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Eleutherococcus – Die Taigawurzel stärkt die Lebensenergie

Der Eleutherococcus – auch bekannt als Taigawurzel oder Sibirischer Ginseng – verbessert die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, hilft bei Stress, Schwäche, Erschöpfung und Müdigkeit sowie während der Rekonvaleszenz. Bei uns erfahren Sie, wie und wogegen Sie die Heilpflanze anwenden können und wie sie angebaut wird.

Aktualisiert: 09 April 2024

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Was ist Eleutherococcus?

Die Borstige Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) ist ein Familienmitglied der Araliengewächse und daher mit dem Efeu verwandt. Wie der Name bereits verrät, ist der sommergrüne, stachelige Strauch u. a. in der Taiga beheimatet: den Wäldern Sibiriens, aber auch Japans, Nordkoreas sowie im Nordosten Chinas ( 1 ).

Weitere Bezeichnungen sind Sibirischer Ginseng, Stachelpanax oder Teufelsbusch. Auf Nahrungsergänzungsmitteln steht häufig die lateinische Bezeichnung, also Eleutherococcus oder abgekürzt Eleuthero oder auch Sibirischer Ginseng.

Der Eleutherococcus kann 1,5 bis 6 Meter hoch werden und ist eine uralte Heilpflanze, die bereits seit Jahrtausenden gegen unterschiedlichste Leiden angewandt wird. In der Volksheilkunde gilt die Pflanze als ein Allheilmittel, das die Langlebigkeit fördert. Die Wurzel wird mitunter bei der Behandlung von Müdigkeit, Stress und Erschöpfung eingesetzt und auch dazu, manche Strapazen wie etwa die sibirische Kälte besser ertragen zu können ( 2 ).

Warum Tiere die Eleutherococcus-Wurzel ausgraben

Nicht nur Menschen, auch Tiere nutzen Heilpflanzen. Rehe beispielsweise fressen bei starkem Wurmbefall Beifuß, und Schimpansen verzehren die Blätter vom Strauch Vernonia amygdalina (Bitterblatt), um Parasiten loszuwerden ( 23 ).

Genauso wird der Sibirische Ginseng von Tieren sehr geschätzt. Wissenschaftler haben beobachtet, dass Rentiere nach der Wurzel des Eleutherococcus graben, um sich auf diese Weise für den Winter zu stärken. Doch sehen wir uns diese geheimnisumwobene Pflanze nun einmal näher an ( 18 ), denn längst gibt es auch Studien, welche die Heilkraft bestätigt haben.

Was ist der Unterschied zwischen Ginseng und Sibirischem Ginseng?

Auch wenn der Eleutherococcus gelegentlich als Sibirischer Ginseng bezeichnet wird, sollte er keineswegs mit dem Ginseng (Panax ginseng) verwechselt werden. Letzterer wird im Hinblick auf seine Herkunft auch als Chinesischer, Koreanischer oder Japanischer Ginseng bezeichnet, also nie als Sibirischer Ginseng.

Nichtsdestotrotz stammen beide Heilpflanzen aus denselben Herkunftsländern, gehören zur Familie der Araliengewächse und sind sich trotz unterschiedlicher Inhaltsstoffe in puncto Wirkung nicht unähnlich:

So gelten beide als Stärkungsmittel und sog. Adaptogene. Adaptogene sind Pflanze, die stressresistent machen und z. B. bei Erschöpfung, Müdigkeit und chronischem Stress sowie seinen Folgen hilfreich sein können ( 32 ). Details siehe im nächsten Abschnitt unter „Was ist ein Adaptogen?“.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Pflanzen, die als Ginseng bezeichnet werden, wie etwa den Indischen Ginseng (Withania somnifera), besser bekannt als Ashwagandha (Details im vorigen Link) – oder den Brasilianischen Ginseng (Hebanthe erianthos). Auch bei diesen Pflanzen wird vordergründig die Wurzel zu Heilzwecken verwendet, sie sind aber weder mit dem Ginseng noch mit dem Eleutherococcus verwandt.

Dass verschiedene Pflanzen als Ginseng bezeichnet werden, ist so zu erklären, dass ihnen eine ähnliche Wirkung wie dem so populären Panax ginseng zugesprochen wird. Daher ist es sicherer, die lateinischen Pflanzennamen zu verwenden, um Verwechslungen zu vermeiden.

