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25 min

Zwangsstörung: Natürliche Wege aus dem Gedankenkarussell

Zwänge beherrschen den Alltag vieler Menschen: Ständig sich wiederholende und aufdringliche Gedanken, die nicht mehr abgestellt werden können. Habe ich die Tür abgeschlossen? Habe ich mich angesteckt, als ich den Türgriff berührte? Den Gedanken folgen zeitintensive Rituale, wie das wiederholte Kontrollieren der Türe oder das gründliche Waschen der Hände. Doch was steckt hinter diesen Zwängen? Und wie können Sie diesen auf natürlichem Wege entgegenwirken?

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 05 Dezember 2022

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Jeder Mensch hat leichte Zwangsstörungen

Leicht zwanghafte Verhaltensweisen bzw. Rituale im Alltag kennt jeder – sie haben sogar viele Vorteile. Dazu zählen etwa Essensrituale, Schlafrituale oder Begrüßungsrituale. Dadurch werden automatische Abläufe erleichtert und wir müssen nicht jeden Tag aufs Neue dieselben Entscheidungen treffen, wie: Wo und wann esse ich? Was mache ich, bevor ich ins Bett gehe? Wann gehe ich ins Bett? Was sage ich, um jemanden zu begrüßen? Umarme ich ihn, gebe ich ihm ein Küsschen oder doch lieber die Hand?

Auch subklinische Zwänge, also solche, die noch keine wirkliche Beeinträchtigung für den Betroffenen oder seine Umgebung bedeuten, sind weit verbreitet. So haben einige Menschen die Gewohnheit, den Herd vor dem Weggehen zu kontrollieren oder zu überprüfen, ob die Haustür oder die Autotür verschlossen ist. Manche wollen es vermeiden, auf die Trennlinie von Fliesen zu treten oder haben das Bedürfnis, etwas zu zählen – das können Menschen sein, die ihnen im Alltag begegnen oder auch Dinge wie Straßenlaternen, Bäume oder Autos. All das wird jedoch noch nicht als Zwangsstörung bezeichnet – es sei denn, der Zählzwang ist für den Betroffenen belastend.

Was ist eine Zwangsstörung?

Von einer Zwangsstörung spricht man, wenn sich Gedanken und Handlungen wiederholt aufdrängen, die als unangenehm empfunden werden. Das könnte etwa der Gedanke sein „Ich habe vergessen, den Herd auszumachen, was ist, wenn das Haus nun abbrennt?“, woraufhin der Herd vor dem Verlassen des Hauses vielfach kontrolliert wird. Oft wird sogar mehrmals wieder zurückgegangen, obwohl man schon im Auto sass oder auf dem Weg zum Bus war, so dass sich der Betreffende auf diese Weise auch verspätet und im schlimmsten Fall wichtige Termine verpasst.

Die Betroffenen erkennen dabei, dass die Gedanken und Handlungen unsinnig und übertrieben sind, jedoch können sie sich gegen deren Auftreten nicht wehren. Die Handlungen und das Verlangen, diese auszuführen, wiederholen sich immer auf dieselbe Weise - versucht der Betroffene jedoch, dem nicht nachzugeben, macht sich eine starke Anspannung in ihm breit.

Zwangsstörungen beginnen häufig früh in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und treten gleich häufig bei Männern wie bei Frauen auf. Sie sind nach Angststörungen, Depressionen und Störungen durch Alkohol- und Medikamentenkonsum die vierthäufigste psychische Erkrankung in Deutschland. Etwa 2-3 % der Bevölkerung sind von einer Zwangsstörung betroffen ( 1 ) ( 2 ).

Zwangsstörungen sind mit Ängsten verbunden

Menschen mit Zwangsstörungen werden von Ängsten geplagt und neigen zum Katastrophendenken. So denkt sich ein Mensch mit Kontrollzwang beispielsweise: „Wenn ich die Wohnungstür nicht richtig abgeschlossen habe, wird bestimmt eingebrochen und alles gestohlen werden und ich stehe vor dem Nichts“. Aus diesem Grund wird unzählige Male am Türknauf gerüttelt, um sicherzugehen, dass die Tür verschlossen ist, gegen die Tür gedrückt oder der Schlüssel mehrmals hin- und hergedreht.

Doch auch viele andere Ängste, wie etwa die Angst vor Krankheiten oder die Angst einen geliebten Menschen zu verlieren, können hinter Zwängen stehen. So könnte sich ein Mensch mit Zwangsstörung beispielsweise denken: „Wenn ich jetzt nicht bis fünf zähle, dann stirbt ein geliebter Mensch“. Man nennt dieses Denken auch „magisches Denken“, da angenommen wird, dass eine Handlung die Ursache für ein Ereignis ist – also das Zählen ursächlich für den Tod ist – obwohl diese beiden Dinge eigentlich nichts miteinander zu tun haben ( 3 ).

Welche Arten von Zwangsstörungen gibt es?

Generell wird bei Zwangsstörungen zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen unterschieden. Zwangsgedanken spielen sich nur im Kopf ab und sind gekennzeichnet durch Denkinhalte, die wiederholt auftreten, intensiv wahrgenommen werden und sich regelrecht aufdrängen.

