Verpackungen: Nanopartikel schaden dem Darm
Risiko für die Gesundheit

Verpackungen: Nanopartikel schaden dem Darm

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 08.07.2018
  • 1 Kommentar
Verpackungen: Nanopartikel schaden dem Darm
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Viele Lebensmittel-Verpackungen enthalten heutzutage Nanopartikel, z. B. Zinkoxid. Die winzigen Partikel dienen der Konservierung, verbessern also die Haltbarkeit der jeweiligen Lebensmittel. Doch auch wenn die Nanopartikel so praktisch sind – insbesondere für die Lebensmittelindustrie – gesund sind sie keineswegs. Eine Untersuchung vom April 2018 zeigte, dass Nanopartikel aus Verpackungen dem Darm schaden können. Sie beeinträchtigen die Funktion der Darmschleimhaut so stark, dass sich Schwierigkeiten bei der Resorption von Nährstoffen entwickeln.

Verpackungen mit Nanopartikeln: schlecht für den Darm

Nanopartikel sind zwischen 1 und 100 nm (Nanometer) gross. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von etwa 75.000 nm und ein rotes Blutkörperchen misst ungefähr 7.000 nm. Nanopartikel sind also extrem klein und verfügen daher über eine (relativ gesehen) enorm grosse Oberfläche sowie über eine höhere chemische Reaktionsfähigkeit als grössere Teile.

Diese Eigenschaften führen dazu, dass Nanopartikel von der Industrie sehr vielfältig eingesetzt werden können – ob für Farben, Kosmetika, Sonnenschutzmittel, Textilien, Autos oder was auch immer. Auch in der Medizin können Nanopartikel eingesetzt werden, z. B. um Medikamente gezielt an den Zielort zu transportieren. Dies soll Therapien verträglicher machen können, z. B. Krebstherapien.

Nanopartikel können also zweifellos Vorteile haben. Nichtsdestotrotz weiss man längst, dass mit der Nanotechnologie auch Gefahren einhergehen. Etliche Wissenschaftler warnen daher vor einem allzu sorglosen Einsatz der kleinen Partikel. Sie befürchten schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen, u. a. auf den Darm.

Zinkoxid-Nanopartikel werden zur Konservierung eingesetzt

Gerade weil Nanopartikel so winzig sind, ist es für sie ein Leichtes, in jeden Winkel unseres Körpers zu gelangen. Ja, sie können problemlos die Zellmembranen durchdringen und dort die Funktionsfähigkeit der jeweiligen Zelle beeinträchtigen. Nach wie vor weiss man viel zu wenig darüber, was Nanopartikel in komplexen Organismen anrichten können.

Forscher der Binghamton University in New York untersuchten die Wirkung von Zinkoxid-Nanopartikeln auf den Menschen, wenn die Partikel in Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden. Veröffentlicht wurde die Studie im Journal Food and Function im April 2018.

Zinkoxid-Nanopartikel verfügen über antimikrobielle Eigenschaften und werden gerne in Verpackungen von Mais, Spargel, Thunfisch und Geflügelprodukten eingesetzt. Bei manchen eingedosten Lebensmitteln könnten sich durch den Kontakt mit der Dose schwarze Verfärbungen entwickeln, was durch Zinkoxid verhindert wird, so dass die Lebensmittel immer gleichbleibend frisch und farbenfroh aussehen.

Nanopartikel gehen in grosser Menge in die Lebensmittel über

Das Forscherteam rund um Gretchen Mahler, Professorin für Bioingenieurwissenschaften, überprüfte nun insbesondere den Einfluss der Nanopartikel aus diesen Verpackungen auf das Verdauungssystem des Menschen.

Mit Hilfe der Massenspektrometrie konnten sie zunächst feststellen, wie viele Zinkoxidpartikel sich aus der Verpackung lösen und in das Lebensmittel übergehen. Es zeigte sich, dass die Zinkmenge in den entsprechenden Lebensmitteln hundertfach höher war als die empfohlene Tagesdosis an Zink.

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Gesunde Funktionen der Darmschleimhaut werden beeinträchtigt

In früheren Studien hatte man bereits die Auswirkung von Nanopartikeln auf die Zellen der Darmschleimhaut untersucht. Doch kamen damals sehr hohe Nanopartikelmengen zum Einsatz, mit denen man im realen Leben dann wohl doch nicht in Berührung kommt und die dann auch direkt einen Zelltod zur Folge hatten.

Mahler hingegen ging in ihrer Studie anders vor. Sie erklärt:

„Wir wollten die subtilen Wirkungen bei Dosierungen herausfinden, mit denen man tatsächlich in Kontakt kommt, wenn man entsprechend verpackte Lebensmittel isst.“

Es zeigte sich, dass die Zinkoxid-Nanopartikel in diesen üblichen Mengen die Darmschleimhaut so beeinträchtigen, dass die Art und Weise, wie sie Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei aufnimmt, verändert war.