Was ist ein Adaptogen?

Neben dem Eleutherococcus gelten auch viele andere Heilpflanzen oder Heilpilze als Adaptogene, z. B. der Panax ginseng, der Shiitake-Pilz, die Rosenwurz (Rhodiola rosea) oder die Schlafbeere (Withania somnifera).

Der Begriff Adaptogen wurde vom russischen Forscher, Toxikologen und Pharmakologen Nicolai Vasilevich Lazarev im Jahr 1958 geprägt ( 19 ). Er stammt aus dem Englischen (to adapt: sich anpassen).

Man versteht darunter Pflanzen bzw. pflanzliche Inhaltsstoffe und daraus hergestellte Präparate, die dazu beitragen, sich erhöhten körperlichen und emotionalen Stresssituationen besser anpassen zu können. Der Organismus bzw. das Immunsystem wird an den Stress angepasst, also adaptiert ( 5 ) ( 9 ).

Adaptogene erhöhen somit die Belastungs- und Stressresistenz bei ungünstigen Umweltfaktoren wie etwa Lärm, Kälte, Hitze sowie Schadstoffen, bei ungünstigen psychologischen Faktoren wie Depressionen und Angst sowie bei ungünstiger oder hoher körperlicher Belastung wie sportlichen Wettkämpfen ( 5 ).

Gerade in einer Zeit, in der Stresssituationen allgegenwärtig sind, zu diversen Krankheiten führen und das Stressmanagement vieler Menschen zu wünschen übrig lässt, interessieren sich immer mehr Forscher und auch Patienten für Adaptogene, die zur Stressreduktion beitragen können ( 28 ).

Wie wird der Eleutherococcus in der Volksheilkunde eingesetzt?

In der westlichen Medizin ist der Eleutherococcus erst seit ein paar Jahrzehnten bekannt. Wie die Heilpflanze traditionell angewandt wird, ist darum nur aus der chinesischen Volksmedizin überliefert. Zum Einsatz kommen hierbei vordergründig die Wurzel, aber auch die Rinde, Blätter, Blüten, Beeren und das ätherische Öl der Pflanze ( 2 ).

  1. Früchte: dienen als Zutat für vergorenen Wein, der als Stärkungsmittel gilt. Auch bei Autoimmunerkrankungen sollen die Beeren hilfreich sein.
  2. Blätter: dienen als Stärkungsmittel und werden zur Reduzierung von Leberschäden und zur Beschleunigung der Alkoholentgiftung verwendet ( 9 ).
  3. Wurzel: äußerst vielfältige Verwendung, z. B. bei rheumatischen Erkrankungen, Harnverhaltung, Ödemen, Impotenz, Knochenbrüchen, Mundtrockenheit bis hin zu Appetitlosigkeit, Nervenschwäche, Depressionen und Leistungsabfall ( 11 ).

Der chinesischen Pharmakopöe (Arzneibuch) ist außerdem zu entnehmen, dass der Eleutherococcus bei Funktionsstörungen der Milz oder Nieren, Schmerzen und Kraftlosigkeit im Hüft- und Kniebereich, Mattigkeit und Schwächegefühl sowie Schlafstörungen hilfreich sein kann. Im Allgemeinen dient die Heilpflanze zur Stärkung und Aktivierung des Qi (Lebensenergie).

Die meisten traditionellen Anwendungsgebiete gelten aus Sicht der naturwissenschaftlich orientierten Medizin noch nicht als belegt. Dies gilt aber für alle Heilpflanzen. Denn in der sogenannten Schulmedizin sind entsprechende (aufwändige) Studien vonnöten, damit eine Wirkung als gesichert definiert wird. In der traditionellen Volksheilkunde zählt vielmehr das Motto: Wer (oder was) heilt, hat recht.

Ist die Wirksamkeit des Eleutherococcus gesichert?

In Asien gehört der Eleutherococcus (Taigawurzel) und daraus gewonnene Präparate (Extrakte) zu den ältesten Arzneimitteln. Inzwischen erregt er als neuartige Heilpflanze aber weltweite Aufmerksamkeit und erfreut sich seit einigen Jahren auch in den USA und Europa großer Beliebtheit.