Zwangshandlungen hingegen werden auch ausgeführt und verursachen starke Angst, wenn sie unterdrückt werden. 70-90 % der Betroffenen leiden sowohl unter Zwangsgedanken als auch an Zwangshandlungen – seltener weist eine Person nur eine der beiden Formen auf.

Zwangsgedanken

Den Inhalten von Zwangsgedanken sind keine Grenzen gesetzt – es gibt unzählige davon und jeder Betroffene hat sie auf eine andere Art und Weise. So werden die einen von Ängsten geplagt, in der Arbeit etwas falsch gemacht zu haben und können an nichts anderes mehr denken. Andere fühlen sich gezwungen, bestimmte Sätze innerlich immer wieder zu wiederholen oder Gegenstände in ihrer Umgebung zu zählen. Am häufigsten treten jedoch Zwangsgedanken auf, die sich um Angst vor Schmutz und Ansteckung mit Krankheiten drehen.

Auch Zwangsgedanken mit sexuellen oder aggressiven Inhalten sind keine Seltenheit. Bei sexuellen Zwängen werden Betroffene etwa von Fantasien geplagt, die selbst als inakzeptabel oder abstoßend erachtet werden (z. B. Pädophilie) oder die sich um eine andere sexuelle Präferenz drehen (z. B. die Angst, homosexuell zu sein, obwohl man eigentlich heterosexuell ist). Aggressive Gedanken sind oft mit der Angst verbunden, sich selbst oder einen anderen Menschen (z. B. die eigenen Kinder) oder das eigene Haustier zu schlagen, verletzen oder gar umzubringen.

Zwangshandlungen

Wie auch bei den Zwangsgedanken, gibt es unzählige unterschiedliche Formen von Zwangshandlungen. Sie verursachen starke Ängste beim Versuch, sie zu unterdrücken. Häufig entstehen aus Zwangshandlungen auch Zwangsrituale - dabei muss eine Handlung in einer bestimmten Weise ausgeführt werden, z. B. der Vorgang des Händewaschens. Gelingt dies nicht, entsteht Angst im Betroffenen und er muss mit dem Ritual häufig wieder von vorne beginnen.

Zu den häufigsten Zwangshandlungen (meist in Kombination mit vorangegangenen Zwangsgedanken) zählen die folgenden ( 3 ):

Waschzwang

Am häufigsten ist die Angst vor Schmutz und die Ansteckung mit Bakterien oder Viren. Diese Angst geht oftmals mit einer Vermeidung von Situationen mit vermeintlich hoher Ansteckungsgefahr (z. B. Busfahren, Treffen von Freunden, Kontakt zu Tieren) sowie mit Wasch- und Putzzwängen einher. Dabei werden die Hände oder auch der ganze Körper nach dem Kontakt mit „gefährlichen“ Orten, Gegenständen oder Menschen übermäßig lange und intensiv gereinigt, gelegentlich auch mit gesundheitsschädlichen Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln. Diese Rituale können zum Teil mehrere Stunden einnehmen und auch häufig Partner oder Familienmitglieder miteinbeziehen, die darunter leiden.

So wird in einem Fallbeispiel einer 44-jährigen Frau mit ausgeprägtem Waschzwang erzählt: Wenn ihre 8-jährige Tochter von der Schule nach Hause kommt, muss diese ihre „verschmutzte“ Kleidung in einer Art Schleuse ablegen und die Mutter zwingt sie zu duschen. Auch mit dem Ehemann bestehen Probleme, da die Frau teilweise seine Kleidung entsorgt, alle Gegenstände abwischt und ihn auffordert, seine Hände zu waschen und zu duschen.

Kontrollzwang

Menschen mit Kontrollzwang trauen ihrer eigenen Wahrnehmung und Erinnerungsfähigkeit nicht und haben daher das Verlangen, bestimmte Dinge immer und immer wieder zu kontrollieren. Sie stellen sich Fragen wie: Habe ich die Haustüre verschlossen? Habe ich den Herd ausgeschaltet? Habe ich die E-Mail wohl auch verschickt? All das muss mehrfach und häufig nach einem bestimmten Ritual wie etwa eine bestimmte Anzahl von Malen überprüft werden.

In vielen Fällen steckt hinter dieser Kontrollsucht die Angst, eine Katastrophe auszulösen. Das kann etwa die Angst sein, einen Brand auszulösen, eine Überschwemmung zu verursachen oder einen Menschen oder ein Tier zu verletzen.

Ordnungszwang

Bei einem Ordnungszwang haben Betroffene den starken Drang, Gegenstände nach bestimmten Regeln zu ordnen – seien es Kleidungsstücke, die nach Farben geordnet, Wäschestücke, die genau aufeinandergelegt oder Stifte, die im rechten Winkel angeordnet werden müssen. Auch hinter diesem Zwang stehen Ängste, die für andere Menschen nicht logisch nachvollziehbar sind. Ein Zwangsgedanke könnte etwa sein: „Ich muss meine Kleidung farblich sortieren, sonst könnte einem Familienmitglied etwas zustoßen“.

Woran merkt man, dass man an einer Zwangsstörung leidet?

