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Geburt
Weniger Komplikationen bei einer Hausgeburt

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 15.02.2017
Weniger Komplikationen bei einer Hausgeburt
© Cello Armstrong - Fotolia.com

(Zentrum der Gesundheit) Was viele Frauen auf der ganzen Welt intuitiv wissen, wurde jetzt in einer gross angelegten Studie in den Niederlanden statistisch bewiesen: Im Gegensatz zu einer geplanten Geburt im Hightech-Gebärsaal birgt eine Hausgeburt keine erhöhten Gefahren für Komplikationen, im Gegenteil, sie ist sogar sicherer.

Die Hausgeburt ist sicher

Eine Geburt in der Klinik wird meist mit bester medizinischer Betreuung und damit höchsten Sicherheitsstandards in Verbindung gebracht. Frauen, die eine Hausgeburt wünschen, gelten dagegen als eher risikofreudig, wenn nicht gar als verantwortungslos.

Schliesslich begeben sie sich und ihr Kind freiwillig in Gefahr, wo es doch ein Leichtes wäre, den sicheren Hafen einer Klinik anzusteuern. In den Niederlanden wurde jetzt die aktuell grösste Kohortenstudie zu diesem Thema veröffentlicht. Ihr überraschendes Ergebnis lautet: Hausgeburten sind sicherer als Klinikgeburten!

Ärzte warnen routinemässig vor Hausgeburten

Oftmals wird Frauen bereits nach dem positiven Schwangerschaftstest Angst vor schweren Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt gemacht. Man versucht Müttern einzureden, ein Baby zu bekommen, sei etwas Gefährliches und man müsse sowohl Schwangerschaft als auch Geburt unter allen Umständen akribisch kontrollieren, um im Notfall möglichst rasch eingreifen zu können.

Vor Hausgeburten wird stets gewarnt. Ja, es sei unverantwortlich, sein Baby zu Hause auf die Welt bringen zu wollen. Denn was wäre, wenn eine medizinische Massnahme nötig werden sollte?

In Wirklichkeit ist es jedoch oft so, dass medizinische Massnahmen schon dann zur Anwendung kommen, wenn sie zwar nicht unbedingt nötig, in den Augen des betreuenden Arztes jedoch aus rein prophylaktischen (oder auch organisatorischen?) Gründen sinnvoll sind.

Kann eine Geburt in der Klinik deshalb auch als sicherer bezeichnet werden? Oder ist es nicht sogar sehr viel besser für Mutter und Kind, die Geburt zu Hause in den gewohnten vier Wänden, in aller Ruhe und mit minimalstem technologischem bzw. medizinischem Einsatz zu erleben?

Harmonische Hausgeburt

Damit eine Frau eine harmonische Geburt erleben kann, braucht sie in erster Linie ein Gefühl der Sicherheit. Das eigene Zuhause bietet sich dazu optimal an. Es vermittelt Geborgenheit und wurde in der Schwangerschaft für den neuen Erdenbürger liebevoll vorbereitet.

Für die Geburt wird meist ein extra Zimmer hergerichtet mit den liebsten Edelsteinen, sanfter Musik, dezentem Duft, Kerzenlicht und ausreichend Tüchern, um das Ankommen des neuen Familienmitgliedes so sanft und harmonisch wie möglich zu gestalten.

Eine Geburt kann – je nach Wohnsituation – auch draussen in der Natur, beispielsweise im nahe gelegenen Wald, im eigenen Garten oder natürlich im Wasser stattfinden. Wie die werdende Mutter schliesslich ihr Baby zur Welt bringt, kann sie ganz alleine entscheiden. Auch steht ihr frei, jede Geburtsposition dann einzunehmen, wann und wie lange sie dies wünscht.

In dieser ruhigen und entspannten Atmosphäre kann sich die Frau ganz dem Geburtsprozess hingeben und öffnen.

Fühlt sie sich schliesslich sicher, werden die körpereigenen Hormone Oxytocin1 und Endorphine2 ausgeschüttet. Sie dämpfen den Schmerz und sorgen dafür, dass Frau und Kind eine kraftvolle und verbundene Einheit bilden. Beide wissen in jedem Augenblick intuitiv, was zu tun ist. Die Geburt kann ihren natürlichen Lauf nehmen.

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Klinikgeburten – Von Technik und Medizin beherrscht

In der Klinik herrschen hingegen oftmals Aufruhr und Hektik. Der Zeitdruck des Personals schlagen auf die Mutter über. Hebammen arbeiten im Schichtwechsel und kümmern sich um mehrere Frauen gleichzeitig. Der Arzt schaut mal kurz herein, ob auch alles "nach Plan" läuft und noch im vorgesehenen Zeitrahmen ist.