Wenn eine Heilpflanze in einem Land keine Tradition hat, muss sie von den entsprechenden Obrigkeiten gewissermaßen akzeptiert und somit in den Reigen der zugelassenen Heilpflanzen aufgenommen werden. Diverse Gesundheitsorganisationen haben dem Eleutherococcus (auch Taigawurzel oder Sibirischer Ginseng genannt) bereits folgende Wirkungen zugesprochen, die durch klinische Beweise als belegt gelten ( 8 ) ( 14 ):

  1. Laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) kann die Taigawurzel als Kräftigungsmittel, zur Steigerung der mentalen und körperlichen Leistung eingesetzt werden. Sie dient überdies, um nach vorheriger Krankheit schneller wieder auf die Beine zu kommen, hilft bei körperlicher und geistiger Erschöpfung, rheumatischen Erkrankungen, Schlafbeschwerden, Müdigkeit und allgemeinem Schwächegefühl.
  2. Der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) zufolge wirkt die Taigawurzel bei nachlassender geistiger und körperlicher Leistungsfähigkeit und beschleunigt die Genesung nach einer Erkrankung (Rekonvaleszenz).
  3. Das HMPC (Committee on Herbal Medicinal Product) gab an, dass der Sibirische Ginseng bei Kraftlosigkeit wie Müdigkeit und Schwächegefühl angewandt werden kann.
  4. Die deutsche Kommission E (Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte) hat anerkannt, dass die Taigawurzel bei Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Schwäche gleichermaßen helfen kann wie bei abnehmender Leistungs- und Merkfähigkeit. Auch bei der Wiederherstellung der Gesundheit nach Krankheit kann die Heilpflanze dienlich sein.

Darüber hinaus wird der Eleutherococcus bereits in Studien unter anderem auf ihre potenzielle Verwendung als antimikrobielles Mittel, bei neurologischen Störungen wie Alzheimer und als Antistressmittel untersucht ( 4 ).

Welche Inhaltsstoffe sind enthalten?

Die Eleutherococcus-Wurzel enthält eine Vielzahl an Wirkstoffen, die in ihrer Gesamtheit als Eleutheroside bezeichnet werden, auch wenn es sich nicht um ein Stoffgemisch handelt. Zu den Eleutherosiden gehören vordergründig die folgenden sekundären Pflanzenstoffe ( 1 ) ( 32 ):

  1. Lignane: Zu diesen zählen z. B. Eleutherosid B4 (Sesamin) und Eleutherosid E (Liriodendrin). Sie dienen den Pflanzen als Abwehrstoffe gegen Erkrankungen und Infektionen und sollen beim Menschen Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen helfen.
  2. Cumarine wie Eleutherosid B1 (Isofraxidin) haben eine blutgerinnungshemmende Wirkung.
  3. Saponine (Eleutheroside I bis M) schützen die Pflanze u. a. vor Pilzbefall und Insektenfraß. Beim Menschen sollen sie das Immunsystem stärken.
  4. Phytosterine wie Eleutherosid A (β-Sisterol) können die Resorption von Cholesterin aus dem Magen-Darm-Trakt, das Gesamtcholesterin und das LDL-Cholesterin senken.
  5. Betacarotin ist die wichtigste Vorstufe von Vitamin A, wirkt entzündungshemmend und soll vorbeugend auf Erkrankungen wie Krebs wirken.

Wie wirkt der Eleutherococcus?

Erstmals wurde der Eleutherococcus (Sibirische Ginseng) im 19. Jahrhundert beschrieben. Die Forschungsgeschichte begann während des Zweiten Weltkriegs. Denn damals interessierte sich das Verteidigungsministerium bzw. Militär der UdSSR brennend für Pflanzen, welche die Ausdauer fördern und die Widerstandsfähigkeit verbessern können ( 6 ).

1958 wurde die erste wissenschaftliche Studie über den Eleutherococcus veröffentlicht. In Folge wurden von russischen Wissenschaftlern über 1.000 Untersuchungen durchgeführt, welche den westlichen Forschern – aus politischen Gründen – erst ab Mitte der 1980er Jahre teilweise zugänglich gemacht wurden. Seitdem wurden auch in der westlichen Welt zahlreiche Studien durchgeführt.

