Nierenprobleme durch Kontrastmittel
Im Jahre 2009 teilte die amerikanische Behörde für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit FDA mit, dass gewisse Kontrastmittel einen Warnhinweis tragen müssen, da sie eine seltene und manchmal tödlich endende Erkrankung namens Nephrogene Systemische Fibrose (NSF) auslösen könnten.
Die europäischen Behörden warnten erstmals 2017 vor Kontrastmitteln, die das Schwermetall Gadolinium enthalten, das sich wiederum im Gehirn anreichern könne.
Kontrastmittel enthalten Gadolinium, ein Lebergift
Die betreffenden Kontrastmittel enthalten eine Chemikalie namens Gadolinium, ein Stoff, der die Bildqualität verbessert und sich zu diesem Zweck im Körper ausbreitet.
Gadolinium ist nebenbei ein bekanntes Lebergift, das sich außerdem besonders negativ bei bereits vorgeschädigten Nieren auswirkt. In den USA ist die Substanz bei medizinischen Bildgebungsverfahren seit 1988 erlaubt. Jahre später beginnt man an der damaligen Zulassung zu zweifeln.
Kontrastmittel können eine schwere Krankheit verursachen
Sieben Kontrastmittel, die bei Kernspintomographien eingesetzt werden und Gadolinium enthalten, sind allesamt einst von der FDA zugelassen worden und können – nach aktuellen Erkenntnissen – bei Patienten mit schwachen Nieren die bis zum Jahre 2000 nie zuvor in Erscheinung getretene Erkrankung namens Nephrogene Systemische Fibrose NSF hervorrufen.
Dabei handelt es sich um eine krankhafte Vermehrung des Bindegewebes der Haut, Muskulatur und der inneren Organe wie Leber, Herz, Lungen und Zwerchfell. Die Krankheit kann zu schweren Behinderungen und zum Tode führen. Mittlerweile ist man sogar schon so weit gediehen, dass man die sieben Mittel in unterschiedliche Gefahrenkategorien einteilen kann.
Die drei besonders gefährlichen Kontrastmittel
So seien drei der Mittel laut FDA „chemisch instabiler“ als die übrigen. Das bedeutet, dass bei ihnen Leberschäden wahrscheinlicher sind als bei den restlichen vier. Falls Sie demnächst eine Kernspintomographie benötigen sollten, hier die drei besonders bedenklichen Kontrastmittel plus ein Viertes, zu dem sich die FDA noch nicht geäußert hat:
OptiMARK (nur in den USA zugelassen),, Magnevist® von Bayer, Omniscan® von Covidiens sowie MultiHance® von Diagnostics Inc. Bracco
Kontrastmittel dürfen nur bei gesunden Nieren verabreicht werden
Auch wenn die Mittel die beschriebenen Nebenwirkungen haben können, treten diese offenbar zu selten auf, um zu einem Entzug der Zulassung zu führen. Denn die Behörden entschieden, dass Warnhinweise auf den Medikamenten ausreichen. Ärzte dürfen besagte Kontrastmittel somit nur Patienten mit gesunden Nieren verabreichen. Vorab müssen daher alle Patienten auf Nierenerkrankungen untersucht werden.
Jahrelange Anwendung ohne Warnhinweis
Ganz am Rande erfährt man, dass die FDA schon seit 2006 von den Gefahren des Gadoliniums wusste. Der Behörde lagen nach eigenen Aussagen Berichte über 90 Patienten mit NSF vor, die alle zuvor im Rahmen einer Kernspintomographie Gadolinium als Kontrastmittel erhalten hatten. Die Erkrankung trat in einem Zeitraum von zwei Tagen bis 18 Monaten nach der Gabe von Gadolinium auf.
Warum dann aber erst jetzt die Forderung nach Warnhinweisen auf den Produkten laut wird, bleibt wohl das Geheimnis der FDA. Ähnlich schwer nachvollziehbar ist, warum die FDA die zwei vorhandenen gadoliniumfreien Kontrastmittel nur für die Verwendung bei Leber-Scans freigegeben hat, für andere Untersuchungen jedoch nicht.
Manchmal gibt es unbedenkliche Kontrastmittel
In manchen Fällen können unbedenkliche Kontrastmittel verwendet werden, wie z. B. Kochsalzlösung (1) (z. B. bei Wirbelsäulenbehandlungen/-untersuchungen) oder Zuckerlösung (z. B. um Hirntumore sichtbar zu machen) (2).
Diese beiden Alternativen sind jedoch nur für ganz spezielle Fälle möglich, können also nicht bei anderen Diagnostiken zum Einsatz kommen.
Erkundigen Sie sich dennoch vor einer entsprechenden Untersuchung, wie man bei Ihnen vorgehen möchte und welches Kontrastmittel zum Einsatz kommt. Erfragen Sie dies am besten 2 Wochen vorher, so dass Sie, falls ein Kontrastmittel eingesetzt wird, schützende Maßnahmen ergreifen können - siehe weiter unten "Kontrastmittel ausleiten".