Nach dem ICD-10 (Internationale Klassifikation von Krankheiten) kann man von einer Zwangsstörung sprechen, wenn folgende Kriterien gegeben sind:

  1. Mindestens zwei Wochen lang sind an den meisten Tagen Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen oder beides vorhanden.
  2. Die Betroffenen leiden enorm unter der Zwangsstörung, empfinden diese als quälend oder werden in normalen Aktivitäten wie etwa im beruflichen und sozialen Leben eingeschränkt und gestört.
  3. Den Betroffenen ist bewusst, dass es sich um ihre eigenen Gedanken handelt und nicht um Gedanken, die von außen kommen. (Bei der Schizophrenie hingegen haben Menschen häufig das Gefühl, dass ihnen jemand von außen Gedanken „in den Kopf legt“ und es sich nicht um ihre eigenen handelt).
  4. Die Gedanken, Vorstellungen oder Handlungsimpulse wiederholen sich immer wieder in unangenehmer Weise.
  5. Die Gedanken und die Ausführung von Zwangshandlungen dürfen nicht angenehm sein. Wären es angenehme Handlungen, wären es keine Zwangsstörungen.
  6. Die Betroffenen versuchen, gegen Gedanken und Handlungen Widerstand zu leisten und sehen diese als unsinnig an (zumindest ein Gedanke oder eine Handlung der vorhandenen Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen sollte davon betroffen sein).

Wodurch entsteht eine Zwangsstörung?

Bei der Entstehung einer Zwangsstörung gibt es nicht EINE Ursache allein, sondern es spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle. Dazu zählen biologische Faktoren (z. B. Vererbung oder Störungen im Gehirn), psychologische Faktoren und Umweltfaktoren. Welche davon in welchem Ausmaß ausschlaggebend für die Entstehung sind, ist bei jedem Menschen unterschiedlich.

Kann eine Zwangsstörung vererbt werden?

Die Genetik scheint bei einem Teil der Betroffenen eine Rolle zu spielen, wobei Gen- und Umweltfaktoren sich gegenseitig zu beeinflussen scheinen. Eine familiäre Häufung konnte beobachtet werden – so haben Betroffene, die an einer Zwangsstörung erkranken, häufiger ein Familienmitglied ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder), das auch eine Zwangserkrankung oder zumindest gewisse zwanghafte Verhaltensweisen entwickelt ( 4 ).

Störungen im Gehirn

Es gibt Hinweise darauf, dass krankhafte Veränderungen im Gehirn eine Rolle bei der Entstehung einer Zwangsstörung spielen könnten. So weisen bildgebende Untersuchungen auf eine Veränderung des Hirnstoffwechsels und der Hirnaktivität hin – betroffen sind unter anderem die Neurotransmitter Dopamin, Serotonin, Glutamat und Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Diese Annahme wird unter anderem dadurch gestützt, dass bei bestimmten Verletzungen im Gehirn (z. B. durch Schädel-Hirn-Traumata) Zwänge entstehen ( 4, ) ( 5 ).

Psychologische Faktoren

Eine Reihe psychologischer Faktoren können einen Einfluss auf die Entstehung einer Zwangsstörung haben, insbesondere zählen dazu die folgenden:

  1. Erziehung (z. B. starke Reinlichkeit, zu geringer Freiraum für eigene Entscheidungen)
  2. traumatische oder verunsichernde Erfahrungen in der Kindheit (z. B. sexuelle Übergriffe, Tod eines nahestehenden Menschen)
  3. spätere negative Lebensereignisse
  4. Persönlichkeit (z. B. Perfektionismus, ängstlich-unsichere Haltung)

Weitere mögliche ursächliche Faktoren

Aus ganzheitlicher Sicht gibt es noch einige weitere Gründe, die zur Entstehung einer Zwangsstörung beitragen können und bei der Behandlung berücksichtigt werden sollten ( 5 ).

  1. Chronischer und schwerer Stress
  2. Entzündungen
  3. Schilddrüsenfunktionsstörungen
  4. Schwermetallbelastung
  5. Sauerstoffmangel bei der Geburt
  6. Infektionen (z. B. Streptokokkeninfektion)

Die Macht der Gedanken – Aufrechterhaltung von Zwängen

Ein bekanntes Erklärungsmodell betont, dass die Gedanken von Menschen mit Zwangsstörung sich nicht von jenen „normaler“ Menschen unterscheiden, diese lediglich anders damit umgehen und sie anders bewerten. Während sich der eine bei aufdringlichen Gedanken wie etwa der Befürchtung, einen Fußgänger überfahren zu haben, denkt: „Ich hätte sicher bemerkt, wenn ich jemanden überfahren hätte“, kann ein anderer die Gedanken kaum ertragen und reagiert mit Angst- und Schuldgefühlen.

Durch diese Macht, die der Betroffene den Gedanken verleiht, können sie das Handeln bestimmen und etwa dazu führen, dass dieser die Strecke mehrfach abfährt, um zu sehen, ob irgendwo ein überfahrener Fußgänger liegt. Die dadurch entstehende kurzfristige Erleichterung (weil weit und breit kein Verletzter zu sehen ist) begünstigt einen Teufelskreis, der dazu führt, dass sich der Zwang verfestigt und den Handlungen immer wieder nachgegangen wird. Der Betroffene nimmt sich die Chance zu erfahren, dass auch ohne Ausführung der Zwangsrituale nichts Schlimmes passiert.