Bei den meisten Untersuchungen, die in Hinblick auf die Wirksamkeit durchgeführt wurden, handelt es sich um In-vitro- und Tierstudien. Hierbei wurde mitunter festgestellt, dass die Wurzel ( 3 ) ( 10 ):

  1. eine Anti-Stress-Wirkung und Anti-Müdigkeitswirkung aufweist
  2. die Genesung unterstützt
  3. das Immunsystem stärkt
  4. antioxidativ und neuroprotektiv wirkt
  5. das Herz-Kreislauf-System unterstützt
  6. die Leber schützt
  7. den Blutzucker reguliert
  8. antidiabetische Eigenschaften hat
  9. Entzündungen entgegenwirkt
  10. antibakterielle und antivirale Wirkung aufweist
  11. gegen Depressionen wirkt
  12. die Blutgefäße erweitert und so den Blutdruck reguliert

Zwischen den Jahren 2006 und 2014 wurde von der European Medicines Agency (EMA) ein Review erstellt, das Hunderte Studien umfasst, darunter auch zahlreiche Humanstudien. Darauf stützt sich die positive Bewertung der EMA, dass es sich beim Eleutherococcus senticosus um eine traditionelle bzw. wirksame Heilpflanze handelt ( 3 ) ( 6 ) ( 9 ).

Auf die Humanstudien wollen wir nun etwas näher eingehen. Bitte beachten Sie dabei, dass exakt die in Studien angewandten Extrakte – wie bei Heilpflanzen im Allgemeinen – meist nicht benannt werden bzw. nicht im Handel erhältlich sind.

Höhere Stressresistenz

Laut EMA wurde in 35 Humanstudien sowie 35 unkontrollierten Erfahrungsberichten mit mehr als 2.200 Patienten mit verschiedensten Krankheiten wie z. B. Arteriosklerose, akutem Hirntrauma, Bluthochdruck, Neurosen, chronischer Bronchitis, chronischer Gastritis, rheumatischen Erkrankungen sowie bei Arbeitern festgestellt, dass sich Eleutherococcus-Extrakte (Auszugsmittel 33 Prozent Ethanol) positiv auf Stress auswirken und den Allgemeinzustand verbessern können.

Die Teilnehmer hatten täglich bis zu 2 Monate lang 2 bis 20 ml Eleutherococcus-Extrakt eingenommen ( 3 ).

In einer der Studien erhielten beispielsweise 45 junge Probanden über 30 Tage entweder eine Eleutherococcus-Zubereitung oder ein Placebo. Die Stressreaktion wurde anhand des Blutdrucks und der Herzfrequenz beurteilt. Die Autoren kamen zum Schluss, dass durch die Wurzel die Stressreaktion herabgesetzt werden kann.

Höhere Leistungsfähigkeit und besseres Gedächtnis

In einer Studie im Jahr 2014 erhielten Piloten, Copiloten sowie Flug-Ingenieure für 10 Tage 2 ml eines Flüssigextraktes, wodurch die Arbeitsleistung des Flugpersonals in verschiedenen psychophysischen und kognitiven Testverfahren verbessert werden konnte.

In weiteren Studien konnte laut der European Medicines Agency (EMA) nachgewiesen werden, dass 20 Tropfen eines Flüssigextrakts bei gesunden Probanden zum Anstieg der Gedächtnisleistung und zur Abnahme der reaktiven Angstempfindung führten. Auch das Kurzzeitgedächtnis nahm bei jungen Versuchspersonen zu.

Viele Studien gibt es in Bezug auf eine Verbesserung des Seh- und Hörvermögens durch Zubereitungen aus dem Eleutherococcus. Zudem nahmen bei der Durchführung von Arbeiten die Müdigkeit und der zeitliche Faktor ab, während die Qualität der Arbeit verbessert und die Produktivität anstieg.

Im Sport gegen Erschöpfung und Müdigkeit

Überdies liegen Berichte über Seemänner in den Tropen, Bergsteiger in schwindelerregenden Höhen, Polarforscher in der Arktis und U-Boot-Mannschaften vor, die dank des Eleutherococcus ihre kognitiven Funktionen und depressiven Verstimmungen bessern konnten. Ferner wurde eine erhöhte Reizbarkeit gemildert, der gestörte Schlafrhythmus normalisiert und die Widerstandskraft des Körpers erhöht.

Auch rund 1.500 Sportler wurden in Studien zum Eleutherococcus miteinbezogen. Es wurde insgesamt ein größeres Durchhaltevermögen und eine schnellere Regeneration nach der sportlichen Belastung dokumentiert.