Zinkoxid-Nanopartikel reduzieren die Nährstoffresorption

Die Nanopartikel bedeckten den Bürstensaum (Mikrovilli) der Darmschleimhaut. Mikrovilli sind winzige fingerförmige Ausstülpungen der Darmschleimhautzellen, die der Oberflächenvergrösserung und somit einer optimalen Nährstoffresorption dienen.

Werden die Mikrovilli jedoch von Nanopartikeln bedeckt, dann kann an diesen Stellen keine Nährstoffresorption stattfinden. Zinkoxid-Nanopartikel reduzieren also die Fähigkeit des Darms zur Nährstoffresorption.

Nanopartikel aus Verpackungen fördern Leaky Gut Syndrom

Auch können durch Nanopartikel entzündungsfördernde Prozesse aktiviert werden, was wiederum zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Leaky Gut Syndrom) führen könnte. In diesem Fall können auch Stoffe in die Blutbahn gelangen, die dort gar nicht hingehören, aber aufgrund der löchrigen Darmschleimhaut diese plötzlich gut passieren können. Ein Leaky Gut Syndrom ist häufig der Anfang von Allergien oder Autoimmunerkrankungen und sollte tunlichst vermieden werden.

Zwar wurde die Studie an einem In-vitro-Zellmodell durchgeführt, doch sollten die dort beobachteten Ergebnisse schon allein der Sicherheit der Konsumenten wegen ernst genommen werden, so Professor Mahler.

Studien an Tieren lassen ferner vermuten, dass Nanopartikel auch die Darmflora schädigen, was dann natürlich weitere Gesundheitsbeschwerden nach sich ziehen wird. Denn eine gestörte Darmflora steht am Beginn vieler chronischer Krankheiten.

Verpackungen möglichst meiden

Die beste Massnahme, um Nanopartikel aus Verpackungen zu vermeiden, ist natürlich, generell weniger verpackte Lebensmittel zu kaufen und auf Konservendosen ganz zu verzichten. Greifen Sie lieber zu frischem Obst und Gemüse vom Markt, Bioladen oder vom Bio-Bauern. In vielen Bio-Supermärkten kann man sich überdies Pasta, Getreide, Gewürze, Hülsenfrüchte etc. in selbst mitgebrachte Behältnisse abfüllen, so dass man auch bei diesen Lebensmitteln Verpackungen meiden könnte.

Auch Titandioxid ist ein Nanopartikel und weit verbreitet. Wir berichten unter nachfolgendem Link über seine Einsatzmöglichkeiten und die Gesundheitsrisiken, die mit Titandioxid in Verbindung gebracht werden: Titandioxid – Ein Stoff, den Sie meiden sollten

UPDATE Mai 2018: Die entsprechende Studie wurde inzwischen zurückgezogen, da sich ein Rechenfehler eingeschlichen hatte und die gelöste Zinkmenge offenbar nicht so hoch war, wie ursprünglich angegeben. Dies bedeutet nun aber nicht, dass Nanopartikel unproblematisch sind. Auch ist das Meiden von verpackten Lebensmitteln immer eine gute Idee, einerseits der Umwelt zuliebe, andererseits aber auch, da frische Lebensmittel grundsätzlich die gesündere Wahl darstellen.

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Zuletzt kommentiert

HFK schrieb am 25.05.2018

Diese Meldung, die sich auf eine eher mechanistische Arbeit aus dem rein wissenschaftlichen Umfeld zur Nanotoxikologie bezieht, ist auch bereits auf anderen Webseiten zitiert worden. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass die Originalarbeit wegen erheblicher Mängel bereits aus dem Jounal wieder zurückgezogen wurde. Daher sollte diese "Fake News" nicht noch weiter verbreitet werden. Nanopartikel sind nicht deswegen gefährlicher, weil sie als Nanopartikel so klein sind, sie sind nur dann eine Gefährdung für Mensch und Umwelt, wenn die Chemikalie, aus der sie bestehen, auch eine Gefährdung darstellt. Das was derzeit für Lebensmittel und Kosmetika zugelassen ist, ist unbednklich im Gebrauch!

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Hallo HFK

Natürlich wurde die Studie auf mehreren Webseiten gleichzeitig vorgestellt. Immer wenn eine neue Studie veröffentlicht wird, berichten Infoportale nun einmal darüber. Leider sind Nanopartikel auch in Wissenschaftlerkreisen umstritten - ganz gleich wie Ihre persönliche Meinung dazu auch lauten mag. Genauso ist eine Zulassung noch lange keine Garantie dafür, dass ein Stoff unbedenklich ist. Selbstverständlich haben wir einen entsprechenden Hinweis im Text untergebracht.

Viele Grüsse

Ihr Team vom

Zentrum der Gesundheit

Quellen