Piepsende Maschinen werden immer wieder zur Kontrolle und Absicherung der Klinik an die Mutter gehängt. Die Frau erhält genaue Vorschriften in Bezug auf ihre Position (meist Rückenlage) und natürlich auch in Bezug auf den Pressvorgang. Das Verabreichen von Einläufen rundet das Bild des üblichen Geschehens bei Klinikgeburten genauso ab wie regelmässige vaginale Routineuntersuchungen (womöglich durch wechselndes Personal).

All das gibt der Frau gar nicht erst die Gelegenheit zur Entspannung, sondern versetzt sie in Stress. Ihr Körper schüttet jetzt weder die schmerzstillenden Endorphine noch das Hormon Oxytocin aus. Stattdessen nimmt das Stresshormon Adrenalin die Zügel in die Hand.

Adrenalin ist ein Stoff, der dem Körper Gefahr signalisiert. Gefahr bedeutet "Flucht oder Kampf", aber ganz sicher nicht "Geburt". Im Gegenteil! Gefahr bedeutet "Geburt möglichst lange aufschieben, bis wieder Ruhe herrscht".

Adrenalin sorgt daher dafür, dass besonders die Muskulatur in den Armen und Beinen mit Blut versorgt wird (um fliehen oder kämpfen zu können). Von der Gebärmutter jedoch wird jetzt das Blut abgezogen.

Schmerzvolle Klinikgeburten

Kontraktionen einer schlecht durchbluteten Gebärmutter und eines insgesamt verspannten Körpers führen aber in Kombination mit einem Endorphinmangel zu Schmerzen – so dass jetzt häufig Schmerzmittel mit all ihren Risiken und Nebenwirkungen verabreicht werden.

Es gelangt ausserdem weniger Sauerstoff zum Kind und die Wehentätigkeit lässt automatisch nach oder kann womöglich ganz aufhören. Zusätzlich fallen jetzt oft auch die kindlichen Herztöne ab.

In einer solchen Kliniksituation wird nun schnell eingegriffen, da die Angst um das Wohlergehen des Babys an erster Stelle steht. Anstatt wieder eine sanfte Atmosphäre im Geburtszimmer zu schaffen, zieht sich nun die Spirale der medizinischen Interventionen enger und enger. Es entsteht noch mehr Stress, noch mehr Angst. Der Teufelskreis aus Angst, Verspannung und Schmerz ist da.

Ob eine Geburt also mit Komplikationen verbunden sein wird und ob sie ferner zu einem positiven Erlebnis für Mutter und Kind werden wird, hängt ganz wesentlich von der Umgebung und der Geburtshelfer ab. Sind Letztere entspannt? Lassen sie die Mutter gewähren? Oder wollen sie jede noch so kleine Komplikation im Vorfeld ausschalten? Greifen sie zu diesem Zweck zu viel drastischeren Massnahmen als sie eigentlich erforderlich wären – nur um die Geburt so schnell wie möglich zu beenden?

Eine gut ausgebildete Hausgeburtshebamme hingegen weiss genau, wann der Zeitpunkt da ist einzugreifen. Sie weiss aber auch, wann eine Mutter einfach nur etwas mehr Zeit benötigt, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Niederlande – Nation der Hausgeburten

Von allen westlichen Ländern sind die Niederlande Spitzenreiter in Sachen Hausgeburt. Dort gebären zwei Drittel der Frauen zu Hause. Die Niederlande eignen sich daher wie kaum eine andere Industrienation hervorragend für eine Untersuchung, die zeigen soll: Was stimmt denn nun? Sind Hausgeburten wirklich so riskant, wie weithin behauptet wird? Und sind Klinikgeburten automatisch so komplikationsarm und sicher, wie jeder Schwangeren weisgemacht wird?

Studie vergleicht Hausgeburten mit Klinikgeburten

Die Studie der Hebamme Ank de Jonge vom University Medical Center in Amsterdam wurde im Juni 2013 im British Medical Journal BMJ veröffentlicht und bezieht sich auf zwei Datenquellen: Das landesweite Perinatalregister, in welchem ca. 98 Prozent aller Geburten registriert werden sowie die nationale Studie über geburtsbedingte mütterliche Komplikationen in den Niederlanden.

Insgesamt wertete de Jonge die Daten von über 92.000 Frauen aus, die sich für eine Hausgeburt entschieden hatten sowie die Daten von über 54.000 Frauen, die eine Klinikgeburt bevorzugten. Keine der Frauen hatte eine Risikoschwangerschaft erlebt.

In ihrer Studie "Severe adverse maternal outcomes among low risk women with planned home versus hospital births in the Netherlands: nationwide cohort study" kam de Jonge zum Ergebnis, dass die Rate für wirklich schwerwiegende Zwischenfälle bei nicht-risikoschwangeren erstgebärenden Frauen bei 2,3 pro 1000 Hausgeburten lag, während 3,1 jener Frauen mit Komplikationen rechnen müssen, die in einer Klinik entbanden.