So nahm durch eine tägliche Einnahme von 4 ml Extrakt mit 106 mg Eleutherosid B und 0,24 mg Eleutherosid D bei maximaler Belastung im Fahrrad-Ergometer die maximale Sauerstoffaufnahme zu. Nach dem Test nahm die Zeit der Erschöpfung ab. Nach einer 20-tägigen Behandlung mit einer Eleuthero-Tinktur verbesserte sich bei den Athleten die Fließeigenschaft des Blutes.

Für Senioren höhere Lebensqualität

Gesundheitsorientierte Institutionen wie etwa die Kommission E empfehlen Eleutherococcus zur "Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz" ( 12 ).

Und genau diese Beschwerden machen heutzutage zahlreichen Senioren zu schaffen. Eleutherococcus-Präparate können deshalb gerade für ältere Patienten eine sinnvolle Therapie darstellen. Dies konnte auch schon durch einige Untersuchungen bestätigt werden.

So hat etwa eine italienische Studie mit 20 Probanden über 65 Jahren gezeigt, dass die Wurzel die Lebensqualität von Senioren verbessern kann. Die Studienteilnehmer litten zu Beginn der Therapie an Müdigkeit und Schwäche. 10 davon erhielten täglich 300 mg eines Trockenextraktes, die anderen 10 ein Placebo ( 26 ).

Bei jenen, die den Extrakt einnahmen, verbesserte sich die psychische Gesundheit und die soziale Interaktion nach etwa 4 Wochen. Nach etwa 8 Wochen ließ die Wirkung allerdings nach, die Ursache konnte aber nicht geklärt werden.

Der Blutdruck wurde durch die Therapie bei keinem Probanden beeinflusst. Dies widerspricht der häufigen Empfehlung, die Wurzel bei Bluthochdruck nicht einzunehmen, worauf wir beim Punkt "Gegenanzeigen“ zurückkommen werden.

Bei Grippe milderer Verlauf

Einigen Studien zufolge kann der Eleutherococcus bei viralen Infekten wie einer Grippe hilfreich sein. An einer placebokontrollierten, doppelblinden Studie nahmen 1.376 Probanden teil. Es wurde die Wirksamkeit bei viralen Infekten und weiteren Leiden des Respirationstraktes getestet ( 27 ).

In der Eleuthero-Gruppe, deren Patienten täglich 4 ml eines Flüssigextraktes erhielten, kam es seltener zu Komplikationen wie z. B. Bronchitis, Ohren- und Lungenentzündung. Die Forscher kamen zum Schluss, dass die Anwendung der Pflanze zu einem milderen Verlauf führt.

Ist der Eleutherococcus ein Dopingmittel?

Doping im Sport ist kein neuzeitliches, sondern ein altes Phänomen. Da zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr Sportler ihre Leistung durch Substanzen wie Kokain, Morphin, Strychnin und Koffein zu steigern versuchten, wurde Mitte der 1960er Jahre damit begonnen, Dopingtests durchzuführen.

Studien ist zu entnehmen, dass Athleten der UdSSR bei den Olympischen Spielen Ende der 1970er Jahre ihre Leistungen durch die Anwendung des Eleutherococcus steigern konnten. Nun stellt sich die Frage, ob auch leistungssteigernde Heilpflanzen als Dopingmittel einzustufen sind. Die Antwort lautet klar: Nein ( 9 )!

Denn unter Doping wird die Verwendung von Substanzen aus den verbotenen Wirkstoffgruppen verstanden, wozu der Eleutherococcus bzw. deren Inhaltsstoffe nicht zählen. Zwar ist die Pflanze in der Lage, die physische und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern, aber insbesondere in Zusammenhang mit der Reduktion von Müdigkeit und Stress.

Dazu kommt, dass Adaptogene – anders als Dopingmittel – keine stimulierende Wirkung haben, selbst nach längerer Einnahme nicht zu einer Toleranz führen und kein Abhängigkeitspotenzial aufweisen.

Welche Pflanzenteile werden angewandt?

Medizinisch angewandt werden vordergründig die unterirdischen Teile, also das Rhizom (Wurzelstock) und die Wurzeln. Das graubraune bis schwarzbraune Rhizom ist knotig, rau, unregelmäßig geformt und hat einen Durchmesser von bis zu 4 cm. Der Unterseite des Rhizoms entspringen in großer Anzahl zylindrische, grau- bis schwarzbraune Wurzeln ( 17 ).