Lagert sich Gadolinium im Gehirn ab oder nicht?
Ein Leser schrieb uns im August 2019 folgende Mail:
"Liebes Zentrum-der-Gesundheit-Team, auf Nachfrage in Praxen erhielten wir die Info, dass statt des linearen Gadoliniums, das zu Ablagerungen führen konnte, Gadovist verabreicht werde. Dieses Kontrastmittel verursache keine Ablagerungen. Haben Sie dazu entsprechende Erfahrungen/Informationen?"
Antwort Zentrum der Gesundheit:
Es verhält sich stets so, dass bestimmte Mittel bei der Zulassung als sicher betrachtet werden. Erst viele Jahre später zeigt sich, ob sie tatsächlich sicher sind. Bei den gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln war es ebenfalls so. Erst 18 Jahre nach der Zulassung war klar, dass die Mittel bei Menschen mit schlechten Nierenfunktionen Probleme bereiten können (zur sog. NSF führen, Nephrogene Systemische Fibrose).
Man stellte fest, dass es die linearen gadoliniumhaltigen Kontrastmittel (GBCA) waren, die hier ein Risiko darstellten, da sich aus ihnen reichlich freies Gadolinium lösen kann (im Vergleich zu den makrozyklischen Kontrastmitteln, wozu Gadovist gehört).
Daher sollen Nierenkranke letztere erhalten, da diese stabiler seien, aber auch nur, wenn es sich nicht ganz vermeiden lässt. Bei nierengesunden Menschen gab es keine Einschränkungen.
Wieder vergingen 8 Jahre, bis man 2014 herausfand, dass sich das Gadolinium im Gehirn einlagerte - und zwar auch bei Menschen mit völlig gesunder Nierenfunktion. Doch es hieß, dass dies noch lange nicht bedeute, dass dies ungesund sein müsse und sich daraus auch Krankheiten entwickeln. Zwei Jahre später kannte man gleich eine ganze Krankheitengruppe, die sich infolge von Gadolinium im Gehirn entwickeln kann.
In dieser Studie vom Januar 2019 wird erklärt, dass es auch bei makrozyklischen gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln zu Ablagerungen im Gehirn kommen kann, allerdings in geringerem Ausmaß als bei den linearen Kontrastmitteln (3). Gleichzeitig wird in genannter Studie erklärt, dass man im MRT die Ablagerungen im Gehirn beim lebenden Menschen noch gar nicht umfassend überprüfen könne. Anders in Autopsien, in denen Ablagerungen festgestellt wurden, ganz gleich welche gadoliniumhaltige Kontrastmittelgruppe nun zum Einsatz kam - ob linear oder makrozyklisch.
Die Behauptung, dass es bei diesen Mitteln zu keiner Ablagerung komme, ist somit eindeutig falsch. Denn man ist weit davon entfernt, genau zu wissen, unter welchen Umständen sich wie viel Gadolinium im Gehirn ablagern kann und welche Folgen dies mit sich bringen kann.
Kontrastmittel ausleiten
Wenn nun eine Kontrastmittelgabe unumgänglich ist oder sogar schon hinter einem liegt, was könnte man tun, um den Körper bestmöglich zu schützen?
Im Falle gadoliniumhaltiger Kontrastmittel können gesunde Nieren das Metall im Laufe der Tage normalerweise wieder ausleiten. Daher sind Maßnahmen ideal, die die Clearance (Ausleitung über die Nieren) bestmöglich unterstützen.
Die Ziele lauten: gute Hydrierung, gute Durchblutung der Nieren und Entlastung der Nieren.
Schritt 1. Gute Hydrierung (wichtigste Maßnahme)
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr erhöht die Nierenfunktion (glomeruläre Filtration) und die Urinmenge, wodurch Kontrastmittel schneller eliminiert werden.
Trinken Sie schon am Vortag ausreichend Wasser, Mineralwasser (siehe auch 5.) oder ungesüßter Kräutertee und am Tag der Untersuchung vor der Untersuchung 0,5 - 1 Liter (in den 2-3 Stunden davor) sowie in den 24 Stunden nach der Untersuchung 2-3 Liter (wenn keine Herz- oder Niereninsuffizienz vorliegt).
Dies erhöht das zirkulierende Blutvolumen, steigert die Filtration im Glomerulus (Nierenkörperchen), verdünnt den Urin und beschleunigt die Ausscheidung der Mittel mit dem Urin.
Für Kinder geht man vom normalen Flüssigkeitsbedarf pro Tag aus. Dieser wird folgendermaßen berechnet:
-erste 10 kg Körpergewicht: 100 ml/kg
-zweite 10 kg: 50 ml/kg
-jedes weitere kg: 20 ml/kg
Diese Menge wird dann vor dem Untersuchungstag und an den beiden Tagen danach getrunken (natürlich am besten an allen weiteren Tagen auch).
