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Folsäure in der Schwangerschaft reduziert Autismusrisiko beim Kind

Folsäure kann nicht nur vor Neuralrohrdefekten schützen, sondern auch das Autismusrisiko mindern. Für Frauen, die sich Nachwuchs wünschen, sollten Folsäure daher schon 3 Monate vor der Empfängnis einnehmen und mindestens noch während des ersten Trimesters.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Stand: 22 April 2026
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Geringeres Autismusrisiko durch Folsäure

Folsäure wird von Schwangeren im Allgemeinen zur Vorbeugung des offenen Rückens (Spina bifida; Neuralrohrdefekt) eingenommen. Eine Verbindung zum Autismusrisiko ist dagegen nicht so bekannt.

Aus Studien weiß man aber inzwischen, dass die Einnahme von Folsäure vor der Empfängnis und in der Schwangerschaft auch vor Autismus schützt (3).

Folsäure - zum Schutz vor Neuralrohrdefekten

Die Einnahme von Folsäure – einem Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine (Vitamin B9) – wird zur Prävention des Neuralrohrdefekts schon ab 4 Wochen vor der Empfängnis empfohlen, damit sich ein entsprechend hoher Folsäurespiegel entwickeln kann.

Anschließend wird die Folsäure weiter eingenommen - und zwar in den ersten 12 Schwangerschaftswochen.

Eine spätere Einnahme hat in Sachen Neuralrohr keinen präventiven Effekt mehr, da sich das Neuralrohr zwischen Tag 21 und 28 nach der Befruchtung schließt. Allein zur Prävention der Spina bifida würde es somit genügen, 4 Wochen vor und 4 Wochen nach der Empfängnis Folsäure einzunehmen.

Doch benötigt der Embryo noch für andere Prozesse viel Folsäure - und genau diese stark folsäureverbrauchenden Prozesse finden mindestens in den ersten 8 Schwangerschaftswochen statt.

In dieser Zeit teilen sich die Zellen extrem schnell, spezialisieren sich („differenzieren“) und formen die Grundstrukturen aller Organsysteme:

Gehirn und Rückenmark, Herz und Blutgefäße, Leber, Darm, Magen, Wirbelsäule, Gesicht, Gliedmaßen und Sinnesorgane (Augen, Ohren). Es ist biologisch die empfindlichste Entwicklungsphase.

Folsäure - zum Schutz vor Autismus

Im genannten Zeitraum finden auch die für die Prävention von Autismus entscheidenden neurobiologischen Entwicklungsprozesse statt. Man empfiehlt hier sogar, mit der Einnahme schon 3 Monate vor der Empfängnis zu starten und sie über das erste Trimester (erste 12 Wochen) hinweg beizubehalten. Dies hat in Sachen Autismusprävention den größten Effekt.

Nimmt man Folsäure erst nach dem ersten Trimester ein, finden sich keine präventiven Wirkungen mehr.

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Folsäure kompensiert Autismusrisiko durch Pestizide

Im September 2017 schrieben Wissenschaftler der University of California im Journal Environmental Health Perspectives, dass Folsäure, wenn sie von der werdenden Mutter eingenommen wird, schon in der Schwangerschaft das Autismusrisiko senken kann (1). Sie bestätigten damit die Ergebnisse einer norwegischen Studie aus dem Jahr 2013 (2).

Der vor Autismus schützende Effekt der Folsäureprophylaxe wurde auch bei einer bestimmten Gruppe von Frauen festgestellt, die ein besonders hohes Risiko haben, ein autistisches Kind zu bekommen, nämlich bei jenen, die während der Schwangerschaft Pestiziden ausgesetzt sind, also z. B. in einer landwirtschaftlich genutzten Region leben.

800 µg Folsäure – Autismusrisiko sinkt

In der kalifornischen Studie zeigte sich, dass Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft täglich 800 µg Folsäure eingenommen hatten, ein signifikant geringeres Risiko hatten, autistisch zu werden als Kinder von Müttern, die weniger oder keine Folsäure einnahmen.

"Wir stellten fest, dass es für die Kinder auch dann ein geringeres Autismusrisiko gab, wenn ihre Mütter regelmäßig Pestiziden ausgesetzt waren, aber schon bei der Empfängnis Folsäure genommen hatten", erklärte Rebecca J. Schmidt, Assistenzprofessorin an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften.

"Natürlich sollten werdende Mütter versuchen, einen großen Bogen um Pestizide zu machen. Aber wenn sich der Kontakt zu Agrargiften nicht vermeiden lässt, könnte die Folsäure eine Lösung darstellen, das erhöhte Autismusrisiko aktiv zu verringern."

Untersucht wurden die Daten der Childhood Autism Risks from Genetics and the Environment (CHARGE)-Studie – und zwar von 296 autistischen Kindern zwischen 2 und 5 Jahren sowie von 220 Kindern, die sich "normal" entwickelt hatten.

Die Belastung mit Pestiziden wurde einerseits über die Befragung der Mütter in Erfahrung gebracht, aber auch mit Hilfe des kalifornischen Berichtes zum Einsatz von Pestiziden, der jährlich neu veröffentlicht wird und wichtige Details zur Pestizidbelastung der einzelnen Wohngegenden enthält.