Klassische Behandlung einer Zwangsstörung

Aktuell ist die kognitive Verhaltenstherapie – eine Form der Psychotherapie – das Mittel der Wahl bei der Behandlung von Zwangsstörungen. Ein zentraler Bestandteil dieser Behandlung ist die Konfrontation mit den belastenden Gedanken und Handlungen.

So soll etwa beim Waschzwang Schmutz berührt werden oder benutzte Handtücher zum Abtrocknen der Hände verwendet werden. Die anschließende Zwangshandlung – in dem Fall also beispielsweise ein Reinigungsritual der Hände oder des ganzen Körpers – soll dabei jedoch unterlassen werden. Durch diese Übungen soll die mit dem Zwang verbundene Angst nach einer gewissen Zeit der Konfrontation von selbst abklingen. Zwangsgedanken hingegen (z. B. „Ich werde meinen Sohn mit dem Messer verletzen“) sollen aufgeschrieben oder auf ein Tonband gesprochen und über den Tag hinweg immer wieder wiederholt werden, solange, bis die Anspannung nachlässt ( 1 ).

Antidepressiva – häufig mit Nebenwirkungen verbunden

Auch Medikamente werden häufig eingesetzt – speziell solche, die den Serotoninspiegel erhöhen. Dazu zählen vor allem SSRIs (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) wie Citalopram, Escitalopram oder Sertralin und das trizyklische Antidepressivum Clomipramin.

Die Einnahme von SSRIs kann jedoch mit zahlreichen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Appetitlosigkeit, Erbrechen sowie Schlafstörungen oder sexuellen Funktionsstörungen verbunden sein. Trizyklische Antidepressiva weisen sogar deutlich mehr unerwünschte Wirkungen auf und können abgesehen von den eben genannten auch zu Schwindel, Müdigkeit, Mundtrockenheit, Veränderungen des Herzschlags, Verstopfung oder Gewichtszunahme führen ( 6 ).

Es gibt jedoch auch viele natürliche Methoden Zwangsstörungen zu behandeln, von denen einige die gleiche oder sogar eine bessere Wirkung als Antidepressiva aufweisen.

Naturheilkundliche Methoden bei Zwangsstörungen

Aufgrund des begrenzten Erfolgs von Antidepressiva und der kognitiven Verhaltenstherapie gibt es schon viele Studien zu weiteren Therapieformen und natürlichen Mitteln zur Behandlung von Zwangsstörungen.

Ist eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen gegeben?

Eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen ist essentiell für die psychische Befindlichkeit. Daher sollte zunächst abgeklärt werden, ob Mikronährstoffdefizite oder ein Ungleichgewicht der Mikronährstoffe vorliegen. Ein Ausgleich der vorliegenden Mängel führt häufig zu einer Verbesserung psychiatrischer Symptome sowie zu einer besseren Wirksamkeit der psychotherapeutischen oder medikamentösen Behandlung ( 7 ).

Aminosäure Cystein

Die Aminosäure Cystein wird meist in Form von N-Acetylcystein (NAC) eingenommen, da diese einige Vorteile, wie unter anderem eine bessere Wasserlöslichkeit, aufweist, wodurch es besser vom Körper aufgenommen werden kann. NAC wird in der Leber zu Cystein umgewandelt und etwa für die Herstellung von Glutathion im Körper – eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien – benötigt. Zudem wirken NAC und Cystein antientzündlich und antioxidativ, was sie zu einem wichtigen Bestandteil der Behandlung psychiatrischer Erkrankungen macht (weiter unten lesen Sie, warum antientzündliche und antioxidative Maßnahmen bei Zwangsstörungen hilfreich sein können, denn sie werden auch mit entzündlichen und oxidativen Prozessen in Zusammenhang gebracht) ( 7 ).

In einem Artikel aus dem Jahr 2018 bewerteten italienische Wissenschaftler NAC als neuroprotektive (nervenschützende) Substanz, die bei therapieresistenter Zwangsstörung unbedingt supplementiert werden sollte ( 8 ). Eine kleine Pilotstudie aus dem Jahr 2020 über NAC bei Kindern und Jugendlichen mit Zwängen konnte bei 12-wöchiger Einnahme von bis zu 2700 mg NAC pro Tag eine Besserung der Symptome feststellen. Sie erhielten in der ersten Woche einmal am Tag 900 mg, in der zweiten Woche zweimal je 900 mg und in der dritten Woche dreimal täglich je 900 mg des Antioxidans ( 9 ).

(Auch bei Kindern werden ähnliche Zwangsgedanken und Zwangshandlungen wie oben beschrieben beobachtet. So kann ein Kind etwa die Vorstellung haben, seine Eltern könnten sterben oder es beginnt, zwanghaft alles zu zählen. Auch die Angst vor Krankheiten und das damit verbundene Hände waschen oder die Angst, seinem Geschwisterchen etwas anzutun sind nicht selten anzutreffen).

