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Farbstoff Tartrazin (E102) - Gefährlich, aber erlaubt

Farbstoff Tartrazin (E102) - Gefährlich, aber erlaubt

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(Zentrum der Gesundheit) - Der Lebensmittel-Farbstoff Tartrazin durfte ab dem Jahre 1991 in Deutschland nur noch in Likören und Branntweinen verwendet werden, für Lebensmittel war Tartrazin verboten. Im Zuge der gesetzlichen EU-Angleichung hob man dieses Verbot sieben Jahre später wieder auf, so dass man den bedenklichen Farbstoff heute wieder in allerlei Fertigprodukten finden kann, ganz besonders in jenen für Kinder - und das, obwohl bekannt ist, dass Tartrazin allergieauslösend wirkt und bei Kindern zu Hyperaktivität führen kann.

Tartrazin - einst verboten, heute wieder erlaubt

Tartrazin gehört zu den gesundheitsbedenklichen Azo-Farbstoffen und färbt viele Fertigprodukte und Süßwaren gelb oder orange. Besonders häufig ist Tartrazin in Back- und Süßwaren, Brausepulver, Knabberprodukten, Puddingpulver, Desserts, Senf, Schmelzkäse, Käserinden und manchen Kunstdärmen. Auch in Kosmetika, Pflegeprodukten und sogar in Arzneimitteln kann Tartrazin enthalten sein. Da man aber weiß, wie ungünstig sich Tartrazin auf die menschliche, besonders die kindliche Gesundheit auswirken kann, müssen tartrazinhaltige Lebensmittel seit Sommer 2010 einen Warnhinweis tragen, dass der Farbstoff die Aufmerksamkeit und Aktivität bei Kindern beeinträchtigen kann - zumindest in Deutschland. Lesen Sie auch hierzu unseren Artikel: Gefährliche Giftstoffe im Lippenstift

Tartrazin im Urlaub

In Spanien hingegen wird Tartrazin in allen Supermärkten verkauft, ersetzt dort den wertvollen und früher eingesetzten Safran und wird mittlerweile täglich in großen Mengen in der traditionellen Küche verwendet. Denken Sie daran, wenn Sie dort im Urlaub sind und man Ihnen eine schön gelborange gefärbte Paella (typisches Landesgericht - Reispfanne mit Gemüse, Fleisch und Meeresfrüchten) serviert.

Tartrazin - Lebensmittel-Farbstoff aus Teer

Tartrazin kann neben E102 auch die undurchsichtigen Bezeichnungen "640" oder "19140" oder "Acid Yellow 23" tragen und wird aus Steinkohleteer gewonnen, also im Grunde aus jener absonderlich riechenden (und daher bei manchen Menschen Brechreiz auslösenden) schwarzen und qualmenden Masse, die normalerweise zu Straßenbelägen verarbeitet wird. Tartrazin wird auch in der Textil-, Leder und Papierindustrie verwendet.

Tartrazin und seine gesundheitlichen Folgen

Tartrazin kann nachweislich allergische Reaktionen auslösen. Diese äußern sich in Asthmaanfällen, Nesselausschlag, Schnupfen, Ekzemen und anderen Hautausschlägen. Weitere bekannte Nebenwirkungen von Tartrazin können die folgenden sein: Angstzustände, Migräne, Sehprobleme, Schilddrüsenkrebs, Eosinophilie (der Anstieg einer bestimmten Art Weißer Blutkörperchen), Depressionen, ADHS oder Hyperaktivität, unwiderrufliche Schädigung des Erbgutes, Herzrasen, Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit, allgemeines Unwohlsein, Hitzewallungen und OCD (psychische Störungen mit dem inneren zwanghaften Drang, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun, engl.: Obsessive Compulsive Disorder). In schweren Fällen können auch anaphylaktische Reaktionen auf Tartrazin auftreten. In manchen Ländern wird der Stoff auch an Hühner verfüttert, damit der Dotter ihrer Eier optisch ansprechender wirkt.

Tartrazin verschlimmert Karpaltunnelsyndrom

Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass der Verzehr von Tartrazin die Symptome des Karpaltunnelsyndroms (ein schmerzhaftes Leiden im Handgelenk, das durch die Kompression des Nervus medianus - der zwischen den Bändern und den Knochen des Handgelenks verläuft - ausgelöst wird) verschlimmern kann. Der Grund für diese Wirkung liegt darin, dass Tartrazin Einfluss auf den Vitamin B6-Stoffwechsel im Körper nimmt. Wenn jedoch Tartrazin aus der Ernährung verbannt wird, kann das Karpaltunnelsyndrom zumindest gelindert oder dessen Ausbruch komplett verhindert werden.

Tartrazin und Hyperaktivität

Im Jahre 2007 führten Wissenschaftler eine Studie mit 153 dreijährigen und 144 acht- bis neunjährigen Kindern durch. Die Kinder wurden in je drei Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 erhielt einen Farbstoffmix, der u. a. Tartrazin enthielt, Gruppe 2 trank einen ähnlichen Farbstoffcocktail, der jedoch kein Tartrazin enthielt und Gruppe 3 war die glückliche Kontrollgruppe, die farbstofffrei leben durfte. Gruppe 1 zeigte dabei ein auffallend gegenteiliges Verhalten im Vergleich zur Kontrollgruppe. Mit anderen Worten: Gruppe 1 bzw. 2 verhielten sich deutlich hyperaktiver als Gruppe 3. Die Forscher schlussfolgerten, dass eine Ernährung, die Farbstoffe enthält, generell das Verhalten von Kindern in Richtung Hyperaktivität beeinflussen kann. (TheLancet)

Alternativen gäbe es genug

Der Hauptgrund für die Verwendung von Tartrazin ist die Tatsache, dass es eine billige Alternative zu natürlichen Farbstoffen wie z. B. Beta-Karotin oder Safran darstellt. Kurkuma könnte ebenfalls als alternativer gelber Farbstoff in pikanten Speisen verwendet werden. Auch Annatto, ein rötlichgelber Farbstoff, der aus den Samen einer südamerikanischen buschförmigen Pflanze gewonnen wird, könnte Tartrazin ersetzen. Alternativen gäbe es also genug, aber wo kein Wille ist, ist auch kein Weg...

Aus diesem Grunde beachten Sie als Verbraucher besser die Zutatenetiketten oder - noch besser - kaufen Ihre Lebensmittel im Bio-Handel - nicht zuletzt Ihren Kindern zuliebe. Im Bio-Fachhandel werden Sie Tartrazin und ähnlich bedenkliche Zusatzstoffe glücklicherweise vergeblich suchen.

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Quellen

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