Schritt 2. Häufiges Wasserlassen
Sobald Sie zur Toilette müssen, gehen Sie. Halten Sie den Urin also nicht zurück. Denn je öfter die Blase entleert wird, desto schneller wird das Kontrastmittel aus dem Körper entfernt und es bleibt weniger Zeit für Rückresorption in den Harnwegen.
Schritt 3. Moderate Bewegung
Leichte Bewegung (z. B. Spaziergänge, leichtes Treppensteigen) verbessert die Nierendurchblutung, unterstützt den Kreislauf und damit die Filtration, also die Nierenfunktion.
Schon am Tag der Untersuchung (wenn Sie vom Arzt aus dürfen und sich entsprechend wohl fühlen) können Sie sich 30–60 Minuten locker bewegen - ab etwa 30 Minuten nach der Untersuchung.
Auch am nächsten Tag sollten Sie sich entsprechend bewegen, aber ein hartes Training vermeiden, also wirklich nur locker spazierengehen oder generell für Bewegung im Alltag sorgen, also nicht den Tag auf dem Sofa verbringen.
Schritt 4. Vermeidung zusätzlicher Nierenbelastung
In den Tagen vor der Untersuchung sowie mindestens in den ersten 24–48 Stunden nach der Untersuchung sollten Sie unbedingt Substanzen meiden, die die Niere zusätzlich belasten.
Dazu gehören z. B. Alkohol, Schmerzmittel sowie Saunagänge. Meiden Sie außerdem zu viel Zucker und Süßigkeiten sowie größere Mengen Fruchtsäfte. Alle diese Faktoren können die renale Durchblutung und die Ausleitung über die Nieren reduzieren.
Schritt 5. Auf gute Mineralienversorgung achten
Eine gute Versorgung mit Natriumhydrogencarbonat hilft, eine gute Hydrierung aufrechtzuerhalten. Wählen Sie ein Mineralwasser mit einem Natriumgehalt von 100-200 mg und einem relativ hohen Hydrogencarbonatgehalt (höher als 1000 mg/l), z. B. Gerolsteiner Medium.
Dadurch bleibt mehr Wasser im Blut- und Gewebsraum, das zirkulierende Blutvolumen bleibt stabil und die Nieren werden optimal durchblutet. Das getrunkene Wasser hydriert also den Organismus und wird nicht gleich wieder komplett ausgespült.
Schritt 6. Allgemeine Maßnahmen für eine gute Nierenfunktion
Auch Maßnahmen, die nicht direkt und nicht nur die Nieren im Visier haben, sondern die Gesundheit im Allgemeinen, wirken sich natürlich immer auch auf die Nieren sehr positiv aus, wie z. B. ausreichend Schlaf, möglichst keinen Stress und eine gesunde vitalstoffreiche Ernährung.
Schritt 7. Vitamin C und NAC
Bei jodhaltigen Kontrastmitteln (im CT oder der Koronarangiografie) können Vitamin C (4) und/oder N-Acetyl-Cystein (NAC) gegeben werden.
Damit soll das Risiko für kontrastmittelbedingte Nierenschäden reduziert werden können. Allerdings werden diese beiden Maßnahmen nur bei Personen eingesetzt, die bereits eine Nierenvorerkrankung bzw. schlechte Nierenfunktionswerte haben.
Aber auch hier sind die anderen genannten Maßnahmen dennoch wichtig und dürfen nicht vergessen werden.
Vitamin C
Vitamin C wird intravenös gegeben, da dann die Wirkung deutlich besser ist als bei oraler Einnahme, z. B. 3 g Ascorbinsäure i.v. etwa 1–2 Stunden vor der Kontrastmittelgabe, dann 2 g i.v. etwa 6 Stunden nach der Untersuchung sowie 2 g i.v. etwa 12 Stunden danach. Insgesamt erhält man also 7 g Vitamin C intravenös.
NAC
NAC wird in Dosen von 600–1200 mg oral zweimal am Tag genommen - und zwar am Tag vor der Kontrastmittelgabe und am Tag der Untersuchung, also 4 Dosen insgesamt, z. B. jeweils um 8 und 20 Uhr zu einer Mahlzeit jeweils 600 bis 1200 mg.
Schritt 8. Chelattherapie
Liegt die Untersuchung schon weiter zurück, soll eine Chelattherapie (mit EDTA, jedoch intravenös, also nicht oral) hilfreich sein können. Kontaktieren Sie dazu bitte am besten Ihren Heilpraktiker, ganzheitlichen Arzt oder Umweltmediziner.
Update 1.3.2026
Wir haben den Abschnitt "Kontrastmittel ausleiten" erstellt bzw. ausgebaut.