NAC kann auch die Wirkung von SSRI verstärken, also den Medikamenten, die bei Zwangsstörungen oft zum Einsatz kommen. So konnten Forscher aus dem Iran zeigen, dass die 10-wöchige Einnahme von NAC (2000 mg täglich) die Wirkung des SSRIs Fluvoxamin (200 mg täglich) bei mittlerer und schwerer Zwangssymptomatik deutlich verbesserte ( 10 ).

Als Vergleich: NAC wird auch als Hustenlöser eingesetzt, jedoch wird hier für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren lediglich eine Dosis von 600 mg pro Tag empfohlen. Die vergleichsweise hohe Dosis bei Zwangsstörungen führte in einer Studie, bei der die Teilnehmer 12 Wochen lang 2400 mg NAC einnahmen, zu keinen ernsthaften Nebenwirkungen. Acht der 48 Patienten gaben leichte bis mäßige Übelkeit und Erbrechen an und vier Patienten berichteten von leichtem Durchfall ( 32 ).

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Vitamine und Mineralstoffe

Vitamin B12 und Vitamin D spielen eine bedeutende Rolle bei psychiatrischen Symptomen, da sie unter anderem für die Produktion von Serotonin und anderen Neurotransmittern unerlässlich sind. Auch Homocystein scheint einen Einfluss auf die Funktionen der Neurotransmitter zu haben – so zeigte eine Untersuchung an Ratten einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Homocysteinspiegel und niedrigerem Dopamin- und Serotoninspiegel ( 33 ).

Türkische Wissenschaftler fanden im Vergleich zur Kontrollgruppe bei einigen Patienten mit Zwangsstörung signifikant niedrigere Spiegel von Vitamin B12 und Vitamin D sowie einen erhöhten Homocysteinspiegel ( 11 ) ( 12 ). Homocystein entsteht als giftiges Zwischenprodukt bei der Verstoffwechslung von Proteinen und wird im gesunden Organismus daher zügig abgebaut. Für diesen Abbau werden Vitamin B12, Vitamin B6 und Folsäure benötigt, so dass ein erhöhter Homocysteinspiegel auch auf einen entsprechenden Mangel oder Mehrbedarf hinweisen könnte. Beim Hausarzt lässt sich leicht der Homocystein- und Vitamin-B12-Spiegel überprüfen.

Auch die Konzentration verschiedener Mineralstoffe wie Selen, Zink, Eisen und Magnesium war bei Patienten mit Zwangsstörung geringer als bei gesunden Personen ( 13 ). Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigte, dass Selen die Wirksamkeit von SSRIs bei behandlungsresistenten Zwängen deutlich verbesserte. Die Teilnehmer nahmen 200 µg Selen täglich für sechs Wochen zusätzlich zu ihren üblichen Medikamenten ( 14 ). Diese Dosis ist nicht übermäßig hoch und wird auch bei Hashimoto empfohlen, einer entzündlichen Autoimmunerkrankung der Schilddrüse.

Antioxidantien gegen oxidativen Stress bei Zwängen

Ein Übermaß an freien Radikalen im Körper – auch als „oxidativer Stress“ bezeichnet – ist an der Entstehung unzähliger Krankheiten beteiligt. Dazu zählen auch die Zwangsstörungen. Oxidativer Stress wird durch einen ungesunden Lebensstil (z. B. durch Alkohol, ungesunde Ernährung oder wenig Bewegung) als auch durch Schadstoffe aus der Umwelt gefördert.

Im Jahr 2006 veröffentlichten türkische Wissenschaftler eine Studie, bei der bei 30 Patienten mit Zwangsstörungen und einer Kontrollgruppe mit 30 gesunden Personen verschiedene Kennzeichen für oxidativen Stress gemessen wurden. Dazu zählten Malondialdehyd, Vitamin C und Vitamin E. Es wurde bestätigt, dass die Teilnehmer mit Zwangsstörung einen deutlich niedrigeren Vitamin-E-Spiegel sowie eine höhere Konzentration von Malondialdehyd aufwiesen, also unter höherem oxidativem Stress litten. Auch der Vitamin-C-Spiegel war geringer als in der Kontrollgruppe, wenn auch nicht signifikant ( 15 ).

Um dem oxidativen Stress entgegenzuwirken, ist es bei Zwangsstörungen daher wichtig, auf eine gute Versorgung mit antioxidativen Mikronährstoffen zu achten. Diese sind in Gemüse, Salaten, Kräutern, Früchten, Sprossen, Wildpflanzen, Ölsaaten, Nüssen oder naturbelassenen Ölen enthalten. Eine besondere antioxidative Wirkung haben unter anderem die Vitamine C und E, Glutathion, OPC aus Traubenkernextrakt oder Anthocyane aus Beeren, z. B. Heidelbeeren, Aroniabeeren etc.. Weitere antioxidative Lebensmittel und Nahrungsergänzungen finden Sie in unserem Artikel Antioxidantien schützen unsere Zellen.

