Süssstoffe als Zuckerersatz?

Wer abnehmen möchte, sollte möglichst wenig Zucker konsumieren. Weil viele dennoch nicht auf Süsses verzichten wollen, greifen sie zu künstlichen Süssstoffen oder Produkten, die derartige Süssstoffe enthalten.

Zahlreiche sogenannte "Diät"-Produkte enthalten sogar mehrere Süssstoffe gleichzeitig. Diät-Cola beispielsweise enthält eine Süssstoffkombination aus Aspartam, Acesulfam und Cyclamat.

Ärzte und Ernährungsexperten raten natürlich auch Diabetikern oft dazu, Zucker durch Süssstoffe zu ersetzen.

Da Süssstoffe kaum verstoffwechselt werden und die Darmschleimhaut daher auch meist nicht passieren, gelangen sie nicht in den Blutkreislauf. Daraus schloss man bislang, dass Süssstoffe auch keinen Schaden im Organismus anrichten könnten.

Das aber stimmt nicht, wie ein israelisches Forscherteam in einer mehrteiligen Studie nun feststellte.

Süssstoffe erhöhen Diabetes-Risiko

Dr. Eran Elinav und Prof. Eran Segal vom Weizmann Institut in Rehovot/Israel fanden heraus, dass Süssstoffe das Körpergewicht erhöhen und den Glucosestoffwechsel stören. Das wiederum sind die ersten Schritte in Richtung Diabetes und metabolisches Syndrom.

Letzteres besteht aus vier weit verbreiteten Symptomen: Übergewicht, erhöhte Blutzucker- und Blutfettspiegel sowie ein hoher Blutdruck.

Für das erste Experiment setzten sie dem Trinkwasser von drei Mäuse-Gruppen über elf Wochen hinweg einen der folgenden Süssstoffe zu: Saccharin (E 954), Sucralose (E 955) oder Aspartam (E 951).

Eine vierte Gruppe bekam Zuckerwasser zu trinken. Die fünfte Gruppe stellte die Kontrollgruppe dar und trank reines Wasser.

Die Süssstoff-Mäuse hatten am Ende den höchsten Glucosespiegel (= Blutzuckerspiegel). Ihr Blutzuckerspiegel war gar höher als der Blutzuckerspiegel jener Mäuse, die Zuckerwasser getrunken hatten.

Süssstoffe verändern Darmflora

Das führte die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Darmflora bei diesem Prozess eine Rolle spielen musste.

Beweisen konnten sie dies, indem sie die Mäuse mit Antibiotika behandelten, welche die Darmflora zunächst abtöteten. Danach konnten die Süssstoffe keine Störungen im Glucosestoffwechsel mehr hervorrufen.

Als nächstes transplantierten sie die Darmflora (sprich den Kot) von Mäusen, die Süssstoff bekommen hatten, in Mäuse, die noch nicht mit Süssstoff in Kontakt gekommen waren. Es zeigte sich, dass dadurch auch der gestörte Glucosestoffwechsel auf die anderen Mäuse übertragen wurde.

Süssstoffe machen dick

Eine Analyse der Darmflora ergab, dass Süssstoffe zu einer veränderten Bakterienzusammensetzung führten.

Bei den Mäusen, die Süssstoffe erhalten hatten, fanden sich besonders viele Bakterien im Darm, die langkettige Kohlenhydrate in Zucker zerlegten oder kurzkettige Fettsäuren bildeten.

Sowohl Zucker als auch kurzkettige Fettsäuren führen in zu hohen Mengen allerdings zu Übergewicht.

Dr. Elinav und sein Team analysierten jedoch nicht nur das Verhalten der Mäuse-Darmflora auf Süssstoff, sondern auch die Daten von 381 (noch) gesunden Menschen.

Jene Studienteilnehmer, die angaben, regelmässig Süssstoffe zu konsumieren, wogen nicht nur mehr. Ihr Glucosestoffwechsel und die Darmflora waren ebenfalls gestört.

Sieben freiwillige Testpersonen erklärten sich daraufhin bereit, die von der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde angegebene Höchstmenge des Süssstoffs Saccharin aufzunehmen. Schon nach einer Woche entwickelten vier von ihnen einen gestörten Glucosestoffwechsel.

Diese Ergebnisse spiegelten sich auch in den Stuhlproben der Testpersonen wider: Die vier Probanden, deren Glucosestoffwechsel gestört war, wiesen auch Veränderungen in der Darmflora auf.

Süssstoffe: Gesundheitsrisiko aus dem Labor

Die meisten Süssstoffe werden in Labors entwickelt, es handelt sich um künstlich hergestellte, chemische Stoffe.

Sie sind als Zuckerersatz im Handel, werden aber auch zahlreichen Lebensmitteln zugesetzt. Besonders häufig sind sie in Fertignahrung und sog. "Diät"-Produkten zu finden.

In der Liste der Inhaltsstoffe erkennen Sie Süssstoffe an den Kürzeln E 950 bis E 962.

Obwohl immer mehr Studien das Gegenteil beweisen, behaupten zahllose Ernähungsexperten und sogar wissenschaftliche Institute nach wie vor, synthetische Süssstoffe seien absolut unbedenklich und könnten prima in eine gesunde Ernährung integriert werden.

Gesunder Zucker

Wer Gewicht verlieren oder sein Diabetes-Risiko senken möchte, sollte daher auf keinen Fall zu künstlichen Süssstoffen oder Produkten greifen, die derartige Süssstoffe enthalten.

Eine Ernährung, die frei ist von isolierten Kohlenhydraten (Zucker, Weissmehl), ist der einzige Weg, um den Glucosespiegel im Blut dauerhaft und auf gesunde Weise niedrig zu halten.

Informieren Sie sich nicht nur über eine gesunde Ernährung, sondern auch über wirklich gesunde und tatsächlich unbedenkliche Zucker-Alternativen, wie z. B. die folgenden:

Und wenn Sie es nicht schaffen sollten, Ihren Zuckerkonsum einzuschränken, dann hilft Ihnen dieser Artikel, um Ihre offenbar vorhandene Zuckersucht zu überwinden:

Lesen Sie auch in unserem: Zuckerlexikon - Welcher Zucker gesund ist

Quellen

  • Dr. Eran Elinav et al., "Gut Bacteria, Artificial Sweeteners and Glucose Intolerance", Nature, September 2014, ("Darmbakterien, künstliche Süssstoffe und Glucoseintoleranz)

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