Die Wurzel wird getrocknet, zerkleinert oder auch pulverisiert. Anschließend können daraus ein Tee oder andere Extrakte zubereitet werden. In den Herkunftsländern kommen neben der Wurzel zwar auch andere Pflanzenteile wie die Blätter, Rinde, Blüten, Beeren und das ätherische Öl zum Einsatz, die in unseren Gefilden jedoch nur schwer zu finden oder gar nicht erhältlich sind ( 2 ).

Wie riecht und schmeckt die Eleutherococcus-Wurzel?

Der Geruch wird als leicht beißend beschrieben und der Geschmack als bitter und adstringierend (zusammenziehend) ( 17 ).

Welche Eleutherococcus-Extrakte gibt es?

Aus den getrockneten Pflanzenteilen des Eleutherococcus werden unterschiedlichste Produkte hergestellt, so etwa Flüssigextrakte (Tropfen), Trockenextrakte (Kapseln und Tabletten) oder Tinkturen (Tropfen) ( 13 ).

Bei uns im Handel erhältlich sind z. B. standardisierte Extrakte wie die Eleutherococcus-Kapseln N, Vigor® Eleutherococcus, die Taigawurzel-Kapseln von Pure Encapsulations® oder die Eleu Curarina® Tropfen ( 12 ).

Wie wird der Eleutherococcus dosiert?

Die Angaben in Bezug auf die Tagesdosis variieren, sie beträgt zwischen 0,5 und 4 g der getrockneten Wurzel ( 1 ) ( 15 ) ( 17 ):

Wie wird Eleutherococcus-Tee zubereitet?

Nehmen Sie 0,5 bis 4 g von der fein geschnittenen oder grob pulverisierten Eleutherococcuswurzel und übergießen Sie die Droge mit rund 150 ml siedendem Wasser. Seihen Sie den Tee nach 10 bis 15 Minuten ab. Sie können Ihre individuelle Tagesdosis auf einmal – also in einer einzigen Tasse – oder auf drei Portionen über den Tag verteilt aufnehmen. Der Tee wird am besten warm getrunken.

Wie werden Extrakte eingenommen?

Bei Extrakten aus Eleutherococcus entspricht die Dosierung den 0,5 bis 4 g der Wurzel.

In der Regel werden z. B. vom alkoholischen Flüssigextrakt 20 bis 40 Tropfen zwei- bis dreimal täglich vor dem Essen eingenommen. Die Dosierung vom Trockenextrakt liegt meist zwischen 65 und 195 mg pro Tag. Bei Extrakten wird zuweilen der täglich einzunehmende Gehalt an Eleutherosiden – z. B. 2 mg Eleutheroside pro Kapsel – angegeben. Wenn Sie ein Fertigarzneimittel einnehmen möchten, sollten Sie in puncto Dosierung stets die jeweilige Packungsbeilage beachten.

Um die Dosierung exakt auf Ihre individuellen Bedürfnisse abstimmen zu können, sollten Sie Ihren Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker zu Rate ziehen.

Wie schnell wirkt der Eleutherococcus?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Wirkung kann schon nach kurzer Zeit gespürt werden, doch die volle Wirkkraft entfaltet sich in der Regel erst nach 2 bis 3 Wochen.

Wie lange sollte der Eleutherococcus eingenommen werden?

Die Heilpflanze kann auch im Rahmen einer Kur angewandt werden. Die Dauer einer solchen Kur liegt bei 25 bis 30 Tagen. Darauf erfolgt eine Pause von 1 bis 2 Wochen. Diese Abfolge kann zwei- bis dreimal wiederholt werden.

Da es keine Langzeitstudien gibt, sollte der Eleutherococcus jedenfalls nie länger als durchgehend 2 oder 3 Monate eingenommen werden. Eine erneute Anwendung ist möglich, sollte aber erst nach frühestens 1 Monat erfolgen ( 13 ) ( 17 ).

Sollten Ihre Symptome während der Behandlung länger als 2 Wochen anhalten und Sie keinerlei Milderung verspüren, sollten Sie unbedingt den Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker Ihres Vertrauens konsultieren ( 16 ).

Gibt es Gegenanzeigen?