An nachgeburtlichen Blutungen litten laut de Jonges Studie 43,1 von 1000 erstgebärenden Frauen, die zu Hause ihr Baby auf die Welt brachten. In der Klinik war die Rate geringfügig höher, nämlich 43,3. Das Risiko einer manuellen Plazentaentfernung lag für Hausgeburten bei 29, bei Klinikgeburten ebenfalls geringfügig darüber, nämlich bei 29,8.

Bei Frauen, die bereits ein oder mehrere Kinder hatten, lagen die Raten sogar noch niedriger. Hier kam es nur bei einer Frau pro 1000 Hausgeburten zu ernsthaften Problemen. In der Klinik war dies jedoch bei 2,3 Frauen der Fall. Nachgeburtliche Blutungen konnten nur bei 19,6 Frauen beobachtet werden, die eine Hausgeburt erlebten, während in der Klinik 37,6 Frauen nachgeburtliche Blutungen hatten. Die Plazenta wurde nur bei 8,5 Hausgebärenden manuell entfernt. In der Klinik wurde dies bei 19,6 Frauen durchgeführt.

Hausgeburt sicherer als Klinikgeburt

Frauen mit einer normal verlaufenden Schwangerschaft sind mit einer Hausgeburt also geringeren Risiken ausgesetzt als bei einer Klinikgeburt. Abgesehen von den in der Studie untersuchten Punkten sind Frauen zu Hause natürlich auch nicht dem Risiko eines womöglich unnötigen Kaiserschnitts ausgesetzt. Auch vor überstürzten Zangen- und Saugglockengeburten sowie vor ungerechtfertigten Dammschnitten sind Hausgebärende natürlich besser geschützt.

Eine Hausgeburt in der Obhut einer kompetenten und erfahrenen Hebamme ist daher für Mutter und Kind (bei Nicht-Risiko-Schwangerschaften) die beste und gesündeste Entscheidung.

Fussnoten:

  • 1. Oxytocin: Dieses Wort stammt aus dem altgriechischen und heisst korrekt Ocytocin, was von ōkys "schnell" und tokos "Geburt": okytokos "leicht gebärend" abstammt. Oxytocin ist ein Hormon mit wichtiger Bedeutung für den Geburtsverlauf, unter anderem reguliert es die Gebärmutterkontraktionen. Darüber hinaus ist es für die Milchausschüttung verantwortlich. Oxytocin senkt auch den Stresshormonlevel, was für uns mit Wohlgefühl einhergeht.
  • 2. Endorphin: Ist eine Wortkreuzung aus "endogenes Morphin"; also ein vom Körper selbst produziertes Opioid und ist 200 mal stärker als Morphium! Endorphine sind damit die stärksten Schmerzmittel, die es gibt. Man gibt dem Endorphin auch den Namen "Glückshormon", da es für das "High-Gefühl" zuständig ist, das auch beim Orgasmus auftaucht. Bei Stress "fressen" jedoch die Stresshormone das Endorphin regelrecht auf.

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grit schrieb am 26.10.2013

Das was in diesem Artikel beschrieben wird, kann ich nur bestätigen. Meine erste Geburt war im Krankenhaus. Es waren stundenlange Höllenschmerzen. Das CTG ist dann noch verrutscht, wodurch die Herztöne des Babys scheinbar schlechter wurden und mir noch mehr Angst einjagten, als ich so schon hatte. Die ganze Geburt über hatte ich Angst, zu den etwa 30% Frauen zu gehören, die einen unnötigen Kaiserschnitt bekommen.

Es war sehr stressig für mich, ständig die Töne des CTG zu hören, denn bei jeder Wehe erhöte sich der Herzton des Babys sehr stark. Es schien mir, dass eine Wehe das Baby stressen würde und das machte mir Angst, dabei ist doch eine Wehe etwas ganz normales. Ich war nach der Geburt völlig fertig und konnte mein Baby gar nicht richtig geniesen. Muttergefühle kamen erst etwa 1 Tag später. Mein Baby war auch völlig ko und trank erst viele Stunden später, nachdem es ausgeschlafen hatte. Meine zweite Geburt hatte ich zu Hause. Es war wirklich toll. Dank auch einer vorgeburtlichen Akupunktur hatte ich kaum Schmerzen.

Meine Hebamme hatte nur in den Wehenpausen einen kleinen tragbaren CTG an meinen Bauch gehalten und die Herztöne klangen ganz normal. Diesmal waren wir nach dieser leichten Geburt beide sehr fitt und konnten unsere Zweisamkeit geniesen. Diesmal konnte ich auch die Glücksgefühle spüren, von denen mir andere Frauen berichteten. Eine Geburt kann also auch ein schmerzarmes tolles Erlebnis sein!

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Liebe Grit
Vielen Dank für Ihren Erlebnisbericht mit Happy End :-)
Viele Grüsse
Ihr Team vom
Zentrum der Gesundheit

Quellen