Welche Rolle der Darm bei Zwangsstörungen spielt

Seit einiger Zeit ist bekannt, dass eine sogenannte Darm-Hirn-Achse existiert, dass also der Darm und das Gehirn in enger Verbindung miteinander stehen und sich gegenseitig beeinflussen und miteinander kommunizieren. Aus diesem Grund wird angenommen, dass die Darmflora – also alle Bakterien, die unseren Darm besiedeln – einen Einfluss auf die Symptome einer Zwangsstörung hat.

Studien zeigten, dass Menschen mit Zwangsstörung sowohl eine verminderte Vielfalt von Darmbakterien als auch ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Darmbakterien aufweisen ( 16 ). Sowohl die verminderte Vielfalt als auch das Ungleichgewicht wurden mit Entzündungen im Körper in Verbindung gebracht, von denen vermutet wird, dass diese die Entwicklung von Zwangsstörungen begünstigen.

Man vermutet nun, dass der Darm möglicherweise eine Quelle für diese Entzündungen sein könnte. Denn ein Ungleichgewicht der Darmbakterien kann zu einem undichten Darm führen, wodurch die Schutzfunktion der Darmschleimhaut gestört wird und Krankheitserreger und Giftstoffe ungehindert in den Blutkreislauf gelangen können. Dadurch kann schließlich eine Entzündung entstehen. Details zum „undichten Darm“ und seiner naturheilkundlichen Therapie lesen Sie in unserem Artikel zum Leaky-Gut-Syndrom.

Auch Stress kann die Darmgesundheit beeinträchtigen. Denn Stress aktiviert die sog. HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse), auch „Stressachse“ genannt, was zur Ausschüttung verschiedener Stresshormone führt, die nun wiederum die Zusammensetzung der Darmflora negativ beeinflussen und außerdem eine entzündungsfördernde Wirkung haben ( 17 ).

Probiotika bei Zwangsstörungen

Zur Regulierung der gestörten Darmflora können Probiotika eingesetzt werden (= Bakterienstämme, die sich vorteilhaft auf die Darmflora auswirken und zur Regeneration des Darms beitragen). Bisher gibt es nur wenige Studien am Menschen über die Auswirkungen von Probiotika bei Symptomen der Zwangsstörung, jedoch einige bemerkenswerte Tierstudien.

In einer dieser Untersuchungen erhielten Mäuse, die an Zwangsstörungen litten, für mindestens zwei Wochen täglich eine Milliarde Mikroorgansimen des Probiotikums Lactobacillus rhamnosus GG. Im Vergleich zur Placebogruppe, die das SSRI Fluoxetin erhielten, konnte durch das Probiotikum eine ähnliche Verringerung des Zwangsverhaltens beobachtet werden ( 18 ).

Auch in einer weiteren Studie wurde eine Verbesserung der Symptome erzielt. In diesem Fall hatten Ratten vier Wochen lang täglich eine Milliarde Mikroorgansimen des Probiotikums Lactobacillus casei shirotaerhalten ( 19 ).

Fallbericht: Rückgang der Zwangssymptomatik durch Probiotika

Ein Fallbericht aus dem Jahr 2018 erzählt über einen 15 Jahre alten Jugendlichen, bei dem Autismus diagnostiziert wurde und der an schweren Zwangsstörungen sowie selbstverletzendem Verhalten litt.

Die Behandlung wurde mit sechs Kapseln des Probiotikums Saccharomyces boulardii der Marke Klaire Labs (3 Milliarden Mikroorganismen pro Kapsel) eingeleitet – zwei zum Frühstück, zwei zum Mittagessen, eine zum Abendessen und eine zum Schlafengehen. Nach einer Woche wurde die Dosis auf viermal täglich zwei Kapseln erhöht. Die Dosiserhöhung wurde fortgesetzt, bis eine Enddosis von 12 Kapseln zweimal täglich erreicht wurde. Nach drei Monaten mit 24 Kapseln pro Tag begann der Patient mit einer Entwöhnung, also einer Reduzierung der Dosis um vier Kapseln pro Woche, bis er bei dreimal täglich zwei Kapseln angelangt war.

Die Zwangssymptomatik und das selbstverletzende Verhalten sanken deutlich ab. Die Verbesserung der Beschwerden blieb auch langfristig bestehen. Die Einnahme des Probiotikums war sowohl zu Beginn als auch bei jeder Dosissteigerung mit einer Verschlechterung der Symptome verbunden. Dieser wurde mit Aktivkohle (viermal täglich eine Kapsel) entgegengewirkt ( 20 ).

Achtsamkeitsbasierte Psychotherapie lindert Zwangssymptomatik

Achtsamkeit beschreibt die bewusste Wahrnehmung und das Erleben des Moments ohne Wertung – das Hier und Jetzt soll mit allen Sinnen wahrgenommen werden.

Bei der achtsamkeitsbasierten Therapie wird, im Vergleich zur oben beschriebenen kognitiven Verhaltenstherapie, nicht versucht, angstauslösende Situationen absichtlich hervorzurufen (z. B. durch Berühren von Schmutz) – stattdessen sollen diese bewusst beobachtet werden, wenn sie auftreten. Betroffene werden dazu aufgefordert, jeden aufkommenden Gedanken genau zu betrachten, ihn als Gedanken wahrzunehmen und zu versuchen, ihn nicht zu bewerten (etwa als gut oder schlecht) sowie nicht zwanghaft danach zu handeln.