Folsäure 3 Monate vor Schwangerschaft nehmen!

Die Ergebnisse der Untersuchung lauteten folgendermaßen:

Mütter, die weniger als 800 µg Folsäure einnahmen und Pestiziden ausgesetzt waren, hatten ein sehr viel höheres Risiko, ein autistisches Kind zu bekommen als Mütter, die 800 µg Folsäure nahmen und ebenfalls mit Pestiziden in Berührung kamen.

Am besten geschützt waren Mütter, die Pestizide meiden konnten und ausreichend Folsäure einnahmen.

Ideal sei es, Folsäure schon mindestens drei Monate vor einer geplanten Empfängnis einzunehmen und dies mindestens bis einschließlich des dritten Schwangerschaftsmonats beizubehalten. Natürlich könne dadurch das Autismusrisiko nicht gänzlich eliminiert werden. Doch reduziert werden, könne es durchaus, so die Forscher.

Folsäure beeinflusst An- und Abschalten von Genen

"Folat spielt eine sehr wichtige Rolle bei der DNA-Methylierung – ein Prozess, durch den Gene an- und ausgeschaltet werden – aber auch bei der DNA-Reparatur und -Synthese", sagte Professor Schmidt.

"Gerade in Zeiten schnellen Wachstums, wenn es zu einer sehr großen Zahl an Zellteilungen kommt (wie es bei einem Embryo der Fall ist), ist ein perfekter Ablauf dieser Prozesse für die spätere Gesundheit des Kindes entscheidend.

Kommt es hierbei jedoch zu Störungen – z. B. durch einen Folatmangel – können sich genetische Gesundheitsprobleme zeigen, die bei guter Folatversorgung gar nicht in Erscheinung getreten wären."

Zu viel Folsäure ist auch nicht gut

Da im Mai 2016 eine Studie erschienen war, in der ein zu hoher Folsäurespiegel im Blut von Müttern das Autismusrisiko der Kinder wiederum erhöhte (4), könnten entsprechende Artikel werdende Mütter verunsichern.

In dieser Studie hatte man 1391 Mutter-Kind-Paare untersucht und folgendes entdeckt:

Eine von 10 Frauen hatte nach der Geburt einen Folsäurespiegel, der viermal höher war, als er sein sollte (höher als 59 nmol/l). Das Autismusrisiko der Kinder dieser Frauen verdoppelte sich.

Gesunde Folsäurespiegel sollten bei einer Frau in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten gemäß der WHO zwischen 13,5 und 45,3 nmol/l liegen.

Man untersuchte auch den Vitamin-B12-Spiegel der neugebackenen Mütter. War dieser sehr hoch (höher als 600 pmol/l im Serum), verdreifachte sich das Autismusrisiko ihrer Kinder.

Waren beide Spiegel extrem hoch (Folsäure und B12), dann hatte das Kind ein um das 17,6-Fache erhöhtes Autismusrisiko.

Mögliche Ursachen zu hoher Folsäure-Werte

Wie aber kam es bei den Müttern zu diesen hohen Folsäure- und Vitamin-B12-Werten? Die Mehrheit der untersuchten Mütter hatte während der gesamten Schwangerschaft Multivitaminpräparate eingenommen. Diese enthalten häufig ebenfalls viel Folsäure.

Da in den USA überdies manche Lebensmittel (viele Fertigprodukte sowie Mehl und somit Back- und Teigwaren) mit B-Vitaminen angereichert sind, kann es leicht zu einer Überdosierung kommen.

In Europa sind angereicherte Lebensmittel noch nicht so weit verbreitet. Wer überdies aufmerksam einkauft, sieht schon in der Zutatenliste, ob das jeweilige Produkt angereichert ist und kann es meiden, wenn er/sie derzeit ein Folsäurepräparat einnimmt.

Folsäurespiegel messen lassen

Während der Schwangerschaft wird immer wieder Blut genommen, um z. B. den Eisenwert zu überprüfen. Regen Sie im Zweifel einfach auch eine Überprüfung Ihres Folsäurewertes an. Dann sehen Sie, ob Ihre Werte im Rahmen sind, ob sie zu niedrig oder womöglich zu hoch sind und können dann Ihre Nahrungsergänzung entsprechend anpassen.

Fazit: Folsäure nehmen - Autismusrisiko senken

Denken Sie also rechtzeitig an die Einnahme von Folsäure - und zwar schon in der Kinderwunschzeit.

Um das Autismusrisiko Ihres Kindes weiter zu reduzieren, sollten auch möglichst wenige Medikamente während der Schwangerschaft genommen werden. Denn immer wieder werden Antidepressiva, Paracetamol oder auch Asthmamedikamente mit der Gefahr, ein autistisches Kind zu bekommen, in Verbindung gebracht.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt zu Alternativen beraten, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen müssen.

Weiter unten bei den weiterführenden Artikeln finden Sie viele weitere Informationen rund um das Thema Autismus.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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