Im Allgemeinen werden Präparate aus der Wurzel sehr gut vertragen, doch es gibt wenige Ausnahmen. So etwa, wenn eine Allergie gegen Pflanzen aus der Familie der Efeugewächse vorliegt. Darüber hinaus wurde die Heilpflanze für Patienten mit Bluthochdruck als unsicher eingestuft ( 17 ).

Dies wird von einigen Wissenschaftlern zwar für Spekulation gehalten, da es dafür keine wissenschaftliche Grundlage gäbe. Aufgrund von Daten, die auf eine mögliche blutdrucksenkende Wirkung hinweisen, wird auf eine neue Bewertung gepocht ( 25 ).

Bis es soweit ist, sollten sich Bluthochdruckpatienten vor einer Behandlung zumindest fachmännisch beraten lassen.

Können Kinder, Schwangere und Stillende Eleutherococcus anwenden?

Da für Schwangere, Stillende und Kinder unter zwölf Jahren keine Studien bzw. Daten zur Unbedenklichkeit vorliegen, sollten diese auf die Anwendung besser verzichten ( 16 ).

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die Anwendung des Eleutherococcus verursacht in der Regel keine Probleme, sie gilt als sicher. Doch können wie bei jedem anderen synthetischen oder pflanzlichen Arzneimittel auch beim Eleutherococcus in seltenen Fällen Nebenwirkungen auftreten.

Dazu zählen laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) vordergründig: Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Tachykardie (schneller Herzschlag) und Kopfschmerzen ( 16 ). Zu den seltenen unerwünschten Wirkungen gehören zudem Blutdruckanstieg, melancholische Stimmung und Angstzustände. Überdosierungen sind nicht dokumentiert ( 3 ).

Nachdem der Eleutherococcus eingenommen wurde, kann ein Gefühl von Müdigkeit auftreten, das jedoch in der Regel bald wieder verschwindet. Es wird angenommen, dass es sich um eine Folge der blutzuckersenkenden Wirkung handelt ( 3 ).

Die Häufigkeit der Nebenwirkungen konnte bislang wissenschaftlich noch nicht ermittelt werden.

Gibt es Wechselwirkungen?

Zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln liegen bislang keine Untersuchungen vor. Interaktionen mit Antikoagulantien (verlangsamen die Blutgerinnung), blutzuckersenkenden Medikamenten und Blutdrucksenkern sind nicht ausgeschlossen.

Humanstudien fehlen hier noch. Besprechen Sie eine Einnahme daher in jedem Fall mit Ihrem Arzt, wenn Sie regelmäßig Medikamente nehmen müssen ( 3 ).

Woher kommen die Produkte?

Im Verbreitungsgebiet des Eleutherococcus wird dieser nicht angebaut, er stammt fast ausschließlich aus Wildsammlungen, da die Bestände reich sind. Zur Zeit der Sowjetunion war es noch verboten, die Wurzel auszuführen, erlaubt war nur der Export alkoholischer Extrakte ( 12 ).

Heutzutage wird die Heilpflanze vorwiegend von China, außerdem von Südkorea und Russland – wo Umweltschutz unerwünscht ist – in die EU importiert. Zum Glück gibt es in europäischen Ländern wie Polen erste Bestrebungen, die Heilpflanze zu kultivieren, was zukünftig ein großer Vorteil für Patienten in der EU sein könnte ( 17 ) ( 20 ) ( 22 ).

Worauf sollte man beim Kauf von Eleutherococcus achten?

Die auf dem Markt erhältlichen Eleutherococcus-Produkte werden vordergründig aus Ländern wie China importiert, wo es mit der Umweltverschmutzung und somit auch mit der Qualität von Wildpflanzen nicht unbedingt gut bestellt ist. Wegen der fehlenden Bewertung von Heilpflanzen ist es in vielen Fällen zu einer schlechten Qualität der von chinesischen Händlern gelieferten Ware gekommen.

Eine Studie hat gezeigt, dass bei 26 Prozent der aus Eleutherococcus hergestellten und untersuchten Präparate die Angaben auf dem Etikett in puncto Eleutheroside-Gehalt nicht dem tatsächlichen Gehalt entsprachen. Dabei sollte die getrocknete Droge einen Mindestgehalt an Eleutherosid B und Eleutherosid E von 0,08 Prozent aufweisen ( 20 ) ( 21 ).