Eine Selbsteinschätzung von 12 Patienten ergab einen Rückgang der Symptome bei zwei Dritteln der Teilnehmer bereits nach acht Sitzungen ( 21 ). Auch andere Studien berichteten von einer Abnahme der Zwangssymptomatik durch achtsamkeitsbasierte Interventionen und beschrieben diese als vielversprechende Behandlungsmethode ( 22 ).

Achtsamkeitsübung bei Zwangsgedanken

Viele Menschen machen den Fehler anzunehmen, dass sie ein Sklave ihrer Gedanken seien und keine andere Wahl hätten, als sich ihnen zu untergeben. Für die folgende Übung ist es jedoch wichtig, sich bewusst zu werden, dass unsere Gedanken genau so viel Macht über uns haben, wie wir ihnen selbst zuschreiben.

Daher besteht beim Achtsamkeitstraining ein wichtiger Bestandteil darin, Gedanken zu beobachten, bewusst wahrzunehmen und diese in Folge zu steuern, um uns die Macht über unsere Gedanken wieder zurückzuholen.

Auch die Methode The Work von Byron Katie (die jeder auch ganz ohne Therapeut anwenden kann) arbeitet mit einem ähnlichen Ziel, nämlich den Gedanken, die einem in den Sinn kommen, einfach keinen Glauben zu schenken. Niemand kann wissen, ob der aktuelle Gedanke stimmt oder nicht. Gedanken kommen und gehen. Wir entscheiden selbst, welche Gedanken bei uns bleiben dürfen und welche wir einfach wieder ziehen lassen.

Eine hilfreiche Achtsamkeitsübung bei Zwangsgedanken kann z. B. ein visualisiertes Stopp-Schild sein. Machen Sie sich erst bewusst, welche Gedanken unerwünscht und einschränkend sind. Immer wenn diese Gedanken auftreten, entscheiden Sie sich bestimmt dafür, diesen Gedanken nicht weiterzuführen. Denken Sie an ein großes, rotes Stoppschild und schieben Sie den Gedanken beiseite oder Sie verpassen dem Gedanken geistig einen kräftigen Tritt in den Allerwertesten und befördern ihn auf den Mond oder Sie packen ihn in einen Käfig und versenken ihn in der Tiefsee oder was immer Ihnen einfällt. Auch wenn es anfangs noch schwierig erscheinen mag – Übung macht den Meister!

EMDR wirksamer als Antidepressiva bei Zwangsstörung

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eines der effektivsten Verfahren zur Behandlung von Traumafolgestörungen und kommt auch bei der PTBS (Posttraumatischen Belastungsstörung) zum Einsatz. Bei der EMDR wird ein belastendes Ereignis durch die Stimulation beider Gehirnhälften (z. B. durch Augenbewegungen) verarbeitet. Der Patient soll sich an das traumatische Erlebnis (z. B. die Trennung der Eltern) erinnern und folgt dabei den Fingern des Therapeuten mit den Augen, während dieser seine Hand auf Augenhöhe abwechselnd nach rechts und links bewegt ( 23 ).

Bei Zwangsstörungen stehen anstatt des traumatischen Erlebnisses die gefürchteten Situationen im Vordergrund. So könnte ein Betroffener, der an einer Angst vor Krankheiten leidet, das Bild von Millionen von Keimen, die im Dreck leben mit dem dazugehörigen Angst- und Ekelgefühl vor Augen haben, das durch die Augenbewegungen gemildert werden soll.

Mehrere Studien zeigten bereits die erstaunliche Wirksamkeit von EMDR bei Zwangsstörungen. So war die Methode in einer Untersuchung dem Antidepressivum Citalopram überlegen, während eine andere Studie eine ähnliche Wirksamkeit wie die klassisch angewandte kognitive Verhaltenstherapie bestätigte ( 24 ) ( 25 ).

Fallbeispiele von vier jungen Erwachsenen mit langjähriger Zwangsstörung berichteten von einer 70-prozentigen Symptomreduktion nach 14-16 einstündigen EMDR-Sitzungen mit Aufrechterhaltung bzw. weiterer Verbesserung der Symptome 4-6 Monate nach der Behandlung ( 26 ).

EMDR wird von Psychotherapeuten, Ärzten mit psychotherapeutischer Ausbildung oder von Heilpraktikern für Psychotherapie angeboten, die eine Ausbildung dazu absolviert haben.

Heilkräuter bei einer Zwangsstörung

Es gibt bereits eine Reihe an Heilkräutern, die entweder dieselbe Wirkung wie Antidepressiva bei der Behandlung von Zwangsstörungen aufweisen – jedoch ohne schwere Nebenwirkungen – oder die Wirkung der Mittel verstärken. Dazu zählen unter anderem Safran, Mariendistel, der kaukasische Natternkopf, Johanniskraut und die Schlafbeere (Ashwagandha) ( 27 ). Im Folgenden werden davon jene drei Pflanzen beschrieben, zu denen auch eine Dosierungsempfehlung vorhanden ist: Safran, Johanniskraut und Ashwagandha.

