schnell wie möglich zu verbieten, am besten bis zum Jahr 2025. Die Verwendung von Amalgam soll in der EU bis dahin schrittweise eingestellt werden. ( 4 )

Inzwischen hat sich einiges getan. So haben etwa Litauen und die Niederlande die Verwendung von Amalgam aus den Lehrplänen der Universitäten genommen. Die neue Generation von Zahnärzten soll kein Amalgam mehr verwenden. In Spanien wird Amalgam nur noch bei nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit angewandt und ist ausschließlich in Krankenhäusern zugelassen. Die derzeitige Amalgamverwendung liegt hier nur noch bei 1 Prozent. ( 25 )

In Kroatien und Zypern wurde hingegen der Schutz für Kinder erweitert, indem das Mindestalter für Amalgam auf 18 Jahre angehoben wurde, in Slowenien auf 25 Jahre. In Portugal ist seit 2021 für Amalgam eine schriftliche Einwilligung nach Aufklärung vonnöten. Eine im Mai 2021 veröffentlichte Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ergeben, dass zwei Drittel der europäischen Länder die Verwendung von Zahnamalgam bis 2025 eingestellt haben werden. ( 23 )

Im Rahmen der COP 4.2 (März 2022) wurde festgestellt, dass beim Ausstieg aus der Verwendung von Zahnamalgam erhebliche Fortschritte erzielt werden konnten. Hervorgehoben wurden zwei zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen vor der Verwendung von Quecksilber in großen Mengen durch Zahnärzte sowie vor Zahnamalgam zur Zahnbehandlung bei Patienten unter 15 Jahren, schwangeren sowie stillenden Frauen. ( 24 )

Minamata-Konvention ist ein Schritt in die richtige Richtung

Obgleich die Minamata-Konvention bislang viel Raum für Kritik offenlässt, sollte abschließend eingeräumt werden, dass zumindest ein Schritt in die richtige Richtung getan wurde.

Monika Stankiewicz, Exekutivsekretärin der Minamata-Konvention, erklärte zum Abschluss der vierten Vertragsstaatenkonferenz, dass der Schwerpunkt von einer stärkeren Konzentration auf Verfahrensfragen hin zu einer vollständigen Umsetzung verschoben werden konnte. Sie gab an, dass damit begonnen werden kann, den Kreislauf des Elends zu durchbrechen, den Quecksilber mit sich bringt. ( 24 )

Das fünfte Treffen der Konferenz der Vertragsparteien des Minamata-Übereinkommens über Quecksilber (COP 5) wird vom 30. Oktober bis 3. November 2023 unter rumänischem Vorsitz in Genf (Schweiz) stattfinden. ( 26 )

Wir werden Sie weiterhin auf dem Laufenden halten. Unterdessen empfehlen wir Ihnen unsere weiterführenden Artikel zur Quecksilber-Problematik, z. B. wie Quecksilber als Mitauslöser von Autoimmunerkrankungen diskutiert wird oder auch als Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. Hier erklären wir, wie Sie Ihr Amalgam aus den Zähnen entfernen lassen und das Quecksilber ausleiten können. 

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.