Bei einer anderen Analyse wurde ermittelt, dass 3 Proben von 11 Eleutherococcus-Tees mit grünem Tee verfälscht waren. Tatsachen wie diese haben bei einigen Pharmaunternehmen bereits zu finanziellen Verlusten geführt ( 7 ).

Fragen Sie daher vor dem Kauf eines Produktes besser beim Händler konkret nach den Qualitätskriterien oder lassen sich von Ihrem Heilpraktiker, Arzt oder Apotheker ein hochwertiges und geprüftes Präparat empfehlen.

Kann man den Eleutherococcus selber anbauen?

Es stellt kein Problem dar, die Pflanze in unseren Gefilden im Garten oder auf dem Balkon wachsen zu lassen. Eine Pflanze benötigt lediglich 1 m² bzw. einen Topf mit einem Volumen von rund 30 bis 40 Litern, um sich wohl zu fühlen. Der Eigenanbau bietet einerseits den Vorteil, dass man sich sicher sein kann, eine biologisch angebaute Heilpflanze mit hoher Qualität nutzen zu können.

Andererseits kann man abgesehen von der Wurzel auch von anderen Pflanzenteilen wie den Blättern und Früchten profitieren, die bei uns kaum oder gar nicht gekauft werden können. Da die Samen nach der Aussaat zwei Jahre benötigen, bis sie keimen, ist es zu empfehlen, den Strauch beispielsweise im Onlinehandel zu erwerben ( 24 ).

Die mehrjährige Pflanze ist besonders robust, pflegeleicht und winterhart, selbst Temperaturen von bis zu minus 20 Grad können ihr nichts anhaben. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sowie geschützt gelegen sein. Die Blütezeit reicht von Juli bis August, im Herbst folgen die schwarz-blauen Früchte.

Der Flachwurzler benötigt einen gut durchlässigen, lockeren und humosen Boden, Staunässe ist zu vermeiden. Der Wasserbedarf ist gering, junge Pflanzen brauchen etwas mehr Wasser. Im Sommer sollte der Boden leicht feucht gehalten werden. Ältere Pflanzen tolerieren auch kurze Durststrecken.

Da der Eleutherococcus ein Schwach- bis Mittelzehrer ist, ist sie in Hinblick auf den Nährstoffbedarf relativ genügsam. Wenn Sie der Pflanze ein- bis zweimal jährlich einen stickstoffbetonten Dünger verabreichen, wird sie es Ihnen danken ( 31 ).

Wie und wann wird die Wurzel des Eleutherococcus geerntet?

Für die Ernte der Wurzel sollte diese erst ab dem 3. Standjahr im Herbst aus dem Boden entnommen werden. Der beste Zeitpunkt ist nach dem ersten Frost, da die Wurzeln dann am kräftigsten und wirksamsten sind.

Wichtig ist, immer nur einen Teil der Wurzeln zu ernten, damit die Pflanze nicht beschädigt wird und im Frühjahr wieder austreiben kann. Um den Strauch beim Ausgraben zu schonen, sollte die Erde vorsichtig entfernt werden, weshalb die Handschaufel dem Spaten vorzuziehen ist.

Wie wirken die Blätter?

Wie bereits erwähnt, werden neben der Wurzel auch die Blätter traditionell genutzt, die in den Herkunftsländern aber vordergründig als Lebensmittel gelten. Sie werden verwendet, um sich einen Tee, aber auch eine Suppe zuzubereiten.

Da die Anwendung dieser Pflanzenteile in unseren Gefilden weitgehend unbekannt ist und die Erforschung noch in den Kinderschuhen steckt, können hier keine Empfehlungen gegeben werden. Erste Tierstudien ( 29 ) und auch eine Humanstudie (aus 2020) zeigten jedoch bereits eine positive Wirkung auf die kognitiven Funktionen und das Gedächtnis ( 30 ).

Fazit: Eleutherococcus ist eine wertvolle Heilpflanze

Der Eleutherococcus senticosus hat somit sehr viele positive Wirkungen auf die Gesundheit und kann als Stärkungsmittel, z. B. in stressigen Zeiten, im Sport oder auch wenn man gesundheitlich angeschlagen ist (z. B. bei Infekten) oder von älteren Menschen kurweise eingenommen werden. Wenn gleichzeitig Medikamente genommen werden, sollten Sie die Vorgehensweise mit Ihrem Arzt oder Heilpraktiker besprechen.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.