Safran

Die Krokus-Art Safran ist eine violett blühende Gewürzpflanze und unter anderem für seine antidepressiven, angstlösenden und neuroprotektiven Fähigkeiten bekannt. Auch bei Zwangsstörungen scheint dieser durch die enthaltenen Carotinoide Crocin und Crocetin – die aktiven Bestandteile der Pflanze – erstaunliche Wirkungen zu haben.

Wie eine iranische Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, scheint die Wirkung sogar dieselbe wie jene des Antidepressivums Fluvoxamin zu sein. Dabei erhielten 50 Männer und Frauen mit leichten bis mittelschweren Zwängen nach dem Zufallsprinzip entweder 30 mg Safran (zweimal täglich eine Kapsel von Saffromood) oder 100 mg Fluvoxamin pro Tag für zehn Wochen ( 28 ).

Johanniskraut

Da durch die Behandlung mit Johanniskraut bereits sehr gute Erfolge bei der Behandlung von Depressionen erzielt werden konnten, vermutete man, dass Johanniskraut auch bei Zwangsstörungen hilfreich sein könnte. Eine Studie an 12 Probanden, die für 12 Wochen zweimal täglich je 450 mg Johanniskraut mit 0,3 % Hypericin einnahmen, zeigte eine deutliche Verbesserung der Zwangssymptomatik. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Durchfall und Schlaflosigkeit ( 29 ).

Schlafbeere (Ashwagandha)

Die Schlafbeere (Ashwagandha) zeichnet sich durch zahlreiche positive Wirkungen aus – sie wirkt unter anderem angstlösend, antidepressiv und neuroprotektiv. Außerdem wirkt sie chronischem Stress entgegen, der zur Entstehung einer Zwangsstörung beitragen kann.

Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie zeigte, dass die Einnahme von 600 mg eines Ashwagandha-Wurzelextraktes chronische Stresssymptome und damit verbundene Ängste, erhöhte Cortisolspiegel sowie depressive Merkmale reduzierte. Die Teilnehmer sollten für zwei Monate zweimal täglich eine Kapsel des Präparates Inner Balance mit Ashwagandha KSM-66 (Ashwagandhaextrakt) nach dem Essen mit einem Glas Wasser einnehmen – also insgesamt 600 mg täglich. Die Einnahme war mit keinen nennenswerten Nebenwirkungen verbunden ( 30 ).

Auch bei Zwangsstörungen führte die Einnahme von Ashwagandha zusätzlich zu SSRIs zu einer stärkeren Abnahme der Symptome als bei der alleinigen Einnahme der Medikamente ( 31 ). Die Teilnehmer erhielten einen eigens für die Studie hergestellten Wurzelextrakt, weshalb die genaue Dosis nicht angegeben werden kann. Halten Sie sich bei der Einnahme daher am besten an die oben beschriebene Studie.

Selbsthilfetipps bei Zwangsstörungen

Im Folgenden finden Sie noch einmal einen kurzen Überblick der oben beschriebenen umfangreichen Möglichkeiten zur Behandlung von Zwangsstörungen und ein paar weitere Anregungen zur Selbsthilfe.

  1. Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr an Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralien und lassen Sie eine Blutuntersuchung durchführen, um mögliche Mängel festzustellen und schnellstmöglich beheben zu können.
  2. Lassen Sie feststellen, ob Sie an einer Schwermetallbelastung leiden und machen Sie eine Entgiftungskur, um Schadstoffe aus ihrem Körper loszuwerden. Wie genau Sie dabei vorgehen können, erfahren Sie in unseren Artikeln Schwermetallbelastung feststellen: Die Diagnose und Die Anleitung zum Entgiften.
  3. Beziehen Sie den Darm mit in die Behandlung ein (etwa durch die Einnahme von Probiotika).
  4. Bauen Sie Achtsamkeitsübungen wie etwa die oben beschriebene in den Alltag ein, indem Sie beim Auftreten aufdringlicher Gedanken ein Stoppschild visualisieren
  5. Unterstützen Sie Ihren Körper mit Heilkräutern wie Safran, Johanniskraut oder der Schlafbeere.
  6. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung. Die sogenannte mediterrane Ernährung wurde mit einer geringeren Häufigkeit stressbedingter psychischer Belastung in Verbindung gebracht und wird daher auch bei Zwangsstörungen empfohlen ( 5 ). Diese beinhaltet viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Olivenöl, Nüsse, Mandeln und Saaten sowie wenig Fleisch und Milchprodukte (eher Fisch) und kaum Alkohol (wenn, dann ab und an ein Glas Rotwein).
  7. Reduzieren Sie körperlichen Stress durch Entspannungsübungen wie der progressiven Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, Pilates oder Meditation.
  8. Sorgen Sie für ausreichend Bewegung, um Stress abzubauen – empfohlen werden entweder 2½ - 5 Stunden moderate Bewegung pro Woche, bei der Sie leicht ins Schwitzen kommen (z. B. Radfahren, Joggen) oder 1¼ - 2½ Stunden intensive Aktivität, bei der sie ins Schwitzen kommen.


Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.

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Quellen

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